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Jüdisches Volksblatt · 1903-05-22 · 21 (22.5.1903) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
21 (22.5.1903)
Date
1903-05-22
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 21 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 22. Mai 1903 Seite 5 Ans der Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Kultttsgcmeinde in Wien vom 14. Mai 1903 unter Vorsitz des Präsidenten Uns. Rat SUiitaet*. Beginn der Sitzung halb 7 Uhr abends. Im Eiulniise werde» bekanntgegeben: Spenden für die armen geplünderten Inden in Kischenew: Von der Kiiltnsgemeinde Kvlin Kr. 600, von Herrn Arthur Schlesinger in Wien Kr. 6. Ferner befindet sich iin Einlanfe eine Unschrift des Vorstandes der Chewra- Kadischa, betreffend die am 1.7. Mai 1903 slattfindende außerordentliche (Generalversammlung, lveiters ein Schreiben des Herrn Maximilian Paul schiff, mit ivelehenr er die Berufung als ständiger Obmann der Schiedsgerichte anzunehmen erklärt, und ein Schreiben des KnltiisvorsleherS Doktor Breuer, betreffend die Annahme des Mandates eines Kurators der Victor Ritter v. Boschan'srhen Krankenstiftnng. Ktiltnsvorsteher Hermann Eltbogen interpelliert in Angelegenheit der llebertragnng der Installationsarbelten für die elektrische Beleuchtung im Leopoldstädter Tempel an eine nichtjüdische, angeblich antisemitische Firma lind stellt die Anfrage, ivas das Vertreterkolleginm zu einem solchen Schritte veranlagt habe. Der Präsident erklärt, in der Lage zu fein, die Interpellation sofort beantworten zu können. „Wie den geehrten Herren bekannt ist, mußte der Leopoldstädter Tempel ans Gründen der Sicherheit vom .Knltnsvorstande gesperrt lverdeu, iveil sich bei der diesfalls durch den Vorstand über eine Anzeige des Tempeliufpcktors vorgeuommeucu Kommission herausstellte, das; die Anlage der elektrischen Leitung nicht mehr den gegemvärtigen Vorschriften entspreche. . Das Vertreterkollcgiunr hat sofort nach eingehender Beratung einen beschränkten Konkurs mit kurzer Frist ausgeschrieben und hatte unser Kollege.Hofrat Taussig die Güte, die Durchführung der Angelegenheit zu übernehmen. Zur gegebenen Feit wurden durch Herrn .Hofrat Taussig die Offerten in einer Vertretersitzung geöffnet und stellte sich heraus, dasz einzelne Offerten sieh nur auf Teilkonstrnktionen bezogen und nur ztvei oder drei den in der Konkursausschreibuug bezeiehneten Arbeiten Rechnung trugen. Die Firma, Ivelche die Arbeiten vor 11 Jahren gemacht hatte und Ivelcher von vornherein dieselben ohne Konkurs übertragen iverden sollten, hatte, erklärt, diese Arbeit nicht übernehmen zu können, iveil sie sich mit derartigen Arbeiten nicht mehr befasse und hatte eine andere Firma besonders empfohlen, iveShalb dieselbe seinerzeit zur Einbringung eines Offertes mufgefordert Ivnrde. Das Offert dieser Firma, Ivelche als sehr leistungsfähig bezeichnet ivnrde, stellte sich nur 76 Prozent niedriger als das im Preise nächsthöhere, Iveshalb Hofrat Taussig den Antrag stellte, dieser Firma die Arbeit zu übertragen, Iveuu sie die Gelvähr dafür biete, das; der Gottesdienst zu den Pfingstfeiertagcn abgehalten lverdeu könne, lieber Anregung eines Kollegen, Erhebungen darüber zu pflegen, ob die genannte Finna eine antisemitische Richtung verfolge, ivnrde, da bei einer Verleihung von Arbeiten seitens der konfessionellen Kultnsgemeinde Antisemiten nicht berücksichtigt lverdeu können, beschlossen, diesfalls Erhebungen zu pflegen und um, wenn durch dieselben alle diesfälligen Bedenken behoben lverdeu, dem ausgeschriebenen Konkurs gcmäs; dieser billigstbietendcn Finna die Arbeit zu übertragen. ES wurden sohin am nächsten Vonnittage sofort die beschlossenen Erhebungen gepflogen; sie lauteten vollkommen beruhigend dahin, das; die in Rede stehende Firma hochachtbar und leistungsfähig sei und ihr Inhaber seine Vorurteilslosigkeit in konfessioneller Beziehung vielfach belviescn habe. Es obwaltete deshalb kein Anstand, den am Abend zuvor in der Sitzung gefaxten Beschluß des Vertreter-Kollegiums zur Ausführung zu bringen, ohne Rücksicht darauf, das; ein Offerent, der dem Angebote der genannten Firma ain nächsten kam, am Freitag sein Anbot schriftlich nochmals reduziert hatte, so das; cs statt um 76 Prozent nur um 30 Prozent höher ivnr. Die Herren werden mir zustinuneu, das;, selbst wenn dieses reduzierte Offert den: der billigstbietenden Firma gleichgekommcn lväre, das Präsidium es nicht anständig gefunden hätte, derartige Nachtragsofferten 31t berücksichtigen, gegenüber jenen, die rechtzeitig überreicht und bezüglich deren auch ein Beschlus; gesagt wurde."' Der Präsident läßt daS über den ganzen Vorgang anfgcnommene Protokoll in der Plenarsitzung zur Verlesung bringen und findet dasselbe die ungeteilte Zustimmung des Plenums. (Wir verweisen unsere Leser auf u nsere Informationen, die!vir vollkommen aufrechterhalten.) Der Interpellant erklärt, diese Beantwortung zur Kenntnis zu nehmen. Gemäß dem Anträge des Vertreter-Kollegiums ivird mit Rücksicht auf die mit 16. September d. I. ablaufende Fnnktionsdaner des Bezirksschulrates eiichcllig beschlossen, den bisherigen Vertreter des israelitischen Religionsunterrichtes in der genannten Körperschaft Herrn Dr. Markus Spitzer für den neu zu. konstituierenden Bezirksschulrat wieder in Vorschlag zu bringen. Der weitere Teil der Sitzung lvar der Erledigung von Stenerangelegenheiten gewidmet. Schluß der Sitzung halb 40 Uhr abends. Spenden. Für deir Prcßfonds der „Arbeitenden jüdischen Jugend" (direkt beim Preßkomitee eingelanfcn): 1. Ausweis: Dr. Lifczis, Wien 1.—, Cafeticr Friedmann, Wien, 2. Bez., —.60, Bernhard Tag, Wien 1.—, Dr. Paul Weißengrnn, Wien 4.40, Dr. Nathan Birnbaum, Wien 1.—, Leopold Sitzmann, Wien 4.—, Josef Loelvp, Eger >—.00, Fraktionist, Proletarier, Prag —.60, Martin Buber, Wien 4.—, Edmund Feiwel, Brünn 4.—, Moses Danziger, Krakau 1.—, Wilhelm Klahr, Wien —.60, M. G. Mehrer, Wien —.40, Pollak, Wien 4.—, Jnslicht, Wien 5.—, B. Gr., Wien 2.—, Jakob Gelbtnch, Wien 2.—, Körpner, Wien 4.—, Sammlung des Kollegen Richard Politzer, Olmütz 47.60, Jüdische Ginnnnsiasten, Wien 6.—, Eafetier Kämpf, Wien, 20. Bez. 4—, Zionistische HandclSangestellte, W!ien 6.—, Arthur Freud, Wien 4.—, zusammen 61.60 Kronen. Weitere Spenden übernimmt auch die Administration dieses Blattes. Jüdischer Gesangverein „Schir Zion". Uebungen unter Leitung des Chormeisters Herrn Prof. F. I. Löwenstamm an jedem Mittwoch 8/.t8 Uhr abends. Uebungslokal: IX. Bezirk, Türkenstraße 9, I. Hof, 3. Stiege, Mezzanin. Allgemeiner jüdischer Arheiterverein. — Verein jüdischer .Haudelsangestellter, Wien, 2. Bez., Stefaniestrnsre 8. Samstag den23. Mai veranstalten die beiden Vereine eine Vorlesung ans j u u g j ü d i s ch e r D i ch t u n g (deutsch und Jargon). Die Vortragenden sind die Herren Emil Obernik, Freud und Nathan Gros;. Zn diesem Abend, der sich sehr interessant gestalten dürfte, lverdeu die Gesinnu'ngSgeuossen ersucht, zahlreich zu erscheinen. Allg. jüdischer Arbeiterverein Wien, 2. Bez., Stefnuiestraßc 8. Einladung zu dem Sonntag den 24. Mai 1903 stattindenden Ausflug nach Klosterneubnrg-Kierling in Josef Schauers Gasthaus, Kierlingerstraße 19-l. Teilnehmerkarte 20 Heller. — Zusammenkunft viertel 2 Uhr nachmittags Privatlokal 2. Bez., Stefaniestr. 8, Führung Kollege Greher, 2 Uhr nachmittags Stadtbahnstation Brigittabrücke, Führung Kollege Stern, von lvo aus die Abfahrt präzise viertel 3 Uhr nachmittags erfolgt. Ankunft Klosternenburg-Kierling. sodann Abmarsch mit Musik zum Festplatze, dortselbst heitere und ernste Vorträge, Gesellschaftsspiele, Koriandolüverfen usiv. usiv. Zum Schlüsse im Festsaale Tanzkränzchen. 8 Uhr abends gemeinsamer Abmarsch nrit Musikbegleitung znm Bahnhof. Ankunft in Wien 9 Uhr abends. Teilnehmerkarten sind im Vereinslokale 2. Bezirk, Stefaniestraße 8, solvie bei sämtlichen Komitee-Mitgliedern zu haben. Bei ungünstiger Witterung findet der Ausflug arn 7. Juni nach demselben Ziele und mit demselben Programme statt. Bei zweifelhaftein Wickler lverdeu Auskünfte im Vereinslokale 2. Bezirk, Stefaniestr. 8, im Cafe Weis;, 2. Bezirk, Stefaniestr. 10, Cafe Blumschein, 2. Bezirk, Untere Angartenstraße 19, und im Cafe zur Börse, 4. Bezirk, Wipplingerstraße, erteilt. Jnuerüsterreichisches Distriktskomitee des Verbandes „Zion". Sitz: Wien, 9. Bez., Tiirkeilstrnsie 9. LokalkomUee: Ncnnkirchen. Donnerstag den 21. Mai 1903 findet in Nennklrchen im (stasthvf Anton Spieß „zum goldenen Strauß", Wienerstraße 7 eine Versammlung jüdicher Bürger statt. Beginn 3 Uhr nachmittags. Damen herzlichst lvillkonnneuI Das innerösterrcichische Distriktskomitee. Das Nennkirchener Lokalkomitee: Dr. Moriz Wolf, Samuel Gerstl, Heinrich Moses, Ludlvig Gerstel, Max Maier jnn., Älkax Schlesinger. Man tvolle geälligst beim Eintritt die Einladung samt dem ans den Namen lautenden Kuvert vorweisen (8 2 des Vers.-Ges.). Tagesordnung: Die Greueltaten in Kischenelv und ivas sie lehren. Referenten: Herr Dr. Leopold Kahn, Hof- und Gerichtsadvokat in Wien, Mitglied des engeren zionistischen AttionslomiteeS. Herr Dr. I. W. Marmorek, Mitglied des österreichischen Landeskomitees. Zur gefl. Beachtung l Die Wiener Gesinnungsgenossen, ivelche an , der Versammlung in Ncnnkirchen teilnehmen ivollen, benützen den ' Zug um 6 Uhr 60 Min. früh ab Südbahnhof. Anschluß für Gesinnungsgenossen in Mödling um 7 Uhr 17 Min., in Baden nin 7 Uhr 37 Min., Ankunft in Wr.-Neustadt nur 8 Uhr 17 Min., Abfahrt von Wr.-Nenstadt um 8 Uhr 31 Min. nach Gloggnitz. In Nennkircheu (Ankunft 8 Uhr 60 Min.) ivird bei der Hinfahrt nicht ansgestiegen. Ab Gloggnitz (Ankunft 9 Uhr 12 Min.) gemeiiisamer Ausflug ins Semineringgebiet (Schloß Kranichsberg). Gemeinsames Mittagessen in Gloggnitz (Restaurant Ullmann). Abfahrt ab Gloggnitz um 2 Uhr 18 Min. Versammlung in Neunkircheu präzise 3 Uhr nachmittags. Die Fahrt findet bei jeder Witterung statt. Fahrpreis Wien—Neunkircheu, tour und retour, fl. 2.16; Wien—Gloggnitz, iour und retour fl. 2.46. Bei entsprechender Beteiligung namhafte Fa h rp r e i s e r m ü ß i g u n g - Gin Mord für Herrn Schneider. Aus Tyezyn wird uns geschrieben: Im Anhänge zu meinem Artikel im April 1900, „Ein Mord für Herrn Schneider", beehre ich mich Ihnen Folgendes mitzuteilen: Wie Sie sich wohl erinnern dürften, wurden in Hermanowa, einem nächst Tyezyn gelegenen Dorfe, am 1. Osterfeiertage 1900 zwei Jüdinnen, Mutter und Tochter, beraubt und erschlagen oder vielmehr zerstückelt. Gleich nach dem Verbrechen wurde die Tat vorerst einem wahnsinnigen Juden, dann anderen verdächtigen Jndividiums und zum Schlüsse dem Sohne respektive Bruder der Ermordeten zuschulden gelegt. Letzterer war sogar drei Wochen lang in der Untersuchungshaft behalten, wurde aber, nachdtm er sein Alibi nachgewiesen, befreit. In einigen Monaten, oder gar ein Jahr später, ist der unglückliche Sohn respektive Bruder der Ermordeten nach Amerika zu seinen Verwandten ausgewandert. Seit dieser Zeit sind bereits bald 3 Jahre vorüber, ohne daß man auf die geringste Spur der Raubmörder kommen konnte; unter dem Volke aber und bei der antisemitischen Intelligenz, die hier leider vorherrschend vertreten ist, wurde und wird noch immerfort die Schuld dem Sohne aufgebürdet, dessen Auswanderung nach Amerika diese in ihrer boshaften falschen Meinung bekräftigt. Einem Zufalle nur ist es zu verdanken, daß dieses, jeder Beschreibung spottende grausame Verbrechen gelichtet werden wird. Ein in einer Strafanstalt (ich weiß es nicht genau ob in Lemberg oder in Wiznitz) seine Kerkerstrafe abbüßendes Jndividium erhielt vor einigen Monaten von seinem Freunde, einem in Preußen weilenden Jndividium, einen Brief, in welchem Letzterer, in der Meinung, daß sein Freund der Mordtat in Hermanowa wegen in Haft sich befindet, in diesem Briefe ihn ersucht, das Hermanower Geheimnis oder vielmehr ihn nicht zu verraten. Dieser Brief, welchen der Kerkermeister, bevor er dem Adressaten eingehändigt wurde, gelesen hat, verriet die Verbrecher, und es ist somit Hoffnung, daß diese elende Tat gerächt werden wird. Der Adressat dieses Schreibens hat nun seine Teilnahme a n d e m Morde bekannt, behauptet aber, nur als Aufsichtsposten während der Tat gedient zu haben und dafür von den geraubten zirka 45 fl. blos 12 fl. erhalten zu haben. Heute wurde dieses Jndividium, welches jetzt kaum 18 Jahre zählt, also zur Zeit des Mordes kaum 15 Jahre alt war, hieyer gebracht und mit ihm an Ort und Stelle die Untersuchung vorgenommen. Nach dem eigentlichen Raubmörder. Schreiber des verräterischen Briefes, dessen Name dem Gerichte bereits bekannt ist, . wird aber immer noch leider erfolglos gesucht. Daß Schlimmste an der Sache aber ist, daß die Frechheit der hiesigen intelligenten (?!) Antisemiten, dieser Leute, die zu oft nur die Güte armer Juden mißbrauchen und von der Gnade dieser oft abhängig sind, heute noch unter dem Bauernvolke es verbreiten, daß einzig und allein nur der Sohn respektive Bruder der ermordeten Jüdinnen der Mörder derselben ist, daß die Juden hier Geld gesammelt haben, um dem Mörder die Reise nach Amerika zu ermöglichen, daß sogar die dazumal hier weilenden Gendarmen von den Juden gekauft wurden rc. rc. Ein solches Vorgehen, welches das Bauernvolk nur aufhetzt, kann unter den heutigen Verhältnissen leicht Anlaß zu argen antisemitischen Exzessen geben. Vom „Schomer Israel". Aus Lemberg wird uns geschrieben: In der Versammlung vom 17. d. M., die der Verein anläßlich der Masfacres von Kischenew veranstaltete, waren auch mehrere russische Stammesgenossen anwesend. Die Details ihrer Angaben find so grauenerregend, daß wir sie nicht der Oeffentlichkeit mitteilen. Nur folgeudes unerhörtes Faktum wollen wir annageln: Der Gouverneur von Bialystok konfiszierte die für die Kischenewer Juden gesammelten Beträge. Dieser Raub übersteigt doch alle Begriffe, die man sich selbst von Rußland macht. Trauerfeier. Aus Lemberg wird uns geschrieben: In den Räumen des hiesigen Vereines „Schomer Israel" hatte auf Initiative Julius H 0 ch f e l d s und Dr. Vierers eine solenne Tranerandacht für die 52 Märtyrer beim Judenmassakre in Kischenew stattgefnnden, bei welcher der berühmte Kantor der hiesigen Tempelgemeinde Herr H alp er n »El mnle Rachnim" derart zitierte, daß die zahlreichen Anwesenden, darunter auch Kischenewer, Bialystoker russische Untertanen Tränen für die jüdischen Märtyrer vergossen haben. Die Trauerrede und Berichterstattung über das Massacre in Kischenew wurde vom Vereinsmitgliede Julius H 0 ch f e l d abgehalten. Gleichzeitig wurde in Anwesenheit aller zionistischakademischen Vereine mit Einverständnis des hiesigen Kultusvorstandes beschlossen, Donnerstag am 21. d.M. im Tempel und allen Synagogen T r a u e r a n d a ch t e n für die durch antisemitische ruchlose Hände ermordeten 52 Juden mit deren Namensverzeichnisse abzuhalten, wobei alle Korporationen, Vereine, akademische Jugend mit deren Trauerfahnen vertreten und während der Trauerandachten alle jüdischen Handlungen gesperrt sein werden. Auch werden Sammlungen für die in Kischenew zurückgebliebenen 600 Waisenkinder eingeleitet und 10.000 Trauerplakate verteilt werden. Die gesammelten Beträge werden an den Verein Schomer Israel zu Händen des Herrn Julius H 0 ch f e l d in Lemberg geleitet. Jüdischer Handelsgehilfenverein. Aus Lemberg wirdgemeldet: Im Lokale des Vereines „Schomer Israel" versammelte der rastlos arbeitende Handelsbeflissene Herr Halber seine Standesgenossen, welche von den roten Sozialdemokraten umworben werden, um diese ihrem Volke wieder zurückzugeben. Nachdem der Vorsitzende des Vereines die Versammelten begrüßt und über das Thema: „Wie man der arbeitenden jüdischen Jugend hilft", gesprochen hatte, eröffnete Herr Halber die Versammlung, um den Zweck derselben auseinander zu setzen. Der ersten Einladung folgten etwa 70 junge Leute, welche im Prinzips sich geneigt zeigten, einen eigenen national-jüdischen Buchhalter und Kommisverein zu gründen. Tags darauf folgte eine zweite Versammlung, an der noch mehr Handelsbeflissene teilnahmen und wurde die Einberufung aller Handelsbeflissenen beschlossen. Dieser neue Verein wird sowohl als Unterstützungsals auch als Bildungsverein eine tiefempfundene Lücke unter der jüngeren Generation der Handelsangestellten ausfüllen, die sonst herumirrende Jugend in ein organisches, echt jüdisches Zentrum zu sammeln. Dem wackeren Herrn Halber, sowie Herrn B e l b e l, dem Gründer des Vereines „Achawa", sei schon jetzt hiemit der Dank ausgedrückt. 8—n. Kundgebung flcncn die Judcnmssacres in Kischinew. Aus Krakau Ivird gemeldet: Samstag den 13. ds. hat hier im großen Saale des Hotel „Union" eine jüdische Volksversammlung (es waren ungefähr 2000 Personen beiderlei Geschlechts anwesend) znm Zwecke der Manifestiernng der Entrüstung und des Abscheues ans Anlaß der Jndenmorde in Kischineiv stattgefnnden. Zunächst sprach der Referent Herr Dr. Ludwig G 0 l d w a s s e r in eingehender Beleuchtung über die Furchtbarkeit des Kischinewer Unglücks und legte der Versammlung eine Resolution zur Annahme vor. Es sprachen sodann die Herren Rcichsratsabgeordneter Ignatz Daszhnskb, Dr. Rudolf Frühling, Dr. Gros; ans Biala, Dr. Shrop und Dr. Adolf Groß. Es ivnrde eine Resolution einstimmig angenommen, mit Ivelcher die Morde und Ranbznge, Ivelche auf unsere Glaubensgenossen in Kischinew verübt wurden, verdammt und verabscheut und zugleich hierorts für die heimgcsnchten Juden in Kischinew Geldsammlnngen veranstaltet werden. Zum letzten Punkte der Resolution schreibt heute Herr Neichenberg in seinem Organ „Sprawiedliwosc": Wohl sollte jedermann aus Anlaß der grauenerregenden, in der Geschichte der Barbarei und Vertiertheit verzeichnet bleibenden SchrcckenSereignisse in .Kischinew nach Tunlichkeit opfern und sich an der Sammlung beteiligen, aber das gesammelte Geld hätte nicht nach Kischinew allein gesendet werden müssen, sondern auch nach Biecz und Rozniatow, woselbst einige - hundert Familien zwar nicht durch mörderische lieberfälle, Wohl aber durch Feuersbrünste obdackj- und brotlos geworden sind deren Hilferufe zum Himmel dringen. Wjr armen galizischen Juden leisten schon genug, wenn wir uns den moralischen Entrüstungs- Knndgehungen über die Schreckensszenen in Kischinew beteiligen; Geld müssen die reichen Juden in dem großen Rußland, in Amerika, England, Frankreich und Deutschland für die Unglücklichen in Kischinew hergeben, während die paar in Galizien gesammelten ärmlichen Groschen für Biecz und Rozniatow bestimmt werden mögen, um deren fürchterlich heimgesuchteu Abbrändler sich niemand in der Welt kümmert. Die „Sprawiedliwosc" appelliert zugleich an die hiesigen Zionisten, das bisher für Kischineiv gesammelte Geld, etwa 1000 Kronen, nicht nach Kischinew, sondern nach Biecz und Rozniatow zu schicken. Man sollte an die Unglücklichen in Biecz lind Rozniatow nicht vergessen. In diesen beiden Städtchen haben sich bereits Hilfskomitees gebildet, an die eventuelle Ergebnisse von Sammlungen oder Einzelgaben zu adressieren wären. Karlsbad. Der Einzelverein „Zion" in Karlsbad gibt hiedurch allen gesinnungsgenöffischen Kurgästen Karlsbads bekannt, daß während der ganzen Saison jeden Mittwoch (abends) im Vereinslokale „Hotel Terminus" Diskuffions- und Vortragsabende stattfinden, wozu zahlreicher Besuch erwünscht. Der Verein bittet ferner diejenigen Gesinnungsgenossen, die in der Lage wären, hier einen Vortrag zu halten, dringend, Thema, ungefähren Termin und Adresse an das genannte Vereinslokal im voraus bekanntzugeben. Dortselbst liegen auch die meisten jüdischen Blätter auf. Galizische Gendarmen. Im Juni 1002 war in Chorzowa, einem Dorfe bei Prnchnik (Galizien), ein Reh in Verlust geraten — notabene ein herrschaftliches Reh. In derartigen Fällen lassen sich unsere Sichcrheitsbchörden nicht spotten und tun ihre Pflicht „voll und ganz". So war es auch hier — der Ortsgendarm Stec faßte gegen den Dorfjnden Rubin Katz Verdacht, und als die Hausdurchsucknmg resnltatlos verlief, nahm er den Rubin Katz, dessen 12jährigen Sohn Moses und dessen 16jährige Tochter Rebekka bei Nacht ans dem Hanse und überstellte die drei Personen in das Gemeindeamt zur Jnqniriernng. Das Resultat des Verhörs war, das; Katz und sein Sohn nach mehreren Stunden mit Wunden bedeckt und blutend heimkehrten, Rebekka Katz hingegen wurde die ganze Nacht außer Haus gehalten — wie es scheint in der Privatwohnnng des Dorfrichters — und kam erst Früh nach Hause, wies aber keine Spuren von Mißhandlungen auf. Katz Vater und Sohn ließen sich vom Gerichtsarzte in Iaroslan untersuchen, und dieser konstatierte mn Körper der beiden zahlreiche Wmwen und Zeichen von Mißhandlungen, und auf Grund dieses Tatbestandes erstatteten sie durch den Iaroslauer Advokaten Dr. B. gegen die Gendarmen die Strafanzeige lvegen Mißbrauchs der Amtsgeivalt, und zivar direkt an das Landesberteidignngsrninisterinm in Wien. In dieser Anzeige wurde erwähnt, daß sie deshalb dieselbe nicht an das unmittelbar Vorgesetzte Gendarmerie-Bezirkskommando überreichen, Iveil es bekannt sei, daß Anzeigen solcher Art, wenn sie an die letztere Behörde gerichtet werden, nur den Erfolg haben, daß ohne jedwede Untersuchung gegen den angeklagten Gendarmen der Anzeiger wegen Verleumdung angellagt, der schuldtragende Gendarm aber als „Privatbeteiligter" anftritt, so daß dann statt des Gendarmen der Anzeiger bestraft Iverde. Was geschah mm infolge dieser Anzeige? Der Gendarm Stec bot, als er von diesem Schritt erfuhr, dein Katz eine größere Geldsumme als Abfertigung an, dieser aber Ivies den Antrag zurück, und nach einigen Wochen erhielten Katz und sein Advokat Dr. B. richtig Vorladungen zum Strafgericht, und zwar als Beschuldigte wegen Verbrechens der Verleumdung, begangen an dein Gendarm Stec, und Uebertretnng der Ehrenbeleidigung, begangen an dem Gendarmeriekommando infolge abfälliger Kritisiernng des Vorgehens dieses Komlnandos in Fällen derartiger Mißhandlungen. Katz und sein Rechtsanwalt boten aber den Wahrheitsbeweis an und das Fazit lvar, daß nach mehrmonatlicher Untersuchung die Anklage lvegen Verlenmdnng deS Gendarmen von der Staatsanwaltschaft zivar fallen gelassen, das; hingegen der Anwalt des Katz, Dr. B. in Iaroslan, deshalb, weil er in der an das

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