Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 23 (5.6.1903)
- Date
- 1903-06-05
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 5. Juni 1903 Nr. 23 junge Mädchen -schütz und Hilfe finden ivcrden. falls sie derselben bedürfen. ES werden ihr hieraus keine Kosten erwachsen. Auch ünfrankierte Briefe gelangen in unsere Hände. An die Redaktion des „Slovan". Der Wiener „Slovan", welclier fick zumeist als antiklerikal und A nti - Lneger ktibt und z. B. in der lebten Wmttnter einen Artikel über die Frechheit (fiel) des „katholischen" Schnlvereines bringt, stellt m der Nr. 42 die Regie des Ensembles des Prager NationaltheaterS in Brünn an den Pranger, weil bei der letzten Bor- Erinnerung. Ein letzter Rest von Takt hielt den Gemeindebund davon ab, dieses Sendschreiben direkt an die Rabbiner zu schicken. Mt welcher Miene lesen wohl die Kultusvörsteher die Epistel des Gemeindebundes, die nun endlich erfahren haben, zu welchen großen Aktionen sich der allgemeine Bund aufzuraffen vermag. Auch Einer." Sammsnng der Israelitischen Allianz zu Wien für die Opfer stellung hierauf der Bühne ansgestellten Möbel — höre und eindes Massacres von Kischenew. Das Gesamtergebnis hat bis heute höre diel!, Lohn Libusstts — von einer — jüdis ch e n Finna einschließlich der avisierten Beiträge ea. 120 000 Kronen erreicht. . . südlichen Firma herruhrten. Damit der i n t e r n a t i o n a l e Antisemitismus noch deutlicher iverde, bringt ebendieser „2 l o b a n" in derselben Nummer die Notiz, daß die d e n t s ch e Handelskammer-Kont- Mission in Olmütz sich, ihren Verwandten und Bekannten die Eriverbstener jährlich bis 1200 Kronen ermäßigte, um welchen Betrag dann die (s u d e n und T s ch e ch e n erhöht tvorden seien. Also g e g e n I u d e n n n d Tschechen von deutscher Seite und dann wieder gegen Inden und Deutsche von tschechischer Seite! (darunter vom Wann werden die Herren Dr. Ltern, Dr. Mittler. Dr. Gustav Kolm nsw. in Wien. Dr. Eber usw. in Olmntz. Dr. Scharf, Dr. Zalnd nsw. in P r a g usf. erkennen, daß Deutsche oder Tschechen in einem sich finden, iin — Antisemitismus, und für die Inden, ivenn sie nicht schon eine rein jüdische Politik treiben wollen, anstands- und klngheitshalber keine andere Politik geben soll und darf, als F e r u h a l t c n von jeder Mitarbeit ans dem politischen Gebiete der f r e m den Nationen, gleichgiltig, ob es Deutsche, Tschechen oder Polen sind. Neligionswechscl der Juden in Ungarn. In den letzten sechs Jahren Hachen 2108 Inden ihren Glauben gewechselt, und zwar 109? männliche und 1001 weibliche durch Eintritt in die evangelische Kirche A. C. und H. E.. sowie in die römischuitd griechischkatholische Kirche. In demselben Zeitraum sind 300 Katholiken zum Judentum übergetreten. Des Schweigen des Abg. Tr. Erler in Angelegenheit der Korruptions-Affäre Danneberg, welches, wie man uns aus Innsbruck schreibt, dort in allen Kreisen recht unangenehm ausgefallen ist, erklärt sich rum. Das Schwesterorgan des „Tiroler Tagblatt", die Volksparrei-Trabautin „Bozcner Zeitung", hat auch an dem großen Schwindel mitgenossen, daher das Schweigen des antisemitischen Volksvertreters. Ter „Verantwortliche" des „Tiroler Tagblatt" wird nun wohl für seinen guten Willen, eine korrupte Judengeschichre in die Ocfsentlichkcit gezerrt zu haben, von seinen gestrengen Herren!vas abbekommen. Es inag wohl eine recht fatale Situation sein, in der sich die politische „Bozeuer Zeitung" jetzt befindet, Ztnd recht römisch fragt das christlich-soziale Bozeuer Organ, „Der Tiroler", in einem die Affäre behandelnden Aufsatze: „Bozener Zeitung", wo bleibst du? Ans Neutra berichtet man uns: Unlängst feierte man das, Gleichenfest an dem einen Trakt des Versorgnngshanses, das der j schwimmt. Als Beweis dafür teilen Nur mit, daß in der Sitzung durch seinen Wohltätigkeirssinn sich stets aufs Neue hervortuende! des Festausschusses vorn 20. Mai Zuschriften der bergakademischen Präses Josef Engel ans eigenen Mitteln bauen läßt und erhalten j Körperschaften, und zwar des Vereines deutscher Akademiker „Erz'F wird. Wir können der Nenrraer Gemeinde, einer alten, frommen,! der Verbindung „Crnxia", der Burschenschaft „Leder" und des Korps aber an freigebigen Großen recht armen Gemeinde nur Glück! „Schacht" zur Verlesung gebracht Nmrden. AnS diesen Kreisen Unter den außerhalb Wien veranstalteten und der Jsr. Allianz zngeführteu Sammlungen sind außer der bereits mitgeteilten folgende zu nennen: Prag, durch Herrn Dr. Arn. Rosenbachcr, weitere Sendungen Kr. 3304, 1179,00, 1039 lind 1770 (zusammen ea. Kr. 20 000). — T r i e st, zweite Sendung Kr. 3000 (zns. Kr. 7031). — Czernowitz, erste Sendung der Fstlialc der Jsr. Allianz Kr. 2000. — E s s e g g uild Filialgemeindell Kr. 1318 ' lab allgem. Spar- und AnshilfSvcrciu und von der „Union"-Dampfmühl-Akticngesellschaft je Kr. 100, vom Ktiltusvorstand, Dr. H. Spitzer, Jos. Kraus Sohne, Sorger, Weißmaher u. Co., Ungenannter, I. N. Scholhof n. Djakovarer Walzmühle A.-G. je .Er. 00; von S. Köstenbanm, Otto Fellner und Franz Weiß je Kr. 20; von der Essegger Spargeilvssenschaft, Sal. Schwarz, Brüder Berger, Rnd. Ungar u. Söhne, Bela Springer, Hcrrmanil n. Weiß, Lndivig Frankl, Jos. Frailk, Sain. Berger, Dr. Will). Winter, Js. Frank je Kr. 20 und diverse kleinere Spenden, ferner alls Valpo Kr. 33, aus Dolja Kr. 28, ans Cepiil Kr. 38). — N a ch o d (dllrch den Kultlisvorstaild gesammelt) Kr. 900. — U ii g.- Hradis ch Kr. 021. — Z n a i m .Kr. 010. — N ikvlS - Burg Kr. 000. — I g l a u Kr. 000 (Knltnsgemeinde Kr. 200, Chewra Kadischa Kr. 200, Franenvereiu und Tempelgcsangvereiu je Kr. 100). — Teplitz (M. Bloch's Söhne) Kr. 400. — Sta - nisl a u Kr. 300. — Spalato (durch Violetta Goldstein und Ginletta Stock) Kr. 304,20. — Kt öniginhof Kr. 302. — Jnngbunzlau Kr. 300. — Lundenburg Kr. 270. — S t. Pölten und C z a s l a u je Kr. 240. — T a ch a n .Kronen 233,90. — B i s ch vsteini tz Kr. 208. — Bisenz Kr. 200. — H o h e n e nt s Kw. 197. — D e u t s ch b r o d Kr. 192. — 11 n g. - j B r od Kr. 174. — Trief ch Kr. 174. — T rebi i s ch Kr. 183. — S l a t i n a (Slavonien) Kr. 101. — 100. — Belovar Kr. 114. Ter Deutsche Schulvercin hielt Pfingsten seine Hauptversammlung ab. Mit Bewunderung -.fentscbe opfernde Hilfe für die Geschädigten zu sorgen suchen.. So lveit sich, dies bisher überblicken läßt, lvird die Hilfstätigkeit sich vor allem nach zlvei Richtungen hin erstrecken müssen. Für die Arbeitsfähigen müssen neue Erwerbsqiiellen geschaffen werden, Arbeitszeug nsw. und die Erwerbsunfähigen müssen derart nntergebracht werden, daß sie der schlimmsten Bedrückung entrückt sind. Soll eine starke Auswanderung der Inden vermieden lverdcn — und darauf muß nach Lage der Verhältnisse hingearbeitet iverdeu — so wird es nach den Berichten, die der Hilfsverein der deutschen Inden erhalten hat, notivendig sein, mit äußerster Beschleunigung die Wohltätigkeitsaktion, die in Kischeneiv bisher nur geübt iverdeu konnte, durch eine ivohldnrchdachte Aktion zur Wiederanfrichtung der Ivirtschaftlich rilinierten Existenzen zu ersetzen. Die Petersburger Börse int'o die Judenverfolgungen. Ans Petersburg ioird der Londoner „Finanz-Chronik" gcfchriebclt: Die Schreckenstage von Kischeneiv sind nicht spurlos an unserer Börse vorübergegangen. Schon ganz abgesehen vom rein politischen Moment -- denn man sagt sich hier unverhohlen, daß unsere Regierting antisemitische Exzesse gar nicht so ungern sehe, die eine Art Ventil für das sozial tmterivühlte Volk bilden — haben die beßarabischen Greueltaten, die an die blutigen Zeiten von Bogdan Chmelnitzki erinnern, tausende von Kischenewer Kmiflentcii an den Bettelstab gebracht, ivas naturgemäß auf unseren iitneren Handel äußerst ungünstig einivirken muß. Wie ich atls guter Quelle höre, dürften Petersburger Firmen rund 1.20, Moskauer etwa 2 und Lodzer ca. 1 Million Rubel durch die unausbleiblichen Kischeneiver Insolvenzen verlieren und überdies für lange Zeit eine Kundschaft cinbüßcn, die bisher in tmscren Industriezentren außerordentlich gern gesehen wurde. Und wer tveiß, ob die nächste Zukunft uns nicht int Süden eine Fortsetzung briitgen lvird? Auf der ganzcit Strecke zivisehen Kieiv und dem Sehivarzcn Meere herrscht ein wahrer Exodus der geängstigten israelitischen Bevölkernug, und zwar sind eS keineswegs ausschließlich die ärmeren tmd ärntsten! Klassen der dortigen Einwohnerschaft, die jetzt in Ivilder Flucht! Hans tmd Heimat verlassen. Wie das auf unser gesamtes Wirtschaftsleben und insbesondere auch auf die hiesige Börse rückivirken muß, versteht sieh wohl ohne iveiteres. Unsere Regierung hat vor einigen Tagen in einem Geheimzirknlar an die Presse dieser verboten, die Kischeneiver Vorgänge zilm Ansgmigspnnkte für all- N e tl t i t s ch e i tt Krotten > gemeine Betrachtungen zu benützen, tntd es ist charakteristisch, daß hiesige Börsenblätter, trotz Zensur und Gendarmerie-Departement, dennoch nicht umhin können, die beßarabischen Blutlachen für die agen einer Panik vcritderung müsste cs einen erfüllen, lvieviele rückläufige Börsentendenz die an manchen Tagen einer Panik che für nationale Zivecke ansbriitgcit, ivenn | ähnlich sah, verantivorklich zti ntachett. ) ein gut Teil des Geldes ans jüdischen) Bor der .Kölner Strafkammer hatte sich ein in den Akten man nicht wüßw, daß ein gut Teil des Geldes ans jüdischen) Bor der Kölner Strafkammer hatce sich ein in den Akteit als Händen stammt. Wir ivagen es aber zu bcziveifcln, daß die Inden „Missionar", vom Staatsanwalt als internationaler Schwindler beute nichts Besseres zu tun haben, als ihr Geld dentschnationalcn . bezcichneter Stephanus Tischmann aus Pilica(Rttssisch-Polen)wegen Zwecken znzmvenden und sveziell den Deutschen Schi-lverein zn Betruges zu verantworten. Er betrog Geistliche jüdischer und unterstützen^ der heute ganz in deutsch-nationalem Fahrwasser christlicher Konfession, welch' letzteren er Vorschivindelte, Christ --- -- •" ■.: - .. iverdeu zu ivollen. Einem Missionspfarrer machte er seine Aufwartuug als Rabbiner, tvobei er den Wunsch aussprach, zum Christentum überzntreten. In Aschaffenbnrg und Göttingeit besuchte er ebenfalls Geistliche christlicher Konfession; in allen Fällen schivindelte er ihnen Geld ab. Einen israelitischen Katifmann betrog wünschen zu ihrem Präses, der immer beiveist, daß ihm das Wohl) rekrutieren sich die zukünftigen Beamten der Rothschild'schen und l er mit 400 Mark. Er wurde zu 10 Monaten Gefängnis und der Glaubensbriider wirklich am Herzen liegt und der jetzt in wirk-) Gnitmmnt'scheu Werke. Kotitmcntar überflüssig I Ehrberlnst licher Menschenliebe an die Aermsteit der Armen gedacht hat, ans Kostcl. (T r a n e r k ri n d g e b n ti g für Kischenew.) .'rlnst von drei Jahren berurteilt. Menschen, die alt und gebrechlich im Kampf des Lebens Sclnsfbrnch! zlveitcn Schabuosfeste hielt Herr Rabbiner W c i ß eilte sowohl gelitten und ihre Tage nun in Ruhe und Behagen beschließen! £.cr ^onu als der können. — Am 7. Juni veranstaltet der neugegründcte hiesige' t11(,P,-,'diak deren Mädchenverein ein Tanzkränzchen im Toifelgarten. Das 4-vcmgr, xe.en Reinerträgnis ist zugtinsten seines Fonds besrintmt. Wir wünschen einen großen Erfolg und begrüßen den neuen Verein als eilt Zeichen des Erwachens des jüdischen Geistes. Hoffen wir, daß derselbe nicht eine magyarisch-chauvinistische rliichtung nimmt, sondern' die heiße Liebe zu unscrm Glauben, zu unfern Sitten, zu unserm Stamm und unseren Gtaubensgenosscit entfalten und zur Blüte bringen wird. Wir vereinigten Aolkspartciler und Zionisten haben schon an vielen Ortett die Freude erlebt, daß Mädchenhände eifrig mithalsen, das Zusammengehörigkeitsgefühl zu wecken. G. T. Ein Opfer des Blutmärchens. Aus Zenta in Ungarn wird gemeldet: Die sechsjährige Tochter Marie des dortigen Einwohners Franz Halasz trug gestern früh einen irdenen Krug, den sie beim Auslaufbrunnen mit Wasser gefüllt hatte, nach Hause. Unterwegs strauchelte sie über einen Stein, stürzte zu Boden, und der Krug ging in Trümmer, wobei das Kind durch einige Stücke der Krugscherbett im Gesicht nicht unerhebliche Schnittwunden erlitt. Das Kind schrie und jammerte, wobei das Blut dem armen Kinde über das Gesicht rann. Der dortige jüdische Lehrer B i e g e l e i s e n, der zufällig des Weges ging, erbarmte sich des jammerndrn Mädchens und wischte ihm mit dem Sacktuch das Blut vom Gesicht, sich bemühend, die Blutungen zu stillen. Inzwischen waren einige Bauern hinzugekommen, und als sie das blutende Mädchen mit dem jüdischen Lehrer sahen, stießen sie die Rufe aus: „Der braucht Blut für die Feiertage! Schlagt den Juden todt!" In demselben Augenblick stürzten die Bauern herbei nnd schlugen mit Stöcken und Knütteln aus Biegeleisen ein. Der endlich herbeigeeilten Gendarmerie gelang es nur mit großer Mühe, den halbtodt geprügelten Lehrer aus den Händen der wütenden Bauern zu befreien und in das Spital zu bringen, wo er schwer verletzt darniederliegt. Mehrere Verbaftungen wurden vorgenommen. Das sind die Folgen der Hetzereien des Nikolaus Barta, auf die wir schon seinerzeit hinwiesen. Zenta ist sein Wahlbezirk und durch sein dortiges Revolverblüttchen hetzt er in jeder Nummer gegen die Juden. Eine „Aktion" des österreichischen Gemerndcbundes. Difficille est satyram non scribere. Ein großes Weh durchzieht das Herz Israels und die Verzweiflung unserer unsäglich gemarterten Brüder in Kischenew läßt jeden Nerv erbeben. Alle Gemeinden Oesterreichs, die Rabbiner und Vorsteher an der Spitze, sind bestrebt, das Leid irgendwie zu lindern. Ueberall wurden Geldsammlungen veranstaltet, auf allen jüdischen Kanzeln wurde von so traurigen Vorgänge!! gesprochen. Nun rafft sich auch der jüdische Gemeindebuno zur Tat auf, zur großen, gewaltigen, eines allgemeinen Gemeindebundes würdigen. Er schickte an alle Kultusuorstäilde ein Sendschreiben des Inhaltes, bei der Seelengedächtnisfeier am zweiten Schabuothtage jener Kischenewer, die den Märtyrertod um des Glaubens willen erlitten haben, zu gedenken. Der Gemeindebund hätte ruhig weiter schlafen können, denn das Sendschreiben muß als eine ungeschickte Aktion bezeichnet u Inhalte nach gleich nuifterhafte und beaehtenscren großer Teil den tinglücklichcn Opfern des Kischeneiver Massaeres geividmei!var. Die glanzvolle Rede des beliebten Rabbiners übte auf die ganze Gemeinde eine große Wirkung aus, und als er bei der Haskarah dem Andenken cher Ermordeten ein besonderes Jiskor lvidmete, blieb kein Auge tränenleer. Th. A. Aus Olmütz. Wegen, einer rabbinataintlichen Bcrsügnng des. Rabbiners Dr. Oppenheim ließ sieh der ziveite Kantor nnd Sekretär der Ktiltnsgenieinde, Stötzlcr, zu einer Roheit dem Rabbiner gegenüber hinreißcn. Stösster wurde sofort seines Amtes enthoben und nach durchgeführter Disziplinaruittersuchting gekündigt. Die Entrüstnng über diesen Vorfall, aber auch die Befriedigung über die rasche Justiz ist allgemein. Wie uns weiter gemeldet wird, hat Dr. Oppenheim dem brotlos gewordenen Stößler verziehen nnd in anüctracht der schuldlosen Fantilie in ciitem Gesuche ctit die Kultusgemeinde um die Wiederaufnahme des zweiten Kantors gebeten. Ausland» Laffalles Kampf um Berlin. B a i l l e n schreibt in einem Artilel im Juniheft der „Deutschen Rundschau : Unter den mir vorliegenden Papieren findet sich eine Schilderung Lassales von unbekannter Hand. Sein Aeußeres verrät in Haltung, Bewegung und Sprache den Juden, denkt man sich einen Menschen von 5 Fuß 6—7 Zoll, schmächtig gebaut, den Kopf im Nacken, mit offenem Munde, aufgezogenen Schultern, zurückgeworfenen Armen, blasser Gesichtsfarbe, etwas gebogener Nase, einen nicht unangenehmen orientalischen Typus, dazu ein schwarzbraunes starkes Haar, welches nicht am Kopfe anliegt, sondern wovon jedes einzelne Härchen , . in un°ndlich°n Krümmung«, pyramidal sich erhebt, nnd endlich h.n m Jfi-ta fminc »»*>««■ noch etwas schlesisch-jüdischen Dial-kt, so hat man ihn, wie er leibt und lebt, vor Augen. Die Attsweisrmg des „Times"-Korrespondenten ans Petersburg. Nach dem „Berliner Tagblatt' soll die Veranlassung für die Ausweisung des „Times"-Korrespondenten aus Petersburg in den ungeschminkten Berichten gelegen haben, die er seinem Blatte über die Kischenewer Judenmassaeres telegraphierte. Kischenew. Der Hilfsverein der deutsche,t Juden hat sogleich ein Miioliest seines Zetttralkontitecs nach Kischenew entsendet, tim die durch die Massaeres geschaffene Lage zn prüfen. Die Aufnahmen, die der Abgesandte an Ort nnd Stelle borgenonnnen hat, liegen nunmehr vor. Danach ergibt sieh folgende Sachlage^ Die ",ahl der zerstörten Häuser in Kischeneiv beträgt in runder Snnnne 700; außerdem sind 000 Geschäfte zerstört, während die Häuser, in denen die l-etreffeuden Geschäfte sich besiudeu, nicht stark gelitteit haben. Die st.ahl der Menschen, die obdachlos getvordeip sind,^ist auf 10 000 resp. 2000 Familien zn schätzen. Die Familien sind nnttletlveile bereits nntergebracht, die einzelstehenden Personen nur znin Teil. Getötet auf der Stelle wurden bei den Massaeres 4 0 Personen, sehivcr berlnnndet 84, leicht verivnndet mehr als 000. Bisher tvnrden für die Betrvsfenen 00 000 Rubel verausgabt, vor allein nnl ihnen Nahrung und, so!veit es notwendig, Kleidung zn schassen. Cbaralteristiseheriveise habe» die Wiilven sich gescheut, selbst (steld anznnehmen, tuetf sie für die russischen Pfingsteii »eile Plünderungen befürchteten nnd annahmen, durch ihren Besitz die Plünderer auf sich zu ziehen. Die Zahl der Personen, die nur Geehrter Gesinnungsgenosse l Mit Erlaubnis des österreiehtsehen Lmtdeskontitees in Wien tmd im Einbernchmcit nnl den drei Distrikiskomitees Galiziens beabsiehtigeit die tmterfertigtett Vereine für den Monat Juni l. I. einen Parteitag der jüdiseheit dlrbeitersehaft und) L e in b erg cinznbernfen, behufs Schaffung einet festen jndisehnationaleu Organisation, deren Ziveek sein soll: 1. die Lage der jüdiseheit Arbeiterschaft Galiziens zu verbessern, 2. die jüdische Arbeiterschaft für dcit Zionismns zu geivinneit. Eine solche Organisation ist seit laltgem von allen zionisttseheit Vereineit als eine Noiwettdigkeik erkamtk und braucht nicht erst besonders begründet zu werden. Die Uttterstützung, tvelche uns boit offizieller zionistischer Seite geivährt wird, berechtigt unS zu der Hoffnnng, daß auch Sie, ivertcr Herr Gesinmmgsgenosse, uits Ihre Unterstützung nicht versagen lverden. Wir riehtett daher ait Sie die Bitte, uns bimteit acht Tagen folgende Fragen beantivorten z,t tvolleit: 1. Wie verhält sich die Arbeiterschnft Ihrer Stadt zum Zionismus? 2. Gchöreit dem dortigen Vereitle Arbeiter an, welche und wieviele? 3. Sind in der Leitung des Vcreittes auch Arbeiter tätig? 4. Ist eine Möglichkeit vorhanden, in Ihrer Stadt eine zionistische Arbeiterorganiation (Verein oder Klub) zu gründen? 5. Können wir wenigstens ans einen Delegierten aus Ihrer Stadt zum Parteitage bestimntt zählen? Jitdein tvir ttochntals Sie dringeitd ersuchen, obige Frageit ehestetts ztt beaittivorleit, hoffeit tvir and), «daß Sie uns mich Iveiker- Mitteirungeu aus dem Urchlikum. Herr und Frau Herrmann Beck geben hiermit Nachricht von der bevorstehenden Vermählung ihres Sohnes Otto mit Fräulein Grete Schtvitzer. Die Trauung findet Donnerstag den 11. Juni 1003 um 3 IKir nachmittags im israelitischen Tempel zn Wien, t. Bez., Seitenstettengasse, statt. Der Spielplnn der nächsten Stnatswohltätigkeits-Lotterie, deren Ziehung mit 18. Juni 1003 stattfinde» lvird, weist tvesentliche N'enernngen nnd Verbesserungen gegenüber den borbergegangenen Staatsivohltätigkeits-Lotterien ans. In dieser Richtung ist insbesondere herborznheben, daß an Stelle des bisherigen ShstentS der Bortind Nachtreffer ein Sl>stem geinischter Treffer, nämlich Seriengetvinste in Verbindung tnit Vortmd Nachtreffern eingeführt tvnrde, daß tveiierS neben dein ersten Haupttreffer per 200 000 Kronen ein zweiter Treffer mit 40 000 Kronen ansgesetzt erscheint, tntd daß srhließlirh eine nenerlirhe sehr bedeutende Erhöhmtg der Gesttintsnntine der Getvinste — dieselbe beträgt »»»mehr tveit ntehr als eine halbe Million — erfolgt ist, so daß sich die Getvinstchaiice» für jeden Loskänfer im hohen Maße verbessert haben. Der Lospreis ist tuie bisher mit 4 Kr. festgesetzt. Wie bekannt, kommt der Reinertrag der StantStvohltätigkeits-Loiterieii, tvelche mittelbar von den Ansstchreilnngen betroffen tvnrden, ist auf 20 000 > gegentvärlig bereits ans ei» halbes Jahrhundert ihres Bestandes zn schätzen. Sie sind dadurch geschädigt, daß sie ihre Eriverbsznrnckblicken, wohltäiigen und gemeinnützigen Llnstalten zugute, gnellen - sei es als Arbeitgeber •— sei es als Llrbeitnehmer -- so daß, angesehen von dem materiellen Anreiz, tvelchen die günstigen werden, da es eine Beleidigung aller Rabbinw- und Knltn^- verloren haben. Die Gevlüttderten gehören znm ganz übertviegen- Getvinstchanren getvähren, auch das ideale Atome ul, ein Scherflein Vorstände in Oesterreich involviert. Um der'Märtyrer zu' k'.'" den.allerärmstett Schichten der Bevölternng an. Der jüdische für Z.tm-cke der Allg.-m m'bZt beiz,,trage,,, eine,, nicht zu nnter- .' . c. c - ' „ . r, ... m , f 0! b.!>.Ittel,tand ,1! »hon iveinger hart berrosfen tvoroen, nnd fa>l NNirhatzenden Ansporn snr öie Beteiligung an dien',» llnternehmen gedenken, bedarf es am allerwemgjten sur Rabbrner etner Hkbt;u bi(, eichen Juden, die nnmnchr ihrerseits durch aufbilden tvird. ' die Einbcrnfcr des Parteitages der Handelsaiigestellteii nnd Llrbeiter. „Llrhivah" (Lemberg). „?lchdns" (Krakau). „Achtvah" (Stanislan). Säintlirhe Briefe sind an den Verein „Achtvah" Lemberg, Ringplatz 12. 2. St. zu senden.