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Jüdisches Volksblatt · 1903-06-12 · 24 (12.6.1903) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
24 (12.6.1903)
Date
1903-06-12
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 24 Wien, Frei tat; Jüdischer, Vclksblati: 12. Juni 1903 Seile Ter Verein deutscher Aerzte. Gegenüber den VertnschnngSbersnchen der liberale» Preise reproduziere» ivir folgende Informationen ^des „Gramer Tag platt es", die beweisen, das; die Herreit Anti lustig iveiter gründen. Das „01. T." schreibt: Gegenüber falschen Behauptungen siidischer Blätter stelleit Ivir »ach Blitteil»it-!»'», die »>is ans bester Quelle znlommen, folgendes fest: Bisher Pit die ssabl der Anmeldungen für de» Verein deutscher Aerzte die Ziffer 700 iiberschritte». Ilbmeldnngen, beziehungsweise Znri'ickziehnngen boit Unterschriften sind tm ganzen fünf erfocht, also sehr wenig, ive»» ma» erwägt, »tit welchem Hochdruck die i» maiteben Preise» leider »och iiitmer einflußreiche Hudenpresse arbeitet. Die Wieiter Aerzlelammer, die der ljüdische) Verband bu» Wiener Aerzte» gegen de» neue» Verein hebe» ivollte, hat vorgestern mit 7 liege» 2 (jüdische) Stimme» die Onertreibereie» der Hndenpresse entschiede» verurteilt. Schließlich sei hervorgehoven, das; die Gründung des Vereines deutscher Aerzte nicht, Ivie behauptet Ivird, von christlich-soziale», sonder» bo» deutschnationale» Aerzte» Niederösterreichs, Schlesiens und Steiermarls angeregt lvnrde. Tns Brünncr „Deutsche (Schund-) Blatt" schreibt über „die Jndenfrage int Südmährerbund eine» Artikel, ans dem Herborgeht, das; der Südmährerbund schon längst die 07 Huden ausgeschlossen hätte, ivenn er nicht den Austritt der Liberalen fürchtete. Wie diese 07 Huden es mit ihrer Ehre bereinbar finden, nur als Schnbjnden der Liberalen geduldet zu Iverdeil, ist uns ein Rätsel. Das „Deutsche Blatt" schreibt: 3 n r H li d e n f r a g c i m S ü d - m ä h r e r b n n d e. Ein alldeutscher Gesinnungsgenosse nimmt in den nachfolgenden Ausführungen zur Hndenfrage im Südmährerbnnde Stellung. Wir übergeben dieselben seinem Wunsche gemäß der Oeffentlichkeit und bemerken nur, das; jeder Dentschnationale im Prinzipe denselben znstimmen mns;. Es bleibt jedoch die Frage offen, ob der dentschnationale Gedanke in Südinähren heute schon in dem Maße Fuß gefas;t hat, das; durch die Anfrollnng des Antisemitismus im Südmährerbnnde dieser in seiner Leistnngsui'.d Entlvicklnngsfähigkeit nicht bedroht wird. ES handelt sich nicht um die 07 Hude», (I) die dem Südmährerbnnde angehören, sondern um jene graste Zahl bau Liberalen, Ivelche bei den Huden lieber wiegeudeu treu ansharren, als ein hockNvichtiges nationales Unternehmen,' lvelchcs auf antisemitischer Grundlage steht, halten und fördern. So , . .. hi? Neicben " Stuck der lebte Um lange diese Liberalen unter den Deutschbeivnstten Südmährens und fast unberührt bl,eben vre Reicyen. oer reyre um die Mehrheit besitzen, hat die hier aufgerollte Frage keine Aussicht, in eil,er dein Südmährerbnnde ersprießlichen Weise gelöst zu ».'erden. Wir haben uns die Gewißheit »erschafft, das; gar diele verlästliche Deutschnationale SüdinährenS unseren Standpunkt teilen. DaS jüdische Element hat sich auch in Südmähren bereits in. einer j derartigen Weise fühlbar gemacht, das; es hoch au der Heit ist, nicht ihr noch mehr e n t f r e n, d e n, soll man den Versicherungen der jetzigen Majorität, daß sie den Frieden in der Gemeinde wolle, Glauben schenken. Aus dem österreichischen Parlamente. Die Abgeordneten Dr. O f n e r, Dr. S t r a n ch e r und Genossen richteten in der Sitzung vom 9. d. M. eine Interpellation au den Ministerpräsidenten, in welcher ansgefnhrt wird: „Unsere Zeit ist leider allerorten von Leidenschaft, von nationaler und konfessioneller Feindseligkeit, von Nassennnd Klassenstaß erfüllt. Dennoch steht die Bluttat von Kischenew ohne Beispiel da. In einer Stadt von 150.000 Einwohnern, mit einen, starken Polizeistande und einer größeren Besatzung, konnte eine Bande von einigen hundert Mann nach Gefallen rauben und morden. Der Hilfsverein der deutschen Inden hat ein Mitglied seines Zentralkomitees nach Kischenew entsendet, aus dessen Aufnahmen sich folgende Sachlage ergibt: „Die Zahl der zerstörten Häuser beträgt in runder Summe 700, außerdem sind 000 Geschäfts zerstört. Die Zahl der Menschen, die obdachlos geworden sind, ist auf 10.000 Personen oder 2000 Familien zu schätzen. Auf der Stelle wurden bei den Massacres 45 Personen getötet, 84 schwer, mehr als 600 leicht verwundet. Es ist kennzeichnend, daß die Witwen sich scheuen, selbst Geld anznnehmen, weil sie für die russischen Pfingsten neuerliche Plünderungen befürchten und annehmen, durch ihren Besitz die Plünderer auf sich zu lenken. Die Zahl der Personen, die mittelbar von den Ausschreitungen betroffen wurden, weil sie ihre Erwerbsquellen verloren haben, ist auf 20.000 zu schätzen. Die Geplünderten gehören zum ganz über- Teile den allerärmsten Schichten der Bevölkerung an, der Mittelstand ist schon weniger hart betroffen worden stand beweist, daß, wo die Behörden schützen wollten, sie es ohne Schwierigkeit tun konnten. Der materielle Schade wird auf zehn Millionen Kronen geschätzt. Die Interpellanten verkennen nicht, daß die Kritik einer in einem fremden Lande begangenen Tat in enge Schranken gebunden ist, aber sie ist dasselbe in jene Schranken znrnckzndrängen, innerhalb welcher es: trotz dieser Grenzen berechtigt, wenn ein gewissesMaß als Fremdling von der Gastfreundschaft unseres Volkes Gebrauch > h r U N N, e „ s ch li ch k e i t überschritten ist, und schon machen kann. Der Antrag der Wiener Vnndestrnppen 'st daher . . { Präzedenzfällen haben befreundete Mächte Börsteldie anfS Lebhafteste zu begrüßen, und wäre nur zu tvuißchen, das; der- KUU»CU 4irn0eüeuaiuueii(; .uswc*,« 1Tlt selbe bei der bevorstehenden Hauptversammlung die verdiente Unterlnngen gemacht, die auch m der epkdemffchen Natur von Unstütznng fände und der Aufnahme von Huden in den Bund ein-!ruhen begründet sind, welche durch Fanatrsierung bildnngsloser, für allemale ein Riegel vorgeschoben würde. Ein vor kurzer Zeit; gewalttätiger hungriger Massen entstehen. In, vorliegenden brc.rfp3i.nu'.1' "^!^^:^olkSzeitmig" erschienener ^Eüberdie ,ft ^/^.^hr dringend, weil die russischen Pfingsten Verhaltinpe nn Südmährerbnnde, der in die lei e Mahnung au»- G . r .. . - w nsw?pf+ i,n-i WfoWklingt, die Bnndesleitnng möge mit „E.itschiedenheit ihres Amte? j bevorftehen und dieses Fest ebenso ww das Osterfest von Niedertoalten. ist nur dahii, zu verstehen, das; der betreffende Bericht-' trächtigen benützt zu werden pflegt, um den Fanatismus der statter einer eventuellen Ausschließung der jndenfeindkichcn Grup- Menge zu Ausschreitungen zu Hetzen. Es wird daher die Anpen aus dem Bunde, welche^ aber den Salzungen zuwiderlaufen j ^stellt: I st Se. Exzellenz geneigt, sich mit i n i st e r d e s A e n ß e r n i n V e r b i n d u n g z u tvürde, nicht abhold wäre. Der Antiseuiitisnnis hat seine Berechtigung, er ivnrzclt tief in unseren, Volke, und deshalb ist auch zu erwarten, das; der Antrag auf Hndenreinheit im Südinährerlmiidc ebenso zum Siege gelangen tvird, tvie er in fast sänitlichei, ostmärtischen Schntzvereineii schon seit längerer Zeit zum Durchbruche gekommen ist. Die Präsiderrterrkrise im Wiener Knltnsvorstande. Die Präsidentenkrise im Wiener Kuktnsvvrstande ist, wie vorausznsehen war, friedlich beigelegt worden. Herr kaiserlicher Rat Heinrich Kling er ist nun wieder Präsident und Herr Alfred Stern erster Vizepräsident der Wiener Kultnsgemeinde. Die frommen Leser, welche zum ausschließlichen Lesen der 5MlltiEpanschalie!iblätter verurteilt sind, haben die Aufregnikgen der Kriseuzeit ruhig verschlafen, da ihre» Leiborganen die Publikation dieser Angelegenheit bei Entziehung dkr Subvention untersagt wurde. Diese Zeitungen leben eben vom Verschweigen solcher, für das Publikum wohl sehr wichtiger Affären. Die größten Schweigerfolge hat bis jetzt die „Oesterreichische Wochenschrift" erzielt, $>evett Subvention erst ist jüngster Zeit von 3600 Kronen auf 3600 .Kronen jährlich erhöht wurde! Reumütig bekennen nur es, daß unser letzter Artikel über die Demission die Schuld daran trägt, daß die geliebten Häupter der Gemeinde uns wiedergegebeu wurden, denn was Deputationen und die Bitten einzelner Freunde nicht vermocht haben, das wurde durch nuferen Artikel erreicht. „Die Opposition darf nicht Rechts behalten!" dieser Zauberspruch hat den Bann gebrochen. Herr Heinrich Kling er hat sich also wieder geopfert; allerdings mit dem Reservate, daß er im Herbste feierlich aber sicher abziehen darf. Wir gestehen es ferner gerne zu, daß die Beziehungen des „Deutschen Volksblatt" zum Wiener Kultns- Vorstande sich gut bewährt haben, denn dieses in Wiener Kultus-' angelegenheiten stets wohlinfvrmicrte Blatt war bereits Sonntag in der Lage, mit Bestimmtheit zu erklären, daß die Präsidenten „ihre knrullischen Sitze wieder einnehmen werden." Charakteristisch für die Stimmung im Kultnsvorstande sind auch die Kombinationen, welche für den Fall angestellt wurden, als die vakant gewesenen Präsidentenstellen zur Neubesetzung hätten gelangen müssen. Diese Gerüchte sind schon deshalb wichtig, weil sie bei nächster Gelegenheit leicht zur Wirklichkeit werden rönnen. Dte Kandidaten für die Präsidenten- und Vizepräsidentenwürden waren außer Ritter v. T a n s s i g die Herren David Ritter v. Guttmann, kaiserl. Rat Moriz Hirsch nnd Dr. Felix K a tz a n. Herr v. G n t t m a n n, der eigentlich Versöhnuttgspräsident werden sollte, hat mit aller Entschiedenheit abgelehut und wird auch später für die Annahme der Präsidentenwürde nicht zu haben sein. Ob Herr kaiserlicher Rat Hirsch das Mandat überhaupt annehmen würde, ist uns nicht bekannt, hingegen müßten wir gegen eine Kandidatur Doktor K a tz a u unter allen Umständen Stellung nehmen. Der Assimilativnsfanatiker Dr. K a tz a n darf nie und nimmer Präsident einer Knltnsgemeinde werden, in welcher die nationalen Be-! strebnngen gottlob immer mehr Boden gewinnen. Ein neues Präsidium muß uns der jüdischen Moderne näherbringen, aber, dem M i n i st e r des A e n h e r n , n setzen, daß dieser die russische Regierung auf die Verletzung alles menschlichen Gefühles durch die Kischenewer Bluttaten und auf die hohe Gefahr derselben für den allgemeinen Frieden aufmerksam mache und sich bei ihr für kräftige M a ß n a h m e n z n r V e r h ü t u n g weiterer derartiger Greuel ei„setze? Israelitische Allianz zu Wien. Die Sammlung der Israelitische» Allianz z» Wie» für die Opfer der Massacres da» Kischenew hat bis heute einschließlich der avisierte» Beträge zirka 145 060 Kronen erreicht. U»ter den außerhalb Wie» beraustaltete» »ud der Hsraelitische» Akliauz zugeführte» Saiunckuuge» siud außer de» bereits zuitgekeiktei, folgende z» ucnueu: Prag (durch Herr» Dr. Arizokd Roseubacher) tveirere Sc »du »ge» K. 587 »ud 525; Czernotvitz weitere Sendung der Fikiake der Israelitische» Allianz z» Wie» K. 2000; Brün» A. Witrofst» iveitere Sauunkuug 51. 1000; Himsbriick Saminknug W. Dainihauser K. 287; Zworuik (Bosnier,) Akerauder Fischer S\. 50; Neubpdzow Cheivra Kadiseba »ud Verein Schon,re Hatotv je K. 50; Tobi-tschn» Beamte der Herrschaft K. 50; Proßuiiz Dr. Gokdschrnied, Rabbiner, iveitere Sannnlung 5t. 45; Kiiktnsgelneindc!, (darunter teilweise Sanunknngei,) Karlsbad 51. 1417; Aussig K. 1820; Hägerndurf K. 1279; Göding 5t>. 000; Wr.-Neustadt 51. 545; Eibenschütz 51. 478; Hoklescha» K'. 485; Neubpdzow 51. 401; Brür 51. 400; Lai», 51. 800; Lobositz 51. 200; Königilchof K. 802 und 51. 72; Falkena» a. E. K. 201; Bliskekbach 51. 280; Bodenbach 51. 200; Przibram K. 228, Damboritz 51. 180; Drohobpcz K. 178; Warasdi» K. 187; Austerlitz 51. 115; Ung.-Ostra K. 100; Staab (Bötunen) 51. 80; Podersa», K. 80; Zivitta» K. 80; St. Georgen b. Preßbnrg K. 77; ,Hart»,a»iiz 5t. 75; Oberhollabr»»» 51. 72; Sekca» K. 70; Ottimia K. 05; Kassejoivitz K. 04; Geivitsch K. 62; Danbroba 51. 00; Freiberg 51. 55; Ncnbistriiz K. 51; Cbrzanoiv K. 50; Sadska K. 50; Dürrwant K. 87; ferner Teurpetborstand Neneri, 5t. 200 und Ternvekvorstand Deschenitz 5t. 40. Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter, Wien. 2. Bez., Stefaniestraße 8. Sonntag de» 14. H»»i findet der i>,folge »»- günstiger Witterung berschobene Ausflug »ach Hütteldorf- Hacking statt. Abfahrt der Teikneknner präzise 2 Uhr »ack>mittagS vor, der Stadtbahnstatio» Schottenring oder Brigittabrücke. Oiegiebeitrag 20 Heller. Gäste tvillkonnneir. Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter „Leopoldstadt". Mittivoch den 17. Hniii im VereinSlotake, 2. Bez., Siefanieiir. 8, Vortrag des Kollegen Sainnel Heller. Thema: „Unsere Stellung zmn Zionistentag in Wien". Begirni 8 Uhr abends. Kollege», erscheint zahlreich! Oläste ivillkonuneir. Allgemeiner Jüdischer Arbeiterberei», 2. Bez., Stefaniestr. 8. Achtung, Olesinniingsgenosse»! Samstag de» 18. d. M. präzise dreibieriel acht Uhr abends findet in, Vereiirskokate ei» Vortrag des Gesinnungsgenosse» Hngenienr B e » j a in i » ans Odessa statt. Thema: „Die Entwicklungsgeschichte des Zionismus". Mit Rücksicht auf die Person des Vortragenden nnd in Anbetracht der Wichtigkeit des Vortrages erivartet zahlreiche Beteiligung die Vereiirskeitrrng. Trnuerfeier. Wiie in allen anderen Wiener Ternvetn, lvnrde auch im Ktnckh-Ternpek des 20. Bezirkes nn, zwetten Tage Schelvnvth zngkeich mit der allgemeinen Seekenandacht eil, Requiem für die Opfer bvn Kischeue!» abgehaktei,. Während aber h, den anderen Gotteshäuser» sich Kalltor nnd Prediger in die Funktionen der Tranernndacht teilten, vertrat im oberwähnten Gotteshanse der l'ngendtiche Oher/antor Herr Ignaz Oesterrcicher beides in einer Person. Tiefe Rührung bemächtigte sich der Tranergemcinde lind kein Auge bkieb tränenleer. M. Eh. Hsrnels Leid und Hsraels Wehr beUtekt sich eine vom Prager Geineinderabbiner und ständiger Prediger derZigennerstinagogeDr.A. Delitsch gehaltene Predigt, die soeben im Verlage des Hiraelitischen Landeskehrerbereilles für Böhmen erschienen ist. Ausgehend von den, Hlidenlnassaere in Kischenelv beantivortek der Verfasser unter .Heranziehung vieler Stellen ans dem jüdischen Schristtnm in formvollendeter Weise die Fragen nach Ursprung nnd Dauer des zu affen Orten und Zeiten anfireteitdeit HndenhasseS. Zn beziehen ist die Rede durch den Obmann des Hsrnelitischeit Laitdeclehrcrvereines .Herrn Siegmnnd Springer, Obstiitarkt 0, um den Preis von 50 H., lvobci aber in Anbetracht dessen, daß der Reinertrag den in 5>ischene>v Vernnglückteit zngeführt iverden soll, der Wohltätigleit keine Schranken gesetzt iverden. - Floridsdorf. Am 4. Juni fand hier eine sehr gut besuchte Versammlung des jüdisch-pvlitischen Vereines „Gleichheit" statt. Zu dem einzigen Gegenstand der Tagesordnung, der lautete: „Die jüngsten Greueltaten in Kischenew und was sie lehren", sprach in ausgezeichneter Weise Herr Dr. Leopold Kahn aus Wien, der mit seinen Ausführungen reichlichen Beifall erntete. Der Verein betrachtet es als seine nächste und wichtigste Aufgabe, bett vielen hier ansässigen ausländischen Juden das Heimatsrecht zu verschaffen, zu welchem Zwecke die Re ch ts sch utz se k tio n des Vereines demnächst eine Versammlung einberufen wird. Fiimlnttd und Kischenew. Unter diesem Titel fand bekanntlich im Ronachcr-Saake vorige Woche die beabsichtigte Demonstrationsbersammkuilg der Sozialdemokratei, statt. Der Verlauf derselben lvl,rde in der liberalen und in der sozintistischen Presse in gleich entstellter Weise dargestellt. Wir müssen daher zur Steuer der Wahrheit folgende Tatsachen Herborheben: Jeder Objektive nuiß bei der Rede Dr. Ellenbogens das Gefühl haben, daß es sich ihm »in eine Hetzrede gegen die jüdische Bourgeoisie, nicht aber um einen Protest gegen die russische Regierung handle. Zu diesem Zlvecke fälschte er die öffentliche Meinung. Mit seltener Einmütigkeit haben in diesem Falle die Blätter der verschiedensten Parteirichtnngen und der verschiedensten Nationen, von der „Times" angcfangen bis zur „N. Fr. Presse" und der „Frankfurter Zeitung", im Einklänge mit der jüdischen Presse die russische Negieruug der Mitschuld an den Massacres geziehen. Das paßte aber dem Dr. Ellenbogen nicht in den 51ram. Herzlos und kalt ging er über das eigentliche Thema, die Leiden des jüdischen Volkes, zur Tagesordnung über. Dafür unterschob er gewissen „Leuten" Absicht, als ob sie die russische Regierung tu Schutz nähmen. Diese Fälschung der Tatsache,, erregte den ersten Sturm tu der Nersanuulung. Der zweite Teil seiner Rede war nur durch ein jvohlgcfälligcs Wühlen in Beschimpfungen der jüdischen Bour.- geoisie ausgezeichnet. Dei, größten Fehler der jüdischen Bourgeoisie verschwieg aber Dr. Ellenbogen. Sie hat es nämlich aus den, Gewissen, daß Dr. Ellenbogen dank ihrer Unterstützung im Reichsrate sitzt. Nach Dr. Ellenbogen ergriff Pr. Peruerstorfer das Wort. Im Verlaufe seiner Rede sagte er: „Ich kann lebhaft nachfühlen, daß die jüdischen Nationsgenossen, welche hier leben, sich bei ihrem Empfinden von dem Gefühle der nationalen Solidarität leiten lassen. Wir leben in einer Zeit, die von einem lebhaften Nationalgefuhl durchweht ist. Es ist nicht etwa ein Znrückgehen des nationalen Geistes, sondern ein Wachsen zu verzeichnen. Ich stehe auf dem Standpunkte: „Gleiches Recht der Entivicklung für alle Völler". (Zu den Zionisten geivendet.) Ich begreife daher bolllonnnen Ihren Standpunkt, daß Sie sich die Dinge hierzulande, ivo Sie ebenfalls unterdrückt werden, nicht gefallen lassen wollen, daß Sie sich nicht ducken und sich organisieren. Ich sage Ihnen als nationalgesinnter Deutscher, wenn ich Jude wäre, ich ivürde mich dessen nicht schämen, ich würde stolz darauf sein, einem Volte anzngehörcn, das sich durch 2000 Jahre durch ein Meer von Blut nnd Tränen erhalten hat. (Stürmischer Beifall. Zwischenrufe: So soll der Ellenbogen einmal reden, was sagt Ellenbogen dazu?) Das jüdische Volk ivürde aber seiner Vergangenheit untreu iverden, ivenn cS ctivas anderes vertreten ivürde, als die Sache der Entivicktnng." Hierauf spricht Nathan Groß im Namen der Zionisten. Er weis, daraus hin, ivie sich die Worte und Taten des Dr. Ellenbogen nicht decken. Während er heute die rühmliche Haltung des „Jüdischen Bundes" zu Parteizivecken der Sozialdemokratie anSznscblachten versuche, verhindere er nach Leibeskräften das Entstehen einer analogen Organisatioi, in Wien und Galizien. Das jüdische Volt habe immer für die Freiheit gestritten, es habe immer für andere die Kastanien ans dein Feuer geholt, ohne einen Dank zu ernten. In Oesterreich haben die Inden hervorragenden Anteil an den Achtundvierziger-Erlebnissen genommen. Znn, Dank dafür strebe heute die Mehrheit des deutschen Volkes Ausnahnisgeseize für die Inden an. Wir verdanken es nur den sogenannten „Reaktionären", den Klerikalen und Polen, daß der Herzog'sche Antrag nicht angenommen ivürde. Dasselbe spiele sich in Rußland ab. Dort opfern sich die Juden für die Freiheit der Russen und in der Stunde der Gefahr stehen sie allein. Deshalb rufe er auS: „Wir Juden wollen tveder Kmnmerknechte der Regierung, noch 51annnerknechte der Sozialdemokraten fein." Damit bei der Tragödie das Satir-Spiel nicht fehle, erhob sich nun ein Herr mit krnnnner Nase und schivarzen, Wollhaar und alttestamentarischem Namen, der unter lebhafter Händebeivegnng versicherte, daß er ein Deutscher sei. Er stieß aber bei dem größten Teile der Versammlung auf Unglauben und schloß unter lebhaften ironischen Heilrnfen seine Rede. Der Versuch Dr. Ellenbogens, noch einnial zu reden, nahm ein klägliches Ende, nnd Winarsly mußte die Versammlung vorzeitig schließen. Das ivar der Verlauf der Versammlung. Aus dem „Lncifer". (S ch u l b i s i t a t i o n im k a t h o l i s ch e n S ch n l - v e r e i n.) (In der ersten Bank sitzen zivei Kinder mit auffallend semitischen Phtisiognonüen.) Inspektor: „Werden bei Ihnen auch israelitische Kinder ausgenommen?" Lehrer: „Nein, Eminenz." — „Aber ich seh' doch dort . . . ." — „Das sind keine Jndenkinder, das sind die Kinder unseres Obmannes Dr. Ignaz Melchior Weiß." (P a r b e u ü, bor a ch t Tagen getauft): „Aber Johnnn, ivie kommst du mir vor? Schon lvieder hast du mir einen j ü d i s ch e n Schnorrer hereingelassen I Tue ich denn nicht Gutes genug? Habe ich nicht erst gestern unserer Kirche ein Meßtleid »m vierhundert Kronen gespendet? Johann, ich sage dir, lasse mir leinen Schnorrer herein, die sollen zu ihren Glaubensgenossen gehen. So eine Frechheit!"

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