Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 22 (29.5.1903)
- Date
- 1903-05-29
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2432763-2432970-2432992--1961-2435775- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 2 Jüdisches Volksblatt 29. Mai r* 3 Nr. 22' Wien, Freitag teidigmig der angegriffenen Rechte der Juden, dagegen schrotet sie, wenn irgendwo eine Plünderung oder ein Massacre stattgefunden hat, die Affäre aus. Nihil humunum a me alionum puto! Diese Ansschrotung geschieht aus Philantropie und nicht aus Philosemittsrnus, und schließlich muß man für die Pauschalien auch etwas leisten. Dagegen betreibt sie den alldeutschen Kultus ganz umsonst. Wie der „Reuen Freien Presse", trotzdem sie ein Weltblatt sein will, die einfachsten Begriffe von Anstand abgehen, zeigt sie in ihrem Leitartikel vom 26. d. M. Sie schreibt: „Es ist kaum möglich, den Namen Barabas zu hören, ohne daran zu denken, daß ein getäuschtes (!), aufgewühltes, van Leidenschaften geblendetes Volk dereinst geschrien hat: »Wir wollen den B a r a b a s! Nun ist freilich die Zeit entschwunden, wo ein Gott in Menschengestalt auf Erden wandelt. — Neben dem ungarischen Barabas sitzt kein Erlöse r." Dies ist wörtlich an der Spitze eines Leitartikels der .Neuen Freien Presse" (!!) zu lesen, einer Zeitung, deren Herausgeber und Chefredakteure: Dr. Eduard Bacher und Moriz B e ne d i kt — Juden sind oder es wenigstens waren. Muß es nicht den ehrlichen und gläubigen Christen anrvidern, wenn er ein sogenanntes Judenblatt über seinen Erlöser schwefeln und seine Leidensgeschichte zu einem schmöckerhaften Vergleiche mit der heutigen ungarischen Obstruktion herabgewürdigt sieht? Geradeso, wie man billigerweise es verwerflich finden muß, daß Juden christliche Gebetbücher verkaufen, so finden wir es verwerflich, daß sogenannte Judenblätter die christliche Evangeliengeschichte zu politischem Leitartikel ausschrotten. Der Jude, das heißt der echte, gläubige Jude, muß aber mit Bitternis und Schmerz lesen, daß Juden (!) die durch keine jüdische Quelle verbürgte Episode des Barabas als ein unumstößliches Faktum hinstellen, also den Juden die Verteidigungswaffe, ihre Väter wären unschuldig am Tode des christlichen Religionsstifters, frivolerweise von Juden aus der Hand zu schlagen versucht wird. Wie mag es schließlich gläubige Christen und Juden anmuten, wenn die Freimaurer- oder Ass im i lati ons- Juden der „Neuen Freien Presse" von „Gott in Menschengestalt" und dem „Erlöser" zur Zeit Ba r ab as reden? Und wie muß es uns nationalbewußte Juden berühren, wenn wir in einem sogenannten Judenblatte lesen, daß unsere Väter ein getäuschtes, verblendetes Volk waren? Jeder echte Christ und Jude wird sagen: „Die Schreibweise jenes Leitartikels ist — ekelhast!" Und jeder Einsichtige wird sagen, daß die böseste Plage des Judentums der unjüdische — Juden-Journalismus ist. Die zweite Ton und Richtung gebende Wiener Zeitung, das „Neue Wiener Tagblatt", bringt überhaupt nichts, was Juden auch nur berührt. Nur hie und da findet man ein Veilchen im Verborgenen, eine kleine, eng gedruckte Notiz ä la Kischenew, die man unmöglich unterdrücken kann, weil sie zur Orientierung der Leser unbedingt gebracht werden muß. Kommt dann noch das dritte „große" Blatt im Bunde: „Die Zeit" Mit Rücksicht auf ihr vieltönendes und prütensiöses Programm nimmt die „Zeit" wohl die schmählichste Haltung ein. Ad vocem die Leser! Wer sind sie? Die Abonnenten aller drei genannten Blätter sind, ohne zu übertreiben, zumindest 7ö Prozent Juden, Juden und wieder Juden. Man der saubere Hetzkaplan. Diese in einzelnen der mrdürste emwenden, der Jude will und braucht eine »arischen Inden grassierenden Hyperassiinilation hat dein Inden- Zeitung; er hat keine Wahl und es bleibt ihm nur die tum schon »mnehen Sprößling entführt, der, besser gepflegt lind Qual. Dies ist nur zum Teile richtig. Jede Leitung! gelvnrlei, ,;nm kräftigen Stamme i»l Jiideirinme hätte hernngezogen jedes Blattes weiß zu beurteilen, welche Richtung sie zu werden können. Ich selbst kenne einige indische Kircheirpatrone, die befolgen hat; ist die letztere nicht nach dem Geschmacks der Abonnenten, so ist der Abonnentenschwund eine unvermeidliche Folge. Daraus geht hervor, daß sich die jüdischen Abonnenten alles gefallen lassen, daß sie gegen die Tendenz der abonnierten Blätter nicht protestieren. Es drängt sich da unwillkürlich die Frage auf, weshalb besteht in Wien kein ausschließlich jüdischen Interessen gewidmetes politisches, täglich erscheinendes Blatt? Wir Juden sind der Zahl, der Intelligenz und materiellen Situation zufolge ganz gut imstande, ein solches zu gründen und zu erhalten. Da kommen wir auf den wunden Punkt, auf die unleidlichen Verhältnisse an denen wir kranken, die uns auf die schiefe Bahn brachten, auf welcher wir stets tiefer und tiefer sinken, bis wir uns in dem Abgrunde befinden werden. Wir Juden nähren mit fatalistischem Gleichmut die Natter an unserem Busen und bieten unseren Feinden, Widersachern und Gegnern blindlings die Mittel, uns zu bekriegen, zu bekämpfen, anzufeinden, während sich die jüdischen Wochenblätter nur schwer erhalten nur zu spät zur Einsicht gelangen, kurz oder lang bitter rächen wird. können. Man wird daß sich dies über V u d ave st, Ende Mai. (Die jüdischen Kirchcnpatrone. — Jude vder Israelit2 — Ki sehe new. — Kroatien und die Juden. — Die jüdischen Trafikanten.) In letzter Zeit häufen, sich die Ereignisse, welche entweder mit der Lage der Inden iu Ungarn tatsächliche int Zusammenhänge ihren Erstgeborenen in der unter ihrem Patronate stehenden Kirche zur anfe geführt haben und dann durch sie ihre eigenen Patronatsrechte anSüben liegen. Wir haben in einem unserer jüngsten Berichte anS Ungarn die Behaupiiing ausgestellt, das; die Regierung und die arischen Kreise überhaupt mit dem Assiiiiilationsresnltat nicht zufrieden seien. Diesem (Gefühle entspringt auch ei» offener Brief, der vor einiger Zeit einem hiesigen ungarischen Blatte zugeschickt lvurde. Iit diesem Briefe ivirft der Einsender die Frage auf, tvarum sich die „ungarischen Inden", „Inden" und nicht „Israeliten" nennen. Das Wort „Jude" deutet ans den Voltsstaml», die Rasse hin, lvährend „Israelit" die Religionszugehörigkeit bedeute. Es liege aber im Interesse der patriotischen Israeliten Ungarns, das; sie nicht als solche erscheinen, die unter den Magyaren ein besonderer Volksstamin bleiben wollen, Ivic die Sloivaken — oder Rumänen." Charakteristisch ist auch die Antwort, die dem geängstigte» Einsender seitens der Redaktion erteilt lvurde. „Worauf der Briefschreiber diese seine Distinktion stützt," meint die schlaue Redaktion, „wissen wir nicht, aber das Nässen wir bestimmt, das; die „Israeliten" nicht um zu demonstrieren, die Benennung „Jude" gebrauchen. Die Magharen mosaischer Konfession nennen sich deshalb „Inden", weil dieses' Wort denn Gerste der nngarischen Sprache besser' entspricht als die Benennung »Israelit". Deutlicher kann tun» nicht irden. Die Greueltaten in K. ischenew haben naturgemäs; auch das öffentliche Gewissen in Ungarn anfgerüitelt. DaS viele Blut unserer hingeschlachteten Stammesbrüder hak auch den „Magyaren mosaischer Konfession" einen tmheiinlichen Schauer verursacht. Alles»!vas Anspruch ans berr Namen „Mensch" hat, fühlt angesichts 8er Orgien, welche die Bestie im Menschen bei hellichtem Tage unter stehen oder von verschiedenen. Seiten mit denselben künstlich ins Zusammenhang gebracht iverdcn. lieber diese wollen wir diesmal s lwiß'ber Assistenz der „.yiitcr dvs Gesetzes feiern durfte, seiir Herz berichten 1 stillstehen und sein Gesicht sich mit Schamröte bedecken. Im Leist orglm Szells, dem „Bndapesti Naplo" konnte sogar der Jude Da ist gleich die Patronatsfrage. Sie gehört zw den eigentümlichsten. In Ungarn gibt cs nämlich gewisse Besitzungen, mit welchen gleichzeitig das Patronat über die auf dieser.' Besitzung befindlichen Kirche verbunden ist. Ein solches Patronat birgt natürlich gewisse Rechte, z. B. bei der- Besetzung der Pfarre in sich, ist aber auch mit nicht geringen Pflichtleistungen belastet.. Diese Besitzungen, die zum größten Teile Bruchstücke größerer Latifundien verkrachter Magnaten sind, haben im Laufe der Zeit, unzähligcmale ihren Besitzer gewechselt und kamen vorübergehend zufällig, auch in die Hände eines Juden. Der jüdische Kirchenpatron war stets die komische Figur in der ungarischen Gesellschaft.. Er mußte die mitunter nicht geringen Lasten trqgen, konnte, hingegen natürlich die Patronatsrechte nicht persönlich ausüben. Die klerikale Volks- Partei hat nun gegen diese jüdischen Kirchenpatrone eine Aktion eingcleitet, welcher wir im Prinzipe unsere Sympathie' nicht versagen könnten, wenn sie diese Frage wirklich radikal, und gerecht zu lösen geneigt wäre.'. Wir selbst würden" eine Regelung, dieser Frage befürworten, die den Andersgläubigen, verbieten' würde». iw Sachen der katholischen' Kirche Rechte auszuüben oder Pflichten zu übernehmen. Aber" geradezu lächerlich ist der jetzt herrschende Zustand, dem eigentlich die Juden selbst in: ihrem eigenen Interesseso rasch als möglich-ein Ende machen sollten. Der niedere Klerus» der nur von der Hetze gegen die Juden lebt,.stellt den jüdischem K'irchenpatron als einen Eindringling in die katholische Kirche dar,' der am Ende die Kirche'noch jüdaisiercn werde: Davon: daß. der Jude die ganze Kirche erhalten und ihn selbst bezahlen muß».davon' schweigt natürlich Dr. Nikolaus H a j d ir einen Artikel schreiben, in welchem auckp folgende glänzende Sielte" enthalten' ist:: „Redet nur leist" und flüsternd von den Kischenewer Token: Das laute Work ist eine fertige Gefahr. Das Blut: ist greifbare.' Aufreizung, die Kischenewer Metzelei könnte die blntsangenden Milden begcisterird anrcgcn: Also nur bedächtig und mit. Seelenruhe,' ihr weisen Juden I Verboten' ist Weinen und Schluchzen. Auch" Seufzen ist nur im Beistorgenen gestattet. Tränen vergießen wcgern 400 grausam: getöteter unschuldiger Indem ist unschicklich'; es könnte' ncch heißen, wir seien solidarisch mit den Kischenewer. Juden und ' könnte aufdecken den geheimen Bimd,. der: uns mit allim Juden der. Welt verknüpft. Unseres gemeinsamen: Schmerzes gemeinsame Tränen ausweinen dürfen wir nicht:" „„Unsere Märtyrer mehren-sich vom Stünde zu-Stunde . . . unölähre Serke will man veredeln!'Im ihn Herz will nrrm die Worte der Barmherzigkeit, Demut und Liebe" pflanzen. O„. möchten doch von-ihnen jene lernern die sie zu: belehren wünschen!: Wie lvurde da der Weltenlanf sich änderil, wenn man von ihnen (unseren MLrtyrcrn)> den Adel'des jüdischen GeMjls, die Wärme des jüdisckstn Gefühls, die Wärme des jüdischem Herzens uirck die Duldsamkeit der jüdischen Liebe lernen würde . . . Die Wahrheit lvird b-m dem, Mute unserer Brüder besiegelt.. Die Liebe nimmt nie ab." Und« wie berechtigt diese Angst des durch ein? Gewitter aus seiner sorglosen Ruhe aufgescheuchten Wildes ist, beweisen die Ans- LssniigemdeS Organes der antisemitischen Volksparter' „Neppart" an- S ch a m e s - Röte, die K r u m m st a b heit der Nasen, das verlogene Lächeln der Damen und Herren bewies mir, daß ich immer ins Schtvarze traf. Die Dame: Herr Doktor! Auf mich paßt diese Bemerkung nicht, denn ich habe mich gleich als begeisterte Nationaljüdin erklärt als Sie die jüdischen Mode- und Jourdamen abfertigten. Der G r a u e: Auch auf Sie paßt sie, denn, wenn ich nicht, der einzige gegen alle, die Fahne Davids im Salon aufgepflanzr hätte, so hätten Sie, wie gelvöhnlich, gesungen, gespielt oder ein selbstverfaßtes Gedicht über Gott weiß was vorgetragen, nur kein Judenlied, obgleich die Moderne davon Juwelen besitzt. Sie sehen. Sie sind nur „besser" als die anderen, Sie sind aber noch lange nicht „gut". Der Junge: Pardon, Herr Doktor sagten früher mit besonderer Betonung, daß Sie „immer" ins Schwarze treffen? Der Graue: Das ist ganz richtig. Ich treffe immer ins Schwarze. Das ist nämlich nicht so schwer. Es gibt sichere Anzeichen, um Feind, Freund, den Gleichgiliigen und den Fremdnationalen zu erkennen. Dame und Jüngerer: Welche? Der Staue: Hören SieI Begegneit Sie einem Manne mit ausgesprochen schönem Judentypus: Adlernase, große Augen, volles Haar, mit hoher würdiger Haltung oder mit einem schönen Organ, in dessen Rede kein Anklang an das Mauscheln erinnert, so können Sie überzeugt sein, daß er entweder ein Nationaljude ist oder aber für Ausführungen zionistischer oder nationaldemokratis cher Tendenz leicht zu gewinnen ist, zrimindest nicht beleidigt oder beleidigend opponiert. Begegneit Sie dagegen einem Manne, der den Karikatur-Typus des Juden: birnförmige Krummnase, imilstige Lippen, Kraushaar oder Matze, Krummbeine, wienerisch sein sollendes Jargon ausweift, so können Sie überzeugt sein, das ist ein A s s i m i l a t i o n s - j u d e, ein entweder schon getaufter oder taufbereiter, der sich für einen „Deutschen" oder gar „Wiener" ausgibt oder hält und der beleidigt ist, Ivenn man ihn als Juden „erkennt". Der Jüngere: Ja, das sind doch nur die Juden, die man wirklich erkennt? Der Graue: Man, d. h. der Jude erkennt aber jeden Inden, respektive den Judenstämmling. Das ist ja für uns Nationaljuden ein sehr wichtiger Faktor. Da bei den Juden das Sondermerkmal der S p r a che: oft fehlt, so ist das- Sondermerkmal des .Körperhabitus zum Teil das,. was: die Juden» rwlens oder. Polens,, als „Volk" zusammenhält. Daß es. einen, häßlichen unfeinen schönen, einen ernsten und einen Karrikatnrtypns der Juden gibt,, ändert nichts an der Tatsache, wie auch der Typus der Tschechen ein häßlicher und ein schöner, ein ernster oder ein karrikierter sein kann. Daher erkenne ich e contrario jeden Christen, richtiger Arier vder Arierhäuptling. Der Arier ist aber, schon, deshalb leicht zu erkennen, weil er die Idee: der beßo-rtdarem jüdischen „Nation" sofort begreift. Der Christ, der Arier richtiger gesagt, lügt, sei es ans Höflichkeit ober aus. anderen: Motiven, wenn er zu einem Juden sagt, er halte ihn für einen „.Deutschen". „Tschechen"' nsw. Sobald aber der. Christ sieht, das; er mnsonst lügen würde,, tveil der. betreffende Jude mir als Jude genommen sein will', dann gibt er mit Freuden der Wahrheit die Ehre und findet es nur in der Ordnung, daß der Jude, je nach dem Temperamente und Bildungsgrade, mit Stolz oder nur mit Resignation sich als Sohn einer eigene n Station fühlt und gibt. Der) k a i s. Rat: Aber Herr Doktors von mir) haben Christen wiederholt gesagt, ich sei ein Deutscher. Der G r a u e: Pardon, Herr Kommerzialrat, die Christen haben es nur z u Ihnen, aber nicht von Ihnen gesagt. Wenn der Jude nicht anwesend ist so kennt der Christ, er mag ein Philosemit oder Antisemit sein, für ihn uur eine Qualifikation: der „Jud". In den Augen der Christen ist und bleibt der Kaftanjnd und der Herr Baron Rothschild, der Herr Dr. Mittler, dessen deutsches Gefühl die tschechischen Firmentafeln in Favoriten verletzten, ebenso wie Herr Dr. S t r a n s k y, der Führer der Jungtschechen in Mähren (ist übrigens getauft. Anm. d. Red-), der Zionist Herr Dr. Herzl und der nunmehr in der zweiten christlichen Religionsgemeinschaft stehende Sozialistenführere Herr Dr. Adler und Sie, Herr kaiserlicher Rat, der Sie für die Sitzungen des jüdischen Bezirksausschusses keine, für das Handelskarnmertvahl-Komitee der Liberalen aber so viel Zeit hatten, eine Rasse. Der kais. Rat: Aber, Herr Doktor, man will doch seiner Karriere nicht schaden I Der Graue: D a s ist der grobe Irrtum, in dem sich die meisten Assimilationsjuden befinden, daß sie durch das Unterdrücken ihres Judentums etwas Angenehmes erreichen oder etwas Schädliches äbwenden könnten. Ich gebe zu, daß mm: gewisse Karricran als Jude' überhaupt: nicht erreichen kann. Da gibt es! nichts anderes als.! den Taufschciir als Passierschein:.. Darüber, daß, jeder Äeligiorrs- oder Natiönalitätswechsel ohne innere,. sittliche Ueberzengung aus Karriere- oder sonstigen materiellen RWsichteneine (Ke? s i n n iu g § lu m j»-c v c? ist. will ich iticht weiter sprechen;: aber, das muß ich betonen, dnst es für die Karriere und die soziale: Stellung des um getauftem Juden vollständig gl e i ch g ill't i.g ist. ob er: sein Judinrtnm verbirgt: verleugnet oder ob er sich offen: u uib ehrli eich. stolz mmd würdevoll zu ihm bekennt. Ist er mir tüchtiger' Mann auf dem Gebiete der Kunst, Wissenschaft, deS Handels, des. Gewerbes chjv., so kommt er zu Ansehen. Stelltmg tmd Auszeichnungen, ob ersich mm als rassanstolzer Jude gibt oder tifö. Deutscher' oder Tscheche: „mosaischer Konfession". Das offene Bekenntnis als Jude schadet ihm dann nichts, und die Maskerade -als DentselM" oder Tscheche nutzt ihm nichts, das heisst die M a Kk e-!rade schadet ihm, weA die Christen — wenn sie unter sich sind — lüöcu den „Tonischen"' mit „die krnmpen Fuß" und über den : „Slaben"' mit dem .„ratafak" spotten» was seineu sozialst Wertschätzung abträglich ist während sie den sich als Jubelt gchenden Inden wenigstens die Gerechtigkeit angedeihen Lassen, daß er ein selbstbewußter Mensch ist der sich nicht aufdrältgt mld llicht tmter falscher Nationalftagge segelt. Ich erkläre Ihnen a u ff mein E h renwor t, daß ich trotz meines überall und jederzeit betonten Juden-NationaliZunls niemals von Christen-Arierli, eine Anfechtung, ja tun: eine unliebenswürdige Bemerkung deshalb erfahren habe, daß es viclnrehr n « r fl c t a u f i c Juden oder Asfirn i l a t i o n s j u d e n waren, die über ben „jüdischen" Nationalismus, mauschelnd oder ivierrerisch, richtiger gesagt, „ivielrerifch-- mauschelnd", sich entrnsteterl und mich begeiferten. Sie sehen doch, was es dem „Tschechen" Hofrat Zucker, dem „Deutschen" Großindustriellen A u s p i tz nsw. genützt hat, daß sie „mosaisck-e" Glmiberrsgenossen tnrd nicht jüdische „Stammes"-Genossen sein wollten? Die Tschechen und Deutschen haben sie aus dem tschechischen resp. deutschen Parteileben hinaus—gelehnt. Unb selbst die Magyaren fangen an, diese Ablehnnngsmethode gegen die Juden zrr üben, ivelche ihnen von allen Völkern doch trach Körperbau, Spmchart (Suffix-System) usw. noch am ähnlichsten sind. Der Jude wäre vielleicht tveniger gehaßt und angefeindet, tvertu er sich „tmr" als „Jude" geben würde, tveil er sich dann in die Völkerkärnpfe zwischen Deutschen und Slaben, Magyaren und Jtalietrern nicht eimmschen