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Jüdisches Volksblatt · 1903-05-22 · 21 (22.5.1903) · page 1

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
21 (22.5.1903)
Date
1903-05-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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e Ardsrllon: n/8. LropoldsgaM 49. Sr>rrSft««»e»r Sn ivvqrntage« von 4 btt 6 Uhr nachmMagr. A«»tf»eS «-«Sdlatt» «ie», li a Vsschwerde« »egen öerftoäteltt oder gar nicht erfolgter Zustellung erbMen »Ir rn« dringend. - Mmnlferwl« Herde» «t«tzt zmMgeftellt. Postfparrasten'Lont» -47017. In da» Abonnement kann man täglich eintreten. ErslhM leiten Freitag rmtrr MUWtrKrmg der vom Milchen Volks- Verein erwählte» PrefsromMifston. Mmitc übernehmen die Firmen: I. Danneberg, M. DukeS, Haafen» Sein S Vogler, Rudolf Moffe, ft. vppeltl, M. Pozfonyi, A. Schale! in Men, ferner alle Snaoneen-Expeditionm im Ausland e. Winzer-Nmerwer im Wie« I« Heller. Adminillratton; n/3. Leopoldsgastr 49. Lelephorr-Nr. 14782 Blbounementspreiö r Telephon.Nr. 11723 Für «tea ■« Vesterretch-Ungar» lammt Francozustellung. Sanzjährig Halbjährig . vierteljährig. . Kr. 8.- - £:= Für bas gelammte Ausland sammt Francozustellung. Ganzjährig . Halbjährig . Vierteljährig Kr. 0- , 4.50 l 8* 5 Ur. 31 Mir«. 33. Mai 1903 (3S. Jjar 5663). V. Jahrgang. Der alldeutsche Akademiker im Lichte der Wahrheit. Armes Oesterreich! Wenn nicht endlich dieser erbärmlichen Heuchelei und Charakterlosigkeit die Maske vom Gesichte gerissen wird. (Aus dem Protokolle des österreichischen Abgeordnetenhauses vom 15. Mai 1903.) In dem bunten Wechsel der Ereignisse vergessen wir nicht von Zeit zu Zeit das jüdische Volk und insbesondere die jüdische Studentenschaft an jene Verrufserklärung zu erinnern, die die österreichischen deutschen Burschenschaften und der Waidhofener Verband der wehrhaften Vereine mutwilligerweise vor fünf Jahren über die jüdische Studentenschaft verhängte. Dieser Beschluß kam durch die Umtriebe einiger feiger Rädelsführer zustande, die im Trüben fischen wollten. Damit entschuldigten sich auch öfters die anständigen Elemente innerhalb der deutschen Studentenschaft. Da aber diese Erkenntnis nicht so weit ging, den Beschluß selbst umzustoßen, so ist es notwendig, den Charakter der deutsch-radikalen Studentenschaft einmal etwas näher zu beleuchten. Wir sind dabei so objektiv, einer Charakteristik aus antisemitischem Munde den Vortritt zu lassen. Der Abgeordnete Dr. Weißkirchner sagte über seine Brüder in Christo und Antisemitismus folgendes: In Deutschland gibt es 6000 Studenten in 144 Korporationen, welche auf dem Standpunkt des Nichtschlagens stehen und trotzdem Schläger, Mütze und Band ohne die mindeste Anfechtung seitens der deutschen Verbindungen tragen. Dies rühre daher, daß die deutschen Studenten im Reiche draußen nicht auf jenen Tiefstand der Bildung gelangt sind, den heute der Abg. Berger in unflätigen Schimpfereien betätigt hat. Der Herr Abg. Wolf hat in seiner Interpellation den Ausdruck gebraucht, daß die klerikalen Studentenverbindungen von der Klerisei erhalten, werden. Lieber Herr Abg. Wolf, wie kann man einen solchen Unsinn sagen? Wir müssen diese Behauptung mit aller Entschiedenheit Zurückweisen. Ich werde Ihnen eine Geschichte erzählen, von einer radikalnationalen Verbindung, welche der Gefolgschaft Wolfs angehört. Die Verbindung „Ostmark" ist ins Stift Seitenstetten gezogen, und hat sich dort als katholische Verbindung ausgegebcn, um sich von der Klerisei einige Tage erhalten zu lassen. (Lebhafte Hört! Hört-Rufe bei den Christlichsozialen.) Erst als die Chorherren auf diesen Schwindel gekommen sind, wurde die „Ostmark" vom Stiftspförtner hinausbefördcrt. In der letzten Zeit hat sich in mehreren Zeitungen die Behauptung gefunden, daß die katholische Verbindung „Norica" ihre Füchse atls dem Studentenunterstützungshciin beziehe. Von den 25 Füchsender „Norica" ist kein einziger im Studentennnterstützuugsheim. Richtig ist aber, daß sich vielleicht 60 oder n o eh m ehr d e u t s eh r a d i k a l c Studenten dort befinden. (Hörtl Hört! bei den Christlichsozialeu.) Unendlich schäbiger ist das Vorgehen gewisser deutscher Couleurstudenten, wenn sie sich in. den Besitz von S t i - ■«Hl Feuilleton Rumänien — ade! Amalien zu eigen. Wild rast der stampfende Dampfkoloß, Als wollt' er sich selber entrinnen. Bei stärkerem Schienenbiegungsstoß Erschauern die Kinder drinnen, Die Sonnenglut dringt durch die eiserne Wand, Dunstwirbelnd schwingt Schwülstaub im Reigen, Auf Lippen und Lungen sinkt dürstender Brand — Die Kinder verschmachten und schweigen. — Mein Weib sitzt kraftlos da und geknickt, Wie Ziegel die Wangen sich röten. . . Mein erster Sohn eine Träne zerdrückt, Mein greiser Vater will beten.- Der Zug rumort. Nur fort! Nur fort! Nur fort vom Lande der Plagen! — Elend harrt unser an jedem Ort, Doch jenes war nicht zu tragen ... Der Weg ist weit. Von Zeit zu Zeit Müssen wir ruhen und rasten. Die Brüder lindern unser Leid Und lassen uns weiter hasten. Doch denkt mit Rührung unser Dank, Wie sie uns menschlich empfingen pendieu des 2 k. G r e g o r i u s - V e r e i u e s zu setzen wußten. Diese sehr ehrenwerten Jünglinge schreien „Los von Rom" in den Versammlungen, gehen aber mit frommen Mienen in die Skiftnngsmesse, als ob sie die besten Katholiken wären. Eine solche Charakterlosigkeit verdient öffentlich gekennzeichnet zu werden. Es überfällt einem Traurig keit bei dem Gedanke u, daß diese künftig österreichischen Richter, politische Beamte und Lehrer fein sollen. A rmes O e st c r r e i ch, wenn nicht endlich dieser erbärmlichen. Heuchelei u u b Charakterlosigkeit d i e Maske vom Gesicht gerissen w i r d l Die Mitglieder der deutschradikalen Verbindungen haben sich nach den Februarkrawallen an der Technik dem Rektor .gegenüber ehrenwörtlich verpflichtet, sich jeder Provokation zu enthalten. Als aber das erstemal ein Noricaner wieder in der Aula erschien, prügelten sie ihn trotz des deutschen Ehrenivortes zur Aula hinaus. Man kann allerdings von einer Gefolgschaft nichts anderes erwarten:, als von ihren Herren und Meistern. (Zustimmung.) Es wäre zu solchen Störungen der Ruhe nicht gekommen, hätte der Senat jederzeit seine Pflicht getan. Als der Unterrichtsminister eine Interpellation des Abg. Dr. Geßmann über die Stellung der Studenten beantwortet hatte, begab sich eine Abordnung der katholischen Studenten znm Rektor Gussenbaner, um aus dieser Jnterpcllationsbeantlvortung die Konsequenzen zu ziehen. Rektor Gnssenbauer erwiderte, die Aeußerung des Ministers im Parlament sei eine private Meinung des Ministers, um die er sieh nicht weiter zu kümmern habe. (Hörtl Hört-Rufe.) Das ist ein schlagender Beweis für die Macht des Unterrichtsministers gegenüber der Universität. ES ist bezeichnend, daß die akademischen Behörden vollständig versagen, nicht nur, wo die körperliche Sicherheit einer kleinen Minderheit der Studenten bedroht ist, sondern auch, wenn Beschädigungen des Eigentums Vorkommen. In den letzten Tagen wurden an der Technik den katholischen Studenten ihre Arbeiten im chemischen Laboratorimu zerstört (Hört! Hört-Rnfe), ihre Zeichenblätter wurden beschädigt, ihre Zeichenpapiere zerrissen. Hat denn der akademische Senat nicht mehr so viel M.chr, um direkt unter das Strafgesetz fallende Handlungen zu Verhindern? Abg. Foerg: Er will eben nicht! Abg. Dr- Weiskirchner: Das ist eben die Feigheit dieser Herren, daß sie sich vor den radikalnationalen Studenten fürchten! Beschämend ist cs, daß der Rektor und die Dekane eine halbe Stunde lang vom Fenster ans den Tumulten zusahen und nichts taten, um ihnen Einhalt zu tun. Nicht nur unter den Studenten, sondern auch unter den Professoren sollte Ordnung gemacht werden. Er kommt auf den jüngsten Erlaß des Prorektors Schipper zu sprechen, in welchem die Studenten davor gewarnt werden, sich im Schlepptau politischer Parteien durch unziemliches Benehmen die Mißbilligung nicht nur der akademischen Behörden, sondern auch der Majorität der Studentenschaft und in weiteren Kreisen der Bevölkerung zuzuzichcn. Das kann sich keine Partei gefallen lassen. Unsere Pflicht ist es, uns nicht nur der Bürger, die uns gewählt haben, anzunehmen, sondern auch der akademischen Bürger, und das lassen wir uns auch von einem Prorektor nicht verbieten. Der Katholikentag bedurfte keines derartigen Reliefs. Es muß die Insinuation, die in diesen Worten des Abg. Berger gelegen ist, mit aller Entschiedenheit znrückgewiesen werden. Vielleicht haben die von preußischem Gelde besoldeten „Los von Rom"-Brüder eine Auffrischung ihrer Popularität gebraucht, nachdem die Geschichte ja nicht so glänzend vor sich geht. (Hört! Hört-Rufe.) Die Frage, die das Parlament gegenwärtig beschäftigt, ist keine Wiener Frage, sondern eine eminent österreichische Frage, lveil alle ein Interesse daran haben, daß die Hochschule'n tvirklich Stätten der Wissenschaft, nicht aber der Brutalität und gemeinsten Roheit sind. Und sorgten mit Lager, Speis' und Trank, Daß wir nicht untergingen. — Ein Pfiff, ein Ruck! Bald hält der Zug. Die letzten Scheiben erklirren. So rasch aus dem Käfig geht Vogelflug, Wie jetzt wir entstürzen den Türen. — Geduldig, ihr Lieben, in Reih' und Glied Durch feindliche Menschenwogen! Die Brüder — viel Lohn ihrem guten Gemüt — Dort stehen sie und sind uns gewogen. Denn seht, kaum wurden sie unser gewahr, Seht, wie zu Hilfe sie eilen! Doch weshalb mit Wachen und Waffen? . .. Fürwahr Sie kommen und keifen und keilen: .Gesindel zurück!" — Ja, hören wir recht? Zurück?!. .. Verrat und Verbrechen! Wären die eigenen Brüder so schlecht? Und wird es der Himmel nicht rächen?. . . Nicht stoßen! Nicht stoßen! Wir gehen ja schon. Wenn wir die Kräfte nur hätten! Ach, reg' dich nicht auf, sei still mein Sohn! Sie haben auch Klappen und Ketten. Du hörst doch : wir schleppen Krankheiten mit. Davor will die Stadt man behüten; Die Stadt, darin auf Schritt und Tritt Viel schlimmere Krankheiten wüten: Wir können aus eigener Beobachtung hinzufügen, daß die deutschnationalen Studenten auf der Universität mit christlichen und — jüdischen Stipendien, von christlichen und — jüdischen Professoren förmlich aufgepäppelt werden. Die beste Empfehlung für freiwerdende Demonstratoren- und Assistentenstellen ist eine Schönere r'sche Gesinnung, besonders wenn sie durch die Zugehörigkeit zu einer Burschenschaft oder zu einem Waidhofener Verein dokumentiert wird. Und viele Studenten, die vor dem Eintritt in die Universität und nach Verlassen derselben unverfäscht klerikal sind, heucheln, während der Universitätsjahre eine alldeutsche Gesinnung, um besser vorwärts zu kommen; nach dem Grundsätze: „Mit den Wölfen muß man heulen." So stark ist die deutschnationale Strömung an den österreichischen deutschen Universitäten. Und diese gemästeten, bramarbasierenden „teutschen Recken" werden von der juden-liberalen Presse gegen die „Verfolgungen" seitens der Regierung in Schutz genommen. Soweit geht die Verlogenheit dieser Presse, daß sie die Enthüllungen Weißkirchners nur andeutungsweise bringt, um ja nicht der süßen antisemitischen Jugend wehe zu tun. »Uisura teneatis, anüei!" Oder lachet lieber nicht, Freunde! Denn diese hohlen, oberstächlichen und seichten Geister sind berufen, einmal österreichischer Richter, politischer Beamter und Lehrer — und Abgeordneter zu sein, von denen es daher nicht Wunder nehmen darf, wenn sie einen Mann wie Herzog als Gesinnungsgenossen begrüßen. Wie verwerflich ist aber die Haltung der liberalen Presse, die über diese alldeutschen Helden segnend ihre Hand ausbreitet! Ebensogut, wie diese Gestnnungsmenschen ihre Geschäfte und Geschäftchen an der Universität betreiben, ebenso gut betreiben sie sie im öffentlichen Leben. Speziell die antisemitischen Aerzte gehen immer unverhüllter an ihre Arbeit. Das „Deutsche Volksblatt" veröffentlichte erst jüngst einen Aufruf zur Gründung des „Vereines Deutscher Aerzte in Oesterreich". Unter den Unterfertigten befinden sich einige Lieblingskinder der liberalen Presse. Wir heben aus der Liste der Unterfertigten folgende Namen hervor: Primarius Dr. Eduard F ö d e r l, Dozent Dr. Gustav Lihotzky, Professor A. Elschn i g, Dozent Dr. R. S av or, Professor Dr. Norbert O r t n e r, Dr. Josef S o r g o, der als Direktor der Heilanstalt „Alland" fungiert, Professor Anton G h o n, Professor F. Schlagenhauser, Professor H. A l b r e ch t rc. rc. „Die Zeit", die immer mehr unter den liberalen Blättern dieselbe Rolle spielt, wie die ^Deutsche Zeitung" unter den antisemitischen, schwang sich sogar dazu auf, Verrat und verrohte Herzlosigkeit! Wir wollen den Rücken euch kehren. Mein Weib, nicht ist's zum Trinken Zeit! Wie kann man auch hier was begehren? Noch nimmt uns auf der Dampfkoloß, Geschwinder, ihr Lieben, geschwinder! — Ein Rüttelruck und ein Schüttelstoß, Und wieder erschauern die Kinder. Die Brüder gehen nun heim zum Mahl Im Wahn, den Herren zu gleichen, — Wie lang nur? . . . Doch still! Mein Weib wird fahl. Wer will ihr Zitronensaft reichen? Die Flasche her!... Kein Tropfen mehr? Sie brech' in tausend Scherben! Die schmachtenden Kinder tranken sie leer. Mein Weib — du darfst mir nicht sterben! Noch einen Blick! Mein Weib, mein Glück! O, last' dich weicher betten! In altes Elend kehrt' ich zurück, Könnt' ich dich erretten- Wild rast der Zug dem Orte zu, Wo Quellen im Lichte sich klären- — Zu spät für Trank! — Nur Schattenruh' . . . Die werden doch Brüder nicht wehren?! Wien. M. SclK'il.ij/.

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