Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1903-03-20 · 12 (20.3.1903) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
12 (20.3.1903)
Date
1903-03-20
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2432763-2432970-2432982--1871-2435675
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 2 20. März 1903 Nr. 12 Wien, Freitag Jüdische?. Vnlksbi&vl Das Manifest des Zaren. Von einem Kenner der Verhältnisse in Rußland erhalten wir folgende Zuschrift: Petersburg, Mitte März. Der Kaiser von Rußland hat ein Manifest an sein Volk erlassen, dessen Inhalt dem Optimisten eine Enttäuschung bereiten, die Pessimisten aber durchaus nicht befriedigen dürfte. Für die Situation der Juden ist die kaiserliche Eiiunziatwn für alle Fälle bedeutungslos, denn an dem Status quo für diele Parias der russischen Bevölkerung wird nichts geändert. Das Manifest läßt sich nach zwei wesentlich verschiedenen Teilen auseinanderhalten, dem politischen und dem konfessionellen. In politischer Richtung wird die Bildung von Gouvernements-Vertretungen in Aussicht gestellt „unter Hinzuziehung von das öffentliche Vertrauen genießenden Personen". Auch der sonderbarste Schwärmer, der unverbesserlichste Idealist wird wohl dem Gedanken nicht Raum geben, daß von diesen S e m st w o s ein Heil für die russischen Juden erwachsen, noch weniger, daß zu diesen Konferenzen ein Jude jemals zugezogen werden dürfte; schon der Gedanke daran würde als sträflich betrachtet werden. Besprechen wir nun die konfessionelle Seite des Manifestes; da heißt es, der Zar habe es für gut befunden, ,die unbeweisbare Beobachtung . der Toleranzgebote, vorgezeichnet in den Grundgesetzen des russischen Reiches, welche die othodoxe Kirche als herrschende erachten und allen andersgläubigen Untertanen und fremden Konfessionen die Freiheit des Glaubens und des Gottesdienstes in einem anderen Ritus gewähren, zu befestigen". Schon die Textierung des auf das konfessionelle Gebiet hinzielsnden Passus ist so eigentümlich als sonderbar. In Rußland gibt es überhaupt eine Toleranz in Kirchensachen nicht. Neben der orthodoxen Kirche werden die andern ch r i st l i ch e n Riten wohl stillschweigend, aber widerwillig hingenommen und denselben die Errichtung von Gotteshäusern, Kirchen u. s. w. gestattet. All dies bezieht sich jedoch nicht auf die jüdische Religion. Der Jude darf eigentlich uur in Unterschlupfen seinen Gott anbeten. Die derzeit bestehenden sogenannten „Synagogen" datieren von früherher, architektonisch konstruierte Tempel zu bauen ist gänzlich unstatthaft, die in Russisch-Polen existierenden wurden noch unter polnischen Regime errichtet. Das Manifest erwähnt der russischen Juden, resp. der Milderung der Drangsale, die sie von dem bestehenden Regierungssystem zu erdulden haben, mit keinem Worte. Nach dem Grundsätze: Quod non est in actis, non est in mundo, haben daher die Juden in Rußland eine Besserung, ihrer trostlosen, elenden Lage nicht zu erwarten. Für das väterliche Herz des russischen Kaisers existieren die Juden einfach nicht, auch dort, wo es sich darum handelt, mit reformatorischklingenden Manifesten der europäischen Kultur eine Verbeugung zu machen. Aber gerade jetzt wäre die helfende Hand des Zaren den russischen Juden gelegen gekommen. Auf enge Terilorien zusammengepfercht, schmachten sie in Elend und sterben Hungers. Wohl exilieren jährlich Tausende und Abertausende, es sind jedoch noch Millionen, die von der als alle anderen Balkanvölker betrachtenso würde man erwarten, daß die Lage der Juden in Serbien viel schlechter sei als in Rumänien. Nun weiß aber jetzt jedes Kind, wie es uns in diesem letzteren Lande geht, während man den serbischen Juden niemals die Gelegenheit gibt, sich zu beklagen. In Serbien sind die dort geborenen Juden serbische Bürger, während unsere Lage in Rumänien seit dem Berliner Vertrage sich immer mehr verschlimmert hat und in der letzten Zeit am unerträglichsten geworden ist. - Wenn man das Protokoll der berühmten Berliner Verhandlung mit den Unterschriften der größten Staatsmänner Europas liest, muß man staunen, daß die Großmächte so wenig Ehrgefühl besitzen, um zu erlauben, daß ein so unangesehenes Ländchen wie Rumänien sich erlaubt, sein Worr ihnen gegenüber in so unverschämter Weise zu brechen. Da, im Vertrage, steht die Verpflichtung schwarz auf weiß, in klaren Worten die Verpflichtung Rumäniens, die Juden als Mitbürger anzuerkennen. Der eine Teil der Kontrahenten, die Großmächte, haben ihr Wort gehalten und die Rumänen unabhängig gemacht, während der andere Teil, der schwächere, dem ein so großer Vorteil gegen eine so leichte Bedingung geboten wurde, sich ungestraft erdreisten konnte, die Forderung Europas zu mißachten und zu ignorieren. In der Tat, seit dem Berliner Vertrage sind, außer den Juden, welche am Unabhängigkeitskriege von 1877—78 terlgenommen hatten, bis jetzt nur 90, sage neunzig Juden vour rumänischen Parlamente naturalisiert worden. Bedeutet das nicht eine freche Umgehung, ja eine vollkommene Aufhebung eines Vertrages, der von den größten Männern Europas unterschrieben ist? Und. wie sollen wir noch eine Hoffnung auf die bourgeoisen Mächte hegen, die nicht einmal ihren eigenen Institutionen — den internationalen Staatskongressen und Verträgen — den gehörigen Respekt verschaffen können? Bor ein paar Jahren hat einer unserer berühmtesten Gelehrten, ein Jude, dem die rumänische Literatur ungeheuer viel zu verdanken hat, nachdem er oftmals um das Bürgerrecht ersucht hatte, den verzweifelten Schritt getan; er ließ sich taufen, um doch das hohe Glück der Naturalisation zu genießen. Jeder Rumäne lobte den Gelehrten, alle rumänischen Großen anerkannten seinen Wert und doch — nach allen seinen Opfern — wurde er zurückgewiesen. Mit blutendem Herzen, verachtet von seinen Mitbrüdern, von den Rumänen verstoßen. russischen Scholle nicht lassen wollen oder dürfen. Wenn Nikolaus II. ein perechtes Herz besäße, so erbarmte er sich dieser Millionen. Aber der Zar ist weit und der Himmel ist hoch. Der Niedergang der russischen Bauern ist darauf zurückznführen, daß sie außerstande sind, den Ertrag ihres Ackers möglichst zu verwerten. Es fehlt des vermittelnden Elementes, die Bodenprodukte von der Scholle in die weilentfernten Verkehrsadern zu bringen. Die jüdischen Handelsleute, die den Getreidehandel besorgen könnten, wurden gewaltsam verjagt. Die Landwirte sind daher gezwungen, denBodenertrag entweder den arischenWucherern um einen Pappenstiel zu überlassen und das Geld dafür beim arischen Wirt zu versaufen oder ihn verfaulen zu lassen. Es sind deshalb aus allen Bezirken, aus welchen die Juden vertrieben wurden, an die Regierung Petitionen gerichtet worden, den Inden wieder die Rückehr zu gestatten. Die Animosität gegen den jüdischen Volksstamm geht aber so weit, daß man lieber die ganze Bauernschaft der Verarmung preisgibt, ehe man den Juden auch nur das geringste Entgegenkommen gewährt. Man gebe den Juden in Rußland Freizügigkeit und dem Notstände der ländlichen Bevölkerung wird mit einem Schlage abgeholfen sein. Wenn Rußland in der Judenfrage nicht bald eine vernünftigere Politik befolgt, so dürfte diesem „Kolosse auf tönernen Füßen" ein gleiches Los wie Spanien beschieden sein. Als es seine jüdischen Bürger vertrieb, war Spanien ein Reich, in welchem die Sonne nicht unterging, dessen Flotte beherrsche die Meere, dessen Heere die ganze Welt. Heute ist es eine Macht letzten Ranges. Die Geschichte lehrt, daß jeder, der sich an dem jüdischen Volke vergeht, von der Nemesis ereilt wird. Oder will der Zar Millionen seiner ruhigsten Untertanen zu offener Empörung treiben? —yski. Neues aus der Wiener Kultusgemeindc. Die vorjährigen Wahlkämpfe und der Ruf der nationaldemokcatischen Opposition nach voller O e f sie n t l i ch k e i t in der Kultusgemeinde haben wenigstens teilweise Früchte getragen, indem in den offiziellen Sitzungsberichten auch andere als rein formale Geschehnisse dargelegt erscheinen, hie und da sogar der Vermerk, daß die Herren Knltusväter über eine Frage uneinig waren und diskutierten! Das. Interessanteste aber bleibt der rnisera plebs noch immer verschlossen, ein streng versiegeltes Geheimnis. Ist es zum Beispiel nicht sehr interessant und der Publiziernng wert, daß eine ganz, Anzahl von Bezirkskollegien, die jüngst in die Seitenstettengasse behufs Konstituierung berufen waren, diese insolange verweigerten, bis ihnen der hohe Kultusvorstand nicht die Zusicherung gab, daß denselben künftig, nicht bloß die Steuereinschätzung, sondern ein genau zu umgrenzender Wirkungskreis auf dem Gebiete des Schul-, Armen- und Tempelwesens zuzuschreiben sei? Nicht freiwillig also, sondern erzwungen ist das Thema über die Bezirkskollegien und die Erweiterung ihres Wirkungskreises ans die Tagesordnung der nächsten Kultusgemeinde-Plenarsitzung gekommen und umso geringer muß unser Dankgefühl hierfür sein. Ferner sind heuer bei der Schätznngskommission der Kiiltusgemeinde nicht weniger als 1500 Rekurse eingelanfen. Nach der Wählerliste von 1902 licß er die großen Gaben, die er diesen geschenkt hatte, zurück und verließ die „Heimat". Und während er verstohlen sich die Augen wund weinte, warf er dem Lande das geschichtliche Wort hin: „Undankbares Vaterland, du wirst meine Asche nicht haben!" Neulich hat der rumänische Ministerpräsident erklärt, es gäbe in Rumänien keine Judenfrage, weil ein Gesetz diese Frage gelöst Habe!! Aber eben diesem Gesetze verdanken wir die Existenz einer Judenfrage. Denn nach eben demselben sind wir alle „fremd" und jedes Schutzes bar. Wir haben das Recht — das Recht zu fordern, aber darin liegt eben der Eharlatanismus: das rumänische Parlament hat das Recht — uns abzuweisen, darum naturalisiert es in 23 Jahren 90 Juden! oder in einigen Monaten;— wie jetzt — 20 oder 30 Juden. Also ganz willkürlich, launenhaft. Das sollte aber geändert werden. Wir haben nach dem Berliner Vertrage diejesRecht auch ohneZustimmungdes rumänischen Parlamentes. Jeder von uns, der in Rumänien geboren ist. soll von selb st Bürger d i e s e s L a n d e s s e i n. Wir bitten nicht u in A lmosen: wir fordern Gerechtigkeit und unser Recht! '* ■ Anläßlich des siebzigsten Geburtstages des Ministerpräsidenten Demeter Stourdza wurde im Saale des Bukarester Nationalthcaters ein Bankett veranstaltet, an welchem sämtliche Minister, die Mehrzahl der Deputierten und Senatoren sowie die hervorragendsten Mitglieder der natioualliberalen Partei, im ganzen 540 Personen, teiluahmeu. Das Bankett gestaltete sich zu einer Kundgebung der - liberalen Partei für ihren greisen Führer, dessen Taten und Verdienste in überschwenglichster Weise gefeiert wurden. Man muß tatsächlich zugestehen, daß Demeter Stourdza, schon an der Schwelle des Greisenalters angelangt, eine erstaunliche Wandlung durchgemacht hat. Es gab eine Zeit, schreibt das „Berl. Tageblatt", wo er, der ehemalige Staatsmiuister Carols I., unter dem Namen eines Barons v. Hahn antidynastische Broschüren veröffentlichte, in denen er seinen Herrscher als „preußischen Spion" denunzierte. Es sind nur wenige Jahre her, daß er im Parlamente und in öffentlichen Versammlungen den Haß gegen Ungarn predigte und den damaligen Minister des Nenß-rn Al. Lahovary einen gab es 12.384 Steuerträger und wenn wir selbst annehmen, daß deren Zahl Heuer auf 13.000 gestiegen wäre, bedeuten 1500 immerhin liy2 Perzent. Dieser jedenfalls hohe Perzentsatz braucht uns uvch nicht zu erschrecken, denn es treffen mehrere Umstände zusammen, die — abgesehen von brm mangelnden jüdischen Gemeingefühl und Opfersinn, der Steuerträger — zum Rekurrieren geradezu herausfordern. Da der mindeste Steuersatz, der nach dem famosen, diesbezüglich einzig in seiner Art dastehenden Statut in Wien gezahlt werden m u ß, nicht weniger als Kr. 20.— beträgt, werden viele Personen, die einer so hohen Leistung nicht oder schwer fähig sind, hierzu gepreßt, andererseits werden bei der beschränkten Zahl der zur Stenerleistung jetzt heranziehbaren Personen viele der zufällig in Evidenz Gehaltenen über Gebühr geschröpft. Andere notorisch reiche Individuen, denen es glückte, sich den Augen der Kultussteuer-Organe zu entziehen, laufen uubesteuert herum nnd gerade diese Ungleichmäßigkeit in der Besteuerung ist es, welche zur Auflehnung stachelt. Hierzu kommt noch die hochweise und politische Bestimmung, daß jeder „Israelit", der nach dem Inkrafttreten des Statutes von 1901 seinen Wohnsitz in Wien nimmt und hier neu besteuert wird, den einfachen Betrag der einjährigen Kultusneuer überdies als „Immatrikulations-Gebühr" zahlen rnuß. Das Mindeste, was also so ein armer Teufel im ersten Jahre der Steil-rpflicht zrr leisten hat. sind Kr. 40.—! Und das läßt sich eben nicht jeder widerstandslos bieten. Das Schönste kommt aber erst! Unter biefeu 1500 Stenerrekursen enthält nämlich gut die Hälfte die offene oder doch versteckte Drohung, im Falle der Ablehnung des Rekurses aus der mosaischen Glaubensgemeinde auszuspringen, nnd unter dieser Hälfte finden sich zum relativ größten Teile Steuerträger der Inneren Stadt! Wie ist das alles nur möglich?! Hat doch Herr Kultuspräses kaiserlicher Rat K l i u g e r in jener denkwürdigen Kultuswähler-Versammlung im „Hotel Post" mit Emphase ausgerufen, daß die Behauptung der Opposition von dem einreißenden Geiste des Abfalles eine zumindest stark übertriebene sei, daß sich das Gros der Wiener Israeliten vielmehr umso enger an ihren Glauben klammere. Und da erfrechten sich mehr als 5 Perzent aller Steuerträger mit der Apostasie zu drohen, um paar schäbige Kronen zu ersparen und zu erknickern? Wo ist da die Glanbenstreue, Herr Kultus- Präsident? Und peinlich, höchst peinlich ist der Zufall, daß die meisten reudigen Schäflein gerade im 1. Bezirke hausen, in der City, dem Sitze der Intelligenz, welcher im letzten Wahlkampfe der Kahal-Partei die größte Stimmenzahl zur Niederringung der Opposition zugeführt hat. Wir von der Opposition können angesichts solcher Fahnenflucht mit denk Dichter ausrufen: „Wir Wilde sind doch bess're Menschen" und auch bess're Juden! Und wie hat sich die Schätzungskommission angesichts dieser infamen Drohungen der Abfallskandidaten verhallen? Nun, wie denn anders als liberal, freisinnig, tolerant. Der Antrag, daß alle, mit derartigen Drohungen verbrämten Rekurse grundsätzlich zu verwerfen seien, wurde abgelehnt und vor den Drohungen größtenteils Reißaus genommen, den Rekursen stattgegeben. Die Herren Kultnsvorsteher mögen sich aus diesem Wege für die kommenden Wahlkämpfe gegen die anstürmenden Ultrajuden treue Vasallen und Streiter erhalten haben, ob aber auch gute Juden — das ist zu bezweifeln! Dr. Zweig. Nichtswürdigen nannte, welcher auf nicht diplomatischem Wege zugunsten der unterdrückten Stammesbrüder in Transsylvanien interveniere. Als im November 1898 der Bukarester Pöbel die Häuser und Geschäftsläden der Juden verwüstete, da fand er als Ministerpräsident bloß Worte der Nachsicht für den „explosiven Ausbruch des nationalen Unwillens". Das von Bratranu inaugurier! e System, das Ausgabenbudgct des Staates ins Ullgemessene zu steigern und auf Kosten des Staatssäckels immer neue Anhänger zu werben, fand in ihm einen eifrigen Adepten und als im Jahre 1899 sein Ministerium stürzte, da hiuterließ er nach dreijähriger,, unter normalen Verhältnissen verlaufener Regierung eine schwebende Schuld von 63 Millionen und ungedeckte Engagements von weiteren 63 Millionen. Heute ist Stourdza streng dynastisch gesinnt. Die Frage der Siebenbürger Rumänen stellt für ihn eine innere Angelegenheit Ungarns dar, in die er sich jeder Einmischung sorgsam enthält, und er. der eingefleischte Antisemit, tritt im Parlamente für die Naturalisation jüdischer Petenten ein. Selbstverständlich ändert die Naturalisation einiger Dutzend reicher Juden, Jourualisteu. Faiseure und ministerieller Agenten nichts aber auch gar nichts an der Lage des jüdischen Volkes. Die verbesserte Lage des Staatsschatzes hat keineswegs auch eine Besserung der ökonomischen Verhältnisse zur Folge gehabt und die wirtschaftliche Depression ist in Rumänien heute fühlbarer als je. Die Landwirtschaft mit ihrer extensiven Produktionsweise hat ihre Rentabilität verloren, und die überschuldeten Grundbesitzer sind nicht einmal imstande, die Zinsraten ihrer Schulden zu bezahlen. Zu 'dem traditionellen Elend des Bauernstandes gesellt sich die Notlage eines stetig anwachsendeu städtischen Proletariats, der Handel liegt darnieder, die mit großen Opfern geschaffenen Anfänge einer heimischen Industrie sind dem Untergänge nahe und in einem Lande, dessen überreiche natürliche Hilfsmittel einer dreifach so großen Bevölkerung Nahrung gelvähren, müssen Tausende von fleißigen Menschen hungern, weil es ihnen an Arbeit fehlt. Stourdza und seine Partei können nicht begreifen, daß Rumänien, welches seine politischen und sozialen Institutionen, seine ganze kulturelle Entwicklung dem Auslande entliehen hat, für die Ausbeutung seiner natürlichen Hilfsquellen des fremden Lehrmeisters, fremder Unternehmungslust und fremden Kapitals bedarf, daß es in seinem eigensteu Interesse alle nützlichen und produktiven Elemente mit offenen Armen aufnehmen muß. B. L.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.