Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 20 (15.5.1903)
- Date
- 1903-05-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 15. Mai 1903 Seite 5 Einrichtungen allerhand Versprechungen gemacht, wollen aber von! Franz Mezey verlas den Bericht. Dieser verweist darauf, daß die Arbeit überhaupt nichts wissen. Sie verlangen die gebratene Taube ' *■ •" **“.~ in den Mund geschoben. Wozu ist man Antisemit geworden, wenn 1 vorn Gemeindedistrikt: entsendete Kommission die Erledigung des bekarrnten Memorandums der Gemeindedistrikts-Präsidenten aus dem man dann noch rüstig bei der Arbeit sein soll? Es rächt sich alles auf Erden. Der Vefähigungsnachlveis tvurde ad hoc g e g e n die Juden lvieder ans der Rüstkammer geholt. Was hat man damit erreicht? Den „Ledernen Hosen"-Krieg, den „Heiße Würstel"-Zwist, den Zkampf aller gegen alle, die Weckung der gemeinsten Triebe: Mißgunst, Neid, Haß uird Zwietracht. Die Begehrlichkeit, die geweckt worden, ist ein mißlich Ding, sie ist nie zur Ruhe zu bringen. Jahre 1896 urgierte, das Kultus- und Unterrichtsministerium jedoch mit Hinweis auf die, in den allgemeinen politischen Verhältnissen liegenden Schwierigkeiten erklärt habe, daß es — obwohl die Bestrebungen hinsichtlich der mit gesetzlichen Garantien versehene Autonomie berechtigt und die damit verbundenen, im Memorandum entwickelten Ziele auch vom staatlichen Standpunkte würdigenswert sind — den gegenwärtigen Zeitpunkt für die allgemeine Regelung der Noch zu wenig ist das Feld der Betätigung für den Fleißigen, Frage nicht für geeignet erachte. Die Kommission erblickt auch Arbeitsamen und Strebsamen eingeengt. Immer neue Gebiete des ' ihrerseits in der jetzigen politischen Lage mehrere Symptome, welche Schaffens sollen in das Joch des Befähigungsnachweises gezwängt eine Aktion iu der hochwichtigen Angelegenheit der Landesorganisawerden, damit nur ja der jüdische 5k l e i n k r ä m e r nicht tion derzeit tatsächlich erschweren. Demzufolge legt die Kommission einen Peitschenstiel oder einen Taschenfeitl feilhaben dürfe. Unb die! ihr Mandat in die Hände des Gemeindedistriktes zurück. Der hohe Negierung unter dem Regime des Freiheitsstürmers Dr.v.Koer- Bericht gedenkt weiterhin der st e t s zahlreicher ber, sie zeigt sich ivillig gegenüber allen diesen rückschrittlichen, dem v o r k o m „: e n d e n U e b e r t r i t t e vom jüdischen G l a unuttelalterlichen Zunftlvesen entlehnten Forderungen — weil der! bei: zu anderen Konfessionen. Obzwar sich nun das Zunftpatron Dr. Hetlinger bei denselben Gevatter gestanden. Der! Judentum seinerzeit, seit Jahrhunderte,! enthalten habe, Konverschönen Reden hätte man von Dr. v. Koerber genug gehört, man \ Uten heranzuziehcn, so diktiere ihm der Selbsterhaltungstrieb die möchte auch Taten sehen, die mit ihnen im Einklang stehen. Wohl! Notwendigkeit, gegen jene, die bei dem Verfahren bezüglich des ist an dem guten Willen Dr. v. Koerbers nicht zu zweifeln, er steht Ilebertrittes gegen das Gesetz verstoßen, die strengste Anwendung nur zu sehr unter dem Diktate der Lueger, Liechtenstein, Bielohlawek. „E s t u t m i r i n d e r S e e l e w e h, daß: ch d i ch i n d i e s e r G e s e l l s ch a f t s e h'." Die deutsche Gemembürgschaft. Abgeordneter Herzog erinnert an den von ihm in der Sitzung vom 1. Mai eingebrachten Antrag, betreffend die staatsrechtliche Stellung der Angehörigen des jüdischen Volksstammes, den er einem eigens zu wählenden 37gliedrigen Ausschüsse zuzuweisen beantragt habe. Bei der Wichtigkeit, welche die Judenfrage ohne Zweifel in Oesterreich habe, stelle er heute den formellen Antrag, die Wahl dieses besonderen Ausschusses in der nächsten Sitzung vorzunehmen. Sollte dieser Antrag jedoch, wie es bei der judenfreundlichen Mehrheit des Hauses höchstwahrscheinlich sei, nicht angenommen werden, so ersuche er um Zuweisung seines Antrages an den Verfassungsausschuß. Für den Antrag Herzog stimmen: Die Christlichsozialen, die Alldeutschen und die Deutsche Volkspartei. Von der Rechten und dem Zentrum erhob sich niemand für den Antrag. Der Präsident, dessen Liebedienerei gegenüber den Antisemiten wir wiederholt angenagelt haben, verfügt hierauf die Zuweisung an den Verfassungsausschuß. der bestehenden Gesetze zu urgieren. Der Bericht wurde mit großem Beifall ausgenommen. Der Vizepräsident des Gemeindedistriktcs Dr. Moriz Mezci regte in einer großangelegten Rede den Gedanken an. das, di- G-m-ind-dis,ritte, mehrere oder jimklichc/ m U[)„ A-qlündn„a »an VarbereilungsansiaNen nsl°. IN ze,twe,l,g zu haltenden öffentlichen Konferenzen die Landes- „in der ganzen Welt" die Rede ist. Die Einschaltung dieser Worte angelegenheiten der israelitischen Religion gemeinsam be-! war vom Vorstand der Anglo Jewish Association zur Bedingung jüdischen Gemeinden ebenfalls entsprechend zur Errichtung der Kassen beitragen. Der Verein christlicher Fürsorger für jüdische Proselyten, zu dessen regelmäßigen Förderern der deutsche Kaiser gehört, feierte iu der Matthäikirche bei recht starkem Besuche sein Jahresfest. Pastor Lasson hielt die Festpredigt. Den: Jahresbericht, von Pastor Gelfert erstattet, ist zu entnehmen, daß der Verein seit 1880 besteht. Nach seinen Statuten, deren Entwurf von der Hand des hernach als Generaladjutant Friedrich Wilhelms des Vierten bekannt geivordenen Otto von Gerlach herrührt, ist der Verein durch die leibliche Not der Proselyten und Katechrlmenen entstanden und bezweckt, als Ergänzung der .Missionsarbeit, sich durch Rat und Tat der jüdischen Proselyten und der nach Wahrheit forschenden Juden geistlich und leiblich (I) anzuuehmen. In ungefähr 00 Fällen konnte durch regelmäßige und außerordentliche Unterstützungen geholfen lverden. Für die dargereichten Unterstütznngcn wurden durch den Verein insgesamt 3370 Mark ausgegeben. Pastor Lasson ist ein Sohn des Privatdozenten Professor Lasson, der vor seiner Taufe L a z a r u s s o h u hieß. Jüdische Kolonisationsgesellschaft. Aus London wird gemeldet: Unlängst hat hier eine Versammlung der Aktionäre der Jewish Colonisation Association stattgefunden, bei der sämtliche Anteile vertreten waren.. Die bereits in einer früheren Zusammenkunft erteilte Genechmigung für die dem Parlament vorgelegte Statutenänderung Ivnrde noch,„als bestätigt. Sodann wurde eine Resolution angenoinmen, die den tu den nächsten Tagen in Paris zusammentretenden Vorstand erinächtigt, während der Kommissionsberatung des Gesetzentwurfes im Oberhaus der: Antrag einzubringen, daß in die neue Klausel der Jewish Colonisation Association- Statuten die Worte „außer in Europa" in die Stelle eingefügt sprechen. Redner erörtert die staatsrechtliche Lage der israelitischen Religion, soivie die Bestrebungen zur Herbeiführung einer L a u d e S a u t o n o ,n: e. Mit Bezug auf Konvertiten im Alter unter 18 Jahren vertritt er den Standpunkt, daß sie — ob sie nun gesetzwidrig oder mit Ignorierung der gesetzliche,: Formen den jüdischen Glauben verlassen haben — in: jüdischen Glauben zu unterweisen sind, da sie nach ungarischem Gesetze Inden sind. Es sprachen noch Josef Veßi, Martin S.hmeuzer, Dr. Adolf Krißhaber, der Csegleder Rabbiner Dr. Josef Feldn:ann, Hofrat Verthold Weiß, Paul Tenccr, Jllcs Adler und David Varadi (Csegled). Sodann folgte die Auslosung von 24 Richtern. In das erste Gericht gelangten: Dr. Moriz Stiller, Ludwig Krauß de Megyer, Sigmund Singer, Karl Gomperz, Dr. Franz Mezey, Dr. Josef Klein, Dr. Simon Weiß, Alexander Hatvany-Deutsch de Hatvan, Dr. Josef Barany, Robert Auer, Dr. Bela Dalnoky, Anton Deutsch; in das 2. Gericht: Dr. Ludwig Brody, Dr. Friedrich Halaß, Dr. Jlles Pollak, Dr. Adolf Schermann, Samuel Goldberger de , Buda, Berthold Goldberger de Buda, Desider Bartos, Adolf Beck Neues aus Olmütz. „Doch mit des Geschickes Mäch ten ist kein ew'ger Bund zu flechten und das Un glück schreitet schnelll" Dieses Zitat paßt vortrefflich auf! gewählt: in das erste Gericht: zum Präsidenten Samuel Deutsch, das schon mehrfach besprochene Verhältnis unserer hei-! zum Stellvertreter Dr. Samuel Lazar; in das zweite Gericht: zum mischen Israeliten zum deutschen Turnverein. ES!var einst ein! Präsidenten Hofrat Dr. Armin Reumann, zum Stellvertreter Ludriihrendes Verhältnis! Als der 16. deutsche Turnkreis, mnfassend? wig Baumgarten, Vorsteher der Pester isr. Religionsgemeinde. Zum die ganze Ostmark, sich vor zwei Jahren jndenrein erklärte, da ivar l Schlüsse gedachte Max Szabolcsi mit bewegten Worten der under „O l:,: ü tz e r Id e u t s ch e T u r n v e r e : n", dep damals! menschlicken Verfolgungen der Juden in Beßarabien, namentlich gerade seine neue Turnhalle aufgerichtet hatte und bis über die! in Kischenew, wo Männer, Weiber, Kinder, ausschließlich, weil sie Ohren in Schulden stak, entrüstet über solche Intoleranz, sprang ihrem Glauben treu blieben, gefoltert und hingeschlachtet wurden, aus dem arischen Kreise aus und schloß sich dem neugegründeten i Sein Antrag, an einen: Sabbat die an der Thora gespendeten milden deutsch-freiheitlichen Tnrnverbande an. Als die antisemitische Jung-1 Gaben zur Linderung des Massenelends in Beßarabien zu widmen, Mannschaft des Vereines diesen Schritt nicht ungeschehen machen ( ttnti’bc einhellig akzeptiert, konnte, sezedierte sie und bildete einen neuen arischen Krcisturnverein „Jahn". Diese Vorgänge entflaminteu die Olmützer Juden zur größten Opferwilligkeit für den deutschen Turnverein und seine Halle. „O, wenn sie ewig grünen bliebe, die schöne Zeit der ersten Liebe!" Der dentsche Turnverein erlitt dnrch diese Judenliebe einen solchen Mitgliederschivund, daß er im Jänner d. I. ans dem deutschfreiheitlichen Tnrnverbande zurücktrat und die antisemitischen Turner von: Konkurrenzverein „Jahn" in seine Reihen lvieder aufnahm. Einen Monat nach dieser „Neutralisierung" ivnrde, da die israelitischen Turner noch inuner nicht tvichen, in einer ziveiten Generalversammlung beschlossen, daß künftig nicht der Turnrat, sondern die gesamte Turnerschaft dnrch einhelliges geheimes Votum über die Aufnahme neuer Mitglieder zu entscheiden habe. Die Fleischers, Fischls, Doktoren Kraus und Reiner, die Neu- und Fleischmänner blieben nackensteif und wichen nicht. „Dieses war der zlveite Streich, doch der. dritte kam sogleich!" und zivar in der außerordentlichen Generalversammlung von: 20. April. Es lag folgender Antrag des Turnrates vor: „Der Olmützer Turnverein tritt dem 16. Tnrnkreis der deutschen Turnerschaft bei." Der liberale Obmann Lehrer Mader entschuldigte sich, mau könne von ihm persönlich nicht verlangen, daß er beistimme, worauf Schriftleiter Seidl kurz replizierte, die Turner brauchten keine Ratschläge, sie ivüßtcn schon selbst den rechten Weg. Alsdann wurde der Anschluß an den 16. Turnkreis, zu deutsch der Hinausschmiß der deutschen Turnbrüder mosaischer {,t irgend einer europäischen Sprache auch dann alvollwertig Konfession, mit imposant überwiegender Mehrheit beschlossen. In akzeptieren, wenn die Notizen im Jargon geschrieben sind, der Hitze des Gefechtes übersah man, auch darüber schlüssig ö" Damit ist hier der J«rgon von der zuständigen Obrigkeit alwerden, ob man den Sanjuden nicht die schiveren Tausende, durch deren Darreichung sie den Bau der deutschen Turnhalle geschändet haben, zurückerstatten soll. Die gerinanischen Israeliten sehnen sich, durch diesen Schicksalsschlag keineswegs außer Fassung gebracht, nach anderen passenden Kapitalsantagen lim. „Muß es denn grad e daitsche Turnhalle sein?" Herr Edrnund Fleischmann schritt als Pfadfinder rühmlich voran, inden: er kürzlich für das neu zu errichtende „Deutsche Haus" 120 K. schnoberte. Auch die Großindustrielle Frau Hedwig May, Tochter des früheren Herrn Knltnsvorstehers Hamburger, hat wieder einen Posten gefunden. Sie ivnrde neuerdings zur Schriftführer-Stellvertretein der hiesigen Frauenortsgruppe des deutschen Schulvereines geNmhlt. Na also! Kleinigkeit, ivie gut ivir nun es haben! Wo liegt Ol,nütz und iv o Kischeneiv? I Der 0. »„fl, israelitische Gemeiirdedistrikt hielt am 7. ds. unter dein Präsidium Martin Schweigers in: Gebäude der Pester isr. Religionsgemeinde eine Versarninlnng, welcher etlva 100 Gemeindedistrikts-Nepräsentanten aus Budapest und aus dem Pester Koinitat beiwohnten, ab. Der Schriftführer des Gemeindedistriktes Doktor ihrer Zustimmung zum ganzen Gesetzentwurf gemacht ivorden. Paris. Ende April fand in: Saale der Zivil-Ingenieure die Generalversaminlung der Alliance Jsraelite statt, in welcher Mitglieder des Zentralkomitees aus Deutschland, Holland, Belgien, Dänemark sich eingefnnden hatten. Unter anderen Gästen war auch Anatole Leroy-Beaulieu erschienen. Der Präsident Narcisse Leven gab einen Bericht über die Lage der Juden seit Begrürwung der Allianz. Es seien zwei Perioden deutlich erkennbar, die eine bis zum Berliner Vertrag von 1878, in welcher die Ideen der französischen Revolution in Europa mehr und mehr zur Anerkennung gelangt sind, die ziveite, in welcher nationaler und konfessioneller Haß uin sich griff, unter Ivelchern die Juden zu leiden hatten. Er besprach die Ausnahmsgesetze gegen die Juden in Rußland und Runiänien, die Entstehung des Antisemitismus in Deutschland und seine Verbreitung nach Rußland, Oesterreich und schließlich Frankreich, wo er in die Dreyfus-Affäre auslief. Mit dem Beginn des neuen Jahrhunderts scheine wieder eine Wendung zum Besseren einzutreten, wofür namentlich das Zirkular des Staatssekretärs Hay ein erfreuliches Zeichen sei. Der Generalsekretär erstattete sodann Bericht über die Wirksamkeit der Allianz seit 1895. Sie habe jetzt 30 000 Schüler in den Elementarschulen und 1000 Zöglinge in den Werkstätten, 260 in Ackerbauschulen, 120 Mädchen Dr. David Kohn, Bela Deutsch, Dr. Adolf Wilheim, Doktor und junge Leute, welche für das Lehramt ausgebildet werden, end- Emmn.cl ***»*(. Auf A».r°« Paul T-u.rs wurd-u hi-rau, «028* Ä Alliance es als ihre hauptsächliche Aufgabe betrachte, für die religiöse Erziehung zu sorgen, es sei deshalb erforderlich geworden, an Orten, an welchen es an guten (nichtjüdischen) Schulen nicht fehle. Schule oder Religionskurse einzurichten. Dies sei namentlich in Egypten und Algier der Fall gewesen. Ein Brief des Direktors der Schule in Fez (eines türkischen Juden), der sich geweigert hat, einer an alle Europäer zugegangencn Aufforderung der europäischen Konsulen zun: Verlassen der Stadt zu folgen und erklärt hat, seine Glaubensgenossen in der Stunde der Gefahr nicht verlassen zu wollen, gab ihm Gelegenheit, der aufopfernden Tätigkeit des Lehrpersonals der Alliance die Anerkennung der Alliance auszusprechen. Sodann erstattete der Kassier Bericht über Einnahmen und Ausgaben. Er beklagte, daß die Zahl der Mitglieder einen erheblichen Rückgang, namentlich auch in Paris aufweise und daß cs erforderlich sei, die Propaganda, die in den letzten Jahren vollständig vernachlässigt ivorden sei, wieder anfznnehinen. Der Oberrabbiner von Frankreich, Herr Zadoe Kahn, dankte den von auswärts erschienenen Mitgliedern für das belviesene Interesse; das Erscheinen der ausländischen Mitglieder sei ein Beiveis, daß die Alliance ihren: Programm, keiner einzelnen Nation anzugchören, sondern universell zu sein, treu geblieben ist. Zum Schluß gaben von den auswärtigen Mitgliedern des Zentralkomitees in deutscher Sprache die. Herren Dr. Heinrich Meyer Cohn-Berlin, Professor Simson-Kopenhagen und Rabbiner Dr. Salvendi-Dürkheim ihren Wünschen für die iveitere Entwicklung der Alliance Ausdruck, für welche, öffentliche Versammlungen wie die Generalversammlung und eine energische Propaganda erforderlich seien. Irr Kapland wird gegen Lord M i l n e r, weil er der Einwanderung der Juden günstig gestimmt ist, von verschiedenen Seiten gehetzt. Das demokratische Wochenblatt „Reynolds Newspaper" schreibt: „Der deutsche Jude und Gouverneur vom Kaplande, Lord Mi ln er, warnt im Interesse seiner Landsleute die englischen Arbeiter vor der Auswanderung nach dem Transoal, weil die englisch-deutschen Juden, seine Stammesgenossen, die Sklavenarbeit der Farbigen, der Kulis und der Chinesen, für sich, mit Ausschluß aller freien Arbeiter, monopolisieren wollen. Dieser Lord Miln er, als Agent der Kapitalisten, hat es durchgesetzt, daß ein weißer Arbeiter eine Niederlassungsurkunde nicht erhält, wenn er nicht imstande ist, eilte Barschaft von 100 Pfund Sterling zu produzieren als Sicherheit für den Fall, daß er veramt und auf öffentliche Kosten erhalten oder nach England zurückbefördert werden muß. Da es nun keine Arbeiter gibt, welche 100 Pfund in der Tasche und Lust haben, mit Chinesen und Kulis in Arbeitskonkurrenz zu treten, so hat der „deutsche" Gouverneur vom Kapland die englischen Arbeiter einfach von der Einwanderung ausgeschlossen." Das genannte Blatt übertreibt bekanntlich gern, folgt aber sonst der lieblichen Gewohnheit der englischen Presse, jeden Juden als einen Deutschen zu bezeichnen. Die bevorstehenden dentsche« Ansflrabnnge,: in Palästina werden in ihren: Abschluß an die Resultate der Spatcnarbeit im babylonischen Bezirk in der wissenschaftlichen Welt eifrig besprochen. Das eine Unternehmen geht von dein deutschen Palästinaverein (Vorsitzender Herr Professor Kantsch in Halle) aus. Der Palästina- Verein läßt :uit Unterstützung der deutschen Orlen Gesellschaft an der Stätte des alten, in der Ebene Jesreel gelegenen Megiddo Grabungen vornehmen. Technischer Leiter ist der Ingenieur Doktor Schumacher in Haifa; er beabsichtigt in diesen Tagen den ersten Spatenstich zu tun. Unabhängig hiervon ist Dr. Thiersch vom archäologischen Institut in Athen auf einer Rekognoszierungsfahrt ' Erleichterung für jüdische Einwanderer. Aus Kapstadt wird gemeldet: Der Rabbiner A. P. Bender von der hiesigen jüdischen Hanptgemeinde hat sich mit bestem 'Erfolge bemüht, die Härten zu mildern, die die strenge Anwendung des neuen Einwanderungsgesetzes für zahlreiche ans dem Osten Europas kommende Juden zur Folge hat. Es waren noch vor Brkanutwerden des neuen Gesetzes von verschiedenen Schiffskompagnien Passagiere ausgenommen worden, die den gesetzlichen Anforderungen nicht entsprechen, und die nun ohne ihre Schuld plötzlich von der Landung ausgeschlossen werden sollten. Rabbiner Bender und mehrere angesehene Gemeindemitglieder haben vom Kolonialsekretär Sir Peter Faure das Zugeständnis erlangt, daß alle Einwanderer ausgenommen werden sollen, die schon eine bestimmte Arbeitsleistung gesichert haben, und es ist den Herren gelungen, den Fremden, die zum überwiegenden Teile geschickte Handwerker sind, Arbeit zu verschaffen. Gin zweites, wichtiges Zugeständnis hat der Kronanwalt Hon. T. L. Graham gemacht, indem er sich bereit erklärt hat, die vvy den Einwanderern gesetzlich erforderte eigenhändige Unterschrift seine- Namens, seiner Adresse und seines Handwerkes eine europäische Sprache anerkannt worden. In Rnmänien ist ein neues Gesetz beschlossen worden, welches ebenfalls zum Nachteil der Fremden, d. h. der Inden, Sonderbestimmungen enthält. Zn dem Gesetz über die Bolkrbanken, welches am 28. März in der Kammer verhandelt wurde, stellte der Abgeordnete P o r u m b a r u zum Artikel 7 den Antrag, daß nur Rumänen an der Verwaltung solcher Banken teilnehmen können, der Abgeordnete E x a r c u, daß nur Rumänen Genoffen solcher Banken sein dürfen. Der Minister C o n st a n t i n e s c u akzeptierte diese Vorschläge, die, wie er (übrigens zu Unrecht) behauptet, nur das für Rumänien bestimmen, was in anderen Ländern bei ähnlichen Einrichtungen rechtens sei, daß nämlich nur solche Personen Genossen der Banken sein könnten, welche bürgerliche und politische Rechte genießen. Die Alliance Jsraelite Universelle hat daraufhin beschlossen, zur Errichtung solcher Kassen Beihilfen zu gewähren, nachdem die bisher begründeten derartigen Kassen sich sehr bewährt haben, und namentlich den Sinn für Sparsamkeit und gegenseitige Hilfe kräftigen. Bedingung ist, daß die