Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 11 (13.3.1903)
- Date
- 1903-03-13
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 78% known words query
- IRI
…/2432763-2432970-2432981--1862-2435665- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
(beite Z Jüdisches Volksblatt 13. März 1903 Wien, Freitag Nr. 11 öicfcv cduti.wnmti'r f)crau-:\;nriYU'ii mtt> sich auf ton schipantendeii | Fn Ungarn besitzen nngefätu' 20 000 uidiseve ’jyamtficu fönijjt. 3otui ta OH'ioatr otoi bcv Jhi'wtc-? des o-tärieren zu stellen. i ungarisebe JaUalrint'ifni. Hauptsächlich auf dem Lande komplettierte ^Wl-.eistich m es mein Wmnch. dm; mein Polt mr, altee Ge s . . . Watt die Sünde deo Neide-.-- unrerdrücke. Deo Neide-.-, der bei aus Hr Nerin.nugige tbeinaeivn-n einer laichen Trafik das uotlvendlge Ziemliet! häufig ausrritr. dieieo abscheuliche Laster, tuelebeeuieht : ^lüsteiiznuiiiiiiiiiiu einer t'eschcideueu Keämersamitie. Der miersättcinmal dem Lasierbasten selb', srammt, sondern aneb ib>: pergiftetst lieiie Fistns in ltnaarn kennt für die Tabaktrafiken keine ff" *.«. iiHlH-n I Suimh,^.., Sem, rinf Sm.tatndK. Ans dem M lturucuuur, ,edeo Berdienn heietumitzt, iede uueigeniinmqe Llebcirm .... .... t , berdäehrigt, reifst feden (Oranen in den Lot berab. ja sie int.tevbviirft I ll0m "ef>chl und der O'dische Trafikant half die werdende (brös;e im .Leim und läi;r e-rnicht zu. das; andere! 'le'o in der Regel in der Bllstse ans dem Koiislitt ziviselien Staatsgesetz fiel, ein Vorbild daran neinne',. Diese Sünde ist seit .Labrininderten i nnd Religionogi'seu, btTj? er für den Labbat oder Feicrtag auf eigene den ilahü die loiuino ^.ne!Ie der Uneinchteil. ^ede Niitoritat ,s\oucu eine ei, r ist liebe Bertänferiii bestellte, wurde dadnreb nmeraraben, >a ne lunv die 'l.ik'Iü' der llnterionnnig | oder wenigstens ein .Hindernis; zur Sehassnng einer Neaelnorgani saiiou. Wenn siel' die Löbne unseres Votteo inimer uaeb diesen Prinuvien weife, einig, eifrig und neidlos um die allseilige Hebung sorgen, daun hoffe ich seit, da» sie in dein poliriseben Umstiirzen Lrot.- bieteii tonnen, ob.-pvar festge U'UU, unui, Uiiui UIU' m.ii'U'v um i-u luifiuuw iVauiiui .'imi ii|U'LlJll L»llU.*liul tu l \ n, daun hoffe ich feit, dm; sie tnlturelle nnd materielle Mraft; ri-viai',. in welchem es den indischeu 3 em :Nm;e baben werden, dm'; ne allen Ereignissen und allen! ... - , . . iseben Umstiirzen Frotz bieteii können, ob.-',>var festaebatten werde»! ^’ 1 1 1 11 “ a 11 ’ a r- 11 11 1 Der Staat hat dabei uielbs berloreu lind das religiöse (Gefühl des ..Bürgers israelitiseher .Konfession" ivar befriedigt: beiden luav geholfen. N'uii ersel'eiut plötzlich der Herr Fiimnzininister mit einem rafikanb',: fortan verboteii wird, ii d and e r e II s ii d i s eb e n mnü, dm'-, die Richtung und die rragweire solcher Ereignisse in, borans e i e r t a g e u «mit Ansnahme des Rasch Ha schau ah und Jom zu bemessen, geschweige denn nach Berdienst zu regeln, einem i tippnri g e s eb l o s s e n z n ball e n o d >- e i n e r and e r e n k l eim-n Bolle, lvie nuserein. incht gegeben ist. t I P e r s o » zu n b e r g e b e n. st.nividcrhandelnden lvird eine emvU.'i)l.. ^)i.lki. diejec pofIHfcTjCIt. Cff'CtniCITi'C'o fültncit iutr > ofint>fiche Strafe auferlegt Mid im Wiederholungsfälle die Trafik lnUevidn-ctoon, iuht bei on Der* Cuc stelle, tn der er bein |ont,oncn ttoiorfliirlicü Bolkc Sitrnft, „baf! cS hanMMch k leinen, c-m .m>cl^ Ti. Mich«. >Mn mm Sintimu’ii tu’icmijov:- ncrnfH'(i(t, |oi, au« bot ©rjuOmmict bcc „„„-o,,, ,.hu,, i(„ö,u„ I.,P, mit nim.Wdm'ii.,., »«gemeine» miematwimlen HochachKmg der Lolker her.,^ fä„„n(i,rlr -»(„„st.i,, öic„ iH.m-did.r: ati*.;mttton und ,,K a»t den ichwantenden Bodcn b c< u | A,mit *VtMlt d,, «,,m^km.miw-n »er UNO. Vfm»KI».«er. e-oiouit oder SU-rffcbc-5 Sfcvfcrat 31t Itotten", : mi„,1„H<,.of„jm[tc„ tn,mh.?lMjralu,, „ih (,3'iü ltllrt„ri, „W]t. Niim. d. Red. > lvnrde die Erfabrung gemaelu . das; die Pfandleihe Bermittler aus;er den geivölmlieben Nrbeitsrnhetagen ihre Eleschäftslolalitäteu aueb an den g r n s; e r e n ) ii d i s eb e n ,"y e iert a g e ,, geschlossen halten. Seine Erzellenz der t. nng. Handelsminister hat nunmehr mit seinem Erlasse bom I I.?,ebruar dieses Jahres, 3. 01-:>S/>\ angeordnet, das; die genannten Leih.z'lnstalkelt in 3"' di'enstberetken Lnkmen. MögsLs'umkeLten.TevoSei", u «" >»« ■»'»>'>' Simhrn* *n BWM*„ sp ä t ist, denn sonst werden bi- Völker sich Wer die Köpfe j°a’,TIH't DCC Juden becftänbigeit und der Jude ivied die Kosten! ^v'da- Talk: Dieser rückt die (Besinnung der leitenden Fuhlen müssen. Daran erinnern tviP unsere Volksgenossen I Negieriiiigskrciseu den gudeu gegenüber ins rechte Lieht. Es handelt an der Bahre dieses Mannes, der sein Volk liedle — Üder! Stet* ivohl nicht mit eine lvirtsehaftliche Frage, sondern mehr um mögelt sich tinsere Volksgenossen einprägen. Wir haben es ltets als tinsere Aufgabe betrachtet, die Juden atls der unwürdigen Ztellnrlg beranszlireisten, in der sie, sei es dem dBltschen oder potnischell oder magyarischen Chanvinistnns, Kelfersbelferdienste leisten. So rnanches hat sich auch in den lebten fünf Jahren geändert. Mer noch ilnmer verharrt ein groper Teil rrnferes Volkes in der Haltung eines Führer eher die botlständige Niisbentnng des Baneriistandes als seine ..Befreiung vom jüdischen Wucherer" zur Folge hakte», sah sich die Regierung demioch nicht veranlasst, dem Treiben dieser Volksretter Einhalt zu gebieten, sondern zeigte sich ihnen im wegenteile durch Förderung ihrer politischen Fiele gefügig, nm sie sich verbindlich zu machen. Der vorzeitige .Urach der Genosseiischaften ans dem Lande ivnrde zumeist mit der Ltage beschönigt, dits; die Konsumvereine in de» Dörfern deshalb nicht prosperieren können, lveik die Trafiken in den Händen der jüdischen Krönter sieh befinden nnd der Bauer gelvöhnsich dort seine sämtlieben Bedürfnisse deckt, Ivo er seinen Tabak tauft. Die liberale Regierung S z e I I hat ei» besonderes Berslöndnis für die Schmerzen der Anhänger des „Kreslan" und da sie den jüdischen Laiidlrämern ohne jeden Grund die Trafik nicht entziehen tan», andererseits aber lveis;, das; der Landjnde strenge an seiner .^keligion hält, mnsste der Hebet da angesetzt Iverden. Und ist das eine geklingen, folgt bald das andere nach. N'ach den Trafikanten kamen die Pfandleiher. Während der Finanzmim'sler noch den Rosch-Haschanah und Fom-Kippnr der jüdischen Trafikanieii respektierte. tan» es der Handetsminisler nicht mehr dulden, das; die jiidise'oen Pfandleiher die größeren jüdischen Feiertage eiuhalieu. Und um bolleuds zu zeigen, das; es für die tingarische Otegieruug leine jüdischen Futeressen gäbe, Iverden die jüdischen Jour- »alisleu erniedrigt, blostgestelll. Doch der Wahrheit die Ehre. Der „Eghentöseg", das Blatt der inagt'arischen Nssimitatious-Grosstiideii, wird von der Negierung anerkannt und mit alle» Benefizien überhänft. lind dies tust Recht. Denn dieses Blatt ist es, das seil Jahrzehnten die jüdische Entmannnngsvositil predigt und die Fndenheit in Ungarn in jene schmöhs liebe uuwäirdige Lage gebracht hat, in iveleher sie sich henke befindet. Und die niigarische Regierung hat für solche Arbeit dankbare Anerlennnng: sie belohnt sie oenau so, tote diejenige des „Kreslan", beider Wege führen nach Rom. —sz. altes. Dokumente des magyarischen Liberalismus. l.Kein hungarischer Brief.) ES ist männiglich bekannt, daß seil der Koalition der alten ungarischen liberalen Partei mit der A b b o u h i - F r a k t i o n, die den Liberalismus von jeher nur saknltackv betrieb, der liberale Grundzug der magbarisebeu Politik immer schwächer und schwächer wurde, und das; er jetzt aus dem veftenWege ist, einen; osfeuen, deklarierten Aurisemitismus Platz zu machen. Das liberale Feigenblatt, das sieh das Kabinett S z e l l bei seinem Regierungsantritte umhängte, har attmählieh sehr hedenlliche Riste bekommen und ist so sebadbafr geworden, das; die jndeiiseindliehe Tendenz der durch das Ministerinin S z e l l inaugurierten und mit erschrecklicher Konsequenz dnrchgesiihrren votirisehen nnd ivirrsehafrliehen Reformen nunmehr in ihrer ganzen N'acktheir zutage tritt. ES vergehe fast keine Woche, mirunter kein Tag, der nicht irgend eine- „Verordnung" oder einen Ministenalerlas; brächte, deren Svitze lieb direlr gegen die Fuden richtet. Fa, die meisten dieser oberbehördliebeii Bersügnngen beschäftigen sich auch erpressis verbis mir den Fnden und sind auch an die „Bürger israeliriseher Konfession" die Aebtimg, tvelebe die niigarische Regiermr,; den ansschliesstich mit Iden Fnteressen des Fndentnms beschäftigend!',: Tages- und Wochen- > blättern entgegenbringt. Das nngarisehe .Handetsiniiiistcriiim ge- I ivährr beinahe jeder F.eitimg. die sich mir irgendtvie mit Politik besagt, eine oder aneh mehrere Fahressreikarten ans sämtlichen Linien der k. nng. Staatsbahnen, wogegen die betreffende F^itnng die Berpftiehtnng überniinmt, die Fahrpläne der Sraatsbahnen zu publizieren. Dieser Begünstignng ivaren bis zum Regierungsantritte des Kabinetts S z e t t auch die jüdischen Blätter teilhaftig, erst der Aera des „Rechtes, Gesetzes und der (stereebtigteit" ivar es borbehatten, die jüdischen Tagesnnd Wochenblätter von dieser Begünstigung anszilsehliesten. Während der „Krestan", ein ivöchentlich erscheinendes antisemitisches SchmntzblatF der Begünstigniig für ivürdig erachtet ivnrde, konnten die jüdisebeit Blätter dieselbe nicht erreichen. Auch ihre geineinsame Eingabe a:t den HandelSministcr I Lang, in welcher sie darauf hiniviesen, das; diese 'stiriicksetzlnig eine; nnberdienre Erniedrignng der israetiti'chen Konfession in sich schlies;e,i blieb unberücksichtigt.! Diese der jüngsten Nummer der „tl.W." entnonnnenen Taten! beiveisen zur Genüge, lvie iveit es mit dem Liberalismus in ttngarn her ist. lim aber deren Bedennmg für die iiinslige Gestaltung der sage der Fnden vollständig zu begreifen, im;ü man den Ursprung, die Genesis dieser Berordnnng tennen. Die antisemitische BolkSpartei in Ungarn hat sich mir denn ziigestandenen -stvecke gegründet, durch Gründung christlicher Geadressierr. Wir rvolten hier einige der neueren B'ersiignngen dieser Art! nossensehaften den ivirtsehasrlichen Ruin der Fnden herbeizusiihren.! reproduzieren: Sbgleieh mm diese Genosfensebasten zufolge der Korruption ihrer > nmaramm (Gelegenheit, Ham an feines ganzen Nimbus zu berauben und Von allgewaltige'!! Gwßkanzler des Königs in keineswegs heroischen Posen zu zeigen, bietet der Sturz desselben Var. Mir zahlreichen Cinzelzügen, die des komischen Anstriches nicht entbehren, stattet die volkstümliche Ueberlieferting oiesen aus. Als sieh Hainau, schweren Herzens dom Aufträge seines Königs gehorchend, zu dem von ihm so gehalsten Mordeehei begibt, trifft er diesen gerade in einen (Gebetlnantel gehüllt betend an. Er, der zu befehlen gewohnt ist, dein bis seht allseitig gehtildigt toorden, er, Der große Haman, muß tvauten und vertreibt sich die steil, so gut es eben geht, tm (Gespräch mit den Sehülern Mordeeheis. - — Eichlich hat dieser sein Gebet beendigt, aber den; tvie aus Nadeln stehenden Haman ist es noch immer nicht vergönnt, sich seines entwürdigenden Auftrages, wie er es gerne möchte, so sehnell als möglich zu entledigen. Mordechei wünscht zuerst ein Bad zu nehmen, da es doch, wie er meint, eine Mißachtung der Majestät des Königs wäre, sieh dessen Getvünder so ohne tveiteres anlegen zu wollen. - Aber es ist kein Bademeister zur Stelle, und so muß Haman im eigenen Interesse dessen Dienste besorgeir, um schneller fertig zu werden. Doch!, lvie einen das Pech verfolgt! Jehl ist tviederum kein Haarsehneider anszntreiben, twd der große Minister tnuß sieh auch zu diese^ sehmaehvollen^ Handteistnng bequemen. Er seliszt tief anf.^ Was seuf'.st dii. herrsehii ihn Mordechei an, hast du ein solch' kiibst's (Gedächtnis, daß du an deinen ehemaligen Berns vergessen hast? —- Also der allgewaltige Haman -. ein gewesener simpler Haarsehneider! Umso rascher tnird ihilt diese Prozedur gelingen müssen. Endließ kam er zur eigentlichen Aufgabe übergehen. --- Ich bin vom Fasten viel zu sehtvach, gibt seht Mordechei vor, als daß ich ohne jede Beihilfe das Pferd besteigen könnte, lind Haman beugt den Nacken, ans den der Jude Mordechei tritt, um sich in den Sattel zu selstvingen. Gl och ist indessen sein Maß nicht Volt. Ans dem Dornenweg dlirch Susas Straßen, durch die er jetzt seinen verhaßten Gegner mit preisendelt Worten führen muß, gelangt er aneh zu seinem Palaste. Seine eigene Tochter, die nicht aitders jibrr die Gcldherrschafl rm Wiettee Kaha!» Ltiitässtickj der letzten Knttusivalilen hat der famose Wahlaufruf der Nteqiernilizspartei ein brünstiges Loblied ans die edle Wissensehaft der Statistik qesmiqen. Lange aber scheint jene statistische Begeisteriiiig nicht borgehalten z» haben, lieber das StimmenoerHältnis beim Wablgaiig ans der sogenannten allgemeinen Kurie am 2:>. 11. v. F. konnte man seinen Wissensdurst noch befriedigen, über die Wahlen ans der Kurie der H ö l, e r b e st e n e r t e u am 2. 12. aber wurde leine stiffer mehr verlanlbart, trotzdem gerade diese geivis; das regste .Fnt'reste gefunden hätten. W i e v i e l Höherbestenerte haben nch denn zur jüdischen Urne „gedrängt", w i e v i e l Perzent des ivahtbercchtigten Adels haben von ihrem Wahlrecht tvirktieh Gebrauch gemacht?? Die Höherbesteiierten sind ja — frei nach Herrn Kiiltusporstcher Theodor Ritter bon Goldsehmidt — jene Gruppe von Edclmensehen, die an den Gemeiiidegesehicken so brennenden Anteil nehmen — im Gegensätze zu dem viettopsigen Protetariergezücht. das nicht mal so viel Gerneiiisinli anslreibt, um die „fakultative Knttnsstener" von lächerftcheu 10 K. herzngeben-Oder sollten Sie, Herr Ritter Theodor, sich am Ende mit Ihrer Wohtmeiinmg über die Höherbestenerten getärisebt haben nnd nun aus Bertegeuheit die statistischen Wahldaren zrirückhalten? Sie müssen nämlich lvissen» das;!v i r von der naiionatdcmotratisehe» Oppontiou die der Ihre,' entgegengesetzte ileberzengniig hegen, das; io i r die Knrie der Höherbesteuerten im allgemeinen und die ans ihrer Kurie geivählteu Krittusvorsteher i>rsbesondere nicht für einen Segen, soirderu für ein it u h e i l der Gemeinde ansehen. A n f r ü t t e < n müssen wir darum daS jüdische Bvlt non Wien, das; es mir uns die elende Wahtordiinng niedermeint, als der zu Fuß Eiuhersehreiteude sei der Jude Mordechei, schiittereilfertig als Willkommeugruß vom Balkon dem keiueslvegs wohlriechendem Inhalt eines Gesäßes auf des Vaters Haupt hinab, um zu spät erst ihren Irrtum zu erkennen. — Eine solche, etwas burleske steiehiumg des Hamau- Bildes mag dann Anstoß zu jenen zahlreichen anderem Karikaturen dieser Gestalt gegeben haben, lvie sie die übermütig tolke Laune späterer Purimfeier geschaffen hat. Immerhin können sic aber betveisem, daß bem jüdischen Volke nichts ferner lag, als nach Art anderer Völker seinen Todfeinden die erdenklich verwerflichsten Charaktereigeusehastem auzudiehtem, bei ihrer Schilderung die Feder in (Gift und (Galle zu teuicheu. Wenn überhaupt, so war es keine wutschnaubende Nachsucht, die es au fernem Feinde ausließ, es waren höchstens, wie man au diesem einen Beispiel sieht, die feinerem Waffen der Ironie nnb des Spottes, die.es gegen demselben kechrte. Unb für den milden. versöhnlichen Charakter des jüdischen Volkes mag vielleicht jene bekannte Voefchrift der Pnrimfeier zeugen, die jedem verpflichtet, sich! so lauge dem W'eiugemisse hiuzllgebeu.^bis nmn nicht mehr wisse, ob Mordechei oder Haman gepriesen zu werden verdiene, eine Voeschviftl, die insoferue tlur allzu oft ihre Bedcmtung einbüßte, als der Jude ebenso rasch wie gerne, ohne erst des Weines als Hilfsmittel zu bedürfen, jederzeit vergaß, tvas ihm manch späterer Haman zugefügt hatte. iimiiim*«iii w «wi^iWMWiwiiwiirniiia »ii»>tni>i»,«i»tii (Ein Purimspiel aus unseren Tagen in einer nnerhörten Szene.) P e r s o n e n: H e i ii r i ch der De k o r i e r t e, Präsident der anioiionren Republik „Seitenstetten". Lt l f r e d der \\ n g e m ütli cf) e, Nizepräsident. G n st ab D o e i » s, der Bielverspreebende. Marens (kein Epaiigelimann). Theodor R i t t e r v o n S cf) i c n e n g l e i s, cigeiittickier stiegent der Republik-! T h e o d o r v o n ri n d n a eh B e l i e b e n, Kanzler.! S a m. B » r e k, Lieferant.! Nt o i e s, der Hohen Priester. F o s e f D a m u e l, F,anderer und (^esebickireliisehreiber der Reoublit. lBiele Ritrer, kaiserliche Räte. Ein Abgesandter des Volkes.) Orr der Handlung im grössten „kleinen Saal" des Regieruirgshavses. Fm Saale ist alles altdeiitsck): die Ahneirbilder, die Merrseben, die Gesiiiirrnrg und die Wirisebaft.! P v ä side » l: Hoher Rat! Hohe und höhere Besteuerte I Sie I iverden es mir geivis; nicht übeluehrrren, das; ich Sie heute zrr dieser! jüdischen Feier eiugetaden habe. Wie ^ie;ich noch zu eriinierii! ivisseir iverdeir, sind wir Fnden, rind ich bi» i» der glücklichen Lage,! Fhiieir melde» zu töirrreu, das; alle benachbarierr Gtaubeasgemeiirsei,asten imc> dieses Vergnüge» von ganzem Herzerr gönnen. Da:s! Pririnrfest, so lvie Ivir es ansfasse», ist unser ureigenstes Fest. Weun ivir lins daran erinnern, wie vor viele«! tausend Fahren der Börsenjobber H a m a n die .Fudeulose tonirenrinieri hat, bis sie so ivertlov ivnrden, wie heute die Türteirkose, »ud wne damr der roruinierte Börseauer M o r d e eh a i eine günstige Konslnittur benützte lind eine seitdem nicht mehr erzielte Hausse ut Flideiilosen herb ei führte, so das; das Hans Hainau uickst nur selbst über Nacht zugrunde ging, sondern noch viele andere Häuser mit sich ins Verderben rrs;, da! erfüllt sieh unser Herz mit Freude und Da-nt'barteii. Wohl touute! das Fiidenlos seitdem nicht mehr m jenem Ansehen gelangen, nud j haben auch viele unserer Frennde in weiser Vorsicht ihren ganzen Vorrat in diesen Wcrlpapiercn abgesioßen nnd sie in viel wertvollere Kreuzlose eiugeranscht. Wohl ihnen, das; sie den Mut gehabt haben, diese Trausaktioir dlirchzuführeu; >orr sind zu alt dazrn tteberlasseu E jvio dieses Geschäft uusereu Söhncu! Fu diesem Stirne Heists ich j Sie willtomiaeul' Einer alreir Sitte folgend, soll die heutige Fest-! situiug dem Ansuursche von Geseheulou gewidmet sein. (Allgemeiner | Beifall.) Ehe wir jedoch zu dil-seur Festatre schreiten, ivird unser | Sraiißfex*, Herr bom u ir d u >a eh Belieben, die Freundlichkeit i haben, eine eingclanfene Klurd-gebung zu verlesen. V o ii r, ii d n a ch Belieb e n (liest): „Hoher AbraharnbnndeSrat der Republik „SeHtenstetien" im Reiche Wien! Wir,