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Jüdisches Volksblatt · 1903-04-10 · 15 (10.4.1903) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
15 (10.4.1903)
Date
1903-04-10
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 5 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 10. April 1^03 Nr. 15 Judenpresse!" Nun, meine Herren, wer heute noch nicht weiß, daß diese freisinnige. Presse aller Schattierungen der Hauptherd des Antisemitismus ist, wer nicht weiß, daß sie das Judentum und seine Interessen sorgfältig totschweigt, höchstens in widriger Weise darüber witzelt, mit solch einem Menschen ist nicht 31t reden. Cher wird man noch! in eiuein antisemitischen Blatte die Besprechung einer jüdischen Frage finden, als in der sogenannten „Judenpresse". Und der Nrif nach einem jüdischeir Tagblatt, das wichtiger für uns wäre, als die gesamte freisinnige und fortschrittliche Presse, verhallt ungehört. Darf sich ein Volk, das die wichtigste Waffe — und das ist heute die Journalistik — hat fallen lassen, wundern, wenn es sich wehrlos findet? Da wulrde int 9. Bezirk iahte Sammlung vcranistaltet, um der verkrachten liberalen Partei wieder aufzuhelfen; was dahintersteckt, weiß man. Ich brauche nicht erst zu betonen, daß es wieder, die Juden waren, die sich beeilten, nach Kräften beizusteuern. Es kann uns tunt sicher sehr gleichgiltig sein, wenn die Herrelt Lust haben, ihr Geld beim Fettster hinauszuwerfen, aber Empörung ergreift einem, wenn tnan bedenkt, daß dieselben Senfe keinen Kreuzer übrig haben, wenn es gilt, jüdische Zwecke, seien es wohltätige oder soziale Zwecke 51t fördern, wenn es sich darum handelt, jüdische Arme, die mit Weibern und K'inderit hungern, zu Hilfe zu kommett. Ein jüdisches Blatt hat kürzlich versichert, daß die Antisemiten den Wiener Jtlden unrecht tun. .Niemand tue so viel für das Wiener Judentum als die Juden, niemand spreche besser wienerisch, nientand könne besser steirische G'stanzeln jodeln; wenn die Wiener Juden im Auslände sind, bann markieren sie den Urwiener so zutreffend, daß tnan schier die Echtheit der anderen Wiener bezweifelt. Das betreffende Blatt hat diese Schilderung wahrscheinlich ironisch gemeint. Aber es fehlt in der Tat nicht an solch netten Exemplaren unter unferen assimilierten Stammesgenossen. Nur auf einem solchen Boden konnte der Antisemitismus entstehen! Wenn ein Jude imstande ist, eine solche Wüdelosigkeit zutage zu fördern, dann gehört er wahrlich zu jenen, die, wenn man ihnen ins Gesicht schickt, sagen: es regnet. Ich würde den jüdischen Geist beleidigen, wenn ich ihn in so unsauberer Gesellschaft erwähnen wollte! Meine Damen und Herren! Ich habe einige Beispiele, die mir gerade eingefallen sind, herausgegisfen. Ich rönnte die Reihe — man denke nur an die Frage der Konvertiten — leicht in das Unendliche verlängern, aber das hieße Eulen nach Athen tragen. Ich glaube, es ist Ihnen allen klar, ohne jüdischen Geist hilft das beste Prost ramm uichts, haben wir jüdischen Geist, so. brauchen wir rein Programtn. Damit ist der Finger an die Wunde gelegt. Aber es nützt nichts, den Schaden aufzudecken, cs muß das Heilmittel gefuitden werden. Wie ist der jüdische Geist wieder zu beleben? So mancher unter Ihnen wird mir antworten, die 0 b e t e n Schichten sollen anfangen, die sind mächtig und maßgebend. Nun, ich! will geUnß'unsere Großen nicht verteidigen, aber da muß ich denn doch sagen, die Haltung eines Volkes wird nicht durch das Vorgehen einzelner, noch so mächtiger Leute bestimmt, das hängt von den breiten Schichte tt, vor allem von den Frauen ab. Niemand steht so hoch und so abgesondert, daß er sich der Stimmung eittes ganzen Volkes entziehen könnte, aber freilich, diese allgemeine Stimmtutg muß aber auch vorhanden sein. So trifft die Klage gegen die Großen auch das ganze Volk mit und dartim wende ich mich zunächst an Sie, meine Herrett, an den nationalen Teil miste mich dir entführt und halten mich seitdem gefangen. Zu ihrer Geliebten wollten sie mich machen, mit ihrenbarbarischen Armen meinen zarten Leib umfassen. Das ist ihnen aber nicht gelungen. Ihre Sklavin nur bin ich geworden. — Sieh' mich an, Geliebter, was ist aus mir geworden? Auch mein Leib -ist vernachlässigt, meine Reize dahin. Nur du kannst mich retten, Geliebter! In deinen Armen nur heilt mein kranker Körper. O, rette mich, rette mich, Geliebter!" „Ha, ha, ha!" Was für ein dämonisches Gelächter erscholl plötzlich zwischen Berg und Tal? Nur Satan kann fo lachen. Hub aus dem Hintergründe erscheint eine schwarze Hand. Mit rohem Griffe erfaßt sie Vielliebchens flatterndes Haar und verschwunden ist das ganze Bild. Aus weiter Ferne nur zittert noch der Schmerzensruf: „Rette mich, rette mich, Geliebter!" Wild rafft sich der Schlafende empor. War es Traum oder Wirklichkeit? — Seine Geliebte lebt mtd flehet ihn um Rettung! Und er, er gab sich trostloser Verzweiflung hm? —O, retten muß er sie aus der Räuber Gewalt und wenn er mit Satan um sie kämpfen müßte. — Mit neuer Kraft greift er zum Wanderstabe. Dorthin, in jene Richttmg, aus welcher ihr letzter Hilferuf erscholl, dorthin will er ihr Nacheilen. Finden will er sie und wenn er mit blutenden Fiißen noch hundertmal den Erdball umkreisen müßte. — Jahrhunderte sind seitdem verflossen. Als ntüden, gebrochenen Greis finden wir den unglücklichen Wattderer wieder. Utnsonst war sein Suchen, umsonst seitt Ringen i Wohl durchwanderte er hundertmal der Erde Ball, sein Ltebchen fand er nicht. Sein Blick ist unstet, sein Gang wankeitd und tnüde. Ein Spott der Völker, wo er hinkomtnt. Höhrtend ttnd johlend umgibt ihn überall die Menge, man spuckt ihm ins Gesicht, bespritzet ihn mit Kot. Doch er kehrt sich nicht daran, weiß er doch: stets behandeln dte Menschen so den Verzweifelten. — Unermüdlich setzt er seine Wanderung fort- In seinem Herzen, feinenr Hirne hat, nur eittes Rmmt: sein Liebchen. — Liebchen ist tticht seres Volkes. Und ist jemand wahrhaft als Jude zu achtelt, der nicht national denkt? Freilich, ihre Zahl ist nur klein. Jtt dieseut Saale habett höchstens einige Hundert Platz und uitser Volk ist nach meiner Schätzung 10—11 Millionen groß. Was verschlägt das? Weniger als je kommt es heute auf die Zahl au. Eiue festorgants i e r t e tt u d ü b e r z e tt g t e M i tt 0 r i t ä t i st j e d e r l 0 s e tt M a j 0 r i t ä t ü b e r l e g e tt. Eiue kleine, festgeschlossene Macht kamt eiu ganzes Volk mit sich fortreißeu. Aber die Organifatioit muß auch! wirklich fest und mterschütterlich überzeugt seitt. Es darf tticht Vorkommen, daß, wenn der Träger eines bekannten Nauteits, der mit dem Judentum nur wenig zu' tun hat, auftritt, die Juden sich zu feinen Vorträgen drängen und stürmischer Applaus ertönt; wenn aber ein verdienter Gesinnungsgenosse spricht, die Teilnahme viel geringer ist. Eine kleine Anzahl verläßlicher Fretutde ist weit besser als eine große Anzahl, die vielleicht nun aus Neugierde kommt. Ich bin mir bewußt, daß es eilte undankbare Aufgabe ist, über dieses Tbema 31t sprechen. Einmal erscheint alles, was gesagt wird, so selbstverständlich, andererseits ist es eine harte Last, die da gefordert wird. Jüdischer Geist, sittlicher Ernst, wer wird da tticht! zustintmen? Nun, ich weiß wohl, daß ich damit nichts Neues bringe, aber nichts kennen wir weniger, als was wir schon so oft gehört haben, nichts ist unserem Ohre geläufiger, nichts unserem Sinne fremder. Nur durch eigene Erfahrung lernen wir die Binsenwahrheit wirklich femteit und darum habe ich mich heute begnügt, die Wirksamkeit des vielzitierten jüdischeir Geistes an einigen Erscheinungen des täglichen Leberts zu prüfen. Ich glaube, daß sich da ein großer Unterschied zwischen Reden und Handeln bei so Manchem zeigen wird. Es ist ferner sicherlich eine gar schwere Pflicht, die da non uns gefordert wird, Pflichtett, wie fein anderes Volk sie keimt, Pflichtett, von dettett selbst eilt großer Teil unserer Glaubensgenossen nichts wisseit will. Ich tnöchte Sie an eine Stelle aus dent Buche Josna erimtern, in der es heißt: „Doch wenn es mißfällig in eitren Augen, dem. Ewigen zu dienen, so wählet euch heute, w e m i h r dien e n w 0 l l t, ob den Göttern, welchen gedient eure Väter, die jenseits des Stromes, oder ob den Göttern des Emori, in deren Lande ihr wohnet. Ihr werdet tticht vermögen, dem Ewigen zu dimen; dennein heiliger Gott ist er, ein eifervoller. Und das Volk antwortete und sprach: „Fern sei es von uns, den Ewigen zu verlassen, fremden Göttern zu dienen." Die gleiche Stellung ttehmen wir heute nnserem Volkstum gegenüber ein. Wer sich wahrhaft für das Judentum entscheiden will, der muß auch die Konsequenzen hinnehmen, der muß auch! die schwere Pflicht tragen, die es auferlegt. Wer Las nW Mll, der scheide f; von uns, der gehe nur hin zu dm Emoriten und huldige f r e m d e n G ö t t c x n. Es ist eine Ehre, -dem ältesten Kulturkreise der Wiest anzugehören, aber es ist auch eine schwere Last. Da gilt „Noblesse oblige", wer aber diese Last freiwillig ausgenommen hat, der wird vielleicht darin eine Befriedigung findm, die sie und nur sie allein zu verleihen vermag, und er wird für jene minderwertigen Elentente, die in der scheinbar so angenehmen Pflichtlosigkeit vegetieren, nur herzliches Bedauern und Verachtung haben. Also nur keine Halbheit, wer sich nur halb entschließen kann, auf den leisten wir ganz und gar Verzicht. tot, nicht begraben. Wilde Barbaren halten es gefangen und ob er schläft, ober wacht, stets höret er dm Schmerzensrttf: „Rette mich, rette mich, Geliebter!" —- An jeder Quelle erschallen seine Lieder, an jedem Bache fließm seine Tränen. Umsonst, umsonst, Liebchen sieht er nimmer wieder. — Wieder vergehen Jahrhunderte. Sein Gang ist schleppmd müde, sein Körper -todesmatt, doch verschwunden ist allmählich der brennende Schmerz. Hoffnungslos und verzweifelnd wankt er dahin. Liebchen lebt nur noch in seiner Phantasie. — Dort, dort oben, wo der Menschen Haß aufhört und die Liebe allein regiert, dort wird auch er sein Liebchen wiederfinden. — So lebt er, Jahrtausende schon, ein Fremdling in allen Ländern. Die Völker, die kennen ihn: es ist der ewige Jude, der von Gott Verfluchte, der Geächtete, Heimatlose, Kein Mitgefühl haben sie für sein schweres Leid; ist er doch ein Verfluchter! — Zum Bösen fügen sie das Böse. Die Bestm, die Frönnnsten, die Gebildetsten machen sich ein Vergnügen daraus, den armen Greis zu verhöhnen, zu bespucken, zu stoßen. — Apathisch läßt er alles über sich ergehen. Seine Widerstandskraft ist längst verloren, sein Jugendmut längst dahin. Dm seiner Kraft, seinem Geiste, seinetn Streben ist ihm nur Eines gebliebm: eine Phantasie. Und dieses phantastische Traumbild, das hält ihn noch empor, das stützet ihn auf seinem' jammervollen Lebenswege. — Aus seinem Munde erschallen wohl noch Lieder, aber ach, keine frohen, sondern herzbrechend traurige Lieder.;— Nur einmal irrt Jahre, an dent Tage, wo ec seine Liebste das erstemal geküßt, an dem Tage, der ihn erinnert an dm läirgst entschwundenen goldenen Frühling seines' Lebens, an dem Tage erwachen noch seine totgeglaubten Lebensgeister. — Sein bestes Gelvand legt er an, Kerzenlicht und ftutkelnder Weüt erinnern an die Vergangenheit ihtt. — Singen will er wie etirft in seinen goldenen Jugendjahren, doch ach, feine Kehle bringt keinen frohen Laut heraus. Ein Singen soll es sein und ist doch ein Weinen. Und als ob er sich Mtkt und Kraft verschaffen wollte für . Meine Damen und Herren! Heute gilt es nicht, ein Pr 0 grainm zu besprechen oder eiue R e s 0 lu t i 0 n z u fasse n! Ich wollte Ihnen nur sagen, worauf es ankommtl, daß nämlichder jüdische Geist wieder lebendig werde. Das hängt nur von ihnen ab. Wir können Sie nur immer wieder darauf aufmerksam ntachen. Ich will Ihre Eutscheiduug nicht beeinflussen, aber eines verlange ich von Ihnen: dettkett Sie darüber nach und dann entscheiden Sie sich nach der ei neu oder der anderen Richttung, aber eutscheideit Sie sich ganz. Das ist es, Ivas ich Ihnen heute zu sagen hatte. Interpellation des Abgeordneten Dr. Strancher nnd Genoffen, betreffend die von den rumänischen aesetzgevenden Körperschaften nnd der könialich rumänischen Negierung trotz Berliner Staatsvertrages beschlossenen, beziehungsweise erlassenen auf die Juden vezughavenden Gesetze, Neglementö und Verordnungen, sowie die Rechtnnd Wehrlosigkeit der armenischen Christen.*) 1. Der zwischen Oesterreich-Ungarn, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Rußland nnd der Türkei abgeschlossene Berliner Staatsvertrag vom 23. Juli 1878 statuiert in dem Artikel 44 Folgendes: «In Rumänien -darf der Unterschied der Religion und Konfession niemandem als Grund der Ausschließung oder Unfähigkeit, insoweit er den Genuß der bürgerlichen und politischen Rechte, die Zulassung 31t öffentlichen Aemtern, Funktionen und Ehrenstellen oder die Ausübung der verschiedenen Professionen und Industrien betrifft, geltend gemacht werden, in welchem Orte es auch sei. Die Freiheit nnd die öffentliche Ausübung aller Kulte sind allen Einheimischen des rumänischen Staates sowie den Fremden gesichert, und kein Hindernis darf ihnen weder in der hierarchischen Organisation der verschiedenen Gemeinden, noch in deren Beziehungen zu ihren geistlichen Chefs in den Weg gelegt werden. Die Staatsangehörigen aller Mächte, handeltreibende oder andere, werden in Rumänien ohne Unterschied der Religion auf dem Fuße vollständiger Gleichheit behandelt." Seit Jahrzehnten hatte nämlich das damalige snzeräne Fürstentum Rumänien wegen seiner vielfachen Judenverfolgungen die Aufmerksmnkeit Europas in unliebsamer Weise auf sich gelenkt, und die Klagen der verfolgten Juden durchhallten die zivilisierte und gesittete Welt. Die Signatarmächte des Berliner Vertrages waren daher in voller Kenntnis voll der Rechtlosigkeit, den Verfolgungen lind Bedrückliilgen der Inden in Rumänien-, enthielt doch die rnmällische Verfassung vom Jahre 1866 im Artikel 7 die Bestimmung: „Nur Christen können rumänische Bürgerrechte erlangen", weshalb die Judell, trotzdem sie schon seit Jahrhunderten in Rumänien wohnen, auch alle öffentlichen Abgaben und Lastentragen, sämtliche Gefahren des Landes mit ausgestanden haben, als „Fremde" erklärt tvurderl nild sohin von allen bürgerlichen und politischen Rechten allsgeschlossen waren. Ueberdies fanden bekanntlich vielfache arge Ausschreitungen nnd Exzesse, Gewalttätigkeiten aller Art gegen Juden statt, nicht minder häufige Plünderungen jüdischer Habe, sowie infolge des Verbotes, daß Juden mrf dem flachen Lande wohnen dürfen, auf Grund der Erlässe des damaligen rumänischen Ministerpräsidenten I. Bratiano vom 20. Mai und 1. Jllni 1867. Massenausweisungen der als „Vagabunden" erklärten Juden aus Rumänien, wobei der Judenhaß sich so weit verirrte, daß ausgewiesene Juden in der Donau ertränkt wurden! Gegen diese Barbarei erhob das europäische Konsularkorps in Galatz *) Aus der 219. Sitzung der 17. Session, 81. März 1908. die frohen Früh-lingslieder, spricht er sich die tröstendm Worte zu: „Heujahr hier, übers Jahr irn Lande Israels, heujahr Knechte, übers Jahr Söhne der Freiheit!" Also sich Mützusprechend und mit einem Becher Wein sich stärkend, fängt er sein altes Lied an, das Lieö der Freiheit, das Lied aus seinen Jugendjahren. —- Doch! umsonst, den Hörer täuscht er nicht. Das ist kein Singen, sondern ein Weinen-, ein singendes Weinen! und weinendes Singen. — - - Ob Reb Sch-lojme weiß, warum sein frohes Lied f» traurig klingt? Ob er weiß, warirm er singend doch xm weint? — Ein gräßliches Verbrechen. Von N. P r u s ch a n s k y. Frei nach dem Russischen von Julie G 0 l d b a tt- ' 1. Sender, der Geher, der arme Sender, welcher sein ganzes Leben, ein schweres Bündel auf den Schultern, von Dorf zu Dorf ziehenmußte, um armselige Gwschen zu verdienen, welche beim Anblicke eines Schlachziz von weitem schon demütig seine Mütze zu ziehen pflegte, Sender, der Geher, war heute König.*) Jawohl, er tvar König, nicht mehr und nicht minder, rmd Bvcrine, seine stets lärmende bessere Hälfte, welche dem hohen- Feste z« Ehren sogar dev Badestube einen' Besuch abgestattet und ein ganz neues Mttunkleid angelegt hatte, Braine tvar — K ö tt i g i n. Eigentlich regierte Sender bereits seit drei»- uudzwanzig Jahren und ebenso oft wa>v er auch schon entthront worden; doch war niemals noch seine Thwnbesb gung von solchem Glanze und solchein Reichtum umgeben worden wie diesesmal. Und das hatte seinen'besonderen Grund und dieser attßergewöhnliche Gmnd bildete zugleich die eigentliche Ursache des Verbrechens, von dem in dieser Erzählung berichtoti tverden soll. Vor kurzem erst war Sender, als er, ein schlveres Bi'ntdel frischer Ware auf dien *) An den Seder-Abenden nennen sich die Juden Könige.

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