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Jüdisches Volksblatt · 1903-03-27 · 13 (27.3.1903) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
13 (27.3.1903)
Date
1903-03-27
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Wien, Freitag 27. März 1903 Seite Cf Judiseheb Vnlkshl-üi Nr. i:: Von sehr großer Bedeutung für das fernere Schicksal des Hausiergesehes ist wohl die vielsagende Tatsache, daß alle drei Parteien des Herrenhauses, die konservative, Mittel- und liberale, dem Elaborate des Referenten Baron Berger zustimmten. Es mutet überhaupt eigentümlich an. daß die Herrenhaus-Kommission nicht Anstand genommen, die Hausierer zu rehabilitieren, die im Abgeordnetenhause als Diebe, Betrüger, Schurken und Schufte stigmatisiert wurden. Darf man sich angesichts dieser in der Herrenhaus- Kommission zutage getretenen Einstimmigkeit mit der Hoffnung tragen, daß das Abgeordnetenhaus die Objektivität des Herrenhauses anerkennen und dessen Votum beitreten wird? Der Sachlage nach zu urteilen, ist hierfür wenig Aussicht vorhanden. An die jüdischen Abgeordneten von Galizien richten wir aber folgende Aufforderung: Die Anzahl der inbezug auf das H a u s i e r r e ch t begünstigten Bezirke ist durch das Herrenhaus wieder vermehrt worden, aber diese Bezirke sind wieder derart sorgfältig ausgewählt, daß möglichst judenreine Bezirke bestimmt wurden. Das heißt auf deutsch: das Ergebnis der neuesten sozialpolitischen Weisheit ist : d ie Ehr ist e n dürfen hausieren, nicht aber die Juden. Speziell Galizien wurde sorgfältig gemieden. Das Hausierrecht ist nun eine Lebensfrage für viele tausende jüdischer Familien. Wir erinnern speziell den Dr. Byk, den Abgeordneten von Brody, daran, daß nach Aufhebung des Freihandel-Privilegiums sich hunderte brotlos gewordener Juden dem Hausierhandel zuwandten, ja, daß man dies gleichsam als eine Entschädigung den Brodyern vorhielt. Dieses Zugeständnis, an und für sich fragwürdiger Natur, wurde aber infolge der Pflichtvergeffenheit des Abgeordneten Dr. Byk nicht gesetzlich kodifiziert. Nun bietet sich dem Abgeordneten Dr. Byk in zwölfter Stunde Gelegenheit, sein Versäumnis gutzumachen. Diese Frage ist für das arme jüdische Volk in Galizien viel wichtiger als die Verstaatlichung der Nordbahn, eine Aktion, die nur bezweckt, ein paar Schlachzizen wieder zu versorgen. Wir erinnern uns lebhaft einer Zeit, wo der Polenklub Mann für Mann gegen die Verstaatlichung stimmte. Erkläre mir, Dr. K o l i s ch e r, diesen Zwiespalt oder erkläre mir ihn lieber nicht, denn wir wissen, was das Herz des Polenklubs rührt. In der Angelegenheit der Hausierer nützt aber kein Mundspitzen, hier muß gepfiffen werden. Wenn die Herren vom Polenklub ihre Pflicht tun wollen, ist es ihnen ein Leichtes, die Aufnahme einiger galizischer Bezirke durchzusetzen. Tun sie aber nicht ihre Pflicht, so dürfen sie sich nicht wundern, wenn wir sie öffentlich als Volks- Verräter brandmarken. Für die armen jüdischen Hausierer ist freilich auch der status quo ante nicht ein dorado, nach dem sie sich sehnen, allein die alten, brestigen Juden, die sich unmöglich mehr einem anderen Erwerbszweige zuzuwenden vermögen, sind zumindest davor geschützt, der öffentlichen Mildtätigkeit anheimzufallen oder gar ganz zu verhungern. Aufgabe eines jeden Juden muß es sein, diese Märtyrer nach jeder Richtung hin nach Kräften zu unterstützen und zu fördern, aber auch dafür Sorge zu tragen, daß sich diesem Erwerbszweige, der mit so viel Beschämung und Erniedrigung verbunden ist, keiner unseres Volksstammes zuzuwenden in die zwingende Notlage kommen muß. Bis die Zeit hierfür da ictn wird, halte ich es heule für die beste Politik, wenn die Israeliten Frankreichs auf die Dreysus-Assäre das bekannte Wort G a m b e 11 as über Elsaß-Lothringen anwenden : „I m in er daran d e n k e n u n d nie baoott s p reche tt"." Zur Ehre der Judenheit in Frankreich muß es erwähnt werden, daß diese „Auffassung" der Dinge nicht unwiderleqt blieb. Der konservative „Univers israelite“ hat im Namen der Majorität der Juden in Frankreich gegen eine solche „verleumderische^ Anschauung protestiert. „Diese Zeilen", schreibt dieses Blatt, ,,welche wohl dazu bestimmt sind, jene interessante Kategorie von Juden (pardon, Israeliten) zu befriedigen, welche zur selben Zeit auf den „Gaulois" (antisemitisch. Red.) und die „Archives israelites“ abonniert und von Angst erfüllt ist, durch das neuerliche Aufrollen der Dreysus-Affäre in ihrer Verdauung gestört zu werden, sind jedenfalls würdig, in dem hellsehenden Organe Platz zu finden, das seinerzeit schrieb, die Dreyfus-Frage sei keine Judenfrage. Wir tonnen aber diese Zeilen ohne Protest nicht passieren lassen, denn sonst könnte es den Anschein erwecken, als wären sie der Ausdruck der Meinung einer Majorität unserer Glaubensgenossen. Es hieße die M a j o r i t ä t verleumden und ihr das Gefühl des Undanks imputieren, wollte man ihr den Gedanken in die Schuhe schieben, daß, weil Dreyfus sich nicht mehr auf der Teufelsinsel befindet und seine physischen Leiden zu Ende sind und weil anderseits der Antisemitismus heute weniger bedrohlich erscheint, die Juden Frankreichs ein wenig zur Ruhe gekommen sind, sie nunmehr das Recht haben, die mutigen Männer des Glaubens, die sich nicht begnügen einen Menschen zu befreit haben, sondern das reparatorische Werk bis zn Ende führen und das öffentliche Gewissen befreien wollen, als unnütz gewordene und kompromittierende Helfer zu verlassen, zu desavouieren und zurückzuweisen. Wenn die Juden Frankreichs wirklich das Herz hätten oder blind gemlg wären, eine solche Haltung anzunehmen, daun wäre wohl der Vorwurf gerechiferligl, daß die Revision nur aus selbstsüchtigen Interessen für ihre Religion und ihre Raffe und nicht auch geleitet von dem Der Kampf, den das „Jüdische Volksblatt" gegen die Hintertreppenpolitik und Protekkivnstvirtschaft führte, blieb nicht erfolglos. Das Volk, das fast allem Treibeil hinter den Kulissen, apathisch gegenübersteht, hak sich endlich allsgerafft, um dagegen zu protestieren, das; es noch länger als Publikum einer unschönen Komödie, die bemahe zur Farce auszuarten drohte, mißbraucht werde. Sind wir auch zu Beginn unseres Kampfes iloch waucheul Mißtrauen begegnet, so öffneten sich doch allmählich die Augcil des schlaftrunkenen Volkes, es kam zum Bewußtsein unb sah, was es früher nicht 511 sehen vermochte: das jüdische Volk wird voil eiuzelileil ihm. unbekannten! Leuten geführt, eventuell gestoßen, lilld, tvenn es nottut, getrieben. Anfangs schüttelte man ungläubig das schwerfällige Haupt ob unserer „Phantastereien". Wir ließen uns nicht abschrecken, das Volk nuißtle aufgeklärt werden malgre llli. Allmählich erfaßte die ganze Jüdenheit Wiens jenes Unbehagen, das einen, erfaßt, wenn er sieht, daß er sich so lange hat du Pieren lassen unb, während man anfangs sich sträubte, den schmachvollen Zustand zu erkennen, brüstet sich heute jeder daulit, ihn zu sehen und 311 verurteilen. Die beiden jüngsten Versammlungen in Allgelegenheit der Rabbinerfrage, sowohl die Volksversamnllung im „Hotel Central" wie auch die Bertranensmäimebversainmlung in der Seitenstetteilgasse, haben uns glänzende Genugt>uung gebracht. In der Volksversammlung, die sich sowohl qualitativ wie quantitativ 31t einer der Sache würdigen Monstreversammlung gestaltete, wurde eilte Resolution angenommen, die alle Klagen enthält und auf alle Uebelstände Hinweis!', die fett Jahr lind Tag Gegenstand unserer Besprechlmg bildeten lind in der Vertrauensmä 1 ntervcrsenninlnng waren es gerade uitferc politischen Gegner, die mit einer Deutlichkeit auf die Unhaltbarkelt der heutigen Zustände hindenteten, welche alle Zweifel ausschließt. Nun ist es Licht geworden und jeder, der da will, kann sehen. Die Bahn ist freigemacht, die Gerechtigkeit kann ihren Einzug halten, cm dein Vorstände liegt es, sie nicht in ihrer Angst vor einem Einzigen und seiner Clique wieder zu verscheuchen. Der Vorstand hat heute niefit einmal mehr die Ausrede, daß ihm die Wahrheit von dev Opposition, von den verhaßten Jüdischnationalen, offenbart wurde und deshalb ilicht beachtet werden dürfe, seine eigene Ratsstube ist schon von der Wahrheit infiziert, er wird ihr, so schmerzhaft, es auch sein mag, versalleil illüssen. Die am Samstag den 2l. d. M. imter dem Vorsitze des Herrn M a r c u s vom innerösterr. D.-K. veranstaltete Protestoersammlliilg in Angelegenheit der Besetzung des Wiener Rabbinervostens. acstaltete sich zu einer Kundgebung für lnlfere Sache. Trotzdem die Partei der „Offiziellen" stark vertreten war und die unverkennbare Absicht hatte, die Versammlung 31t Mengen, gelang es doch der Beredsamkeit unserer Gesiimnngsgenoffcn und der Energie des Vorsitzenden, die Ruhe wieder hcrznftellen. Die von Dr. B e r n h a r d t verlesene und begründete Resolution ivlirde mit allen gegen drei Stimmen angenommen. Nachstehend der Verlauf der Versannnlung. Schon vor der für den Beginn eingesetzten Stmidc hatte die Partei der Offiziellen die ersten Reihen des Saales besetzt,. Um 8 Uhr war der Saal derart' überfüllt, daß die später Erschienenen nunmehr in ben Nebenlokalitäten platznehmen mußten. Unter ben Besuchern befanden sich auch die Kultusvorsteher Prof. E h r m a n n , kais. Rat P 0 llak, höheren Interesse für Wahrheit und Gerechtigkeit verfolgt haben." Im weiteren Verlaufe führt der Artikelschreiber den Beweis, daß nicht I a u r ö s die Affäre Dreyfus in die Politik zieht, sondern daß gerade die Antisemiten verwegen genug sind, diese für sie gewiß nicht rühmliche Angelegenheit noch immer gegen die Juden und ihre Freunde politisch auSzubeuten. Und da fragen die „Archives" noch, ob man sich eines Schrittes freuen darf, der dazu führen soll, den Ehrabschneidern und Verleumdern den letzten Fetzen der Maske vom Gesichte zu reißen! Die Leisetreterei, die unbegreifliche Angst, sein Recht zu fordern und bis zum letzten Tropfen Blut zu verfechten, hat dem Judentum schon viel geschadet; sie wurden von seinen Gegnern als begründete Scheu vor der Oeffentlichkeit verschrien. Hinweg mit der Mutlosigkeit, denn sie ist ansteckend und entmutigt auch diejenigen, die für ihr Volk zu kämpfen gewillt sind. Es komme daS Licht, es komme die Gerechtigkeit, das Judentum hat keines von beiden zu scheuen! Jakob Krausz. Der Vinzenz! (Der Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Moriz Langer, oder richtiger feit heute Mittag Dr. Vinzenz M. Langer, allein in seinem Sprechzimmer auf- und abgehend.) Nun, so wäre auch dieser Akt vorüber!-Ich bin doch sicherlich Philosoph genug, um derlei Aeußerlichkeiten nicht zu überschätzen, und dennoch kommt es mir vor, als fühlte ich innerlich den Wandel, den man mit mir vorgeuommen! — Bah, warum es leugnen — ich b in ein anderer — jetzt sozusagen auch wer, und tut es mir ordentlich wohl, endlich das Odium abgeschüttelt zu haben, das lange genug auf mir gelastet. Jetzt erst bin ich ein vollnnd gleichwertiges Mitglied der Gesellschaft — mag man nun auf die Juden schimpfen, wie man will, cs kanu mir gleich sein, und wenn efinster wird, so schimpfe ich mit! — Mit den Wölfen muß man heulen! S. K 0 u d e r s , E l t b 0 g e n. Auch zahlreiche Vertrau eus mä nurr wareu gekommen, darunter Herr S. B che r, der Vorsitzende der Bezirkskommission XII—-XV die Herren Rappapvrt, Mohr, Pick, Droblowiez, Plaschkes, De. Elias, Direktor Heller, Felsenburg und zahlreiche Bethausvorstände. Mehrere Kultusvorftände hatten ihr Fernbleiben entschuldigt. Herr M a r c u s begrüßte die Versammlung und setzte den Zweck derselben auseinander, worauf Herr Direktor Weber dos Referat erstattete. Von einem Aussprüche des Dr. Joel, Rabbiners in. Breslau.: „Der alte Rabbiner ist müergegaugeu." ausgehend, zog er eine Parallele zwischen, dem altere und modernen. Rabbinertum, die keineswegs zugunsten des letzteren ausfiel. Dev alte Rabbiner war der. wahrhafte Vater seiner Genwinde. Ein Muster von Frömmigkeit und Herzensgüte. Er war der. Richter in der Gemeinde. Er tröstete die Leideirden, richtete die Gebeugten auf, flößte den Kranken Mut ein und erwarb durch seine soziale Betätigung das Vertrauen aller. Die modernen Rabbiner hingegen tun von all dem nichts; dafür entlehnten sie anderen Konfessionen den Tatar und sonstige Aeußerlichkeiten. Redner wendet sich hierauf gegen den Abusus bezüglich der Einteilung der Gemeindemitglieder in Klaffen sowohl bei fröhlichen als auch bei traurigen Anlässen und macht den Rabbinern speziell den Vorwurf, daß sie die Jugenderziehung vernachlässigen. Schuld an diesen Mißstäuden trage die Forur der Besetzung dev Rabbinerposten, sondern einzig und allein, die Protektion, das ansschlaggebende sei. Aber auch sonst sei das System der Probepredigt uichi das richtige. An Ort und Stelle müsse mau das Wirken des Rabbiners beobachten und unter den tüchtigen den bewährtesten anstellen. (Bravorufe rmd Händeklatschen. Rednicr wird beglückwünscht.) Hierauf ergriff Herr Redakteur Krausz das Wort. Kaum hatte ev jedoch die Berechtigung der nationalen Parteien, die Versammlung einznbernfen, zu begründen versucht, als der längst vorbereitete Skandal seitens der Offizielleil losbrach, die im Worte „National" eine Herausforderung und eine Verletzung sahen, da der Vorsitzende erklärt hatte, man werde die Rabbiilerfrage nur vom rein jüdischen Standpunkte beleuchten. Minutenlang hielt der Lärm an, der von einigen K'rakehlern inszeniert wurde, und fast wollte es scheinen, als ob die Opposition die Versammlung sprcngeil werde. .Rur imt. Mühe gelang es, die Herren zur' Ruhe zu bringen. Herr Krausz führte mm alls: „Nach dem Statute der Israelitischen Kultusgemeinde hätten wir elgeutlich kein Recht zur Abhaltung der heutigen Versammlung, da wir weder Experten noch Vertrau eilsmänner [tirix Aber Experten und Vertrauensmänner werden vom Kultusvorstande ernannt und rekrutieren sich demzufolge zu allerletzt aus denjenigen, die ein Interesse an der Besetzung der Rabbiner- Posten haben. Wären wirklich! Interessenten dazu! berufen worden, Umitm denn nicht die Zionisten und die Nationalen, die doch ein lebhaftes Interesse an der Besetzlmg haben? Die Rabbinerfrage sei schon vor zlnci Jahren akut geweseil. Da damals aber, nur ein Piosten zn besetzen war und sowohl Dr. Güdemann als Dr. Bloch ihren Protcgee uilterbvingen wollten, kam es zu keiner Einiglnlg. Jetzt sei ein .Kompromiß geschlossen und es werde fein Protest mehr helfen. Aber dieses Vorgehen müsse bekannt werden. Und doch besitze das Wiener Rabbiner-Seminar Zöglinge, die jeder Gemeinde zur Zierde gereichen könnten. Wozll also in die Ferne schweifen? Wozu sich mit einer so kompakten Masse, wie es die nationalen Graf Täufer und der Hochwürdige Herr schienen mir recht ergriffen, doch kam es mir vor, daß der junge Kaplan, der die lange Kerze hielt, mich spöttisch, ich möchte meinen, fast mitleidig ansah, als wollte er sagen: „Du, du mit dem Gesicht, du hast eS gerade nötig!" — Mein Gott, was kann denn ich dafür — übrigens haben unsere Heiligen und die ersten Christen auch nicht anders auSgesehe«! — (Bor dem Spiegel.) Die vermaledeite Nase läßt sich allerdings nicht ummodeln, da müßte ich durch größere, eher runde Brillengläser nachhelfen. Das Dejeuner war eigentlich recht mager — wegen der Karwoche gab eS kein Fleisch, nur Fische — (schmunzelnd) Offen gestanden, mundeten die Karpfen beim Khuner bester. — DaS ist nun auch vorbei!-Graf Täufer trug mir beim Deffert das Duwort an! — (In den Spiegel sehend.) Hörst du, Moriz — Pardon, Vinzenz, ein wirklicher, echter Graf duzt dich! — Wenn dies nur mein armer Vater erlebt hätte! — Was red' ich da für einen Unsinn — der Vater mit seiner übertriebenen Frömmigkeit hätte mich darob verstoßen. — Unb doch — wer klug genug ist, wird begreifen, daß es in unserer aufgeklärten Zeit eigentlich ganz einfach Geschmackssache ist sich zu dem altersschwachen Jehova oder zu seinen! Sohn, zu bekennen, die Familie ist doch dieselbe, und der Pfarrer sagte ganz richtig, daß wir Christen die wahren Israeliten sind. Der Graf versprach mir, mir eine arisch-aristokratische Klientel, auch den Jockey-Klub zuzuführen — das dürfte doch etwas anderes sein, als immer das Gemauschel dieser Herren Kaijuden onzuhören. Und erst welche Partien werden sich mir bieten! — In unseren Kreisen hatte ich wenigstens keinen halbinsolventen Schwiegervater zu befürchten, da gibt eS noch wirkliche Nordbahnaktien und schuldenfreie Häuser auf dem Brillantengrunv', Familien, die hier seit Menschengedenken zn Hanse sind, echte Patrizier, die znschließrn, wenn die Kanzlei nichts einträgt. Ja, richtig — die Kanzlei werde ich jetzt auf die Wieden verlegen — es ist jetzt Mode, dort zu wohnen, schon wegen der vielen Palais — es gibt wohl auch dort Juden — doch die sind wenigstens reich und neigen schon wehr zu uns herüber, wollen es sich aber mit der Börse nicht verderben. Auch ein anderes Kaffeehaus muß ich jetzt besuchen, das „Caf6 Central" ist kein Kaffeehaus für mich —

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