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Jüdisches Volksblatt · 1903-06-05 · 23 (5.6.1903) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
23 (5.6.1903)
Date
1903-06-05
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 5. Juni 1903 Nr. 23 Die Priifidcntenknse im Wiener Knitnsvorstande. Der Präsident der Wiener Knltusgemeinde, Herr kaiserl. Rat Heinrich K l i n g e r, und der erste Vizepräsident, Herr Dr. Alfred Stern, haben ihre Demission angemeldet, und wenn gewisse Konflikte, die im Schoße des Kulturvorstaudes entstanden, über welche wir aber vorläufig noch Stillschweigen bewahren wollen, nicht bald beigelegt werden, so dürfte auch das ganze Vertreterkollegium sein Mandat niederlegen. Wir können unsere Verwunderung darüber nicht unterdrücken, daß eine solche, in die Interessen der Kultusstenerträger so tiefeinschneidende Angelegenheit die großen Massen ganz kalt läßt, wenn sie sie überhaupt zur Kenntnis nehmen und daß die ganze Krise nur so sub rosa „unter sich" ausgetragen wird, wie wenn dies die Steuerträger gar nichts anginge. Ehe wir auf die Besprechung der Situation des Näheren eingehen, müssen wir ein solches Vorgehen im Namen der Steuerträger ans das Entschiedenste verurteilen. Der Kultusvorstand und somit auch das Vertreterkollegium sind von den Steuerträgern erwählt, und wenn sich viele Herren auch nicht bequemen können, ihren Auftraggebern von Zeit zu Zeit Rechenschaft zu legen über ihre Tätigkeit im Interesse ihrer Entsender, so sollte doch wenigstens in Fällen, wo Präsidium und Bertreterkollegium „zwingende Gründe zum Gehen" haben, volles Licht und Klarheit herrschen. Es kann dem Steuerzahler nicht gleichgiltig sein, zu erfahren, weshalb plötzlich die alte Mamelukenburg erschüttert wurde und was die „Leiter" der Gemeinde veranlaßt hat, so urplötzlich das Ruder aus den Händen zu geben. Wir wollen der Entwicklung der Dinge nicht vorgreifen und vorläufig nur ein Bild der heutigen Situation entwerfen und heute nur das verdaten, was zum Verständnisse der Situation unbedingt notwendig ist, „gewisse persönliche Momente verschweigend, welche leider bei der Krise im Präsidium des Kultusvorstandes keine unwichtige Rolle gespielt haben. Die berühmte Einigkeit, auf welche die herrschende Partei in der Kultusgemeinde stets mit Stolz hingewiesen hat, hat schon anläßlich der Rabbiuerwahl einen bedenklichen Riß erlitten. Der Kultusvorstand, der sich stets in oer Rolle einer Wirtschaftskörperschast gefiel, mußte sicb der ersten wichtigen Frage gegenüber, wie sie die Besetzung dreier Rabbinerposten ist, zu schwach zeigen, um als einheitliche und einmütige Körperschaft, eine den Gesamtinteressen der Steuerzahler entsprechende Wahl treffen zu können. So hat man denn in seiner Angst vor herrschenden Cliquen, und um w e n i g st e n s noch den Schein einer einheitlichen Majorität zu retten, die auf die Wünsche der Opposition nichts zu geben Hot, die unbedeutendsten Kandidaten durchgesetzt zum Trotze der einsichtigen, ehrlich denkenden Steuerzahler. Dieser Kampf, der beinahe mit einer Vorstandskrise geendet hätte, ist nicht spurlos vorübergegangen. Wohl hat man die Riffe zusammenzuflicken versucht, hat man auf die eine oder andere Wunde ein kühlendes Pflästerchen gedrückt, aber mit dem Frieden im Vorstände war's zu Ende. Das Präsidium und die Häupter der bevorzugten Cliquen Intra et extra muros galten nicht mehr als sakrosankt, deren Augenzwinkern einen Beschluß bedeutet. Der erste, gegen den sich die sonst so gefügige Mamelukenpartei aufgelehut hat, war Dr. Alfred Stern. Schon bei der Rabbinerwahl war es ein offenes Geheimnis, daß er gegen das Dreigestirn war, zu dessen Anbetung die Wiener Juden gezwungen wurden. Diese Schlappe konnte er noch irgendwie verwinden. Aber da kam etwas Unglaubliches, es kam das Massacre von K i s ch e n e w, und Dr. Alfred Stern, der stets für ein „repräsentatives" Judentum eingetreten war, beziger die letzte Hand anlegte: Eine holländische Judenhochzeit; natürlich nach orthodoxem Ritus, im Freien stattfindend. Der Bräutigam hält den Talis über sich und der Braut und sagt das: Hareh, at . . ., ferner ein erst in der Skizze angelegtes Bild: „Adam und Eva'". Israels Bilder sind verhältnismäßig wenig auf Ausstellungen zu sehen, nur „Die große Internationale" in München 1883 brachte ihm die goldene Medaille. In Wten war, meines Wissens, noch keines seiner Werke ausgestellt. Im Besitze des regierenden Fürsten Liechtenstein befand sich ein Israels, den er bei seinen kürzlichen großen Schenkungen dem Landcsmuseum in Linz zuwics. Warum man aus Ausstellungen aus so wenige Israels stößt, dafür gab mir die nach begleitende Dame die Aufklärung. Die Bilder sind größtenteils bestellt und wandern, von der Staffelei ans, direkt in Privatbesitz, zumeist nach England und Amerika. So wie Israels Wesen, ist auch sein Atelier: einfach und prunklos. Nichts von modernen Zinngesäßen, geschickt arrangierten Nischen mit Palmen und Makartbnkerrs, keine molligen Perserteppiche, Bärenfelle und Kniistgschnas, so ganz und gar nichts, was dem Sport der in Mode gekoinmenen Atelierwanderungen entgegenkäme, der Raum gehört der Arbeit nnd nicht dem Flirt und Klatsch. - An den Wänden Skizzen, ein Selbstporträt seines damals sechzehnjährigen Sohnes, der jetzt als renommierter Maler in Amsterdam lebt. Dieser Sohn hat feinen modern-jüdischen Namen, leie Edgar, Walter, Kurt, sondern zeichnet seine Bilder lapidar mit Jsak Israels. Dieser Nnrue ist ein Programm. — Ein kleines Porträt seiner verstorbenen Frau und eine große Morine seines ebenso berühmren Freundes und Landsmannes Mesdag ist fast alles. Durch einen langen, schmalen Gang, über und über mit Skizzen und Studiert behängt, treten!vir tvieder in deri Salon, der einer Gemäldegalerie gleicht. Der Saal dürfte wohl mit ziueihundert Gemälden, Studien, Radierungen und Zeichnungen, meist vorr Israels Hand, geschmückt sein. Der große Niederländer Nembrandt!var ihm tvohl am meisten vorbildlich. Keilt großes Kolorit, alles in einem dämmerigen Halbdunkel, wie mit einem leichten Schleier bedeckt, die ernsten Menschen, die er auf die Leinwand gebannt, sie vertragen nicht zu viel Sonne, denn auch ihr Lebell hatte von deren erquickender Wärrne antragte eine offizielle Trauerkundgebung für unsere unglücklichen Stammesbrüder, oder nach Dr. Ster n, Glaubensbrüder. Der Jntrigue des Dr. G u d e m a n n, der die Funktion bei dieser Trauerkundgebung ausübeu sollte, ist es gelungen, eine Annahme dieses Antrages zu hintertreiben. Wir können die Verlegenheit begreifen, in welcher sich unser Herr Oberrabbiner bei einer so gar nicht einträglichen Trauerkundgebung befunden hätte. Was hätte auch dieser „israelitische Seelsorger" zu sagen gewußt, der kein jüdisches Volk anerkennt und sich demzufolge gar nicht veranlaßt sieht, sich für Russen (?) mosaischen Glaubens in seiner Verdauung stören zu lassen. Der Antrag wurde abgelehnt und der Herr Vizepräsident hat sich diese neuerliche Niederlage so sehr zu Herzen genommen, daß er sofort in offener Sitzung seine Demission anmeldete. Es liegt ein tragischer Zug darin, daß Dr. Alfred Stern, der Urdeutfche, der mit allen Machtmitteln gegen das Aufkommen des jüdischnationalen Gedankens gekämpft hat, einmal von seinen nationalen Rasseninstinkten überwältigt, sich national äußern wollte und von seinen eigenen Schülern daran gehindert wurde. Es ist der Geist, den er selbst heraufbeschworen, den er auch nicht auf einen Augenblick zu bannen vermochte. Und das Unglück reitet schnell. Nachdem das Präsidium den Kopf verloren hatte, und Dr. Alfred Stern hielt sich für den Kopf des Präsidiums, kam ein Schnitzer nach dem anderen. Die Vergebung der elektrischen Arbeiten an eine antisemitische Firma hat nicht nur in den Kreisen der jüdischen Gewerbetreibenden und den Wiener Juden im allgemeinen die größte Erbitterung gegen den Kultusvorstand hervorgerufen, sondern auch im Kultusvorstand selbst hat sie viel dazu beigetragen, die Kluft zwischen einem Teile der Kultusvorsteher und dem Präsidium, respektive Vertreterkollegium, nur noch zu erweitern. Die Antwort des Präsidenten auf die Interpellation des Kultusvorstehers E l t b o g e n fiel sogar nach der offiziösen Darstellung so kläglich aus, daß sie an der Unzufriedenheit der Bevölkerung und einem Teile des Kultusvorstandes nichts änderte; dies umsoweniger, als der Kultusvorsteher, kaiserlicher Rat Wilhelm Pollak, sogar die Ansicht vertrat, daß die Arbeit überhaupt nichts hätte kosten dürfen, dadie JnternationaleElektrizitätsgesellschaft dieselbe unentgeltlich besorgt hätte, wie sie dies in ähnlichen Fällen bei anderen Parteien auch zu tun pflegt. Die Stimmung in dieser Sitzung war eine sehr erregte, aber es kam zu keiner weiteren Explosion. Aber sie ließ nicht lange auf sich warten. Oberrabbiner Dr. Güdemann hat plötzlich ein Erbarmen für einen Kollegen verspürt und gefunden, daß Rabbiner Mayersohn, der heute schon ein Einkommen von über 9000 Kronen jährlich hat, dafür aber auf Schritt und Tritt das Aergernis der Parteien erregt, die in die unangenehme Lage kommen, seine Amtstätigkeit in Anspruch zu nehmen, eine Aufbesserung seines Gehaltes erhalten müsse. Wir haben schon zu wiederholtenmalen die unangenehme publizistische Pflicht erfüllen müssen, die Heldentaten dieses Herrn Rabbiners Mayersohn anzunageln, der in seiner Amtstätigkeit so wenig von der Mildtätigkeit und dem jüdischen edlen Herzen verrät, von denen er predigt. Und Dr. Güdemann, der so gerne die Arbeiten seinen Amtspflichten, insoferne sie nicht reiche Trauungen und Beerdigungen betrifft, auf andere überwälzt, mochte Gewissensbisse empfunden haben, daß er dem Herrn Mayersohn gerade die diesem am schwersten fallende Beschäftigung überließ, nämlich das Rabbinat bei Ehescheidungen in deutscher Sprache zu vertreten, aber wenn Herr Güdemann solche Gewissensbisse hat, dann möge er sich dadurch beruhigen, daß er die Arbeiten selbst macht. Herr Dr. Güdemann ist ja gewissermaßen auch der Ober-Matrikelführer, hat er sich je darum nicht zu viel abbekommen. Ab und zu ein matter Schein, der in die niedrige Stube dringt und uns so recht des Lebens Ringen und Ernst erkennen läßt. Die Erlebnisse einer großen Reise hat er in seinem Buche: „Spanien" niedergelegt und obzwar eine originelle Begebenheit ziemlich bekannt geworden ist, sei sie hier doch wiedergegeben, weil sie, zur vollständigen Charakteristik Israels mir nottvendig erscheint. Lassen wir ihn nun selbst sprechen. In einer entlegenen Vorstadt Tangers bemerkt er ein abseits stehendes Haus und instinktiv drängt eS ihn dort einzntreten: „Doch als ich da unentschlossen stand und nachdachte, hörte ich zu meinem großen Erstaunen rufen: Ma mewakschechoo? in hebräischer Sprache, die ich kannte; es war eine Männerstimme, die mich fragte: «Was sucht Ihr hier?" da trat ich ein und sagte meinerseits: „Salom adonai, salom aleichem anochi jehudi me'erez Hollande". „Erez Holland," rief er, Ivo ist das, was bedeutet das?" Da saß hinter dem Tische der jüdische Gesetzschreiber -nnd wendete sein fürstliches Haupt mir zu- und er humpelte mit inir nach dem offenen flachen Dache, das auf gleichem Flur mit seinem l-fimmer lag. Hier lagen Matten, worauf er sich niederließ. So sitzend, das fremde Land vor mir, neben mir den langbärtigen Alten, auf den Matten des flachen Daches in Marokko, überkam mich das Gefühl, als ob ich in diesem Augenblicke in einer Welt lebte, von der ich einmal geträumt hatte. Tann stand ich auf, um zu gehen. Der Alte legte seine Hände auf mein Haupt und mit einem jeworech'cho adonai wejischm'rcho (der Herr segne imb behüte euch) schieden wir voneinander." — Dieser alte Jude war bekanntlich Israels Modell zu seinem Thoraschreiber. Herr segne nnd behüte dich) schieden wir voneinander." — Dieser eine lebhafte Debatte über Kunstfragen nnd ich zähle diese genußreiche, anregende Stunde zu nieinen schönsten Erinnerungen. st,ersplittert, verweht in alle vier Winde, weiß der eine Jude nichts vviu anderen nnd welch schone Aufgaben gibt es da noch zu lösen, ivelch herrliche Perspektiven eröffueten sich 1,118 noch, wenn die Kräfte einigermaßen gesammelt würden. Jüdische Künstler von Namen gibt es fast in allen Ländern erst der diesjährige „Salon", diese große Pariser Heerschau, hat Mieder Werke namhafter Künstler, wie L. Simon, Benoit-Levy, A. Bloch aufzuweiseu. Wie dankbar wäre nun die Aufgabe, einmal gekümmert, was im Matrikelamt vorgeht? nnd warum es in diesen Amtslokalitäten, in denen der größte Parteienverkehr ist, so enge, finster nnd schmutzig ist, und warum die Beamten daselbst einen gar so düster und traurig anblicken, als wollten sie sagen : „Wir sind die Stiefkinder der Gemeindeverwaltung?" Das Bertreterkollegium hat in einer Sitzung, in welcher seltsamerweise auch Dr. G ü d e m'a n n anwesend war, die Gehaltserhöhung des Rabbiners Mayersohn bewilligt. Im Plenum wurde dieser Punkt der Tagesordnung vom Präsidium sehr warm vertreten. Herr M a y e r s 0 h n hat. wie es scheint, auch im Kultusvorstande dieselben Sympathien, wie im Publikum, denn nach einer äußerst peinlichen und unliebsamen Debatte, die gegen das Vertreterkolleginm geführt wurde, ward der Antrag des Vertreterkollegiums zu Falle gebracht. Während der Debatte fielen auch einige aufrührerische Aeußerungen gegen den allmächtigen israelitischen Stadtrat, genannt Vertreterkolleginm, und nun ging die Hetze los. Erst demissionierte der zweite Vizepräsident Dr. Gustav K 0 h n, dann erklärte auch der Präsident, Herr kais. Rat K l i n g e r, unter solchen Umständen nicht länger bleiben zu wollen. Als Herr Doktor Gustav K 0 h n sah, daß Herr K l i n g e r auch demmiffioniert hat, da zog er schleunigst seine Demission zurück und wurde — alleiniger Präsident der Kultusgemeinde. Auch die Demmission Kl in ge rs entbehrt nicht eines tragischen Zuges. K l i n g e r, der Wirtschaftspräsident, mußte gerade in einer Geldfrage fallen. Wir haben die letzten Ereignisse absichtlich nur skizziert. Für uns bedeutet die Krise nicht das Heranbrechen einer neuen Aera. Nach K l i n g e r kommt T a u s s i g. Uns hat auch diese Gestaltung der Dinge nicht überrascht. Aber eines ist sicher: die ganze Form, wie die Mandate der Kultusvorsteher besetzt und wie sie gehandhabt werden, ist faul. Diese Krise bedeutet nicht den Sieg des Reformprogrammes, aber das Herannahen des Sieges der Sache, die wir verkünden, die sich unbewußt Bahn bricht durch das eisigste Assimilantenherz. Die liberale Garde. Anläßlich der letzten Wahlniederlage hielten die Wiener Liberalen ein feierliches Bankett ab. Andere Parteien feiern ihre Siege, die Liberalen feiern ihre Niederlagen. Die ganze alte Garde, die stets sich ergeben, aber nie sterben wollte, war aufgeboten. Da saßen sie am festlichen Tische und suchten sich mit leeren Phrasen über die bittere Tatsache hinwegzutäuschen, daß die liberale Partei endgiltig abgewirtschaftet hat. Reuig hätten sie an die Brust schlagen, und ausrnfen sollen: „Nostra culpa, nostra maxima culpa“. Denn selten findet sich ein solch fruchtbarer Boden für einen Liberalismus, der alles begreift und alles verzeiht, der alles Heil von der Maxime Laisser faire laisser aller erwartet, wie bei dem Volke der Phäaken. Nur eine solche seltene Vereinigung von Protektions- und Kliqnenwirtschaft, Borniertheit und Faulheit, wie es die liberale Partei darstellt, konnte es zuwege bringen, daß sich die träge Wiener Masse von den gewohnten Schlagworten der „Liboralen" abwandte nnd zu einer Reaktion in das reaktionäre Lager saufraffte. Wahrhaft lächerlich nehmen sich die pathetischen Reden aus, die diese Tatsachen zu verschleiern suchen. Dr. Nechansky rief aus: „Man hat uns den fortschrittlichen Parteiverband im Gemeinderate ein kleines Häuslein Unglücklicher genannt. Wir wollen uns eher zum Schaffst (sie!) schleppen lassen, als unserem Denken (?) untreu werden. Es wird an uns alle, die wir Träger eines Mandates sind, der Moment herantreten, wo wir freiwillig oder unfreiwillig (sie.) scheiden müssen." Gegen diese ungewollte Selbstironie im letzten Satze kommt kein Satiriker auf. Um die Hohlheit aber eine große Ausstellung jüdischer Künstler zu veranstalten; und gerade in Städten, wie Wien, wo der bornierte Spießer keine Ahnung von unserem Schaffen hat, mühte eine solche künstlerische Schlacht geschlagen werden. Die Elitetruppen Israels, Ie - h u d a Epstein, Simon Glücklich, H 0 r 0 w i tz, M a x L i e b e r m a n n, Max Kone r, Ed. H a r b u r g e r, der neue Stern Adolf Heller, A r t h u r S t r a s s e r, L ö w i t h, Si aufman n, Orli k, Hugo Lederer mit seinem Modell zum Hamburger Bismarck-Denkmal und h u n d e r t andere wären imstande, den Respekt heranszufordern. Wir haben in Wien ein nenbegründotes jüdisches Museum, die Kuratoren geben, mit Befriedigung sei es konstatiert, ganz lebhafte Zeichen von ihrer Tätigkeit, da wäre nun wieder ein Gebiet, welches in dem Bereiche ihres Wirkungskreises läge nnd die kniistsinnigen Mitglieder, mit Sonnenthal an der Spitze, könnten zur weiteren künstlerischen Erziehung unseres Volkes Ersprießliches leisten. Auch dieses Thema berührte ich mit Israels und es hatte ihn außerordentlich gefreut, Sonnenthal im Mittelpunkte der idealen Bestrebungen zu wissen. M einem leise a n g e d e n t e t e n Wunsche, ein S t u d i e n b l a t t oder kleines Bild dem Wiener Musen m z n w i d - m c n, griff Israels sofort znstiimnend ans, er machte sich seine diesbezüglichen Notizen und wollte die betreffende Sendung an Souuenthal gelangen lassen. Sollte der alte Herr bielleicht daran bergessen haben, so mögen ihn diese Zeilen, die ihm Wohl zu Gesichte kommen werden, sachte daran erinnern. Bald lockt ihn die wärmende Junisonne hinaus an die See nnd er denkt noch lange nicht daran, die Palette zur Seite zu legen. Auch in Wien besitzen wir eine so schaffende Greisengestalt, den Altmeister Rudolf Alt, Ehrenmitglied der Sezession. Alt, Jude von Geburt, wird gern der österreichische Wenzel genannt. Nun, lvir Inden haben trotzdem wenig Grund, mit ihm Staat zu machen, er stand uns ja zeitlebens fremd gegenüber. Ganz selbstverständlich fand es Israels, daß er diesen Sommer wieder draußen bei seinen Fischern sein wird nnd lud mich ein, ihn auch in seinem Scheveninger Heim nnfzusnchen. Nun, ich bin an der holländischen Küste, mit seiner meilenweiten Düne, seiner uervenstählende» Brandung, seinem sammetweichen Sand nnd somit: Auf Wiedersehen, Josef Israels!

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