Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 25 (19.6.1903)
- Date
- 1903-06-19
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25 Jüdisches Volksblatt 19. Juni 1903 Seite 5 Wien, Freitag Das Budget der Wiener Kultusgemeinde. Wir erhalten folgende Zuschrift: In Nr. 24 bcä „Jüdischen Volksblatt" dom 12. Juni 1903 wird in einem Artikel „Das Budget der Wiener Kultusgemeinde" die Behauptung aufgestellt, daß die Kultusgemeinde ein Geschäftsuuteruehmen der „Union" (Herausgabe ihres Kalenders) mit K. 180.— subventioniert. Diese Behauptung ist unrichtig. Nichtig ist dagegen, daß die Wiener Kultusgemeinde alljährlich mehr als 100 Exemplare des von der „Oesterreichisch- Jsraelitischen Union" herausgegebenen Kalenders zum Gebrauche in ihren verschiedenen Bureaus, Anstalten usw. zu dem Normalpreise von K. 1.60 pro Exemplar bezieht. Das Unternehmen des „Unionkalenders" ist niemals von irgend einer Seite, daher auch nicht von der Wiener Kultusgemeiude, subventioniert worden. .Hochachtungsvoll für den Vorstand der Oesterr.-Jsrael. Union: der Sekretär. Mr geben dieser Zuschrift Raum, obwohl wir hierzu nicht verpflichtet sind; denn vor allem hat sich die „Union" in der Adresse geirrt, sie hätte ihre Berichtigung an die Israelitische Kultusgemeiude senden sollen. Auf Seite 62, Post 6, des Rechnungsabschlusses steht wörtlich: „Für Beitrag an „Oesterreichische-Jsr. Union" (zur Herausgabe des Kalenders) 180 K." Das ist deutlich und mehr haben lvir nicht behauptet. Im übrigen wird selbst die Leitung der Union zugeben, daß dieser Massenverbrauch von Union-Kalendern bei dem Uuvoreingeiwmmensten Zweifel und .Kopfschütteln erregen wird. m Wien. Wie wir erfahren, hat die „Wiener Israelitische Allianz" ihren Sekretär, Herrn Dr. Kam i n ka, nach Kisch en e w entsendet, um an Ort und Stelle über die dorügen Vorkommnisse sowie über den Stand der Hilfsaktion Informationen .einzuholen. Derselbe hat die Rückreise über Rumänien genommen und trifft in den nächsten Tagen in Wien ein. Die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. Der Artikel 9 des Gesetzes über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe wurde gestern im österreichischen Abgeordnetenhause nach einer — wie aus dem Berichte ersichtlich — erstaunlich konfusen Abstimmung in nachstehender Fassung angenommen: „Im Handelsgcwerbe ist die Sonntagsarbeit für den Betrieb desselben höchstens in der Dauer von vier Stunden gestattet, welche durch die politischen Landesbehörden nach Anhörung der Handels- und Gewerbekammer sowie der betreffenden Gemeinden, Genossenschaften und des Ausschusses der Gehilfenversammlungen festzusetzen sind. Diese Festsetzung kann für verschiedene Zweige des Handels und für einzelne Gemeinden oder Gemeindeteile verschieden erfolgen. In gleicher Weise können die politischen Landesbehörden das Ausmaß der beim Handelsgewerbe zulässigen Sountagsarbeit unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse auch unter die im ersten Absatz be- ,zeichnete Maximaldauer herabsetzen und eventuell die Sonntags- -arbeit für das ganze Jahr oder bestimmte Zeitabschnitte desselben völlig ausschließen. An einzelnen Sonntagen, an welchen besondere Verhältnisse einen erweiterten Geschäftsverkehr erfordern, wie zur Weihnachtszeit, an den Festtagen der Landespatrone u. dgl. kann eine Vermehrung der Stunden, während welcher der Betrieb l>er Handelsgewerbe stattfinden darf, durch die politischen Landesbehörden nach Anhörung der betreffenden Gemeinden, Genossenschaften und des Ausschusses der Gehilfenversammlungen bis zil >acht Stunden zugestanden werden. Ebenso kann von den politischen Landesbehördeu in Berücksichtigung besonderer örtlicher Verhältnisse, Me zum Zivecke des Verkaufes von Devotionalien an Wjallfahrtsorten, dann von Lebensmitteln irr Ausflugsorten, auf Bahnhöfen u. dgl. nach Anhörung der betreffenden Gemeinden, Genossenschaften und des Ausschusses der Gehilfeuvcrsammlungen eine Verwehrung der Stunden, während lvelcher der Betrieb der Handclsgeiverbe stattfinden darf, für alle Sonntage oder für die Sonntage bestimmter Jahreszeiten oder sonstiger Zeitabschnitte bis zil acht Stunden zugestanden werden. Wenn mit einem Handelsgewerbe in .gemeinsamer Betricbsstätte noch ein anderes, hinsichtlich der Sonntagsruhe abweichend geregeltes Gewerbe betrieben, ivird, so hat, 'falls die Einrichtung der Betriebsstätte nicht eine die Einhaltung der betreffenden Sonntagsruhevorschriften verläßlich verbürgende räumliche Scheidung der eiilzelucn Betriebe ermöglicht, bezüglich des gesamten Betriebes die strengere Ruhevorschrift zu gelten. Die Kontor- und Bureauarbeit kann an Sonntagen höchstens für zwei Vormittagsstunden und nur dann gestattet werden, wenn jedem einzelnen Angestellten mindestens jeder zweite Sonntag zur Gänze freigegeben Ivird. Die Festsetzung dieser Stunden, welche für verschiedene Zweige des Handels und für einzelne Gemeindcteile verschieden sein kann, erfolgt durch die politischen Landesbehörden gemäß den Bestimmungen des ersten Absatzes. In gleicher Weise können die politischeil Landesbehörden das Ausmaß der iu den Kontors und Bureaus zulässigen Sonntagsarbeit unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse auch unter die im vorherigen Absatz bezeichnet Maximaldauer herabsetzeu und eventuell die Sountagsarbeit für das ganze Jahr oder bestinnnte Zeitabschnitte desselben völlig ausschließen." Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter (Zeutrnlausschusr). Das ziemlich hübsche Wetter, das vergangenen Sonntag herrschte, kam unserer Jugend zugute. An diesem Tage wurde ein voir allen drei Vereinen „Leopoldstadt", „Brigittenau". Ottakring-Hernals") veranstalteter Ausflug unternommen. Schon gegen 2 Uhr versammelten sich scharenweise die Teilnehmer vor'den Stadtbahnstationen Brigittabrücke und Schottenring. Um halb drei Uhr wurde die. Reise nach dem Ausflugsorte Hütteldorf-Hacking augetreten. Nach einigen hmnoristischen Vorträgen, der Herren Pick, Läufer und Ehrlich sowie einiger ungenannt sein wollender ging Wittmanns einaktiger Schwank „Er muß taub sein" in Szene. ' Ist ff Hauptrollen waren beschäftigt die Herren Rudolf Rosenthal (Burhenne), Arthur Bauer (Ebert), Gotthard Morgenstern (Grüner) sowie Fräulein Hilda Golduer (Frieda). Fräulein Golduer, die das Publikum mit ihren Leistungen so sehr entzückte, gab ihre Rolle mit richtiger Wärme itnb Liebe --zu Grüner (Herr Morgenstern). Ihr ganzes Spiel war nicht wie das einer Dilettantin, sondern wie das einer ausgebildeten Schauspielerin Herr Rosenthal (Burhenne) ist für diese Rolle wie geschaffen. Sein Spiel sowie die Aussprache gefiel dein Publikum ziemlich gut, Irms am!) von den Herren Morgenstern und Bauer, welchen reichlicher Beifall zuteil ward, gesagt werden muß. Sämtliche Darsteller wurden mit oftmaligen Bravo-Rufen ausgezeichnet. Hierauf wurden einige Wjesenspiele aufgeführt und nun. begann der Kampf um den Dame, ischö nhei tsp re iS, den Frl. Julie Waldmaun erhielt. Ein kleines Tanzkranzchen im Saale der Restauration „Zum schw. Frack" schloß den hübschen Ausflug. V. C. Die Sammlung der „Israelitischen Allianz" zu Wien für die Opfer des Massacres von Kischenew hat bis heute einschließlich der avisierten Beträge zirka 176 000 K. erreicht. Unter den außerhalb Wiens veranstalteten und der „Israelitischen Allianz" zngeführten Sammlungen sind außer den bereits mitgeteilten folgende zu nennen: P rag (durch Herrn Dr. Arnold Rvsenbacher): Vorläufiges Ergebnis eines Konzertes unter Mitwirkung der Frau ' Lucy Böuueckeu, k. k. Uuiversitäts-Professors-Gattin, 6000 K., weitere Sammlungen durch Herrn Dr. Rvsenbacher K. 933.20, 094.26, 643.90; Buünu, A. Mitrofsky, weitere Sammlung K 1029; K r e m s i e r, Dr. A. Frankl, Sammlung K. 64; W a gst a d t, L. Fried, Sammlung K. 66; I e ch n i tz, Dr. Hugo Kohn, Sammlung K. 60; W o d n i a u, Rabbiner Kraus, Sammlung K. 48; Kultusgemeinden (darunter teilweise Sammlunaen)' Triest K. 1600, Budwcis K. 1602, Neu-Sandec (Husskomttee für Kischenew) K. 1600, Gablonz K. "06,NachodK.000, Olmütz K. 600, Boskowitz K. 470, Koprmmca K. 404, Nakonch K 302, Nikolsburg K. 300, Kroat.-Kreuz K. 290 Diakovar Sl 227, Stcgo K. 213, Zablocie K. 200, Lriprnk K. 176 Eiwanowitz K. 166, Neugedein K. 130, Unter-Kralowch K. 116. ^s- Almas (Ungarn) K. 110, Sobeslau K. 103, Kanrtz K. »0. Luze K. 80, Lubenz K. 60, Hotzenplotz K. 67, Brux (Frauenverein)K.60. Der Mädchen- und Frauenverein „Bikur Chaulim" erhielt folgendes Schreiben: «Löbl. Verein „Bikur Chaulim". Wien. In der Sitzung des Ehrendamenkomitees der israelitischen Versorgungsanstalt vom 27. Mai 1903 wurde einstimmig beschlossen, dem verehrlichen Vorstande des Vereines „Bikur Chaulim und ganz besonders jenen Damen, welche mit Wort und Tat unseren armen Kranken Trost und Freude spenden, den innigsten Dank des Ehrendmnenkomitecs auszudrücken. Indem wir diese angenehme Pflicht erfüllen, bitten wir auch in Zukunft um Fortsetzung Ihrer segensreichen Tätigkeit und zeichnen mit verbindlichstem Danke rm Namen unserer Kranken mit vorzüglichster Hochachtmig für das Ehrendamenkomitee der Versorgungsanstalt fcct Israelitischen Kultusgemeinde Wien die Präsidentin: Jda Drama nt; die Schriftführerin: Rosa Z i f f e r e r." Eine zionistische Versammlung in Baden. Sonntag den 14. ds. fand die vom Lokalkomitee des Verbandes »8^ tn Baden einberufene Versammlung im Saale der Badener -Kultusgemeinde statt. Fast die ganze jüdische Gemeinde Mit dem Rabbiner und Kultuspräses an der Spitze war erschienen. Auffallend war auch die zahlreiche Beteiligung der Frauen und Mädchen. Den Vorsitz führte Herr Gewitsch und nach Begrüßung der erschienenen Gäste, insbesondere der Wiener, erhielt Herr Ingenieur Benjamin aus Odessa zu seinem Vortrage „Geschichte des Zromsums , das Wort. Er entledigte sich seiner Aufgabe in vorzüglicher Weise und als er zum Schlüsse seiner Ausführrmgen auf den politischen Zwrnsmirs zu sprechen kam und unter anderem sagte: „nicht nur sur die toten Märtyrer in Kischenew soll eine Ruhestätte errichtet werden, der Zionismus will eine Ruhestätte für die lebendmi jüdischen Ma - ihrer der ganzen Welt schaffen," da wollte der Beifall, kein Ende nehmen. Der nächste Redner Herr Dr. Marmorek aus Wien geißelte in scharfen Worten die Haltung derjenigen, die durch leere Phrasen oder mit lacheiidem Gesichte den Zionismus tot zu schlagen glauben. Redner stellte dann gegenüber der Passiva des ^udenelends die Aktiva des Zionismus und zog zugunsten des letzteren, die Bilanz. Die Versammlung erteilte dem Redner "fjler lebhaftem Beifall für die gezogene Bilanz das „Absolutorium . Lebhaft amatmei:., ergriff nun Frau Dr. Kahn zum Referate „Die Stellung der,Frau zum Zionismus" das Wort. Wir Frauen fHte Nednerm werden in dem neu zu begründenden jüdischen Reiche kernen Kampf iim die Frauen-Emanzipation führen müssen, denn schon am Anfang der zioiiistischeu Bewegung sind wir Mit dem Manne gleichacst'ellt. Das beweisen die bielcit weiblichen Delegierten auf den Zionistenkongressen. Es fällt aber den Frauen eine hohe Aufgabe zu, nämlich: Die Erziehung der zukünftigen Generation im echt jüdischen Geiste. Jede Mutter soll es nicht versäumen, ihre Kinder die Geschichte des eigenen Volkes zu lehren und von der Jugend an soll die Sehnsucht nach Zion geweckt werden. Rednerin erörterte dann den Zweck des „Nationalfonds und appelliert an die Frauen und Mädchen, eifrigst für denselben, zu agitieren. Rednerin wurde zum Schlüsse stürmisch applaudiert und beglückwünscht. Die an der Debatte beteiligten Herren erklärten, sich für den Zionismus überzeugt zu haben und werden nitnmehr für die Sache tätig sein. Der Vorsitzende ersuchte nun die Versammlung, die Schekel cinziizahlen, damit ein Delegierter von Baden mim Kongresse entsendet werden kann. Dieser Aufforderung folgten freudig fast alle Anwesenden. Nachdem Herr Dr. Leopold Kahn, stürmisch begrüßt, gesprochen hatte, wurde die ausgezeichnete Versammlung unter allgemeinem Beifall geschlossen. Abends fand noch ein Kommers zu Ehren der Wiener Gäste statt. rö rt vt Co /* 't t\ hi Gedenktage. I u n i. 10. 1648 erschlugen die Kosaken iu 'temirow den R. Michel. 1727 st. i. Mantua Simson, Madon, laufmann und Dichter, 1829 st. i. Jerusalem Abr. Jsaaki, Komm. Maimon. 1789 geb. i. Berustadt i. S. Jsr. Ed. Kley, Pred. 1846 st. i. Berlin H.' I. Michael. Bibliophile. 1883 st. i. Vöslau ,. Wien Sim. v. Winterstein. 1893 st. i. Braunschweig H. Gold- >erg. Oberkautor. 1896 st. i. London Dr. Mor. Grünwald. Ober- -abb. v. Vulgär. 1898 st. i. Bialystock R. Sam. Mohilewer. 11. 1847 st. Abr. Muhr, Kämpfer f. Freiheit u. Glauben, 13. 1822 (ct>. i. Austerlitz Rabb. Elias Karpeles. 1861 st. i. Frankfurt a. M. M. Johlsohn, Pädagoge. 14. 1804 st. i. Berlin Isaak Euchel, Nitbegr. d. Meassef. 1821 st. i. Wilna R. Chajim b. Jsaac. 1827 t. i. Hamburg Prof. Gurlitt, Kenner und Freund d. Judentums. 1841 geb. i. Wien Friede. Singer (S. Fritz), Schriftst, — 2 iwa n. 19. 1790 geb. i. Lemberg S. L. Rapoport. 20. ,1171 1. i. Blois 34 Männer und 17 Frauen als Märtyrer. 1648 Niedernetzelung v. 6000 I. i. Nemirow (Chmielnicki). 21. 1321 schwebten >ie Inden Roms in großer Gefahr. 1886 st. i. München Abr. Mcrz- >acher. 22. 1866 st. i. Frankfurt a. M, R. Mos. Mainz. 1798 t. Rabb. Seligm. Fromm- 23. 1641 st. R. Jakob Pollak (Pilpul). >4. 1691 geb. i. Kandier Jos. Salom. del Medigo. 1808 geb. i. Hamburg Rabb. Sams. Raph. Hirsch. Wien. Unter zahlreicher Beteiligung seiner Mitglieder fand Donnerstag den 11. ds-, um 6 Uhr abends, die Monatsversammlung des A l l g c m eine n j ü d. Arbeitervereines in seinem Lokale 2.'Bez., Stefaniestraße 8. statt.. Die Versammlung war niit einem musikalischen und deklamatorischen Vortragsabende verbunden. Die Monatsversammlung selbst nahm folgenden Verlauf: Nach Begrüßung der Mitglieder durch den Obmann Nathan Groß und Verlesung des Protokolls der letzten Monatsversammlung, erstattete der Kassier den Kassabcricht, welcher auch nach kurzer Debatte genehmigt wurde. Es wurde hierauf das Projekt wegen Gründung eines „U n t e r st ü tz u n g s f o n d s", in Verhandlung gezogen, bei dessen Debatte hnupisächlich die Mitglieder Moschkowitz, Brainin und Spiegel sich beteiligten. Der Beschluß wurde gefaßt, den Fonds ins Leben zu rufen und den wöchentlichen Beitrag für denselben mit 10 Heller festzusctzen. Gleichzeitig wurde Herr Brainin mit der Zusammensetzung einer Kommission betraut, die die Unterstützungen bestimmen und die Anträge, die bei der Mouatsbersammluug gestellt worden waren, prüfen soll. Es berichten daun über die Tätigkeit der Gesangssektion Herr Blann und über die der Vergnügungssektion Herr Stern. Beide Berichte wurden zur Kenntnis genommen. Beim vierten Punkt der Tagesordnung: „Stellungnahme zum nächsten Parteitage" erörterte Obmann G r o ß die Wichtigkeit desselben und teilt mit, daß der Verein 2 Delegierte zum Parteitage, entsenden kann. Juslicht stellt für den Parteitag mehrere Anträge, darunter auch einen wegen Errichtung einer zentralisierten jüdischen Arbeite r- B ö r s e und ist der Ansicht, daß die Vereinsdelegierten am Parteitage den proletarischen Standpunkt zu vertreten und dahin zu wirken haben, daß auf demsellieu die tu irtschaftliche F rag e ihren gebührenden Platz einnehmeu möge. , Auf Antrag Brainins wurden als Delegierten die Ausschußmitglieder Gustav, Kohu und Samuel Juslicht gewählt. Somit war der offizielle Teil der Versammlung erledigt. Nun übernahm der Obmann der Gesangssektion die Leitung des zweiten Teiles des Abends, was auch, viel dazu beitrug, daß derselbe so schön aüsfiel. Die Klavierbegleitung besorgte in liebenswürdiger Weise der Klaviervirtuose Herr Louis Strümpel, welcher auch seiner Aufgabe voll und ganz gerecht wurde. Frl. Treu sang „Das Blumenmädchen" mit solch klangvoller Stimme, daß sie den Beifall, der ihr gezollt wurde, reichlich verdiente. Stürmisch begrüßt trug Herr Blann „Mein Jüngele" von Rosenfeld und „Das Mädchen" von Juda mit wahrer künstlerischer Begabung vor. Viel zur Erheiterung trugen auch dte Jargon- Couplets des Herrn Edel bei, welche, mit Humor gewürzt, das Lachen der Anwesenden hervorriefeu. Ep wurde mit vielem Applaus bedacht. Die von Herrn Obernik vorgetragenen zionistischen Gedichte gaben dem Abend ein ernstes Gepräge und der Vortragende wuäie für seine Leistungen reichlich belohnt. Es sollen auch die vorzüglichen humoristischen Vorträge nicht unerwähnt bleiben, die Herr Fried! geboten hat. Dieser gelungene Abend, welcher hauptsächlich den Bemühungen des Herrn Blann zu verdanken ist, endete um dreivicrtel 10 Uhr abends. Be n Jakew. Verein jüdischer Handelsangestellter, Men, 2. Bez., Stephaniestraße 8. Samstag den 20. ds., Präzise halb 8 Uhr, Vorlesung: „Das neue Ghetto" von Dr. Theodor Herzl. Die weiblichen Rollen liegen iu Händen des Fräulein Bertha Westreich, die männlichen liest Herr Samuel Strauß. Regiebeitrag 20 Heller. Sonntag den 21. ds.: Ausflug auf die Hochramalpe. Zusammenkunft dreiviertel 2 Uhr auf der Stadtbahnhaltestelle Schottenring (bei der Augartenbrücke). Abfahrt 2 Uhr 61 Min. Draußen Spiele, Vorträge usw. usw. Samstag 4. Juli: Diskussion über „Sozialismus und Zionismus", eingeleitet von Herrn stud.. Ernst Bloch. Die Mitglieder treffen sich jeden Mittwoch und Samstag, an dem keine Veranstaltung ist, zu einer zwanglosen Zusammenkunft im Vereinslokal. Ehrung. Anläßlich des 70. Geburtsfestes war am 14. ds. der rn ganz Böhmen sich des besten Rufes erfreuende Rabbiner Herr Leopold Thorsch in Schlan Gegenstand aufrichtigster Sympathie und Verehrung. Der Kultusvorstand mit dem Kultusvorsteher Herrn Löwner an der Spitze, überreichte mit schlichten Worten eine überaus geschmackvolle Dankadresse. Vertreter der jüdischen Ortsvereine unter Führung des Herrn I. Herz übermittelten die besten Glückwünsche derselben an den Jubilar; weiters sprach Herr Kantor Blum an den ehrwürdigen Kollegen Worte des Dankes und der Verehrung. Seitens des israelitischen Landeslehrervereines und des Pensionsvereines, dessen Obmann der Jubilar durch viele Jahre gewesen war, war eine dreigliedrige Abordnung erschienen. Der Obmann Herr Siegmund Springer sprach namens des israelitischen Landeslehrervereines, Herr Rabbiner M. Freund, Bodenbach namens des Pensionsvereines. Aus nah und fern waren Depeschen und Glückwunschschreiben eingelangt. Goldene Hochzeit. Die Eheleute Aron und Cäcilie Rutka in Odrau haben vor kurzem in seltener Frische und Rüstigkeit ihre goldene Hochzeit gefeiert, aus welchem Anlasse dem Jubelpaare zahlreiche Glückwünsche zugingen. Krakau. In ihrem lverten Blatte vom 24. 4. d. I. erschien ein Bericht über „eine rabbinische Wunderlichkeit", in welchem es heißt, das hiesige Rabbinat habe geschichtliche Nachforschungen auf. dem hiesigen Friedhofe verboten und hindere dadurch die Erforschung der Geschichte seiner eigenen Gemeinde. Wie es mir scheint, ist es gar keine Wunderlichkeit, wenn ein Rabbinat seine Pflicht, die sorge für die Nichtvernachlässigung der Religion in der Oeffentlichkeit, erfüllt. Dieser Pflicht entsprechend bandelte unser Rabbinat, indem es die Erforschung der Geschiihte unserer Gemeinde hinderte. Auf unserem alten Friedhofe, wo eben die Nachgrabungen angestellt wurden, wurden die Verstorbenen übereinander beerdigt und sollte man jetzt die eingesunkenen Grabsteine ohne weiteres herausgraben, dann müßten sich die Gebeine des einen mit denen eines anderen vermischen, was eben einer talmudischen Halacha gemäß verboten ist. Faktum ist es, daß das hiesige Rabbinat die tucueEc Anregung Zum Ausgruöen der Eraösteine gegeöen habe, intrcu bet S3cbingung abet, ictfj es vermittelst einer dazu eingerichtet ten Maschme geschehe, denn so ist ba§ srüher Bemerkte nicht mehr zu befürchten. Veritas. Radantz. Bei der Generalversammlung des Veremeä „D orsche Z i o n" in Radantz und der hierauf am 30. Mai I. borgeuommeueu Konstituierung wurden die nachbenannten zerren in den Ausschuß gewählt, und zwar: Dr. Josef Vierer zum Obmann, Isidor Menschel zum Obmann-Stellvertreter, Verl Lehrer zum Kassier, Mag. Pharm. Emil Tittinger zum ersten Schriftführer, Isidor Tropper zum 2. Schriftführer, Samuel Harth sen. zum Bibliothekar, Arnold Ostfeld zum Hausverweser, Moses Ber Mick Hermann Luttinger, Feibel Fränkel, Jakob Ziegler und Michel Herer jun. Podwoloczyska. Zugunsten der Abgebrannten in Mikuliuce veranstaltete der Tarnopoler Verein „Musils Freunde." unter gefl. Mitwirkung des Fräulein M. Schwarz in einem Saale des hiesigen Bahnhofes einen Unterhaltungsabend, welcher glänzend ausfiel. Der Reinertrag von zirka Kronen 200.— wurde zu dem obgenanuten Zwecke verwendet. Sanibor. Sonntag am 7. ds. fand in der hiesigen Synagoge Maskir für die in Kischenew umgcbrachten Brüder statt. Dr. Hausner, Rabbinats-Kandidat aus Lemberg, hielt eine ergreifende Rede. Zugleich wurden für die unglücklichen Witwen und Waisen, wie auch für die Abbrändler Spenden gesammelt. In einigen Tagen wird der Betrag seiner Bestimmung zugeführt. A. F u ch s. Ausland. Hilfsverein der deutschen Juden. Wie wir erfahren, haben die Sammlungen des Hilfsbereius der deutschen Juden zu Gunsten unserer unglücklichen Stammesgenossen in Kischenew bisher die Summe von Mk. 426 000.— ergeben. Der Erfolg ist ein außerordentlich erfreulicher, aber gegenüber dem Unglück, muß darauf hiugewicsen werden, daß sehr große Anstrengungen werden gemacht werden müssen, um es den zahlreichen, völlig zerstörten wirtschaftliche!^ Excftenzeir zu ermöglichen, wieder iu geordnete soziale Verhältnisse zu gelangen. Für die Zwecke des Hilfsvereiues sind in diesen Tagen weitere Mk. 300 000.— verfügbar geworden. Die berstorbeue Frau Baronin von Cohu-Oppenheirn hat ihrem Verwandten, Herrn Dr. Paul Nathan, dem Geschäftsführer des Hilfsbereius im Ehrenamte, testamentarisch Mk. 300 000.— vermacht mit dem Aufträge, dieselben zu Gunsten des Hilfsbercines zu verwenden. Jüdische Statistik. Als erste Publikation des jüngst begründeten Vereines für jüdische Statistik erscheint demnächst unter der Redaktion von Dr. Alfred N o s s i g ein stattlicher Oktabbaud unter dem Titel „Jüdische Statistik" (Berlin, Jüdischer Verlaa, Preis 7 Mark).?llle großen jüdischen Organisationen, wie die Jewish Colonizatiou Assoziation, der Deutsch-Israelitische Gemeiudebuud u. b. a. beröffentlichen hier durch ihre offiziellen Vertreter Berichte über ihre statistischen Arbeiten. Auch enthält das Werk zahlreiche monographische Beiträge berufener Autoren, unter anderem von Eduard B e r u st e i n, Joseph Jacobs, Dr. Arthur R u p p i n. Die Publikation bietet eine Nebersicht aller bis jetzt auf dem Gebiete der jüdischen Statistik unternommenen Arbeiten und ein erschöpfendes Bild der Lage der bedrängten Massen des Judentums. Bestellungen durch den Jüdischen Verlag, Berlin SW., Grußbeerenstr. 47, oder durch den Verein für jüdische Statistik, Berliu-Haleusee, sowie durch alle Buchhandlungen. Ueber die Juden iu Makedonien, dieses unglückliche, zerwühlte und streitdurchtobte.Land, spricht ein außergewöhnlich sachkundiger Reisender. Dr. Hugo Grothe in