Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 12 (20.3.1903)
- Date
- 1903-03-20
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 Wi-m, Frai*aj» Indisches Volksblatt Seile Ungarischer Brief. (Original-Korrespondenz des „Jüdischen Volksdlatt".) (Hungarisch. — Zum Jubiläum der ungarischen Preßfreiheit — Baron Banffy. — Eine jüdische Partei.) Ich schreibe keine h u n g arischen Briefe mehr, denn Sie teilen mir mit, daß man annehme, ich wollte durch den Ausdruck „Hnngarische" Ungarn verhöhnen und andeuten, daß innerhalb der rot-weiß-grünen Grenzpfähle hunnische Zustände herrschen. Diese Patrioten könnten doch wisse«, daß „Ungarn" auf lateinisch „Hungaria“ heißt und die Bezeichnung also eigentlich gar keine Spitze' habe. Aber die ungarischen Patrioten, scheinen mit ihrem Latein zu Ende zu sein. Wie könnte es mir auch einfallen, die Zustände in Ungarn als hunnische zu bezeichnen. Damals, als die Hunnen herrschten, gab es doch noch nicht den Schwindel von einer ein h estrichen Nation, noch nicht den Typus der liberal-klerikatanlisemitisch-agr arisch-börseanerischen Abgeordneten und Minister,! noch keine Kettenbrücke, die, trotzdenr Kvssuth den Ban lobt, in! allen Fugen kracht, wie die Aktiengesellschaften, die der kleine! Sohn des großen Mannes „gründet" und noch keine — Toleranzhäuser, um mich eines echt „Pester Lloyd"-mäßigen Ausdruckes zu bedienen; auch existierten damals noch nicht Verordnungen, daß man arme Auswanderer in „hermetisch" -abgeschlossenen Wagen transportieren muß und ihnen, nicht einmal, wenn sie krank sind, gestattet den Bahnhof zu verlassen. Nein, die Zustände, die jetzt in Magyarien herrschen, sind nicht hunnisch, sie sind eben — magyarisch. Mit einem großen Aufwand von Neben und Banketten hat man am 15. d. M. das Jubiläum der Erringung derungarischen Preßfreiheit gefeiert. Eigentlich sollte man ihren! Nekrolog schreiben. Denn heute genießen nur die chauvinistischen Blätter Freiheit, diese aber im vollsten Maße; die sozialistische und vor allem die fremd nationale Presse wird auf Schritt und . Tritt verfolgt. Es vergeht, keine .Woche, ohne, daß! ein deutscher, slovakischer ober rumänischer Journalist wegen j angeblicher Beleidigung der heiligen magyarischen Nation ver-i urteilt wird, allerdings auch keine Woche, ohne daß in einem Komitat irgend eine Waisengeld-Defraudation entdeckt wird. Noch vor . einem Jahre wurden unsere Warnungen und Enthüllungen belächelt; heute zweifelt wohl kein Zurechnungsfähiger daran, daß der Liberalismus S z e l l s und Konsorten von derselben Beschaffenheit ist, wie. der Liberalismus — Siurdzas. Anstatt daß aber die führenden Juden in sich gehen, ihre Verirrungen bereuen und aüsrufen, „Nostra culpa, nostra maxirna culpa“ und sich aus der Umklammerung des Geschäfts-! liberalismus und Geschäftspatriotismus befreien, suchen sie Szell zu — überszellen (sit venia verbo). Diese Elemente sind im Leopoldstädter Kasino konzentriert. Nachdem zwei getaufte Juden durch lange Jahre an der Spitze dieser zu 990/0 aus Juden bestehenden Gesellschaft gestanden waren/ Falk und Doczi (die christlichen Leopoldstädter haben ein eigenes Kasino), wurde nach dem Rücktritte Doczis — Baron B an ffy,.ein selten seichter Kopf, gewählt. Was dieser Mann sich an borniertem Chauvinismus leistet, ist selbst dem Regierungsklüngel, das sonst doch nie Skrupel oder Zweifel plagen, zuviel. Und das ist der neueste Heros des ungarischen Geldsackjudentums; so weit von jeder Erkenntnis der Lage sind diese Herren. Einer der Redakteure der neuen Zeitschrift „Jövendö“ interviewte den Baron Banffy. Dieser sagte: „Ich wollte damit dern einheitlichen Ungartum dienen... Ich bin kein P h i l 0 s e m i t, weil ich keinerlei „philo" u 0 ch „a n ti" liebe; ich liebe und achte jede Konfession und jede Rasse im Lande, wenn sie nach der Einigung des Ungartums strebt oder wenigstens nicht gegen dieselbe aspiriert. Was speziell die Juden anbelangt, so mache ich bezüglich derselben keine Ausnahme; allein gerade sie sind geeignet, eine große Arbeit in Bezug auf die Einigung des Ungartums zu leisten. Daß es bei uns kein geeigneteres Element hiezu gibt, habe ich schon von.als gesagt, als ich noch nicht einmal wußte, daß dieses Kasino existiert". Das alte Lied. Wenn ihr Juden euch für uns aufopfert, für u n s arbeitet, in un s aufzugehen fnrfit, dann will ich euch gnädigst nach Erlag der Taxen den Titel von Magyaren verleihen, natürlich, bis auf Weiteres. Wir wollen an einem kleinen Beispiel zeigen, welche Begriffsverwirrung in den Köpfen der .ungarischen Judenheit herrscht. Der israelitische Landes-Lehrerverem hatte ein Snpendiuur zu vergeben. Wer erhielt es? Vielleicht ein alter odcr ein kranker oder ein wissenschaftlich oder pädagogisch besonders hervorragender Lehrer? Nichts von alledem; sondern der Lehrer dl I. für seine Verdienste um die Verbreitung der magyarischen Sprache „unter den Slvvaken". Andere Schmerzen hat die jüdische Landeslehrerschaft nicht. Und da'.wundert man sich über die gelegentliche» Ausbrüche der Judenfeindschaft unter den Nationalitäten! Wir können im Gegenteil versichern, daß noch immer in manchen rein slovakischen Gegenden Juden zu Orlsrichtern gewählt werden; natürlich wird es den Inden gelingen, selbst in diesen friedfertigen Gegenden durch fortgesetzte Provokationen den Antisemitismus zu erzeugen. Die chauvinistischen Orgien untergraben auch das internationale Ansehen, das Ungarn bisher genoß. Nicht nur in Oesterreich, auch bereits in Deutschland und Frankreich zeigt man mit Fingern auf Ungarn. Selbstverständlich durfte in dem Reigen der hypernationalen Lächerlichkeiten eine „K ö n i g i rill vf er Handschrift" nicht..sichle«. Ein Szekler Bauer durfte ungestraft fetueij Schwindel mit einer urmagyurischen Rimeuschrtft treiben und der Bildhauer F a d r n s verewigte diese Fälschung auf dem Denkmale des Mathias Korvinus. Ein anderer Mongvlenstämmting verteidigt in einer Broschüre die Behauptung, daß — Adam ein Magyare und das Hebräische nur ein verdorbenes Magyarisch sei. Die hauptstädtische Presse ist natürlich außerstande, die Nationalitätenfrage auch einigermaßen objektiv zu behandeln. Jeder Deutsche, der sich erfrecht, von einer deutschen Nation 20. März 1903 in Ungarn zu sprechen, ist ein ein Paugermane und jeder Slovake ein Panslavist; ihre sonstige Weisheit erschöpft sich in tisssinnigen Untersuchungen über die Farbe der Säbelquaste der Offiziere und der Gendarmerie. Nur in einer solchen Athmosphäre kann ein Ugron blühen, ein Mann, der notorisch einige Piovinzsparkaffen im Szeklerlaude erleichtert hat; es darf ihm nichts zu leide geschehen, weil er über die dröhnende materielle Phrase verfügt und von den Jesuiten gestützt wird. Die sozialistischen Organe enthüllten erst jüngst, wie weit die Fäden der Ultramontanen reichen. Eine Gruppe von Magnaten strebt nämlich die Gründung eines Jesuitenklosters in Budapest und die Einführung der „weißen Schwestern" an. An der Spitze dieses klerikalen Komitees steht die Gattin des P r ä s i d t tr i e tt des Abgeordnetenhauses, Gräfin A p p v n y i - M e n s d 0 r f f. Diesen lauernden Fei,-den steht das Jndentnm rat- und tatlos gegenüber. Und doch wäre eine Einigung des ungarischen Judentums zum Zwecke von politischen Aktionen nicht so schwer durchführbar; entfällt doch in Ungarn ein Hindernis, das in Oesterreich besteht, daß nämlich die Juden nicht wie in Oesterreich unter verschiedene nationale Fahnen sich gruppieren. In Ungarn sind die Inden insgesamt mit den Magyaren vereinigt. Es wäre nun nichts Unmögliches, sie aus dieser Umklammerung zu lösen und eine selbständige Gruppe zu bilden, die nach Art der Siebenbürger Sachsen eine besonnene Opposition betreibt. Es säßen dann allerdings nicht mehr siebzehn Juden im ungarischen Parlamente; was aber olle diese siebzehn für das Judentum bedeuten, hat man anläßlich der Debatte über das Szell'sche Einwanderungsgesetz zur Genüge gesehen. Arpadi. Vortrag. Mittwoch den 26. entfällt der Vortrag im „Jüdischen Volksverein". Dagegen spricht am 1. April. Dr. Stekel. ' Allgemeiner jüdischer Arbeiterverein, 2. Bez., Stefaniestr. 8. Samstag den 21. ds.: Diskussionsabend über „Sozialismus und Nationalismus", eingeleitet durch Herrn Nathan Groß. Die Kollegen werden ersucht, zu diesem Vereinsaüend bestimmt zu erscheinen. Gäste willkommen. Allg. jüd. Arbeiterverein, 2. Bez., Stefaniestr. 8. Der Buchhaltungskurs hat bereits Dienstag den 17. ds. begonnen und finden die Unterrichte regelmäßig jeden Dienstag um 8 Uhr abends statt. Uuterrichtsleiter: Gg. E. Obernik. Anmeldungen zur Teilnahme jeden Abend von 8 bis halb 10 Uhr abends. Die Sonntagsruhe in Galizien. Mittwoch! sprach eine Abordnung dev jüdischen Kaufleute aus! Galizien und aus der Bukowina im Abgeordnerenhause I vor. Die Deputation machte die Abgeordneten K 0 l is ch e r,!Seiufeld, Stwiertnra. Ellenbogen, Straucher | unb . §8 v e i t c?- darauf aufmerksam, daß die jüdischen l Kaufleute gegenüber den christlichen dadurch schwer geischädigt sind, daß sie neben dem Sonntag auch am Samstag und an den jüdischen Feiertagen Ruhe halten. Sie haben infolgedessen 117 Ruhelage im Jahre und verlangen, daß bei der in Beratung stehenden Novelle zur Sonntagsruhe im Handelsgewerbe jene Kaufleute, welche Samstag Ruhe hatten, von den Bestimmungen der Sonntagsruhe ausgenommen werden. Da nun die vorerwähnten Mitglieder des Polenklubs erklärten, für diese Forderung nicht. unbedingt eintreten zu können, (!) entspann sich zwischen ihnen einerseits und dem Abg. Strauch er, sowie den Mitgliedern der Deputation andererseits eine I sehr erregte Kontroverse, welche erst durch die Intervention des Abg. Dr. Byk beigclegt wurde,, welcher erklärte, daß! sich für die Forderung der Deputation im Abgeordnetenhause niemals eine Mehrheit finden werde. Dr. Byk vergißt, daß es seine Pflicht ist, wenigstens den Versuch zu machen und den guten Willen zu zeigen. Aber der Wille fehlt. Und die Polen mosaischer Konfession, wie Herr K0 llische r und Byk, haben sich immer als die getreuen Faktoren der Schlachte, nie aber als Vertreter des jüdischen Volkes geviert; es erging ihnen dabei nicht schlecht, bas Elend der Juden aber verschlechtert sich, je länger diese Bykianer sie vertreten. Die Deputation wurde von dem Mitglieds des „Jüd. Volksv.,, Dr. Lifezis ins Parlament geführt. Die Abgeordneten Dr. Breiter und Dr. S t r a u ch e r, die sich . der Sache warm annahmen. werden die Deputation dem Handelsminister vorführen. Vereinigung jüdischer Hochschüler aus den südslavischen Ländern, „Bar Givra" in Wien. In den Ausschuß für das Sommerseinester 1902/03 wurden gewählt: Präses jur. David Fuhrmann, Vizepräses med- Alexander Deutsch, Schriftführer ing. Filip Rosenzlveig, Kassier ing. David Amur. Wien. Der B r i g i t t e n a u e r i s r a e l. Unterst ü tz n n g s v e r e i n veranstaltete Donnerstag den 12. ds. am Plwün-Abend im Prachtfaale des Bayerischen Hofes eine geschlossene Maskenredoute, welche einen äußerst animierten und ebenso würdigen Verlauf nahm. In der Tat ist auch der materielle Erfolg dieser Veranstaltung ein recht zufriedenstellender. Das segensreiche Wirken dieses Vereines verdient ungeteiltes Lob und ausgiebigste Förderung. ' N. Ch. „Beth Hnmidrasch Ohel Abraham". Sonntag den 22. März d. I. wird Herr Dr G. F r e u d m a n n einen Vortrag im Lokale des „Beth Hanlidrasch Ohel Abraham".!X., Grüne Thorgafse 28. halten, zu welchem die löbl. Mitglieder und Freunde des Belh- Hamidrasch geladen sind. Gäste sind willkommen. Allgemeiner Kranken - Untcrftütznngsverein ,'Nächstenliebe" Der seit 36 Jahren bestehende „Allgemeine Kranken- Nnterstützungsverein „Nächstenliebe", ll., Praterstraße 50, hält Dienstag den 24. März 1903 im Hotel Gulh.II., Stefaniestraße 14, seine diesjährige ordentliche General-Versammlung ab. Ans der inhaltsreichen Tagesordnung sind besonders hervornrheben: „Beschlußfassung über Gewährung mehrerer Benesizien an die ordentlichen Mitglieder sowie an deren Witwen re. re. Mit Rücksicht ans das bekannte hutnaniräre Wirken dieses Krankenvereines, ist es zu wünschen, daß die Bestrebungen des Bereinsvorstandes allseitig gewürdigt und unterstützt werden und ist eine zahlreiche Beteiligung der Vercinsinitglieder an dieser Versammlung dringend erwünscht. Wochcnprogrnmm der „Jüdischen Toynbee-Halle", Wien, 20. Bezirk, Karajnngnsse 20.) Sonntag den 22. März: Dr. Karl Lifezis „Gesetz und Nechtsbelvnßtsein". — Montag den 23. März: Dr. Heinz Kohn „Gegen die Todesstrafe". — Dienstag den 24. März: Dr. Max Bernhardt „Aus der Geschichte der Ehe". —> Mittwoch den 26. März: Herr Hermann Berliner „Die weltliche Poesie der Inden". — Donnerstag den 26. März: Dr. Theodor Offer Thema Vvrbchalteil. — Freitag den 27. März: Hr. M. G. Mchrcr „Bibelerklärnng der Sidra". — Samstag den 28. März Konzert. Jüdische Mitbürger! Erscheint zahlreich in der Samstag den 21. ds., um 8 Uhr abends, im Hotel „Central", 2. Bez., Taborstraße, stattfindenden öffentlichen Volksversammlung, in der eure vitalsten Interessen besprochen werden sollen. Tagesordnung: Die demnächst stattfindcnde Rabbinerwahl und die Forderungen der jüdischen Bevölkerung Wiens. P r 0 t e st a n t i s m u s, K a t h 0 l i z i s m u s und Indent u m. Nach der „Deutsch-Evangelischen Korrespondenz" sind seit Beginn der „Los von Nom"-Bewegung zur evangelischen Kirche 22 706 Personen üvcrgetreten, davon 21292 aus der katholischen Kirche. Es bleiben 1 414 Personen übrig. Man kann mit einer Fehlergrenze von 10 vis 20 ruhig annehmen, das; diese 1400 — I uden waren; so viel Inden sind also seit dem Jahre 1899 in Oesterreich zum Protestantismus üvcrgetreten. Wir finden es nur komisch, daß die „D.-E. K." die jüdischen Uevertritte unter der „Los von Rom"-Bewegnng suvsummiert, da wir Juden doch nicht zum Protestantismus übertreten müssen, um — los von Rom zu-sein. — Interessant sind auch die Daten, die wir dem Berichte über die „Gemeurdeverwaltung und Gemeindestatistik von Brünn für das Jahr 1901" entnehmen. In diesem Jahre traten 16 Juden zum Katholizismus, 10 Juden zum Protestantismus über, 4 Juden erklärten sich konfessionslos; das ist die „verschämte Taufe". Auch die zwei Konfessionslosen, die zum Katholizismus übertraten, sind auf das Konto des Judentums oder vielmehr des Herrn Landesrabbiners Dr. Placzek zu setzen. Also 32 Austritte, denen e i n Uebertritt zum Judentum gegenübersteht. Ans je 1000 Katholiken entfallen 0.9 Uevertritte, während auf 1000 Juden 3.2 Uevertritte entfallen. Dieses Mißverhältnis darf einen nicht wundcrnehmen, wenn man hört, daß die meisten jüdischen Familien in Brünn ein getauftes Mitglied haben. Die Ursachen sind erstens die Assimilationswut, die in dieser Hochburg des Liberalismus herrscht, und zweitens der Umstand, daß manche Religionslehrer in Brünn zwar gute Musikanten, aber schlechte Musiker, einer aber ein schlechter Musikant und schlechter Musiker ist. Kinderfürsorge. Eine Anzahl jüdischer Wohlfahrts- Institutionen ist im letzten Dezennium geschaffen worden und gibt Zeugnis von dem Opfersinn unserer Glaubensgenossen, aber auch nicht minder von der großen Not, welche in den breitesten Schichten von Tag zu Tag sich vermehrt. Die speziell indischen Wohltätiakeits-Vereine sind zu eminenter Bedeutung emporgestregen, seitdem unsere Glaubensgenossen vergeblich an die Türen jener Wohltätigkeitsinstltute pochen — die mit interkonsejstonellem Gelbe erhalten und errichtet — wepn auch nicht, statutarisch, so doch in Wirklichkeit konfessionellen Zwecken dienen. Die grüßte Beach-. tunq unter den Wohlfahrts-Instituten verdienen wohl zene, welche sich die Ausgabestellen, den Aermsten der Armen, den Kindern, helfend beizustehen. Erblicken ww doch m.unseren. Kindern die Zukunft unseres Stammes und unserer Natron. Eben kommt uns der Jahresbericht über das Vereinsjahr 1962 von einem Vereine zu, der nun seit mehr als einem Jahrzehnt in. wahrhaft segenbringender Weise die Aufgabe erfüllt, armen kranken Kindern unserer Glaubensgenossen Gesundung und Erholung zu bringen. Der Verein „Ferienheim" ist es,, der im Jahre 1902 die stattliche Zahl von 484 Kinder in Heilbäder und Kolonien entsendet und nahezu 35.000 Kronen für Kolönienzwecke verausgabt hat. Wir entnehmen dem interessanten Berichte, daß im „Kaiser Franz Josephs-Ferienheim" in Trschnowltz drer Serien von Schützlingen zu je vierwöchentlicher, rn der Kolonie Petrau zwei Serien für dieselbe Dauer und in Bad Hall eine Serie Knaben und eine Serie Mädchen für eine je sechswöchentliche Kurperiode untergebracht waren. Einer behördlichen Verfügung entsprechend, wurde im Parke des „Kaiser Franz ^osephs- Ferienheim" in Tischnowitz ein Marodenhaus errichtet, welches den Verein in die Lage versetzt, bei Ausbruch von kontagiösen Krankheiten die Kolonie in ungestörtem Betriebe zu erhalten. Allen Anforderungen der Hygiene entsprechend, trägt dieser Bau mit dazu bei, das „Kaiser Franz Josephs-Ferienheim" zu einem Mnsterinstitule zu gestalten. Eine Neuerung und einen Fortschritt aus dem Gebiete des Ferienkoloniewesens bedeuten die vom „Ferienheim", eingeführten Sondertolonien für herzkranke Kinder. L u c i f e r, das neue satirische Wiener Witzblatt, bringt folgende aus dem Leben gegriffene Anekdote: Ein Professor (der Name ist der Redaktion bekannt), der Isaak hieß, ließ sich taufen und nahm den gut arisch klingenden Namen Stefan an. Als er einige Tage später an seinem Stammüsche erschien/wurde er allgemein mit „Abraham" angesprochen. Wutentbrannt schrie, er: „Wißt ihr denn nicht, wie ich heiße, daß ihr mich Abraham nennt! Ich führe doch den Namen Stefan!" „Beruhige dich," meinte einer' seiner Freunde, „du bist doch der Abraham, denn du hast den Isaak, geopfert." Inden, Tschechen und Deutsche! Unsen: L?'er kennen diesen Titel aus mehreren Artikeln, in denen wir darauf hinwiesen, daß es zwar zwei Sprachgebiete, aber drei Nationen in Böhmen gibt. Die böhmischen Juden sind aber noch nicht bis zu dieser Erkenntnis herangereift. Und das rächt sich bei jeder Gelegenheit. Hatte jüngst der böhmische Landesausschuß über die Berleihung der Stelle eines Sekundararztes an der Landes-Jrrenanstalt in der Stadt Dobrau zu entscheiden. Unter den vier Kandidaten befand sich auch e i n I « d e, der selbst von dem böhmischen Direktor primo loco vorgeschlagen worden war. Der Referent Professor Prazak beantragte dessenungeachtet, die Stelledem tschechischen Bewerber, der secundo loco vorgeschlagen war, zu verleihen. Und dieser