Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 19 (8.5.1903)
- Date
- 1903-05-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 8. Mai 1903 Seftte 3 Die Straßen KischenewS bieten auch jetzt noch ein Bild wie nach einer Belagerung, Aufgerissener Straßenpflaster, offene Fensteröffnungen, audenen Fenster und Rahmen ausgerissen waren, aus den Trottoiren Scherben, Möbelreste, Türfiillttugen, Zeugfetzen und zertrümmerter Hausrat. Ein großer Teil der Läden ist geschloffen, auf den Straßen sind Soldaten postiert, jede Ansammlung von Publikum ist verboten. Traurig ist nur, daß das am Orte befindliche Militär nicht 18 Stunden früher am Platze war. Ein paar blinde Salven hätten genügt, die rohen Arbeiter zur Besinnung zu bringen und mindestens 600 Familien ihren jetzt vernichteten Wohlstand zu erhalten. Unter den Juden sind bis 300 Verletzte und auch Schwerverwündete. Bis jetzt sollen 38 Personen ihren Verletzungen erlegen sein. a Atts Podwoloezyska, erhalten wir von unserem Korrespondenten folgenden Bericht. Löbliche Redaktion! Mir liegt ein Brief aus Kischenew vom 13. d. M. a. St., in russischer Sprache vor, folgenden Inhaltes: Am Sonntag den 6. d. M. a. Si., um 3 Uhr nachmittags, versammelte sich eine Rotte Jungeus und begannen die FensterschcMn einzuschlagen. Bald darauf erschienen erwachsene und ältere Leute, die gleich mit Raub begonnen haben. Sie taten dies ausschließlich bei den Juden. Was nicht geraubt und nicht mitgenommen werden konnte, wurde zur Gänze vernichtet. Dies dauerte bis 10 Uhr Abends. Die Nacht verlief ruhig. Am nächsten Morgen um 7 Uhr haben die Leute wieder an allen Ecken und Enden der Stadt mit Raub und diesmal auch mit Mord begonnen. Die Möbel der geraubten Juden wurden von den oberen Stockwerken durch die Fenster auf die Straße hinausgeworfen, von den unten Stehenden dagegen mit Hacken zertrümmert. Kleider und Wäsche wurden in Fetzen zerschnitten, die Polster ausgeschnitten und die Federn auf die Straße geschüttet, so daß es wie ein Schneegestöber aussah. Die Zahl der Räuber belief sich auf 800—1000 Mann. Todte gibt es bis nun, soweit es bekannt ist, 39 Personen, Schwerverwundete 66, leichter Verwundete über 500. Sämtliche weisen größtenteils Kopfwunden auf. Mit den Leichen trieben die Antisemiten ihren Spott und schnitten dem einen die Zunge aus, dem andern schlitzten sie den Bauch auf und füllten die Bauchhöhle mit Federn. Von den Räubern sind drei tot am Platze geblieben. Die Panik, die da herrschte, ist unbeschreiblich, über die Hälfte der Stadt wurde ein Opfer des Raubes, der Schaden geht in die Millionen. Es ist unmöglich, die Grausamkeiten mit Worten zu schildern. Im Hause, in dem ich wohne, wurden 5 Personen getödtet und 11 verwundet, der Sohn meiner Wirtin wurde getödtet, diese und ihre beiden Töchter schwer verwundet. (Eine von vielen Grausamkeiten, die mir ein Jude aus Kischenew persönlich erzählt hat, will ich hier anführen: Eine Bande Räuber kamen zu einer Frau, die eine Milcherei besaß und verlangten mit der Drohung des Mordes von ihr Geld; die arme Frau erklärte unter Eid, daß sie außer den 11 Kühen, die ihre einzige Stütze sind, kein einziges Vermögen hat. Dies hat die verbissenen Russen nicht gerührt; die unglückliche Frau mußte in die Sl älle gehen und die Kühe ihnen übergeben. Die Räuber lödteten in Gegenwart der Frau alle 11 Kühe und sodann spalteten sie den Kopf der unglücklichen Frau, welche sofort als Leiche zu Boden fiel. Nach geschehener Arbeit wurde das Standrecht proklamiert. Viele der geraubten Sachen werden jetzt wieder unterschoben, andere wieder verbrennen die geraubten Sachen. Diener erschlugen ihre Brotgeber. Jetzt wurden ergebenden Paritäten und weiß in jedern Momente durch bloße Kopfrechuung de» günstigsten Zahlungsmodus herauszufinden. Den Industriellen ist zur Vermeidung von Kursverlusten bei Geschäftsverbindungen in Salonichi und anderen Lebauteplätzen anzuraten, auf allen Akzepten den Vermerk anzubringen: „zahlbar in Scheck auf Wien" (Paris, London usw.). Bei Beurteilung der Jruportchancen für Salonichi ist ferner in Betracht zu ziehen, daß die industrielle Entwicklung Salonichis eine bedeutende ist unb eine noch größere 31t werden verspricht. Zur Entfaltung einer Großindustrie in der Türkei fehlt es fast überall an Kapital, Unternehmungsgeist, Kommunikationen und Arbeitern. In Salonichi aber gibt es, lvenn auch nicht viele, so immerhin einige kapitalskräftige Leute, Unternehmungslust bringen die Spagnolen, ihre Fraueil und Mädchen eignen sich gut für die Fabriksarbeit, und schließlich sind auch die Kommunikationen, Eisenbahnlinien, und Straßen, aus strategischen Gründen, in einem erheblich besseren Zustande als in einem anderen Teile des Reiches. In der Tat bestehen in und um Salonichi mehrere gut prosperierende industrielle Etablissements, so daß mail schon, jetzt von Salonichi als dem Jndnstrirzentrum des osmanischen Reiches sprechen kann. Das Mehl der Allatini'schen Dampfmühle wird weithin versendet, das Bier der Brauerei Olhmpos hat dem Absatz fremden Bieres großen Abbruch getan, in den Baumtvollgarnen der niedersten Nummern hat die Salonieher Spinnerei den italienischen Import ganz verdrängt, die Ziegel der nahen großen Ziegelei decken nicht nur den Lokalbedarf, ferner werden Wirklvaren, Parfümerien usw. sehr billig am Platze selbst erzeugt. Das Schmerzenskind Salonichis ist der von einer französischen Gesellschaft, Ivelche die Konzession von der Zivilliste des Sultans übertragen erhielt, errichtete neue Hafen, der zwar sertiggestellt ist, aber durch allgemeines Uebereiukonnnen der Schiffsgesellsthaften und Kanflente vollständig bohkottiert wird, so daß die Schiffe nach wie vor draußen auf der Rhede liegen und die zahlreichen Hangars gänzlich leer stehen. Die Hafenanlage selbst leidet an zwei großen Fehlern: sie ist vor allem zu klein, als daß sie allen Schiffen den nötigen Raum gewähren könnte, und sie ist auch nicht geschützt genug, weil der Wellenbrecher in gerader Linie statt in Segmentform geführt ist und den seitlvärts hereinprallenden Sturmwinden Spielraum läßt. Auch ist der seinerzeit vorgesehene Anschluß an die oorientalischen zirka 700 Personen arretiert, früher hat die Polizei nach Kräften zu rauben mitgeholfen. Die Patrouille hat die Leute in der Arbeit nicht gestört, ja sogar viele Polizisten übernahmen selber das Kommando und munterten den Pöbel auf, mit den Worten „Vorwärts, Kinder, schlaget die Juden", dies wird sogar von den arretierten Russen bestätigt. Die Arretierten fragen jetzt die Polizisten, die sie ins Gefängnis führen : Weshalb sperrt ihr uns jetzt ein, ihr habt uns doch selber anbefohlen, zu rauben? Die Lage der Beraubten ist eine schreckliche, es herrscht ein unbeschreibliches Elend. Gestern noch reich gewesene Leute, haben heute kein Stückchen Brot und danken Gott, daß sie das nackte Leben gerettet haben. „Helfe jetzt, wer es kann". Dr. B. Kohn. Ungarischer Brief. B u d a p e st, anfangs Mai. Die politische Lage in Ungarn gleicht heute einem Tohuwabohu, aus dem für die Regierung ein Entrinnen unmöglich zu sein scheint. Dies scheint aber nur so, denn wer die ungarischen Verhältnisse genauer kennt, wird es nicht für unmöglich halten, daß, bis dieser Artikel aus der Preffe kommt, die Wirrnisse hierzulande auch vollständig „geklärt" sein werden. Das magyarische Temperament ist vollständig unberechenbar und unverläßlich, und ist ebenso imstande, einen scheinbar auf Leben und Tod geführten Kampf ohne wichtigen Grund aufzugeben, wie es ohne nennenswerten Anlaß sich in einen blutigen Kampf — hineinredet. Die ganze Ex-Iex-Geschichte ist eine politische Komödie, die niemand ernst nimmt und die höchstens dem nominellen Führer der Unabhängigkeitspartei Franz K 0 s s u t h Verlegenheiten bereitet. Wir Juden haben von diesen Zuständen nichts zu erwarten und haben durch dieselben auch nichts verloren, denn wenn wir auch, was das Judentum betrifft, noch nicht bei dem offenkundigen und zugestandenen Ex-lex angelangt find,, so bekommen wir es allenthalben und allerorten zu verspüren, daß man mit den Ergebnissen der Judenassimilation kompetenten Ortes nicht zufrieden, und auch gewillt ist, diese Unzufriedenheit von Zeit zu Zeit durch Erlässe gegen die religiösen Gefühle des Judentunis zum Ausdrucke zu bringen. Wir haben erst jüngst auf die Erläffe gegen die jüdischen Trafikanten und Pfandleihanstaltenbesitzer hingewiesen und Ihr Blatt war in der Lage, die antisemitischen Expektorationen des Munizipiums des Pester Komitates zu reproduzieren. Diese Angelegenheit, von welcher die hiesigen jüdischen Blätter erst durch Ihr Blatt Kenntnis erhalten haben, dürfte übrigens noch einen Nachspiel haben, da das Organ der ungarischen Orthodoxie, die „Allgemeine jüdische Zeitung" eine Protestaktion gegen diese Wutausbrüche des Pester KomitateS einzuleiten gedenkt. Charakteristisch bleibt es jedenfalls, daß daS erste und bedeutendste Komitats-Munizipium des Landes, in dessen Mitte eine nicht unbedeutende Anzahl von Juden sitzt und mitstimmt, ein solcher, jedem Hetzkaplan zur Ehre gereichenden Bericht hcrausgeben konnte. Und so sind wir denn dort angslangt, wohin uns ein Nachdenken über die Lage und die Zukunft der Juden in Ungarn stets führen muß: zn dem Verhalten der Juden selbst. So oft ein Hieb gegen das Judentum geführt werden soll, werden jene Herren Juden, die heute eine politische oder sonstwie eine gesellschaftliche Rolle spielen, damit beruhigt, daß Eisenbahnen noch nicht hergestellt. Die Hasen- und Hangargebühren wurden überdies in solcher Höhe normiert, daß sie zu einem einstimmigen Protest aller Interessenten bei der türkischen Regierung führten. Der Protest ist unerledigt, aber auch der gegenwärtige Zustand ist speziell für unseren Handel sehr nachteilig. Die Waren werde,! nämlich jetzt außerhalb des Hafens auf Mahonen umgeladen nnd sodann durch Ruderbote in den Hafen befördert, wo sie Abgaben zu entrichten haben. Die Abgaben, welche die Sehiffsgesellschaften ersparen, belasten den Kaufmann umso härter. Dazu kommt noch, daß die Waren, wenn sie nicht sofort zum Zollamt überführt werden können, luie z. B. an Freitagen und mohammedanischen Feiertagen, in den Mahonen oder ungedeckt am Kai lagern müssen nnd durch Diebstähle, Wetterunbilden usw. Schaden leiden. Diese Uebelstände haben es mit sieh gebracht, daß viele Wsaren, die früher mit Schiff über Triest gingen, nunmehr den Eisenbahnweg vorziehen. Besonders tviehtig ist dies bei Zucker, der in Salonichi mit einer Kaitaxe von 12 Piastern pro Tonne belastet ist nnd deshalb billiger per Bahn kommt; da aber die Bahnfracht nur einigen günstig gelegenen ungarischen Fabriken konbeniert, so wird der österreichische Zucker durch den ungarischen verdrängt. Auch in Kaffee, Spiritus usw. macht sich eine derartige Umwälzung in den Jmportverhnltnissen zum Schaden Oesterreichs bemerkbar. Die Zollchikanen, ivelche in Konstantinopel den Import ganzer Wnrengruppen (Lebensmittel, pharmaeeutische Produkte usw.) unterbindet, sind in Salonichi weniger fühlbar, da in der Provinz die Intervention der Kaufleute bei den maßgebenden Funktionären infolge persönlicher Beziehungen eine erfolgreichere ist als in der Hauptstadt. Der am lebhaftesten zu beklagende Uebelstand ist der im Widerspruch zu den Grundprinzipien aller Handelsverträge stehende tisus der türkischen Regierung, neue Zollverordunngen nicht zn publizieren, sie nicht einmal den diploumtischen Vertretungen mitzuteilen, sondern sie erst im Anwendungsfalle den Interessenten indirekt zur Kenntnis zu bringen. Den Inhalt der Verordnungen bilden freilich nicht selten derartige Willkürakte, daß die Verordnung bei rechtzeitiger Bekanntgabe auf einmütigen Protest stoßen würde. Die Publikation der Zollverordnungen hcrbeizuführen, sollte eine der ersten und wichtigsten handelspolitischen Aufgaben unserer diplomatischen Vertretung sein. ' es sich ja nur um diejenigen handelt, die daS „Judentum auch halten", aber nicht um die guten, assimilierten Neomagyaren, die durch solche Verfügungen überhaupt nicht getroffen werden. Es handelt sich einfach um die „polnischen Juden" (so wird hier jeder gläubige Jude benannt) und gegen diese müffe auch der gut patriotische magyarische Jude selbst seine Hand bieten. Während nun unsere Großjuden sich in überschänmender Glückseligkeit von ihren christlichen Mitbürgern dulden lasten, benützt die magyarische Gesellschaft, unterstützt von der pseudoliberalen Regierung Szell, diesen narkotischen Zustand der Gesellschaftsjuden, um unbemerkt den vollständigen wirtschaftlichen Ruin der ärmeren Juden und des jüdischen Mittelstandes vorzubereiten und möglichst rasch herbeizuführen. Ich habe Ihnen schon des öfteren über das Gebaren der sogenannten christlichen Genossenschaften auf dem Lande berichtet. Ursprung und Endziel dieser christlichen Gründungen ist der unverfälschte Antisemitismus, der nach berühmten Mustern sich nicht mehr damit begnügt, den Juden den Weg zu Aemtern und Stellen zu verrammeln, sondern immer zielbewußter daran geht, dem armen Landjuden einfach jede Lebensmöglichkeit zu nehmen. Der Jdeengang der ungarischen Antisemiten ist ungefähr folgender: Der Kampf gegen die jüdische Religion — die ursprüngliche Form des magyarischen Antisemitismus — hat zu keinem Erfolge geführt, weil die assimilierten Juden die Dogmen und Riten von selbst vernachlässigten; als Rasse und Nation können sie nicht angegriffen werden, denn die ungarischen Inden leugnen ja selbst eine eigene Nationalität zu sein, der Heb l müffe eben dort angesetzt werden, wo etwas erreicht werden kann nnd das ist das wirtschaftliche Gebiet. Aber auch da unterscheidet der magyarische Antisemitismus zwischen Erreichbarem und Unerreichbarem. Die reichen Großjnden bleiben ungeschoren, denn erstens gibt es deren sehr wenige, so daß sie in ihnen keine „Gefahr" erblicken, zweitens bezahlt ja der reiche Jude auch reichlich die Duldung, die ihm zuteil wird. Hingegen hält eS der magyarische Antisemit für sehr wichtig, die Vermehrung der Reichen unter den Juden zu verhindern. Durch diesen prophylaktischen Antisemitismus sollen die kleinen und mittleren Existenzen vollständig ruiniert, an den Bettelstab gebracht, zur Auswanderung gezwungen werden. Aber auch diese Art des Antisemitismus hätte bald abwirtschaften müssen, wenn er in der jetzigen Regierung nicht eine Stütze gesunden hätte. Die verschiedenen Berichte über die Malversationen und Zusammenbrüche von solchen, gegen die ungarischen Landjuden ins Leben gerufenen Genossenschaften sind ja den Lesern Ihres Blattes bekannt. Eine jede andere Regierung, die es nicht auf die systematische Zugrunderichtung eines Volksstammes absieht, würde solche unter der Maske wirtschaftspolitischer Einrichtungen gegen das Judentum gegründete Unternehmungen wenn auch nicht verbieten, aber doch zumindest an ihrer eigenen Unfähigkeit, an ihrer inneren Unhaltbarkeit zugrunde gehen lassen. Die ungarische Regierung aber dürfte keinen Ackcrbauminister Daranyi in ihrer Mitte haben, wollte sie sich von solchen wirklich liberalen Prinzipien leiten lassen. So aber läßt die ungarische Regierung im M a r m a r 0 s e r> Komitate. also gerade in einer Gegend, wo die meisten unbemittelten, noch am alten Glauben und am alten Stamme festhaltendeu Juden leben, selbst Genoffenschaftslager errichten. Es wurden auf Veranlassung des Nachfolgers des berüchtigten Regierungskommiffärs Egan, Josef Kazy, in Marmaros-Sziget selbst ■ eine Zentralverkaufsstelle und in 14, von Juden dicht bewohnten Gemeinden des Komitates, in welchen bis jetzt der Kleinhandel in Händen der Juden lag, genossenschaftliche Verkaufsstellen errichtet. Der Ackerbanminister hat für die Zentralstelle 30.000 Kronen und für die Filialstellen je 2000 Kronen Jahressubvention bewilligt. Um aber vollends zu zeigen, daß die Regierung mit dieser antisemitischen Genossenschaftsaktion vollständig einverstanden ist, zeichnet sie bei jeder eine Filialstelle errichtenden Genossenschaft je vierzig Anteilscheine zu 50 Kronen. Und dies alles geschieht zur Rettung der — Ruthene», die von dieser „Rettung" nichts wissen wollen unter dem Beifallsgejohle der liberalen Großjuden, die: in der Dekoration des Pester Knltuspräsidenten genügenden Ersatz für all die Qualen der armen, unterdrückten, ihrer Existenz beraubten Inden des Landes erblicken. Chronik. Inlands Von der israelitischen KultnSgemeinde Wien erhalten tmr Igendes Schreiben: An die löbliche Redaktion des „Jüdischen Volksatt", Wien. Ich beehre mich um gefällige Aufnahme nachfolgendes >s Notiz höflichst zn ersuchen: „Wegen Neu-Jnstallatwn der cktrischen Beleuchtung bleibt der Leopoldstädter Tempel 2. Vezrrk, empelgnsse, vom 1. bis Ende Mai d. I. geschlossen. Wahrend eser Zeit findet der Gottesdienst im kleinen Betsaale. 2. Bez., empelgasse 3, statt." Der Vorstand der Wiener israel. Krrltus- -meinde. Mit vorzüglicher Hochachtung Dr. Lieben, Sekretär. Wir kommen mit Vergnügen diesem Wunsche nach, müssen ier daran einige Bemerkungen knüpfen. Das Sekretariat der ultnsgemeinde teilt seine Mitteilungen ein in wichtige, tme z. B. lß im Leopoldstädter Tempel das elektrische Licht eingeführt wird —- ese tverden in liberaler Weise allen jüdischen Blättern zugeschlckt, ld in nebensächliche, wie z. B. daß das Budget der i d i s ch e n G e m e i n d e vom 20. April an durch 14Tage zurEmht aller Steuerträger aufliegt — diese werden nur den „emstchts- >llen" Blättern zugesendet. Diese „einsichtsbollen" Blätter sind so nsichtsvoll, solche Mitteilungen in dein Annoncenterl zu aeieren, ivo sie niemand sucht. So versucht man das Budgetecht der jüdischen Steuerträger zu eskamotieren. Der Streich ißlang mrr deshalb, weil die Redaktion des „I. V." auch ine 'stüre der „Wiener Zeitung" Pflegt, eine Lektüre, die manchmal, ie der Fall zeigt, sehr lohnend ist. Wir richten daher au das ekretariat die Aufforderung, in Zukunft solche Mätzchen 51p unterteil: das Budget der Wiener Kultusgemeinde darf das Licht der