Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 21 (22.5.1903)
- Date
- 1903-05-22
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 22. Mai 1903 Nr. 21 Landesverteidigungsministe rinn: erstatteten Anzeige bei der Motivierung der Uebergehnng des Gcndarmeriekvmmandos das oben beschriebene Vorgehen dieses Kommandos „pervers" genannt hatte, wegen Beleidigung dieses Kommandos angeklagt und vom k. k. Adjnnkten Leib Mark in Prnchnik hierfür zu 200 Kronen Geldstrafe, eventuell 10 Tagen Arrest, verurteilt wurde. Dr. B. hat gegen dieses Urteil die Berufung eingelegt, über die demnächst die Verhandlung beim Kreisgericht in Przemysl stattfiudeu lvird. Dem Gendarmen Stec aber ist bis hente kein Haar gekrümmt worden. Tyvliair. Am 10. d. M. fand hier, einer Einladung des um die Verbreitung der zionistischen Idee wohlverdienten Malzfabrikanten Herrn Samuel Diamant Folge leistend, die erste Versammlung des neu zu gründenden, die zionistischen Ziele propagierenden Vereineunter ziemlicher Beteiligung statt. Nach der beifällig aufgenommenen Eröffnungsrede des Herrn Diamant, welcher in kurzen Worten die Bedeutung des Vereines klarlegte und einer aufmuntern den Rede Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Stein, erstattete Herr Lehrer R e i ch e n t h a l unter stürmischem Beifall da- Referat, in kräftigen, hinreißenden Worten die triste Lage der osteuropäischen Juden schildernd. An der Diskussion beteiligten sich auch einige jüdische Studenten, welche aus ungarischen patriotischen Motiven die Kreierung eines solchen Vereines für unzweckmäßig und schädlich erachten. Dieser Zwischenfall animierte Herrn Reichenthal zu einer zündenden Replik, unter deren gewaltigem Eindrücke auch die Gegner die Waffen streckte» und der größte Teil der Anwesenden seinen Beitritt zum Vereine sofort beim Vorsitzenden anmeldete. ES wurde einstimmig beschlossen, die Gründung des Vereines unverzüglich durchzuführen und findet schon demnächst die konstituierende erste Vollversammlung statt. Die Mischehe» in Ungarn. Im Monate Märk l. I. wurden in Ungarn zwischen Juden und Christen insgesamt dreißig Ehen geschlossen, wiervon marin zwanzig Fällen der Bräutigam Jude, in zehn Fällen die Braut Jüdin. * AttOis«d Berlin. Auf der hiesigen Börse kam binnen zweier Stunden ein Betrag von 400 000 Mark zusammen. Berlin. Die von zionistischer Seite einberusene Versammlung über die Kischinewer Exzesse gestaltete sich zu einer großartigen Kundgebung. Der Redner des Abends Herr Dr. Klee übertraf sich selbst. Er sagte unter anderem: „Als vor einiger Zeit ein berühmter dänischer Schriftsteller (Georg Brandes) über die armenischen Greuel in einem hiesigen Stildentenverein sprach, mußten einige Damen in Ohnmacht hinausgetragen werden. Ich verlange von Ihnen, jüdische Frauen und Mädchen, daß Sie mehr Standhaftigkeit und Mut besitzen cmzuhören, wenn ich Ihnen die Greuel, die an unseren Brüdern und Schwestern verübt worden,'erzähle." Die Versammlung hatte ungeheuren Erfolg. 3000 Mark wurden sofort gesammmelt. Und lange nach Mitternacht standen noch diskutierende Gruppen auf den Straßen und vor dem Handwerkersaal, die ihrer Erregung nicht Herr werden konnten M. N. Schächtverbot in Finnland. Der Tierschutzverein in Finnland hat bei dem dortigen Senate eine Eingabe des Inhaltes eingebracht, daß in ganz Finnland das rituelle Schächten verboten werde. Der Senat hat nun tatsächlich das Verbot gegen das rituelle Schächten erlassen. Die Juden Finnlands rechnen jedoch darauf, daß die russische Regierung, welche, wie bekannt, jetzt in Finnland neue Gesetze einführt, dieses Verbot aufhebenwerde. Minister von Wehner. Es sei an dieser Stelle aus der „Neuen freien Volkszeitung" (Nr. 81), einem Münchener Bauerublatt, folgende Stelle herangezogen: „Ganz rassenren: ist der neue .Kultusminister v. Wehner doch nicht, in seinen Adern rollt Makkabäerblut, denn sein Urgroßvater war ein echter Israelite, der auf den Namen Wiener ging. Wie schon so viele Israeliten ließ sich derselbe taufen, er wurde geadelt und der Name dann in von Wehner umgemodelt, was heutzutage auch noch vielfach passiert. Wir haben ja in Oesterreich einen „getauften Kohn", der es sogar gu einem Fürstbischof brachte. Auch Bayern hat solche Beispiele. Wir wolle:: nur den Domkapitular und Landtagsabgeordneten Dr. Zimmern in Speyer nennen, dieser kam in seinem 28. Lebensjahre zur Einsicht, daß die israelitische Religion nicht die richtige sei, ließ sich taufen und hat es kaum bereut, dies getan zu haben." Das Zentrnms-Hauptblatt, die „Augsburger Postzeitung", druckte diesen Absatz am 11. März ab, leugnete die Behauptung bezüglich des Domkapitulars Zimmer:: — der jedoch immerhin Sohn eines israelitischen Bankiers in Mannheim ist — ab, bestreite: sie jedoch nicht in Betreff des.Kultusministers, gegen den sich damit also schon die Verdachtsgründe gemehrt haben. Der Lord Mayor von London Sir Marens Samuel, hat, wie der „Jndopendance Beige" aus London gemeldet wird, die Einladung der Munizipalität von Petersburg, der Feier der 200jährigen Gründung der Hauptstadt durch Peter den Großen beizuwohnen, abgelehnt. Als Grund der Ablehnung wird der Eindruck bezeichnet, den die bedauerliche antisemitische Hetze von Kischenew und die Politik der russischen Negierung gegenüber dem liberalem und protestantischen Finnland in der City hervorgerufen haben. Kischenew und Rumänien. Mit einem gewissen Schein von Berechtigung weist die „Russische Pr-.sse" darauf hin, daß die Mörder von Kischenew eigentlich gar keine Russen, sondern Griechen, Bulgaren und hauptsächlich Rumänen waren. Das läßt nun einige verwandte Geister in Rumänien nicht ruhen. Ueberall in Rumänien wird gehetzt, daselbst Judenverfolgungen zu veranstalten. Minister L a s c a r versucht durch strenge Maßregeln es zu verhindern, da Rumänien heute mehr als je auf die Welt angewiesen ist. Gleichzeitig aber läßt Lascar in seinen Organen erklären, daß er gleich dem Minister B r a t i a n n auf dem Standpunkt stehe, die Juden durch administrative Maßregeln aus dem Lande zu treiben. Eine interessante Ehescheidung. Ans Paris wird geineldei: Vor der vierten Kannner des Zivilgerichtes begann a»: 18. April ein Ehescheidungs-Prozeß, in tvelchein das österreichische Eherecht in Betracht kan:. Die Ehelente Mosticker, beide Teile österreichische Untertanen jüdischer Konfession, erscheinen vor dem Tribunal. Frau Mosticker klagt ans Scheidung; ihr Gatte widersetzt sich dem Verlangen und beantragt durch den Anwalt Bacr die Abweisung der Klage, da nach dem österreichischen Gesetze eine jüdische Ehe nur ans Verlangen des Gatten geschieden werden kann und der Gatte der Frau den bom rabbinischen Recht vorgeschriebenen Scheidungsbrief überreichen muß. Der Anwalt der Frau, Henri Coulon, wendete ein: „Wir (die Eheleute Mosticker) sind der Abstammung nach Israeliten, aber niemals haben wir den jüdischen Glauben ausgcübt. Ja, unsere Ehe wurde nur zivil geschlossen, ohne Intervention des Rabbiners." Das Gericht erkannte den Standpunkt der Frau als begründet an, und die Klage ans Ehescheidung gelangt demnächst zur Verhandlung. In den Ehescheidnngsgründen erklärt das Gericht, daß das bloße Faktum der Geburt in einer Religion keinen Einfluß ans die offiziellen Akte im Leben einer Person haben könnte, wenn diese Akte nicht selbst als Bekräftigung der Gläubigkeit erscheinen. Da das Ehepaar Mosticker lediglich eine Zivilehe geschlossen, hat es auf das mosaische Erbrecht verzichtet, und eine solche Ehe kann nur' nach staatlichen Rechtsgrundsätzen beurteilt jverden. Professor Sellins neueste Grabungen in Palästina. Durch die Munifizenz der Herren Anton Dreher, Arthur Krupp, Philipp und Paul v. Schoeller ist es Professor Sellin ermöglicht worden, eine zweite Expedition nach Palästina zu unternehmen, um seine im vorigen Jahre mit den Mitteln der Wiicner Akademie der Wissenschaften und des Unterrichtsministeriums dnrchgeführtei: Forschungen, deren Ergebnis bekanntlich' so großes wissenschaftliches Interesse erregten, sortsehen zu können, lieber die bisherigen Erfolge erstattet nun Professor Sellin den folgenden vorläufigen Bericht: Schon am Tage nach der Ankunft in Beirut konnte Professor Sellin dank der eifrigen Intervention unseres Generalkonsuls Grafen Khevenhüller, sich in Begleitung eines Regierungskommissärs nach der Forschnngsstätte begeben. Die Iesreel-Ebene stand infolge des Spätccgens völlig unter Wasser, so.daß die drei Pferde des Lastwagens ertranken. Die Fellachen drängten sich bei der durch die Cholera herrschenden Verarmung scharenweise zur Arbeit, es konnten daher gleich zweihundert Arbeitskräfte gemietet werden. Es wurde eine ganze Reihe bon Pribathäusern freigelegt mit einer Fülle von Einzelfnndcn. Darunter sind Oel- und auch Weinpressen, Mörser, Gewichte, Tongeräte mit neue,: Formen und Mistern, Steinwerkzcnge, Waffen ans Bronze und Knvfer, Schmiickgcgcnstände, besonders Perlen und Amulette. Neu und wichtig erscheinen zlvci israelitische Siegel und vor allen: zwei bisher für Palästina ganz unbekannte Typen der Astarte. Auch Trünuner eines Altars, ähnlich den: im vorigen Jahre ansgegrabenen, mit Darstellungen der Cherub:::: wurden gesunden. Ferner wurde auf ein uraltes Mauerwerk gestoßen, zwei Zimmer und eine Zisterne, daran im Anschlüsse ein großes unterirdisches Bauwerk, mit acht Felsplatte:: zngedeckt, eine rechteckige Vorhalle mit acht in die Tiefe führenden Stufen und zwei Höhlen mit ansgehauenen Türeingängen. Professor Sellin vermutete ein kaiiyanitisches Mausoleum, erklärt jedoch, daß die Bedeutung dieses Baues noch rätselhaft erscheint. Von größtem Werte erachtet der Forscher jedoch einen Fund, von dem er in einem anderen Bauwerke überrascht wurde. Ans der Zimmermauer stand eine große viereckige Kiste, 08 Zentimeter hoch, 60 Zentimeter breit, ans 4 Zentimeter dickem Ton, nicht weit davon zwei Tontafeln, beide mit Keilschrift bedeckt, wie sie im alten Palästina gebräuchlich war. Eine zweite, größere Tafel mit Keilschrift lag in einer zerbrochenen SchüffeH und daneben ein reizender kleiner Krug aus Alabaster. Profeyo'x Sellii: erklärt,, daß er die Tafeln zur Entzifferung der kaiserlichen Akademie in Wien übcrbringen tvcrde, doch kann jetzt schon behauptet^ werden, daß diese Tafeln eine hervorragende Bedeutung haben für die Geschichte Palästinas vor ::nd während des Eindringens der Hebräer. Bisher ist nur ein einziger derartiger Fund gemacht worden, aber stark beschädigt, die mm gefundenen sind fast tadellos erhalten. Professor Sellin hat jetzt eine kurze Reise tiefer in das Innere des Landes angetreten, um die richtigen Plätze für künftige Grabungen zu erkunden. Die hervorragendsten Staatsmänner und Maeene in früheren Jahrhunderten. Bon Dr. M. H. Friedländer, Wien, 1903. Druck und Verlag von Moriz W a i z n e r und Sohn. Politisch-anthropologische Revue. Monatsschrift für das soziale und geistige Leben der Völker. Maiheft. Thüringische Verlagsanstalt, Eisenach. Krankerr-Unterftützrmgs Verein „Liwias Chen". II., Obere Donaustraße 89. D2K"! ,ta::wpjn awn E2\i jnawmsnwasiK Binr Bpa'ÜSp "I^mm rnpn lJH*VYnnp D'K mix Dirama JKEtrtosKD 3x222x1 “lyrm-i cint6 mx Dijntrws p"is 89 p22X-il2Vwyn n, “PIK “j"I pX taDa'bäj.’n “I31K X' pii'Dcya |jmx — .p-n-Qirrnx pirnrnyL jjn ut pbtLpr'D ptfl-inrby; djwh xn x’ii riatf jjy sp3'v2"3 p222j?n ♦-|b» mm ny am-i pmä. X'n 2-ijn:x onp |Ktj pxp .pnumauK -im ‘*jn mb. pm2ä-O33i22'2'mx23ix-pp3kPp 2in Hilferuf für Kischenew! Seit der Veröffentlichniig unseres ersten Aufrufes sind erschütternde Notrufe ans der durch die unerhörten Greneltaten fast gänzlich ruinierte:: über 40 000 Seelen zählenden jüdischen Gemeinde in Kischenew zu uns gedrungen. — Nach den uns zngegangenen zuverlässigen Nachrichstri haben die planmäßig, infolge einer systciuatische», jndenfeindlichen Verhetzung des Pöbels am Osterfeste unter den Angen der Behörde nnSgeführtei: Morde und Plünderungen eine so schauerliche -Verwüstung angestiftel, daß es einer Hilfsaktion i >: g r o ß e::: M n ß st a b e bedarf, um den Iam- :ner der nnschnldigen Opfer deS Glauben- und Rassenhasses auch nur einigerinaßen zu lindern. Außer den vielen Hunderten von Franc'?: und Kindern, derei: Ernährer in bestialischer Weise niedegeinetzelt oder zu Knüppeln gemacht ivorden sind, sind Tausende voi: Gewerbetreibenden und Geschäftsleuten durch gänzliche Zertrümmerung ihrer Wohnungen, Raub oder Zerstörung ihe Habseligkeiten und Werkzeuge, für lange Zeit:>:it ihren gesamten Fainilien dein furchtbarsten Elende preisgegeben; hungernd und obdachlos r n s e i: sie d a S Mitleid der g e s a ::: t e n, gesittet e:: M e n s ch heit a n. Tie israelitische Allianz zu Wien hat bereits zirka K. 30 000 dem Hilfskomitee in St. Petersburg übersendet, dieser Beitrag ist jedoch nur ivie ein Tröpfelt im Meere und steht einstlveilen weit hinter den Hilfeleistungen zurück, lvelrhe bereits in anderen europäischen Hauptstädten zu -'Gunsten der Unglücklichen anfgeiviesi.ni tvcrden. Jede Gave ist zugleich auch ein Ausdruck der Entrüstung über die barbarische Hetze, die diesen Jammer geschaffen. Wir richten an alle edlen Menschen, insbesondere aber an unsere Glaubensgenossen die dringendste Bitte, durch eine m ö g l i ch st ausgiebige B e te i l i g n n g an unserer Sam m l u ng den Hinterbliebenen der Märtyrer ihr Mitgefühl zu bezeugen und zur Linderung der Not unzähliger Familien beizutragen. Gütige Spenden sind an unser Präsidium Wien, 1. Bez., Weihburggasse 10, zu adressieren. Der Vorstand der Israelitischen Allianz zn Wien. Bis jetzt sind bei der Allianz 40 000 Kronen eingelaufen. W i e::, den 18. Mai 1903. Löbliche Redaktion! Ich wollte heute die Anwesenheit von mehreren jüdischen Advokaten im Gerichtszimmer Nr. 16 des Bezirksgerichtes Neubau dazu benützen, um unter ihnen den Sammelbogen des innerösterreichischcn Distrikts-Komitees des Verbandes Zion als prov. Hilfs- Komitee für die Opfer in Kischinew zirkulieren zn lassen: Der schtvarze Rand und der Fettdruck der Worte: „Man zählt 300 T o t e, Tausende Verwundete, mit einem Schlage, sind 70 000 Menschen obdachlose Bettler geworden. Wir appellieren darum an alle fühlende Herze n", lassen selbst bei oberflächlicher Betrachtung über den Inhalt keinen Zweifel. Unter anderen »vandte ich mich auch an den Hof- und Gerichtsadbokateu Dr. Ludwig Rittersporn um eine Spende fiir Kischinew. Derselbe antlvortete mir: „Was geht mich Kischinclv an!" Ich erwiderte: „Aber die Juden in Kischinew gehen Sie doch an." Er antlvortete: „Was gehen mich die Inden an?" Ich erwiderte: „Das muß angenagelt werden, daß ein Jude, wenn man für Juden sammeln geht, antivortet, daß ihn die Juden nichts äuge he ii." Nach meinem Weggehen begegnete ich ans der Stiege nochmals den Herrn Dr. Rittersporn, welcher nun zu mir sagte: „Sie, ich habe mich geirrt, ich habe geglaubt, daß Sie für Zion sammeln." Dem trat ich jedoch mit den Worten entgegen: „Ein solcher Irrtum ist ausgeschlossen, denn ich habe zn Ihnen ausdrücklich von Jliden in Kischinew gesprochen und Sie haben darauf geanttvortet: „Was gehen mich die Juden an," ich lasse den angeblichen Irrtum nicht gelten und tverde dafür Sorge tragen, daß die Inden-Wähler ebenfalls bon Ihnen nichts mehr werden wissen wollen." Ich bitte die löbliche Redaktion, diesen Vorfall zur Kenntnis zn nehmen und von demselben dann Gebrauch zu machen, wem: es dem Herrn Doktor beifallen sollte, in: öffentliche:: Leben für eine stelle zu kandidieren, bei ivclcher Stimmen von Juden in die Wagschale fallen, in tvelchem Falle Sie sich direkt ans mich als Ge- Ivährsnmm: berufen können, zumal ich mir sofort die Personen, jvelche unser laut geführtes Gespräch gehört haben, angemerkt habe. Achtungsvoll Dr. W. *\V_ **V /'...„l.j ,j..: VA?" 1 Aufruf! An alle fühlenden Herzen! Aus der russischen Stadt Kischenew laufen Berichte über ruchlose Freveltaten ein. Fast eine Woche lang haben fanatische Horden mit Mord und Brand gegen die jüdische Bevölkerung gewütet. Man zählt 300 Tote, Tausende Verwundete. Die Krankenhäuser der Stadt sind überfüllt. Waggonweise muß man die Verletzten in die Spitäler Odessas überführen. Gegen 2,000.000 Rubel beträgt der Wert der sinnlos verwüsteten Habe der Kischenewer Juden. 76.000 Menschen sind mit einem Schlage obdachlose Bettler geworden. Die grauenhaften Einzelheiten der an wehrlosen Weibern und Kindern verübten Schandtaten spotten jeder Beschreibung. Aehnliche Vorgänge, wenn auch in geringerem Umfange, haben sich in unserem eigenem Vaterlande, in dem galizischen Orte Uhnow, ereignet. Rasche ausgiebige Hilfe tut not, um das ungeheuere Elend zu mildern, Wir Unterzeichneten appellieren darum an alle fühlenden Herzen: Gedenket der unglücklichen Opfer mittelalterlicher Barbarei, der Ueberlebenden des Kischenewer Blutbades. Auch die kleinste Spende ist willkommen. Beitrittserklärungen zum provisorischen Hilfskomitee sind erwünscht. Für das provisorische (in Bildung begriffene) Hilfskomitee: Prof. Rudolf Pick, Kassier, I., Jasomirgottstraße 6. Mitteilungen uns dem UrchLikruirr. „Helios", Detektive-Jnstitnt protokolliert! Von dem ehrlichen Bestreben geleitet, das Vertrauen des Publikums in jeder Weise durch gewissenhaften Geschäftsbetrieb zurechtfertigen, wurde nunmehr das hiesige renommierte Detektive-Jnstitnt „Helios" k. k. handelsgerichtlich protokolliert, nachdem dasselbe durch Engagement weiterer tüchtiger Spezialagenten seine Leistungsfähigkeit auf die höchstmöglichste Stufe brachte. Selbstfahrendes Pferd „Vorwärts". Das von der Wiener Firma Linner & Geier. Wien, XVil., Weidmanngasse 29, erfundene und patentierte Pferd „Vorwärts" hat bei der Messe in Leipzig wegen seines praktischen Wertes Aussehen erregt. Hierüber schreibt das Berliner internationale Offertenblatt „Fachblatt für Kurz- und Spielwaren-Jndnstrie" : „Das selbstfahrende Pferd „Vorwärts", bei welchen: bloß durch Schaukeln die Fortbewegung des PferdeS erzeugt wird, verbindet bei völliger Sicherheit hygienische Vorzüge mit angenehmer Unterhaltung für Kinder und hat viel Anklang gefunden. * Keine Strihlverstopfttug mehr! Dem Echt-Nürnberger-Lebkuchen-Fabritäiitei: H. H::ß in Wien, 18. Bezirk, Ladeuburggasse 40, ist es gelungen, einen außerordentlich schmackhafte:: Lebkuchen herziistelleii, durch dessen zeitweiligen Genuß an Stnhlverstopfnilg Leidende, ob Kinder oder Erivachsene, davon sicher und sch»:erzlos befreit tverde». Die Wirkung lvird nicht wie durch Pnrgiermittel ans g e lv a l t s a in e explosive Weise, sondern ans natürlichem, mechanische»: Wege erzielt. Zur Probe werden 1 Dutzend H n ß k n ch e:: um Kronen 3.— per Nachnahme versendet. Ärirslrasten. OMiirffclin. Eine v e r g a n g e n e Bestrafung macht einen n icht nnianglich zur Bekleidung des Amtes. Früheren Brief nicht erhalten.