Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 25 (19.6.1903)
- Date
- 1903-06-19
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2432763-2432970-2432995--1992-2435809- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
6 Jüdisches VoJksblatt Nr. So Wien, Freitag 19. Juni! 903 München, sehr unparteiisch auf Grund der neuesten Forschun gen in seiner gediegenen Abhandlung „Politisches und Ethnv graphisches über ZRakedonien" in der Beilage zur „Allge meinen Zeitung" (München), Nr. 97 vom 1. Mai 190- S. 196. Wir entnehmen seinen genauen, statistisch belegten Angaben eine Reihe positiver Ziffern. Die Juden machen in Makedonien krinen unerheblichen Prozentsatz aus. Berhaltniß mäßig günstige Lebensbedinguugen führten im Laufe des letz teil Jahrhunderts zu stetiger Vermehrung. Lcake (Travels in Northern Greece, London 1835) nennt ihrer (1809) 40.000 Miß Mackenzie (6. Muir Mackenzie and P. Irby, Travels in the Slavonic Provinces of Turkey in Europe, Lon don 1876) die gleiche Zahl im Jahre 1863, Edmund Nau mann („Makedonien und seine neue Eisenbahn Salonik-Mo nastir", München 1894) im Jahre 1894 66.000. Heute muß man zu ihrer Hauptmaste in der Stadt Salonik von nahezu 80.000 eine Anzahl von Kolonien an der Küste und im In nern fügen, und zwar im Vilajet Kossowo 2000, im Vilajet Monastir 5500 (davon 4500 in der Stadt Mouastir, 800 in Kastoria) und im Vilajet Saloniki ebenfalls noch gut 2000 Seelen (1500 in Kawalla, 200 in Drama, 400 in Strum nitza u. s. tu.). Jnsgesammt zählten der Religion nach Mein hard 85.000 Juden in Makedonien, Nicolaides 81.826 (seit sam genau formulierte Ziffer!), der einstige serbische Agitator Spiridion Gopcevie 64.645 und der verläßliche Orientalist Dr. Hugo Grothe selbst schätzt 90.000. Die kleine Ziffer von Gopcevie, der möglichst viele Anhänger anderer Konfessionell und Nationalitäten für die Serben reklamieren möchte, soll aber niemanden beirren. Krakauer Brief. (Orig.-Korr. d. „Jüdischen Volksblatt".) Am 8. d. M. fand hier um 7 Uhr abends im Saale des „Hotel Union" eine für die derzeit unter der galizischen Kaufmannschaft im allgemeinen, und der Krakauer im besonderen stattfindende Bewegung charakteristische Versammlung statt Seit einigen Jahren kam die jüdische Kaufmannschaft Galiziens in vielen Städten zur Ueberzeugung, daß sie nur in der gemeinsamen Organisation die zur Vertheidigung gegen die antisemitischen „Kolka rolnicze" und dergl. oder zur gegen seitigen Unterstützung durch Gewähren von billigen Krediten dienen, ihr Heil suchen sollen. Es bildeten sich überall jüdische Kaufmannsvereine, deren Zahl zur Zeit schon eine bedeutende ist. Nur in Krakau, der zweitgrößten Stadt Galiziens, existierte ein solcher bis vor Kurzem nicht. Der Mangel desselben zeigte sich aber greifbar bei der vor einigen Wochen vor einem hiesigen Schwurgerichte stattgefundenen Verhandlung gegen die Herren Osterjung rc. Als Krön zeuge in diesem viel Staub aufwirbelnden Prozesse trat der Vertreter des Wiener „Kreditorenvereins" für Galizien Herr Kauf! er auf. Herr Kau fl er beschränkte sich aber nicht auf die Aussage gegen die Angeklagten, sondern beleidigte auch öffentlich alle jüdischen Kaufleute Galiziens, indem er sie in moralischer Hinsicht als inferior schilderte und gegen das zahlreiche Auditorium, das größtenteils aus Juden bestand, gewendet, dasselbe mit den Worten apostrophierte; „Hier im Saale sehe ich bei 30 „meinet" (sic!) gewesenen und zukünftigen (?) Klienten, die nur zu dem Zwecke hier erschienen sind, um solche Machinationen zu erlernen." Die polnischantisemitische Presse mit dem bigotten „Cas" an der Spitze griffen gleich die Worte dieses als Fachmann vernommenen Zeugen, der selbst ein galizischer Jude ist, auf, und leiteten bald eine Hetze gegen die jüdische Kaufmannschaft ein. Dies rief unter den Krakauer Kaufleuten eine große Aufregung hervor, deren Folge eine Aktion gegen den Herrn Kaufler war. Am 15. Mai d. I. richteten nun 65 der angesehensten Kaufleute ein Protestschreiben an den „Kreditoren-Verein" wegen der Ausführungen ihres Repräsentanten bei der genannten Gerichtsverhandlung und verlangten Satisfaktion. Dieses Protestschreiben wurde aber vom „Kreditoren-Verein" abgcwiesen. Daraufhin wurde für gestern zur Stellungnahme gegen den „Kreditoren-Verein" eine öffentliche Versammlung der Krakauer Kaufmannschaft einberufen. Sie erschienen auch vollzählig und füllten ganz den einige hundert Personen fastenden Saal aus. Im Namen des Komitees begrüßte die Versammelten Herr A. Lindenbaum. Zum Vorsitzenden wurde Herr Wasserberger gewählt. Sodann besprach Herr Bandet ausführlich den Zweck dieser Versammlung und verlangte ein energisches Auftreten gegen den „Kreditoren-Verein"'. Kaiserlicher Rat und Handelskammerrat Herr D a t t n e r stellt den Antrag, daß man zuerst genau untersuchen soll, ob wirklich Herr Kaufler die jüdischen Kaufleute beleidigt hat und im Falle es wirklich so ist, soll man den „Kreditoren- Verein" boykottieren. Handelskammer- und Kommerzialrat Herr T. E p st e i n glaubt, daß die bisherigen Verhältnisse Herrn Kaufler keine Ursache zu solchen brutalen Angriffen gaben. Wenn er dagegen seine Beleidigungen nicht ausdrücklich gegen die jüdischen Kaufleute richtete, so beleidigte er damit alle Kaufleute Galiziens ohne Unterschied der Nationalität. Redner verspricht die Affäre bei der nächsten Handelskammersitzung vorzubringen und ersucht ebenfalls um Boykottierung des „Kreditoren- Verein". Herr I s e n b e r g erklärt als Ohrenzeuge, von den Wortendes Herrn Kaufler den Eindruck gewonnen zu haben, daß der Repräsentant des „Kreditoren-Vereines" alle Kaufleute als Diebe behandle. Handelskammerrat R e s ch schließt sich dem Proteste gegen den „Kreditoren-Verein" an und verspricht ebenfalls in der Handelskammer in dieser Angelegenheit zu intervenierend Nachdem Herr Eichhorn konstatierte, daß Herr Kaufler vor allem mit seinen Beleidigungen die jüdische Kaufmannschaft meinte, legte Herr Bandet der Versamm lung eine Resolution vor, die gegen die Beschimpfungen dos Vertreters des „Kreditoren-Verein" protestiert und bedauert, daß die genannte Gesellschaft diese Angelegenheit nicht genau untersuchte, den Beleidigten keine Satisfaktion gab; er schlug den Versammelten vor, jedwede Verbindung mit dem „Kreditoren-Verein" zu brechen. Advokat Dr. P e i p c r kritisiert ebenfalls das Vor gehen des „Kreditoren-Verein", der Korruption unter den iwlizischeu Kaufleuteu verbreitet und rät, den Verkehr mit demselben abznbrechen. Advokat Dr. Meisels fordert die Versammelten auf dem sich bildenden „Jüdischen kaufmännischen B e r c i u e" beizutreten und bespricht die Vorteile, die ein solcher der Kaufmanufchaft bietet. Nun wurde die beantragte Resolution einstimmig an genommen und die Versammlung geschlossen. M. H. Auf dem Gebiete der jüdischen Literatur, dem wir uns hier zuliächst zuwenden, bemerken wir seit mehreren Jahrzehnten einen Umschwung nach einer mehr praktischen Richtung hin. Die Resultate der wissenschaftlichen Forschungen früherer Ge lehrter, als die von S. L. R a p p a p o r t, Leopold Z u n z, Abraham K r o ch m a u l, Z. Frankl, A. G e i g e r u. a. m., die meist nur in gelehrten Kreisen gekannt und dort ihre. Würdigung gefunden, sollen allmählich diese engen Grenzen durchbrechen und einem größeren Publikum zugeführt werden. Die literarischen Arbeiten der Gelehrten der Gegenwart ge stalten sich daher immer mehr in Sprache und Darstellung einfacher und sachlicher. Es werden auch die Ergebnisse älterer Forschungen tunlichst weiter ausgebaut, für die alle Klassen der jüdischen Gesamtheit, Gemeinde, Schule und Haus, allmählich gewonnen werden. Wir nennen als hieher gehörig die Geschichtswerke von I o st, G r a e tz, Julius Fürst, H e r z f e l d, D. Cassel, Braun, M. L e v i n u. a. m. Bon Bedeutung gestalteten sich die Abfassungen von Literaturgeschichten des jüdischen Schrifttums, die dasselbe nach seinen Hauptepochen und Grundzügen darstellen und besprechen. Es find dies die rühmlichen Arbeiten von M. Steinschneider, Gustav K a r p e l e s u. a. m. Nicht minder wichtig sind die Aufstellungen von Enzyklopädien, die in ihren Artikeln das gesamte Wissen der talmudischen Literatur umfassen. Es gehören hierher die talmudische Enzyklopädie von Lampronti, ferner die von S. L. R app aport, betitelt: „Erech Milin", von der jedoch nur der erste Band, Buchstabe A (^) erschienen ist. Auch das Werk von I. H. W e i ß in Wien „Dor dor Wedorschow" könnte man hierzu rechnen. Diesem in hebräischer Sprache abgefaßten Schrifttum folgte in deutscher Sprache die ,.Real-Enzyklopädie für Bibel und Talmud" von Dr. I. Hamburger, Landesrabbiner in Strelitz (Mecklenburg), die der Verfasser später zu einer ,.R e a l- Enzyklopädie des Judentums erweiterte, so daß dieselbe gegenwärtig aus drei Abteilungen besteht, von denen die Abteilung 1 in sieben Heften (ü 10 Bogen) die Artikel des biblischen Schrifttums enthält; die Abteilung II bringt in acht Heften (1331 Seiten) die Artikel aus den Talmuden, Midraschim, den Apokryphen, den Schriften des Josephus, des Philosophen Philo in Alexandrien u. a. m. Die Abteilung III hat in ihren sechs Heften die Artikel aus der Literatur der jüdischen Gelehrten der nachtalmudischen Zeit bis zur Neuzeit, 'erner sind daselbst mehrere Artikel, welche die Arbeiten in Abteilung I und II ergänzen. So behandelt diese Real- Enzyklopädie den Lchrinhalt des biblischen, talmudischen und nachtalmudischen Schrifttums der Juden bis znr Neuzeit, als den der Dogmatik, der Ethik, des Kultus, des Rechts, der Neligionsphilosophie, der Geschichte, der Länder- und Völkerkunde u. a. m. In der Abteilung I dieser Real-Enzyklopädie werden die dogmatischen Artikel, als „Gott", „Allgegenwart Gottes", „Allmacht Gottes", „Einheit Gottes", „Gnade und Barmherzigkeit Gottes" u. a. m. im Unterschiede von der hellenischen Auffassung und der philonischen Philosvpheme darüber in ihrer reinbiblischen Lehre mit Belegen von Aussprüchen und Lehren aus den Talmuden und Midraschim näher bestimmt. In gleicher Weise haben die Biographien hervorragender Persönlichkeiten im biblischen Schrifttum, sowie die Angaben über Länder und Völker Notizen aus dem nachbiblischen Schrifttum zu ihrer näheren Beleuchtung. Die Ethik wird daselbst in dem ausüihrlichen Artikel „Sittenlehre" in ihren Grundzügen und Hauptpunkten angegeben. Als ihr Prinzip wird die Gottähnlichkeit des Menschen (s. Gottähnlichkeit) durch Werke der Heiligkeit, Menschenliebe und Freiheit hervorgehoben. In Bezug darauf wird auf die Namen für „Ethik" in der Bibel hingewiesen, als: „Weg des Ewigen,,, mit dem erkkärenden Zusatz: „zu vollziehen das Wohltun und das Recht" (1. Mos. 18. 18.); ferner „Pfade des Ewigen" (Ps. 25.10) Speziell werden die Werke der Ethik in den Artikeln: „Nächstenliebe", „Fremder", „Feind", „Arme", „Armenfürsorge", Arbeit", „Taglöhner", Dienerschaft", „Obrigkeit", „Richter", Krieg", „Gefangene", „Freiheit", „Heiligkeit", „Bescheidenheit", „Dankbarkeit" u. a. m. bezeichnet. Auch in diesen Artikeln wird ans die Eigentümlichkeit der Ethik in dem biblischen Schrifttum in ibrem Unterschiede von der bei anderen Kulturvölkern des Altertums aufmerksam gemacht. Der Kultus erhält hier znr Beleuchtung der biblischen Angaben über seine Gestalt einen speziellen Artikel „Kultus" in Abteilung II dieser Real-Enzyklopädie, auf den wir hier besonders Hinweisen. Wir zitieren aus demselben S. 660: „Der Kultus eines Volkes ist ein Sinnbild seiner Gottesanschauuug, er repräsentiert gleichsam den Grad seines Gottesbewußtseins und seines Gottesglaubens. Auch der Kultus des Judentums ist der lebendige Ausdruck seiner Gottesidee mit ihren Lehren der Liebe, Heiligkeit, Gerechtigkeit und Freiheit. Der Gott in der Lehre des Judentums ist keine bloße Idee, kein sogenannter philosophischer, höchster Gedanke, sondern reales absolutes Sein. Er ist nicht bloß ein erhabenes, ein fernes, jenseitiges Wesen, sondern der den Welten und Geschöpfen nahe Gott, Lenker und Leiter ihrer Geschicke. Dieses im Herzen des Israeliten tiefliegende Gottesbewußtsein mit den an dasselbe sich knüpfenden Lehren und Pflichten fanden in den Gestalten des Kultus ihre symbolische Abspiegelung." „Gott mit und für die Welt", „Gott mit und um den Menschen", „Gott mit und in Israel mit den Eigenschaften der Gerechtigkeit und Liebe, der Heiligkeit und Gnade soll durch den Altar, den Tempel und nach ihm durch die Synagoge bildlich vergegenwärtigt wcrdcn. Breslau. Dr. I. H a m b it r g c r. „Bar Kochbn", Verein jüdischer Hochschülcr in Prag. Prag, den 2. Juni 1003. Liebe Vnndesbrüderl Die Erfahrungen der letzten Zeit haben uns zur Ueberzengung gebracht, das; für eine ersprießliche Arbeit im Dienste der zionistischen Idee der Zusammenschluß aller zionistisch-akademischen Verbände nniiingänglich notlvendig ist. Deshalb wollen tvir an die Gründling eines Kartells der zionistischen Studenten Oesterreichs schreiten. Ein Delegiertentag der zionistischen Stndentenkorporationen' Oesterreichs soll die Gründung des Kartells beschließen und ihm seine Tätigkeit borzeirhucn. Deshalb schlagen!vir euch vor, an: 30. Juni 1903 — nach dem österreichischen Parteitage — in Wien einen Studententag abzuhalten, der diese brennende Frage einer Losung zuführen soll. Alö vorläufige Referate — das endgiltige Programm wird erst i>u Einvernehmen mit allen teilnehmenden Organisationen beschlossen werden — beantragen tvir euch: 1. Gründung des „Kartells jüdischer Studentenkorporaticmcn Oesterreichs". 2. Mittel und Wege der Erziehung der jüdischen Studenten zu::: Zionismus. 3. Die Betätigung der jüdischen Akademiker im Nahmen der zionistischen Organisation. 4. Die nächsten Aufgaben des Kartells. Liebe Bundcsbrüderl Indem wir euch diesen Pkai: vorlegen, ersuchen wir euch dringend, sofort — spätestens in einer Woche — zu diesem Projekte Stellung zu nehmen und uns bekannt zu geben: 1. Ob Ihr einen Delegierten zum Studentcntage entsenden' tverdet. 2. Ob euer Delegierter gewillt ist, eii:es der obgenannten Referate — außer 1. — zu übernehmen. 3. Ob und in welchem Sinne Ihr eine Eriveiterung des' Programmes wünschet. Unregnugen zu den einzelneu Programmpunkten lverden wir den betreffenden Referenten gerne übermitteln. Sobald wir eure prinzipielle Zustimmung erhalten haben,, senden wir euch einen provisorischen Statutenentwurf. Unsere Aufgabe-ist eine schwere; wir hoffen, daß die jüdische Studentenschaft Oesterreichs Kraft und Mut genug hat, sie dnrchzuführenI Mit bnndcsbriiderlichen Zionsgrüßen Verein j ü d i s ch e r Ho ch s ch ü l e r „Bar Ko ch b a". Prag, Jerusalemsgasse 4. Sehr geehrte Gesinnungsgenossen! Das unterfertigte Komitee der Vereine „Achwah Lemberg", Achdns Krakau", „Äehwah Stanislan" beruft für den 27. und' 28. ds. nach Lemberg eine Konferenz der jüdisch-nationalen Handelsangcstellten und Arbeiter Galiziens behufs Schaffung einer estcii Organisation der jüdisch-nationalen Arbeiterschaft unseres Landes ein. Die Tagesordnung ist vorläufig wie folgt zusammengestellt: 1. Begründung und Wahl des Bureaus. 2. Die Lage der jüdischen Handelsangestellten und Arbeiter Galiziens. 3. Unsere Stellung znr sozialdcinokratischen Partei. 4. Organisation. 5. Unser sozialpolitisches Programm. 6. Das Verhältnis der zionistischen Intelligenz zum jüdischen Proletariat. 7. Agitation, Presse. 8. Stellenvermittlung und KonditionSlosenfoirds. 9. Eventuelles. Die Tagesordnui:g kann noch geändert werden. Anträge znr Tagesordnung >vie auch Anmeldungen von Referaten werden bis zum 19. d. M. entgegengenommen. („Achlvah", Lemberg, Ringplatz 12.) Die Gesinnungsgenossen, welche an dieser Konferenz teilnehmen wollen, lverden ersucht, ihren Namen, Stand und genaue Adresse bis zum obigen Termine anzngeben, damit dieselben rechtzeitig znr Konferenz eingeladen lverden. Indem wir hoffen, daß Sie, lverte Gesinnungsgenossen, fiir die weiteste Verbreitung dieses Zirkulars Sorge tragen werden, zeichnen lvir:nit herzlichem Zionsgrnß Samuel S ch o r r, Obmann. Alexander E i s e n st e i n, Sekretär. Aufruf zur Gründung eiues Lehrmittelfonds der Jüdischen Tohnbee-Halle iu Wien. Die Unlerrichtsknrse in der Tohnbee-Halle haben begonnen. Massenhaft strömten sie herbei, die lernbegierigen jungen Mädchen und Jünglinge unserer Glaubensgenossen, um teilzunehinen an den französischen und englischen Kursen, an Stenographie und Literatur. Doch welch traurige Erfahrungen mußten wir bei Beginn des Unterrichtes machen! Biele der sich Meldenden lvaren nicht in der' Lage, sich Bücher anznschaffen, da ihre ärmlichen Verhältnisse es nicht erlaubten. Viele, denen diese .Kurse für ihren Berns von großem Nutzen wären, mußten zurücktreten, anderseits mußte es^ ermöglicht lverden, zlvei bis drei Teilnehmer mit einem Buche zu versorgen. Ich lvende mich deshalb an meine Glanbensschlvestern und -Brüder mit der Bitte, beizutragen zu einem segenbringenden Werke, zur Gründung eines Lehrmittelfonds der Tohnbee-Hatte, daniit jene oben geschilderte,: Mißstände in Zukunft vermieden werden. Auch die kleinste Gabe wird dankbarst angenommen. Spenden beliebe, man zu senden an Herrn Joh. Kremenetzkh, 9. Bez., Eisengasse 5 oder an die Unterzeichnete. Namens der Ünterrichtskomitees: I ü a Berliner, . 14/2, Mariahilferstraße 191.