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Jüdisches Volksblatt · 1903-06-19 · 25 (19.6.1903) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
25 (19.6.1903)
Date
1903-06-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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WiHi, F'i’fitaiindische« Volksblatt Seite 10. Juni iOOO a u ch hierher sehr l e i ch t tt b e r t r a g e n w e r d e n und noch dazu eine solche Mode, zu. der wir ohnehin große Geneigtheit zeigen. Es wird also sehr angezeigt sein, daß die Juden ihren Mantel drehen sollen, noch dazu so lange drehen, bis kein gelber Fleck mehr auf ihn ift." „Wahrlich, sie könnten schon bedenken (die Juden), daß, wenn das Feuer schon so nahe, es sehr angezeigt ist, den Explosionsstoff nicht noch mehr um sich anzuhäufen! Es wird gut sein, wenn sie sich krummen — es wird angezeigt sein, damit zu eilen, denn das Gewölle sammelt sich mächtig an und der Donner kann wahrlich einschlagen." Wie gesagt, diese Angriffe konnten niemanden überraschen, und es war nur eine Pflichtversäumnis, daß man sie erst jetzt erblickt. Wir haben auf die Angriffe des Leibblattes des Abgeordneten Nikolaus Bartha in Zenta gegen alles, was jüdisch ist, hingewiesen, und unter demselben Schutze, den diese Lumpereien seitens der Behörde genießen, durfte auch der Pfarrer von Z b o r o (Süroser Komitat) von der Kanzel herab verkünden, daß die tierischen Metzeleien in Kischenew eine heilige Sache und die Mordbuben die „Vollstrecker dieser heiligen Sache" gewesen seien. Und wie stellte sich der Szell'sche Stuhlrichter zu diesen Verhetzungen? Genau so, wie der russische Polizeimeister; er ließ die Zboroer Juden zu sich kommen, um ihnen, wie die „11. W." berichtet, den wohlgemeinten Rat zu erteilen, „sie mögen vorsichtig und schonend im im Umgänge mit der Bevölkerung sein, weil — so sagte der Stuhlrichter — der Haß und die Erbitterung der Christen gegen die Juden schon sehr groß sei." Als bezeichnend für die sogenannten jüdischen Führer ist es jedenfalls, daß die seitens der Budapester Zionisten in derselben Angelegenheit an das Abgeordnetenhaus gerichtete Petition durch den christlichen Abgeordneten der chauvinistischen Unabhängigkeitspartei, Ludwig Olay, überreicht wird. Die jüdischen Abgeordneten haben natürlich nicht den nötigen Mut, für ein solches Eintreten für die jüdische Sache aufzubringen vermocht, was jedoch den antisemitisch-volksparteilichen Abgeordneten Stefan R akovsky nicht hinderte, den jüdischen Abgeordneten und Schleppträger S z e l l s, Josef V e s z i, zuzurufen : „Wandern Sie nach Palästina aus! Wir sind keine Judenpartei, wir sind Christen!" Wir möchten uns zu dieser Angelegenheit noch die gewiß nicht indiskrete Frage erlauben: Wo ist der jüdische Reichstagsabgeordnete Herr Soma V i s o n t a i, geblieben? ... Wir wollen den Artikel nach altem, jüdischen Brauche mit einer freudigen Nachricht schließen. Sie stammt aus Klausenburg, aus dem orthodoxen Lager und zeigt, daß, wenn sich die jüdisch-nationale Idee in Ungarn auch noch nicht offiziell heroorwagt, wenn die leidigen Verhältnisse in Ungarn auch die Beffergesinnten zwingen, sich für einen „Menschenschutzverein" auszugeben, doch schon gewichtige Stimmen laut werden, die mutig und entschlossen das Kind beim Namen nennen. Aus Klausenburg wird nämlich berichtet, daß daselbst Herr Oberrabbiner Moses G l a s n er im orthodoxen Tempel am zweiten Schewuoth- Tage eine Predigt hielt, in welcher er das Unglück unserer Brüder in Kischenew vor Augen führte und zur Unterstützung derselben mit Wehmut aufforderte. Diese Predigt war ein offen ausgesprochenes Verdammungsurteil der Assimilationssüchtigen. Der Herr Oberrabbiner schrieb die Ursache dieser Vorkommnisse des 20. Jahrhunderts, wo selbst Tierschutzvereine bei jedem Volke ins Leben gerufen werden und die Juden doch keinen Schutz finden, den Assimilationsbestrebungen zu. Die Assimilanten drücken sich in Selbstverachtung, berauben sich ihres nationalen Ehrgefühles, degradieren sich selber bis zur unbeachteten Konfession, ohne nationalen Bestand, und die Folge ist, daß sie gedrückt und zerdrückt werden, sie drängen sich anderen Nationen auf, als wären sie von deren Stamme, und doch sind sie denen, wie unser Oberrabbiner trefflich bemerkte, k’rnachat ba’boszor ha’chaj, wie eine Nadel im lebenden Fleische, diese kann nie, und wenn sie wie lange im Fleische bleibt, zu Fleisch und Blut werden, sie verursacht nur Unannehmlichkeiten und wird dann mit Gewalt entfernt. In edler Entrüstung ruft Redner diesen Assimilationssüchtigen zu: „Ist nicht die jüdische Nation die erste, die älteste? Umsonst versucht ihr es, die Nationalität der Juden in Abrede zu stellen. Nehmet die Völkerkunde zur Hand, befragt die Psychologen, ihr werdet erfahren, daß jede andere Nation außer ihrer Raffe, von ihrem Klima, von ihrer Sprache abhängig sei. Wenn ein Franzose, ein Germane, ein Engländer in einem änderet» als seinem Geburtsorte lebt, eine andere Sprache spricht, so verliert er bald seine nationale Eigenart; der Jude aber, lebe er in welchem Klima, spreche er, welche Sprache immer, er möge sich mit Gewalt Eigenarten anderer Nationen aneignen, seinen Typus als Jude kann er nie verwischen. Stellt einen europäischen, einen asiatischen, einen afrikanischen Juden sich gegenüber, ihr werdet bald in allen den Juden und nur den Juden erkennen, diese so unverkennlichen gemeinsamen Züge kann keine einfache Konfessionsgemeinschaft aufdrücken, sondern einzig und allein die Angehörigkeit zu einer und derselben „Nation". Rumänien und Kischenew belehren euch, daß die Assimilation euch nur Schande und Spott, Verfolgung und Ausrottung bringt. Ihr seid der Brutalität, der Raub- und Mordsucht des Pöbels, den Hetzereien der Intelligenz, in deren Gesellschaft ihr euch mit Verleugnung unser jüdischen Nationalität drängt, ausgesetzt. Das belehre euch, daß ihr eine Nation seid, die für ihren Bestand, für ihre Anerkennung, für ihr Ansehen, einstehen und mit Stolz kämpfen darf und soll . . / Es wird also auch in Ungarn Licht! Ein Warnungsfignal? „Die Zeit" publiziert eine Mitteilung ihres Mitarbeiters Dr. Ivan Franko folgenden Inhaltes: „Der Sommer kommt und ein heißer Fieberhauch weht über O st g a l i z i e n. Gleichzeitig mit dem Amtsantritte des neuen Statthalters, welcher in der Meinung vieler Interessierten „den Ruthenen eine starke Hand zeigen soll", gleichzeitig mit leisen Gerüchten über hie und da drohende Bauernstreiks (an einem auch nur annähernd so ausgebreiteten und massenhaften Streik wie im vorigen Jahre ist heuer wohl nicht zu denken) dringt ein anderes ungleich schlimmeres Gerücht in die Oessentlichkeit. In verschiedenen Gegenden Ostgaliziens erscheinen Individuen unter den Bauern und Kleinstädtern und reizen zu Judenmassacres auf. Aus dem Kolomeaer Bezirke wird gemeldet, daß diese Agitatoren polnisch-ruthenisch radebrechen. Welche wunde Stellen des Volksbewußtseins diese verbrecherischen Hände berühren, welche Argumente sie bei ihrer Agitation ins Feld führen, wissen wir vorläufig nicht. Wie bekannt, wurde vor fünf Jahren in Westgalizien das seit dem verhängnisvollen Jahre 1846 wohlbekannte Märchen, der Kaiser habe es so besohlen, in Umlauf gesetzt, um antisemitische Krawalle hervorzurufen. Ich zweifle sehr, ob dieses Märchen auch in Ostgalizien feine Wirkung tun würde, obwohl viele dringende Verdachtsmomente dafür sprechen, daß wir es diesmal mit ähnlichen Machinationen zu tun haben, wie vor fünf Jahren." Dr. Franko zitiert nur einen Artikel des ruthenischen Blattes „Dilo", in welchem diese Agitation geschildert und behauptet wird, daß die Hetze dem Zwecke diene, dis Erbitterung der ruthenischen Bauorn gegen die polnischen Grundbesitzer auf die Juden abzulenken. Zur Bekräftigung dieser Behauptung wird auf eine Aeußerung verwiesen, welche der konservative polnische „Ezas" vor den Judenkrawallen in Westgalizien tat. „Czas" habe damals geschrieben: Das beste Antidotum gegen die revolutionäre Agitation unter den Massen sei der Antisemitismus. Wie damals den Exzessen der Ausnahmszustand gefolgt sei, so scheine man auch diesesmal das doppelte Ziel im Auge zu halten: die Wut der Bauern auf die Juden abzuleiten und in den ruthenischen Bezirken die bürgerlichen Rechte zu suspendieren. Dr. Franko fährt sodann fort: „Die ruthenischen Zeitschriften warnen ihr Publikum eindringlich vor dieser verbrecherischen Agitation und wenden sich sowohl andre Bauern als auch an die Geistlichkeit, dem drohenden Unheil vorzubeugen. Wird es ihnen gelingen? Wird die geheimnisvolle Hand, welches dieses Spiel betreibt, sich von Zeitungsstimmen und Ermahnungen wohlmeinender Männer abhalten lassen? Werden die Behörden ihre Schuldigkeit tun und das Unglück beizeiten verhüten, oder werden sie erst seinen Ausbruch abwarten? Wir in Galizien glauben an keine Wunder, am wenigsten aber an das größte Wunder, an ein von keinen Hintergedanken beeinflußtes, für die ganze Bevölkerungsmasse wohlwollendes Vorgehen unserer galizischen Behörden. Wir glauben aber auch leider daran nicht, daß es irgendwo außerhalb Galiziens eine Gewalt gibt, die imstande wäre, eine Aera strengster Gesetzmäßigkeit in Galizien herbeizuführen. Darum fürchten wir sehr, daß es auch diesmal gelingen wird, aus Kosten unsäglichen Elends die Herrschaft unserer Gewalthaber noch auf eine Reihe von Jahren zu stützen und zu festigen." Hierzu schreibt ihr Lemberger Korrespondent „Der ruth en isch e „Dilo" behauptet in einem Artikel, daß polnische Agitatoren das ruthenische Volk in Ostgalizien zu Judenmassacres bereden wollen. Der Artikel des „Dilo" wurde konfisziert. Alle polnischen Blätter bezeichnen die Behauptung des „Dilo" als eine perfide Insinuation. Das Organ der polnischen Volkspartei „Kurjer Lwowski" bemerkt: Es ist schade, daß der Artikel des „Dilo" konfisziert wurde. Denn Polen wie auch objektive Ruthenen würde dieser Artikel überzeugen, mit welchen Waffen die Ruthenen jetzt gegen alles Polnische ankämpfen." Wir müssen Herrn Dr. Franko, der, wie seine Romane beweisen, durchaus nicht an übertriebener Judenfreundlichkeit leidet, auf folgendes aufmerksam machen: Er stellt die Sache doch gar zu einfach dar, wenn er die ganze Verantwortnug für eventuelle Unruhen auf polnische Agitationen und aus eine eventuelle Lässigkeit der Behörden schiebt. Das Sprichwort heißt zwar: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück. Aber ein Wald muß vorhanden sein, in den man hineinrufen kann; wenn Exzesse entstehen, so setzen sie einen fruchtbaren Boden bei den Ruthenen voraus, denn in anderen Fällen zeigen sich die Ruthenen durchaus nicht geneigt, den Einflüsterungen polnischer Agitatoren leichterdings Gehör zu schenken. Wir erinnern daher die Führer der ruthenischen Nation an einen Umstand, den Dr. Franko aus dem Auge gelassen hat, an die eigene Verantwortlichkeit der ruthenischen Führer. Die Führer der ruthenischen Nation müssen ihr Volk iusoweit lenken, daß sie, rechtzeitig unterrichtet, solche Unruhen im Keime ersticken können. Sie müssen den Ausbruch von Unruhen verhindern. Wir sagen ganz offen, daß die Schuld nicht nur auf die Häupter der Regierung und der Polen, sondern auch auf ihre eigenen Hüupte zurückfiele. Gerade w i r erheben unsere Stimme, gerade w i r, die wir seit Jahren unsere Stimme auch für die' Rechte der ruthenischen Nation erheben, unbeirrt durch alle Angriffe der Schlachzizenpresse. Wir haben ein Recht zu dieser Sprache. Eine gesunde Politik beruht auf Gegenseitigkeit. Wenn die Ruthenen die Hilfe der Juden bei den Wahlen beanspruchen, so dürfen sie nicht vergessen, daß Wiederholungen von Exzessen, wie sie in U h n o w stattfanden, eine unüberbrückbare Kluft zwischen Juden und Ruthenen schaffen. Die Verhältnisse von Uhnow sind uns wohl bekannt. Das Städtchen wird von zirka 2000 Juden und 2000 Ruthenen bewohnt. Eine handvoll polnische Beamte bringt nun das Kunststück zuwege, mit Hilfe der Juden ein polnisches Regiment in der Stadt zu etablieren. Wir brauchen nicht hinzuzufügen, daß wir das höchst ungerechte und unkluge Vorgehen dieser Juden entschieden mißbilligen. Seit Jahren schreiben wir in diesem Sinne. Aber gegen politische Unreife gibt es nur ein Mittel, politische A u f k l ä r u n g. Steine, eingeschlagene Fensterscheiben sind keine Argumente. Gerade ein gewalttätiges Vorgehen mnß die Juden in dem Glauben bestärken, daß sie nur bei der Schlachta Schutz und Sicherheit finden. Momentan herrscht Ruhe im Lande. Wir wiederholen : Die Führer der ruthenischen Nation sind für die Haltung des ruthenischen Volkes mitverantwortlich. Das möge sich Dr. Franko gesagt sein lassen. Dreist und gottesfürchtig erklärt die russische Regierung, mit der Berichterstattung der „Times" habe die Ausweisung des Petersburger „Times"-Korrcspondeitten nicht das geringste zu tun. Und sie erklärt das ohne Wimperzucken sogar dem britischen Botschafter ins Gesicht! Ein Laffau-Telegramrn meldet ans London: „Der ausgewieseue „Ttmes"-Korrespondent telegraphiert seinem Blatte, die russischen Behörden hätten ihin amtlich mitgeteilt, seine Ausweisung erfolge wegen seiner Feindschaft gegen die russische Negierung und wegen Erfindung falscher Nachrichten. Der russische Minister des Innern, b. Plehwc, erklärte in einer Unterredung mit dem britischen Botschafter in Petersburg, chie Ausweisung sei schon seit längerer Zeit vorbereitet und durch das, was der Korrespondent über die Ereignisse in Kischenew geschrieben habe, unbeeinflußt. Persönlich bestünden gegen den „Times"-Korrespondenten keine Einwendung, der feindselige Ton seiner Berichterstattung jedoch und der „Times" im allgemeinen erregten Mißfallen. Die Regierung sei zu der Entscheidung gekommen, daß sie diesen Berichterstatter nicht länger in der russischen Hauptstadt dulden könne." Herr v. Plehwe leugnet den Zusammenhang beider Dinge. Aber gerade Herr v. Plehwe wird vielfach als der Urheber der Judenhetze von Kischenew angesehen. Und darauf eben hat der „Tiincs"-Korrespondcnt hingewiesen, indem er einen Geheimerlatz des Herrn v. Plehwe, beit dieser am 25. März an den Gouverneur von Bessarabieit richtete, veröffentlichte. In diesem Geheimerlatz erklärte der Minister, er erfahre, das; in Bessarabien Unruhen gegen die Juden vorbereitet werden. Er schärft dem Gouverneur ein, er solle nicht etwa durch strenges Einschreiten gegen diese Bewegung in der Bevölkerung regierungsfeindliche Gesinnungen erwecken, sondern nur durch Ermahnungen, keinesfalls aber durch Waffengewalt die Bevölkerung von allzu großen Exzessen abzubringen suchen. Dieser Erlaß ist nachträglich von der russischen Regiertmg für apokryph erklärt worden, trotzdem glauben in Rußland viele Leute daran. Ans dem ganzen Verhalten des Herrn von Plehwe seit der Judenhetze von 1881, wo er Gehilfe und Vertreter des Ministers Jgnatiew war. schließen weite Kreise in Rußland, daß er die Tendenz verfolgt, der Gährung im russischen Volke dadurch ein Abzugsventil zu verschaffen, daß er die Unzufriedenheit der Muschils auf die Juden abzulenken sucht. Zu diesem Zwecke sei er bemüht, die Inden der russischen Bevölkerung als diejenigen gu denunnzieren, die den Zaren entrechten und stürzen wollen. Eine Zuschrift, die die „Nation" aus Rußland erhält, steht auf dem Standpunkte, daß die Hetze von Kischenew unter der Aegide des Ministers inszeniert worden sei. Der Verfasser teilt mit, daß der „Vcssarabetz", das Organ, das durch seine Hetzartikel die Greuel hervorrief, von dem Minister persönlich protegiert werde. Es heißt in der Darlegung der „Nation": „In Kischenew selbst ist das Blatt Kruschewans (des Herausgebers des „Bessarabeh") durch die Behörden zu einem führenden gemacht worden. Der Vizegouverneur und Zensor der Zeitung. Ustrngow, ist Mitarbeiter an dem Blatte, andere Bemnte, Richter usw. arbeiteten an dem Blatte mit; es wurde überdies durch die Behörden eine andere Zeitung des Ortes, der „Bessarabski Westnik", beseitigt; es wurden alle Gesuche wegen Herausgabe einer zweiten, anständigen Zeitung abgewiesen, und es wurde schließlich der nichtoffizielle Teil der offiziellen Zeitung abgeschafft, so daß das Organ des Herrn Kruschewan für die Zeitungsleser allein bestehen blieb. Alles dies betrifft Kischenew. Herr Kruschewan erhielt aber auch die Erlaubnis, in Petersburg eine Zeitung herauszngeben, „Snamja" mit Namen; er wurde aus Staatsgeldern von dem Minister Plehwe mit 26 000 Rubeln subventioniert, und in einem Ministerkonseil verlangte Herr Plehwe eine wettere Subventionierung, die nur dadurch verhindert imtrde, daß der Minister Witte erklärte, Staatsgelder ständen für diesen Zweck nicht zur Verfügung. Unter diesen Umständen erhielt Herr Kruschewan, der hoch verschuldet ist, durch die Protektion des Ministers Plehwe den gewünschten Betrag von der Staatsbank auf Solawechsel, die Herr Kruschewan einzulösen nicht in der Lage sein würde." Die Mitarbeit der hohen Beamten an dem Blatte, die Tatsache, daß die Zensur die Hetzartikel gegen die Juden durchgehen ließ, sie also als von der Regierung gebilligt hinstellte, die offenkundige Begünstigung des Herrn Kruschewan und seiner antisemitischen Unternehmungen hätten, so wird in der Zuschrift an die Nation weiter attsgesi'chrt, die Revolte von Kischettew zur Folge gehabt. Die nttgebitdete Bevölkertntg glaubte int Namen des Zaren zu handeln, und die gebildete Bevölkerung nahm mit gutem Grund an, daß die Negierung den Krawall wolle. Die Bevölkerung von Kischenew und Umgebung glattbte wie bei der Judenhetze vott 1881, währettd deren Herr v. Plehwe Chef der Polizeiverwaltuttg war. an ein geheimes Manifest des Zaren, das in dett Gemcittdekanzleten eittgetroffen sei, und das befähle, die Jttdett zu Ostern zu erschlagen. Nachträglich ist der Gouverneur v. Raaüen, der lediglich den Instruktionen des Ministers folgte, ja bestraft worden. Aber, sagt die Zuschrift, nur deshalb, weil er die Ausschreitungen gu weit gehen ließ, so weit, daß sie den Zaren empörten, internationale Schwierigkeiten erregten und Plehwes Stelltmg gefährdeten. Der Zar habe die Absicht gehabt, einen Adjutanten zu seiner persönlichen Information über die Vorgänge nach Kischenew gu entsenden. Das habe Herr v. Plehwe zu hintertreiben gewußt, er seinerseits habe einen

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