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Jüdisches Volksblatt · 1903-07-03 · 27 (3.7.1903) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
27 (3.7.1903)
Date
1903-07-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 27 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 3. Juli 1903 Seite 3 scheu Allianz. Herr Kohn ist sehr vielseitig — untätig. Seine Beitragsleistungcn zu tschechisch-nationalen Zwecken btlbeti ein Vielfaches seiner auch dem Judentum«? zugute kommenden Unterstützungen. Ihn interessiert das Judentum blutwenig, denn er kennt ein solches überhaupt nicht; trotzdem gibt er „auch" für „israelitische" Interessen Geld her. Anfangs Mai wurde dem Kultusvorstand Herrn Kohn ein Aufruf und Sammelbogen für Kischencw überreicht. Beides wurde von ihm zurückgewiesen, da alles in deutscher Sprache abgefaht war. Seinem Willen wurde sofort entsprochen und die beiden Schriftstücke in böhmischer Sprache vorgelegt. Der Herr Haus¬ und Fabriksbesiher, Halbmillionär Max Kohn, der Vater eines bereits versorgten Sohnes ist, zwang sich für Kischcnew zu einer Veitragsleistung von fünf Kronen (I), indem er sagte: „Ich kann Ihnen „auch" nur fünf Kronen gebenI", welchen Betrag schon vor ihm ein Angestellter mit 1600 Kronen Jahresgehalt gezeichnet hatte. Erst nach eindringlichem Zureden subskribierte Herr Köln: zehn Kronen (l), lehnte aber jede weitere Intervention in seiner Eigenschaft als Kultusvorstand für Kischencw ab. Mit Mühe liest er sich das Versprechen abringen, die Angelegenheit „in der nächsten Kultusvorstandssitzung, die in drei Wochen stattsinden dürfte", auch vorzulegen. Den eindringlichsten Bitten um sofortige Einberufung einer austerordentlichen Sitzung gab er keine Folge. Erst den selbstlosen und energischen Bemühungen der Herren Kultusvorstandsmitglieder B. Löwy, Bohumil Reinisch und Hynek Abeles, welche die Wichtigkeit und Dringlichkeit der Sache sofort erkannten, ist es zu danken, daß binnen einigen Tagen 3300 K. für Kischenetv zu Stande kamen. Bemerkenswert ist der Ausdruck der Verwunderung und der Unzufriedenheit sämtlicher Przibramer Juden über den geringen Beitrag von zehn Kronen seitens des Herrn Kultusvorstandes Kohn, der jüdischen Zlvecken eben nur jene schäbigen Reste zuführt, die ihm bei seinen tschechisch-nationalen Agitationen übrig bleiben. Die Indolenz dieses Halb- und „Auch"-Juden Kohn für jüdische Angelegenheiten steht beispiellos da, was er in folgenden Angelegenheiten bewiesen hat: In Przibram lies; sich vor einigen Jahren ein jüdischer Zahnarzt nieder. Dieser, eia Assimilant der extremsten Sorte, konfessionsloser Jude, liest seine Frau in Brünn zurück, mit der er von Tisch und Bett getrennt lebt, beide Kinder aber mit sich nach Przibram nahm. Sein Vorhaben, die unter 14 Jahren stehenden Kinder taufen zu lassen, scheiterte an dem Widerstande der Mutter derselben, deren einziges Streben dahinging, ihre Kinder jüdisch erziehen zu lassen. Ein Renegat lätzt mütterliche Gefühle und Gesetze ebenso unberücksichtigt wie ein tschechisch-nationaler Kultusvorstand seine „israelitischen" Pflichten. Die jüdischen Kinder des schwarzlockigen Zahnarztes werden christlicher erzogen wie im Jesuitenkloster. Sie wohnen ausschließlich dem katholischen Religionsunterricht bei, antisemitische Allüren iverden ihnen gegen die eigene Mutter eingeimpft. Diese konunt alljährlich zwei- bis dreimal von Brünn nach Przibram, wendet sich in ihrer Berztveiflung und Ratloichkcit hilfesuchend und händeringend cm das kompetente und erste Forum, an den Przibramer Kultusvorstand, welcher teilnamslos jede Intervention stets und rundweg ablchnte. Auch ein mehrfaches, Ersuchen von jüdisch-nationale« Seite, in dieser Angelegenheit pflichtgemäß einzuschreiten, wurde von Herrn Kohn nicht berücksichtigt. ' Seiner jüdischen Indolenz und israelitischen Apathie steht eine aufopfernde Tätigkeit im Tschechisch-Nationalen gegenüber. In den jung-tschechischen „Przibramski listy" lässt sich der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Przibram, Herr Max Kohn in den Tagen von Kischei.u'w als echt hnssitischer Nationalheros, als ein trencr. ergebener Sohn Libussas feiern. „Przibramske listy" schreiben: In der am 24. v. M. abgehaltcnen Generalversammlung der „Narodni Jednota czeskoezidavska" erstattete der Obmann Herr Max Kohn, Kultusvorstand in Przibram, nachstehenden Rechenschaftsbericht: „Wie in den vorigen Jahren so widmeten wir auch in der heurigen Verwaltungsperiode, unserer Parole: „Das tschechische Kind gehört in die tschechische Schule!" Folge leistend, der hiesigen deutschen Volksschule die grösste Aufmerksamkeit. Heute, nach sechsjähriger systematisch und konsequent durchgcführier Arbeit (I) auf diesem Felde (I), verzeichnen nur mit Vergnügen, daß die Zeit nicht mehr weit ist, wo die deutsche Schule kein jüdisches Kind beherbergen wird. Besonders im heurigen Jahre zeigte es sich, dast die Zahl der jüdischen Kinder in dieser Schule beträchtlich gesunken sei. Im Vorjahre besuchten 43 Kinder die deutsche Schule, von welchen 22 jüdisch waren. Im Henrigen Jahre sank die Zahl der Kinder auf 35, davon bloß 8 jüdische und von diesen nur 4 hiesige." (Siel Die Zahl der christlichen Kinder st i e g von 21 auf 27, die der jüdischen sank von 22 auf 8. .Herr Kohn und Konsorten können wahrlich stolz sein auf ihre mit allen Mitteln erkämpfte nationale Heldentat, die zur Folge hatte, das; der jüdische Oberlehrer der deutschen Schule pensioniert >vurde.) „Auf den Zufluß aus fremden Schulgemeinden haben wir naturgemäß fast gar keine Jngerenz. Das mutz dem Ortsschulrate überlassen bleiben, welcher nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes und des Kultusministers ermächtigt ist, über bic Aufnahme von Kindern aus fremden Schulgemeinden zu entscheiden." (Das beweist: Der christlich-tschechische Ortsschulrat trägt in ausgiebigstem Maste durch die ausnahmslose Aufnahme auch auswärtiger Schulkinder zur Erhaltung der deutschen Schule bei, während die gewissenlosen „czesky czidy" mit den verwerflichsten Mitteln, Boykott und Ruin jüdischer Familien gegen Angelegen; heiten ankämpfen, die uns Inden überhaupt nichts angehcn.) Weiter heißt es in dem Berichte: „Aus den Kämpfen, die wir gegen die hiesige deutsche Schule führten, tragen wir als Trophäe eine Verwarnung der böhmischer: Statthalterci weg, welche unsere Arbeit gegen die deutsche Schule als politische betrachtet." „Irr der Zeit des Schulbeginnes erschienen in einigen Hetzblättern («Jüdisches Volksblatt") Berichte, deren Spitze direkt gegen unsere Ortsgruppe gerichtet war. Auf diese antworten wir ganz ruhig: „Wir geben der Hoffnung Raum, daß nicht die Tätigkeit unserer Ortsgruppe, sondern unserer Generation, welche in den böhmischen Gemeinden die jüdische Jugend in die tschechische einheitliche Schule gebracht hat, seinerzeit genügend gewürdigt werden wird. Wir trauern nicht, wenn diese Anerkennung nicht sehr bald kommen wird, denn!vir wissen, je später diese kommen wird, desto ehrenvoller wird sie seinl" „Es ist interessant, zu erfahren, das; das unlängst verstorbene Mitglied des Landesschulrates, Schulrat Professor Grüner, sich für unsere Arbeit gegen die deutsche Schule interessierte und sich alle Aufrufe, die unsere Ortsgruppe gegen die deutsche Schule herausgab, alle Broschüren. Schriften und Flugblätter, die die tschechisch-jüdische Bewegung in unserer Stadt betreffen, erbat." „Beim Vorsitzenden des Ortsschulrates wurde in (deutschen) Schulangelcgenheiten 13mal interveniert." (Ein hervorragendes tschechisches Mitglied des hiesigen ^Ortsschulrates, das gleichzeitig auch Stadtrat ist, äußerte sich einen: Mit- . ciltcbc der „Narodni Jednota czcskozidavska". gegenüber: Die steten chauvinistischen Reklamationen und kleinlichen unberechtigten , Beschwerden der „czesky zidy" sind uns im Ortsschul- und Stadtrat derart lästig und unangenehm, wie keine zweite Angelegenheit." Das ist die Wanzenpolitik der „Narodni Jednota czeskozidavska".) Herr Kultnsvorstand Kohn berichtet weiter: „Unsere Ortsgruppe trar für die Errichtung einer czcchischen Schule im Bölunerivaldgcbiete ein, wir beteiligten uns an dein tschechischen Sckmlvcreinsfeste (Ustrzedui matice schkolska), an den volkstümlichen Vorträgen an der Versammlung (des ausgesprochen antisemitischen!) Vereines tschechischer Bergakademiker „Prokop" (zu dessen Veranstaltungen kein Jude geladen, aber nichtsdestoweniger von den «czesky zidy" materiell und agitatorisch unterstützt Ivird!) „wegen einer bei u n s direkt notwendigen V o l k s l e s e h a l l e." (Vor einer Woche wurden von jüdisch-nationaler Seite unter den hiesigen Handelsangestellten Unterschriften gesammelt behufs Veranstaltung von tschechischen Vorträgen aus der jüdischen Geschichte. Als Kohn, der Kultusvorstand, hiervon erfuhr, setzte er alle Hebel und seinen ganzen Einfluß in Bewegung, um diese „freche Provokation zionistischer Ruhestörer und gewissenloser Friedensbrecher" im Keime zu ersticken, was ihm auch durch Anwendung der sonderbarsten Mittel gelungen ist, durch verleumderische Einschüchterungen und gemeine Drohungen wurden die Handelsangestellten von den „czesky zidy" gezwungen, ihre Unterschriften zurückzuziehen, und die übrigen vordem Unterschreiben gewarnt.) Traurig und unglaublich ist die Tatsache, das; der Kultnsvorstand sich öffentlich und mit Stolz brüstet, die czechisch-nationalen Aspirationen der „czesky zidy" in den geheiligten Tempelhallen durchgeführt zu haben: Er berichtet hierüber: „Dem Herrn Kantor Freund sind!vir dankbar dafür, dast er als Tempelgcsauge die Choräle von Skroup (I) einführt. Als bedcutendeir Schritt nach vorne betrachten wir die Beschaffung eines Tcmpelvorhangcs nicht mit jüdischer, sondern mit tschechischer Inschrift." Unsere herrlichsten altjüdischen und Sulzer'schen Gesänge müssen den nationalen Melodien eines tschechischen, arischen Musikanten weichen. Unsere Tempclvorhänge werden der Nachwelt bezeugen, datz den kriecherischen Naturell der „czesky zidy" nichts heilig. war in ihrer Genußsucht für fremdnationale entjudende Liebedienerei. Diese vertierten Kreaturen verschmähen die besten und gesündesten Gerichte am eigenen reich- und schöngedcckten Fanülientisch, um unter fremde Tische kriechen zu könneil,!vo sie, bespuckt und mit Füßen getreten, an abgenagten Knochen, Abfällen und Speiseresten mit Dank, ohlle zu murren, sich sättigeil, wo sie den Speichel lecken, mit dem sie bespuckt, und die Füße küssen, mit lvelchen sie getreten worden sind. Tatsache ist ferner, daß die Mehrzahl der Przibramer Juden die unjüdische Politik ihres Vorstandes auf das schärfste mißbilligt, jedoch aus Furcht vor dem Boykott durch die Freunde des Herril Kohn gegen diesell nicht aufzutretcn wagen. Die ganze Gemeiilde fürchtet sich vor ihrem .igenen Kultnsvorstand Kohl: uild vor feinen Genossen und Ratgebern. Vorstand Kohn ließ an den hoher: Festtagen seinen selbstitnb vielgepriesenen Tempclvorhang mit tschechischer Inschrift vor der heiligen Lade anbringcn. Mit Zustimmung der ganzen Gemeinde und zur größten Blamage der Herren Kohn und Konsorten, ivurde dieser Vorhang jedesmal auf Befehl des Herrn B. Löwy vom Tempeldiener beseitigt und darf auch ferner nicht angebracht werden. Zwei der würdigsten Mitglieder der „Niarodni Jedn >ta czcskozidavska" finb die Herreil Dr. Jindrzich (Heinrich) Kohn und Jakul Abeles. Der erstere ein Sohn ulld Spiritus rector d"s Herrn Kultusvorstandcs, ist eil: hoffilungsvoller Konzipient. Einem jüdischen Bergakademiker aus Rußland stellte er sich mit der für ihn bezeichnenden Ansprache vor: „Ich nähere mich Ihnen, weil Sie auch einer uilterdrückteil slavischen (I) Nation angehören, welche so nahe verwandt mit meinem tschechischen Volke ist, keinesfalls aber deshalb, weil Sie ein Jude sind!" Ein verwandter jüdischer Kollege, der Herr:: Dr. Jilldrzich Kohll um seine Protektion ersuchte, wurde voil diesem zurückgewiesen mit den Worten„Ja, wenn du kein Jude wärst, würde ich dir meine Protektion leihen!" Alle obigen Tatsachen, den Herrn Max Kohn betreffend, teilte ich in einem ausführlichen, ganz objektiven und unpersönlichen Schreiben der „O e st e r r.-J s r a e l. U >l i o n" mit, welche ich ersuchte, die widerrechtlich katholisch erzogenen Kinder des hiesigen Zahnarztes Dr. V. R. durch Einschreiten bei der Behörde dem Judcntumc zu erhalten. Trotzdem ich mich in meinem Berichte an die „Oe.-I. Union" mehreremale als Jüdischnationaler deklariert ulld der „Union" gestattete, von demselben jeder: Gebrauch inachen zu können, richtet diese cm ihren Vertra u e n s m a n n, dem Herrn Max Kohn in Przibram, ein derart schmöckisches, durch s ei ne Devot heit ekelerregendes Pertrauensvotum, in welchem alle Tatsachen, die ich gegen den hiesigen Kultusvorstand angeführt habe, einfach ignoriert, weder geprüft noch erwähnt werden, die unjüdische und tschechisch-nationale Politik deselbci: vollkommen gebilligt und ich einer deutschnationaleu uild d e u t s ch t ü m e l n d e n Gesinnung geziehen werde. So sieht es mit dem Schlltze aus, den die „Union" nicht bedrängten, noch verfolgten, sonderli bedrängenden und verfolgendeii „Glaubensgenossen" auf Kosten des jüdischen Volkes angedeihen lätzt. Roosevett's Aktion für Kischencw. Wir verfolgen in Oesterreich und Ungarn mit eiserner Konsequenz eine Politik der Gerechtigkeit gegenüber allen Völkern. Das trägt uns manchmal ein gescheitseinsollendes Lächeln von übereifrigen Skeptikerr:, die es für vorteilhafter halten, überall mit den Mächtigen zu gehen, das trägt uns auch Verfolgungen seitens übelwollender, autokratischer Regierungen ciil. I n jüngster Zeit e r st i st uns von de r u n g a r is ch e n R e g i e r ll n g wegen u >: s e r e s Ei i: t r e t e n s für halten an, mm: möchte sagen, erbgesessenen Positioneil handelt, bleibt für den Import ans der Monarchie sehr iveilig übrig. Bon Bemühungen, andere heimische Jildustrieerzeugnisse hier einzuführen oder den Absatz der hier bereits gangbaren Artikel zll vermehren, ist so gut wie nichts zu merken. Der Darstellung der Jmportverhältnisse einzelner wichtiger Artikel ist folgendes zll entnehmen: B e k l e i d ll n g s g e g c n st ä n d e (4 600 000). Die Bekleidung der einheimischen Landbevölkerung besteht im weselltlichen ans einem. uniformen leichten, heindartigen Gelvande uild aus einem schwereren Ueberkleide zum Schlitze gegen die kältere Witterung. Letzteres, in verschiedenen Typen, wird im Lande aus Schafwolle, Kamelhaaren und dergleichen: solidem Materiale hergestellt; das erstere hingegen ivird aus billigei: Baumwollstoffen verfertigt, welche einen Massenartikel des Imports bilden, an lvelchen: natürlich England mit dem Löwenanteil partizipiert. Die diesjährige Eillfuhr vo>: Baumwollwaren wird mit 2 600 000 Francs bewertet gegen 2 300 000 im Vorjahre. An diesem Import ist die Monarchie mit 62 500 Francs beteiligt, England mit zirka anderthalb Millionen. Der Rest entfällt zunächst auf die Türkei lind Aegypten lind zil verhältnismäßig lulbedeutenden Teilen ai:f Deutschland, Frankreich und Italien. In der: Import voll Wollstvffen (700 000) teilen sich England, Deutschland und die Monarchie, letztere mit 208 000 Francs. Geringe Oliantitäten voll Damellkleiderstoffel: lllld Modeartikeln kom>ne>l a:>s Frankreich. Seideillvare» (470 000). Die Provenienz lvar iloch vor kurzem fast aliSchlietzlich französisch. In ben letzten Jahreil begannen aber die Schweiz, Deutschland liild Italien erfolgreich zil konkurrieren. Andere Maiiufakturwaren (600 000) sind zlnil Teile auch östcrreichisch-ullgarischer Provenienz. Die Eillfuhr von fertigen Kleidern (133 4 60), nach wie vor eine österreichische Spezialität, nimmt in: allgemeinen zu, da die besseren Stände immer mehr ihre einheimische Kleidung gegen die europäische vertauschen. K o n s e r v e n (36 000). Palästina ist lvegen des häufigen MaiigelS guter, frischer Provisionen und infolge des bedeutenden Bedarfes für die Exkursionen und Landreisen der Pilger und Touristen ein verhältnismäßig guter Abnehmer für diesen Artikel lind sollten unsere Fabriken vielleicht versuchen, hier die Konkurrenz mit den englischen, französischen und dentschen Konserven anfzu- »ehnlcn. Bier (48 000) in Flaschen ivird zu einem Dritteile ans der Monarchie und zu zivei Dritteln aus Deutschland bezogen, neben geringen Mengen englischen Bieres. Da die Gerberei, ebenso ivie andere Industrien, auf einer sehr niedrigen Stufe steht, ivird nur ein Teil der hier produzierten Häute im Lande verarbeitet, während größere Mengen in rohem Zustande nach dem Auslände gehen. Hingegen wurden zur Deckung des lokalen Bedarfes Lederwaren für 290 000 Francs eingeführt. In diesen Ziffern sind fertige Schuhe inbegriffen, welche in geringen Quantitäten aus Erigland, Deutschland und Frankreich gebracht werden. Stroh- und Filzhüte (600) kommen aus Deutschland. Sonnen- und Regenschirme (10 000), zumeist billige Qualitäten, kommen vo>l Konstantinopel und Beirut. Einen hervorragenden Platz unter den hierländischeii Einfuhrartikeln nehmen Baumatevialien (1 200 000) ein. Das durch die, obwohl theoretisch verbotene, aber nichtsdestoweniger konstant vor sich gehende Jlldeneinlvandernng bedingte abnorme Anwachsen der Bevölkerung, sowie die stetige /Zunahme der religiösen und Wohltätigkeitsanstalten bringt eine verhältnismäßig lebhafte Balltätigkeit mit sich. Von dein, ivas man znn: Ballen braucht, findet man hier nur Steine, allerdings reichlich. Alles übrige mutz vom Auslande bezogen iverden. In erster Linie Holz (420 000), von welchem erfreulicherweise 90 Prozent aus der Monarchie stammen, und zwar alis der Bukowina, von wo dasselbe seinen Weg über Odessa hierher nimmt. Dieses vo>: Oesterreich gelieferte Holz dient teils als Bauholz, teils zur Verfertigung der Kisten, in lvelchen die Orangen aus Jaffa exportiert werden. Die Zahl dieser Kisten betrug im Berichtsjahre zirka 240 000. Die für bessere Tischlerarbeiten bestimmten Holzgnttungen kommen aus Schweden. Der Holzimport verspricht eine regelmäßige, nicht unbedeutende Zunahme, da man mehr moderne Bauten mit Giebeldächern aufzuführen beginnt, statt mit den früher allgemein üblichen flachen, auf Steingeivölben ruhende,, Terrassen. Aus demselben Grunde ist auch eine konstante Zunahme der Einfuhr von T-Eisen (120 000) zu erwarten. An diesem Import ist allerdings die Monarchie bisher nicht beteiligt. In denselben teilen sich Belgien und Deutschland. Stabeisen und Eisenblech (140 000) liefert ausschließlich Belgien. An dem Importe von Kleineisenwaren (160 000) ist die Monarchie mit 67 000 Francs, hauptsächlich Fenster- und Türenbestandteileii, beteiligt; der bedeutendste und fast ausschließliche Konkurrent ist Deutschland. Bauziegel iverden infolge der Billigkeit des Steinmateriales nur ivenig verwendet, hingegen nimmt ans den: früher erivähnten Grunde der Bedarf an Dachziegeln zu. Die Gesamteinfuhr von Ziegeln betrug im Berichtsjahre 40 000 Fralics und hatte Frankreich, Italien und die Türkei zur Provenienz. Es verlautet, daß die hiesigen Kunden über die Qualität der bisher gangbarsten Ware zu klagen beginnen, und iväre daher vielleicht der 'Zeitpunkt zu einem Versuche geeignet, die Produkte unserer Ziegelbreniiereieii hier einzuführe». Nicht nnbedelltend ist die Einfllhr von Zement unb hydraulischem Kalk (46 000), welche fast ausschließlich von Frankreich geliefert werden. Versuche, österreichischen Zement zu beziehen, sind an den ungenügenden Frachtverhältnissen gescheitert. Färb waren inklusive Leinöl zu Anstreicherzwecken (97 000) aus Deutschland, Belgien, Frankreich und England. Kerzen (44 000) kommen ausschließlich aus Frankreich und Belgien, hingegen ist die Monarchie am Export von Zündhölzchen (50 000) mit 34 280 Francs beteiligt. Soda (100 000) hauptsächlich aus Deutschland, zum Teile aus Belgien und der Türkei dient zur hiesigen Seifenfabrikation. Medikamente und Drogen (46 000), davon für 11 500 Francs aus der Monarchie, der Rest aus Deutschland, Frankreich und Italien. Papier (200 000). An der Einfuhr dieses Artikels ist die Monarchie mit 50 Prozent beteiligt. Der Rest verteilt sich auf Deutschland, Frankreich und Italien. Letzteres bemüht sich nicht ohne Erfolg, dem hiesigen Markt für italienisches Seidenpapier zu gewinnen, welches in Jaffa in großen Mengen zur Verpackung der Orangen benützt wird. G l a s- und P o r z e l l a n iv a r e n (110 000), davon für 42 600 Francs aus Oesterreich. Fensterglas liefert ausschließlich Belgien. Von sonstigen Glaswaren lieefrt Oesterreich zumeist die ordinären Sorten, während die feineren, übrigerls minder gangbaren, hauptsächlich von Frankreich und Belgien bezogen werden. Möbel (44 000), zumeist solche aus gebogenen: Holze, kommen fast ausschliehlich aus Oesterreich. Klaviere (Pianinos) (13 000) aus Deutschland. Ebenso beherrscht Deutschland den Markt in Lampen (10 000). Bettgestellc aus Eisen, Messing und Bronze (15 000) kommen vorzugsweise aus England. An der Einfuhr von M a s ch i n e >: (190 000) ist die Monarchie nur mit Nähmaschinen (5000) beteiligt. Landwirtschaftliche Maschinen sind wenig im Gebrauche, hingegen nimmt die Einfuhr von Petroleummotoren bedeutend zu, in lvelchen: Artikel sich Deutschland und England Konkurrenz machen. Leere Säcke (35 000). In guten Erntejnhren erreicht der Import dieses zumeist aus Indien kommenden Artikels unverhältnismäßig höhere Ziffern, da derselbe zur Verpackung des zur Ausfahr gelangeuden Getreides dient. Perlmutter (43 000) dient zur Verfertigung von Devotionalien und anderen Andenken von Palästina. Die bessere Ware kommt von den Gegenden des Roten Meeres. Abfälle (19 400) liefert Oesterreich.

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