Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 26 (26.6.1903)
- Date
- 1903-06-26
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 26. Juni 1903 Nr. 26 Protest-Versammlung Abstand genommen werden. Ein vorlauter Anwesender ruft bei Verlesung dieses mutigen Schriftstückes „Papierkorb!" dazwischen. Aber die Sache kam anders. Wir entsendeten an den Kultusoorstand in dieser Angelegenheit eine Deputation, welcher ein Protokoll vorgewiesen wird, wonach die jüdischen Offerenten um 75% teurer gewesen wären als der Ersteher und der eine von ihnen sogar gleich einen Nachlaß von 40% anbot. „No ja, dann!." höfliche Verbeugung, „wir dachten uns gleich so etwas." Entschuldigungen, Händedrücken und die Sache ist erledigt. Dieses, von Anfang bis zu Ende verdrehte und erlogene Protokoll nun ist es, das mich zwingt, diesen so oft erörterten Fall nochmals zu besprechen. Ich werde mir erlauben, Ihnen in einem nächsten Brief den wahren Sachverhalt, mit Daten belegt, auseinanderzusetzen. I. L. Kongreß der jüdischen Trafikanten Ungarns. Unter dröhnendem Gekrache des Kabinets Szcll trat der Kongreß der jüdischen Trafikanten Ungarns am 17 d. M. in Budapest zusammen. Diese ungünstigen Momente haben sich auch loährend der Verhandlung leider zu sehr fühlbar gemacht. Nichtsdestoweniger wurde ein Memorandum angenommen, welches nunmehr dein neuen Finanzminister überreicht werden soll. Viel größer ist der moralische Erfolg, den diese Aktion anfzuwciscn hat. Die Juden haben denionstriert und gezeigt, daß si-e ivillens sind, ihre Angelegenheiten nunmehr selbst zu leiten. Die Ergebnisse der aus Anlaß des Kongresses unter den führenden Persönlichkeiten stattgcfnndenen Beratungen dürften sich in nicht allzuferner Zeit im Aufblühen des jüdischen Gemeinsinnes, durch Bildung verschiedener gewerblicher und kaufmännischer Organisationen usw. zeigen. Ueber die weitere Entwicklung dieser Angelegenheit werden wir berichten. Ausland. Kruschewan und Plehwe. Aus Pet ersburg wird dem „Berliner Tageblatt" berichtet: Herrn Kruschewan, dem berüchtigten Herausgeber des „Bessarabetz" und des „Snamja", haben es seine hohen Protektoren ermöglicht, ein Buch, das er über Bessarabien geschrieben hat, dem Zar zu überreichen. Das Werk ist genau in dem Geiste geschrieben, in dem der „Bessarabetz" redigiert wird; die Schrift ist durchtränkt vom ärgsten und fanatischesten Zelotismus gegen alle „Fremden", das heißt gegen alle Russen, die nicht zur orthodoxen griechischkatholischen Kirche gehören. Besonders bemerkenswert ist nun, daß der Zar Herrn Kruschew an für die Ueberreichung des Buches gedankt hat. Aus dieser Tatsache geht hervor, in welcher Weise es gelungen ist, den an und für sich wohlmeinenden Zar durch eine Entstellung der Tatsachen zu vorgefaßten Anschauungen zn bekehren. Ueber die Tragweite dieser Beeinflussung des Zars kann man sich nicht täuschen, wenn man die folgende verbürgte Aeußerung des Ministers Plehwe hinzunimmt. Er bemerkte einem einflußreichen, liberalen russischen Christen gegenüber, von dem er annahm, daß er mit jüdis chen Kreisen in Beziehung stehe, das Folgende: Wenn die Juden nicht dafür sorgten, daß ihre Glaubensgenossen der Anteilnahme an den sogenannten revolutionären Bestrebungen entsagen, so würde er Mittel und Wege finden, die Juden zur Auswanderung aus Rußland zu zwingen. Was Jgnatiew gelungen sei, würde er auch fertig bringen. Darnach möchten sich die Juden richten. Diese Drohung in Verbindung mit den Ereignissen in Kischenew ist deutlich genug, und sollten daher neue Emeuten gegen die Juden ausbrechen, so wird man wiederum im voraus wissen, daß sie unter dem Schutze des Ministers stattgefunden haben. Die Drohung des Ministers ist umso unverständlicher, als es natürlich kein Mittel gibt, einzelne zur Verzweiflung getriebene jüdische Fanatiker daran zu hindern, sich der Bewegung jener Teile des griechisch-katholischen russischen Volkes anzuschließen, die auf.eine Beseitigung der Willkürherrschaft in Rußland abzielt. Der ehemalige italienische Schatzminister Luigi Luzzatti schreibt in der „N. F. P." folgende psychologisch interessante Bekenntnisse: Ein Straßburger Agrarierblatt mutete dem in Rom versammelten landwirtschaftlichen Kongresse zu, mich von seinen Beratungen auszuschließen. Der Kongreß hat durch die einhellige Zustimmung, die er mir zuteil werden ließ, der wissenschaftlichen Bedeutung dieses Blattes ein gebührendes Zeugnis ausgestellt. Das Urteil über dessen religiöse Billigkeit, da es mich als Juden der Verachtung der Welt preisgeben will, überlasse ich den anständigen Menschen. Meine Ueberzeugung und meine Studien haben mich in die reinen Hohen philosophischen Denkens emporgehoben; gegenüber den tollen Wüterichen, die mit ihren haßerfüllten Worten der wilden Hetzjagd in Beßarabien die Wege ebnen, bekenne ich mich mit Wollust zu den Juden. Ich bin wieder Jude, wenn man mir vorwirft, ein Jude zu sein. Der Geist Gottes ist bei den Verfolgten, nie und nimmer bei den Verfolgern. Die Stichwahlen in Deutschland, soweit ein Antisemit in Frage kommt. Prenßen. Westpreußen. Flatow-Schlochau: (früher Hilgendorff, konservativ), Stichwahl Böckler (Antisemit) und von Komiersti (Pole). Brandenburg. Arnswalde-Friedeberg: (früher Ahlwardt, Antisemit), Stichwahl Bruhn (Antisemit) und Obst (Sozialdemokrat). Pommern. Pyritz: (früher Frhr. v. Wangenheim, Bund der Landwirte), Stichwahl Nicolai (konservativ) und Krösel (Antisemit). Schlesien. Oels: (v. Kardorff, Reichspartei), Stichwahl v. Kardorff und Strumpf (Antisemit). Schleswig-Holstein. Flensburg (früher Naab, Antisemit), Stichwahl Wolgasts (Freisinnige Volkspartei) und Mahlte (Sozialdemokrat) . Hessen-Nassau. Rinteln-Hofgeismar (früher Vogel, Antisemit), Stichwahl v. Neventlow (Antisemit) und Vetterlein (Sozialdemokrat). Kassel (früher Dr. Endemann, nationalliberal). Stichtvahl Lattmann (Antisemit) und Thiel (Sozialdemokrat). Fritzlar (früher Liebermann b. Sonnenberg, Antisemit), Licbermann v. Sonnenberg gewählt. Hersfeld (früher Werner, Antisemit), Stichwahl Werner und Müller (Zentrum). Sachsen. Bautzen (früher Gcaefe, Antisemit), Stichwahl Graefe und Höppnen (Sozialdemokrat). Hessen. Alsfeld (früher Bindewald, Antisemit) Stichwahl Wallau (nationalliberal) und Bindewald. Sachsen- Meiningen. Meiningen (früher Müller, Freisinnige Volkspartei), Stichwahl Müller und Frhr. v. Wangenheim (Antisemit). Waldeck. nrcrn 689, bei fünf Zimmern 828. Während im Freien arbeitende Bernfsartcn, wie z. B. die Fischer, nur eine geringe Sterblicbkeitsziffer an Tuberkulose stellen, sind dagegen die Buchdrucker mit 401 ans 1000 vertreten. Alle ungünstigen, der Erwerbung der Tuberkulose förderlichen Umstände treffen nun auf die in Amerika und Afrika lebenden Inden zu, und trotzdem stellt sich die Verbreitung der Tuberkulose bei ihnen folgendermaßen: in Ncw-Vork starben in den letzten sechs Jahren unter den dort lebenden Einwanderern, auf 100 000 Menschen berechnet, 645.78 Irländer, dagegen nur 98.21 russische Inden, in Tunis kamen auf 1000 Todesfälle an Tuberkulose: Europäer >uit 5.18, Araber mit 11.30; und Juden mit nur 1.24. Fishberg sieht im Einklang mit anderen Forschern in dieser geringen Neigung der Juden zur Tuberkulose eine Nassceigenschaft. Hcimntsgrttße. Ans Posen wird geschrieben: Herr Pastor Rohde ans Schildberg gibt unter dem Titel „Heinmtsgrüße" ein Blättchen heraus, das zur Stärkung des Deutschtums in den Ostmarkeu beitragen möchte. Jir einem Artikel zu den Wahlen verrät dieser edle Gottesstreiter deutlich, tvie er sich diese Stärkung denkt. Er schreibt: Auch die Freisinnigen dürfen wir bei der Wahl nicht unterstützen, denn die Freisinnigen arbeiten vor allen Dingen dafür, daß der Handel möglichst großen Verdienst bringe, daß die Geschäfte gut gehen; lvcr aber hat bei uns — wenigstens in unserer Posener Heimat — fast allen Handel und alles Geschäft in Händen? DaS sind die Jliden, die haben schon Geld und Macht genug; also werden wir deutsche evangelische Männer nicht einen Freisinnigen wählen ititb nicht dazu beitragen, daß die Macht der Inden noch mehr gestärkt werde. Wen also sollen tvir wählen? Einen Mann, der für Deutschtum und Königtum,, für Christentum und für die Arbeit des deutschen Bauern, Landarbeiters, Fabrikarbeiters und Handwerkers eintritt. Solche Männer sind zumeist in der konservativen und nationalliberaleil Partei zu finden. Und einem solchen Manne gebt bei der Reichstagswahl a>u 16. Juni eure Stinnne, deutsche, evangelische Männer! — Mit Recht bemerkt hierzu die Poseiler Zeituilg: So mißbraucht ein evangelischer Pastor, dessen Pflicht es in erster Linie sein sollte, für den Friede,, zil sorgen, seiir Amt zu Gunsten eiitcr politischen Partei und zwar zil Gnnsten der traurigstcil, die das deutsche Kner'Ällgemeinen Vereinigung der jüdischen Studenten Rumäniens j Parteileben bisher gezeigt hat, der antisemitischen. Unlängst erließ ergriffen. Die Zähl der jüdischen Studenten an der Buka- > der -Ostmarkenverein seinen Wahlaufruf, der mit ben Worten rester und all der Jassyer Universität dürfte zusammen 300—350 i schloß: „Kein politischer, kein ivirtschaftlichcr, keiil religiöser Gcgenbetragen satz bettf die Deutschen in beit Ostmarkcn von der Betätigung ihres' Die Inden der Oase Mzab. Sehr wenig ist bisher I »ntimuilücimtfeircins z„riickIMc„. „Hic deutsch — />!- tz-lnIW," bekannt geworden über die Juden der Oase Mzab im SüdeO Arolsen (früher Müller, Antisemit), Stichwahl Müller und Dr. Potthoff (Freisinnige Vereinigung). Bukarest. Der Präsidc>,t des oberstell Gerichts- und Kassationshofes V. Mandrea veröffentlicht in eiilem hiesigen juristischen Fachblatt einen Artikel, in welchem er nachweist, daß die „eingeborenen" Inden, das sind diejenigen, tvelche gleich ihren Eltern inl Lande geboren silld lind niemals einem fremden StaatSvcrbande angehört haben, als Rumänen zu betrachteil sind und alle Bürgerrechte, mit Ausnahme desjenigen der Erwerbung ländlicheil Grundbesitzes, haben. ES sei ganz unzulässig, diese Inden als Fremde zn betrachten, da die in Rniilänieil wohnenden Fremdeil bloß die liegatibe Pflicht haben, die Ruhe im Leben des Staates in keiner Weise zn stören, während ben eingeborenen Jliden gleich ben rumänischen Vollbürgern die positive Pflicht obliegt, ihre galize Persönlichkeit dem Staate zu widmen, ivas auch in der Verpflichtung des Militärdienstes zmn Ausdruck gelaiigt. Es sei Deshalb auch ein Mißbrauch, die Kinder der eiiigeboreneii Inden für den Besuch der Schnleii des Staates besondere Taxen bezahlen zn lasseii oder sie im gegebeiien Falle gleich-Fremden aus dein Laiide anszniveiseii. Die diirch die Verfassung gewährleisteteil öffentlichen Rechte kominen im Gegensatz zn den politischeil Rechten ilicht bloß deii rumänischen Vollbürgern, sondern allen Rumänen, also auch den eingeborenen Judeii zu. Das Genie indegesetz vom April 1864 gelvährte den eiiigeboreneii Jndeii als eitten Beginn zur vollständigen Emanzipation alle Kommnnalrechte und ans Gruiid derselbeii daS Wahlrecht für die Handelsuiid Gcwerbekammern, und erst im Jahre 1874 begann man den Inden diese Rechte zu entziehen. — Diese Ausführungen des höchsten Richters deS Landes sind von weittragender Bedeutung. Wenn der eingeboreile Jude nicht mehr als Fremder, souderrl als Rumäne betrachtet iverden muß, als Rumäne freilich, der sich nicht des Besitzes der politischen Rechte erfreut, so ist für seine Existeilz bereits eine gesetzliche Basis lind damit die Möglichkeit gegeben, die Lösung der Judenfrage in Rumänien in wirksamer Weise in Allgriff zu liehmen. Leider ist ilicht vorauszusehen, daß die logischen Schlüsse Mandrcas so bald auch praktische Bedeutung erhalten werden. Eine allgemeine Bereinigung der jüdischen Studenten. Die Jassyer jüdischen Studenten haben die Initiative zur Gründung von Algerien. Sie bieten manche eigenartige Züge dar, haben aber ihre Religionsbräuche und Sitten im ganzen gut bewahrt, trotz langer Trennung vom Hauptstamm der Juden. Der französische Arzt Dr. H u g u e t hat sie in den Jahren 1897 bis 1900 eingehend studiert und seine Beobachtungen in den — das ist der Schlachtruf, der allein im Osteli gelten darf. Mögen die Deutschen unter diesem Wahrzeichen in ben Wahlkampf ziehen und in ihm die deutsche Sache zn einem entscheidenden Siege führen." Pastor Rohde itt Schildberg aber hält es für seine Pflicht, die wirtschaftlichen lind rcligiöseil Gegeiisätze ans das Schärfste zu betoneii unb die Leser seines Blättchens — es werden ja wohl nicht allzu viele sein — aufzufordcrn, nur einem konservativen Manne ihre Stimmen zu geben. Mit ihm über politische Frage.lt uiid Bulletins de la societe d’Anthropologie 1902, S. 559 ff.! namentlich über seine ebenso uaibe als frivole Charakterisierung niederaelegt. Bei dem Interesse, welches man der Verbreitung! der freisinnigen Partei sich auseinanderznsetzell, lohnt nicht Es' t>er ^zuden und chren zerstreuten Gemeinden Entgegenbrmgt, ^^oimatsgrt'lßeu" die Provinz Poseii verschonen würde I wir hier einige Mitteilungen Ü6et b.efe 3»ben für | Die Juden in Sibirien. Aus Petersburg wird ge- C1 r*“^ «w°>ch-> d- Gebranche be,°nd°rs > ^et: Durch einen Befehl der Jmtralregi-nmg ik Rucks,chi nehmen. Nach CH tot, SMä«.etlei, spefaäiurg sind die kleine!, Tyrannen im fernen Sibirien?' 226'<,n'tM11»1 raf's"; 499 1 an V angewiesen worden, ihre seit längerer Zeit gegen die Juden den mzab.t'schen Ortschaften Gharda.a 422. Gue ara130 und <,^v>end-t-n. biefe rmnievmdm MaLpuIatwnen bis auf S8emcm° 186 z>si°wmen 738. $.p u e t gebt für d.e G geng ^^ellen. Es handelte sich dabei in erster Reihe wart rund «00 Inden an bemerkt aber daß m Berr.ana M tz^weckr, die bekanntlich im g-mzm 9egennmri,9 ferne mehr sißhaft sind. Nach der >ud.schen Ueber-! Z^enrÄch wohnen dürfen. Diese durch das G^ch besernng sind d.est Jfraeltten ,m acht n Jahrhundert der iS85 Sen jüWfdjen Handwerkern gewährt- Aus- Hedfchra „tu, der Insel Dsch-rba an der ianest,chen Küste nach: nahmestcllung ist manchem Russischen Tschinownik ein Dom Gh°rd°ia g'tzmmen. Hnguet meint aber daß b,e ersten j^uge, und so haLen die kleinen Judmfresser in Sibirien, ,nd',chen Aakomm ,ng° ,m Mzab aus der OasaUargla stammen bdr Zar so weit ist, eine alte, aus dem Jahre 1837 denen sich dann tripolliamsche und marokkanische Hilden zugest^mende Bestimmung ausgeqraben, mit deren Hilfe sie sellten. Er sagt über d.e Sprache der mzab,tischen Juden! jüdischen Handwerkern das Wohnen in Sibiäcn vern'ch s! °s 'st °beanzunehmen, daß sie wie b,e meisten >wrd.! zu'können glauben. Ein weiteres Objekt für anii. afrikainsche»^ ^uden, zu bin SepherdiM, der Gruppe der sEiüsehe Schikanen bildeten die Nachkommen der nach Si» spamschen ^uden, gehören, wenn sie sich auch die Landesverbannten Juden, welche auf Grund einer willkürsprachen, das Berb-r.sche und Arabisch-, zu e^gen gemacht habe» Auslegung einer alten Bestimmung in dem ehemalid-'st"-- Wie anderwärts hatten sie auch >m Mzab Bedruckungen Verbannungsorte ihrer Vorfahren intemiert werden und Verfolgungen zu ertragen, bis ihnen die Französin bte s^,„. Da We in ihrer ganzen Existenz bedrohten Juden Emanzipaiwn brachten. H n g u e t wird spater seine anthropo. die Willkür ihrer Peiniger zur Wehr schien und logischen Messtagen über diese Juden mtfietleit. (og( et düsende von Klagen in Petcisburg einliefen, befahl die nur, daß d.e Männer hochgewachsin und mager seien ihr Gaug se. 6em Senat, die Angelegenheit näher zu prüfen langsam und häßlich, die Augen klein, die Nase gerade, der Mund fei», ordnete gleichzeitig an, daß bis zur definitiven Scnats- Waagen wen,g v°rspr,„g-nd. d,° bekannten Schlafe,ilocken werden l Juden Sibiriens einstweilen in Riihe qeanch ,m Mzab von ihnen getragen und heißen dort „SualefV ^f^ Zierden sollen. Bemerkenswert ist, daß die Be- ^ire Kleidung ist >ene der Eingeborenen. Die Weiber sind Sibiriens selbst den Fiidcn durchaus freundlich schmutzig, aber mit -innehmendni Zugen.. Weil» sie auch INi ^sjunk lind die einheimische sibirische Presse, mit alleiiiigen silge frühzeitiger Niederkunft schnell altern behalten sie doch Uusnahinc des „Wladiwostok", gar philosemitisch ist. stets einen tntelllgeuten Ausdruck des Gesichtes. Bezüglich der y 1 1 ' Niederkunft berichtet Dr. H u g u e t, daß sie häufig ohne Hebamme, ganz ohne Hilfe in einem dunklen Raum stattfinde. Die Kinder werden gewöhnlich zwei Jahre lang von der Mutter genährt. Die frühzeitigen Ehen, die man ja auch bei , m...rr, T. f ,.rr, , ... gflizischen Juden fiiwet, sind auch im Mzab gebräuchlich Mit bm ,, “bes t,tcn' ^mnl" ’ 3C’iJe“ tÄc vier oder fünf Jahren werden die Kruder von den Eltern Gebiete, zieht er in den Kreis seiner das Elend bnilnendeir Wirkverlobt; mit 13 Jahren heiraten sie; Mütter von 14 Jahren' snrnkeit, errichtet überall großartige,Institute, nnf die. nnserltzesehleeht sind keine Seltenheit. Natürlich ist die Kindersterblichkeit dabei eine große. Hu g net kennt Inden, die 23 Kinder hatten, von denen 16 gestorben waren; ein anderer Jude behielt von 22 nur 5 übrig. Zwillinge sind häufig; sind sie verschiedenen Geschlechtes, dann nährt die Mutter den Knaben, während das Mädchen mit Ziegeninilch aufgefüttert wird. Eine Folge der frühzeitigen Ehen sind die häufigen und leichten Scheidungen. Männer, die zwei oder drei Frauen hatten, sind die Regel; es gibt dort solche, die fünf- oder sechsmal geschieden wurden. Ist die Frau durch die vielen Wochenbetten verbraucht, so ist ein Vorwand zur Scheidung leicht gefunden. Will die Frau sich vom Mann trennen, so braucht sie ihm bloß bei irgend einer Frage zu antworten: „Nifek, nifek", das heißt: deine Nase und hinzuzufügen: scheiden wir uns; das genügt. („Globus".) R. A. Das Vorkommen der Tnberknlose bei den Juden hat der amerikanische Arzt Fishberg nercerdings zum Gegenstand einer Untersuchung gemacht. Nachdem er die Disposition als das wesentlichste Moment zum Zustandekommen der Infektion bezeichnet und die hierfür ursächlichen Faktoren — schwächliche Körperentwicklung, ungenügende Ernährung, enge, tust- und lichtlose Wohmcngen, Unsauberkett uslv. — kurz geschildert, bringt er statistische Angaben über daS progressive Wachstuni der Tnberkillose int Zusammenhang mit der Enge der Wohnungen. Es starben mlf 100 000 Einwohner, die ein bis zwei Zimmer betoöhnen, 985, bei drei bis vier Zim- Eingesendel. Ein Beitrag zum Kapitel des modernen OlrosistadtelendL mit Recht stolz sein darf. Allein in diesem Massenbetriebe der Wohltätigkeit konnnt der einzelne besondere Atisiiahrnefall, der in das allgeineiiie Schenia nicht hineinpaßt, fast innner zu kurz und das bildet eine der dunkelsten Schattenseiten am Werke unserer Wohltätigkeitsbestrebnngen. Die „Neire Freie Presse" brachte in einer ihrer jüngsten Nummern eine 9totiz für die unglückliche Fancilie S. Friedmann ans Radaritz. Man Ivird ohne weiteres zngeben, daß es einen etwas ungewöhnlichen Vorgang bildet, wenn von Seiten eines nichtjüdischeii Reichsratsabgeordneten die weiteste Oeffentlichkeit zur Hilseteistnng für eine in furchtbare Notlage geratene jüdische Fnutilie aufgeriffen Ivird. Derselbe bedarf der Erklärung, die den geehrten Lesern des „Jüdischen Volksblatt" nicht borenthalteik werden soll. Tatsächlich wendete sich außer dein obengenannten Herrn noch ein anderer Reichsratsabgeordneter, Herr Dr. Strarccher, an die nt a ß g e b e n d st e n P e r s ö >l l i ch k e i t e tt d e s W i e n e r I u d e n t li in s, tun ihre Barmherzigkeit für die gedachte Familie waehzurnfen. Der Erfolg war ein dnrchatis negativer. ES sollest hier keine weitläufigen Reflexionen aiigestellt werden über die tiefen m o r a l i s ch e n S ch ä d e n, welche d a s I u d e n t n nt durch ein solches (Üebaren seiner offiziellen Vertreter erleidet. Das Elend jedoch hat in seiner Unerbittlichkeit seine letzten äußersten Konsequenzen bei der gedachten Familie gezogen. Aus der Wohminff delogiert, wurde sie in ein Massenqnartier gesteckt, bei dessen Alkblick eiikem Hören und Sehen bergeheil muß. Dazu noch dns Elend sieben hungernder, darbender Kirlder! Es ist keine Uebertreibung, sondern die bllchstäblichste Wahrheit, wenn ich hinzlifüge, daß die Mlltter dieser ringlücklichen Fanlilie von Kummer und Verzweiflung überwältigt, wie eitle Geistesgestörte auf den Straßeil der Hauptstadt umherirrte. Unter solcheil Bewandllissell erachtete ich es als