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Jüdisches Volksblatt · 1903-04-10 · 15 (10.4.1903) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
15 (10.4.1903)
Date
1903-04-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 J!)'iisohes Vo>ksblait 10. April l<-< 3 Nr. 15 Dir si;t'itai!i(in] enrhäIr eine im Verfftiinnpswege noeh nid,t aiipoänbcvre A;evfinuiniidas-, bei' lilcnu'iUimtntevvufit in den öffeut--- lid-.'n 3dm!cu ollen Anlünivni oIme llntcvtcliieb der DU'linibn imciutidrlicli erteilt werden ninn. Cbliimtovi)di ist der Selnilnnierndit nrer nur siir bie minder rnn'.nnüd'er 3tttorc*l»itr^ev. DaS Adinl lirK'13 vorn «'». 'sind I ''Oi* und da:- Geibebesdntlgeseiz vom 9. Alp vif 1803, nbqennderr im Andre 1000, statuieren, das; die Binder beit Inden — die doch nie (e'vhalmnp aller Kommniml nitd Staatssebnlen, Elernenlae , Mine! , Aneb und Hodisdmlen nleid, allen Rumänen beinenerit — nur tu'i'u'n >itliInn«t eine-? LdilitzzeldeS, und ittir Iveitn Pläne, die nieln bau mindern bau Nnmänen besetzt sind, barbanden seien, nnipeilbnmi..'n '.verden dürfen. And' der itreh'clml i Sclni'dat ) und der Hoebsdmlnnierrieht ist laut OJefeb bom 124- 3Rärz tsos mir Peidiei, Besehräiilnnaeii für die Anden a.-ereaelt. Air A-brnsd'nlen lonnen Juden, aber :,nr netten ^atilima nnd bloiz mir wezieiler Erlaubnis des Ministers ausgenommen lverden. Jil Kunst nnd O-etverbesdnilen lönnen Inden blas', als aablende Erterniiten und nur im Verhältnisse von einem - Intelligenz-Proletariat. Von enncl. phil. Oökar Fraukl. In den Großstädten Oesterreichs, ganz besonders aber in Wien, tritt in den letzten Jahren eine Erscheinung immer ansfallender zutage, die geeignet ist, für die gedeihliche Entwicklung Ulrd das materielle Fortkommen der Jntelligenzberufe immer mehr fürchten zu lassen. Jir erschrecke!.der Weise mehrt sich die Zahl der ük'.demisch gebildeten Kreise, die unter den ärgsten Bedingungen ein wahres Hungerdasein führen. Wenn es auch richtig ist, daß unter dieser Proletarisierung der geistigen Stände alle, sowohl Juden wie Arier, leiden, so werden wir Juden dennoch in weitaus größerem Maße von diesem Uebelstande betroffen, weil bei uns zwei sehr wichtige Momente hinzukvmmcn, die uns gegenüber dem Arier in ganz besonderen Nachteil setzen: das ist erstens der unvergleichlich große Andrang jüdischer Kreise zum Stndinm und zweitens die durch den Antisemitismus bedingte Absperrung der Juden von jeder höheren Staats- oder Verwaltungsstelle. Bon diesem fWmm-r der ho im um "M-l''!»'» «*«*»• *•» »nK-rftiUs.u.fic..; t c; „ jüdische» G-sicht-punkl- °»s wollen wir disiir die nlln-r-nd- «wnlWdlnd^^ «»s«.ez «olk«» so bed-,üm,gr»°«-Fragin Erörterung s ziehen. ' Es ist eine Tatsache, daß kein zweites Volk eine so große Menge von Akademikern aufweisen kann, wie wir .. , .I Inden. Wir waren immer das Volk der Lehrer ><«-' Ho*v]v. 82 die Benimnnmg: ..das', nunäins.ae ^tilget Not ^bttso^nmt cm solange man den Juden ins Ghetto sperrte, tonnte er seinen Reeln auf nnentgelrlidie Belianblnna in den ^bttalern des Staates,!- - der Bezirke nnd Gemeinden baben," dagegen im Artikel 83: „di f nnd Stinendien siitd iiidisdie 3tiniler und nuAtodlfom'n; selbst aus jüdisdieu Stipendienstiftnngen erlangt keilt Jude ein Stipendium. Das rnntänidie Sanirätsgeietz vom 3.?lbnt 1883 mit feinen Abänderungen aus den Andren 1^03 nnb 180(> enthält im Artikel '''[! Wissensdurst nur an seinen heiligen Büchern, die allein man der Bezirke und Gemeinten babeu, tagegen int mmm »me j ihm ließ, befriedigen, und das tat er ja auch gründlich. Als fremden Juden können zur Behandln»^», d.eien ^vttalern Mge-^ abcr ^er Weg zu den „freien Wissenschaften" geöffnet ic)r:'5-n p ' o;!rn,v:’.:!Ui einer uv.-\ nno das', „ui *au | njnrbe, stürzte er sich mit einem wahren Feuereifer auf alles, gefährlidier nitd dringender Kranklieiten imoloeilte Fremde tineiU-? Bildung. Wissen hieß, und infolge der im Ghetto gelrliä, in den 3nttöfern attsgenornrneii werden können, sowie im 5 erworbenen Geistesschnlung war er bald den Lernenden aller Artikel 84:-„Die 2,-alik der von den fremben eudeir DeCenten Jl?eticu; auj>ereW Länder weit voraus. Dadurch erregte er den Haß in den Dlaais-, Bezirls. und Gemeindewitälern darf nie 10 Perzent! die Mißgunst der anbereit, ins Ghetto zurück konnte man der Gesauttbettcnzahl übersteigen": für arme fremde ^uden ist nicht mehr sperren, so Verschluß mau ihm wenigstens den übcrhauvr ntcfu borge, orgt. .! Zugang zu Militär-, Regierungs- und Staatssiellen. Trotzdem TaS Re.Kmiernngsgcsetz vorn 1., Ault 18bS Luptimmt: ..bar, f0 Möglichkeit für ihn, sich eine würdige Existenz zu veralte Beivohner des Landes zu perionlidiein Milirärdieitsre berbflidifrfv:ffen, sehr beschränkt wurde, '.rahm die Zahl der jüdischen rer siitd, dast die im lAoube geborenen ^ohne tum ,fremden vom, 2lkade,niker nicht ab, sondern wuchs livch immer mehr. Und so Militärdienste nicht befreit trerben können." nitd die Bersasnmg '>u. Mbetspruchsvoll es scheint, auch das war eine Folge des Artikel 118: „dast jeder Ruinäne dein zzeere angehorAä \ JusteuHasses. Trebdein sind die jübtfdreit Soldaten von der Beförderung! Denn der moderne Antisemitismus richtete sich, wie er zunt Unteroffizier oder vont 'Avancement znin BffizierSrairg ans-. da aus wirtschaftkicheu Motiven entsprang, zuerst gege'.l den gcschkossett nnd geitiesteit aneh jüdische Mediziner nstv. die Begüitsti-' Beruf, tu dem der Jude feit jeher dominierend war, gegen gniig des einjährigen DieirsreS nicht. Die Atldeii siitd also trotz der Handel und Gewerbe. Hier konnte der Kampf mit Leichtigkeit tzäutnnd Blutsteuer Parias der rnmänischen Wehrmacht. ' aufgemmimen werden. Man geht ganz einfach nicht zum Angesichts dieser erzeptionellen Verhältnisse ist cs effatanr, lüdifchen Geschäftsmann, man sucht anderweitig die dast der Gerechtigkeit ltnb Humanität znin Hohne, dem Willen der Ware, man botzkortiert ihn. Daß unter solchen mißlichen Signatarlitächte zmvidcr nnd entgegen seinen eigenen formalen Verhältnissen der Vater keine Lust empfindet, seinen Sohn Versicherungen Rumänien in feiner Gesetzgchnng und Verwaltung auch Geschäftsmann werden zu lassen, ist ganz begreiflich, entgegen den Bestimmungen des Artikels 44 des Berliner Staats- Ackerbau, Grundbesitz hatten der Jude selten, so wird halt Vertrages bom 13. Juli 1878 die Berpfliduuttg „zur politischen nitd der Sohn Student. Der gute jüdische Vater legt sich die bürgerlichen Gleichstellung nnd OAeichbercchtigintg aller in Numänicit größten Entbehrungen ans, um seinen Kindern eine gesicherte lebenden Aonsessions- und Nctigioitsangehörigeii" mit den einge- Existenz zrr geben, eine bessere, als er sie hat, und diese sieht borenen Rnmäiten. soivie „zur Behandlung der in Rumänien lebener im Studium. Und mit dem festen Entschluß, „mein Sohn den Sraat.-anaebörige-n aller Mächte, ohne Unterschied der Religion, muß studieren", schickt er ihn schon in die Mittelschule. Da anr dem Anste bollnäitdiger Gleichheit und deren stulafsnng zu affen sich oft schon hier die schädlichen Folgen eines solchen „Muß-Studiums". Es ist selbstverständlich, daß nicht jeder geeignet ist, ein Gelehrter zu werben, und manches jüdische Kind, das sich zu einem ganz brauchbaren Kaufmann ansom-mfieben Aemrern, Aunkrionen und Ehreitstellen," gleichwie die eingeborenen Rrnnänen — nicht nur nicht erfüllt, sondern die offenbar diametral entgegengesetzten gesetzlichen Bestimmungen und Verwaltungsverkügungen erla'sen hat. Diese volitische "in bürgerliche Entrechtung nnd dieser irivtfcbafrfidic Bopkolr bewirb.' zahlreiche Auswandcnntgen der Inden aus Rumänien, welche iitsbesondere nach den Erzessen nnd Plündernugc'.t bom 17. und 23. November 1808 in Bukarest und bom 10. Mai 1800 in Ianch bedeutende Dimcitsioncn angenommen haben. gebildet hätte, wendet Jahre auf, rackert Körper und Geist ab, um nur durch die Klassen der Mittelschule zu „rutschen". Biel Schuld an diesem Zwange trägt auch der falsche Ehrgeiz, den man nur zu oft bei jüdischen Eltern antrifft, mit dem Sohne einmal als „Doktor" prunken zu können. Doch s selbst wenn der intelligente Knabe — und das ist glücklicherweise die überwiegende Anzahl jüdischer Kinder nach 7 , r 0,. , ... . , .. m i ober 8 Jahren das Relfezengnis endlich errungen hat, steht „Die hohe Prorte übernimmt die Bern liehtuitg, olme tveile-! r . . . ' " ,, .? c. t \ L; „;. ' r r , f rp. . , l ar . i rr als 18iahrrger junger Mensch erst recht vor der Entd-„ denn i-tzt d-ißt ,r den Bern w-hl«. R-!n° Li-btrwohmr» P«mu;-n »,°rd°rl,ch-u B-rb-n-nnv» nnd »w«., ,i»,m Fachfmm nnr in den s-lt-ust-n gäll-n bestimmend f «->» -u 'C!-!C1' >»» den ««•«• »"tzj-in. Für den Juden ist d«» Stndiun, weit mehr «!» siir namiuu'rcii. n>,rd d,e ,n d,°s-r R.cht.ma *. r B-olstndi«»,. »„selbe Motiv. dess-tlh°eg,'N der tnnn- -ckrii-e in b-stimm.en Je,mbich.ntten den Machten g„be seine» Sohn studieren läßt, ihn, -ine bestergebe», die ihr Ankrafttreren überwachen jverden. . . ------ - . . i Zukunft zu geben, muß auch bei der Wahl des Berufes maßec s.Berliner ^taalsberlrageZ bereits _ gebenb sein. Da werden die in Betracht kommenden Fächer eu ist. sind die so dringend^tötigelt und nach durchgegangen und die Chancen für und wider erwöge n. Medizi tt war bis vor kurzem ein bei den Inden sehr beliebtes Studium. Es ist immerhin ein Fach, zu dem sich, wegen der Drotzdem seit Ahse 0. ein Vierteljahrl" ''ber. urii so oft verheißener! Ressonen noch immer nicht ins Werk gesetzt worden: irohl ober ccrscht in den von de» Armeniern bewohnte,, Proviitzen des türkischen Reiches eilte barbarische Reehtsunsicherheit, Nit? nnd die Armenier ttichc nur allen räuberischeit Ueberfällen, Schniierigkeit seines Studiums, iueitige drängen; auch euter.'vöreuden Mißhandlungen, Verfolgnngeu nitd Hanen Bedrück,mgcit beut jüdischen Wesen, das ' immer 'in sich schloß, sdmtzloS preisgegebeu, fonbevn merdeu auch in gransainster Art,^^ helfen, selbst mit Hintansetzung der eigenen Persönlichkeit, massenweise hinge,ehlackitet. Hier folg, eine itähere Sehildcruug der-E^^ letzter Zeit ist aber der Zudrang jüdischer Studenten zur armenischen Olreuel.! Medizin teils wegen der allgemeinen schlechten Lage der Aerzte, Die Nnrerzeidmewn stellen daher an die k. k. Regierung m'.d>^jsH wegen des auch auf diesem Gebiete sich breitrnacfjettbeit cm Seine Erze Ile uz den Herrn k. f. Ministerpräsidenten die Anfrage: : Antisemitismus, und nicht zum letzten wegen der Kostspieligkeit „..1. Hat die k. k. Regierung von den geschilderten Juständcn chiefts Studiums geringer geworden. Äu die Stelle ' der volle Kenmuis?! Medizitt ist die Philosophie, das Lehramt, getreten, das früher 2. All die f. k. Regierung und Seine Erzellenz der Herr k. f. mir selten, heute ziemlich zahlreich von Inden gewählt wird. Ministerpräsident geneigt, in Ausübung des ihnen ans die Leitung Auch das hat seinen Grund in den Verhältnissen, der .a:,s!oarnae>i Allgelegenheiten des Staates gesetzlich anstehenden j Vor Jahren wurden infolge des Ueberflnßes an Lehrkräften Eniflnsses ieiue Erzellenz den Herrn k. l. Minister des Aelißern überhaupt nicht oder nur nach langem Warte» dcfiuittv zn veranlane-l. bei der königlich rnmänischen nnd kaiserlich türkischen; |Kg aufgeuomnien; das bat sich heute, wo den kul- Ncgieriing vorstellig Zll iverden und ans die enoliehe volle und ge- Hurellen Bedürfnisse!! des Staates durch iutmer zahlreichere Ivitsenhaste Dlirdiführmug der in den Arlileln I I nno lil des Berliner j (^rünbimq Von Mittklschitlen Rechnung getragen tverden muß, Staatsverlrages vont 13. Juli 1878 der köitiglich rnmäliischen und infolge des dadurch bedingten Atangels an Lehrmaterial, faifeelirh lüriiseheii lliegiernng anferlegten Berpflichlnngen zn geändert, man stellt heute auch Inden an, zwar nur in größeren dringen Städten mit angemessener jüdischer Bevölkerung, doch man tut W i e It, 31. März 1003.! es. Innerhalb der Philosophie sind die realen Fächer — der Tr. Stra n eh e r. Jude war iutmer ein guter Rechner und scharfer Denker — Hhbes. Seüz. Dr. Urban. Tr. Ssferiilan». Siegmnnd. Tr. Ellenj aut beliebtesten. Bleibt für Veit Maturanten nur bogen. Tr. Skedl. Rosenziveig. Tr. Kapp. Dierzer. Dr. DemelA noch die Juristerei, die von Juden immer stark frequentiert Josef Hamtich. Eerny. Ehoe. Eingr. Dr. Schücker. Dr. Vogler.! wurde. Man hat hier hittlänglich Zeit, Lektionen und Hof- Nikolaj Wassilko. Breiter. Daszynski. Wrabetz." ' meister-Postett zu übernehmen, ja, man kamt sogar ohne jeden Nachteil zu Hause studieren, ein Umstand, der bei dem bekannten jüdischen Familiensinn stark in die Wagschale fällt. Schließlich entspricht das Diskutieren, Sreiten ums Recht auch der jüdischen Geistesrichtung am meisten. Noch ein Fach hätte ich fast vergessen; das ist die jüngste der Wisseuschaften, die Chemie, die iu den letzten Jahren in ganz auffallender Weise von den Inden bevorzugt wird, ob mit Recht, werden wir später zeigen. Für den Realschüler gibt es feine große Auswahl, er geht an dir Technik. Die Zahl der Techniker wird noch durch eilte große Anzahl ehemaliger Gynwasiastett, die sich der Prüfung aus der darstellenden Geometrie unterziehen, vermehrt. Ist die Wabl getroffen, so geht der Student aus der Provinz iu die Großstadt an die Hochschule, nach Wien, Prag. Lemberg, und studiert er Technik, auch nach Brünn. Glücklich der jüdische Student, der infolge der Vermögensverhältnisse, seines Vaters ein von keinerlei Extsteuzsorgen getrübtes Leben führen kann. Nur die wenigsten unserer jüdischen Hochschüler können sich dessen erfreuen. Die Mehrzahl ist darauf angewiesen, sich teilweise oder ganz sein Brot selbst zu vcrdiencu. Da beginnt bereits das Elend. Der eine gibt Lektionen, der andere übernimmt einen Hofmeisterposten, der dritte versucht Geld als Reporter oder Kritiker zu verdienen, alle Dilettanten in diesen Fächern, die die Not wortwörtlich lehrmeistert. Bei dieser Arbeit ruinieren sie ihre geistige Gesundheit, und wenn einer noch in deu verschtedenen Volksküchen nnd „Mensen" essen muß, auch die körperliche. Und doch vernachlässigen gerade sie in den meisten Fällen auch ihr Studium nicht. Wenn der jüdische Student abgemattet und ermüdet nach der Arbeit des Tages am Abend in sein kaltes, nnsreundliches Zimmer kommt, setzt er sich über seine Bücher und studiert, oft die ganze Nacht durch. So geht es 4—5 Jahre, bis endlich der große Tag de-e Promotion, des Absolntvrrums, da ist. In diesen Tag setzen Eltern nnd Angchörige, zuweilen auch die jungen Männer selbst die größten Hoffmtngen und glauben, daß jetzt sowohl in gesellschaftlicher wie in materieller Hinsicht das Ziel erreicht ist. Falsche Hoffnungen! In Wirklichkeit beginnen jetzt erst recht die Sorgen. Student ist man nicht mehr, hat also auch nicht die Begünstigungen und das freie Leben des Studenten, man muß standesgemäß leben und weiß nicht, woher. Selbst diejenigen, welche als Studenten vom Hause ihr Auskoulinen hatten, können doch als Absolvierte sich nicht weiter an die Rockschöße des Vaters hängen und freiten sich eben, wie cs geht. Und schlecht genug geht es nach einem Studiumaufwand von 12 oder 13 Jahren. Da ist zum Beispiel der Dootoi' juris. Als Jude ist ihm eine Staatsstellung verschlossen, in den Richterstand kann er allerdings hineinkommeu und, wenn er Geduld bat nnd Gott ihm langes Leben schenkt, im besten Falle als Landesgerichtsrat in Pension gehen. Bei der Bahn und der Bank ist noch ein verhältnismäßig gutes Fortkommen, doch herrscht da ein solcher Andrang, daß nur die wenigsten angestellt werden. Bleibt noch die Advokaten, da heißt es vorher ein Jahr Grrichtspraxis ohne jedwedes Entgelt und 7 Jahre Konzipient mit einer Belohnung von 50—80 fl. monatlich zudienen, um dann als gereister Mann zur Erkenntnis zu kommen, daß Tausende vorher sich gerade so geplagt haben — in Wien sind allein gegen 2000 Advokaten — und nur die wenigsten auf einen grünen Zweig gekommen sind. Oder der junge Arzt. Als Jude wird er zum Militär trotz des großen Mangels, der dort herrscht, wofür der beste Beweis die Verteilung von hohen Stipendien an die dem Militärberufe sich zuwendenden arischen Mediziner ist, nicht zugelassen. Ebenso geht es ihm übrigens auch mit den besser dotierten Spitalstellen. Will er als Arzt etwas leisten — und das muß er als Jude — so Ijat er zwei Jahre Spitalspraxis nötig, währenddessen kann er von der Luft leben, Gehalt bekommt er nicht; und wenn er dann in die Provinz geht und nach Jahr und Tag eine halbwegs annehmbare Praxis errungen hat, so bezahlt er sie mit seiner eigenen Freiheit. Er ist bei Tag und bei Nacht der Diener seiner Patierlten. Mit dent Lehramtskandidaten verhält es sich so: Nach dem Absoltitorium übernimmt er gewöhnlich ganz ohite Prüfung einen Posten, teils um sich endlich an dem langersehnten Ziere, „im Amte" zu fühlen, teils um des sicheren Einkomntkns willen. In der Schule nimmt er eine Doppelstellung ein, vor den Schülern ist er der „Herr Profeffor", vor der Behörde der ungeprüfte Probekandidat. Macht er nach -1—2 Jahren seine Prüfungen, so kann er als Jude schließlich in die 6. oder 7. Nangsklasse aufrücken. Für einen, der keine großen Ansprüche erhebt, ist das schließlich annehmbar und empfehlenswert — so lange der Staat den Juden duldet. Der Chemiker hat unter feinem Judentum am w> nigsten zu leiden, dafür umsomehr unter seinem Berufe. Denn bei uns gibt es nur wenig Fabriken, infolgedessen braucht man auch nicht viele Chemiker, und wenn man solche braucht, bezieht man sie gewiß aus Deutschland, wo sie nach Hunderten brotlos hernmirren. Sv ist also der Chemiker auch nicht auf Rosen gebettet. Der Techniker wartet schon auf die großen Wasserstraßen, die in Oesterreich gebaut werden sollen. Vorausgesetzt, daß man die Juden anstellen wird, ist schon heute ausgerechnet, daß kaum die Hälfte der heutigen Techniker nötig sein werden. In der Zwischenzeit muß er zufrieden sein, bei Bahnen und Fabriken mit 70—80 fl. augestellt zu werden. Das ist die Lage der jüdischen Intelligenz. Wenn es auch Ausnahmen gibt, so ist das Bild im allgemeinen doch richtig. Nach einem jahrzehntelangen Studium eine unsichere, schlecht besoldete Existenz. Die Besten uuseres Volkes reiben sich in diesem Kampfe auf und gehen trotz ihres guten Willens der nationalen Sache vetloveu. Weben dem darbenden Proletariat, das bei uns Juden wahrlich groß genug ist, sind wir so auf dem besten Wege, e.in anderes, viel gefährlicheres, das Jntelligenzproletartat großzuzieheu. Es ist die höchste Zeit daß hier eingeschvitteit wird. Den jüdischen Eltern muß es gesagt werden, daß nicht tnmtt das Heil liegt, wenn der Sohn sich mit Wissen vvllpfropft nnd dabei nicht leben kann, soitdern

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