Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1903-03-20 · 12 (20.3.1903) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
12 (20.3.1903)
Date
1903-03-20
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2432763-2432970-2432982--1874-2435678
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. T2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 20. März 1903 Seite 5 Zahlung des Inh l ös 'i960 ergibt aber ein Minus von 108 949. Diese Abnahme der Jüdischen Bevölkerung findet in der zahlreichen Auswanderung der Inden aus Galizien ihre Vegrnudnugi. Im letzten Jahrzehnte waiiderten ans Galizien überhaupt mehr als 300 000 Personen aus, ein gutes Drittel davon entfällt auf die Juden. Sie wandern zum Teile in die Bukowina, hauptsächlich aber nach dem Westen aus. Die Ursache der Auswanderung liegt vorwiegend in den ungünstigen wirtschaftlichen und geschäftlichen Verhältnissen des Landes. Im östlichen Galizien schießen in der letzten Zeit auf den Dörfern christliche Geschäfte rapid in die Höhe, welche den Bauer zu sehr billigen Preisen mit allen notwendigen Waren versorgen und dem jüdischen Kaufmann auf dem Lande den Boden unter den Füßen entziehen. In die Städte können die Juden nicht ziehen, denn sie sind ohnehin überfüllt. So müssen sie also das Land verkästen." Der ungarische Reichstag nutz die Juden. In Ungarn wird seit Monaten ein sehr erregter Kampf gefiihrt. Unter dem Deckmantel der Obstricktion gegen die Wehrvorlagen gilt es, die nationale Unabhäilgigkeit, die Lostrennung von Oesterreich zu erringen. So begreiflich uns Jüdischnationalen, die wir selbst um die Befreiung, die Freiheit kämpfen, das Verlangen einss Volkes nach Selbständigkeit ist, so eigentümlich muß uns die tragikomische Rolle, welche die „magyarischen Abgeordneten mosaischer Konfession" in diesem Kampfe spielen, berühren. Diese Männer sind nämlich die lautesten Rufer im Streit, die heftigsten Verfechter der Freiheit Ungarns. Sie mögen beruhigt sein, das, was sie tun, ist weder neu, noch originell. Es ist eine alte Regel, daß derjenige, - der für einen anderen die Kohlen aus dem Feuer holt, sich stets selbst dabei verbrennt. ' Wir Juden haben diese Tatsache des öfteren am eigenen Leibe erfahren. Ueberall dort, wo wir für die Freiheit des Volkes, unter dem tvir wohnten, kämpften —, und wo taten wir das nicht?— haben wir noch bittere Eijahrungen gemacht. In Deutschland folgte auf den Nationalliberalen Lasker der große Judenfresser Bismarck, und in Oesterreich, da können wir Juden so manches erzählen zu Nutz rmd Frommen unserer ungarischen Brüder. Auch wir in Oesterreich hatten einen Freiheitskampf, auch in diesem Kampfe standen Juden an der Spitze. Im Jahre 1848 waren die Juden Fischhof, Goldmark und andere Juden Führer des Volkes. Inden kämpften auch bei uns für die Freiheit des Landes, dem sie angehörten. Und wie wurde es ihnen gelohnt? Die Geschichte lehrt auch hier wieder, daß die Juden, so lange man sie brauchte, zu allem gut waren, daß aber dieselbe Freiheit, die zu erringen die Juden getreulich mithalfen, zu ihrer Unterdrückung und Knechtung verwendet wurde. In Oesterreich kam auf das Jahr 1848 das Jahr 1883 und nach diesem Jahre noch, viele Konkordatsjahre für die Juden, bis auf den heutigen Tag. Und eben weil wir Juden in Oesterreich uns bereits die Finger verbrannt haben, warnen wir die jüdischen Heißsporne in Ungarn. Wir könnten ihnen cm vielen kleinen, aber beredten Zeichen die Aehnlichkeit ihrer jetzigen Lage mit der unserigen im Jahre 1848 dartun. Wir fürchten, daß sie in ihrer Verblendung nicht auf uns hören lvcrden. Das eine wollen wir ihnen aber noch zurufen: Wir Juden in Oesterreich — wenigstens diejenigen unter uns, die logisch denket: — haben uns nach den vielen Kämpfen für andere Völker, auf unser eigenes Volk, auf die Pflichten gegen dasselbe besonnen und sind jüdisch-national geworden, möget ihr Juden in Ungarn nicht erst gezivrmgen sein, durch Schaden klug.zu. .werden. O. Frankl. Ausland Gememde-erjcht, aus Jassy (,O. K.). D i e E m i g r a t i o n d a u e r t.. f o r t... ... Hunderte. , belagern . täglich die- „Samoil-Loge B'nei-B'rith", in der Herr A. S. G o I d e n t hal als Vertrauensmann der „Jca" die geregelte und'öffentliche Emigration leitet. Da kommen Personen, welche vor ihren Verwandten nach Amerika gerufen werden, andere, die mit Frcs. 150 befördert werden wollen, Frauen, für die ihre Männer noch nicht sorgen können und die deshalb in Rabb. Dr. Nüemir.ov er drängen, daß er für sie bei g amerikanischen Rabbinern interveniere. Es erscheinen Handwerker,, die infolge der Arbeitslosigkeit und des sie bedrohenden Handwerkergesetzes zum Wänderstab greifen, aber über gar keine Mittel Verzügen. Für die sorgt ein Hilfsverein, welcher die Summe von Frcs. 20 000 gesammelt hat, welche Summen der ehemalige kaufmännische Verein, die Chewra Kadischa und wohltätige Privatleute aufgebracht haben. Trotz dieser anhaltenden Auswanderung wurde für Bildungs-Institute gesorgt. Für die gegen 600 Schüler umfassenden Kultura-Schulen wurde eine Theatervorstellung gegeben, und zwar Victor Hugos „Torguemada", rumänisch übersetzt von unserem als Dichter gefeierten Stammesgenossen Dr. A. Steuerman, welche Vorstellung Frcs. 1600 gebracht hat. Die länger als ein Vierteljahrhundert bestehende „Junimea-Schule" hat unter Leiüing der B'nei-B'rith-Loge einen mächtigen Aufschwung genommen. Die Armenschule, in dem sehr bevölkerten Stadtteil der roten Brücke, „Junimea 2" genannt, hat eine größere Spende eines Privatmannes erhalten, und so neue hygienisch befriedigende Schulräume bekommen. Für die Mädchenschule wurde ebenfalls eine Theatervorstellung gegeben mit dem Reinerträgnis von Frcs. 1600. Nachdem seit Jahren, Nabb.Dr. Niemirover gegen das Uebel predigt, daß man die jüdischen Töchter in die Nonnenschule schickt, haben sich jüdische Studentinnen gefunden, die eine höhere israelitische Töchterschule gründeten und die dazu nötigen Mittel wurden unter den wohlhabenden Juden gesammelt. Die von der B.-B.-Loge gegründeten, jetzt t ni der Kulturagesellschaft geleitete Handelsschule hat auch eine dritte Klasse eingerichtet. Die von Herrn A. S. Goldenthal ins Leben gerufene Ackerbauschule entwickelt sich und berechtigt zur Hoffnung, daß sie in der Zukunft, allen an sie gestellten Anforderungen entsprechen wird. Neben dem Kulturellen lvurde mrch an das Kultuelle gedacht. Die Jahrhunderte alte große Synagoge, ivelche baufällig war, wurde seitens der „Chewra Kadischa" renoviert und unter großer Feierlichkeit durch die Herren Rabb. Dr. Niemirover und Taubes eingelveiht. Haben bloß gegen 300 Personen in unserer unorganisierten Gemeinde, in der es keine Fleisch- Gabella gibt und alles, Krankenhmis, Schulen, Gotteshäuser, Kultusbcamte usw., auf dem Wege freiwilliger Beiträge erhalten wird, schon durch die genannten Veranstaltungen viel zu leisten gehabt, so hat der strenge Winter sie noch mehr belastet. Die Bekleidung der Schüler der Kultnra, Junimea, der fünf Knabenschulen, der Mädchenschule imb der drei Talmud-Thora-Anstalten hat gegen 1000 Frcs. gekostet. Für Holz wurde in der Stadt durch die Herren Schnürer, G a r f u n k e I und S a l o m o n i c a mehr als Frcs. 4600 gesammelt, abgesehen von dem, tvaS durch das Komitee d'Asistance verteilt wurde. Für das Altenhaus, welches durch einen Handtverkerverein erhalten wird, wurden ebenfalls sinige Wohltätigkeits-Vermsttattnngerl unternommen, tvelche inehr als 1000FrcS. 'brachten, ebenso hat die unter Leitung des Herrn Dr. Lippe bestehende Lesehalle, der Verein der Handelsgehilfen, der Verein jüdischer Studenten und der Stern-Verein literarische und musikalische Abende 3U Zwecken ihrer Erhaltung abgehalten. Das jüdische Krankenhaus, Ivelches gegen 100 Betten hat, veranstaltet wie alljährlich einen Ball, der gegen 4000 Frcs. bringt. Bald beginnt die Sammlung für Mazzoth. Wenn man all das zusammenrechnet und sich vergegenwärtigt, daß die Masse der jüdischen Bevölkerung nichts geben kann, die wenigen Großkapitalisten nicht allzuviel spenden und nur der eigentliche Mittelstand alles aufgebracht hat, inid neben der öffentlichen Wohltätigkeit eine private, stille, vorhanden sein muß, um — ohne Uebertreibung — die nach tausenden zählenden verschämten Armen vor dem Hungertode zu retten, so wird man es begreifen, baß für die jüdische Volksküche in der Stadt nur wenig aufzubringen ist. Die Volksküche, welche unter Leitung des Herrn Göldeuthal steht, ist eine Notwendigkeit geworden, besonders für die gegen 300 Schüler, welche teils gratis, teils für 2,5 Cts. beköstigt werden. Auch die Familien, deren Häupter emigriert sind, deren Zahl sich täglich vermehrt, sind auf die Volksküche angewiesen. Leider sieht sich aber die „Allianz Jsraelite", welche die Anstalt reichlich unterstützt, gezwungen, dieselbe zu schließen. Man muh jedoch hoffen, daß diese notwendige Wohltätigkcitsaustalt bald tviedcr eröffnet werden tvird. Wenn man im Dienste des Judentums für die Hebung der jüdischen Kultur bei unserer Jugend sorgen will, was hier durch die Einrichtung von Gratisabenden für Kurse in jüdischer Religion und Geschichte durch Herrn Rabb. Dr. Niemirover in der jüdischen Lesehalle geschieht, so muß man auch dafür sorgen, daß die armen Schüler Nahrung bekommen, was nur ln der Volksküche möglich ist. Wenn man dieEmigranten unterstützt, so muß auch an ihre armen Familien und Kinder gedacht werden, für welche die Volksküche eine Quelle der Hilfe war. Die ausländische Philanthropie. tvelche für die Juden Jassys so viel leistet, wird sicherlich den Utrtergang einer solchen Anstalt verhindern, die Volksküche tviedcr unterstützen, bis bessere Zeiten kommen, in welchen es den Juden Jassys möglich sein wird, dieselbe aus eigener Kraft zu erhaltene , Jsraelowitz. Israelitisches Heimatshaus in Berlin.. Frart Staatsminister Dr. Srudt besuchte am 12. März das Israelitische Heimatshaus. Gormauustraßc Nr. 3. Empfangen und geleitet voll den Begründern des Hauses. Herrn und Frau Abraham, besichtigte sie die Anstaltssynagoge. sowie die Wohlfahrtseinrichtungen des Hauses, Volksküche, Hausbaltimgsschule, Kindergarten, Alten- und Mädchcnheim, und sprach sich über die segensreichen Einrichtungen sehr wohlwollend aus. ' Bessarabische jüdische Farm. Aus Odessa wird gemeldet: Die vor acht Jahren errichtete jüdische Winzerfarm in Orgjejew hat auf Verwendung des Gouverneurs von Bessarabien unter dem Namen „Besiarabisch-jüdische landwirtschaftliche Schule" die Rechte einer juristischen Person erhalten. Der 33 Hektar umfassende Grund und Boden der Farm ist vom Grafen Siwkowitsch, Flügeladjutanten des Czaren, nnd vom Baron Günzburg geschenkt, der für die Einrichtung erforderliche Betrag (22.000 Rubel) von der * Jewish Golonization Association* gewährt worden, welche bisher auch den größeren Teil der Unterhaltungskosten bestritten hat. Die behördliche Genehmigung der Statuten ist erst erfolgt, nachdem die .Jewish Golonization Association* eine dauernde Jahresleistung von 3300 Rubeln, der jüdische Armen-Berein in Kischinew eine solche von 1500 Rubeln zugesichert hatten. Nachträgliches zn de» französischen Senatswahlen. Aus Paris wird gemeldet: Die jüngsten Senats-. Wahlen, welche am 4. Jänner in ganz Frankreich vollzogen wurden, haben den ^reinen" Antisemiten-, eine, schwere Enttäuschung gebracht. Im Departement Aude haben die Antisemiten von den 742 abgegebenen Stimmen.- nur. 15 auf sich vereinigen können. IN der alten Brutstätte des Judenhasses. Algier wurde der zurücktretende. Senator- G e r e nie,. der jahrelang die Herren D ru m o nt und. Max B.e g isheftig, .bekämpft hattet' mit 218 Stimmen wiedergewäM,. während seine beiden antisemitischen Gegenkandidaten rnsauuyen esauf achtzig Stimmen brachten. Freilich haben auch einige Konservative und Nationalisten Wahlsiege aufzuweisen, aber selbst diesesind keine notorischen und unverschämten Antisemiten,..sondern so.nebenbei und gelegentlich Judenfeinde, respektive verschämte Antisemiten. Dagegen sind neben Mr. Ger ent e noch her »Dreyfusard" D e l p e ch, sowie der Ministerpräsident C o m b e s gewählt" worden. Endlich muß die Wahl des Herrn Fernand Cremieux, ein Jude und naher Verwandter des unvergeßlichen jüdischen Ministers, der im Bezirke Gard zum Senator gewählt worden ist, erwähnt werden. Senator Cremieux ist ein talentvoller Advokat, der früher einmal schon Deputierter der Kammer war, Mit der Wahl Cremieux' ist die Zahl der jüdischen Senatoren in Frankreich auf 4 gestiegen..Von diesen war David R a y n a l, Senator für die Gironde, .mehreremale .Minister für öffentliche Arbeiten gewesen. Ein anderer jüdischer Senator, Paul Strauß, ist ein geachteter Nationalökonom und eine anerkannte Autorität auf dem Gebiete des Armenwesens. Endlich ist der dritte jüdische Senator Milliard, im Departement der Rhone gewählt, ebenfalls schon einmal Minister gewesen und gilt als einer der arbeitslustigsten Senatoren, so daß er in alle vom Senat eingesetzten großen Kommissionen immer wieder hineingewählt wird. Die Juden als Soldaten. Unter dieser lieberschrift veröffentlicht der Londoner „Spectator" in seiner Nummer vom 4. Jänner einen bemerkenswerten Artikel, her in ga«z England gewiß große Beachtung finden dürfte. Anknüpfend an die große Beteiligung der Juden am südafrikanischen Kriege hebt das Blatt hervor, daß die Juden noch aus den Zeiten Davids und Bar Kochbgis kriegerisches Blut in ihren Adern führen und daß die Verfolgungen des Mittelalters ihren ererbten militärischen Geist wohl unterdrücken, aber nicht erdrücken konnte. Tatsächlich ist die Abneigung gegen den Militärdienst, der unter den Juden Rußlands und Galiziens früher zweifellos bestanden hat, jetzt im raschen Schwinden begriffen. Rußland zählt jetzt jahraus jahrein 50.000 aktive jüdische Soldaten in seinem Heere und ein großer Teil der Infanterie der ö st e r r e i ch i s ch e n Armee besteht aus galizischen Juden, wie man sie in ihrer kleidsamhn dunklen Uniform in den Straßen von Lemberg und Krakau zu Hunderten sehen kann. In Frankreich sind die Juden seit fast hundert Jahren verhältnismäßig stark in der Armee vertreten und zur Zeit weist das französische Heer nebst vielen Offizieren niederen Ranges fünf Brigade- und einen Divisionsgeneral auf. Die englische Armee zählt gegenwärtig nur drei jüdische Colonels, nämlich den Artillerieoberst Montefiore, den Colonel L e v e r s o n und den Oberst G o l d s m i d t. Dagegen wies die Armee des Marschall Wellington einen allerdings getauften jüdischen Generalmajor, den tapferen Generalmajor G o l d s m i d t auf, dem in der Schlacht bei Waterloo zwei Pferde unter dem Leibe erschossen wurden. Nachdem der Verfasser des Artikels auch den gegenwärtigen italienischen Kriegsminister, den orthodoxen jüdischen General Ottolenghi, gebührend gewürdigt hat, envähnt er, daß in den Vereinigten Staaten während des Unabhängigkeitskrieges ein Jude, der Oberst Frank, Privatseiretär und Flügeladjutant Washingtons war. Ein Jude, der Commodore Mordechai Manuel Noah, war einer der ersten Kommandeure der jungen nordamerikanischen Flotte. Sein Schiff war wohl das erste und einzige Kriegs fahrzeug, das je von einem Juden geleitet worden ist, da die Juden zur See noch nie hervorgetreten sind. Sehr interessant sind die Daten, welche Verfasser über die Juden in der indischen Armee gesammelt har. Die bekannten Beni I f r a e l wurden in Berichten der Indischen Kompanie aus dem 18. Jahrhundert als * Söldner von Beruf" bezeichnet. Tatsächlich haben die Beni Israel der eingeborenen Armee verhältnismäßig mehr Soldaten als irgend ein anderer Stamm Hindostans zugeführt. Für die Heldentaten, die Samuel Czekiel Kharceldar 1799 bei der Erstürmung von Seringapatam verrichtet hatte, erhielt er eine Bronzemedaille. Ein anderer jüdischer Held, der Subadar Major Ellojee Devorjee Israel vom 7. eingeborenen Infanterieregiment erhielt für seine Heldentaten bei Kirki und Poona, sowie für Tapferkeit im Felde während einer 27jährigen Dienstzeit (1799—1826) eine speziell für ihn geprägte silberne Medaille. Der Subavar D a m e l j e e Israel vom 16. Infanterieregiment erhielt 1830 eine goldene Medaille, die 1862 auch dem Subadar Czekiel Bapurgee verliehen wurde. Endlich hat 1882 der Subadar Major Moses Bapurjee Malkar vom 12. Infanterieregiment für Tapferkeit den goldenen Stern der ersten Klaffe des britisch-indischen Ordens erhalten. Zahlreiche Stämme in Nordwestasrika, das heißt in Marokko, sind Juden und es dürfte wenigen bekannt sein, daß die Riff-Cabylen, die den Spaniern so viel zu schaffen machen, keine Mohammedaner, sondern Juden sind. Jude und Preuße in Pose«. Wie uns mitgeteilt wird, hat der klerikale „Kuryer Poznanski* die Anwesenheit des Kaisers in Posen zu einem Hetzartikel gegen die Israeliten in der Provinz Posen benützt, in dem es heißt: Jedem Bewohner falle die ungewöhnliche Vermehrung der Gesichter mit semitischem Typus auf. Die jüdischen Bewohner der Provinz seien augenscheinlich von ungeheurer Freude erfüllt aus Anlaß der „preußischen Feierlichkeiten". Die Gesichter der Posener Juden strahlten. Kenner der Verhältnisse hielten dafür, daß der größere Teil der Zuschauer sich aus Juden zusammensetzen werde. Die lebhafteste Beteiligung an den Loyalitätskundgebungen sei natürlich, seien doch der Preuße und der Jude die natürlichsten Bundesgenossen auf der Wett. Bei den zahlreichen Heiraten zwischen Vreußen und Juden habe sich bereits ein besonderer Typus, der preußisch-jüdische, herausgebildet. Derselbe mehre sich auch unter den Deutschen. Der Jude und der Preuße seien durch Interessengemeinschaft miteinander verbunden. UBeide betrachten die slavische Frage als die größte ihnen drohende Gefahr. Nur mache sich der Jude und alles, was von ihm abhänge, mit größerer Geschicklichkeit ans Werk, als das rein, deutsche Element. Nach Geburt und Ueberzeugung sei der Jude der natürliche Freund des Deutschtums. Heute sei es Tatsache, daß von allen politisch-sozialen Strömungen in Europa die slavische Idee die einzige sei, an welcher die Juden sich absolut nicht beteiligten. (?) Darum bleibe diese Idee wahrscheinlich auch aus den Höhen eines so herrorragenden Idealismus. Außer dev Juden seien viele Deutsche zu den Posener Festlichkeiten eingetroffen. Polen seien wenig auf den Straßen zu sehen. # Aus Rußland. Bei der Leichtigkeit, mit der jüdische Ehen geschieden werden können, wo noch ausschließlich das talmudische Familienrecht gilt, ist es von Interesse, daß die russische Regierung in Kürze ein Gesetz ergehen lassen wird, welches bestimmt, daß jüdische Ehescheidungen in Zukunft nur mit Zustimmung der Polizei Giltigkeit erlangen. Die Scheidung soll wie früher durch die Rabbiner geschehen, doch soll die Polizei sich überzeugen, ob beide Teile die Scheidung wünschen. Außerdem sollen beide Eheleute beim Rabbiner anwesend sein. Das ist kein Eingriff in unser Recht und wirb dabei von außerordentlich segensreicher Wirkung sein. — Anläßlich eines Besuches der Schulen in Litthauen äußerte der Minister für Volksbildung auch sein Interesse für die Lage der jüdischen Schulen. — Seit einiger Zeit sind in gewissen Lokalen von Petersburg rumänische Kapellen in Mode, deren in rnmänischer Nationaltracht kostümierte Mitglieder der Petersburger Lebewelt rumänische Tänze Vorspielen. Es stellte sich nun heraus, daß unter diesen Musikanten mich zahlreiche rumänische Juden sich befinden, eine Tatsache, welche ihre christlichen Landsleute derart verdrossen hat, daß sie deswegen beim Petersburger Polizeipräsidenten vorstellig wurden. Die christlichen rumänischen Musikanten wähnten offenbar, nicht in Petersburg, son--. dern in Bukarest zu sein, denn sie muteten der Petersburger Polizei zum Schutz der Rumänier gegen die „Fremden" zu, diesen das Tragen der rumänischen Nationaltracht zu verbieten. Die Polizei wies das seltsmne Ansinnen kurz ab. — Die kaukasischen Weinhändler reichten ei» Gesuch ein, Juden zu erlauben, während einer bestimmten Zeit in den Weinbezirken wohnen zu dürfen, damit sie ihre Geschäfte dort erledigen können. Es ist aber kaum anzunehmen, daß die Regierung diesem Bedürfnis der nichtjüdischen Bevölkerung entgegenkommen wird, weil diese Erlaubnis den Juden zugute käme. ExministerSalomonHirsch. AuS New-Dork wirb gemeldet: Solomon Hirsch, der gewesene Gesandte der Bereinigten Staaten in Konstantinopel, ist am 15. Dezember in Portland, Oregon, infolge eines Herzschlages plötzlich gestorben. Solomon Hirsch wurde am 25. März 1839 in Württemberg in Deutschland geboren. Im Alter von 15 Jahren kam er nach Amerika. Im Jahre 1858 gingen Solomon Hirsch und sein Bruder nach dem Staate Oregon, wo sie in Dallas ein Geschäft errichteten. Nach dreijähriger Geschäftstätigkeit in Dallas und nachdem er weitere drei Jahre in Silverton tätig war, wurde Salomon Hirsch Mitinhaber eines der größten Exporthäuser von Portland und wurde einer der reichste» Männer des Staates. Salomon Hirsch nahm an dem politische» Leben des Staates regen Anteil, wurde 1872 als Republikaner i» die StaatSgesetzgevnng entsendet und zwei Jahre später Senator. Lange Jahre hindurch war der Berstorbene der Führer der Republikaner im Staate. Sein Ansehen stieg nach dem großen Siege der republikanischen Partei im Jahre 1882 auf den höchsten Punkt. Im Jahre 1889 kandidierte er wieder für den Senat, unterlag jedoch mit einer SPtimme Minorität gegen I. H. Mitchell. Im Mai des-- selben Jahres wurde Salomon Hirsch durch den damaligen Präsi-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.