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Jüdisches Volksblatt · 1903-06-12 · 24 (12.6.1903) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
24 (12.6.1903)
Date
1903-06-12
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches VoUssblatt 12. Juni 1903 Nr. 24 Die bekannte Trafikverordnung des ungarischen Ministeriums, laut welcher die Juden gezwungen werden, entweder die Trafik aufzugeben oder den Sabbat und die Feiertage zu entweihen, hat. endlich die orthodoxen Kreise Ungarns zu einer Aktion aufgerafft. Wie uns aus Oedenburg mikgeteilt wird, hat dort vorigen Mittwoch auf Anregung des Rabbiners von Deutschkreuz eine von jüdischen Kaufleuten und Privaten des Komitats zahlreich besuchte Versammlung stattgefunden, in welcher beschlossen wurde, eine von allen jüdischen Gemeinden des Landes Unterzeichnete Petition dem Minister deputativ zu überreichen. Gleichzeitig sollen alle Gemeinden bei den Reichstagsabgeordneten ihres Bezirkes vorstellig werden, damit auch diese die Petition unterschreiben. In derselben Angelegenheit hat auch ein in Miskolcz gebildetes Komitee an sämtliche Gemeinden die Aufforderung ergehen lassen, zu einer wegen der Trafikverordnung demnächst in Budapest abzuhaltenden großen Versammlung Delegierte zu entsenden, aus deren Mitte dann das Anliegen der Judenschaft in Ungarn durch eine M o n st r e-Deputation dem Finanzm'.nister zu überreichen. Wir werden, so wie bisher, auch über den weiteren Verlauf dieser Angelegenheit berichten. Für Ktscheitew! Zum Besten der Kischeuetvcr Juden bat der „Jüdische Verlag", Berlin, den Ertrag eines kleinen Buches bestimmt, welches' die Judcumetzeleieu bau Kischenew ans Grund von authentischen Materialien und Original-Berichten behandelt. (Der Schrift sind eine Anzahl von photographischen Reproduktionen beigegcbcu.) Der Preis des Buches ist ans eine Mark festgesetzt worden, unb es soll nun für die denkbar größte Verbreitung Lorge getragen werden. Besonders sei jüdischen Vereinen und Institutionen der Bezug und Vertrieb dieser Schrift nahegelegt, damit durch möglichst große Massenauflage die Hilfsaktion gestärkr und zugleich das öffentliche Gewissen aufgerüttelt werde. Bestellungen sind zu richten an den Jüdischen Verlag, Berlin SW., Großbeereustratze 75. Gorlice. (Eine j ü d i s ch e Volksvers a m m l n n g.) Am 7. ds. fand hier eine jüdische Volksversammlung statt, welche den großen Saal des hiesigen Fenerwchrgebäudes bis auf da-s letzte Plätzchen füllte. Dr. Syrop ans Krakau referierte in eingehender Weise über die Lage der Juden in Europa und kam zu der Konklusion, das; die Inden nur im Zionismus ihr Heit finden können. Hierauf sprach der Sozialdemokrat Tr. jnr. Fensterblau, welcher seinerseits behauptete, daß nur der Sozialismus die sogenannte Jndenfrage lösen könne. Dr. Kornhänser ans Jaslo suchte diesen Ausführungen entgcgenzutreten und führte in langer und breiter Rede aus, daß die Inden ihren christlichen Mitbürgern auf jedem Gebiete .Konkurrenz machen. Diese Ausführungen waren taktisch nicht am Platze, da die Hälfte der Zuhörer christliche Handwerker, Handel- und 'Gewerbetreibende waren. Zun» Schlüsse sprach noch der'Sozialistenführer Trokarski, welcher nachznwcisen suchte, daß nicht nur die Inden in Galizien leiden, daß vielmehr auch die Christen — und diese noch in viel höherem Maße — unter der Armut des Landes zu leiden haben, daß an dieser Armut und an diesem Elend nur die korrupte Schlachzizenwirtschaft schuld'sei, daß es Pflicht eines jeden sei, diese Wirtschaft auszurotten, und daß nur die Sozialdemokratie diese mit Erfolg bekämpfen und bessere Zustände cinführen kann. Der Versammlung wurden die von den Zionisten cingebrachten Resolutionen unterbreitet, während die von sozialistischer Seite cingebrachten vom Vorsitzenden nicht zur ^Abstimmung gebracht wurden. D. H- Unsere Patrizier. In der H o f - und Stadtpfarrr i r ch e zu St. Augustin fand Dienstag vormittags um halb zwölf Uhr die Trauung des Fräulein Maria Hermine K o h n. Tochter des Großindustriellen uitb Vizepräsidenten des Zentralverbaudes der österreichischen Industriellen Herrn Ko hu mit dem Fabriksbescher Herrn Wilhelm F u n d u l u s statt. Den feierlichen Trauuugsakr vollzog Prälat Dörfler unter großer geistlicher Assistenz. Ein Judenmagyare für Kischenew. Die Pester „Jüdische Allgem. Zeiruug" erzählt folgenden bezeichnenden Vorfall: In einem Kaffeeyause in der Andrassy-Straße kam es vor einigen Tagen zu einer Keilerei, weil ein Gast für die Hinterbliebenen der Ermordeten in Kischenew nichts spenden wollte. Ein Herr namens Heinrich Mayer sammelte nämlich unter seinen Bekannten und geriet da auch an einen Herrn S. K. (leider ist der Name nicht ausgedruckr. Tic Red.), ivelcher jedoch das Ansuchen kurzweg ablehute mir dem Bcmcrkeu, er habe für diesen Zweck bereits eine K r o n e gegeben. Herr Mayer erklärte, ein so reicher M a n » wie Herr K. sollte mindestens zwairzig Kronen geben, ob er sich denn nicht schäme, nicht mehr als eine Krone gespendet 31t haben. Hierauf nannte Herr K. Herrn Mayer einen z u d r i n g l r ch e n Bettle r, tvas dieser damit erwiderte, daß er seine Handfläche mir der Wange des Herrn K. in sehr unsaitfke Berühritug brachte. Nun stürzie sich der Geschlagene auf Mayer, die Umstehenden ergriffen die Partei des letzteren; es gab noch zahlreiche Püffe und schließlich wurde Herr K. aus dem Kasfeehause gedrängt. Noch auf der Schwelle erklärte er, daß er bei der Polizei die Anzeige erüaueu iverde. Interessant ist es, daß Herr Mayer K a t h 0 l i k, Herr K. leider — Jude ist. Sapienti fettI Ausland. Berlin. Gestern, Sonntag, fand die Beerdiguitg des au der Pest gestorbenen Dr. Sachs auf de m j ü d i s ch e n Friedh 0 f e z u W e i ß e n s e e st a t t. Ohne alle Zeremonie lvurde der Sarg in die Gruft versenkt. Am Tage darauf fand die Tranerfeier starr, der zwei Militärärzte und ein Mariirestabsarzt solvie Geheimrar D ö n i tz vonr Institut für Jnfektionskraukheiteu beiwohnten. Rabbiirer Tr. Eschelbacher hielt eine tief ergreifende Trauerrede. Berlin. Im neuesten Hefte der „Jahrbücher für Nationalökonomie rind Statistik" veröffentlicht E. Davidson eine umfaßeude Studie über die Bevölkerung Rußlands. In dem 22 Millionen Ouadratkilometer betragenden Laude mit 120 Millioueir Eiuivohnern «also 0 Einwohner auf 1 Quadratkilometer) nehmen die I u d e n t Millionen, also 0 Prozent der Gesamtbevölkerung ein. M. N. Jüdische Orient-Eolonisations-Gesellschaft. Wir erhalten folgende Zuschrift seitens der vor kurzem handelsgerichtlich eingetragenen Orient-Colonisations-Gesellschaft: „Tie letzten Ereignisse in Südrußland haben ivieder einmal in erschreckender Weise gezeigt, in lvie unhaltbarer Lage die große Masse der Juden lebt. Ohne die außerordentlich dringende momentane Hilfs-Aktioit auch nur im mindesten beeinträchtigen zu »vollen, möchte»» »vir doch bei dieser beklagenstverte!» Gelegenheit auf eilte Bestrebung aufmerksam machen, tvelche ge/ignet ist, bei künftigen Katastrophe»» ähnlicher Art als ein Notanker zu dienen, de»»»» »vir glauben, daß es angebracht wäre, sich nicht mit der Liuderung der momentanen Not genüge»» zu lassen, soi'dern gleichzeitig für künftige Fälle vorzubauen. Unserer Ansicht nach spricht »»ichts dafür, d»ß die gegentvärtige Katastrophe die letzte geivesen sein tvird, und ni»hts kann falscher sein, als sich darauf zu beschränke»», nach jedem solche»» Unglück — so weit als möglich — helfend und lindernd ciuzugreifeu. Wir müssen »»»»bedingt Vorsorge zu treffen suchen, daß tu künftigen ähnlichen Fälle»», »vie sie leider mit Scherheit zu erwarten si»»d, schoi» Eii»richtu»»gen getroffen sein tverde.i, um prompte Hilfe zu leisten. Wir halten es auch für erforderluh, die Auswaudcruitg vo»» Juden a»»s so überaus gefährdet-'»» Pop'ümeu durch geeignete Organisationen zlvar »»icht zu veranlassen, aber doch zu erleichtern. Diese»» Zwecken soll die kürzlich begründete und im April dieses Jahres handelsgerichtlich eingKrag.'ne „Jüdische Orieut-Colouisatious-Gestllschaft"*) dwueii. deren P-osoekt cs klar tverden läßt, daß es sich um ein sorgfältig vorber-'iteies und mit den Verhältnissen der Auswanderer sowohl als des Orients rechneitdes Kolonisations-Unternehmen handelt. Mit bloßer Wohltätigkeit läßt sich nach jalrzehni«.l-.n'.gei» Erfahrungen tveder eine großeKolonisation, noch a»lch eine durchgreifeitde Abhilfe für de»» grauenhaften Notstand schaffen, we!ch:r onf einem so großen Teil der Judenheit lastet, aber ebenst» r-'C.H »väre es narb unserer Ansicht, auf eine kaltherzig-geschäftsmäßige Weise das Problem anzupacken, und etiva Vorfälle, »vie die in Süb-Rußland, für eine Geschäfts-Spekulation zu vertuend''»», Die Leiter des Uuteruehmeus sind vielmehr der Aitsicht, daß es sih hier un» ein großes jüdisch-soziales Werk haitdelt, welches zwar geschässtntäßige Methoden braucht, weil anders eine gesund-' Entwicklung nicht möglich ist, für dessei» Begründuitg aber allein das soziale Moment maßgebend war. Die neue Gesellschaft »vill durch Vorbc" eituug von Heimstättcn im Orient die A»isiva»»derung derer erleichtern, Ivel.he ii» der Ausivanderuitg ihr Heil sehen, ii»dcm st-; h»»en durch Fachleute und geschulte Arbeiter Kolonien mit Bannt- und Gennisepflaitzungen us»v. vorbereitet» läßt, so daß die Allonisten bei ihrer Uebersiedluug sich viel besser und schneller in diese an» »venigstei» rohe Kraft erfordernde Form der Landivirtschaft hineiu.findeu köniten, als cs bei der bisherigen Kolonisation auf »»".vorbereitetem Boden der Fall »var. Weiter ist Vorsorge gewofst'i» worden — wie aus dem Prospekt und Statut ersichtlich :— daß die Kolonisten in kürzester Zeit in der Lage sei»» sollen, der Gesellschaft ihren Koloniebesitz zu leichten Zahlungsbedingungen abzunehmeu, so das; die Kolonisten möglichst bald zu einer Selbständigkeit gela»»gen. Wir bitten daher alle diejenigen, ivelche kür diese Forin der Hilfe (bei der es sich also keiitestvcgs um Zahlungen a Fonds perdu haitdelt) Interesse haben, von unseren Prospekten Keu»»tnis nehlncn zu wollen, und hoffen, daß sie daraus Veranlassung nehmen werden, unseren Bestrebungen näher zu treten- Viel hängt davon ab, daß die neue Gesellschaft »nöglichst bald in Aktion tritt. Mit vorzüglicher Hochachtung Jüdische Orient-Colonisations-Gesellschasr E. G. m. b. H. zu Berlin. gez. Tr. Fraitz Oppeitheimer (Vorsitzender des AufsicbtsruteS): für den Vorstaitd: Louis Brisch, Davis Trietsch. *) „Jüdische Orient-Colonisntious-Gesellschaft (E. G. m. b. H.), Berlin, Großbeercnstraße 75. Zur bevorstehenden Romreise des russischen Kaisers schreibt man aus Roin: Die wiederholt verschobene Reise des Zaren noch Rom hat gestern in Montecitorio eine höchst peinliche Illustration erhalten. Der Sozialist Morgari interpellierte die Negierung scheinbar höchst »»aiv über die Reise und Herr Baecelli, der Unterstaatssekrctär des Aetitzeru, erklärte, das; diese Reise allerdings stattfindeu lverde. Kaum lvare»» diese Worte dem Zaui» von Baeeellis Zähnen entschlüpft, so erscholl es voi» der äußersten Linken her: „Er soll zllhause bleiben, er soll nicht nach Italien kommen! Nieder mit dem Henker! Nachdem sich der Lärm gelegt hatte, erhob sich Morgari zn der Erklärung: „Die italienische»» Sozialisten hätte»» den Besuchen des Königs boi» Euglaud nnd des Deutsche»» Kaisers ruhig zugesehei», nicht etlvn aus Vorliebe für das monarchische Prinzip, sottderi» »veil es sich tun koustitutiouelle Fürstei» handelte, bereu Kränkung auch eine Kräukuiig ihrer Völker gewesen »väre. Anders stehe cs um den Zaren, in desser» Lande»» eine intelligcnie Bourgeoisie »u»d ein seiner Menschenrechte beivußtes Proletariat lebe. Alle Wünsche dieses Volles beantlvorte der Zar mit ber Kilute, dein Schaffest »md Sibiriei». (Heftige Zwischenrufe seitens der äußersten Liitkeu und Pereatrufe auf den Zaren. Die Mehrheit sticht ihrerseits das Geschrei der Sozialisten zu übertöuen.) Morgari führt alsdann »veiler aus, daß das italienische Volk nun und mmmermehr sich dazu erniedrigen dürfe, diesen Kosaten-Kaiser mit Jubel zu empsaugeu (Heftiger Lär»»»), »md das; die. Regier»u»g den Zarei» von seiner Romreise abbri»»ge>» »nöge, tvidrigeufalls die Sozialistei» ihi» »uit Pfeifen empfanden lvürdeu. Neuer Tumult, der sich erst legt, als der Nuterstaatssekretär das Wort ergreift, um das Verhalten der äußersten Linken z»» geißeln uitb zn versichern, daß der Zar in Roin eine »vürdige A»»fnah>ne finde»» lverde. Ei»»e Erklärung, die von der Mehrheit mit starkem Beifall unterstützt »vird, in dem die Pereats der Sozialisten, wie ihre noch derbere»» Rufe »»»tergeheu. Allein all dies kann über die Tatsache uicht hiuweghelfeu, daß die freundliche Sti»»m»»l»g für den Zareubesuch knilstboll hergeslellk iverdeu muß, lvähreud die uufreuiidliche Gesi»»u»u»g iu» Volke vorherrscht. Der llmerikanische Botschafter in London, Choate, beriet laut einer Washiugto»»er Meldung des „New-Uork Herald" n»n Sonntag mit dem Präside»»teu Roosebelt »md den» Staatssekretär Hay über die Stimmung iu England und den Vereinigte» Staaten bezüglich des Bllitbades i» Kischeueiv. Der russische Botschafter ii» Washington, Graf Eassiui, »md der a»»»erikauische Botschasicr iu Petersburg, Me Eormik, hatteu »uit den» Präsideiltei» eine Beratung. Im Staatsdeparteu»eut liegen Nachrichten vor, daß die russische Negierung ihren Unwillen über die fortdauernde»» zahlreiche»» russeiifeiudlichei» Masseubersamn»luugeu iu den Nerei»»igten Staaten »»icht berhehleu könne. Der Staatssekretär des Aus- »värtigeu, Hay, machte den Präsideittei» Roosebelt im Verlaufe der Veratuugei» darauf aufiuerksam, das; cs dem iuteruatioitalcn Brauche »viderspräche, »veut» die Vcreiltigteu Staaten sich »vcgei» der Vorgänge iu Kischeueiv förurlich bei Rußland bescyiverei» »vvllteu. Präsident Roosebelt hat deshalb besthlosseu, feine Entscheidung über »veitere Schritte bezüglich Kiseheuelvs bis nach der Koufereuz zi» bertageu, die er deumächst mit einer Abordituug hervorragender Führer der amerikaiiischeil Israeliten habe» Ivird, die ausdrücklich 11m ein Ein schreiten Amerikas zur Verhütung einer Wiederholung der Ereignisse iu Kischeueiv bitte»» »volle»». Antisemitische Knrorte. Erholungsorte, in beucu jüdische Besucher »»icht Ivillkommeu beziv. nicht vor gehässiger Behaudl»u»g sicher sind, sind folgende: Borkum, Juist, Amruu», Langeoog, Ziuuolvitz, Saßnitz auf Rügen, Heiligeuhafeu, Bad Leba iu Pommern, Großtabarz in Thüringen, Ferienheim im Mühleuthal bei Weritigerode, Bad Schivarzbach bei Wiegaudskhak, Schierke iu» Harz (Hotel Fürsteuhöh u. a. >»».), Brauulage in» Brauitschlveigischeu, Gehlberger Mühle bei Oberhof, Dachroedeus Hof tu Salzbrum», Oberlveiler _ im Schivar,stvald, Trautheim im Odeuivald, Bad Brückenau iu Uuterfrauteu, das Pensionat am Fraueukloster a»u Ottilieuberg, Kurhaus Palmeuivald in Freudcustadt (Schivarzivald), Hofhaus in Schliersee, Ettliugeutueiler und Bruchhausei» (Bad Schivarzivald), Peusioi» Burgfriede bei Hahueitklee in» Harz, St. Johann bei Heide»» iu Appenzell, Volderbad bei Hall (Tirol), Gaiseusteiu, Ji»iier-Bartholon»ä, VaitdmiS in Moutabm», Laughampfe»», Gimdelbruch in» Uitterelfaß. Luft- »md Wasserkurort Eiuöd bei Friesach ii» Obersteiermark, Gasthof zur Gräfin i»» Kufstein, Kitzbtthel, Mezzolotnbardo (Rest. Gröbuer), Neutsch bei Bozen, Cafe Echgraffer ii» Bozen, Seriuio»»e au» Gardasee (Hotel promessi sposi), Holel Schröder, gci». Villa Flora iu Neuenahr. Das letztere Gasthaus ist uicht mit de»» Hotel Carl Schröder ideutiseh, dessen Besitzer driugei»d ivüi»schk, uichk mit seinem autiselnikischeu Bruder verivechselt zu iverde»». (J»»sbesoudere iviedcrholei» »vir unsere Warnung bor dem Besuche des Kurortes Brauulage im Oberharz, von dem — nebenbei gesagt — iu de»»» Prospekt berichtet »vird, das; er au suiltpfiger Stelle erbaut uitb deshalb früher den Namen „Branulocy" beziv. „Brauulach" erhielt. In dem - Prospekte ist aber außerdem S. 0 zu lesen: „Israeliten iverde» von den Braliukage besnchenden Fremden uicht gern gesehen, deshalb finden dieselben iu den Hotels »vie auch Privathäuseru schwerlich 'AllfuahiueI" Trotzdem »vird iu dc»»»selbe>t Prospekt „Brauiilage als Kurort für jeden erholuugsbedürftigeu Sommerfrischler" e»upfohleu. Dazu gehören zivcif'llos viele Juden; diese iverdeu sich aber anderswo besser erholen als au Orten, die nntiseimtisch versuuipft sind! Wir bitten unsere Leser, uns über uumtgenehme Erfahrungen, die sie ihres Glaubens ivcgeu irgeudlvo in Sotnmcrfrischeu machen sollten, ausführliche Mitteilungen zugeheu zu lassen. Die Redaktion.) Enthüllungett eines Diplomaten. Aus London wird vom 8. Juni gemeldet: In einem Briefe an die ^Times" über die erneuten russischen Judenverfolgungen apelliert Sir Horace Rumbold, vormals britischer Botschafter in Wien, an den Zaren und den Pap st, durch eine Proklamation, beziehungsweise eine Bulle dem Märchen vom Ritualmorde entgiltig ein Ende zu machen. Rumbold erzählt hiebei, daß er schon während der Affaire von Polna, als er noch in Wien akkreditiert war, mit Wissen seiner Negierung eine derartige Enunziation des päpstlichen Stuhles zu erwirken suchte und deshalb bei dem damaligen Nuntius in Wien vorsprach, welcher zwar seiner Sympatie für die Juden Ausdruck gab, aber gleich die Befürchtung aussprach, daß Roin in Oesterreich den Antisemitismus als rein politische Bewegung ansehe und nicht intervenieren dürfte. Eine Jndenhehe in Wolhynien. Aus Brody wird telegraphiert: In dem vier Kilometer von der galizischen Grenze entfernten Städtchen Beresteczko, welches zum größeren Teile von Juden bewohnt wird, wurde seit einigen Tagen ein antisemitischer Rummel angekündigt. Am letzten Sonntag kam es nun in genannter Ortschaft anläßlich des Wochenmarktes, zu dem eine große Anzahl russischer Bauern — man sagt zwanzigtausend aus der Umgegend eingetroffen ist, zu Exzessen gegen die Juden. Spät nachts drangen russische Bauern gruppenweise in die jüdischen Wirtshäuser und forderten ungestüm Branntwein. Der jüdischen Bevölkerung bemächtigte sich ein panischer Schrecken, zumal ein Wirtshausbesitzer und ei»» Judenmädchen gewalttätig behandelt wurden. Man wendete sich telegraphisch an den Gouverneur mit der Bitte um Anordnung von Sicherheitsvorkehrungen. Mehrere Hundert Juden flüchteten aus Furcht vor weiteren Ausschreitungen nach der galizischen Grenzortschaft Uwin im Brodyer Bezirke, wo sie erzählt haben sollen, daß man ihnen mit der Wiederholung der .Kischenewer Vorgänge gedroht habe. Mittlerweile haben sich aber die erregten Gemüter schon wieder beruhigt. Babel und Bibel. Am 7. ds. sprach bei dem historischen Kongreß in Rom der ge!vese»»e italienische Fi»tal»z»niuister L. Luzzakti und sagte unter anderem: „Ungeachtet aller Anstürme präsentiert auch heute noch die Bibel das lebendige Wprt Gottes. Sie wird auch dem Ansturm des Herrir Delitzsch »vidersteheu. Der deutschen Wissenschaft »vird es durehaiiS nicht gelingen, sie zu Tode zu kritisieren. Selbst der bekannte Brief des Kaisers Wilhelm H. au den Admiral von Holliuaun »vird an der Frage über die Bedeutnn§ der Bibel nichts äuderu." Alts Ntttttiinretl. Aus den Berick)tei» rmuäuischer Blätter ergibt sich, das; die Besorgnis der jüdischeit Bevölkerung vo» dem Ausbruch einer neuen Hetze uicht ohne Grund ist. Wir geben aus einer Zlifchrift aus Ruiiläiiieu folgendes Ivieder: „In rumäiiiseheu Blätter»» wird »»e»»erdiugS berichtet, daß unter de» russischen Bauern lebhaft agitiert »vird, um sie 31t veranlassen, die Städte zu überfallen und die jüdische Bebötteriiug auszuralibeu und zu »»»assakriereu. Hliliderte boi» autlsemitiscyeu Euiissäreu arbeite», so »»eldeu ruruäuische Blätter, auf den» slackie»» Laude und veriveudeu für die Agitatioi» reiche Geldnlittel, Don denen mau nicht tveiß, woher sie rühren. Die Agitation stützt fid) auf die konfessionelle Abneigung u»»d <tnf die Tatsache, daß die bollstäudig berariiite Bauernschaft nufgehetzt »vird, sich durch Beraubung der Jude» zu bereichern. Au manche»» Orten ist die Aufregung unter de» Bauern so groß, daß die a»tise»uitischeu Führer selber für den Allgeubtick die Beiveguug ei»zudü»liue»i sllchen, bis ihre Agitationen überall Wurzel gefaßt haben, damit daun der Sturm voi» allen Seite» gegen die Juden toübreche. In den ruffifcheu Städten ist mau über die Vorgänge auf den Dörfern nur

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