Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 23 (5.6.1903)
- Date
- 1903-06-05
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 5. Juni 1903 Seite 5 pathien wieder gewinnen. Da aber Ellenb ogen es nicht ÜberS Herz bringen konnte, nur für Juden zu demonstrieren, wurde Kischenew mit Finnland verkoppelt. Diese Zweideutigkeit war der Sache nicht würdig. Man merkte die Absicht und war verstimmt. Ferner gestehen wir es ganz offen, daß Dr. Ellenbogen als Referent über Kischenew in den Augen eines jeden nationalen Juden eine Provokation bedeutet. Ein Jude, der nicht mehr Jude ist, ein Jude, der erst neulich Ungerechtigkeiten gegen „polnische Juden" billigte, ein Jude, der jede volkliche Regung im Judentum fanatisch bekämpft, kurz und gut — ein Renegat, der sollte nicht über die russischen Juden sprechen, die leiden, weil sie keine Renegaten werden wollten. Trotzdem hatten sich die vereinigten Zionisten und Nationaljuden geeinigt, am Schluffe der Referentenliste eine kurze programmatische Erklärung abzu geben, des Inhaltes, daß sie dagegen protestieren, daß man sich erst anläßlich der Massacres der russischen Juden und des jüdischen Proletariates erinnere und daß man jetzt das nationale Unglück zu politischen Parteizwecken der Sozialdemokratie ausbeute — und sonst der Versammlung freien Lauf zu lassen. Doch man hatte nicht damit gerechnet, daß ein Renegat nicht sprechen kann, ohne sein Volk zu schmähen. Im Verlaufe seiner Rede machte Ellenbogen den Zionisten den Vorwurf, daß sie die Ursachen des Massacres fälschen. Er produzierte einen wahrscheinlich ad hoc fabrizierten Aufruf des „Bundes", den wir für eine Mystifikation halten, da wir unmöglich annehmen können, daß Juden in diesem Momente gegen ihre Stammesgenossen eine solche Sprache führen können. Ueberdies haben wir den echten Aufruf konform dem „Vorwärts" zitiert und dieser enthält nichts von den Beschimpfungen, die Ellenbogen wohlgefällig produzierte. Wir verweisen ferner darauf, daß wir in der vorletzten Nummer vor Erscheinen des offiziellen Manifestes des internationalen sozialistischen Bureaus in dem Artikel „Ein Nachwort zu den Massacres von Kischenew" stellenweise in denselben Wendungen die Regierung der Mitschuld an den Massacres ziehen. Man kann sich daher den Unwillen der nationalen Gruppen denken, als Ellenbogen mutwilligerweise uns provozierte. Ein Sturm ging los und Ellenbogen konnte erst nach einigen verlegenen Ausflüchten seine Rede fortsetzen. Die beste Lektion ertheilte ihm aber der darauffolgende Redner, Pernerstorfer, der in einer von echt nationalem Geiste durchwehten Rede die Entrüstung der Nationalen billigte Wir behalten uns vor, noch ausführlicher in der nächsten Nummer auf die Versammlung zurückzukommen. Wir konstatieren aber gleich, daß Ellenbogen, der noch ein zweitesmal, von lebhaften „Pfui.'"-Rufen begrüßt, das Wort ergriff, nur deshalb niedergeschrieen wurde, weil er fortwährend durch seine volksverräterische Haltung uns beleidigt. Mit einem Pernerstorfer können wir uns ruhig auseinander setzen; mit Renegaten wie Ellenbogen und Adler gibt es keinen Frieden. Allgemeiner jüdischer Arbeiterverein. WienII., Stephanie straße 8. Einladung zu der Donnerstag den 11. d. M. (Feiertag präzise 6 Uhr nachmittags im Bereinslokale ftattfindenden Monatsversammlung mit folgender Tagesordnung 1. Verlesung des Protokolles der letzten Monatsvvrsammlung.' 2. Kassa-Bericht. 3. Sektions-Berichte. 4. Gründung eines Kranken- und Arbeitslosen-Unterstützungsfonds. 5. Stellung nähme zum nächsten zionistischen Parteitage in Wien. 6. Wahl von zwei Delegierten für den Parteitag. 7. Allfälliges. In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung werden die Vereins- Mitglieder ersucht, bestimmt und pünktlich zu erscheinen. Achtung Kollegen und Kolleginnen! Gesinnungsgenossen! Donnerstag den 11. d. M. nach Schluß der Monatsversammlung findet im Bereinslokale unter Mitwirkung der Gesangs-Sektion ein jüdisch,musikalischer Vortragsabend mit vorzüg lichem Programms statt. Zahlreiches Erscheinen erwartet: D i e V e r e i n s l e i t u n g. Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter (Zentrale). Sonn tag, den 7. Juni d. I. großer Auflug nach Hütteldors-Hacking, verbunden mit Gesellschaftsspielen, Wettlaufen, ernsten und heiteren Vorträgen, sowie Aufführung eines Schwankes von der Theatersektion des Vereines, re. Zusammenkunft der Teilnehmer präzise 2 Uhr bei der Stadtbahnstation Schottenring. Regiebeitrag 20 Heller. Zahlreiche Beteiligung der Mitglieder erwünscht. Gäste herzlich willkommen. Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter „Leopoldstadt" Wien, II., Stephaniestraße 8. Mittwoch, den 10. Juni d. I. im Vereinslokale Vortrag des Herrn David Nebenzahl: „Der Unstorblichkeitsglaube bei den Juden." Beginn präzise 8 Uhr abends. Gäste willkommen. Steiue statt Brot. Zugunsten eines klerikalen Vereines ivird dieser Tage ein A r k a d e n f e st abgehalten. An allen Straßenecken laden Plakate znm Besuche ein. Bei näherem Zusehen bemerkt man aber, daß der betreffende Künstler, wahrscheinlich ein wütender Gegner der Christlich-Sozialeit, eine beißende Satire auf die jetzige Koinnmualwirtschaft geliefert hat. In der .Mitte des Bildes sieht man eine christlich-soziale Schönheit, die ein Kind am Anne hält. Dieses Kind — erbricht. Ob ans Ekel über seine Nährmutter oder «ns dem Gritnde, weil es schlecht genährt wird, bleibt unentschieden. Vor der Vindobona steht eine Schar bon kleinen Kindern und die Sprecherin, die sich durch einen besonders großen Wasserkopf anszeichnet, streckt bittend die Hände vor. Vindobona reicht ihr — inan Kant seinen Augen nichtI — einen beritablen Stein. Das ist also das Shmbol der christlich-sozialen Wohltätigkeit: Steine statt Brot! Während der Stifter der christlichen Religion, der David von Nazareth, sagte: „Wenn man mit Steine»: auf e»»ch ivirft, so reichet Brot!" handeln die heutigen Gewalthaber »»ach dein Grnndsahe: Wenn man Brot bon euch verlangt, so schenket Steine. Dieses Plakat sollte eigentlich der Vergesse»»heit e>»trissen werde»» ln»d als treffendes Shmbol der jetzigen Ge»»»eil»dewirtschaft der Nachwelt überliefert werden. Der bielbersprechende Künstler sollte die Skizze in Oel allsführen und sie de»n städtischen Musen»»» zun» ewigen Angederikeu schenken. Gedenkrede für die Opfer in Kischenew. Gehalten am 21. Mai 1903 bei der Trcmerfeier irn israelitischen Tempel des 9. Bezirkes in Wien bon Dr. S. G e l b h a u s, Rabbiner und Prediger in Wien. Der Reinertrag ist den von der Katastrophe Heinrgesuchten gewidinet. Preis 40 Heller. Verlag von R. Löwit, 1. Vez., Rothenthurmstraße 22. Verein jüdischer Harrdelsangestellter Wie»». Montag den 26. Mai 1903 fa»»d int 2. Bez., Stefaniestraße 8 die außerordentliche Gencralversannnlnng des Vereines statt. Nach Verlesung des Protokolls durch de»» Obrnann Kollegen Kohn wurde auf Antrag des Kollegen Epstein dem scheidenden Ansschlisse Dank u»»d Anerkennung für seine bisherige Tätigkeit ausgesprochen. Bei der hierauf vorgenommenen Neuwahl wurden folgende Kollegen in die Vereinsleitung gctvählt: zun» Obmann Sam. Strauß, zum Obmann-Stellvertreter Rob. M. Korn, zu»n Kassier Alfred Nenma»»»», z»nn ersten Schriftführer Isidor Grobtnch, zürn 2. Schriftführer Sa»il Slichestow, z»»m Bibliothekar Benno Nosenzweig, zu Ausschnßinitgliedern Gustav Kohn, Moses Sehknidt, Josef Wassermann, Wilhelm Epstein, zu Kassarevisoren Sicgmund Neumann, David Bels. Bcitrittsanmeldungen sind an Isidor Grobtuch, Wien 2. Vez., Hcrminengasse 13, zu richten. Tranerfeftr. Arn 2. Ju»»i fand int Bethcmse des Vereines Osch Chesed, 2. Vez., Schiffmntsgasse Nr. 6, Maskir für die in Kische>»eiv hingeinordeten Brüder statt. Herr Professor Dr. Liebreich hielt eine ergreifende Rede. Beim Verlesen der Thora wurden für die unglücklichen Witwen und Waisen Spenden gemacht. I»» eiiligen Tage»» wird der Betrag seiner Bestimmung zugeführt. Protokoll der am 18. Mai 1903 abgehaltenen Sitzuilg der Bez.-Komin, für die Bezirke 12—15. Beginn der Sitzung 6 Uhr abends. Vorsitze»»der: Herr Obmann S. Beer. Anwesend: Herr Knltnsvorsteher kais. Rat W. Pollak, Bernhard Duschinsky, Direktor Hecht, Hosbauer, Mohr, Pick, Khuner, Dr. Bars, Sonnenfeld, Spitzer, Stern, Weinberger; abwese»»d: Herr Neufeld, Neichenfeld und Turner (sämtliche entschuldigt). Tagesordnung: 1. Mitteilungen des Vorsitze»»dcn; 2. Aeußerung und Antragstellung über die vorn lübl. Knltusvorstande gedachte Art der Geschäftsführung mit bei» Kommissioncn; 3. Steuer-Einschätzungen; 4. Einsetzung eines Konritces zur Durchführung »ind Förderuiig des Antrages des Herr»» Direktor Hecht; 6. Anträge. — Der Obmann begrüßt eingangs der Sitzung de»» erschienenen Kultusvorsteher kais. Rat W. Pollak sowie die anwesenden Kommissionsmitglieder und gibt der allgemeinen Trailer Ausdruck, welche die entsetzlichen Vorkommnisse in Kischenew nicht »»ur bei jedern Glaubensgenossen, sondern auch in der ganzen zivilisierten Welt Hervorgerufe»» haben. enit man nicht wüßte, daß wir das Jahr 1903 schreiben, so kön»»te man sich in die finsterste Zeit des Mittelalters zurückversetzt de»»ken, wo häufig Judenverfolgungen stattfanden und unsere. Vorelter»» zu ei»»e»n Martyrervolke »in wahrsten Sinne des Wortes wurden. Alle Jainincrszenen, die die grausame, bestialische Phaiitasic des Mittelalters erzeugte, sie habe»» sich nenerdiiigs in erschreckender Weise »»» Kischenew wiederholt »md Schulerz »mb inniges Mitgefühl ergreife herite jedes jüdische Herz ob des großen Unglückes, welches durch Unmenschen über unsere unschuldigen russischen Glaubensgenossen hereiugebroche»»; ferner gedenkt der Obnram» deS Dahinscheidens des scl. erwürdigen Herrn Rabbiner Jakob Hirsch, der über 40 Jahre in unserer orthodoxen Gemeinde als treuer, gottbegnadigtcc Seelsorger zlim Wohle seiner Gemeinde so überaus segensreich gewirkt »md sich Zeit seiner langjährigen Wirksamkeit der Hochachtung, Verehrung und.Liebe seiner ganzen Gemeinde erfreute. Mit »hu» ist ein Mail»» dahingegangen, der mit tiefer Gelehrsamkeit wahre Religiosität verband und dessen Tod eine unausfüllbare Lücke hinterließ. Zun» Zeichen der Trauer hatten sich die Kommissionsmitglieder voll ähren Sitzen erhöbe»» und so ihr Mitempfinden dokumentiert. Den» Wunsche des Herrn Obmann ge»»»äß zirkuliert eine Liste von Spenden für die Hinterbliebene»» der Opfer von Kischenew. — Vor Punkt 2 der das Protokoll der letzten Sitznng verifiziert. zu entdecken ist. -—■ Dieses Verstecken des jüdischen Wesens bei rein jüdischen Ztveckei» »ind A»»lässen ke»»nzeichnet u»»sere heutigen Assimilanten. Die Pariser Kultusgemeinde gebraucht zu ihren Zuschriften Kuverts rnit der ei»»fachen Aufschrift: 17 Rue St. Georges, wahrscheinlich, dainit der Hausbesorger r»icht erfahren möge, daß sein Einwohner ein Jr»de ist, er weiß dies schon zur Genüge und die Partei glaubt dcni»och, »hi» zu —- foppen. Der Monitor der Wiener Knltnsgemeinde i»ei»i»t sich „O e st e r r e i ch i s ch e Wochenschrift" — auch so eine Maskerade! Der Korrespoiident der „N. Fr. Pr." in Bn d ap e st, Herr Singer, verheiratet feine Tochter und den» „T r a n»»n g s a k t e" woh»»en Herr v. Szell »u»d andere Honoratioren bei; ob dieser „Tra»nu»gsakt" in Kirche, Tempel oder Moschee stattgefuiiden, verschweigt das Blatt — hingegen ist cs für die Leser sehr wichtig, zu erfahren, daß „ihr Korrespondent", Herr Dr. Frischailcr, ar»läßlich des Leichenbegängnisses Zolas sich in» Trauerhanse befand und daß er »nit Erla»ibnis des Papstes eine geta»»fte Jüdin heiratete. Was soll man noch zu den tieftra»»ernden Hinterbliebenen sage»», die ihre Angehörigen auf dem Zentralsriedhofe ohne Angabe der Llbteilung oder, was noch moderner ist, auf dem Döbli»»ger Ortsfriedhofe begraben? Wen foppt man damit? W> o i st d i e K a tz? H. F. Stildien über die Einwanderung tu Amerika. Der amerikanische Einwanderiliigs-Jnspektor Markus Braun ist aitf einer Studienreise durch Europa begriffe»», lvelche die Erhebung der Answanderungsverhältnisse in den Läiidern des alten Kontinentes »n»d Vorschläge zur Eindämmu»»g der immer mehr überhandnehmendei» Einwanderung nach den Vereinigte»» Staaten beziveckt. Herr Brau»», en» gebürtiger Ungar, der seit Jahren in Nordamerika lebt, hat jetzt auch einige Zeit in Wien »md Budapest geweilt »mb namentlich den ungarischen Behörden sehr loertvolles Material geboten, »im das Treiben gewisse»»loser Auswanderungs-Agenten zu überwachen und zu ahnden. Der Einwanderungs-Inspektor ist nunmehr nach Kraka»» abgereist und ivird sich in nächste»» Zeit mit der Erhebung der Bcrhält»»isse in Galizien und Russisch-Polen befassen. Das Heimatsrecht der Ausländer. Wie noch erinnerlich, hat der Wiener Magistrat bei der zeitlichen Ersitzung des Heimatsrechtes zwischen Oesterreichern u»»d Ausländern einer» Unterschied gemacht, allein der Verwaltungsgerichtshof hat bekanntlich diese Elitscheidungen behoben. Die Stadtgcmeinde Eger hat nun seither ausländischen Einschreitern gegenüber einen ganz »»euen Gr»md zur Abweisung entdeckt, der den Verwaltrmgsgerichtshof unter Vorsitz des Senatspräsidenten Dr. Ritter v. Alter beschäftigte. Der in Verhandlung gezogene Fall ist der folgende: Der Kcnifman»» Joses Deutsch in Eger ist ungarischer Staatsbürger, doch seit 18 Jahren ununterbrochen in Eger ansässig. Da die Gemeircde trotzde»»» sein Gesuch um Zusicherung der Aufnahme in de»» Heimatsverband abwies, rief er die politischen Behörde»» an, welche der Gemeinde Eger die Zusicherung auftrugen. Dagegen brachte die Gemeinde die Beschwerde bei»»» Verwaltungsgerichtshofe ein und machte geltend, nach dern bürgerlichen Gesetzbuche hätten Fremde in gewisse»» Fällen nur dann gleiches Recht »nit den Eingeborenen, wenn der Staat, dem sie angehöre»», in solchen Fällen gleichfalls Fremde lute die eigenen Staatsbürger behandelt. Hierauf gestützt, müsse Deutsch erst beweisen, daß Ungarn bei Vcrleih»»»»g des Heimatsrechtes Reziprozität gelten lasse, »ind so lange er diesen Beweis nicht erbringe, habe er keinen Anspruch auf das Egerer Heimatsrccht. Der Verwaltungsgerichtshof wies die Beschwerde der Stadt Eger als »»»»begründet ab. Liga zur Bekärnpfnug des Mädchenhandels. Im Saale des agesordnnng wird! Wissenschaftlichen Klubs hielt vor einigen Tagen die Liga zur Be- Der Obnram» teilt! kämvsm»a des Mädcbenbandels die erste Vollvcrsarmnluna ab, in _ t _ _ , l| kämpftmg des Mädchenhandels die erste Vollversammlung ab, n»»»» mit, daß unter dem Vorsitz des Herrn K»»lt»»svorsteher Ritter welcher der Präsident Dr. Josef Schrank eine»» Vortrag über die v. Taussig eine Versammlung sämtlicher Obmänner der Bcz.-Kcmun.! Aufgaben und Ziele der Vereine zur Bekämpfung des Mädchen- /f.r.r.»£i=£jir. Handels hielt. Redner führte airs, daß gegenwärtig der Handel »nit lebender Ware international getvorden sei und die armen Mädche»» in fre»»»de Länder z»l Tanseridei» gesendet werden, wo sie elend zugrunde gehen. Der Mädche»»handel befaßt sich nichts nur »nit gefallenen, sondern auch »»»it unschuldige»» Mädchen. Die. Hauptnrsachen des Mädchenhandels liege»» i»» den sozialen . Verhältnissen. Der geeigneteste Bode»» für den Mädche»»hm»del feien das arme Galizien »md das südliche Rußland, durch die _ dort herrschende Armut und die nnverstä»»dige Bevölkern»»«. Wir finde»» beim Mädchenhandel einen Export und Jrnport, wir finden dort eine Preisbildrmg nach dem Angebote »md der Nachfrage. Beide müssen ei»tschiede»» bekämpft werden. Geeignete Gesetze z»»r Bestrafung der Mädchenhändler seien unbedingt »»otwe»»dig. »u»d zwar gleich»näßig »n allen Staaten. Die größte Aufgabe falle dem Staate zur Bekä»»»pfung des Mädchenhandels zu. Als Mittel zur Bekämpf»»ng empfiehlt Redner Hebu»»g der sozialen Verhältnisse, Gründung bon Asylen für Mädchen und Frauen. Erricht»»,»« von Dienstbotcnheiinen für vazierende Dienstboten, tatkräftige Unterstützung bon Seite der hurnanitären Vereitle, Ueberwachu»»g der Hafenstädte Genna, Triest, Neapel, Lissabon, Konstantinopel, Bordeaur, Einführung von Bahl»hofl»»issionen, Tafeln in Bahnhöfen »nit Warnungen vor Mädchenhändlern» Versendung populär verfaßter Broschüren an das Publikum, Kanzelpredigten, staatliche oder . kommunale Dienstvermittlnng, strenge Ueberwach»u»g der Privatdienstvermittlnnge»» durch die Behörde, Gewinnung der Presse für die Zwecke der Liga, Ueberwach»»ng von Dampfern, Errichtung von Asylen. für Mädchen, die den Händlern entrissen wurden. (Beifall.) . Generalsekretär Franel erstattete Bericht über die bisherige Tätigkeit der Liga. Dieselbe habe ihre Zweigvereine in Lemberg, Czernowitz und Prag gegründet, welche z»»»n Teile auch schon eine ersprießliche Tätigkeit entfaltet haben. Cs werde bereits eine schwarze Liste von Mädchenhändlern angelegt, welche sechzig^>ca»nen enthalte. Auch eine Liste »»»»zuverlässiger und »»»»reeller «tellenvermittlungsbnreaus werde angelegt. Nach einer: längeren Debatte wurde der Antrag aiif Anbringung von Warnungstafeln in Waggons angenon»i»»en. Ebenso wurde beschlossen, eine Damensektic»» zu gründen, deren Zweck in erster Linie die Gründung von Bahnhofmissioncn wäre. — Das Sekretariat der Oesterreiehischei» Liga zur Bekärnpfnug des Mädchenhandels, Wien, 9. Bezirk, Brünnlbadgasse Nr. 9, versendet nachstehende Mahnung an junge Mädche»», die sich ins Ausland begeben. Bevor junge Mädchen ihre Heimat verlassen, um eine Stellring im Auslande ai»z»n»ehrnen, sollten sie Erkundigungen einziehen, ob die Stellniigen auch wirklich existieren »md ob dieselben bei ihrer Ankunft noch offen sein werden, denn sie laufen sonst Gefahr, eirttäuscht und betröge»» zu werden. Den Erklärungen der Agenten, von welchen sie engagiert werden, ben Privatbriefen, Zeugnissen »md sonstigen Papieren, die mm» ihnen etwa vorzeigt, ist nicht immer zu trauen, denn nur zr» oft werden solche Erklärungen »liid Papiere benützt, um sie zu tänfclien. Wenn die Mädchen wüßten, was ihrer vielleicht im Auslände wartet, würden sie gewiß Schutz suche»». Leider war es früher für ein jnicges, unerfahrenes Mädchen nicht leicht, herauszufinden, ob die freundlicher» »md liebenswürdigen Leute mich wirklich das sind, lvas sie scheinen. Es fehlte»» ihr Wege und Mittel, um über dieselbe»» Erknndigungen einzuziehen. Diese Hilfe können gerade wir ihr geben. Das Sekretariat wird dann sofort für sie in jedem Lande (E»»ropa, Ainenka, Asien, Afrika »md Australien) die nötige»» Erknndigungen einziehen. Sie iverden ihr die Adressen voi» Personen zuschicke»», die in derselben Stadt oder in der Nähe tvohne»» »»»»d bei denen stattgesilnden habe, in welcher die Art der Geschäftsführring seitens der Bez.-Komm. cii»gehe»»d besprochen wurde und in welcher Herr Ritter v. Taussig die Absicht des C.-V. bekanntgab, bei Beratungen von Angelegenheiten, welche in die Interessensphäre der Bez.-Komm, fallen, Delegierte aus den betreffenden Bez.-Komm. heranzuzichen »md mit beratender Stinrmc an den Verhandlungen tcilnehmen zu lassen. Herr Ritter v. Taussig verspricht sich von einem solchen Vorgänge raschere und vorteilhaftere Erledigung als von einem schriftlichen Verkehre. In diese»»» Sinne entschied sich auch die Ob»nänr»er-Konfere»»z, in welcher auch andere naheliegende Dinge z»lr Sprache kamen, wie z. B. die Abfassung eiitcr neuen, allen entsprechenden Geschäftsordnung, sowie auch genauere Umschreibung des Wirkungskreises der Bez.-Komm. Der Obmann wünscht die Ansichten der Ko»»»»»»issionsmitglieder kennen zu lernen und eröffnet die Debatte mit der Mitteilung, daß er auch die Z»»teilnng des Ar»»»enwescns verlangte, und hofft, daß bic neue Geschäftsordnung dieses fiir unseren Bezirk so wichtige Arbeitsfeld enthalten werde. In der hierauf folgenden Debatte gibt Herr kais. Rat W. Pollak ans dein Schatze seiner reichen Erfahrungen einige Wmke für ein gedeihliches Wirke»» der Bcz.-Korrnn., »u»d ernpfiehlt ein einiges Vorgehe»» särr»tlicher Obrnänner sowie auch, sich an den Voriberatu,»gen »»»»t de»»» C.-V. so oft als nur möglich, mindestens aber viermal im Jahre, zu beteiligen. Diese Anregungen werden von der Versmmnl»»ng einstnninig akzeptiert und der Obmann ersucht, iri diese»»» Sinne vorzugehei». In längerer Debatte, a»r tvelcher sich die Herren Berähard, Pick, Mohr »md Spitzer beteiligen, werden allseitig die Propositionen des C.-V. R. v. Taussig sympathisch mifgenoinrnen und nach dieser Richtung dem Obmanne vollständig Plein pouvoir gelassen. Der Obmann schreitet nun zur Erledigtliig des 3. Punktes der Tagesordnung, indem er die ihn» vom C.-V. zngesendete Liste neu einzuschätzender Perso»»en aus den Bezirken 12—15 mitteilt. Nach eingehender »md gewissenhafter Erörterung aller bezughabenden Urnständc ivird die Einschätzung vorgenmnnrei» »md de»»» C.-B. »mterbreitet werde»».. Bezüglich der Einsetzung eines Komitees z»»r Dnrchführtnig »n»d Förderung des Antrages vom Konnr»issions»nitgliede Direktor Hecht ivird der Antragsteller ersticht, mit dein bereits bestellten Refercntei» für das Armen- und VereiirSivesen ein vorbereiteirdes Komitee zu bilden, »md dieses dann bemiftragt, in der nächster» Sitzung seine Vorschläge zu erstatte,». — Zun» 5. Punkte der Tagesordnung »neidet sich Herr Hofbauer »md stellt den wohlrnotivierten Antrag, die Sitzungen der Bez.-Kmnn». für öffentlich zu erklären. Es sprechen z»l diesen» Anträge die Herren Kornrnissionsmitglieder Pick, Dr. Bars seivie der Obmann; eine Einigung findet endlich dahin statt, daß die Bez.-Komm. beschließt, bei Beratung von Angelegenheiten, die das öffentliche Interesse in hervorragender Weise tangieren, die Sitzung für öffentlich vorher bekanntzngeben. Schließlich stellt Direktor Hecht den Antrag, ein Gesuch an den C.-V. um Freigabe des 24. Mai zu richten, da an diesen» Tage die Konfirmation der Alädchen stattfindet »md ai» den Ternpelgesängen »mgefähr 130 Schulkinder teiliiehmen. Der Obmann spricht den» Antragsteller für seine Mühewaltung bei der Konfirmation den Dank der Bez.-Komm. ans »md ivird, da der Antrag einstinnnig angenormnen ivurde, auch daö Gesuch sofort verfaßt und abgesendet. — Schluß der Sitzung 9 Uhr abends. Der Obmain»: S. Beer. Der Schriftführer: Hecht. ttnverschnmte Berschnurtheit! Wer kennt nicht die Vexierbilder, ans ivelchen oft nach längere»»» Suchen »md Drehen nach allen Seiten eine geschickt verborgene Gestalt, Tier oder Mensch,