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Jüdisches Volksblatt · 1903-06-26 · 26 (26.6.1903) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
26 (26.6.1903)
Date
1903-06-26
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 26 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 26. Juni 1903 Seite 5 die Juden systematisch betrieben werden, und zwar sowohl von den Polen wie auch von den Ruthenen. I. St. Ohne Anlaß. Die Deutschfortschrittlichen von Böhmen hielten da neulich im Prager Kasino einen Parteitag ab. Nicht so sehr ihre eigene Tüchtigkeit, als der Zwist im gegnerischen Lager haben der Partei in letzter Zeit wieder ^eine gewisse Stärkung zugefügt. So hielten sie denn die Zeit für gekommen, um Heerschau zu halten. Das große Wort führte am Parteitage der große antiliberale Liberale Dr. Pergelt. Er machte wieder Propaganda für den Gedanke», mit Hilfe der antisemitischen deutschen Fraktionen eine große deutsche Partei zu bilden. Darüber berichtet die liberale Presse sehr ausführlich. Aber einen Vorfall am Parteitage hat die .„N. Fr. Pr." unterschlagen. Bei dem Programmpunkte „Freie Änträge erklärte Dr. Kohn-Jechnitz nämlich: er habe in dem Tätigkeitsberichte eine Stellungnahme gegen den Antisemitismus vermißt. Die Abg. Schücker, Funke und Dr. Eppinger erklärten unter allgemeinem Beifall, daß sich kein Anlaß in dieser Beziehung ergeben habe, daß die Partei selbstverständlich auf ihren programmatischen -Grundsätzen diesen Fragen gegenüber bestehe, daß sie es jedoch nicht für taktisch klug halte, ihren Standpunkt ohne Anlaß zu markieren. Ohne Anlaß! Kaum einige Wochen sind vergangen, seitdem die Mehrheit der deutschen Abgeordneten sich für die famose Lex des Denunzianten Herzogs erhoben haben. Nur durch die Slave» ltud Klerikalen kam der Antrag Herzog zu Fall. Für die Deutschliberalen aber gibt es keinen Anlaß, ihren Standpunkt zu markieren. Getreu der Feigheit, die die Liberalen immer auszeichnete -und mit der sie vor jeder demagogischen Strömung sich fcheu zurückzogen, anstatt sie zu bekämpfen, erklären sie, daß es nicht -taktisch klug sei, ihren programmatischen Standpunkt zu markieren. Das sind die bekannten, so oft lächerlich gemachten taktischen Bewegungen der Altliberalen, mit denen sie so glücklich gegen den Feind manövrierten, bis sie schließlich Strategen ohne Heer waren. Und wie bescheiden ist doch Dr. Kohu-Jechnitz. Er ist zufrieden mit einer -Stellungnahme gegen den Antisemitismus im Rechenschaftsberichte. Dieses Vergnügen konnten ihm doch die Herren machen; das Papier ist ja sehr geduldig und errötet nicht. Nein, wir verlangen mehr! Wir verlangen, daß diese Kasinoten, die dem Juden Geld in Hülle und Fülle abneymen für deutschnationale Zwecke, auch wirklich für die Gleichberechtigung der Juden in der Praxis eintreten. Ist es -aber jemals dem berühmten Funke oder dem noch berühmteren Dr. Schücker eingefallen, den Ministerpräsidenten zu interpellieren über die konsequente Zurücksetzung der Juden im Staatsdienste? Das ist diesen Herren niemals eingefallen. Der berühmte Nachtwächter von Leitomischl beherrscht noch immer den Horizont dieser -Herren; dagegen ist ihnen die Lage der Juden höchst gleichgültig. Dem „Dziennik Poznanski" schreibt man aus Warschau: „Nicht allein Wsarschau, sondern auch die Provinzstädte '-Nussisch-Polcns sind von dem Ausbruch ernster Judenverfolgungen 'bedroht. Es bedarf nicht viel; jedes noch so geringfügige Vorkommnis, das mit den Juden in gar keinem Zusammenhänge steht, kann -jeden Augenblick Anlaß dazu geben. Man erinnere sich nur der Judenhetze, die in Warschau vor 22 Jahren stattgefunden hat. Sie -entstand in folgender Weise: In einem Gedränge beim Ausgang der -Heiligenkreuzkirche kamen einige Personen ums Leben — ein Ereignis, das die Juden doch sicherlich nicht verschuldet haben konnten. Da stieß jemand den Ruf aus: „Auf, gegen die Juden!" und es -entstand jene denkwürdige Judenhetze, die mehrere Tage anhielt und Zweierlei an den Tag legte: Die absolute Indolenz der Polizeibehörde in den gefährlichen kritischen Momenten und die längst bekannte Tatsache, daß wenn in der Stadt das Plündern freigegeben wird, sich auch rasch die Elemente finden, die davon bereitwilligst Gebrauch machen. Beunruhigende Gerüchte kommen des Oefteren aus verschiedenen Provinzstädten. Voran schreitet Lodz, wo man mit Massaeres droht; es verlautet, daß man sie vorbereitet, das Publikum zu ihnen animiert. Alle diese Gerüchte haben sich bisher nicht bewahrheitet. Die jüngsten Vorkommnisse in Lodz, die Überallhill telegraphisch mitgeteilt wurden, hattell den Charakter von gewöhnliche >l Straßeilexzessell. — Es sind aber auch Gerüchte verbreitet voll kleineren Ausschreitungen in Zdunska-lvola, Lomza und Ostrolenka, deren Richtigkeit sich umso welliger feststellen läßt, als ja verboten ist, darüber zu schreiben." Die Ereignisse in Südrußland und deren Folgen — wird in der Korrespondenz des lveiteren alisgeführt — so weit sie lokalen 'Charakter behaltell, würdeil die Polen lmr in untergeordlletem Mäße angehen. Aber die Jlldenfrage erstrecke sich bereits über den ganzen Westeil des Reiches, also auch über Polen und in ihreir Folgen dürfte sie mich für Warschau ganz umnittelbar verhüllgnisvoll fein. -Warschau sei ein jüdisches Eldorado, wohin, sich seit Jahren verfolgte 'Juden aus allen Teilen des Reiches flüchten; ihre Anzahl betrage bereits 40 Prozent der gesamten Bevölkerung. Es wäre nun zu befürchten, daß sie beim Ausbruch von Exzessell sich massenhaft organisieren nnb die Abwehr würde heftige uild blutige Formen annehmen. Er glaube zwar liicht dem Gerüchte, daß die Ziollisten eine Abwehr mit Wasfeil vorbereiten, er sei jedoch überzeugt, daß es zu offenen Strahenkämpfen und -Revolutionen korurnen rnüßte, da die Jllden 'Warschau für ihre (!?) Stadt halten .... Und da entstehe für ihll die Frage — nicht etwa, ob es nicht schon an der Zeit iväre, die Judenhetze in der Warschauer polnischen Presse einzudämmen, foubern die Frage, wie sich die Regierungsorgane bei eventuellen Judelunassneres in Warschau Verhalten würden, ob sie nicht Alllaß nehmen würden, Straßenkämpfe, die za -entstehen inüßten, zll politischen Zlvecken auszunützen? Ob nicht das revolutionierende Wärschau der Regierurlg Anlaß geben würde, das scheinbar ruhige Verhalten der Polell zll demaskiereil usw.? Jedenfalls sei die Judellhetze, die im Süden des Reiches ausgebrochen, nicht so fern von Warschall nnb wenn sie bis dorthin gelangen sollte, sei zll befürchten, daß sie höchst gefährlich werden könnte .... Cs leugne lluil wer da will, daß in diesen Ausführllngen nicht System liegt nnb daß die Warschauer Journalisten nicht ein edles 'Volk sind. Wie ganz anders verfuhr doch die Kischenewer Räuberbande! Ohile viel Federlesens fiel man über die Jllden her nnb überlegte gar nicht, tvelche Folgeil diese Untat haben könnte. Die „unterdrückten" Polen wollen kühler lmd besonneller ans Werk gehen. Warschall hat eine zahlreiche jüdische Bevölkerung, die sich, wie verlautet, bewaffnet und eine Abwehr organisiert. Sie würde der Bestialität verrohter Massen — daß es in Warschau, wenigstens zum größten Teile Polen wären, ist ja klar —- heftigen und blutigen Widerstand leisten; es würde zu Strahenkämpfen kommen, zu einer förmlichen Revolution, die die russische Regierung und deren Karrierenhascher gegen die polnischen Politiker ausnützen könnten — daher vorsichtig, es kann gefährlich werden! * Auch dem „Slowo polskie" wird über befürchtete Judenhetzen berichtet und der Korrespondent fügt die Mitteilung hinzu, daß die demokratisch-natioirale Partei in Warschau sich veranlaßt gesehen habe, anfangs Juni einen „Aufruf zu erlassen, der in zahlreichen Exemplaren in Warschau und der Provinz angeschlagen wurde." „Daß der Aufruf notwendig war — schreibt er — beweist der jüngste Judenexzeß am Sonntag den 7. d. M. in Lublin. Er begann in folgender Weise: Zwei elegant gekleidete Juden ginge,, des Weges und stießen auf zwei junge Bauern, die ihnen den Weg zu verstellen schienen — sie blieben also auf dem Trottoir stehen und wollten den Bauern nicht ausweichen. Die Bauern hieben auf sie ein uild warfen sie mit Faustschlägen nieder. Es entstand ein Lärm; gegen 25 Bauern rotteten sich mit Knütteln und Stöcken zusammen und cs begann eine förmliche Schlacht, in welcher mehrere Juden und ein Bauer verwlindet wurden. Es wurden viele Juden verhaftet . . . ." So entstehen Judenhetzen! M. B e n d o w. Chronik. Inland. Oesterreichischer Zionistentag. Die Begrüßung dG Delegierten erfolgt Samstag 8 Uhr abends im „Hotel Guth", II., Stephaniestraße. Die Beratungen im „Hotel Post" beginnen Sonntag morgens punkt 9 Uhr. * Bisher angemeldete Delegierte. Das Interesse an dem diesjährigen Parteitage ist ein außerordentlich reges. Die Delegiertenzahl dürfte die des Vorjahres bei weitem übersteigen. Bis 22. Juni sind nachfolgende Delegiertenwaylen dem i.-ö. D.-K. bekanntgegeben worden: Dr. Ludwig Goldwasser, Dr. Hermann S y r o p , Krakauer D.-K. Sina Aleksandrowicz, Mendel P a n n , Verein „Zion" in Krakau. Siegm. S t e g m a n n , Jonas Kreppet, Lancllt-Rzeszow. H. Beutler, A. Eisler, A. Heller, Kolin. Josef E ck st e i n , Karl P o r g e s , Eduard Rauscher, Rudolf R e i ch m a n n, Pilsen. Hugo Bergmann, „Bar Kochba", P;ag. Julius Syrop, Neumarkt. Llldwig Markus, Kuttenberg. cand. mech. Lebensart, cand. iur. Josef Haß, „Bar Kochba", Wien. iur. Josef M e i s l, „Geltlah", Olmüh. S. Deiches, Wien, 9. Bez. Dr. Adolf B r h k, Löbel Tau b e 's, Nadworna. Moses Schmidt, „Verein jüdischer Handelsangestellier", Wien. Moriz Bloch, „Achdus"', Krakau. Siegm. Bergmann, Wien, 1. Bez. B. Geiger, „Emunay", Bielitz. Max Bienenstock, Simon F e l d b l u m , „Przedswit", Krakau. Gustav K o h n , Samuel I n s l i ch t , „Allg. jüd. Arbeiterverein", Wien. H. Schimmer, Rabbiner Dr. D. Fink, Einzelverekn „Wien" des Zion. Dr. Max Bernhardt, Moriz Ehrlich, Jnnerösterr. D.-K. David Hasterlik, „Jüd.-nat. Arbeiterverein", Wien. Josefine Kaya ne, Minna Baad, „Verein zionistischer Frauen und Mädchen" in Fünfhaus. Dr. Martin Engländer, Dr. Isidor Schalit, S. E. Mich el st ü dt er (Ersatzmänner: Dr. Leopold K ahn, Dr. S. F r ä n k l, Josef Denker), Einzelverein „Mariahilf-Neubau". Samuel Bernhardt, S. M. H ö n i g sberg, Einzelveren „Fünfhaus". Löbel Taubes, Czortkow. Frl. Bertha Hermann, „Moriah", Wien. Frl. Gisela K o h n, „Bikur Chaulim", Wien. Israelitische Allianz. Hilfsaktion für Kischenew.) Herr Rabbiner Dr. Kaminka ist aus Kischenew zurückgekehrt und hat dem Vorstände über die Organisation der Hilfe und die Tätigkeit des an Ort und Stelle wirkenden Zentral-Komitees, an dessen Sitzungen er teilgenommen, eingehend Bericht erstattet. Nach einer -genauen Berechnung der Schäden und des Minimums der erforderlichen Hilfe ergab sich, daß die für die zirka 2400 in äußerste Not gebrachten Familien mindestens 1 108 000 Rubel aufzubringen sein werden. Dabei ist für die Geschäftsleute und Handwerker, deren Hab und Gut zertrümmert wurde, nur eine Entschädigung von 33 Prozent und für die Witwen und Waisen nach den Ermordeten (zirka 160 Seelen) nur die, nach den lokalen Verhältnissen bemessene, sehr bescheidene- Unterstützung zur Gründung einer Existenz bezw. zur Erziehung der Kinder in Aussicht genommen; die diesbezüglichen, jenen großen Teil auf Grund der Ermittelungen und Berichte der für die Familien der Ermordeten vom Komitee eingesetzten Kuratoren bereits bewilligten Subventionen zwischen 260—1000 Rubel (als einmalige Unterstützung pro Kopf). Eine in vielen Fällen gebotene Erhöhung wird nur möglich sein, wenn das Ergebnis der Spenden-Sannnlungen das obige Minimal-Erfordernis übersteigen sollte. Vis Mitte Juni waren beim Komitee in Kischenew, zu dessen Mitgliedern die angesehensten, in ganz Rußland das größte Vertrauen genießenden jüdischen Persönlichkeiten gehören, zirka 020 000 Rubel (1 660 000) eingegangen, wovon etwa die Hälfte aus R n ßll a n d selbst, lvo fast in allen Gemeinden Sammlungen veranstaltet werden und von den entlegenstell Städten Beiträge gesendet werden (z. B. aus B a k ll 8000 Rubel, aus Port A r t h u r 2400 Rubel, eine Sammlwlg des jüdischen Wochenblattes „Woschod" ergab zirka 40 000, der „Nowosti" 24 000 Rlibel). ErgebnissederSammlungenderJsraelitischen Allianz z u Wien. Bis heute sind einschließlich der avisierten Sendilngen zirka 200 000 Kronen eingegangell, daruilter sind außer den bereits mitgeteilteir E i n z e l s a in m l u n g e n folgende zu nennen: Prag, weitere Sendungen durch Herrn Dr. A. Rosenbacher, Obmann der Filiale der Israel. Mianz K. 1346.60; K. 1160 und 860.82 (zusammen mit früheren Sendungen K. 31 076.23, darunter 8181.77 aus Böhmen), Teplitz durch die Jsr. Kultusgemeinde K. 4201.60, Czernowitz (Filiale der Israel. Allianz) weitere Sendungen K. 2000, Gesamtergebnis K. 6173.02 (daruriter von der Kultusgemeinde K 400, von einer Theatervorstellung durch den Verein „Zephira" K. 330.46, Sammlung der Gemeinde Putilla K. 200.60) . T ü r k i s ch - i s r a e l. Gemeinde in Wien K. 1300, Jglau (durch Rabbiner Dr. Unger) K. 403, Agram durch die Redaktion der „Agramer Zeitung (zweite Sendung) K. 421, Reichenberg K. 2319; LinzK. 971;Komotau (durch Rabbiner Dr. T h i e b e r g e r) K. 260, Brünn (weitere Sendung) K. 296, Kremsier (Rabbiner Dr. Frankl-Grün K. 135* G r. Meseritsch (durch Herrn I. G. Müller) K. 167, W o d n ia n (durch Rabbiner Kraus) K. 48, Kolin (Ergebnis einer Theatervorstellung) K. 363.92, Friedek-MistekK. 148, Kgl. Weinberge (Jsr. Frauenverein) K. 329, Muglitz K. 123, Arnau a. d. E. K. 140, Stanislau (weitere Sammlung durch den Verein „Aguldus Achim") K. 46, Rokyzan K. 180, Brüx (Chewra Kadischa) K. 60, Podebrad K. 224, Hohenems K. 66, Jicin K. 182, D u k l a K. 100, R e i ch e n a u K. 90, S e n f t e n b e r g K. 149, Teltsch K. 100.40, Chrudim (durch Herrn Friedrich Stein) K. 123.20. Mariahilfer Tempel- und Schulverein. Der Tempel- und Schulverein 6. Bez., Stumpergasse 42, hat am, 7. Juni a. c. seine 10. ordentl. Generalversammlung unter lebhafter Beteiligung abgehalten. Als Delegierter der löbl.Kultusgemeinde erschien Hr.Kultusrat Architekt Max Fleischer. Es erfolgt die Erstattung des Jahres¬ und Rechenschaftsberichtes, aus welchem hervorging, daß sich der Verein in fortschreitender Richtung bewegte, da während der Verichtsperiode eine größere Anzahl neuer Mitglieder beigetreten sind. Weiters wurde durch Adaptierung eine Verschönerung der Tempel- und Schullokale vorgenommen. Nach Genehmigung des Rechenschaftsberichtes wurde dem Vorstande das Absolutorium erteilt. Sodann ergriff Herr Kultusrat Architekt Max Fleischer das Wort, der die rege Tätigkeit des Vorstandes, ganz besonders die -großen Erfolge der Talmud-Thora-Schule in anerkennender Weise betont und versprach, nach Tunlichkeit für die Interessen des Vereines jederzeit einzutreten. Bei der hierauf vorgenommenen Neuwahl wurden die Herren Leopold Fürst, Heinrich Münzer und Heinrich Zollschan wiedergewählt und bei der konstituierenden Vorstandssitzung wurden Herr Moritz Felsenüurg zum Präsidenten, Leop. Fürst zum Vizepräsidenten, Salo Wientel zum Schriffführer und Em. Max Weiß zum Kassier gewählt. Aus Lemberg. Das von dem bekannten Menschenfreunde kais. Rat Jakob Stroh erbaute Heim für arme Witwen, ein von Wiesen und Gärten umgebenes freundliches Haus, wurde neulich in aller Stille, wie es der Erbauer wünschte, in die Verwaltung der Jüdischen Kultusgemeinde übergeben. Schon vorher hatte kais. Rat Stroh zwei Stiftungen errichtet. Eine von 80 000 K. zur Verheiratung jüdischer Mädchen und eine für 24 000 K. für Kranke. — Am 4. Juli findet beim Verwaltungsgerichtshofe die Verhandlung zwischen dem hiesigen Kultusvorstande und der orthodoxen Gemeinde statt betreffs der hiesigen Gemeindestatuten. Wir hoffen, daß bei der jetzigen Lage der galizischen Juden zwischen beiden Streitteilen bald ein Friede geschlossen werde. F. H. Schomer Israel. Der jüdisch-politische Verein „Schomer Israel" in Lemberg beschloß in seiner Versammlung vom 20. ds., dem Abg. Breiter den Dank für seine mannhafte Verteidigung der jüdischen Interessen auszusprechen. Abg. Emst Breiter trägt sich mit dem Gedanken, ein polnisches Tagblatt mit wahrhaft freiheitlichen Prinzipien zu gründen, eine Idee, die Unterstützung verdient. Ein Ehrenbürger. Aus Podwoloczyska wird berichtet : Auf einhelliges Verlangen aller Schichten der hiesigen Bevölkerung ohne Unterschied von Stand und Religion, wurde der hiesige Hausbesitzer und Kaufmann Herr Nathan Katzner vom hiesigen Gemeinderate einstimmig zum Ehrenbürger der Stadt Podwoloczyska ernannt, aus welchem Anlasse ihm vom Gros der hiesigen Einwohner große Ovationen mit Fackelzug und Musikbegleitung dargebracht wurden. — Herr N. Katzner, durch sein allgemein philantropisches Wirken lange bekannt, hat dieses Jahr für die hiesige Bevölkerung und speziell für den ärmeren und Mittelstand, dem das Gros der arbeitenden Klassen angehört, ein Werk von sozialpolitischer Bedeutung geschaffen, indem er die Ungerechtigkeit der seit dem Jahre 1882 von der hiesigen Einwohnerschaft erhobenen unerschwinglichen Hauszinssteuer den Behörden nachwies und die Einführung der richtigen Hausklassensteuer durchsetzte. Die hierdurch geschaffene Umwälzung ist eine so große, daß im Durchschnitte die armen Leute bloß ein Zehntel von dem zu zahlen haben werden, was sie früher zahlten. Noch einmal die Kultusgemeinde für eine antisemitische Firma. LöblicheRedaktion! Die Kultusgemeindewahlen sind kaum hinter uns und schon zeigt es sich, daß der Vorstand gar nie daran dachte, seine Wahlversprechungen einzuhalten. Diese Herren bauten so sehr auf die Indolenz der jüdischen Wähler, daß sie es nunmehr nicht scheuen, die Interessen der jüdischen Gewerbetreibenden mit Füßen zu treten. Diese Herrn waren es ja von jeher gewohnt, jede öffentliche Kritik unterdrückt zu sehen, und so darf es nicht wundern, daß ihr Leiborgan „Oesterreichische Wochenschrift" kein Wort des Tadels gefunden hat, als die elektrische Installation an eine antisemitische Firma vergeben wurde, und das will ein Blatt sein „Zur Vertretung der gesamten Interessen des Judentums". Aber, Gott sei Dank, wir haben einen „Verein Jüdischer Gewerbetreibender" und dieser läßt ein solches an seinen Mitgliedern verübtes Unrecht nicht ungeahndet; er beruft eine Ausschußsitzung ein, um eine Protest- Versammlung in dieser Angelegenheit zu beschließen. Vorher jedoch besucht unser Vereinsptäsident sämtliche Kultusvorstände, um sie auf die Folgen einer Protest- Versammlung aufmerksam zu machen, die bei der herrschenden Entrüstung nicht mehr unterdrückt werden könne. Und was geschieht bei dieser Ausschußsitzung? Nachdem sämtliche Herren ihrer Entrüstung Ausdruck gegeben und fast alle für die Abhaltung einer Protest-Versammlung gestimmt hatten, da erhob sich in letzter Minute ein Herr, der die Befürchtung aussprach, daß eine solche Protest- Versammlung manches verdienstvolle Mitglied des Vorstandes zur Demission zwingen könnte. Kaum waren die vorbereiteten Worte gesprochen, da zog auch schon der Herr Präsident ein ebenfalls vorbereitetes Schriftstück aus der Tasche, welches einen geharnischten Protest gegen das Vorgehen des Kultusvorftandes enthält, es soll aber diesmal noch Gnade für Recht walten und von einer

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