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Jüdisches Volksblatt · 1903-03-06 · 10 (6.3.1903) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
10 (6.3.1903)
Date
1903-03-06
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 6. März 1903 Nr. 10 bereits vorhanden ist, tvährend das Erfordernis für den Schulbau zum großen Teile gleichfalls durch Spenden aufgebracht wurde und -er allenfalls noch fehlende Nest einstweilen von mehreren Mitgliedern der Kultusbertrctung vorgestreckt werde,: wird. Ein ganz besonderes Verdienst u,n diese beiden Neubaurcn, tvelche für das kultuelle Leben unserer Gemeinde von großer Wichtigkeit sind, hat sich unser Rabbiner Herr Dr. G o l d s ch m i d t erworben, welcher cs wie selten jemand versteht, das Interesse für gemeinnützige und Kultuszivecke wachzurufen. Sabbat- oder Sonntagsruhe? Der dem Reichsrate vorliegende Gesetzentwurf, betreffend die Verschärfung beziehun gsweise Ausdehnung der Sonntagsruhe auf Ge w erbe- und Handelstreibende der im Reichsrate vertretenen Länder verfehlte nicht, mit Recht auf die galizische und Bukowinaer Judenheit einen niederschmetternden Eindruck hervorzurufen. Die gesetzestreuen, religiös lebenden Juden der erwähnten beiden Länder sehen sich durch die verschärfte Maßregel der Sonntagsheiligung vollends in ihrer Existenz bedroht. Bekanntlich befaßt sich der weitaus größte Teil der hierländifchen jüdischen Bevölkerung mit Handel und Gewerbe, der ihnen, nebenbei bemerkt, durch allerhand Schikanen, wie Boykottierung, Beschränkungen u. s. w. verleidet wird. Es ist ferner genugsam bekannt, daß unsere jüdische Bevölkerung, dank ihrer traditionellen Erziehung noch an dem ererbten Glauben ihrer Väter hangend, jede Arbeit beziehungsweise Tätigkeit während 25—26 Stunden wöchentlich, nämlich von Freitag abends bis Samstag nachts, ruhen läßt. Ein Zwang von außenher, auch den Sonntag mit 24- oder 36stündiger Ruhe einhalten zu müssen, würde den völligen Ruin ihres Standes bedeuten. Denn einerseits würden sie dadurch gegenüber dem christlichen, ohnehin allgemein bevorzugten und unterstützten Gewerbetreibenden konkurrenzunfähig gemacht werden, andererseits verlören sie in der Provinz und auf dem flachen Lande jeden Verkehr mit dem bäuerlichen Landwirten, der bei der sontägigen Kirchfahrt hie und da doch Einkäufe beim Juden zu besorgen pflegte. Diese weittragende ernste Bedeutung der geplanten gesetzlichen Maßnahmen einsehend, tat sich in Kolonie« ein Komitee jüdischer Kaufleute zusammen, das eine Petition an die beiden Häuser des Reichsrates gerichtet hat. Die Tendenz der energisch genug stilisierten Petition steht auf dem gesetzlichen Standpunkte, daß die Juden, die nachweislich am Sabbat, also einmal wöchentlich, 25—26 Stunden vollständig ruhen, zu einer weiteren Ruhe, sei es eine soziale oder kirchliche Ruhe, keineswegs verhalten werden können. Vom ethischen und moralischen Gesichtspunkte erblicken die jüdischen Petenten in den geplanten Maßnahmen eilte Vergewaltigung gegenüber ihrer angestammten traditionellen Eigenart, kurzum, der Bogen Druck ist ein Stück jüdischer Geschichte und spricht Bände. Die Petitionsbögen wurden an sämtliche in den erwähnten beiden Provinzen bestehenden 267 Knltusvorstände, an beinahe ebensoviel Rabbiner und Private behufs Sammlung von Maffenunterschriften gesendet und gelangten von 160 Gemeinden bereits erledigt zurück. Das Kolomeaer Komitee, das den Löwenanteil an den Kosten aus Eigenem bestritt, strebt nunmehr nach der Ausfindigmachung einer berufenen galizischen oder Bukowinaer Deputation, die sich der Fahrt nach Wien unterzöge, sowie nach einigen wackeren jüdischen Abgeordneten, die die Vertretung der Petition und Führung der Deputation in beiden Häusern des Reichsrates übernehmen sollen. Die Mühen und Hindernisse, die das Komitee zur Erlangung der Unterschriften zu überwinden hatte, spotten jeder Beschreibung und verdienen, daß deren Charakteristik ein besonderer Artikel gewidmet werde. Aber die jüdische Presse verdient hierbei Tadel, denn außer dem der „Drohobyczer Zeitung" fand sich fein jüdisches Blatt bemüßigt, dieser einschneidenden „jüdischen Frage" besprechend und beleuchtend näherzutreten. Auslands. Zwei Fälle von tausenden. (A n d i e A d r e s s e der „Israelitischen Allianz".) Am Mittwoch den 25. Februar d. I. früh langte ich, von Deutschland kommend, in der holländischen Grenzstation Oldenzaal an und während der Zollrevision fiel mir ein kleiner Trupp jüdischer Emigranten, durchwegs junge Leute, auf. Mich unter diese mischend und sie ausforschend, erfuhr ich, daß fast alle nach London fuhren. Sie legten ihre letzten Groschen zusammen, um die Fahrkarten zu lösen, doch bei einem sah es mit der Kassa schlecht aus. Kaum 6—7 Mark in der Tasche, damit kann man nicht nach London und der Polizist, diese traurige Lage sofort erspähend, mußte, nach seiner Pflicht handelnd, dem blinden Passagier die Weiterreise nach Rotterdam verbieten. Bis Rotterdam hätte der seichte Geldstand gereicht und dort hätten ihn wohl mitleidige Menschen weiter bugsiert, wie ja viele auf diese Weise durchrutschen. Dem halbverhungerten armen Teufel ist das Glück, aus Rußland zu entkommen, wohl hold gewesen und nun, knapp vor dem Ziele, stand er vor dem sicheren Lose, ins entronnene Elend zurückgestoßen zu werden. So verlangt es die humane Gesetzgebung des zivilisierten Europa, welche die Freizügigkeit nur für Menschen kennt, die noch ein paar Kreuzer besitzen, sonst dekretiert sie das Recht auf Hunger. Der Zug war schon zur Abfahrt bereit und der junge Bursche stand verzweifelt am Perron. Die Situation erfassend, trachtete ich helfend einzugrcifen. Einem jungen russischen Kaufmann ans Minsk, der nach Manchester fuhr und schorr bequem int Kupee II. Klasse saß, machte ich es begreiflich, daß es heiligste Pflicht sei, dem Konnationalen zu helfen, und brachte endlich 2 Mark ans ihm heraus. Der Zug dampfte ans der Halle und der arme Bursche konnte nicht mit. Zunr Glück mußte ich in Oldenzaal, wegen meines Gepäcks, von Zug zu Zug bleiben und konnte Rat schaffen. Der verzagte Mensch hatte auf seiner ganzen viertägigen Reise von Warschau bis Oldenzaal von einer Mark gelebt; ich ließ ihm also zuerst Essen geben und ging ins Städtchen auf die Suche. Die Kaufläden musternd, hoffte ich ein Manufaktur- oder Kleidergeschäft zu entdecken. Richtig sehe ich eine hübsche Handlung mit dem Firmenschild Koben. — Gerettet! — Ich hinein, schnell die Sachlage erzählend, werde ich an einen Herrn F r a n k, Lehrer und Kantor, gewiesen. Nun zu diesem. Kurze Erklärung und wir gingen zur Bahn. Mit vereinten Kräften ergänzten wir den Fehlbetrag, kauften Proviant für die Reise und nun konnte der Mann nach Landen. Die Tränen rannen ihm von den Wangen und mit schluchzender Stimme stammelte er in seinem schwer verständlichen Jargon seinen Dank. Ich wehrte energisch ab, denn ich tat nichts als meine Pflicht, aber innerlich empfand ich darüber ein unsagbares Wohlbehagen, einen Menschen den Fangarmen der russischen Barbarei entrissen zu haben. Nun die kurze Geschichte: Berl Z., 19 Jahre alt, seit seinem fünften Jahre gänzlich verwaist, kann nur jüdisch lesen und schreiben, Holzschnitzer für Möbeltischlerei, seit einem Jahre ohne Verdienst, ging er „schwarz" über die Grenze, um nach London zu entwischen, wo schon einige Fachgenossen Arbeit gefunden haben und deren Adressen er erhielt. Hoffentlich geht er im Londoner Menschenmeer nicht unter. Ich sitze im Wartesaal bei einem Imbiß — da kommt der Polizist nochmals an mich herangekeucht: „Herr, was sollen wir tun, in der Baraka — Arrest — sitzt noch so einer, der nach London will, seit drei Tagen, der hat keinen Cent (Kreuzer), den m ü s s e n wir heute zurückschicken — Das sind die Gestalten, wie sie uns Gorkij in seinem „Nachtasyl" meisterhaft schildert. Lehrer- Frank jammerte, daß die kleine, arme Gemeinde fast täglich helfen soll und nicht kann. Sie gründeten einen Passantenverein, aber die kärglichen Mittel können nur geringe Hilfe bringen. Noch gibt es krasse Mängel in der Organisation der Auswanderung, denn sonst dürften solche Fälle nicht Vorkommen. So ist z. B. für Rat und Hilfe an den Grenzplätzen sehr mangelhaft oder gar nicht vorgesorgt und für die Beträge, um welche die Leute beim Geldwechseln geprellt werden, könnten schon viele Hungrige gelabt werden. Auf der deutschen Grenzstation Emmerich, ein Hanpiplatz der Emigration, ereignen sich allwöchentlich die schauderhaftesten und widerlichsten Szenen; dabei werden die armen, unbeholfenen Unglücklichen von den den Perron füllenden Gaffern, lauter Bahn- und Postbedienstete, ausgelacht und verhöhnt. Ja, im Reiche der Gottesfurcht und guten Sitte ist es herrlich! Ich konnte ganze Spalten füllen, wollte ich alle meine diesbezüglichen Erlebnisse erzählen. Vielleicht tragen diese Zeilen dazu bei, daß die Unglücksmenschen nicht jedem Zufalle preisgegeben werden und die Planlosigkeit in der Wohltätigkeit einem besseren System Platz macht. Mein unmaßgeblicher Vorschlag geht dahin, daß die „Israelitische Allianz" in den wichtigsten. Grenzstationen Vertrauensmänner aufstellt, welche einigermaßen dotiert sein müssen, um kleinere Hilfe schnell leisten zu können, und die Behörden müßten angegangeir werden, in jedem Falle die Intervention des Vertrauensmannes anzurufen, bevor mit Zwangsabschiebnngen vorgegangen wird. Die „Allianz" hat zwar in mehreren Hauptplätzen ihre Filialen, aber an einer richtigen Organisation fehlt es trotzdem, sonst könnten solche Vorkommnisse nicht an der Tagesordnung sein. Viele Tausende rinnen jährlich durch die Finger, ohne dem wirklichen Zweck zugeführt worden zu sein, und wie leicht ist es, mit wenigem zu helfen, denn: Wer schnell gibt — gibt doppelt. Mögen meine Anregungen auf fruchtbaren Boden fallen. Den Haag, Ende Februar. Heinrich Sonn Wald. Antisemitismus und Protestantismus. Dev Herr Pastor Wallenstein aus Niederau in Sachsen unternahm jüngst! eine Reise durch „Deutsch-Böhmerland" und erzählt nunmehr in einer „Gustav Adolf-Festschrift" seine „Reiseeindrücke von der evangelischen Bewegung". . Der Herr Pastor fährt zunächst nach Karbitz und traf mit einer Gesellschaft von deutschen Frauen und Jungfrauen zusammen. Er erzählt: „Im gemeinsamen Wandern wurden die Deutsch-Bohminneu den Reichsdeutschen innerlich nähergerückt. Jene waren stolz auf ihr Deutschtum und bekannten mit freudiger Begeisterung, daß sie bei zwangsloser Vereinigung gern ein deutsches Lied anstimmten mid beim. Singen der „Wacht am Rhein" ihr deutsches Bewußtsein stärkten, „den Deutschen zur Ehr', gegen die Tschechen zur Wehr". Das war zur Zeit, wo Rom zur Niederdrückung seines gewaltigen Gegners, des Deutschtums, es für gut befand, tschechische Priester in rein deutsche Gemeinden zu entsenden. Ta gingen dem biederen deutschen Volke die Augen ans . . . Unsere Begleiter machen uns auf die zahlreicheil Kvhlengeschäfte, als auch auf die mitfahrenden j ü d i s ch e n Gestalten anfnterksain, deren Liberalismus, religiöse Gleichgiltigkeit und Geldwucher so schweres Unheil in'der Verteuerung der voll ihnen mit Beschlag belegten Kohlen und auch sonst im ganzen staatlichen und religiösen Lobeil herbeigefnhrt hat, daß außer Tscheche mld Jesuit auch de r Iub c zu den m i t a 11 er G tut n c h a ß t e n L e u t e n gehört. Es ist eine Llffi, zll hören, wie man hier sinnt lind sorgt, neues Leben zu verbreiten, eiueit Bismarck und Luther dem Volke wert zu machen. Heil Ellch, haltet aus im Kampf und Strauß. Wir Evaugelischeil mv Reiche werden werktätig zur Seite Euch steheil. Lasset llils mit arbeiten am Tortgaug der Bewegung iul Vereill mit! dem Nanleil eitles großen Kölligs!" Hann. Die Lberrabbiner der verschiedenen Konsistorien Hollands finb kürzlich hier zn. ihrem Jahreskongreß beisammen gewesen. Hu den Beratm: gsgegenständen gehörte die Errichtung einer jüdischen Hentral-Irreiinnslalt' nnd die Versorgung der jüdischen Patienten der Lungenheilstätten mit koscherer Nahrung. In Amsterdam besteht bereits eine jüdische Irrenheilnnstalt, nnd im Sanatorium zu Hellendoorn hat sich die kosebere Kost als so zuträglich ertviesen, daß auch anderlvärts dainit Versuche gemacht lvcrden sotten. London. Der Plan znnt Bail eines jüdischeit Mnsenms in London lvird zur Zeit eifrig erwogen. Achnliche Museen bestehen bereits in Paris ltttb Wien: und die jüdische Gemeinde in London, die allein (50 Synagogen in der Hauptstadt besitzt, beabsichtigt, dein gegebenen Beispiel in Kürze zu folgen. Die Veranstalter der Bewegung sind sicher, daß zahlreiche in der Metropole lebende reiche Israeliten, die znn: Teil ganz hervorragende Knnstschätze itt ihren Häusern aufgestnpclt haben, diese der MnsenmSleitnng znr Bcrfügilng stellen werden. Die jüdisch-historische Gesellschaft bringt dem Plane ebenfalls große Sympathien entgegen uild hofft, innerhalb eines Jahres substantielle Resultate borlegen zu können. Ans Rumänien. (Der Senat gegen die Naturalisierung. — W i e es bei uns zugeht.) Eine unaufhörliche Marter für die rumänischen Volksvertreter sind die jetzigen Tage, in welchen sie von ihrem Chef, dem Ministerpräsidenten, den Befehl haben, einer gewissen Zahl von Juden das Bürgerrecht zu gewähren. Was die armen Abgeordneten und Senatoren anszustehen haben! — Finanzielle Interessen, Parteidisziplin, Zutrauen zum Anführer, das sind ja schöne Worte und das alles ist ja richtig. Aber bis wann? Wir halten es auf die Dauer nicht mehr aus. Herr Stourdza fordert von uns zu große Opfer, zu viel Entsagung. Ist es nicht unerhört, daß wir unseren größten Feinden die Tore unseres Rumänentums so ohne weiteres öffnen? Der Spaß dauert uns zn lange; wir werden nicht erlauben, daß man uns so viel Humanität und folglich so wenig Patriotismus zumute! — Und die sonst so gehorsamen Volksrepräsentanten beginnen zn murren und geben ihrem Chef zn verstehen, daß er ihre Geduld auf eine zn schwere Probe gestellt habe. Aber es lvird gerufen: Znr Urne! Die Abgeordneten werfen der Ministerbank einen stehenden und fragenden Blick zn, man sie jetzt wohl von ihrer Qual befreien werde. Nein! geben die strengen Züge des Parteichcfs znr Antwort und wieder müssen die armen Abnnd llntergeordneten so einen verdammten Juden als ihren Mitbürger anerkennen. So ging es bis vor einigen Tagen zn. Da hielten die Senatoren, also die Gescheiteren, Rat und fanden einen schlauen Ausweg. In einer der letzten Sitzungen des Senats erhoben sich mehrere Mitglieder und protestierten gegen gewisse im Publikum verbreitete Gerüchte, wonach die Juden sie bestochen hätten p namentlich sollen manche Bewerber ums Bürgerrecht in einer Bank den klingenden Lohn für den kleinen Dienst der Senatoren erlegt haben. Es entspiimt sich eine heftige Auseinandersetzung, während welcher die Volksvertreter selbstverständlich ihre Unschuld beteuern. Und die Folge? Die zwei in Rede st eh enden jüdischen Bewerber wurden abgewiesen. Daß diese gar nichts dafür können, wenn boshafte Gerüchte ausgestreut werden, ist den Senatoren einerlei. Die Gelegenheit, gegen die Juden aufzutreten, war da, und die Senatoren wollten sie nicht versäumen. — Nachher kam aber der bittere Augenblick, in welchem die alten Jünglinge vor dem Antlitze des strengen Schulmeisters erscheinen mußten. Schweigend und gesenkten Hauptes sollen — nach einer rumänischen Zeitung — die schuldbewußten Frevler folgeudert Wutausbruch angehört haben: „Es ist unsäglich schwer, mit Ihnen zu arbeiten, meine Herren! Warum wollen Sie denn kein Vertrauen zu mir haben? Von jetzt an verbiete ich wir solche Schauspiele und bitte Sie, mich allein so regieren zn lassen wie es mir gut dünkt!" Da jetzt unsere Naturalisierung in Rumänien an der Tagesordnung ist, will ich ein kleines Detail «rzählen, welches zeigen soll, wie man uns schon bei der Geburt den Weg zur Erlangung der Emanzipation versperrt. Eine der Bedingungen, welche für das Ansuchen um diese Gunst gefordert werden, ist, daß der Bewerber keines anderen Staates Untertan sei. Wenn vor zwanzig oder dreißig Jahren ein jüdischer Vater sein Kind in die Bücher des Zivilstandesamtes eintragen ließ, pflegte er, bei der Erfüllung dieser ihm lästigen Pflicht, gewöhnlich nicht das aufgenommene Protokoll zu lesen, bevor er es unterschrieb. Jetzt, da der Sohn um die Bürgerrechte ansuchen will, stellt sich heraus, daß er in den alten Geburtsregistern als ö st e r r e i ch i s ch e r, russischer oder türkischer Untertan eingetragen ist. Erstaunt über eine solche Erklärung, die er nie abgegeben hatte und die mit den Tatsachen gar nicht übereiitstimmte — denn der Betreffende war niemals etwas anderes als rumänischer Untertan gewesen — protestiert der Vater bei den Behörden, welche aber ganz gelassen ihm das Buch Vorhalten: „Ist das nicht Ihre Unterschrift?" Diese schmutzige Schwindelei ist letzthin in bieten Fällen — allerdings vergebens — entdeckt worden und zeugt von der Vorsicht der rumänischen Befehlshaber, welche sozusagen schon in ovo den neugeborenen Inden ungefährlich zu u.achen wußten. Dieses kleine Beispiel soll nur zeigen, mit welchen im Auslände nirgends angewendeten ritterlichen Waffen man uns bekämpft. B. L i b r e s c n. Bücher-Einlaus Reifeskizzen ans Rumänien. Von Dr. Hugo Ganz (Wien)4 Verlag S. H. Hermann, Berlin. Eine anregende Beschreibung des Landes, >vie sie sich im Kopfe eines geistreichen Mannes entwickelt, der in: Schnellzug erster Klasse oder im Fiaker ein fremdes Land durchfliegt. Die Skizzen sind ans der „Frankfurter Zeitung" bckannt nnd bietet: unserett Lesern, die dttrch zahlreiche Artikel mit den rninänischeu Verhältnisse!: vertraut sind, nichts Neues, mit Ausnahme der stets wiederkehrenden HiiUveise ans Ungarn, das nach Ansicht des Antors ein kulturell hochstehender, höchst toleranter Mnsterstaat ist; man merkt» daß Ganz da pro dotno spricht. Wir würden damit unsere Kritik schließen, wenn nicht das Kapitel „Jüdische Wohlfnhrtspeslrebnngen" eine eillschiedene Zurückweisung erforderte, eint Kapitel, das überdies in: flngranten Widerspruche zu den: übrigen!

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