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Jüdisches Volksblatt · 1903-05-08 · 19 (8.5.1903) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
19 (8.5.1903)
Date
1903-05-08
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 19 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 8. Mai 1903 S' >re 5 autonomen Organisationen, sich entsprechend der Brünuer Konferenz vom Jahre 1899 auch eine jüdische Organisation bilden müsse. Natürlich sind es gerade die jüdischen Führer der Sozialdemokratie, die diese Forderung bekämpfen, weil sie ihre eigene Stellung dadurch gefährdet sehen. Besonders akut ist die Frage in Galizien und in der Bukowina. Dr. Diamant, der Vertrauensmann der Wiener Parteileitung, gibt eine eigene Jargon-Zeitung, „Die jüdische Volkszeitung", heraus, um in jüdischer Sprache die jüdisch-volkliche Bewegung zu bekämpfen. Trotzdem hat sich unter den jüdischen Nationalisten Lembergs die jüdische Nationalidee Bahn gebrochen. Für die am 9. und 10. Mai stattfindende Konferenz des jüdischen Agitationskomitee ist, wie die »Jüdische Volksstimme" berichtet, bereits ein Antrag eingebracht worden wegen „Gründung einer jüdischen politischen Föderation" mit einer selbständigen Exekutive. In der Begründung heißt es unter anderem: »Wir haben unsere eigenartige Psychologie, unsere eigene Geschichte, unsere eigenen Traditionen und Gewohnheiten, und keiue sozialistische Partei ist imstande, den Kampf des jüdischen Proletariats anzuführen/' Sechs Antragsteller sind unterzeichnet, aber hinter ihnen steht eine Menge von Parteimännern und Vereinen, darunter auch der Verein »Brüderlichkeit" in Lemberg. Sie alle sind entschlossen, sich unter keinen Umständen mehr von den Parteileitern terrorisieren zu lassen, denen die politische Maskerade schon in Fleisch und Blut übergegangen ist. Vergebens setzen auch die letzteren alle Hebel in Bewegung, um das Schreckgespenst einer jüdischen Partei zu beseitigen oder auch für einige Zeit wenigstens unsichtbar zu machen. Fruchtlos bleiben ihre Einschüchterungen uud Hinweise auf das „Wohl der Partei/ In der am 14. April erschienenen Flugschrift .»Zur Konferenz*, die im Parteiorgane „Jüdische Volkszeitung" mit Rücksicht auf das »Wohl der Porte!" keine Aufnahme gefunden hatte, versichern die jüdisch-nationalen Sozialisten, daß ihnen ihre eigene Kultur und ihre Nation viel zu teuer sind, als daß sie in ihrem edlen Streben vor dem »Drucke von oben" sich beugen wollten. Der kleine Kohn auf dem Turf. (Motto: Haben Sic nicht den kleinen Kohn gesehen, Sahen Sie ihn nicht borübergehen?) In Variation eines geläufigen Sprichwortes darf man wohl sagen: jede Zeit, jede Epoche hat die geflügelten und Schlagworte, Gassenhaner, Chantants ustv., die sie verdient, beziehentlich die als der Ausdruck der vorherrschenden politischen, nationalen, sozialen und konfessionellen Richtung und Strömung gelten dürfen. So harmlos unbedeutend, nichtssagend diese Schlaguud geflügelten Worte, Gassenhauer usw. an und für sich sein mögen, in aufgeregter Zeit zeigten sie sieh nicht unbedenklich und erlviesen sich häufig als ein gefährlicher Zündstoff, als die Lunte, die das Pulverfas; zur Explosion bringt. Man braucht nicht weit in die Geschichte znrückzugeheu, eS bedarf nur eines Rückblickes in die nächste Zeit, hierfür „schlagende" Beispiele 31t bringen, die namentlich anzuführen Wohl zu weit führen dürfte. Wir wollen uns mit den „Ausbrüchen" der öffentlichen Meinung, wie diese das Ereignis der Zeit, des Tages, ja oft nur der Stunde bildenden Impulse fälschlich, bezeichnet werden, nur insoweit beschäftigen, als sie uns Juden berühren, eigens auf uns geprägt erscheinen und für uns ad hoc berechnet sind. „In hoc signo vincess!“ Unter dieser Devise fanden es die kreuzfahrenden Ritter gut, hunderttausende Juden zu morden, zu brandschatzen, von Haus und Hof fortznjagen. Wie harmlos sieht nmd hört sich das „Hepp, hepp" an, und dennoch galt es als Zeichen, als Feldgeseh'rei in K 0 l l i n, H 0 r i h, N a eh 0 d, P r a g usw., die Inden zu plündern und ihres Hab und Gutes zu beraube». Zu diesen Betrachtungen werden!uir angeregt durch eine in den Sportblättern enthaltene Rotiz nachstehenden Inhaltes: (Der „Kleine Kühn" a u s d e r 3k e n n b a h n.) Die Frage nach dem „Kleinen Kühn", die noch immer nicht ganz zur Ruhe kommen konnte, wird wohl in der nächsten Nennsaison in der Frendenan besonders lebhaft werden. Herr Anton Dreher hat, lvie wir der Namensliste entnehmen. eines der jüngstgeborenen Kinder seines Stalles Kleiner Kohn genannt. Herr Dreher verfügt hener über 23 Jährlinge. Der vierfüßige Kleine Kohn ist ein Halbbruder von Ka Galt, er hat demnach Aussicht, nicht so sehr „ins Gedränge" zu kommen, das; er so spurlos „lveg" ist, lvie sein unglücklicher Namenspatron. Man hat bereits die Hoffnung ausgesprochen, der Kleine Kohn werde denen, die auf ihn Ivetten, „Ka Galt" bereiten." ■— Herrn A n t 0 n Dreher mag es ganz harmlos erschienen sein, einen edlen Abkömmling seiner Pferdezüchterei mit dem im Schivange befindlichen Epitheton „Kleiner Kohn" zu benamsen. Von Takt, Geschmack, Empfindung zeigt es für keinen Fall. Eine kleine Erbse auf einen Granit konsequent geworfen, verfehlt schließlich nicht, dennoch Spuren zurückzulassen. Zur Entschuldigung des Herrn Anton Dreher mag nur der ilmstand gelten, das; er zu der wahren Spezies der Anchliberalen, der fortschrittlichen Parteien zählt. An^ihren Frachten kann man sie erkennen, diese Freiheitshelden und Freiheitsstiirmer. Was in ruhigen, normalen Zeitläuften barinlos erscheint, tan» in einer von wilden Leidenschaften Velvegten Epoche den gefährlichsten Zündstoff bietem Si diio [nehmt idem, non cst idem. K r a tz' d e n A r i e r, e s k 0 m m t st cts d e i' A ntiseINIt u IN B 0 r s ch e i n. Herr Dreher mag ein vorzüglicher Bierbrauer sein, Takt scheint er keinen zu besitzen, noch weniger besitzt er Verständnis für die Zeitläufte, er lvürde es sonst gewiß unterlassen haben, einen „Kleinen Kohn" in seinen Rennstall einznführen und auf den Turf um die Wette rennen zu lassem. Herr Dreher verkauft sein Bier an jüdische Wirte und Trinler, er glaubt daher nur konsequent zu handeln, ivenn er auch ei tunt -Kleinen Kohn" in seinen Rennställen installiert. Wir versteigen uns nicht so iveik, von dem Rennareopag zu verlangen, eine Zensur zu üben. Der Stallgeruch, der Pferdeodeur, der Nennparfüm, sie alle besitze» eine opiate Wirkung. Im Salon höfische Etiqnette, aus dem Turf Kutschermanieren? Die Extreme berühren sich nirgends so sehr, als in den Kreisen der „Kawliere". Es gehört einmal .Nim arischen „hon ton" das Jüdcln und „haust du meine Inden, hoit’ ich deine Inden", ist des Ariers „Weisheit letzter Schluß". Es l'at eine Zeit gegeben, in Ivelcher man einem kleinen Häuflein — man bmnie sie an den Fingern der Hand abzähle» der oberen Zehnumsend der arische» Gesellschaft insinuierte, sie seien Philosemiten ob mit Recht oder Unrecht, bleibt dahingestellt. Allein die vereinzelten, wenigen Iveißen Raben haben es bald anfgegeben, das undanklmre Geschäft, sie zogen sich vom Schauplatz ihrer Tätigkeit znriuk und sind stille Männer gelvorden. Wir wollen nicht einen reinen Eid schwören, ob sie nicht auf den Weg nach Eannossa gegangen und Antisemiten gelvorden sind. Alle Demütigungen, alle Erniedrignnge» bleiben fruchtlos, die Assimilisten sind nicht zu lnriereu. Opcrmn et olciim perdidi! Wenn uns Juden die „Lex Mrzog" nocli die Augen nicht geöffnet, dann isl uns wahrlich nicht zu Helsen und loir verdienen kein besseres Los, denn Ivir bereiten ec> »ns selbst. Todesfall. Ein Freund unserer Sache, Dr. Heinrich Goldl'anm, ist im ~u. Lebensjahre Samstag den 2. Mai. in Wien verschiede». Vom k. k. Landesschulrate in Böhmen. Der Termin der schriftlichen Maturitätsprüfungen an den Mittelschulen in Böhmen wurde heuer von dem k. k. Landesschulrate in Prag vom 22. bis 28. Mai angeietzt, so, daß auch eine schriftliche Arbeit auf Samstag, den 23. Mar, gefallen wäre. Der Präsident des Rabbiner-Verbandes in Böhmen, Rabbiner Dr. Kurrein in Teplitz, wandte sich im Namen deö Verbandes an den Landesschulrat, daß im Hinblick auf der Schulgesetz, wobei bei schriftlichen Arbeiten auf den Sabbath der israelitischen Schüler Rücksicht genommen werde, der Samstag aus dem Termine der schriftlichen Maturitätsprüfungen ausgeschaltet werde. Auf diese Eingabe vom 21. April erfolgte schon am 25. April eine Abänderung, durch welche an Anstalten mit israelitischen Schülern am 23. Mai (Samstag) keine schriftliche Maturitätsprüfung vorzunehmen sei. Durch diesen Erlaß sind die israelitischen Schüler von einem vermeintlichen Zwang, am Samstag schreiben zu müssen, um nicht die Prüfung zu verlieren, befreit. Es ist gewiß kein besonderes Verdienst der Rabbiner, sich der Sache angenommen zu haben; die Rabbiner, die zumeist Religionslehrer sind, haben nur ihrer Erziehungspflicht den Schüler« gegenüber Genüge getan. Ein anderes Moment jedoch wäre ins Auge zu fasten. Hat der Episkopat auch nötig, einen ähnlichen Schritt für die katholischen Schüler zu tun? Gewiß nicht, denn der katholische Vertreter im Landesschulrate sorgt dafür, daß kein Beschluß gegen das katholische Gewissen der Schüler gefaßt werde. WaS tut der jüdische Vertreter im Landesschulrate. Wozu sitzt er eigentlich dort? Damit er den Titel »Landesschulrat* führe, beim Statthalter eine Einladung erhalte und überall, wo er nicht gebraucht ist, repräsentiere? Unsere jüdischen Vertreter nehmen gewiß jüdische Ehrenstellen an, damit sie dadurch nichtjüdische Ehrenämter erhalten, das Judentum ist Nebensache. Wann werden die jüdischen Gemeinden endlich zur Einsicht kommen, daß die Vertreter der Religion in den diversen Schulräten wie Orts-, Bezirks- und Landesschulrat nicht Fabrikanten, Juristen, Aerzte und Privatiers sein müssen, sondern daß die Rabbiner, die auch zumeist Religionslehrer sind, jedenfalls Kenner der Religion, die allein geigneten Persönlichkeiten zur Vertretung der religiösen Interessen des Judentums bei den Behörden sind und sein können. Die Generalversammlung der „Chewra Kadischa" in Sarajevo fand jüngst im Vereinshause stakt uud nahm einen recht lebhaften Verlauf. Nachdem der Vorstand, Herr Samuel Freund, die Erschienenen und den Negiernngsvertreker, Herrn Rcgierungskonzipisten Alfred Koszler, begrüßt hatte, Ivnrde die Sitzung eröffnet. Dem vom Schriftführer Herrn Heinrich Kohn verlesenen Nechenschaftsberichte ist zu entnehmen, das; der Verein, der 80 Mitglieder zählt, seiner Aufgabe in jeder Richtung entsprochen hat. Herr Vorstand S. Freund teilt mir, das; er infolge Uebcrbürdung diese Ehrenstelle znrückznlegen genötigt ist. lieber Antrag des Herrn E. Serelmann wird dem abtretcudcn Ausschüsse das Abfolutorium erteilt und der protokollarische Dank votiert. Die Dameusektion des Vereins entwickelte auch eine rege Tätigkeit und wurde zur .Kenntnis genommen, das; anstatt der zurückgetretenen Präsidentin Frau Dr. Weszck Frau Milka Hirschl zur Präsidentin gewählt wurde. Ans den Wahlen der Herrensetiion gingen folgende Herren als gewählt hervor: 1. Vorstand: Eduard Serelmann, Obergabai, Gabai: Heinrich Kohn, Simon Chachamovie, Farkas Marion, Adolf Löwy, Jsak Glaser, Bernhard Landau, Armin Saltzberger, Osias Appel; 2. AuSfchnf;: Bernhard Spitzer, Adolf Rothschild, Josef Neuer, Ignatz Königsberger, Leopold Klinger, Josef Steiner, Jakob Bruckner, Sigmund Lagus, Map Feleti, Hermann Fuchs, Moritz Schiller, Jakob Pollak. Budapest. Am 3. Mai hat die Repräsentanz der Bndapester isr. Kultnsgcmeinde unter mittelmäßiger Beteiligung die jährliche Generalversammkting abgehalten. Den Vorsitz führte Hofrat Herr Sigmund Kohner. Nach der Eröffnungsrede ergriff Herr Adolf von Fenyvessti das Wort, um den Vorsitzenden im Namen der Repräsentanten zu der von Sr. Majestät erlangten allerhöchsten Auszeichnung zu gratulieren. Dann wurde der Jahresbericht verlesen, in demselben sind die Einnahmen mit 1 1S7 000 und die Ausgaben mit 1 212 000 Kronen beziffert. Dann negierte Mar Szabolesi- Weinstein die Errichtung eines jüdischen GumnasimnS und einer Lehrerinnen-Präparandie und fein Antrag Ivnrde zur Kenntnis genommen. Die konfessionellen Angelegenheiten einer Gemeinde, die 100 000 Seelen zählt, Ivnrden in der kurzen Zeit von einer Stunde ans ein Jahr erledigt und da die Arbeiten der Sektionen nicht öffentlich sind, so weiß auch niemand, was im Interesse des Judentums geschieht, darum greift der JiidiffereiitisinnS so stark um sich, der deu Geist des Judeutums tötet. Ein einziges Mittel wäre daher, den jüdischen nationalen Charakter zu beleben, denn nur dieser ist berufen, das Judentum zn erhalten, das einzig und allein uns unsere Zukunft sichert. I. —t. Todesfall. Ans Troppau lvird gemeldet: Am letzten Pasfahtage ist hier bei seinem Sohne Herrn Josef Knlta der gewesene Rabbiner und Gelehrte Herr Dr. Salomo» Knlta nach mehrmonatlichem schweren Leiden im Atter von 73 Jahren gestorben. Mit ihm verliert das Jndentnm einen loahrhaften Förderer, einen Mann von Geist, hervorragendem Wissen und den schönsten Tugenden. — In seiner Gebnrtsstadt Leipuik besuchte der Verblichene in früher Jugend die damals in vollster Blüte gestandene Jeschiwah unter Leitung des berühmten Rabbi Kivetsch, dessen Lieblingsschüter er geivesen. Nicht iveniger war ihm sein späterer Lehrer, der alte Landesrabbiner Platschet in Bostowitz, gewogen. Mit größtem Eifer und seltener Begabung oblag er dem Studium der verschiedensten Ziveige jüdischen Wissens und brachte es darin zn anerkannter Meisterschaft. Er veröffentlichte schon im Alter von 1(i Jahren gelungene hebräische Gedichte in der Zeilchrift „Kochlve Jzcbat" und Ivar seither auf dein Gebiete der jüdischen Literatur fortwährend tätig. Im vorgerückten Jünglingsalter widmete er sich der allgemeinen Wissenschaft mit gleichein Fleiße, oft dcit grössten Entbehrnngeu ansgesetzt, erlangte in verhältnismäßig kurzer Zeit die Reife für die Hochschule und dann an der Prager Universität daS Dolwratz Sein nachheriges segensreiches Wirken als Rabbiner in mehreren Gemeiitdett Böhmens dürste noch heule in dankbarer Erinnerung sein. Dr. Knlta betätigte sich als Ivahrer Freund der Armen, als musterhafter Lehrer des Volles tmd begeisterter Verkünder des göttlichen Wortes. Er beschränkte sich aber nicht darauf, sein Amt gewissenhaft tmd erfolgreich ausznfüllen, sondern betrachtete sich stets als Diener der Wissenschaft, in deren Tiefen er unermüdlich forschte. Noch nachdem er in den Ruhestand getreten war, setzte er diese seine Tätigkeit rastlos fort, behandelie nacheinander die schwierigste» Zweige der jüdischen Forschung, legte die Ergebnisse seines Fleißes in nnzätstigen Beiträgen, mehrere» Zeitschriften des Innnb Auslandes sowie tu einer Reihe von Broschüren nieder und hielt in vielen Gemeinde», Vereinen und Genossenschaften lehrreiche Vorträge. . Auch im hiesigen jüdischliterarischen Vereine sprach der Dahingcscbiedene sehr oft tmd wurde in Würdigung dessen znm Ehrenntitgliede ernannt, so auch von mehreren anderen Vereinen. In diesen Vorträgen offenbarte sieb ein beivnnderiingsiviirdiges Wissen, erstaunliches Gedächtnis und besondere Gründlichkeit, gepaart mit tadelloser Ausführung und vollendeter Formt. Es wirkte geradezu verblüffend, deit schon im hohe» Greisenalter stehenden Gelehrte» i„ längerer freier Rede eine Unzahl von geschichtlichen Namen, Tateit und Einzelheiten auf das Genaueste behandeln zit sehen, wobei mannigfache Hinweise auf verschiedene Stellen der Bibel und des Talmudes nicht fehlten. Von seinen hiesigen Vorträgen feien erwähnt: „Moses und Ltzturg", „Don Joseph Nassi", „Leon de Modena", „Die Juden in der arabischen Geschichte uitd Literatur", „Schwert und Palme", „R. David de ^plva" tt. a. m. Eingehende Berichte hierüber waren in den jüdischen Zeitschriften zu lesen. — Bei seinem Leichenbegängnisse, das hier am 21. ds. unter großer Beteiligung stattfand, zeigte sich eine allgemeine Teilnahme und aufrichtigste Trauer. Im Sterbehause brachte Herr Dr.S. E i b tt s eh i tz den Daitt des jüdisch-literarischen Vereines znm Ausdruck, in der Leichenhalle hielt Se. Ehrwürden Herr Dr. A. B l ü h einen tiefempfundenen Nachruf und am offenen Grabe sprach Se. Ehrwürden Herr Dr. Opp e it h e i m aus Olmütz in herzbewegender Weise. Ein unvergängliches, ehrenvolles Andenken ist dem Verewigten gesichert, der Name des Gerechten bleibe stets gesegnetI S. C. * Maskil el Dol. Die Wahlen in den israelitischen ttnterstützungsverein „MaStit el Dol" int Bezirke ---eehShans ergaben folgendes Resultat: Herr Samuel Mohr Präses, Herr Hermann Weinberger Vizepräsident, Herr Jacob Tuschinsty Kassier, Herr- Carl Landeis 1. Schriftführer, Herr Heinrich Herzog 2. Schriftführer, die Herren Moriz Stärk und Map Haas Kontrollore, die Herren Dr. Max Deutsch. Heinrich Grünwald, Jacob Marchfeld und kais. Rat Friedrich Scligmaim Ausschuß-Mitglieder. AusLand. Zu den deutschen Neichstagswahlen. Der bisherige Reichstag besaß 12 Vertreter antisemitischer Richtung. Von denen kanditieren wieder: 1. S 0 z i a l e R e f 0 r m p a r t e i. 1. Ahlwardt für Neuftettin (bisher für Arnswalde)., 2. Biitdewald für Alsfeld-Lauterbach, 3. Böckel (?) für Marbnrg-Franteitberg, 4. Gäbet für Meißen- Großenhain, 8. Gräfe für Bantzen-Kamenz, 0. Köhler für Gießen, 7. Lotze für Pirna-Sebnitz, 8. Wierner für Hersfetd-Hünfeld. — H. Den tsch - s 0 ziale Partei. 1. Liebermann von Sonnenberg für Fritzlar-Homberg, 2. Müller für Waldcck, 3. Raab für Flensbnrg-Apenrade. Hierzu kommen neue Kandidaturen: I. Ref o r nt Partei. 1. Bruhn für Arnswalde-Fricdeberg, 2. Vruhn für Berlin V, 3. Bruhn für Czarnikan-Filehnc, 4. Förster für Hatberstadt-Aschersleben-Werltigerode; 5. Giese für Wetzlar-Attenkirchen, 0., Pastor Krösetl für Pyritz-Saatzig, 7. von Mosch für Erfurt, 8. Zimmermann für Döbelit, 9. Böckler für Sehlochan-Flaiow. — II. D c tt t sch - s 0 ziale P ortet. 1. Amtsrichter Lattinann für Kassel-Melsungen, 2. Oberamtsrichter Brandis für Holzminden- Gandcrsheim, 3. von Wangenheim-Hütschenrodc für Meiningen, 4. Hcimigscit für Hamburg Ul, 5. Graf Neveistlow für Nintclen- Hofgeismar. Außer diesen Kandidaturen „reiner" Antisemiten haben wir es mit zahlreichen Kandidaturen verkappter, nicht minder gefährlicher Antisemiten in verschiedenen Parteien zu hm. Antisemitisch ist der Bund der Landwirte, siitd fast ausschließlich die Konservativen, znm größten Teil die Freikonservativen, ein Teil des Zentrums und der Nationalliücralcn, die verschiedentlich mit den Antisemiten eilten förmlichen Pakt geschlossen haben. Berlin. Am schwarzen Brette der Berliner Universität findet sich folgender charakteristischer Anschlag: „Aus der Daniel M ü l l e r- Stiftnng siitd für das Rechnungsjahr 1903 Stipendien zu je 600 Mark an würdige intb bedürftige Studierende, welche evangelischen Bekenntnisses siitd und bürgerli ch e, d e u t f ch e, nicht jüdische Eltern haben, ohne — Unterschied der Fakultät zu vergeben." Kommentar überflüssig. Berlin. Die Berliner Zionistische Vereinigung veranstaltete am 4. dS. anläßlich des ScheteltageS eilten großen Fcstkommers, lvobci Tendenzreden, musikalische und deklamatorische Vorträge abwechselten. Berlin. Der Kaiser hat die testamettiarische Schenkung der Millionärin Fratt Cohn-Oppenheimer im Betrage von 2 Millionen» zugunsten der Witwen nnb Waisen hoher Offiziere verwettdet. Betanntlich ist Prenßeit eines derjenigen Länder, in deneit kein Jude auch nur Leutnant geworden ist. M. N. Maxim Gorkij — Ehrenmitglied einer jüdischen Bnckergenossenschaft. Wie der „Freund" meldet, hat der Verein zur lknterstützintg jüdischer Bäcker in I c k a k c r i n 0 s l a w (Rußland) Atapim Gorkij znm Ehrenmitglied gewählt. Maxim Gorkis hat vor Jahren noch selbst in einer Bäckerei gearbeitet und hak auch das Leben daselbst in seiner Erzählung „Sechsunvzwanzig nmS Eine" geschildert. Journalistisches. Die Nr. 10 des Petersburger „Wschod" tvnrde lvegen der Berichte über die Exzesse in Kischenew konfisziert; es wurde eilte zlveite Auflage veranlaßt. Tie Sonntagsruhe und die Juden in Italien. Dem iialienischen Parlament liegt eilt Gesetzentwurf zur Verhandlung vor, Ivelcher die SonntagSnihe obligatorisch in ganz Italien entführen soll. Oberrabbiiter von Florenz Dr. Margnlies nnb der Advokat Dr. M. Vinci verfaßten eilte Petition an das Parlament, lvekche vvtt sämtlichen Rabbinen Italiens unterfertigt ivnrde, dahingehend, daß diejenigen Inden, lvetcbe ben Sabbat nachweislich feiern, von ben Folgen des Gesetzes verschollt bleiben mögen. Diese Petition dürfte voraussichtlich von sämtlichen jüdischen Mitgliedern des italienischen Parlamentes unterstützt werden. Die rnmnnische Jndenfrage im französischen Parlament. AuS Paris wird geschrieben: Auch im französischen Senat ist Juc rumänische Jndensrage zur Sprache gebracht lvorden. DerJsenator Graf d'Annah hat in seiner Rede über die mazedonische Frage folgendes gesagt: Die den Orient betreffenden Fragen sind sehr zahlreich nnb berühren nicht nur die Türkei, fonbevn auch christliche Staaten. Rumänien ztntt Beispiel fährt fort, der Jndenfrage jenes Lundes eine Lösung zu geben, deren Intoleranz sich scbleclu mit ben Abmachungen des Berliner Vertrages vereinigen läßt. Glanbeit Sie nicht, daß Europa die Pflicht hätte, die Regiertntg zn Bukarest anfzufordern — ohne im übrigen ihre Empfindlichkeit zu verletzen — ihm Rechenschaft über die in dieser Angelegenheit getroffenen Älaßregeln abznlegeit? Man lvird mich fragen: lver soll sich denn an die Spitze dieser Belvegtntg stellen? Wer lvird es ttnternehnteit, die Mächte zur Prüfung dieser Fragen ztl veranlassen? Ich scheue mich nicht, zr> sagen, daß nach meinem Wunsch Frantrcich dies tun müßte. Frankreich hat int Orient noch eine große Mission zn erfüllen, und die Vorlesung des Gclbbnches belveisi »ns, daß nach der Anffasfung des Ministers des Anslvärtigen Initiativen dieser Art trns nicht untersagt sind. — In der Antwort, die Herr Dcleane auf die Rede des Grafen d'Alinap gab, wurde die Angelegenheit der rnmällischen Inden mit feinem Wort erwähnt, worans zn entnebineu ist. daß Herr Deleasse sieb durch das „daitlenswerte Entgegentonnnen" des Grafen Büloiv nicht beschämen lassen lvill. Die Exzess«: geg«:n di«: Juden. Aus K i s ch i n e w wird geschrieben: Die offizielle Untersuchung, welche am 9. April ftatifanb, ergab, daß die Zahl der getöteten Juden 37 betrage. Beinahe alle Verletzungen waren tötlich, da fast alle Hiebe mit schweren stumpfen Waffen gegen den Kopf der Verletzten geführt wurden, weshalb auch an den Körpern der Ermordeten kein Schnitt sichtbar ist. Im

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