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Jüdisches Volksblatt · 1903-03-13 · 11 (13.3.1903) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
11 (13.3.1903)
Date
1903-03-13
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 11 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 18. März 1903 Seite 3 ringe, die unsere Gemeinde dem Geldlack, der Plutokratic, ausliefert. Ein zweckdienliches Mittel zur Kompromittierung der ans der Höherbcstenerten-Kurie gewählten Vorsteher wäre es, wenn sie in dieser ihrer Eigenschaft durch ein ständiges Epitheton ornans kenntlich gemacht würden. Wie dem Namen des englischen Parlamentariers ein M. P. (member of parliamcnt) beigesetzt wird, sei fortan unseren Höhcrbcstenerten-Vertretern taxfrei der Titel I. C. verliehen, also z. B. Ritter Theodor I. E. Wir sind überzeugt, daß Witter Theodor lieber auf feine Stelle im Knltusvorstande verzichten wurde, als das; er sich entschlösse, diesen Titel auf seine Visitkarte zu setzen. Ter Kultnsporstand also treibt keine Statistik mehr. Wir nässen, er ist mit anderen Agenden überbürdet. Nmr denn, so wollen wir von der Opposition ihm einen Beweis unserer Gutherzigkeit, unserer Uneigennntzigkeit geben und ihm die Arbeit der statistischen Vorsehung tragen helfen! Wie st e h t es z u n ä ch st mit dem ziffernmäßige» Einflüsse d e r H ö h e r b e st e n e r t e n auf die Leit u ii n bet Wiener I u d e n g e m e i n d e? Tie Wählerliste der sogenannten allgemeinen Kurie pro 1902 zählte 12 834 Wähler, die Liste der Höherbesteuertcn 776 Wähler, so daß, tveil der Adel gleichzeitig auch in der allgemeinen Kurie das Wahlrecht genießt» den 770 Höherbesteuerten tatsächlich 11 008 Mindcrbesteuerte gegenüberstehen. Wenn man nun schon den Standpunkt akzeptiert, daß die Volksvertreter nicht von der Gesamtheit der Wähler entsendet werden sollen, sondern daß die Höherbesteuerteu durchZuweisung einer eigenen Wahlkurie vor Masorisicruug im Wahlgange geschützt tverden müssen, gebührt — nach der Kopfzahl der Wähler gerechnet — den Höherbesteuertcn bloß ein Sechszehntel der gesamten Stimmkraft, ein Sechszehntel der Vertrcterschaft. W e l ch e Stimmkraft haben aber jene 770 A d e l s st i in m e n t a t s ä ch l i eh? I 8 6 der famosen Wahlordnung gebeut: „Die Wahl findet in der Weise statt, daß die Gesamtheit der Wahlberechtigten 24 und die Gruppe der Höhcrbesteuerten 12 Mitglieder des Knltnsvorstandes wählen." D. h. ein Sechzehntel der Wählerschaft wählt ein Drittel, fünfzehn Sechzehntel der Wählerschaft zwei Drittel der Vertretung oder mit anderen Worten, die Höherbesteuerten haben eine siebeneinhalbmal stärkere Stimmkraft, und wenn man berücksichtigt, daß in der allgemeinen Kurie auch die Höherbesteuerten mittnn, eine achtmal st ä r k e r e Stimmkraft als ihnen gebührt, achtmal stärker als die der Minderbestcuerten." Noch ärger stellt sich das Mißverhältnis dar, wenn wir die t a t s ä ch l i ch gewählte u Kultusvorsteher nach ihrer Herkunft aus der Klasse der Höher- oder Mindcrbesteuerten gruppieren. Von 86 derzeit besetzten Stellen sind nicht weniger als 21 von Höhe rb e st e u e r t c n beschlagnahmt und nur die Minorität, 14, verbleiben den M i n d e r b e st e u e r t e u." Kein Wunder! Während die Adels-Kurie nur 12 I. C.'s ihresgleichen wählt und jede Kandidatur eines Minderbcsteuerten Nebbich s mit Hohngelächter zurückweisen würde, drängt sie den indolenten Wählern der allgemeinen Kurie noch weitere 9 Oschirim zu Vertretern auf. Statt ein Sechzehntel der Vertreterschaft fallen sohin den Höherbesteuerten fast zwei Drittel derselben zu, statt 0.8 Perzent 60 Perzent, also fast zehnmal m e h r, als i h n e n ge b ü h rt! lind wie ist das Kräfteverhältnis im engeren Ausschuß des Knltnsvorstandes, in dem zur Führung der laufenden Geschäfte berufenen Vertreter-Kollegium? Die Bedeutung dieses elftöpfigen Kvlleges ist (laut offiz. Rechenschaftsbericht) durch die „VerwaItuugsrefor>u " des Vorstandes stark erhöht worden, was auch schon daraus erhellt, daß 1902 bis Ende Oktober den 64 Vertretersitzungen bloß 18 Plenarsitzungen gegenüberstandcn. Nun denn, der Herr Kultuspräsident kais. Rat Heinrich Klinger I. C. ist ein Höherbesteuerter, der erste Herr Vizepräsident Dr. Alfred Alfred P a s - d e - I u i f s und othingto w n haben in Erfahrung gebracht, daß ein Hoher Rat in Liebe zu seinem Volke zu eigener Zerstreuung, wie auch zur Belustigung des schwer belasteten Volkes ein priesterliches Geistesturnier veranstaltet und hierzu die Priester sämtlicher angrenzenden und entlegenen Dörfer herangezogen hat. Wir protestieren im eigenen, nüe im Namen der Repräsentanzen aller Dörfer und Kleingemeinschaften der Welt gegen die Mißachtung, mit ivelcher ein hoher Rat unsere Priester übergangen hat. Sollte ein hoher Rat dieses Versäumte durch sofortige Einladung unserer Priester nicht gutmachcn, so ivären wir bemüssigt, bei gleicher Gelegenheit Ihre Priester, die sich mitunter zu uns sehnen, ebenfalls zu bohkottieren." D c r P r ä s i d e u i: Nun wollen wir den feierlichen Akt der gegenseitigen Beschenkung'vornehmen: Hoher Rat! Ich schenke Ihnen die Präsidentcnwürde, die ich heute besitze und die Ihnen gewiß wertvoll erscheint; ich schenke Ihnen ferner die Kosten der Visitkarten, die ich zur letzten Wahl in vierzehntanseud Exemplaren anfertigen ließ und per Post verschickt habe; ich schenke Ihnen schließlich das Vergnügen, noch solche Wßhlen, und sei es auch nur eine Priesterwahl, durchzumachen. (Bravo!) Alfred der Ungemütliche: Ich schenke Ihnen m e i n e Ueberzeugung, daß das Judentum nur durch das Deutschtlttn gerettet werden könne; ich schenke dem „Museum zur Konservierung jüdischer Altertümer" meine» Altliberalismus und schenke dem ganzen Judentum die Achtung, die es verdient, lvenn eS sich von uuS führen läßt. Hingegen wird Ihnen der Bau einer monumentalen Synagoge nicht geschenkt bleiben. (Heil!) 04 ii st ri v D o c t u s der V i e l v e r s p r e ch e n d e: Ich schenke nichts, sondern ich ^verspreche. Ich verspreche jedem, daß ich ihm lvas scheuten werde, und so schenke ich jedem den Glauben, das; er von mir n»b durch uiich was geschenkt kriegt. (Ausgezeichnet.) M a r c u s (kein Evungelimann): Ihr lvißt es, liebe Kollegen, daß man in so schweren Zeiten nicht so leicht etwas schenken kann. Aber ich schenke euch meinen Ko'nserbaribiSmr:s, durch welchen ich euch geschenkt wurde und euch eichalten bleibe. Ihr möchtet kvohl mein klein wenig hebräisches Wissen von mir geschenkt haben, aber, liebe Kollegen, das geht nickst, ich lstab'S auch nicht geschenkt gekriegt. Stern dito und bon den 11 Vertretern insgesamt 7 HLHerbestenerte (gercchtcrwcisc sollte es bloß einer sein!) majorisicrcn die Minderbestenerten. Mit all dem sind aber die Mittelchen zur völligen Beugung der Gemeinde unter die Geldherrschaft nicht erschöpft. Die Paragraphen 2, 8 und 4 des Kultussteuer-Regulativs bestimmen: „Die Bemessung der Kulftisstcuer findet unter Mitlvirkuug von Vertrauensmänner u statt. Ihre Anzahl beträgt 240, von denen 120 von den Wählern gewählt werden, hiervon 86 von (und daher auch aus) der Gruppe der Höherbesteuerteu, und 120 vom K u l tu s v o r st a u de berufen werden, hiervon wieder grundsätzlich 30 aus den Höherbesteuerteu." Daß der seiner Mehrheit nach g e l d h e r r l i ch e Kultusvorstaud sein Bernfiingsrecht flott in gleichem Sinne übt, ist klar und darnach bilden von den 240 „Vertrauensmännern" gewiß wieder Höherbesteucrtc die Mehrzahl. Aus diesen Vertrauensmännern bildet nach Paragraph 6 des Regulativs der allmächtige Kultusvorstand „it a ch freiem Ermessen (!) die K u l t u s st e u er - b c z i r ks - K o l l e g i e u (denen ja nun ein erweiterter Wirkungskreis zugcwicsen werden soll). Paragraph 7 bestimmt schließlich, daß die Obmänner dieser so präparierten Kollegien im Vereine mit 6 Kultusborstehcru (!) die und welche Bedeutung Männer jüdischer Abstammung in der konserbativeil Partei erlangt haben. Es würde dann zu interessanten Ergebnissen und vielleicht auch zu einem unbefangenen Urteil Wer diesen Einfluß gekommen sein. Talentvolle Männer jüdischer Mstammuug finden wir in allen Parteien; in keiner aber haben sie eine so große Bedeutung erlangt, wie in der konservativen. Wenn aus den Wirren, unter denen sich der Ucbergaug des alten Preußen in das neue vollzog, sich eine konservative Partei mit einem politischen Programm auch bei uns aufrichten konnte, so ist das das Verdienst eines ehemaligen Juden geivesen, der obendrein aus Süddeutschlaud, aus Bayern gekommen war, des Professors Stahl. Die konservative Partei hat das auch selbst dankbar anerkannt, indem sie eine bleibende Erinnerung an ihn geschaffen hat. Seine Büste ist noch heute neben der des Fürsten Bismarck im Sitzungssaale des Herrenhauses ausgestellt. Aber auch später und heute noch können Nur Männer jüdischer H e r k u n f t in den Reihen der Konservativen finden. Wir nennen nur die Abgeordneten Simon v. Z a st r o w, Dr. Hahn, v. O p p e n f e l d. um von denen ganz zu schweigen, die durch Heirat jüdisches Blut in ihren Adern haben. Der frühere Oberverwältungsgerichtsrat Dr. Hahn, der Freund Stöckers, hat überdies auch noch eine große Rolle in der evangelischen Orthodoxie gespielt. Die „Kreuzzeitung" hätte danach Wohl am allerletzten Ursache, von dem „zersetzenden Einfluß der Juden in der S ch ä tz u n g s k o m m i s s i o u als oberste Steuerbehörde bilden.' Bei solchen großen Vorsichtsmaßregeln brauchen die Herren J Auchjudeu wahrlich nicht mehr zu zittern, daß ihnen jemals eine emp-, fiudliche Kultussteuer auserlcgt wird. Sie mögen ungestört in Kreditaktien und Liberalismus weiterspielcu!- j Umsomehr aber hat der einfache Balboß Anlaß zu Mißtrauen und zur Frage, wieviel Perzente steuern die so sorgsam gehätschelten und getätschelten Oligarchen eigentlich zum Gemeinde- Haushalte bei??! Darauf gebt uns eine klare Anttvort, Ihr Statistiker vom Kahal, von der „Union" und „Allianz"!! In einem weiteren Artikel soll die Verteilung der Höherbesteuerten nach Bezirken besprochen und die daraus fließende Logik ermittelt iverden. Au revoir! Dr. E. M. Zweig. Reichsdeutsche Epistel. („Magdeburger Zeitung" kontra „Kreuzzeitung". — Aus den Parlamenten.) Die kommenden Wahlen werfen ihre Schatlen voraus. Ein Beweis ist die Polemik, die sich zwischen der „Magdeburger Zeitung", dem führenden Organ der Nationalliberalen in der Provinz Sachsen, und der „.Kreuzzeitung" entsponuen hat. Wir lesen in der „Magdeburger Zeitung": In der kouservatibcu Presse treten die antisemitischen Neigungen w i e d e r c i n m a l s ch ä r f e r h e r b o r. ES ist möglich, daß diese Erscheinung sich aus Rücksichten auf die kommenden Wahlen erklärt und auf den unbequemen Wettbewerb, den man bei ihnen! von dem reinen Antisemitismus besorgt. Eine gewisse Vorliebe für j den Antisemitismus hat mau in konservativen Kreisen trotz aller Verehrung für die Erzväter des Alten Testamentes von jeher gehabt. Schon in den ersten Jahrgängen der nengegründeten „Kreuzzeitung" ließ ein arischer Barde, Graß-Schlippcnbach, feurige Kricgslieder gegen „Judas goldene Macht" erschallen. Heute läßt das konservative Blatt sich über die „Inden in der Politik" schreiben. In der Tat ein interessantes Thema, zumal, wenn es nach dem Grundsatz „Charity begins at Home" behandelt worden wäre. Anstatt sich mit Männern wie O p p e r t - B l o w i tz, Georg Brandes, dem „Tribüne"-Korrespondenten Levi, dem italienischen Staatsmann L n z a t t i und R u d h a r d K i p l i n g zu befassen — der letztere ist, beiläufig bemerkt, gar nicht jüdischer Herkunft — hätte es viel näher gelegen, doch einmal dü> Frage zu untersuchen, welchen Einfluß Politik" zu sprechen." In Sachen der „Kreuzzeitung" schreibt die „Magdeburger Zeitung" ferner: Unserem Hinweise aus die Männer jüdischer Abstammung, die in der kouservatweu Partei eine Rolle gespielt, begegnet die „Kreuzzeitung" mit einem wohlseilen Eiuwande. Sie meint, wir verwechselten Abstammung mit Gesinuuug. Wenn jemand aufrichtig Christ geivordeu sei, fragten die Kouserbativen nicht mehr nach dein Blute. Dem Rasseuantisemitismus sei sie von jeher abhold gewesen. Die letzte Behauptung steht mit dm Tatsachen in Widerspruch. Wohl hat der Feigenblatt-Antisemitismus, tvie er in konservativen Kreisen gepflegt wird, sich gelegentlich gegen die rohen Ansbrüche des Rassenantisemitismus verwahrt; aber die „Kreuzzeitnng" und ihre Freunde haben es nicht nur geschehen lassen, sondern sie haben direkt mitgeholfen, daß Vertreter desselben, wie Uhlwardt und Herr von Liebermauu, in den Reichstag gewählt jvorden sind. Heißt das dem Rassenantisemitismus abhold sein? Ebenso unwahr ist es, wenn das Blatt behauptet, daß die Denkweise des echten Judentums sich vor allem in Gottes- und Autoritätshatz äußere, und datz die liberalen Inden ihren Ruf ausschließlich dem Eifer verdanken, den sie bei der Bekämpfung der Autorität entwickelt hätten nnd zum Teil heute noch enttvickelten. Wir nehmen an, daß ans diese Behauptung die Antwort von beteiligter Seite nicht ausbleiben wird, und beschränken uns daher auf eine kurze Be-! merkung. Würm Männer jüdischen Glaubens, so weit sie am öffentlichen Leben teilnehmen, sich jetzt mehr als früher den radikaleren Parteien zuwenden, woraus anders ist diese Erscheinung zurück- ' zuführen, als auf das Auskommen jener antisemitischen Strömung, der die „Kreuzzeitung" abhold sein will, die sic in der Tat aber nur hat fördern geholfen? Mit der Denkweise des „echten Iudenttims" hat sie sicher nichts zu tun. Aus ihr hat man sich viel eher jene Grundanschauungcn konservativer Männer jüdischer Abstammung zu ' erklären, von denen die „.Kreuzzeitung" selbst heute Stahls berühmt ' gewordenes Wort: „Autorität, nicht Majorität" anfuhrt. Sie schreibt, uiemaud werde Stahl vorwersen können, daß er sich in seiner öffentlichen Laufbahn wie in seinem Privatleben gegen diesen Grundsatz jemals vergangen habe. Niemand wird das tun; nur sie ' sewst wird sich dabei sicher schmerzlich erinnern, wie oft sie und ihre eigenen Freunde gegen diesen Grundsatz ihres Partcistister^ gefehlt! haben, bei der Kanalvorlage, im Bunde der Landwirte und ander- > wärts. Was dort aus t'onservativeiu Munde über Minister und! Iiekmninen nt. das war, wenn nicht Anto- Hingegen verlange ich von euch einen Prediger geschenkt, ihr wißt ja schon, wen ich meine. (Unruhe.) T h e o d o r R i t t e r v o u S ch i e u e u g l e i s: Sie kennen mich, meine Herren, und wissen, daß ich die Korruption hasse und deshalb schenke ich überhaupt nichts. Ich schenke Ihnen nichts, ich schenke dem Volke nichts. Und Sie brauchen mir auch nichts zu schenken. Auch das Präsidium nicht, das nehme ich mir schon selber, ich hab'S ja eh schon. Ich würde auch das nicht einmal geschenkt von Ihnen nehmen, wenn-aber das geht Sie nichts an. Ich könnte Ihnen höchstens die. Gunst des Volkes schenken, aber die Hab' ich nicht. (Alle Auweseudeu erheben sich von ihren Sitzen und verbeugen sich.) Moses, der Hohen Priester (bringt ein großes Becken, auf welchem unzählige Papierbogen liegen. Salbungsvoll): Hier bringe ich euch die Früchte meiner Arbeit. Es sind die Taufscheine der Abgefallenen. Es sind zumeist die Reichen unseres Stammes, deren Namen auf diesen Tokninenten stehen. Man nennt mich der Hohen Priester. Aber ich bin ein wahrer Volkspriester. Das Volk, sagt man, haßt die Reichen. Warnin sollen wir nicht den Gegenstand des Volkshasses 1 ans unserer Mitte entfernen? Und tver ist der Verlnsttragende bei diesem Abfalle? Etwa das Volt? Oder gar das große Heer der mir untergeordneten Priester? Nein, meine Gläubigen, der Verlusttragende bin ich, denn i ch predige den Reichen, ich traue die Neichen, ich begrabe die Reichen, ich allein und kein anderer. Und dennoch habe ich nicht um die Gunst des Volkes gebuhlt. Aber von euch verlange ich, daß ihr mir einen Priester bestellet, der in meinem Geiste weiterarbeitet, nur iuenu alle Juden dem Beispiele dieser hier (weist ans das Becken) gefolgt sein werden, wird Friede in Israel sein. (Allgemeines Kopfnicke-n.) Josef Samuel: Ich hin eure lvichtigste Persou. Mein Vorredner hat nicht das Recht, das Verdienst für sich allein in Anspruch zu nehmen. Seit ztvauzig Jahren stehet ihr in meinem Banne, seit zwanzig Jahren hält euch meine Zauberformel gefangen. Wir zwei, Moses und ich, wir komplettieren uns. Nur zusammen komneu wir euch dahin bringen, ivo ihr euch heute befindet. Wir schieben mich, ihr geht nicht. Meine Zauberformel hat es vermocht, daß ich von euch abhänge und ihr vor mir in Angst lebet. Wer anderer als Moses und ich haben euch dieses Priesterturmer, über das ganz Europa lacht, verschafft?. Und wem anderen iverdet ihr den Preis zuerteilen, als denen, die uns genehm sind. Also tut nicht so spröde. Draußen stehen die zwölf Redeathleten. Machet kurzen Prozeß. Zum Andenken an die Söhne Hamans suspendieret (euphemistisches Zauberwort) zehn von ihnen und unsere zwei sollen preisgekrönt werden. (Ritter von Schienengleis fühlt sich unwohl und will sich entfernen.) Bleib', edler Ritter! Nicht der anderen Herren Gunst wegen habe ich gesprochen, jene Herren gehören meiner Schule an. Was mir noch fehlt, ist d c ine Gunst- Auch für dich habe ich eine Zauberformel. Du verhätschelter,. verzogener Ritter, du sollst eine Extra-Galavorstellung von unserem Favoriten haben, (v. Schienengleis entfernt sich.) (Sich an die anderen wendend): Habt ihr etiva Furcht vor der Nationalpartci? Unsinn! Habt ihr nicht bei den letzten Wahlen auch Angst gehabt? Und wer hat euch hernusgerissen? Ich! Ihr habt mir seit zwanzig Jahren immer gegeben, ivas ich verlangt habe, führt mir also keine neuen Sachen ein! Schluß! Sam. Burek: Im eigenen und im Namen aller Ihrer arischen Hoflieferanten erlauben wir uns, Ihnen zu Ihrem ^asching a Heitigenstrizel zu widmen. (Alle greifen darnach.) E i n A b g e s a n d t e r d e s B o l k e s: Ihr habt euch gegenseitig beschenkt, lvir neiden euch diese Geschenke nicht. Aber was bekommt das Volk? D e r P r ä s i d c n t: Sie als Vertreter des Volkes bekommen den SlibveiniouSorden dritter Klasse. A b g e s andi e v : Subvenrion heißt Subordination. 0) ii st a v D o e t u s: Dann geben lvir Ihnen den kleinen Stern dazu. A b g e s a nd rer: N'icht geschenkt. Alle: Dann ist Ihnen nicht zu helfen. A b g e s a n d t e r: T a n n wird s i ch d a s V o l k s e l b st h e l s e n. (Ab.)

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