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Jüdisches Volksblatt · 1903-03-20 · 12 (20.3.1903) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
12 (20.3.1903)
Date
1903-03-20
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Nr. 1 <j Wien, Freitag Jüdisches VolksJblatt, LO. Marz 5-M>3 Nr. 12 deuten der Bereinigten Staaten Harrison zum Gesandten in Konstantinopel erwählt. Der Vorgänger Hirschs in dieser Stellung wirr bekanntlich auch ein Jude, und zwar: Oscar S. Strauß. Ans Dalny. Die Zeitungen melden, daß Herr von Witte bei Gelegenheit seiner letzten Reise nach Dalny, dem neit geschaffenen Hafen in Sibirien, den Inden und den Japanesen gestattet habe, Lcmdparzellen von dem zur Gründung der neuen Stadt bestimmten Terrain in Pacht zu nehmen. Dessenungeachtet kömmt weder die einen noch die anderen Eigentümer werden. — Der Advokat Maurice B. B I u m enthal in Nelv-Aork ist zum Attorney-General (Kronanwalt) des Staates New-Pork ernannt worden. — In San Franzisko ist Professor Josef >N e u m a n n im 76. Lebensjahre gestorben. Er hat erst die Seidenzucht in Kalifornien eingeführt. (I m D ä m m e r s ch e i n e d e r R e s v l u t i o it ö d ti 187 3. — Der „Schomer Is raevon damals und deute.) Krakau, Mitte März. Tschechen und Deutsche liegen einander nicht in den Armen. Aus zarter Liebe zu ihrer allelnse'igmachenden Sprache werden Laute angeschlagen, welche kaum noch in einer Universitas alcoholicnrum ohne inneren Ekel laut werden dürfen. Die hypernationalen Vertreter begehen jeden Tag zufolge ihres Tvibnuenandes ein Sakrileg an dem Staatsschatz, an welchem Schweiß und Blut des österreichischen Volkes haften. Wer aber ist bei diesem Unglücksparlament der lachende Dritte? Wer heimst den größten Nutzen ein? Keiner von beiden auf derselben Scholle wohnenden Stämme, sondern der dritte Stamm, die Polen, die Nachbarn aus dem Osten. Wir fühlen uns ganz mit den geschichtlichen Tatsachen in llebereinstimmung, wenn wir das behaupten. Die Deutschen haben viel, ja sehr viel an ihrem nationalen Besitzstände eingebüßt, die Tschechen nur wenig gewonnen, weniger noch die übrigen Nationalitäten, den Haupttreffer aber zogen die zweieinhalb Millionen Polen. Diese Leute sangen nach Art eines Schwammes alle Benefizien politischer, ökonomischer und sozialer Natur gerade aus dem fauligen Boden der Nationalitätenhetze ein. Heute schon kann man unbestritten die Behauptung wagen: Oesterreich-Ungarn liegt im Königreiche Polen, oder populärer ausgedrückt heißt es ungefähr: Der Kaiserstaat muß tanzen, wie die Polen pfeifen. Und nun, was können wir 800.000 Juden dieser Tatsache gegenüber tun, wie uns für die kommenden Ereignisse vorsehen? Man fragt sich allgemein: was steht bevor? Wir laden den Leser ein, uns auf dem vielverschlungenen Pfade österreichischer Regierungspolitik zu folgen, dreißig Jahre hinter der Gegenwart zurückzugehen. Noch lag Sonnenschein auf Oesterreichs Gauen, noch Majestät auf dem österreichischen Parlament und schon begannen die Landtagspolen in Galizien an den Banden zu zerren, welche diese österreichische Provinz mit dem Gesamtstaate vereinigten. Diese Parlamentsherren wollten die Totengräber des Zentralstaates zugunsten des abzukoppelnden Polen, respektive Galiziens werden. Diese Lostrennungsfaiseure taten sich in dem „Resolntionsklub" zusammen, und bereiteten den ganz harmlosen politischen Wunschzettel vor, welcher unmittelbar dem Kaiser zur Sanktion vorgelegt werden sollte. Hier mögen einige Punkte aus der famosen Resolution he rvorgehöben werden, die uns im Gedächtnis haften blieben: „Galizien erhält eine Sonderstellung, wie sein Nachbarland Ungarn. Es verwaltet sich somit fast ganz unabhärrgig von der Zentralregierung. Lemberg wird Residenz eines Ministeriums, welches dem galizischen Landtage verantwortlich ist, sonst niemandem. Lemberg erhält die höchste Eisenbahnverwalung, einen Obersten Gerichtshof, die höchste Finanzbebörde. Galizien entsendet aus der Mttte seines Landtages „eine Delegation" in den Reichsrar, wenn es sich um die gemeinsame Armee handelt" u. s. w. Wer jene Zeit vor dreißig Jahre»» mitgelebt hat, weiß, welch gewaltigen Eindruck diese Resolution auf die denkenden Juden in Galizien und den Verein „Schower Israel" gemacht hat. Lebten wir doch in einer Zeit, in der wir uns noch glücklich fühlten unter der jungen liberalen Konstitution und einem liberalen deutschen Ministerium, und wir zitterten davor, je aus diesen Zentralgewalten in die Gewalt unserer polnischen Landesbrüder und Hep-Hep-Rnfer zu geraten. Wir schauderten bei dem Gedanken, Leben, Hab und Gut und das größte Gut, die Freiheit und bürgerliche Gleichberechtigung, gerade von jenen Elementen abhängig zu wisse»,, deren wahre „Judenfreundlichkeit" ihre Behörden ans Schritt und Tritt demaskierten. Wie es mit der Rechtspflege beschaffen wäre, wenn die Polen in letzter Instanz, also über Tod und Leben, abzuurteilen hätten, lehrte uns der Fall Ritter in Krakau gar klassisch, der dreimal ohne den mindesten Schutdbeweis zum Tode verurteilt und erst in Wien als vollkommen unschuldig befunden wurde. Der Stenerdiuck lastete schon damals gewaltig auf den armen, mageren Schulter», der Juden in Galizien. Schließlich, wie jndenrein der^ ganze Beanttenstatus geblieben wäre, lehren uns der Lemberger Magistrat und alle autonomen Behörden Galiziens bis heute. All diese Bedenken veranlaßten den „Schomer Israel" im Einvernehmen mit noch anderen Faktoren, gegen die Resolution aufzutreten und sie ,wurde dreißig Jahre hindurch als caput mortu nach heftigem Sturmgebrause im Papierkvrbe des Landtages zur Ruhe bestattet. Es sei uns gestattet, die diesbezügliche Notiz in der Chronik des Vereines „Schomer Israel" hier zu veröffentlichen : „Der Israelit" bringt an leitender Stelle der Nr. 1 des Jahrganges 1874 einen Artikel unter der Spitzmarke „Sieg d/r Verfassung im galizischen Landtage" und lautet dieser: „Wie eine S^eschlange taucht alljährlich im galizischen Landtage die „Resolution" auf. Die meiste Zeit, welche zur Beratung wichtiger Landesangelegenheiten verwendet werden sollte, wurde mit nutzlosen Debatten über die „Resolution" vergeudet. In allen Tonarten wurde die Notwendigkeit derselben hervorgehoben, denn in Galizien habe man besondere Eigentümlichkeiten zu berücksichtigen . . . Wenn aber auch die denkenden und einsichtigen Männer unseres Landes überzeugt waren, daß die Gewährung der in der „Resolution" ausgestellten Forderungen der Ruin des Landes zur Folge hätte, so wagte es doch keiner derselben, seine Stimme dagegen zu erheben, er wäre sonst von der Cligue als Verräter des Vaterlandes gebrandmarkt worden. Der Bann, der früher die einsichtigen Politiker in Banden hielt, ist gebrochen. Mit Freude konstatieren wir, daß der galizische Landtag selbst über sein früheres Evangelium zur Tagesordnung überging (17. Dez. 1873)." Sehr richtig ist aber auch der weitere Passus, der wie ein Scheinwerfer, die Juden beleuchtet. Diese Stelle lautet vollinhaltlich: „Daß aber im Landtage die Majorität der Landesveriretung sich zugunsten der Dezemberverfassung erklärte, ist zum großen Teile auch der Haltung der Juden bei d e u j ü n g st e r f o l g t e n Re i ch sr a t s w a h l e n zu verdanken." Wer weiß es aber nicht, daß der Verein „Schomer Israel" damals die politische Haltung der Juden Galiziens erwog und bestimmte, und gab es damals noch keine Sekte „Polen mosaischer Konfession", die in Konfederatka und Czamara herumlief und selbst ins Hep-Hep der Polen christlicher Religion einstimmte. Heute stehen wir einer organisierten asemitischen Bande gegenüber, deren Zahl sich fast mit der der Intelligenz deckt. Innerhalb unseres Volkes nagt das Pseudojudentum an Mark und Bein. Wir sind somit ansgeliefert auf der innen Seite der inneren Ohnmacht, ber Zersplitterung und Zersetzung, der politischen Duckmäuserei, auf der arideren Seite eingekeilt in die asemitische allgewaltige Diktatur, der ganz Oesterreich zu Füßen liegt. Wir wollen dieses Thema noch einer weiteren Besprechung unterziehen. P o l a r S k i. Der Talmud als Betrüger, ein Zeitroman von Samuel Meißels, Berlin 1903, Verlag Siegfried Cronbach, 3 Mark. Ein Blatt aus der Chronik unserer Stadt. Roman von N. Pruschanski, Berlin 1903, Verlag Siegfried Cronbach. 5 Mark. Pruschanski ist ein neues, vielversprechendes Talent. Seinen Vorbildern, den russischen Meistern nacheifernd, zeichnete er mit scharfem Griffel kleinrussische Zustände im zweitenViertel des vorigen Hunderts. Seine Stärke liegt in seiner Kenntnis der jüdischen Volksseele; ihn adelt eine warme Liebe zu seinem Volke, die nicht blind ist, für seine Fehler. Unsere Leser kennen ihn bereits aus der Erzählung „Die Generalin" in der Uebersetzung von Julie Goldbaum. L. S. * " Liturgik (Orchoth-Ehajim). Ritual- und Zeremonialgesetze, mit besonderer Rücksicht aus die Liturgie in Synagoge und Haus, zum Gebrauche für die israelitische Schuljugend und für die Familie, aus den Quellen bearbeitet von I. Guttmann, Religionslehrer i»» Loschen (Oesterr.-Schlesien). Zrveite verbesserte und vermehrte Auflage. Verlag der Buchhondlung C. Boas Nachfolger, Berlin C. Nicht selten hört man von modern«n Juden die Ausrede, daß sie nur deshalb nickt die Geber,: in hebräischer Sprache verrichten, »veil sie deren Sinn »md Ursprung, sowie auch ihre Beden tung für das moderne Leben nicht kennen. Der moderne Religlonsnnterrichr ist leider nicht dazu angetan, den eben gekennzeichneten Juden ein größeres Interesse und ein nachhaltiges Bedürfnis für die synagogalen Gebete einzuflößrn, abgesehen davon, daß der moderne Religionsunterricht auch gegen eilt g>oßes modernes Uebel anznkämpsen hat, nämlich gegen der: Mangel an Zeit, welche dem jüdischen Religionsunterrichte in unsere» Schulen so spärlich zugemessen wird. So entstand denn die Notwendigkeit, einen Leitfaden zu schaffen, welcher nicht nur für die Beibehaltung unserer alten Gebete n priori mit aller Energie eintritl, sondern auch auf den Ursprung derselben hinweist, und dort, wo es noltut die Entwicklung der an dis Gebete sich knüpfenden rituellen Gebräuche in leichtfaßlicher und gewinnender Form verfolgt »vir möchten sagen, Liebe für diese Gebete unb Gebräuche erweckt. Wer das Buch Guttmanns liest, dem wird ein jüdisches Gebet nicht mehr als etwas Langweiliges, Veraltetes! und demzufolge Abzuschaffendes erscheinen. In diese Tatsache läßt sich auch das Lob des Werkcl, ns zusammenfaffen und es ist kein Wunder, daß es in den» für solche Merke gewiß sehr kurzen Zeitraum von sechs Jahren eine zweite 'Auflage erlebt hat. Das Buch teilt sich in einen Abschnitt über die Gebete, in einen zweiten über die Entstehung und Entivickluug der Gebete, das Gotteshaus und alle in demselben zu beobachtenden Vorschriften und Gebräuche. Der dritte Abschnitt ist der Bedeutung der Schaufäden, der Tefillin und der Mesusa gewidmet; der vierte Ab schnitt beschäftigt sich mit der jüdische»» Zeitrechnung; in diesem Abschnitte befindet sich mich, eine übersichtliche tabellarische Zusaimnenslellung allerjüdischen Fest-, Fastn.Gedenktagede? Jahres. Der fünfte Abschnitt enthält die Ertläruug der einzelnen Festtage und der mit ihnen verbundenen Gebräuche in monatlicher Reihenfolge. Abschnitt 0 gibt »»ns die Erläuterung zu den Benediktionen bei verschiedenen Genüssen. Ein besonderer Abschnitt ist den Speisegesttzen gelvidrnet, »vährend ein letzter, achter Abschnitt die Gesetze, welche an eine bestimmte Zeitperiode oes menschlichen Lebens geknüpfte Gesetze (Bar Mizwah und Pidjun haben) sowie die durch die jüdische Frau zu beobachtenden Gebete (Ebaluh und Entzünden) behandelt. Besonders empfehlenswert wird die Arbeit Guttmanns durch den „Anhang", in »velchein uns eine kurzgefaßte Inhaltsangabe der heiligen Schrift und der Apokryphen, sowie die Entstehung der mündlichen Lehre und noch viel anderes Wissenswertes geboten wird. Wir können uns nur den vielen Anerkennungen, welche Herrn G u t t »n a n n für seine Arbeit zugekommen sind, anschliehen. — ßz. Rev. Aaron H y n» a n n : „Leid Vaail Lacliachamim14. London Id 02. Selbstverlag des Verfassers. Rabbiner und Theologen anderer Konfeffionen, sowie auch alle diejenigen, die sich mit der agadischen Literatur zu beschäftigen haben, »verdeu dem Verfasser für die »nühselige Arbeit großen Dank »vissen. Ungefähr 14.000 Agadastellen aus der talmudischen und Midrasch-Literatur enthält die uns vorliegende Sammlung. Hiermit ist wohl noch immer kein vollständiges, aber jedenfalls d«»s bisher reichste Speziallexikon für die Agadah geschaffen. Die einzelnen schwierigen Stellen hinzugefügten eigenen kritischen Bemerkungen zeugen vom großen Wissen des Autors ans dein in Rede stehenden Gebiete. Die angeführten Stellen sind alphabetisch geordnet, und zrvar nach dem Anfangsbuchstaben des ersten Wortes der bezogenen Stellen. Diese Einteilung vermögen wir allerdings nicht als die glücklichste z»» bezeichnen. Viel brauchbarer wäre das im übrigen treffliche Buch geivesen, wenn der Autor das geftlndene Material nach den behandelten Themen geordnet hätte, obgleich die Schwierigkeit einer solchen Ordnung nicht verkannt werden darf. Zumindest aber hätte dem Buche ein Sachregister angefügt werden sollen. Den einzelnen Zitaten ist auch die Stelle, »vo sie in extenso zu finden sind, beigefügt. Das Buch, ist durch den Verfasser selbst, London 3a, Tenler Street North. GooiimnnnsfieklR, E. zu beziehen. — sz. Hayadah schel Pessach. Zn beziehen durch Moriz Deutsch, Bonyhüd, Kom. Tolna (Ungarn). Druck von Kohn & Klein, Munkücs. Jedes Jahr bringt eine Anzahl Hagadah - Editionen aus den Markt und daß sie eben in nicht geringer Zahl aus dem Büchermärkte erscheinen, ist ei»» erfreuliches Zeiche»» dafür, daß die Sederabende im Judentnn» noch lange nicht an Heiligkeit und Interesse — »vir müssen leider dieses unschöne Wort an dieser Stelle gebrauchen — verloren haben, wie es manche »vahrscheinlich zu dem Zrvecke behaupten, um dieses schöne Fest tatsächlich aus dem Judentum verschwinden zu machen. Z»» den wertvollsten der in jüngster Zeit erschienenen Hagadah-Ausgaben gehört unstreitig diejenige, die Herr Moriz Deutsch gegenrvärtig dem Leser offeriert. Allerdings ist sie nicht für diejenigen bestiinrnt, welche die Sederabende nur interessant finden. Der Herausgeber geht von dem strenggläubigen Grundsätze a»»s, daß man sich die g a n z e S e d e r n a ch t mit dem Auszuge aus Egypten zu befassen habe, u»»d versieht den Hagadatext einerseits mit dem wertvollen Kommentar des berühmten nn> fügt andererseits eine sorgfältig a»»serlesene Sammlung von Midraschim und Sprüchen bei. Außerdem finden wir auch an einzelnen Stellen Erklärungen des b"\ -ILIO Dnn- Es wäre sicherlich eine lohnende Arbeit, diese geistreichen, von kritischen» Blicke zeugenden unb dennoch von wahrer 'Frömmigkeit durchdrungenen Kominentare »ns Deutsche zu übertragen. Gar »nanche Textschrvierigkeit findet hier ihre einfache Erklärung, ohne dem Text»vorte erst Gervalt antun zu müssen. Die schöne Hagadah-Ausgabe ist durch Herrn Moriz Deutsch, den Schwiegersohn des Verfassers gegen Einsendung von 00 Hellern (auch in Briefmarken) zu beziehen. - sz. Was will der Ziouisnmö? Herausgegeben von der „Zzionistischen Vereinigung für Deutschland". Verlag „Jüdische Rundschau", Berlin. * „Hagoren, Abhandlungen über die Wissenschaft des Juden tums", redlgiert von S. A. Horodezky. Hl. Buch Berditschew 1902. Rußland, Polen und ein großer Teil Oesterreichs, namentlich Galizien und Bukowina, sind noch immer der Boden, »vo die Thora im wertesten Sinne des Wortes ihre Pflegestätte findet. So »var es in früheren Zeiten, so ist es noch heute in einem gewissen Maße der Fall. Aber merkwürdigerweise traten gerade in den Zeiten starrer Orthodoxie n»»r äußerst wenige Merkmale des literarischen Lebens hervor und auch diese rvaren zumeist dem rabbinisch-talrnudischen Gebiete zugewendet; die anderen Gebiete exegetischer, historisch-philosophischer oder rein poetischer Richtung lagen fast ganz brach und »vurden erst mit dem Erwachen des kritischen Geistes in der zweiten Hälfte des abgelaufcnen Jahrhunderts allgemein beba»»t Statt der starren Orthodoxie wurde die rvissenschastllche Forschung r»nd die Kritik kultiviert. Eine Unzahl von hebräischen Zeitschriften politischer und nichtpolitischer Tendenz wuchs mit jedem Jahre heran und fand ihre lesegierigen Anhänger. Saimnelschrften vortrefflicher Art b'ldetcn förmliche Archive, worin die besten und gediegensten Gelehrten unserer Zeit ihre Geistesprodukte niederlegten. Eine der besonders bemerkenswerten Erscheinungen dieser Art »st der oben angezeigte „Hagoren", von de»n bereits zwei Bücher schon früher erschienen sind. Der vorliegende dritte Ba»id zeichnet sich aber nicht nur nach dein Umfange, sondern nach seinem Inhalte gegen die früheren aus. Der Herausgeber S. A. H orodezky hat sich schon längst d»»rch seine biographisch-kritischen Monographien enn: n »nia'rttt d-d„ ce? xvü uai „-tir rs-na 'an seinen Rainen als ge»viegter Forscher in der Spezialgeschichte des Judentums erivo'rben i»nd tritt im dritten Buche seines „Hagoren" mit zwei neue»», höchst interessanten Eharakterschilderungen ans über zrvei der größten Rabbiner des Mittelalters. Die eine Abhandlung umsaßt den großen Philosophen ONL' '22 den berühmten Verfasser des „Menorah hanraor",^dijandere '»unii 'Li- Es »vird jeder Leser der geistvollen Darstellung dieser philosophischen Persönlichkeiten mit gesteigerten» Interesse folgen müssen. Außer diesen zrvei Hauptartikvln enthält der Band noch die äußerst gut geschriebenen Beiträge von Lektor Friedrn a nn über „Tumeath Jadaim"; rabbinische Exkursionen üben Midrasch und Tal,und von Prof. Bacher; über „Halachoth Gedoloth" von Abraham Epstein; über Jsak Abuhab Hl. von Dr. Kayserling; über einen Kornmentar des Rabbi Elieser de B e a»» g e n c y auf Hosea . . .; ferner die Arbeiten Dr. H a r k a v y s, der beiden K a h a n a, Dr. Berliners, Schulmanns, Dr. Lewen st eins, zur Biographie dcr L u r» a s von Rabbiner L e »v e n st e i n, Dr. E p p e n st e i n und I, I. W e i ß b er g, Beiträge von »vissenschastlichen Werte, »velche Zeugnis gebe»,, daß selbständige Forschung und wissenschaftliche Kritik in» Jntdentun» »rach erhalten ist um einen friedlichen geistigen Kampf durchkämpfen »venn dieser Kamps auch »rur von einem kleinen Häuflein jüdischer Gelehrter ausgeht. Wir wünschen,' daß H orodezky »rns mit einer neuen, reichhaltigen Ernte, die seine „Tenne" so schön e»nzusa»nmeln versteht, bald erfreuen N»öge. — rM - Aufruf! A»» d i e jüdischen H a», d eis?* n n d G e »v e r b etreibenden! An die jüdischen H n n d e! s> u n d G e »v e r b ea n gestellte»»! Der jüdisch-nationale Verein „Achwah" in Lrniberg hat in Gemäßheit seiner statutarischen Bestimmungen ein B»:reau für unentgeltliche Arbeitsvern»iltlung ins Leben gerufen. Indern wir uns mit dieser Mitteilung an diebreite Oeffentlichkeit der zunächst Interessierten »vendei», erachten wir niis der Pflicht enthoben, auf die Tragrveite dieses Unternehmend die Ausmerksarnkeit zu lenken. Die in der tatsächlichen Entwicklung der Verhältnisse begründete »»»»»ngelnde Arbeitsgelegenheit bringt eine Proletarisierung d<r jüdischen Arbeitsucheirden mit sich." die jeden Nnvorei»tgenümn»vnen den totalen iHitir, den völligen Nredergäng des jüdischen Er,verbes i»» absehbarer.Zukunft sehen läßt. Diesen Uebelständen »vollen rvir abhelfen; die Arbeiter u»>d Arbeitsuchenden vorder Misere der «eiverbsrnäßigen Vermitllu»»g, der das Interesse der §ttie»»ten wohl am letzten Plrrtze steht, bewahren. Unentgeltlich bieten wir nufere Hilfe an. Ni empfinde, gründe., Wi Bitte, m Wohl der werden. N. D von 8— II. 8to Ei» aufgellär bei starkc und ents Häuser si tvohnern alles gek Schadens brunst ih Sechshnn stehen n» Wäsche- Unbilden Menschen erregeirdc Wi gesinnter zur Lind Gottes C Die klein K i Der Prä Für Ge auch in » (S Firma L und pake: in Leipzi über schr für Kurx „Borwär erzeugt l mit ange fnpden. Se Zank ztvi Bolkspres a. 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