Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 17 (24.4.1903)
- Date
- 1903-04-24
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 17 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 24. April 1903 Seite in Galizien ausüben, wie lauge werden sich die anderen Stämme die Resolution bieten lassen miissen? Wollen wir einmal die Chancen der Resolutionen abwägen. Obschon die Nesolntion die all- und alleinpolnische Regierung der Polen in Galizien repräsentiert, gibt es eine Partei, der diese Rolle im engen Nahmen Galiziens nicht ausgiebig genug für ihre Expansionsgelüste erscheint. Wer kennt nicht den Einfluß der Polen in dem Gange der österreichischen Politik. Sitzen ja Schareil von Stanczyken in den höchsten Regieruiigskreisen in Wien; sie bewerten ihre wissenschaftliche Ware nach einer sehr ansgiebigeu Skala, während in Galizien ein zweites polnisches Heer sich mästet. Wird aber die Resolution zur Tat, dann hört Galizien auf, ein wichtiger Teil des österreichischen Landes zu sein, eS besteht dann die Gefahr, daß die polnischen Beamten außer dem Bannkreise Galiziens nicht mehr zur Regierungsarbeit zugelassen werden — und da nuten im Osten gibt es wohl für alle verlorerien Schlachzizen keinen Platz. Auch würden am Tage der Sonderstellung Galiziens keine österreichischen Millionen nach Galizien abfließen. Daher gibt es schlauberechnende Rechner im Polenklnb selbst, welche die Resolution als Danaergeschenk verwerfen, obschon das unglückliche Polen eines derartig unverfälschten Eigenbesitzes als Sammelpunktes zu Jnsurreklionszwecken dringend benötigt. Hier also, wo die Magenfrage die Herzfrage streift, erweist die erstere sich als eine Macht, vor der die letztere die Segel streicht. Allein noch ein zweiter Umstand gibt den polnischen Chauvinisten zu denken. Sollten die Allpolen obsiegen, die Resolution als die allein beglückende politische Aktion anerkannt wereen — und Galizien von der Zweistaatenmonarchie abgetrenut werden, dann treffen die freien polnischen Milizposten airf die wenig nachgiebigen Sensenmänner des ruthe Nischen Volkes oder wer weiß, ob nicht gar auf Pulver und Blei der russischen Bruder. Unsere Erkundigungen m dieser Hinsicht trügen nicht, daß gegen alle derartigen Neuerungen, der Auslieferung der landesfürstlichen Bezirksämter an polnische Bezirksmarschälle, das ruthenische Volk w i e ein M a n n s i ch e r h c b e n tv i r d. Dann — werden die Klinge» und die Sichel und die Sensen sich schrecklich messen. Ob dieses politische Neugalizien das Tageslicht erblicken könnte, möge sich jeder ausrechnen! Ans diesem Bilde mit dem blutgetränkten Hintergründe läßt sich die Position der Juden auf diesem Schlachtfelde leicht herausfinden. Freilich würde eine neutrale Haltung bei diesem Spiele mit Feuer zwischen zwei größeren Volksstämmen das Nichtige sein; wer weiß aber, ob eine Neutralität möglich wäre; vielleicht zwingen die Verhältnisse die Juden zu einem aktiven Vorgehen. Leider ist das jüdische Lager seit den Achtzigerjahren angefressen vom Roste der Zwietracht, gesprengt durch das Hineinsvielen der „Juden bis auf Widerruf", unter dem Banner des Talmipolentums. Eine andere Partei jüdischer Galiziauer hat das Gefühl, in dem Schlachzizentum das verfeinerte Menschentum zu erblicken, bei dem unsere Vorfahren als Haus- und Hofjud'en gut gelebt und ihre Feiertage und Sabbate „gräflich" durchgesungen haben und keine leeren Fleischtöpfe am Herde hatten. So weit die polnische Zunge klingt, ist diese herrliche Zeit der süßer» Hausfaktorei bei Sklavenseelen noch unvergessen. Nun gibt es wieder ein ganz . kleineres Häuflein modernster emanzipierter Auchjuden ä. la Kolischer, die ihre Spezialinteressen mit denen der hochadeligen verbinden, um auf diese Weise sich mithinautragen zu lassen in jene sonnigere Atmosphäre des Schlachzizendaseins. Dieser Zirkel wird gewiß keiner Mulatio rermn, keiner Verschiebung und keiner Veränderung des gegenwärtigen Systems seine Zustimmung geben. Es bleibt noch immer das Gros unseres Volkes, welches einer Konzentrierung seiner Kräfte und einer Sammlung bedarf! — Wer ist nun ans dem Markte des politischen und sozialen Lebens noch vorrätig, der sich in die Bresche stellen könnte, um die Führung des so arg zerfaserten jüdischen Volkselementes zu übernehmen? Darin liegt die ganze Schwierigkeit der Situation. Gewöhnlich pflegte sich der Blick des Volkes auf die hervorragendsten Advokaten zu heften, als die Rechtsgelehrten und Redegewandten in einer Person. Allein die gegenwärtige Phase hat die Advokatur entmannt, dieselben zu Spielbällen in den Händen des Richters und des Staatsanwaltes gemacht. Diese beschleicht schon jetzt, nach kaum wenigen Jahren des neuen Gerichtsverfahrens, die Daseinssorge, die eine schlechte Empfehlung für einen Volksvertreter in großem Stile bildet. Indessen spielte die Vorsehung die mütterliche Fürsorge und schuf in der jungzionistischen Bewegung ihre Aushilfsorgane. Das jüdisch-nationale Denken und Empfinden halten seit einigen Jahren Einzug in die Gemüter jener Volksschichte. Eine förmliche Prophetenschule erblüht uns aus der Jugend, die den Doppelkampf zu führen hat gegen die falschen Propheten der Assimilation, welche im Innern ihr Volk zerfressen und zernagen, lote gegen die natürlichen Feinde Israels, gegen die edle Nachkommenschaft der Edomiten und t Amalekiten oder moderner Anti- und Asemiten. In jeder Stadt, i ja in jedem Städtchen selbst finden sich Männer, die im Be- I wußtsein der nationalen Pflicht an ihre Gemeinde herantreten, ihr die Situation begreiflich machen und sie zur Mitarbeit aneifern. Diese Aufgabe der Wahrung des eigenen jüdischen Volksinteresses hat aber der Verein „SchomerIsrael" vor 37 Jahren dem galizischen Judentum auf die Seele gebunden. Leider stieß der unglückselige Geist des Widerspruches, der alte Unhold, der uns die Wahrung und die Bevorzugung fremdnationaler Angelegenheiten, oder biblisch ausgedrückt, die Hüterrolle bei fremden Weingärten zu übernehmen und die eigenen niedertreten zu lassen hieß, die besten Mitarbeiter ab; er hat wohl unser Los zu dem bedauernswertesten gemacht. Allein der Zionismus, aufgepropft auf das Banner der jüdisch-nationalen Politik, kann wieder Wunder! wirken, kann die Vereinigung aller jüdischen Kräfte zum Zwecke \ des Niederhaltens der Resolutionsgelüste herbeiführen. Wir dürfen uns keiner Täuschung hingeben, zu glauben, daß ein Galizien als unabhängiges Land ein Paschalik ohne Furcht und Tadel von oben, für die Juden Galiziens ein Eldorado bilden wird. Das Gegenteil von dem liegt in seinen gräßlichen Resultaten vor. Zum Beispiel die Ausscheidung der Juden aus der autonomen Verwaltung, die kulka rolnicka, die Entziehung des Salzverschleißes und tausend andere Boykotts, welche das Leben und das Fortkommen der galizischen Juden in Galizien, auf der heimatlichen Scholle, durch jesuitisch-klerikalfeudale Noblesse zur Unmöglichkeit machen. Als einzig politisch richtiger Weg erscheint uns der Zusammenschluß unsererKräfte mitall denen, welchen die Hegemonie der polnischen Schlachta gefährlich werden kann. Freilich werden wir uns den Vorwurf der Voreingenommenheit für die Ruthenen nicht ersparen, man wird mit der Anklage kommen, die Landesgenossen von dazumal hätten uns im Stich gelassen, dahar auch den Durchfall einiger unserer aufgestellten Kandidaten herbeigeführt. Dem gegenüber fällt schwer in die Wagschale der Umstand der kurzen Frist des geschlossenen Paktes, die es nicht gestattete, die Instruktionen an die bäuerlichen Wähler weiterzugeben. Deshalb konnte man diese neuen Posten, wie PrzemySl, Grodek, Taruopol, nicht halten, hingegen haben die Ruthenen ihre Pflicht getan in Drohobyc, Kolomea, Buczacz, Sniatyn. So wurde denn der Semit! eine Macht ebstien Ranges in dev Weltgeschiichte. Gleich einer blinden Naturkraft — denn der Wille ist blind — stürzte er sich auf andere Völker; er verschwand in ihnen, sie nahmen ihn auf; inan sah wohl, was diese Völker ihm gegeben hatten, doch nicht, was er ihnen gab, denn was er gegeben, besaß keine Physiognomie, keine Gestalt, es war nur Wille: Eine erhöhte Energie (was oft zu großen Leistungen anregte), eine schwor zu beherrschende Erregbarkeit und einen unsüllbaren Durst nach Besitz (was oft den Untergang herbeiführte), kurz eine bestimmte Willensrichitiung; überall, wo er sich niederließ, hatte der Sonnt Zunächst um) das Vorhandene angenommen und sich assimiliert, den Charakter der Völker hatte er aber geändert. Die intellektuelle Begabung und die Moralität sind individuelle Anlagen; der Jude ist, w i e a n b e t e M e n - schon, k l u g o d e r d n m in, g n t o d e r s ch l e ch t; wer das leugnet, i st n i ch t wert, daß m a n in i t i h in r e d e; lvas dagegen nicht individuell ist, das sind les plis de la pens6c, wie der Franzose sagt, die angeborenen Richtungen des Denkens und des Tuns, die bestimmten Fallen, in die der Geist durch die Gewohnheiten van Generationen gelegt wird. Und so sehen wir beim heute jüdische Christen allermodernster Richtung, die, durch ihre Neigung, unsinnige Hypothesen oder bloße Notvorstellungen dev Wissenschaft für materielle, bare Tatsachen zu halten, durch ihre totale Unfähigkeit, sich über den borniertesten historischen Standpunkt zu erheben, durch ihr Talent, unmögliche, sozialistische und ökonomische Messiasreiche zu planen-, nnbekünnnert, ob sie dabet unsere ganze, imihsmn erworbene Zivilisation und Kultur zugrunde richten, durch ihren kindliämi Glauben, man könne mit Dekreten und Gesetzen die Seelen der Völker von beute ans morgen um» wandeln, durch ihre weitreichende Verständnislosigkeit für alles wahrhaft Große außerhalb der engen Grenzpfähle ihres eigenen Gedankenzirkrrs, und durch lächerliche Ueberschätzung jeder liliputanischen Geistestat, wenn sie nur einen Juden zum Urheber hat — man sieht, sage ich, solche angebliche Freigeister, die sich viel gründlicher und ausfallender als echte Produkte jener jüdischen Thora- und Talnmdreligton erweisen, als mancher fromme Rabbiner, der die hohen Trügendender Demut rmd der Gesetzestreue, verbunden int Liebe zum Nächsten, Aufopferung für die Armen, Toleranz gegen Nichtjuden übt, und so lebt, daß er jedem Volke zur' Ehre und jeder Religion zum Preise gereichen würde. Was bildet denn die geheime Anziehungskraft des Judentums? Sein Wille. Der Wille, der, im religiösen Gebiete schaltend, unbedingten blinden Glauben erzeugt. Dichtkunst, Philosophie, Wissenschaft, Mystik, Mythologie -sie alle schweifen weit ab und legen insoferne den Willen lahm; sie zeugen von einer weltmitrückien, speknlaitiven, idealen Gesinnung, die bei allen Edleren jene stolze Geringschätzung des Lebens hervorruft, welche dein indischen Weisen ermöglicht, sich lebend in sein eigenes Grab zu legen, lvelche die unnachahmliche Größe von Homers Achilleus nusmacht, lvelche. den deutschen Siegfried zu eimin Typus der Furchtlosigkeit steinpelt und lvelche in unserem Jahrhunderte monumentalen Ausdruck sich schuf in Schopenhauers Lehre vou der Verneinung des Willens zum Leben. Der Wille ist hier gewissermaßen nach innen gerichtet. Ganz anders beim Juden. Sein Wille stiueckte sich zu allen Zeiten nach außen; es lvar der unbedingte Wille zum Leben. Wir entnehmen diese Zitate den „Grundlagen des Hl Jahrunderts". als eine interessante, aber nicht immer richtige Kritik des Judentums. Ein großer Gewinn an und für sich war die Spaltung der galizischen Bertr, tnng iracfj Nationalitäten. Den Löwenanteil Vvn 40 Abgeordneten erhielten noch immer die Polen, 22 die Ruthenen, 5 die Inden. Schade nur, daß die Talmipvlen mosaischer Konfession die entont.e eordialo mit den Ruthenen nicht einhielten. Biel Unglück wäre verhütet worden und man hätte die grausame Schlachta verhindert, in Galizien ein polnisches Paschalik zu etablieren, uns Juden bliebe die Rechtlosigkeit und die moderne Pan sz cz y zn a erspart, die wir heute in so empfindlicher Weise zu tragen haben. Wollen wir daran arbeiten, um die täglich wachsende Gefahr der Vernichtung und des Unterganges der uns verbrieften Bürgerrechte zu vermeiden, — dann gibt es keinen anderen Ausweg, als Konzentration aller denkfähigen Juden in Galizien, Einsetzung von Komitees in Krakau und in Lemberg und in den anderen Städten, hervorgegangen aus den Wahlen eines I u d e n t a g e s. Irürmd. Aus der Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Zknllusgemeinde in Wien vom 15. April 1003 unter dem Vorsitze des Präsidenten kais. Rat Klinger. Beginn der Sitzung halb 7 Uhr abends. Im Präsidinlberichte bringt der Vorsitzende Präsident kais. Rat Klinger zur Kenntnis, daß. wie ihm mitgeteilt wurde, ein sehr geschätzter Kollege. Herr Emanuel Hoffmann, das Jubiläum seiner 40jährigen Berufstätigkeit feiere. Dieses Ereignis, obgleich außerhalb der Sphäre der Knltnsgemeinde liegend, biete jedoch willkommenen Anlaß, den verdienten Kollegen, der sich insbesondere durch seine Wirksamkeit für das Spital, ferner für die ehemalige Knltusgemeinde Währing und die dortige Chewra-Kadischa die Dankbarkeit der Gemeinde erworben habe, der allgemeinen Wertschätzung und Sympathie zu bersichern und die Glückwünsche des Vorstandes zum Ausdrucke zu bringen. (Zustimmung.) Anläßlich des diesjährigen Schlusses der Ausspeisung armer Schulkinder in der Brigittenau hält es der Präsident für augezeigr, des wohltätigen Wirkens des Kultusvorstehers Herrn Dr. Alfred Berger, des Brigittenauer Frauenbereines, des Damenkomitees, an dessen Spitze Frau Dr. Weiß, und des Herrenkomitees, an dessen Spitze Herr Heinrich Weiner steht, anerkennend zu gedenken und sei er der Zustimmung der Versammlung gewiß, wenn er den Genannten für ihre hingebungsvolle Tätigkeit in dieser eminent wohltätigen Sache den wärmsten Dank ausspreche. (Zustimmung.) Weiters bringt der Vorsitzende zur Kenntnis, daß der Direktor des Baron Springer'schen Knabenwaisenhanses, Herr Alexander Hecht, seit Jahren Zöglinge des Institutes für den Chor des Fünfhauser Gemeindebethauses zur Verfügung stelle, hierdurch zur Ausgestaltung des Gottesdienstes wesentlich beitrage, und hält er sich der Zustimmung der Versammlung versichert, wenn er Herrn Direktor- Hecht den Dank des Vorstandes zum Ansdrucke bringe. (Zustimmung.) Vor Uebergang zur Tagesordnung gedenkt der Vorsitzende in warmen Worten des beklagenswerten Hinscheidens des geheimen Regiernngsrates Professor Dr. Moriz Lazarus, des berühmten Verfassers der „Ethik des Judentums", und ersucht um den Beschluß der Versammlung, namens derselben an die Witwe des Dahingeschiedenen ein Kondolenzschreiben zu richten. Die Versammlung, indem sie dem Anträge beistimmt, erhebt sich zum Zeichen der Trauer von den Sitzen. Vizepräsident Dr. Alfred Stern berichtet über die am 9. -s. stattgehabte Einweihung des Betpavillons im Allgemeinen Krankenhause, welche sich zu einer sehr würdigen Feier gestaltete. Das Anzünden des ewigen Lichtes wurde von einer Ansprache des Herrn Rabbiners Dr. Schmied! begleitet, die Einweihungsrede hielt Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann. Nachdem Architekt Fleischer den Betpabillon an die Knltnsgemeinde, beziehungsweise — da der Präsident wegen Unwohlseins am Erscheinen verhindert war — an ihn, Redner, als Vizepräsidenten der Knltnsgemeinde übergeben Halle, richtete letzterer cru die Spitalsdirektion die Bitte, diesen Pavillon in ihre Obhut übernehmen zu wollen. In der Ansprache glaubte er, Redner, dreierlei Momente betonen gu sollen, und zwar: Den Dank an die Staatsbehörde und an die staatlichen Organe, sowie an die Kran - kenhausbertvaltung für die gewährte Förderung, den Hinweis, daß das tolerante Vorgehen der genannten Behörden und Organe bei diesem Anlässe als Fortsetzung der seit der Gründung des Allgemeinen Krankenhauses daselbst herrschendeil Nebnng imb Tradition anznsehen sei und endlich die Konstatierung, daß bei aller Anerkennung des der Knltnsgemeinde gewährten Entgegenkommens doch die AVoficu von unseren Glaubensgenossen allein bestritten ivorden sind. Es gebühre noch insbesondere der wärmste Dank dem Kollegen Architekten Fleischer, der, wie immer, mul, in diesem Falle seine hervorragende iünsrlerische Leistung mir vollster Uneigenniilzigkeit in den Dienst der Gemeinde gestellt hat. Ebenso gebühre auch der wärmste Dank dem ehemaligen VorstandSmitgliede Dr. Josef Grünfeld, welcher sich tim die Einleitung und das Fnslaiidekomiiieii ivesentliche Verdieitste erivorbeu hat. Präsident kais. Rat Kliitger ersucht lim die Znstimimntg, diese Dankesknndgebmig dem Protokolle eiuberleibeu zu dürfen. (Lebhafte Zustimmung.) Zum ersten Punkte der Tagesordnung, Bestellung von drei Geineinderabbinern bemerkt der Präsident, daß zur Beschlußfassung über diese Angelegenheit die Anwesenheit von 22 Vorstandsmitgliedern erforderlich sei, konstanert gleichzeitig die Anwesenheit voll 29 Mitgliedern und ersucht Herrn ersten Vizepräsidenten Doktor Stern, das Referat zu erstatten. Vizepräsident Dr. Alfred Stern gibt eint* Darstellung der Vorgeschichte der Rabbinerbesrellmig. Aus Grund von Berufungen wurden zwölf Probepredigten am Freitag-Abend im Leopvldstädrec Tempel und ebensoviele Erhörten beim Mittelschul-Jngendgottesdienste am Samstag-Nachmittag im Stadttemvel abgehalten. Es fanden sodann mehrere Besprechungen der Vertrauensmänner statt, ails welchen der Vorstand Gelegenheit hatte, die in der Gemeinde herrschenden Ansichten kennen 31t lernen. Hieraus, sowie ans verschiedene!, Kundgebungen ans der Mitte der Gemeinde, von Beihnnsvoritands- und Bezirkslollegien, von anderen Korporationen und von vielen Gemeindemitgliedern hat sich sozusagen ciuo öffentliche Meinung gebildet. Es ist den Herren erimlerlieh, daß sohin eilte allgemeine Besprechling, zli welcher sämtliche Vorstandsmitglieder geladen waren lind auch nahezu vollzählig erschienen siild', stattfand, und daß die Erschienenen mit einer an Einhelligkeit grenzende,l Majorität siel, zngniisten jener Kandidaten erklärten, lvelche bereits in den früher erwähnten Versalmilllingeil als die geeignetesten bezeichnet Ivorden ivaren. DaS Vertreterkollegium, ivelcheS der Frage der Rabbinerbestellnng nicht lveniger als sieben Sitzungen geividmet hat, fand keinen Anlaß, gegenüber dieser koilstatierteil cominilllis opinio eine abweichende Stellung einzliilehinen, zlnilal die in Frage konrmenden Persönlichkeiten krafr ihres Wissens, ihrer Fähigkeiten, ihrer bisherigen Wirksamkeit und ihrere Charaktereigenschaften einer Be-