Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 21 (22.5.1903)
- Date
- 1903-05-22
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 22. Mai 1903 Nr. 21 selbst den Aufruf zu publizieren! Die .Neue Freie Presse" wiederum glaubt, durch ein paar Zeilen Benedik t'scher Philosophie die Aerztebewegunx vernichten zu können. Selbstverständlich wird sie dabei denselben Erfolg haben, wie bei der Vernichtung der antisemitischen Bewegung, die sie seit Jahren — zu ihrer eigenen Zufriedenheit allerdings — betreibt. Sie schreibt: .Die Gründung eines derartigen antisemitischen ärztlichen Standesvereines überrascht nicht, denn sie ist von langer Hand vorbereitet." (Das ist selstverständlich, daß die .Neue Freie Presse" nichts überrascht ist, denn nach den Blamagen, die sie bereits erlebt hat, kann sie keine Blamage mehr überraschen. Wir konstatieren aber, daß die „Neue Freie Presse", sowie die gesamte liberale Presse noch anläßlich der Beratungen über . den sozialärztlichen Reichskongreß' über die antisemitische Aerztebewebung geschwiegen hat, ja sogar die Vereitelung des Kongresses durch die alldeutschen Elemente gelobt hat, im Gegensätze zu unseren damaligen Mitteilungen, die diese Entwickelung voraussagten, im Einklänge allerdings mit der sonstigen Haltung dieser Presse den Alldeutschen gegenüber.) Das edle Blatt fährt dann weiter fort: .Schon lange verrichtet eine Gruppe von Aerzten unrühmliche Minierarbeit, um die Einigkeit in allen Standesfragen zu verhindern und um hauptsächlich den Antiliberalen die führende Rolle in den Aerztekammern zu erobern. Wer die ärztlichen Kreise Oesterreichs kennt, mag über eine derartige herostratische Idee mitleidig lächen (wir lächeln nicht), denn die große Majorität der Aerzte ist freisinnig und liberal" (soweit sie jüdisch ist). Hierauf folgen einige Sätze im Leitartikelstil der „Neuen Freien Presse", die natürlich keinen Hund vom Ofen locken. Köstlich ist es aber, daß dieses edle Blatt, obwohl es anfangs nicht .überrascht" tut, später erklärt, „daß es unbegreiflich (!) sei, daß unter den Unterzeichnern jenes Zwietracht predigenden Aufrufes sich auch bekannte Aerzte, ja einzelne Namen von wissenschaftlichem Rufe befinden." Ja, die .Neue Freie Presse" hat sogar erfahren, daß alle Unterzeichneten gestattet haben, daß ihre Namen in dieser Sache öffentlich genannt werden. Also nicht einmal den Gefallen tun diese antisemitischen Aerzte der .Neuen Freien Presse", daß sie nur geheime Antisemiten sind, nein, sie wollen offene Antisemiten sein. Die .Neue Freie Presse" ist aber so vornehm, ihre Namen nicht zu nennen. Man kann doch von ihr nicht verlangen. daß sie ihre Schoßinder und — Abonnenten öffentlich brandmarkt. Doch genug von dieser traurigen Sippe. Wir wollen nur den Cynismus annageln, mit den die Proponenten des antisemitischen Aerztevereines sich prostituieren. Das Kliquen- und Ringwesen unter den Aerzten, von dem man bisher nur unter den Auguren zu tuscheln wagte, wird öffentlich zum leitenden Prinzipe, zur Hauptaufgabe erhoben! In dem Aufrufe heißt es: Der Verein soll ein national-deutscher sein und stellt sich folgende Hauptaufgabe: „Der Verein wird durch die Einrichtung einer im Rahmendes Vereines besorgten Stellvertretung Vereinsangehöriger Aerzte durch verein sangehörige Aerzte bei zeitweiliger Verhinderung einem dringenden und oft gefühlten Bedürfnisse abhelfen. Eine gegenseitige Unterstützung der Vereinsmitglieder durch Zuweisung von Krankenbehandlung, von Konsilien, von spezialistischer Behandlung, von Operationen, ärztlichen Reisebegleitungen, Zuweisung von kurbedürftigen Kranken an Bade- und Kurärzte, sowie an Aerzte, die in den Sommerfrischen ihre Praxis ausüben, an Heilanstalten u. s. w., kurz, die gegenseitige Unterstützung und Förderung aller Vereinsangehörigen soll eine Hauptaufgabe das Vereines sein." Ein Kommentar ist überflüssig. Angesichts solcher Tatsachen wird man uns zugeben müssen, daß es höchste Zeit ist, den scheinheiligen Tugendhelden, ob sie nun Professoren, Doktoren oder Studenten sind, die Maske vom Gesichte zu reißen und sie als geriebene Geschäftspolitiker, die sie in Wahrheit sind, der Oeffentlichkeit bekannt zu geben. Die Wiener Kultusgemeinde nnd die jüdischen Gewerbetreibenden. Der Vorstand der Wiener Knltnsgemeinde scheint es tatsächlich darauf abgesehen zu haben, gerade diejenigen der Steuerträger, die mit dem Judentum nur lose zusammcuhängen, demselben vollends zu entfremde n. Wir können sonst das Vorgehen des Kultusgemeindevorstandes gerade den jüdischen Gewerbetreibenden gegenüber nicht verstehen. Mit einer geradezu gemeingefährlichen Konsequenz ivird jede Gelegenheit benützt, einem arischen, und wenn nur irgendwie möglich, einem antisemitischen Lieferanten oder Gewerbetreibenden vor den jüdischen den Vorzug zu geben, und cmf diese Weise der ebenso unqualifizierbaren wie ungerechtfertigten Verleumdung der jüdischen Gewerbetreibenden, das; ihre Leistungsfähigkeit nicht auf der Höhe der Zeit stehe, die israelitische kultusrätliche Sanktion zu erteilen. Dem in der Seitenstettengasse herrschenden altliberalen Geiste haben wir es zu verdanken, das; die Klasse der intelligenteren Gewerbetreibenden nur dann an das Judentum erinnert wird, wenn sie bei irgendeiner Gelegenheit ihren Geburtsschein hervorholcu mutz. Wenn nun solchermatzen dem Judentum shstematisch entzogene Gruppen bei dem offiziellen Judentum selbst keineBerücksichtigung finden, wenn sie sogar von ihren eigenen llnglaubeusgcnosscn boykottiert werden, dann allerdings, aber nur dann ist es erklärlich, wenn der lockere Faden, der diese Gesellschaftsklasse mit den: Judentum verbindet, entzwei reitzt. Jawohl, Herr Vizepräsident, cs gibt noch Märtyrer im Judentum! Diese haben aber ihre besteZeit nicht tnJhrer altliberalenSchule zugebracht, diese jüdischen Helden haben nicht in der politischen Stickluft leben müssen, die in Ihrem Bannkreise jede sclbstbewutzte Regung tötet. Die jüdischen Gewerbetreibenden kommen im grotzen ganzen selten in die Lage, von der Knltnsgemeinde ein Aeqnivalent für die nicht allzu niedrig bemessene Knltnssteuer in Empfang zu nehmen. Die Synagogen können sie ja kaum besuchen, und was sollte sie auch besonders dahinziehen? Wohlfahrtseinrichtungen hat die Gemeinde so gut!vie gar keine, oder keine nennenswerten; die Kultusvorsteher fühlen sich im Privqtleben nicht verpflichtet, den gerechten Wünschen der jüdischen <!<!^wMbetrewenden Rechnung zu tragen, so bliebe noch die einzige Gelegenheit, wenn die Kultusgemeinde als Arbeitgeberin auftritt. In solchen Fällen betrachten es die jüdischen Gewerbetreibenden als selbswerständliche Sache, datz bei solchen Arbeiten ausschlietzlich Indem Berücksichtigung finden werden. Llbcr weit gefehltI Derselbe Kultusvorstcher, der sich in seinem Privatleben von seinen Pflichten als Kultusvorsteher nicht beeinflussen lätzt, lätzt in seiner Funktion als Kultusvorsteher die Ansichten des Privatmannes zur Geltung kommen, und es geschieht tatsächlich das, was geschehen würde, wenn der Herr Kultusvorsteher als Privatmann eine Arbeit zu vergeben hätte: der Jude wird übergangen und der Arier, jedoch t u u l i ch st ein u r - t e u t s ch e r Antisemit, der t a ri s e n d e r l e i E r w e r b sg e l e g e n h c i t e n hat, w i r d bevorzugt. Im Leopoldstädter Tempel, dessen Renovierung wir bekanntgegeben, sollte auch die elektrische Anlage rekonstruiert werden. Die Arbeit tvurde nicht, wie üblich, durch öffentliche Offertausschreibung vergeben; man lvandte sich vielmehr au die Finna Eger u. Co.,! tvelchc seinerzeit die elektrische Anlage im Leopoldstädter Tempel hergestellt hat. Erst nachdem diese Firma erklärt hat, das; sic selbst solche Arbeiten überhaupt nicht mehr mache, mutzte sich der Kultusvorstand zu einer — engeren Konkurrenz bequemen, zu welcher ztvei jüdische und eine — antisemitische Firma eingeladen wurden. Die j jüdischen Firmen bestrebten sich, dem Wunsche der Knltnsgemeinde nach jeder Richtung cntgegenzukommen. Aber siehe da, die antij semitische Firma Salzern. T h i c, die £tcfcrmitiu der Kommune Wien, lvar uin 7b Prozent billiger als der billigste jüdische Offerent und m ntzte natürlich die Arbeit erhalten. Sollte cs sich also bestätigt haben, das; der jüdische Gewerbe-! treibende so sehr rückständig ist, datz er mit den arischen Gewerbej treibenden die Konkurrenz nicht anfznnehmcn vermag, oder, was noch schlimmer tväre, datz der jüdische Getverbetreibcnde so unreell sei und den Knltusvorstand um 75 Prozent übervorteileu tvollte, und der Vorstand demnach g e z w u n g e n war, mit blutendem Herzen dem Antisemiten die Arbeit zuzuführen? Gemach, lieber Steuerträger und Knltnswählcrl Allerdings sind wir wenigstens schon so >veit, datz man sich nicht getraut, eine offiziell jüdische Arbeit einfach mit Umgehung der Formalien einenr Arier zuzuweudcn, aber, „tvo j Gedanken fehlen, stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein". Und dieses Wort tvar diesmal „Rekonstruktion". Die Arbeit betraf nämlich die „Rekonstruktion" der elektrischen Anlage im Leopoldstädter Tempel. Während nun ganz merkwürdigertveise alle jüdischen Kompetenten ihre Kostenanschläge für eine ganz neue Anlage berechneten, tv u tz t e cs der antisemitische Bewerber, datz j blotz eine Adaptierung, eine Ausbesserung der bestehenden Anlage gewünscht tvird und hat natürlich für die um mehr als 7b Prozent geringere Arbeit einen ruu 76 Prozent geringeren Preis gefordert. Anstatt nun, tvie es die Anfangsgrüude des kaufmännischen Anstandes erheischt hätten, die jüdischen Belverber zu befrageil, ob sie die von der Firma Salzer ins Auge gefatzte Arbeit auch um diesen, oder vielleicht noch geringeren Preis herzlistellen in der Lage seien, wurde die Arbeit ohne weiteres der antisemitischen Firma zugesprochen, „tv eil sie um 75 P roz e u t b i l l ige r war". Ihn aber auch den Schein der Parteilichkeit uild der Voreiilgenonunenheit gegen jüdische Gewerbetreibende von sich abzuwälzen, hat der Kultusvorstaild wohl eilten jüdischen Sachverständigen zur Beurteilung der eingelaufenen Offerte gewählt? Gott bewahre I Da hätte man ja dem Vorstande der israelitischcil Kultusgemeinde den Vorwurf gemacht, datz er ganz verjudet sei und die Juden bevorzuge. Man betraute vielmehr mit dem in diesem Falle wichtigsten Amte den getauften Ingenieur B loemendal (lies Blumenthal) von der Firma Egger. Und dieser Renegat hat sich wahrscheinlich nicht nur deshalb für den von seiner Firma zur Konkurrenz vorgeschlageilen antisemitischen Bewerber ausgesprochen, weil sie seiilem Renegatenherzen näherstand als die jüdischen, sondern auch, iveil seine Finna von jedem, der auf ihren Vorschlag eine Arbeit bekommt, eine entsprechende Provision erhält. Also zumindest um diese Provision hätteil die jüdischen Bewerber billiger sein 8 können, als ihr glücklicher Rivale, der sich nunmehr bei.christlichen I Unternehmungen auf seinen Protektor Dr. Lueger und bei nochjüdischcn Anstalten auf die Protektion des Banrates T a u s s i g und des Gesamtvorstandes der israelitischen Kultusgemeinde wird berufen können. Woher dann jüdische Arbeiter die Arbeit, den Lebensunterhalt und die Kultussteuer nehmen sollen? Nun denn, sagte denn nicht der Vizepräsident der Kultusgemeinde, das; niemand zum Märtyrer geboren sei, und wenn jemand im Judentum uicht fortkomme, so trachtet er, a u s dem Judeutrlme fortzukommen. Wir aber sagen, lvenn, wie Herr Kultusvorsteher Gottlieb T a u s s i g behauptet, die jüdischeu Gewerbetreibeuden noch manches zu lernen haben, so ist es unserer Ansicht nur die Tatsache, das; das Judentum nicht «durch den jetzigen Kultusvorstand verkörpert ivird und der jüdische Gewerbestand, diese kräftige und für das Judentum so wichtige Mittelklasse, wenn er durch den Kultnsborstand Ist uns Juden überhaupt noch zu helfe»? (Eine weltliche Predigt.) Das Judentum ist schwerkrank, warum es leugnen? Wie immer bei chronischen Leiden, dringen auder Krankenstube oft sich geradezu widersprechende Berichte in die Oeffentlichkeit. je nachdem die Symptome für oder gegen die Genesung zeugen. Man hat viele Aerzte berufen, manche haben sich, nachdem es sich um einen „interessanten" Fall handelt, selber mit Eifer angeboren. Die „Alten" versuchten, da ihrer Meinung nach das Leiden unheilbar war, mit Hinweis auf Gott, also suggestiv zu wirken, oder vom Kranken ein Ergeben in das unvermeidliche Geschick zu verlangen, eine Methode, die auf alle Fälle die Billigkeit für sich hat. Man bekam mit der Zeit diese zöpfischen Alten ohne Zopf recht satt, und war endlich geneigter, die Heilkünstler zu befragen, die im besten Mannesalter standen. Diese glaubten das Heil in der Lebensweise, in der Diät zu finden. Also, keine Aufregungen, wenig oder gar nicht sprechen, selten ausgehen und recht bescheiden leben. Alle diese Versuche halfen jedoch nicht, das Leiden war nicht zu verscheuchen und so siecht der Kranke dahin, zu stark, um zu sterben, zu schwach, um zu leben. In Momenten des Alleinseins beginnt nun der Patient zu reflektieren: „Ist mir überhaupt noch zu helfen?" Ich habe gerade genug von all diesen Aerzten. weder Greise noch die Männer taugen etwas, ich habe es satt, meinen Körper zu ihren Experimenten herzugeben, die sie bis zur Vivisektion treiben. Wie wäre es, wenn ich, mich über Symptome hinwegsetzend, meine Lebensweise so einrichten würde, wie es meinen Neigungen und Gewohnheiten frommt; ich will alles vermeiden, was mir schaden und alles tun, was mir Ruhe, Glück und Lebensmut schaffen könnte. Der Kranke ist demnach sein eigener Arzt geworden, und wenn auch für den Augenblick sein Lebensmut gehoben ist, so ist dies allein schon der halbe Erfolg, mag auch die Gefahr drohen. Jetzt lebt er noch, und es wäre Torheit, immer an das Ende zu deuken. Der Schreiber dieser Zeilen ist nicht der erste, der dieses Heilmittel gefunden und empfohlen hat, es kann jedoch nicht schaden, es so oft und eindringlich als möglich anzupreisen. Wenn es ein Mittel gibt, unsere Lage zu verbessern, so kann es nur der feste Wille, das gehobene Selb st ge fühl sein, das uns, wenn auch nicht zum sicheren Siege führt, gewiß aber uns möglich macht, den Kampf in Ehren aufzunehmen gegen die ganze Linie unserer Angreifer, vom Raffenantisemiten bis zum Täufling, der uns im Rücken bedroht. Alle verbrauchten Heilmittel, Demut, Versöhnlichkeit, Urbanität, Freisinn,. Sozialdemokratie, sie alle haben versagt, das Leiden ist chronisch geworden, um anders, als aus sich selbst heraus kuriert zu werden. Das Judentum muß aufhören, ein Durchhaus zu sein, in das man als Kind tappend eintritt, um es bereichert durch seine Insassen, bei dem anderen Tore als geadelter, neugebackener Christ zu verlassen. Bitte höflichst, den Binkel mitzunehmen, den Sie uns aufhalsen möchten, meine Herren! Die getauften Großhändler und Fabrikanten, haben all ihr Geld den kleinen jüdischen Provinzkaufleuten zu danken, den armen Juden draußen in Galizien, Böhmen und Ungarn, denen man die Häuser anzündet und die Läden ausraubt. So manchem getauften Arzte gelingt es, durch meisterhafte Wiedergabe polnischjüdischer Witze seine jüdischen Klienten über seine defekte Gesinnung hinwegzutäuschen. Denn ein Täufling ist kein Jnde, ein halber Christ, ein halber Charakter, ein halber Mensch. Jede Halbheit ist zu meiden, sowohl im geschäftlichen als auch im gesellschaftlichen Leben, wer demnach in Tat und Gesinnung nicht mit uns ist, ist gegen uns. Selbst die diskreditierten Verteidiger de seligen Liberalismus, die Herren Zeitungsredakteure erinnern sich nur ungerne daran, daß sie ihren ersten Wissensdurst oft im „Cheder" löschten; denn aus so manchem Saulus ist ein Paulus geworden. Nehmen wir mit Energieden Besen in die Hand, um diese feile Bande aus unserem geschäftlichen und sozialen Verkehr zu entfernen, im Grunde sind es doch nur Leute, die ihre häßliche Prozedur nur mit dem Worte „les affaires sont les affaires“ (Geschäft ist Geschäft) motivieren können. Es gibt achtbare jüdische Kaufleute und Aerzte genug, die wir brauchen und die uns brauchen, es ist besser, sie aufzusuchen. als mit sauer erworbenem jüdischem Gelde diejenigen zu nähren, denen wir gerade gut genug waren, insolange sie uns brauchten. Zeigen wir uns stark in der Bemeisterung unserer eigenen Fehler, runden und stärken wir unseren Charakter. Wenden wir uns nun ab von dieser ekelhaften Seile der Frage und fassen wir genau ins Auge, gegen wen wir a n k ä m p f e n. Man hat von verschiedenen Seiten behauptet, daß wir nationale Juden Umstürzler seien und daß wir es bloß auf die Bekämpfung des Großkapitals abgesehen haben. Es bedarf keiner weiteren Versicherung, daß wir den Prinzipienstreit als rein häusliche Angelegenheit betrachten und in der gerechten Abwehr an der Seite eines jeden Juden zu finden sein werden, sei er nun reich oder arm. Also dieser Einwand verfängt nicht. Unter Großkapital verstehen wir bloß dasjenige, das sich seit Jahrzehnten in der jüdischen Kulturverwaltung breit macht und in dem Wahne lebt, über das Judentum zur Herrschaft berufen zu sein. Man müßte sich mit Schaudern an den Kopf greifen bei dem Gedanken, was denn mit der Wiener Judenschaft geschehen wäre, wenn die Vorstandsmitglieder X. N und Z seinerzeit ihren Kattun mit Verlust verkauft, an der Börse oder bei Eisenbahnbauten ein vernichtendes Fiasko erllitten hätten? Wäre es in Wirklichkeit um uns