Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 15 (10.4.1903)
- Date
- 1903-04-10
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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15 Wien, Freitüj-' .fÜelisf'.hCB V-;>il<sf; 10. Ajirii 1908 Ar y bn}j nur die Tüchtigsten studieren dürfe», die den keineswegs leichten Konkurrenzkampf oufnehmen können. Die anderen mögen sich dem Handel, Gewerbe, dem Ackerbau oder Handwerk zuwenden, aber nicht dem Studium, wo kein Reichtum, in den wenigsten Füllen Befriedigung, immer aber Plage ,\n holen ist. Im Interesse unseres Volkes uno des E»nzclnen niüssen wir cs fugen: Wir brauchen weniger Stnoinm, mehr Brot. tnteiiändernng" referierte Loninnn Aarhan (Oroß. 2lncb einer^ längeren Debatte, an welcher sich die Mitglieder Stalin, Klohr, Stern, Bienenstock nnd I>»slirht beteiligten, tvnrden die von den Herren (tzros; nnd ancckiebt ansgearbeiteten Statuten einstinnnig niigenoinmen nnd der Ansßhns; beauftragt, dieselben dem M'inisleriinn zn überreichen, lieber die Arbeitsvermittlung berichtete Ierr (brach nnd sarderie die Mitglieder ans, diese Institution ans das lntträftigße;n -1 n l e i fr i i tz en. Der O b >»»n >»n de r W i rt sch»i s < S - e! > i o n, Sj e r r I,,s l i e!; i, schilderte das Elend der jüdischen Arbeitslosen nnd rueist naeb, das; dnrcki eine siranline Irganisarian der jüdischen Arbeiter de»» Elend „bgehRsen laerden kann und fuhrt folgendes Beispiel an: Die Bor- Ucbcr die Anwendung des neuen Heimatsgesetzes. Alu!5. ds. spricht Hbf- und Gerichts-Advokat Dr. Lifözis über dieses Thema im Festsaale des „Jüdischen Volksvereins". Verein jüd. jugendl. Arbeiter „Brigittcnan". Vergangenen Sonntag kaitnte man seheii, iuas jüdische Jugend durch Einigkeit erzielt. Der Verein jüdischer jugendlicher stlrdeiter „Vrigittenali" veranstaltete an diesem Tage sein rrsles Gründlingsfesl. Unter deir zahlreich erschieneiren Gästen sah man' Vertreter mehrerer zionistischer Vereinignngen. .Nach der Vegrüspnigsansprache des Otmrannes ch'osenthal tarn ein musikalisches Stück der Damenkapelle „Weanamad'ln" znm Vortrag. Ten zweiten Punkt der Vortragsakadeinie bildete die mit grasten Beifall aufgenommene Festrede des .Herrn Tr. Bernhardt, worauf Herr Willi) Tnartner einige zionistische Gedichte vortrng, tvofür ihm reichlicher Beifall zuteil lvnrde. stc'achdem nun .Herr Biotin-Virtnose L ö!v Beethovens Sonate znm Bortrage brachte, deklamierte Frt. Rosa Pollak einige heitere Gedichte. Tie kleine, siebenjährige, äbünsllerin erntete so reichlichen Applatis, dast sie innner wieder vor die A'alnpe treten lnnstte; sie lnar die Krone der Vortragsakademio. Auch die übrigen .Mitwirkenden hielten sich wacker. Mit deir Leistlingen der .Herren Edi und .Haust klinisch sowie Bochmw loar das Publikum sehr zufrieden. Den Schluff des Abends bildete ein Tanzkränzchen. Sämtliche Anivesende waren in vergnügter Feststinnnling. — Kollegen! Achtung! Sonntag den 19. April 1.008: MonatSversamm- Iinni mit Vortrag. 7 Uhr abends, 20. Bez., Jägerstraste! gemacht. Nr. 10. Gesinnungsgenossen! Besuchet unsere Veran-! ou: stennebeiler sind dnrebscbnitllicb ösilicbe Juden und beträgt ihre Zahl —100',!velrlie beährend der Monnle Mürz bis Mai iiifatgder an arbeitslos sind. A'un ioüren diese!l>0 Arlreiler 'r p.eit, in der sie Arbeit haben, gut organigert, tonnten ,r durch ihre Einheit einen höheren Lohn velnngen, sie ck, für die geil ihrer Arbeitslosigkeit sieh gcgenseiich veroer.'gnltnsgemeiiide und Allim»; gegenüber die Forder?mg dos; die oon dieser Institution de:n einzelnen plan - und opslos geivührten Nnlerstütznngen der t'lllgemeinheit zugute loininen lud soll'die Verteilung der Unterstützungen den Arbeitern selbst übera’'K'i> teer den. Die Aufgabe des Vereines tvird es seht sein, die toten Saison arbeitslos sind. A'un ioüren diese gui> ioührend der p.eit, in der sie Arbeit haben, gut organigert, sie nicht nn könnten an sichern nnd ans stellen ko nnd c,■ jüdischen Arbeiter aller Kategorien^ wirtschaftlich. .;,» orgaun nnd die Paole mns; lauten: „Einer für alle, alle fine einen! dein nocli interne VerrinSanglckegrnh>'iten besprnclien^ toorden schließt der Vorsibende unter allgemeinen» Beifall die samnilring. _ Das Passabsrstes tvegrn fällt der dirsivöchenllirhe Vereinsabeno >oeg, dagegen tvird ain t!S. April nur reu tarhsind, NkonatSber Zvöchemlich Uhr abendt Herr Dgiia; Köln» über Hllrisebilder ans Palästina" einen Vortrag halrrn' 'und werden unsere ((sesinnnngsgenossrn zu diesem Vortrage böslick,sl einaeladen. . Buegtheatertarten für die ^onmagsvorstellunaen erhalten die Mitglieder zu ermässtgten FPrei,en. Vormerknn'gen jeden Donnerstag und Lainstag abends nn Vereinslokale. — I:hen Dienstag von 0—0 U()v abends Tairohaltüng^ain.-.'. Indischer Gesangverein „Schir Zion". Nebnugeu unter Leitung deS EhoriueiftcrS Herrn Pros. Lötvenitamnl an jedem- Mittwoch 7,8 Uhr abends. Uebnngstokal: 9. Bez., Türken straffe 9, 2. Hof, 8. Stiege, Mezzanin. Hilfsvcrcin für die notleidende jüdische Bevölkerung in wnlizien. Die Enltvicllnng nnd Organisierrlng dieses Vereines macht erfreuliche Fortschritte. Am 24. Mär,-; l. I. koi»',lit»!ierle sich mit sehr ansehnlicher Mitgliederzahl die „Drt-Sgrnppe Gablonz"^ In den Vorstand tvnrden getoählt die Herren Nabbiner 7-'- Hermann Baneth als Dbmann, Adolf Schindler als Dbmann-Stellvertreter, Isidor Unger als Schriftführer nnd I. Epstein als Zahlmeister. Um die Bildung dieser Ehrtrnroen .'serr D lrtsgrnppe hat sich in hervorragender Weise Se. . Eniil Hofmnml, Rabbiner in Reichenberg, ver- Ain 2<i. Mürg l. I. fand die konstituierende Ver 'rtSgrnppe Pilsen nnd Umgegend" statt. In den staltnngen, anitic'it für lmfcrc Verc'inignng. , Kreditinstitut für jüdische Gewerbetreibende nnd Beamte. An; 16. März d. I. fand im Stiftersaale des j Vorstand wurden gewählt die Herren IUDr. Joses Schangrr als - nnann, Alfred Erben als Oömann-Stellbertreter, Wilhelm Arnstein als Scbristführer, Leopold Nenmann als Schriftführer-Stellvertreter» Morib Bleirr als kassier nnd Adolf Burg als .Eafficr- , .. , , . Slellvertreler. Die Bildung dieser Ortsgruppe ist dem Einflnsse und Kailfmannllchen: Vereines, 1. Bez., ^ohannevgasse, die \ andanenden Bemühnnaen des Herrn Dr. Josef Schanzer zu ver- Zweite ordentliche Generalversammlung des Kreditinsti- J danken. Den Herren Dr. Simon Stern, Rabbiner, nnd Dr. Adolf illtes für jüdische Geioerbetreibende und Beamte statt. — (Anspach, Knltnsborsteher in Saaz. ist es ZU cherdanken. das; daselbst Dern Geschäftsberichte ist Zll entnehiuen, dast an; 31. De-1 Mitglieder ttlit ansehnlichen ^llhresbeitragen getvonnen wurden, ■c ... Inno ai rr°..f , -r-'.j. . hoc a-i-H-j. | Die Mitglieder haben nch vorläufig noch nicht als Ortsgruppe konitr.- zember 1 «B)>, eer Genelseilschaft attgehvtten.!>..(> > tniert. Der Hilfsvcrein zählt jetzt 41 Ortsgruppen mit zirka 4000 gueder. Das AnteilschelNvermogeik betrtlg 29-159 Kr.,! Mitgliedern. Demnächst toerden sich die Ortsgruppen Böhm.- der (L-icherstellullgsfonds 3200 K!r., der Beservesonds j Leipa, Pardubitz, Olmütz, Prospntz und Jägerndorf konstituieren. 8/(>.29 Kr., die Spareinlagen 1-1- 121.-18 Kw Ans der! Die Fahnenträger des Fortschrittes. Ebner der bekanntesten -r.a-g-cs0ldm.Ittg stundeine Aendernng der zLtatnlen vo^ i Fahnenträger des Fortschrittes ist Dr. Otto Frisch an er, der 7^b(U>(h naep bet Aichtung, dast, NM die weitere Geschäfte- . frühere Chef-Redakteur des „Wiener Tagblatt". Dr. Otto Frischfuhrnng det Genostensrpast ans blecke Ba>Iv Zll stellender aUt,L. — getauft,- dieser Umstand ist aber kein Hindernis dafür, das; die Wiener assimilatorischen Juden — pardou, Israeli teil — ihu als Heros und Verteidiger des Judentums feiern. Dr. Frischauer ist ei» Busenfreund des päpstlichen Nuntius Tagliardi. Doktor Frischauer nimmt aber sein Christentum bitter ernst; er versäumt nicht leicht eine Wallfahrt nach Mariazell und seine Kinder erzieht er in Knltsburg. Dr. Frischaller und die Jesuiten sollen sich sehr gut vertragen; das nimmt luls nicht wunder. Wir haben die geilS Frischauer immer für Jesuiteil gehalten. Wahrscheinlich ver Geschäftsanteil nunmehr auf 20 Kr. herabgesetzt wurde. — Die Wahl respektive die am 24. März d. I. stattgefundeue Konstituierung ergab nachstehendes Resultat: Znm Obmanne wurde gewählt Herr Moriz Pozsonvi, Obmann-Stellvertreter Herr Josef Wünsch, leitender Direktor Herr Emaimel Pollak und Schriftführer Herr Isidor Lowensteing weiter ins Di'rektorinm! Herr Dr. Arnold Ascher; als Ersabmänner die Herren A. B-ojko und Gottlieb Hermann. In den Aufsichtsrat wurden gewählt: als Obmaua Herr Richard Nappaport, Obmauu-Slellvertreter Herr Dr. Leo Knecht, Schriftführer Herr Arnold Roseufeld und als Stellvertreter Her Alfred Weistberger. Als Aufsichtsräte die Herren Hofrat Josef Kareis, Dr. Leon Drnbloloiez, Jakob Neichinann und Szwnon Kivaseheiosky; als Grsahmänner die Herren Siegfned Oser, Arnold Gntlmann, Heinrich Liebermann und Karl Deutsch; Ocsterl-.-uilrinl'. .Kantoren»,ercin. In der am 2. ds. stattgrhabtc'n chei"ral!-»'rsauuul!'ng des Oesterr.-ungar. K-antorenvercins!">ü'di'-! b'bertaiilor?<osef Singer als Präses, Oberkanlor Jakob Bauer als 1. Vizepräses, erster Kantor Moritz Blatt als 2. Vizepräses. erster oauior Isaak Schiller als Kassier, zu Vorsteher Re H.''-'---u Obertautoreil Bela chulimauu, Salomo» Jurl"'raer. ^>'a»er Sckmrr. Don Fuchs, Kantoren I. Lölvit, Philipp Ba''l, Red ckleur Alois Kulta, zu Kontrolloren Kantoren Josef Schlesinger lind Ed. Regner geivählt. Unsere Heldenväter. Nun, tveml Dr. Lueger jetzt ilicht abdanlt, dann gibi'S kein Mittel mehr gegen ihil. Ä6ir meinen die lltzle Bürgermeisteelvahl, bei der die Liberalen nlaililhaft durch Abgabe leerer Stilnmzettel demonstrierteil. Höher geht's nimmer. Wenn die Liberalen selbst leinen Nanien ivisse», deil sie an Stelle Luegers setzeil könnten, so braucht dem Lueger lvahrkich nicht lim seine Bürgermeisterherrlichk'eit bange zu lverderi. Doch >vir Ivollen gerecht seiil. Ein Liberaler bewies Mut: er setzte einen Nameil Nlif den Stimmzettel, lind zivar de» Nanleu deS — Dr. Lueger. Man sieht, inan kann von deil Liberalen lerne», lvie man Opposition »lacht. Aber das tut nichts. Wieder ilahen Wahlen lmd wieder lverden die jüdischeil Wähler mir ihre Stinnnen lind linl ihr Geld »ngegangeii lverden. Stiinmt nur unverdrossen für die Liberalen; die Liberaleii stimllren dafür für Llieger lind so gleicht sich alles alisl Allgemeiner jüdischer Arbeiterverein Wien, 2. Bez., Stefanieftl'tlsre 8. Donnerstag den 2. April d. I. fand die Moilaisver' saonnlmig des Vereines statt. N'aeb Begrüstnng der erschieneneil Mitglieder dnrcst den Obmann Herrn Nathan (straf; erstattete der kassier des Vereines Herr Saninel Inslicht den Kassa-Bericht pro Monat Btärz, lvie auch den Bericht über die MitgliederbelvegiNig. Ans dem Kassa-Bericht ist zu entilehine», das; lvährend des Monats März die Einnaljinen K. 1Stt.S;; „,,d die Ausgaben ttw.77 betragen habe,,, sonach betragen die Mehreinnahnlen K. 20.00. Der M!tgliederstand hat sich im Laufe des Monats März um IS Kollegen vermehrt, lvaö am besten belveist, das; der Verein im steten Wachsen begriffen ist. lieber den ziveiten Punkt der Tagesordnuiig, „Staind, weiligstens in ihren Umrissen zu erkentten. Auch nach der praktischen Seite ist unser Thema von Bedeutung. Von christlicher Seite ist uns ucuerdrugs lvieder der Fehdehandschuh zugeworfc-n worden. Ntan untersteht sich allen Ernstes dem Judentum die Existenzberechtigung streitig zu machen. Sollen -b-'se Fragen von uns znm Austrage gebracht werden, so wird es nur ans den Boden geschehen können, den unser Thema absteckt. Denn uns kommt es nicht darauf an, »vas ein mit allen Külisten der Sophistik ausgerüsteter Professor heute als das Wesen des Christentums heansdestilliert, sondern ans das, was es nach Dem Sinne seilles Urhebers sein sollte nrid auf das Urteil, tvclchks die beruseueu Führer unseres Volkes damals über die neu auftreteude religiöse Bewegung fällten. Redner entwirft ein Bild von der Verwaltung des Heiligen Landes unter den sogenannten römischen Landpflegcrn, die er nrit Recht als Landplagen bezc-ichnet nnd schildert eingehender die Zustände unter dem berüchtigten Pvntills Pilatus, dessen B-rwaltnng selbst in römische Quellen als eine einzige Kette der empörendsten Schandtaien geschildert wird. Recht und Gesetz waren außer Funktion gesetzt. Eigentum zu besitzen, orlbete eine Art Verhängnis. Das S i ka ri kv il g e setz, dessen die Mischnah im Traktate G i t t i n gedenkt, liefert h:erzn die beste Illustration. Die römischen Proknratoren entfalteten ein wahres Genie in der Entdeckung von immer neuen Gelegenheiten, dem armen Volke Gelder zu erpressen. Von besonderer Ergiebigkeit erwiesen sich ihnen die fortwährende Ein- und Absetzung der Hohenpriester. Um aber auch für die Z.wschi'nzeit etwas herausschlagen zu können, hielten sie die hoyeupriesierlichen Dienstgeivänder unter Beschlag. Die jedesmalige Herausgabe aus Anlaß der hohen Festtage mußte mit K)weren Geldopferu erfauffc werden. — Den Römern bleibt oer traurige Ruhm Vorbehalten, E'.sinder jenes Steuersystems;n sein, das über ihre Zeit weit hinaus zu einem Fluche des Iudenturns werden sollte. Erst vom Standpunkte unserer gereisten sozialen Einsichten erscheint dessen Ruchlosigkeit im rechten L-chte. Es bestand wesentlich darin, die Steuerlast im umgekehrten Verhältnisse zur Lcistungsfähigkeit zu verteilen — war somit nur der organisierte und disziplinierte Raub. Selbst die Schranken der Regel: „Wo nichts ist, da hat auch der Kaiser das Recht verloren", wußte es zu durchbrechen, indem es für schnödes Geld das Struerrecht ans die sogenannten Zöllner übertrug. Die hausten wie die Blutegel. Unter solchen Voraussetzungen erscheint es wohl verständlich, wenn nach der Mischnah der Zöllner als ein Auswnrs der Gesellschaft erschein,'. Auf seinen» Heller lastete eine Act Bannfluch. Es war daher nicht gestattet, bei ihm auch Scheidemünzen einzutauschen. Die Faurilie galt als geächtet, die einen Zöllner zu ihrem Mitgliede zählte. Merkwürdig, daß gerade Leute dieses Schlages zu den bevorzugten Genossen des Nazaräers gehörten! Die Evangelien liefern fast gegen ihren Willen cüren wichtigen Beitrag zur Illustration der schrecklichen Not, die damals in nuferem Volke grassierte. Gegenstand der meisten Wunder, von denen sie zu berichten wissen, sind die sogenannten Teufelaustreibungen bei Besessenen. Die graue Theorie der Exegeten hat behufs Erklärung dieser Erscheinungen eine neue Krankheit — die sogenannte Dämonensucht — erfinden zu müssen gesucht. Die Sache liegt in Wahrheit viel einfacher. Die Natur duldet bekanntlich keiner» leeren Raum, wo aber die Gefäße, welche Hirn und Muskeln mit frischem Blut zu versorgen haben, leer sind, dort eben können die Dämonen es sich bequem »nachen. Die ganze Nation fast bestand aus Existenzen, denen zur Fristung des Lebens nur noch die Luft übrig blieb. Da solcher- »naßen kein Mensch so leicht ettvas zu verlieren hatte, so konnten die Vvlksführer und Schwärmer leicht die Massen mit pich reißen. Unter ihnen tat sich besonders ein junger Führer > dankt Dr. Frischauer auch seine»» »»enesten Erfolg ans de»»» Gebiete! nas Nazareth hervor. Eine Erzählung aus dem Lucas-Evangelium bekundet deutlich, daß er in der Jugend zu Füßen der damaligen jüdischen Weisen saß. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß Hrllel oder Nass» zu seinen Lehrern zählte. Ar» dessen Sinnes- und Lehrart knüpft er auch in jeder Beziehung an. Beachtenstvert ist ferner ein Zug, in welchem die jüdische und christliche Legende einander begegne»», wonach er längere Zeit in Alexandrien geweilt habe. Dort hat er sich jedenfalls »griechische Bildung angeeiguet, die für seine Erfolge von Ausschlag war. Auf jüdischer Seite hat man die Form für gleichgiltig geachtet, we»»n nicht gar vernachlässigt. Was er darbot, das atmete einerseits den frischen kräftigen Hauch der Erde und »var dabei doch das Produkt einer fein berechnenden Klrnst. — Redner gibt alsdann eine treffende Charakteristik der Lehr- und Denkweise Hillels, zeigt, wie in ihm das Indent»»»»» gleichsarn kttlminierte, legt dann unter ausführlichen Nachrveisen die Abhängigkeit des Nazaräers von diesem seinem Borbilde dar, um sich schließlich der Grundfrage zuzuwenden, »velche Uruftände ihn in einen so verhängnisvollen Konflikt :r»rt den berufenen Vertretern und Führern seines Volkes ver- -rickelt haben. Bon gegtrerischer Seite wird behauptet, der Sittenrichter in ihm »väre damals ganz besonders unbequem geworden. Redner verweist den» gegenüber auf die Propheten Hosea, Amos, Jesaia und besonders Jeremia, welche mit ihrem Volke viel heftiger, als er es getan, i»»s Gericht gingen. Befrerndlich ist es aber, daß er für das Treiben der Römer kein Wort des Tadels nach der Richtung hatte, ingleichen bei seinen Jüngern, daß sie anläßlich der furchtbaren unerhörten Katastrophe unter Titus für ihre Brüder „nach dem Fleische" kein Wort des Erbarmens fariden. — Eine kritische Untersuchung der Qtlellen führte zu dem unabweisbaren Ergebnisse, daß seine öffentliche Wirksamkeit von zweierlei Anschauungen ganz entgegengesetzter Richtung »getragen ward. In den des Katholizism»»s jesuilischci» Eiilflüsse»». «Seine Ehe mit einer Jüdin (seine Fra»» ist näinlich >»icht getauft) »vnrde kirchlich anerka»n»t. Die Trauung fand in der Sakristei der Votivkirche, der Jesnitenkirche statt. Wir gratuliere»». Alles dies hindert dieser» Nenchristei» »richt, (Üeschäftc mit den Inden und denn Jrident»n» zu machen. Wir sind »»erlgierig auf die weitere Entivicklnirg des Dr. Frischauer; von Szeps über Spittelberg »rach Kalksbnrg heißen die bisherige»» Statioiren. Wie heißt die nächste? Alles in allein ist Dr. Frischauer eine prächtige Illustration für unsere Behanptnirg, daß die heißeste»» Kärnpser ftir den Freist»»»» »n»d die iirterkonfessionelle Schule bei de»» Piaristen oder Jesriitei» ende»». Literarischer Geselligkcitsvcrein jüdischer Mädchen „Mori«r". Soirntag den ds. jährt sich 31111t zweiteninale der Sterbetag der nnpergeßlirben Rosa Kollnrani». Ans diesem Anlässe veransialtele der Bereii» „Moria" eine Tranerseier mit gleichzeitiger Beteilring ziveier Waisennrädchei» mit Kleidnngs- und Wäschestücke»» ans dein Erträgnisse der Kollmann-Stiftnirg. Nachden» die Präsident»»», Frl. Herr»»»»»»»»» die Feier mit einige»» ergreifenden Worten eingeleitet hatte, hielt Frl. Wagner eine Gedenkrede, in welcher sie auch de»»» Landeskornitee soivie Herrn Dr. Kreirberger »n»d Frau Dr. Kahl» für ihr selbstloses Beiirnheir »nn das Fnstandekoinnren der Stiftung de»» Dank des Vereines z»m» Ausdrucke brachte. Die Präsidentin '»»ah»n mnnnehr die Beteiliing vor »,nd forderte die zahlreich versainnreltei» Mitglieder und Oläste ans, sich z»»»»» Ieirhen der Trcv.ler voi» de,» Sitze»» zn erheben. Danrit faird die »vnrdige Feier ihre»» Abschlriß. „Das jüdische Uolksirrm Zeit der EritftehtMg des Ehriftentnms". lieber diKes Ttiema hielt Rabbiner Dr. Daniel Fink von liier an» 1. April d. I. vor einer zahlreichen Zuhörerschaft einen Bortrag im Festsaale des Indischen Volksvereines. Der Vortragende erinnert zunächst daran, daß gerade von unsere»»» jüdischen Standpunkte ans es von besondere»»» Interesse sei, einen Blick in jene Zeit zu »nerfen, in welcher eine weltgeschichtlich»; Bewegnng wie das Christeiitnm ans Miseren» Volke her»'org;,»g. Wem» auch nach Beschaffenheit der Quellen ans eine völlige Klarlegung des Sachverhaltes verzichtet werden w»ißtc, so lassen sich dennoch — wenn einem durch Vertiefung in die jüdischen u»»d römischen Berichte die Augen geschärft wurden nnd man es versteht, vorsichtig den Schleier, den die Legende »»»»» die Ereignisse Evangelien allerdings sind die Dinge in bunter Folge durcheinandergeuiengt, ohne daß sie an dem Widerspruchsvollen des Berichteten Anstoß nahmen. Ein kritisch geschultes Auge e»kennt jedoch leicht, wo eine Lücke klafft, die meist nur durch eine grobe Naht mühsam zusarnmengeheftet erscheint. In der ersten Zeit fühlte er sich ausschließlich als Führer der „verlorenen »insgebreitet hat, zn heben — die Dinge, wie sie geschaffenSchafe Israels". Gegen die Heiden wird eine Gesinnung an