Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 11 (13.3.1903)
- Date
- 1903-03-13
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 11 Jüdisches Volksblatt Wien, Freitag 13. März 1903 Seite 5 W i c n. (W o ch c n p r o g r a m m der „I ü d i s ch e n T o l) n 0 c c H a l l c", 20. Bez., Karajangasse 20, 3. VeremsjciTji’.) Soimkag den 15 .März: Konzert. — Montag den 16. März: Hr. Dr. I e r » s a l e in „Ocsterrcichisches Staatsrecht". — Dienstag den 17. März: Hr. Akfr. Wcißberger „Volkswirtschaftliche Fragen". —■ Mittivoch den 18. März: Hr. Friede. F i s ch l „Ans dem Gebiete der Elektrizität". — Donnerstag den 19. März: Hr. A. Steins ch neider „Die Weltlage nach dem deutsch-französischen Kriege 1870—71". — Freitag den 20. März: Hr. M. G. Mehrer Bibekerklärimg. — Samstag den 21. März: Konzert. Htlfsverci» für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien. Die allgemein anerkannten Erfolge dieses Vereines in der Bekämpfung der Erwerbslosigkeit haben ihm mich in der Probinz zahlreiche Mitglieder gelvoniien. Infolgedessen konstitnieren sich all- Niählich neue Ortsgruppen. Die Konstituierung der „Ortsgruppe Mistel" fand am i. Ntärz d. I. statt. In den Vorstand Ivnrden geivählt: Der allgemein berehrte Kultusoorsteher Herr Hermann Lötv als Obmann, Herr Alois Reit, k. k. Hoflieferant, als Obmann- Stell0!'rtreter, Herr Leopold Münster, Schriftführer, Herr Sigmund Wechsler als Stelloertreter, Herr Fabrikant Satomoii Tauber als Kassier und Herr Josef Goldberg als Stellvertreter. Ilm die Bildung der Ortsgruppe haben sich nächst deiii Kultusoorsteher, Herrn Hermann Löiv, die Herren Dr. Josef Steckt ans Bielitz und Sc. Ehrivürden Herr Dr. I. Bergmann, Rabbiner in Friedet, am hervorragendsten verdient geniacht. An demselben Tage konstituierte sich auch die „Ortsgruppe Melnik". st,um Obmanne tvnrde Herr Rabbiner Dr. David Stransk'n geivählt, znm Schriftführer Herr Julius Stein, zil dessen Stellv erdeter Herr Oindolf Kellner, znm Kassier- Herr Lndivig Fischer. Die Bildung dieser Ortsgruppe ist hauptsächlich dem Eifer und Einflüsse des Melniker Rabbiners, Herrn Dr- David StranSlh zu verdanken. Am 7. ds. konstituierte sich die „Ortsgruppe Lobositz a. E.". st,um Obmanne ivnrde geivählt Herr Fabriksdirektor Georg Tribskh, zrrur Obmann-Stellvertreter Te. Ehrwürden Herr Rabbiner Heinrich Saar, znm Schriftführer Herr- Otto Brumlik, znnr Stellvertreter Herr I. U. Dr. Karl Gläßner, als Kassier Herr Rudolf Budloivskh rind als Stellvertreter Herr M. U. Dr. Markus Lötvit. Eine Anzahl anderer Ortsgruppen sind in Bildung begriffen und tverden sich demnächst konstitnieren. Die r u m ä n i s ch e I u d e n f r n n c i nt ö st e r r e i ch ts ch c n P n r l n m e it t c. In der Sitzung vom 9. ds. richteten die Abgeordneten Dr. Skedl und Genossen an den Ministerpräsidenten folgende Interpellation: In dem von den Großmächten unterfertigten Berliner Vertrage vom Fahre 1878 wurde den in Rumänien ansässigen Faden, die eine Bevölkerungszahl von ca. 100 000 Personen repräsentieren, die volle Gleichbercchtignng mit den übrigen in Rumänien wohnhaften Rationalitäten garantiert. Trotzdem wurde durch eine Reihe von Sondervcrfügungen von Seite der rumänischen Regierung der jüdischen Bevölkerung sowohl der Erwerb von Grund und Boden antzerhalb der Städte, als mich die Erlangung staatlicher Aemter und wirtschaftlicher Berufe unmöglich gemacht. Der dadurch hervorgerufenc krasse Notstand in der jüdischett Bevölkerung Rumäniens veranlasrte im vergangenen Jahre die Regierung der Bereinigten Staaten von Nordamerika, die Signatarmächte des Berliner Vertrages an ihre Vertragsverpslichtungen zu erinnern und sie anfzufordern, ans der Erfüllung der im Sinne der Humanität gestellten Bedingungen zu bestehen. In der diesbezüglichen Rote der Regierung von Washington wird hervorgehoben, das? die rumänischen Juden, von fast jedem Zugänge zu Erwerbsmitteln ausgeschlossen, unfähig seien, sich aus der ihnen aufgezwungenen Erniedrigung, die sie erdulden, herausznhelsen, und das? sie keine andere Wahl hätten, als sich nach anderen Ländern zu flüchten, daher de« Signatar- Mächten des Berliner Vertrages die Pflicht obläge, die rumänische Regiernng zu bewegen, die Beseitigung dieser Misistnnde ernstlich in Angriff zu nehmen. Mehr als ein halbes Jahr ist verflossen, seitdem diese von wahrer Menschlichkeit erfüllte Rote Nordamerikas alle politischen Kreise auf die Notwendigkeit eingehender Reformen aufmerksam machte; aber trotzdem ist bis jetzt noch immer kein ernster Schritt seitens der Signntarmächte unternomnien worden, und sieht man noch immer nach wie vor Tausende von armen rumänischen Inden ihr Vaterland verlassen und in die weite Welt ziehen. Der gegenwärtige Zustand hat aber, abgesehen davon, das? er den Gebotcu der Menschen- und Nächstenliebe direkt widerspricht, auch für Oesterreich, insbesondere für die Bukowina als Grenzlnnd, vor allem für die (Grenzstädte der Bukowina, eine hervorragende Bedeutung. Die Anzahl der aus Nnmänien sich flüchtenden Juden, welche, gänzlich verarmt, iit trostlosem Zustande, aller Mittel bar sind, fällt in erster Linie der ohnehin armen Bevölkerung der Grenzstädte der Bukowina zur Last nnd vermehrt das dort herrschende Elend. Es ist daher die höchste Zeit, dnsr, sowohl mit Rücksicht auf die Humanität im allgemeinen, als auch im rein österreichischen Interesse in diesen Verhältnissen- Wandel geschaffen werde, und stellen die Gefertigten an den Herrn Ministerpräsidenten die Anfrage: 1. Ist Sr. Exzellenz bekannt, ob und welche Schritte das Ministerinm des Aensiern gemacht hat, um die rumänische Regierung au die Erfüllung der im Berliner Vertrage übernommenen Verpflichtungen zu mahnen nnd bereit Erfüllung zu sichern? 2. Was gedenkt Se. Exzellenz zu veranlassen, das? in dieser so dringenden Sache eine Remednr geschaffen werde? Wir hoffen, dnsr diese vom Himmel geschneite Interpellation Skedls auch nnr seiner Humnitität und nicht Gründen politischer Taktik entsprungen ist, können aber nicht den Tadel unterdrücken, das? Dr. Skedl, der einen Bezirk vertritt, der an Rniiiünien grenzt, erst so spät sich der Humanität und der österreichischen Interessen erinnert, nachdem B reit e r und Strauch e r ihm schon lange mit gutem Beispiel vorangegangen. Will Skedl veilleicht seine Nnteryandlnngen mit Lueger dadurch vergessen machen? Wien. („Sch i r 3 i o n".) Sonntag d>en 15. d. (10. Adar), 2 Uhr nachm., findet im Kongreßburocm, 9. Bez., Türkenstr. 9, die konstituierende Generalversammlung des jüdischen' Gesangsvereines „Schir Zion" statt. Alle Jrenndinnen und freunde jüdischen. Gesanges werden ersticht, zu dieser Versammlung zn kommen. — Tageso x. b n ti II n : 1. Wahl des Ausschusses, 2. Eventualia. — Ein zentraler allgemeiner Gesaugsverein würde eine schon lange tiefempfundene Lücke ilim jüdischen Leben, ausfüllen nnd der „Schir Zion" will sich dieser Aufgabe unterziehen. Mit Zionsgruß I. Th an, prov. Obmann; I. H a ß, Prov. Schriftführer. .- Mitglieder können erwach-! sene Personen ohne Unterschied des- Standes und des Geschlechtes werden. Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter „Lcopoldstadt". Sonntag deit 16. Adar (15. März) d. I. Purimnnd Eröffnungsfeier int neuen Vereinslokale 2. Bez., Stephaniestraße 8 (Privatlokal). Programm: 1. Festrede von Herrn Dr. Beck; 2. Rezitationen (Vorlesung ans dem Jüdischen Almanach). .">. Gesangs- und Mnsikbortrnge. Beginn präzise hal 6 Uhr abctlds. Gäste willkommen. Verein jüd. jugendlicher Arbeiter „Brigittenan". Sonntag den 8. ds. hielt Gg. stnd. phil. Wiiriiiann im Vereinslokale einen ansgezeiebneten Vortrag über Maurice Maeterlincks „Moitna Valuta". Nach einigen Erklärungen über die Grundidee des Stückes lies; er Maeterlinck selbst sprechen, indem er das Stück zur Rezitation brachte. . Die zahlreich erschienenen Gäste nnd Vereinskollegen appkatldierteit dcnt Vortragenden in einer solchen Weise, wie es nnr einem gefeierten Künstler znkomint. — Gesinnungsgenossen I Jüdische Jugend! Sonntag den 15. k. M. hält Gg. Wtirmann einen hochinteressanten Vortrag int Vereinslokale, 20. Bez., Jägerstraße 16 (Cafe Kämpf). Programm: „Rezitation and mvdernfteit dramatischen Dichtungen." Beginn 7 Uhr. Gäste herztichst willkommen. Der Verein jüd. Handeksangestellter, Wien, veranstaltet Samstag den 21. März 1903 nn Festsaal des Hotels „Continental", 2. Bez., Taborstraste, sein Gründungsfest. Ihre freundliche Mitwirkung haben zngesagt: Die Herreit Heinrich Prechtler, k. k. Hofbnrgschaiispieler, Arthur Gnttmann, Mitglied des Josefstädter Theaters, Professor I. Anber, die Damen Mita Thcren, Mitglied des Theaters an der Wien, Gisa Gvtden, Konzertsänaerin nsto. nsiv. Die Ballmnsik besorgt die Kapelle des Musikdirektors Emil Bauer. Tanzarrangement Professor I. Singer. TaS Komitee hat nach allen Kräften darnach getrachtet, den Abend zu einem möglichst glanzvollen z» machen, fliesst ja doch das Reinerträgnis der Errichtung eines K o n d i t i o n S l o s e n f o n d s zu, ein Zweck, dem kein Jude seine Unterstützung entziehen kann nnd darf, denn mit wenigen Ausnahmen ist unsere soziale Position auf eine so schivanke Basis gestellt, das; schon heute oder morgen der eine oder der andere von uns das Elend der Postenlosigkeir am eigenen Leibe erfahren kann. Was in einem solchen Falle eine Unterstütznitg, die man zu fordern berechtigt ist, bedeutet, mit wie viel höher diese Art des Wohktnns steht als die Züchtung von Schnorrern, brauchen loir wohl nicht betonen. Famikienkarten zu Kl 6, Einzelkarten zu K. 2, Mitgliedskarten zu K. 1.50, sind bei allen Vereinsnnd Komitee-Mitgliedern, sowie in den folgenden Lokalen erhältlich: Cafe „zur Börse", 1. Bez., Wippkingerstraße 45, Cafe .Orient", 2. Bez., Praterstraße 60, Cafe Augartenbrücke, 2. Bez., Obere Donanskraße 47, Cafe Jägerhof, 9. Bez., Porzellangasse, Administration der „Welt", 9. Bez., Türkenstraße 9. Wir bitten alle, die jüdisch denken und fühlen, um ihre Unterstützung. Das Festkomitee: Robert M. Korn, 2. Bez., Floßgasse 8, Samuel Strauß. Antisentitisnms in der Armee. Wir haben dem vor noch nicht langer Zeit gefallenen Kriegsntinister Feldzcugmeister Baron K r i e g h a m m e r keine Träne nachgeweint, denn er war ein verknöcherter Soldat, ein Gamaschenknopf, cingesponnen in kleinen Gesichtskreisen, ohne Berständnis für den Fortschritt der Zeit, jeden weitreichenden Konzeptionen abhold. Was wir ihm am meisten verübelten, war der Umstand, das? während seines Regimes der Antisemitismus in 'der Armee tiefere Wurzel fassen konnte, sich zur Blüte zu entfalten vermochte, ob mit oder ohne sein Einverständnis, bleibe ununtersncht, da der Effekt ja der gleiche bleibt. Vivat sequens! Wir begrüßten den Nachfolger Krieg- Hammers, den derzeitigen Kriegsminister Baron Pietreich sympathisch, n n e i n g e d e n k des Sprichwortes: „Es kommt selten etwas Besseres nach." Wir hatten hierzu alle Ursache, denn dem neuen Kriegschef ging der Rns voraus, er sei ein vorzüglicher Organisator, besitze volles Berständnis für 'die Anforderungen des modernen Kriegswesens und sei liberalen Ideen zugänglich. Insbesondere wurde ihm imputiert, dass er antisemitischen Allüren in der Armee mit voller Energie entgegentreten werde. Baron Pietreich ist freilich noch nicht geraunte Zeit am Ruder, allein auch diese hätte genügt, das? er sich nach einer oder der anderen Richtung hätte deklarieren können, das? er Farbe bekenne, sich programmatisch in sein Amt einsühre und die Ziele und Zwecke bekanntgebe, welche er zu verfolgen gewillt sei. Nichts von alledem ist bisher geschehen. Man tappt nach wie vor im Dunkeln und ist über dessen Intentionen vollständig im Unklaren. Namentlich in Betreff des Antisemitisutus weis; man nicht, woran man mit Baron Pietreich als Kriegsminister zn halten hat. Für uns genügt die Tatsache, das? sich seit dem Anttsantritte desselben in puncto Inden- Hetze in der Armee nicht bas geringste geändert hat. Alle die gegen Baron Krieghammer seinerzeit vorgebrachten Gravinninn sind bis ans das Tüpfelchen auch ans das Regime Pirtreichs anwendbar. Die jüdischett Soldaten haben auch weiters Anfeindungen zu bestehen. Juden ist cs auch ferner verwehrt, im Auditoriate, in der Intendanz Aufnahme zn finden. Im militärärztlichen Korps besteht für sie noch weiters der Numerus clausus. Welche jämmerliche Zustände in Galizien herrschen, konnte man erst jüngst gewahr werden, als der philosemitischen Neigungen gewif? nnzugiingliche Abgeordnete Daszynski in der Debatte über den Dringlichkeitsantrag G n l g o c z y alias Gnlgoczy-Toni einen Zipfe! vott dem dichten Schleier wegzog. Man konnte da erfahren, was unserer Jugend bevorsteht. Augenscheinlich kranke, mit organischen Gebrechen behaftete jüdische Rekruten Vierde,; schlankweg im Widerspruche mit dem Pa re re des nsseitticrenden Arztes assentiert nnd ihnen hierdurch ein frühzeitiger Tod bereitet. Mit Recht bemerkte Daszynski bei dieser Gelegenheit, die Wiener liberalen „Jndenblätter", die trotz der offen zur Schau getragenen Jndenfeindschaft des Pascha Galgvczy die Rolle der Beschwichtigungshofrüte spielteit; hoffentlich nicht umsonst. Besonders komisch war die Haltung des „N. W. T."; was dieses Blatt an Servilismns und Eigenlob sich leistet, übersteigt selbst unsere Erwartungen, obwohl wir die Charakterfestigkeit dieser Tagespresse niedrig genug einschätzen. Selbstverständlich lies? sich das „R. W. T." in seiner Svtttttngsnnmmer nicht die Gelegenheit entgehen, ttttt Rumänien zn loben. Gott schütze «ns vor diesen Freunden. Es soll vermieden werden, an dieser Stelle öfter Erwähntes zn wiederholen. Das „Jüd. Bolksvlntt" hat seinerzeit Enthüllungen über Galgorzy gebracht, die unberichtigt blieben. Es genügt im allgemeinen, ans die schikanöse Behandlung jüdischer Soldntett hinzuweisen. Es soll jedoch nicht unterlassen werden, neuerlich zu erwähnen, daß an zehntanseitd jüdische Soldaten aktiv dienen, nn fiinfzigtausend in der Landwehr und der Reserve und an hunderttnnsend im Landsturm für das Vaterland verpflichtet sind und des Befehls harren, Gut nnd Blut für dasselbe zu opfern- Was wir wollen, was wir verlangen, ist blutwenig, nicht mehr, als das? der jüdische Soldat nicht anders behandelt werde, das? den Juden der Zutritt im Auditoriate, in der Intendanz nicht verwehrt, der Numcrs clausus im militnrärztlichen Stande aufgehoben und Inden das Avancement in nett hohen Offizierschnrgen nicht abgeschnittcn werde. Ties ist nnscr gutes, von Seiner M a j e st ä t d e nt K n i s e r, der gleichzeitig auch oberster Kriegsherr ist, verbrieftes Recht. Wer dieses Recht sich anmnsrt zu verkürzen, macht sich einer ungesetzlichen Handlung schuldig und ist nicht würdig, des Kaisers Portepee, des Kaisers Rock zn tragen. Tie für die jüdischen Krieger höchst unerquicklichen Zustände sind kein Geheimnis, sie sind vielmehr allgemein bekannt mtd dcttnoch hat sich bisher itvch niemand gefunden, dieselben zu rügen, auf deren radikale Abstellung zn dringen, weder die jüdischen Abgeordneten, twch die Parlamentarier sogenannter liberaler Observanz, noch die liberale Presse. Dies hindert uns jedoch nicht, unsere Stimme neuerlich zn erheben, uns unserer Glaubensgenossen in der Armee nnznnehmcn, wir werden dies and) weiter tun, insolange diese für einen Rechtsstaat beschämenden Zustände weiter fortwuchern werden. Der Verein jüd. Hochschüler „Bar Kochba" in Prag veranstaltet mit 19. März 1903 anläßlich seines zehnjährigen Bestandes sein Stiftungsfest, verhiindeii mit einem Vortrage des Bb- Otto Abeles ans Brünn. Jüoisch-nkadentische Verbindung „Vcritns". Atis Brünn wird gemeldet: Bei der am 4. März d. I. skaitgefitiidenen Gcneralversamtnliing der jüd.-akademischen Verbindung „V e r i t a S" wurden gewählt: ing. Hermann Zeiset znm Präses, ing. Ignaz Wznkelsberg znm Vizepräses, ing. Leopold Eisinger znm Schriftführer. Boskowitz. Vor kurzem starb in Boskowitz der dortige älteste Bewohner Herr Josef Hannak im Greisenalter bon 00 Jahren. Trotzdem derselbe ungemein schwach war, ging er noch bis kiirz vor seinem Tode seinem Glasergewerbe nach. Am Morgen des Todestages hatte er noch sein Gebet verrichtet, mittags traf er Verfügungen zu seinem herannahenden Tode und am Abend entschtiunmerke er sattst. DaS Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer imposanten Tranerkuiidgebnng. Möge dcnt Hingeschiedenen, der nicht nur gottesfürchtig war, sondern auch einen rechtschaffenen Lebenswandel führte, die Erde leicht scin! Das amtliche „Prager Abendblatt" meldet aus Ludiz: Am 10. ds. ging die sechsjährige Elisabeth Kunz ans Klcin-Werscheditz über die'Eisdecke des Thönischener Teiches nnd fiel in eine Wiihme (Loch im Eise!. Dem herbeigccilten Herrn Oberlehrer Wilhelm Dur ans <hönischen ist es gelnrigen, das in größter Gefahr schwebende Kiind dem sicheren Tode zu entreißen. Erwähnt sei, daß der Herr Oberlehrer Dux vor etiva zehn Jahren einen Knaben an derselben Stelle vor dein Tode des Ertrinkens rettete. Wilhelm Dux ist Jude. Hrnschau. Ein im nahen T r o p p a n erscheinendes Rebowerbläirchen gröbsten Kalibers, zu dessen Charakterisierung cs vollkommen genügt, daß der „bekannte" Herr Schimana bis vor kurzem Redakteur desselben war, kühlt sich bemüssiigt, ihre Notdurft an die hiesigen Inden zn verspritzen. Wir würden davon nicht Zkotiz uehmeü, wenn die grobe, dumm-dreiste Anrempeknng nicht eine Anffordernng znm Aufruhr bedeuten tvürde. Wir sind wohl die letzten, die nach dem Staatsanivalte schreien, aber dies e Notiz würden ivir doch zur gefälligen Durchsicht empfehlen: „Unser Ort zählt" — bei ungefähr 3000 Einwohnern — man höre nnd staune, 03 Inden beiderlei Geschlechtes. Jüdische Familienoberhäupter gibt es 24, darunter 6 Schnapsschenker und 9 Schnapsvcrkänfcr, 1 Schächter, ein Fleischhauer und in jüngster Zeit kam noch ein Grünzengjudc hinzu, ein wahres Prachtexemplar eines Nassejuden. Dagegen gibt es 2 chrichliche Gastwirte, 3 Greisler und 3 Fkeischhancr. Zahlen sprechen I Hoffentlich tvird unsere christliche Bevölkerung bald die Geduld verlieren und nicht müßig zuschen, wie das fremde, hergelaufene Volk allmählich alles Christliche verdrängt. Eine tatkräftige antisemitische Organisation ist schon hoch an der Zeit!" So das genannte Blättchen! Zahlen beweisen! Das ist richtig. Und gerade anS dem Perzentberhäkknisse der Inden in Hrnschau ersieht jeder verständig denkende Mensch, wie wenig von der „Verjndnug" in Hrnschau zn spüren ist. Dem „Rasseinden" gegenüber sind wir gerne jederzeit bereit, ein paar Vollbknt-Germanen und unverfälschte Teutsche — der „christliche" Schafspelz ist doch für die germanisebe „Deutsche Wehr" eine Lächerlichkeit — in Parademarsch anfmarschieren zu lassen. ES würden da ganz eigentümkiche Namen und „reckenhafte" Gestalten anftanchen. Gerade zu Purim wäre eS nicht iinrentabet. Doch wollen wir abwarten. Dem Berichterstatter der „Deiitschen Wehr" würden wir aber ganz energisch raten, nicht in die Lonne zu gehen wenn man so viel ranzige Butter auf dem Tentoiienschädet hat. — Die antisemitische Organisation fehlt iwch — dann fordern die Herren Arm in Arm mit Biekohkawek und Konsorten das Jahrhundert in die Schranken- Heil! T e n t. Jüdisch-nattvmtler Verein „Zion" iit Wnschkoutz a. Cz. Bei der konstitniereiiden Generalversammlung wurden die Herren Apotheker Willner zum Obmann, Tierarzt Steinwurzek zum Stellvertreter, Sleiniuetz, Schwitz, Prostak und Münzer in den Ausschuß geivählt. Lemberg. DiL Stadt Kuty (Bezirkshmchtmannschaft Küssow) ist am 8. Februar von einer furchtbaren Braudkatastrobbe heimuesnchjt worden, welche 370 Häuser cingeäschert imd 600 Familien obdachlos gemacht hat. Die Betlroffenen sind zkimeilst! unsere Glaubensgenossen, unter denen wahrhaft gräßliches Elend herrscht. Budapest. Ende November ist hier die 19jährige Tochter eines Professors, Irma Friedländer, verschwunden. Das Mädchen war seit etwa zwei Jahren auf der Universität inskribiert, wo sie durchs ihr melancholisches Benehmen auffiel. Zum lchtenmale Wurde sie hier am 29. November gesehen. Die polizeilichen Erhebungen nach ihrem Aufenthalte waren ganz erfolglos. Nun erhielt eine Budapester jüdische Wochenschrift vom N a b b i n e r i n Ja s z n i e z i n G a l i z i e n eiben Brief, in lvelchem mitgeteilt wird, daß im dortigen Eoster eine ungarische Jüdin, deren Namen streng geheim gehalten wird, eingeschllossen gehalten wird. Es ist nicht unmöglich, daß dieser Brief auf die Spur des Verschtvnudeuen Mädchens führen wird, ulnsoniehr als nliehrere Anhaltspunkte Vorlagen, dass sich das Mädchen in ein Kloster begeben hat. Me Polizei hat sich bereits telegraphisch an die Polizeibehörde der galizischen Stadt gewendet. Frau Jyimz Wechselimntn, die Witlve des vor einigen Tugen verstorbenen großen Philunthrvpeii, übergab 1000 Kronen dem Bnba-- pester Bürgermeister und 1000 Kronen der indischen Gemeinde, ersterem mH dem Wunsche, das Geld an arnic Cyrisren, letztere.-, diesen Betrag m, arme Inden zn verteilen. Wie». (C y e w r » - F e i e r.) In den ehemaligen Schwender- Lokalikäten bei E. Herkinger fand am 5. März lüi>3 eine