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Jüdisches Volksblatt · 1903-03-06 · 10 (6.3.1903) · p. Seite 7

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
10 (6.3.1903)
Date
1903-03-06
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 10 Wien, Froilag J ü <i i sc lies Volks!)! oft. 6. März 1903 Seite 7 Inhalt steht und eigens ad nsnm cnnts dam delphini gearbeitet zu sein scheint. Er sagt: „Lange Jahre war vom Antisemitismus überhaupt nichts zu verspüren. Vor zehn Jahren konnten die Inden noch rumänische Patrioten sein." Das ist einfach nicht w a h r. Herr Ganz braucht nicht zu wissen, lute es in Rumänien vor dem Jahre 1902 aussah, aber lvcnn er solche Behauptungen in die Luft setzt, sollte er sich erst informieren. Wir können ihm mit Schilderungen aus dem Jahre 1885, aus der Zeit des „liberalen" Ministeriums B r a t i a n u , dienen. Dutzendweise kamen schon damals Plünderungen, Mißhandlungen der Juden durch Beamte und I-u d e n a u S w e i s u n g e n vor; in diesem Jahre wurden z. B. Dr. Gastcr, Dr. Schlvarzfcld, Broeiner, Armand Levh, Michal Asiel ausgcwiesen. G a n z kann also ersehen, das; seit Konstituierung des rumänischen Staates die Inden unter Ausnahniegcsctzcn standen, so daß schon damals unabhängige jüdische Journalisten schrieben: Es gäbe für die Juden kein Heil als die Auswanderung. Doch Ganz braucht diese Annahme für seine Behauptung, daß „es füglich erst so schrecklich geworden sei nach der großen Agrarkrise von 1899, für die nicht eine Regierung (sic) verantwortlich gemacht werden kann, sondern die ganze nichtsnutzige Wirtschaftspolitik der herrschenden Klasse." Aber Ganz geht noch weiter. Er sagt Ivörtlich: „Galizien kennt die rechtlichen Beschränkungen der Juden überhaupt nicht, und das Elend ist dorten nicht so sehr viel geringer als in RumänienI In der Bukowina gibt es nicht einmal faktischen Antisemitismus!! Zahlreiche Juden befinden sich in hervorragcudeu Stellungen und in allen Vertretungskörpern und doch gibt es auch dort ein Judeneleud, tvie es im europäischen Westen ganz unbekannt ist. Die Ursachen der jüdischen Proletarisieruug müssen also auch anderswo, und nicht bloß in Negierungsmatzregeln gesucht werden ... Das innere Ghetto i st die wahre Ursache des I u d e u e l e d s. ad 1. Mit Verlaub. Es ist richtig, daß Galizien die rechtliche Beschränkung der Juden nicht kennt; aber dies ändert nichts an der Tatsache, daß die Juden tvohl nicht de jure, wohl aber de facto aus der Lnndesbeamtenschaft und aus der Lehrerschaft ausgeschlossen iverdeu; dies ändert nichts an der Tatsache, daß der Laudesausschuß, siehe Salzhandel, Kolks roluice, direkt antisemitische Gesetze erläßt oder antisemitische Institute unterstützt. Und das ist die Ursache des polnischen Judeueleuds, der offizielle Asemitismus, nicht „das innere Ghetto". Und ferner besteht zwischen Galizien, wo eine Judeufrage existiert, und Rumänien ein gewaltiger Unterschied. In Rumänien existiert keine Judeufrage mehr, dort ist sie bereits im Sinne der Judeuausrottuug entschieden. falschen Sentimentalität freien Ratschlägen sich an Herrn 2 t o u r d z a, und nicht an die armen Juden wenden, die herzlich gerne alle, von recht westlicher Kultur zeugenden Worte, die Sie an sic richten, befolgen möchten, tvenn sie könnten. Dr. S o f e r. Eingesendet. Aufruf au die jüdisch-akademische Jugend i« Wien! Liebe Kommilitonen! Wie euch bekannt, finden gegenwärtig im Leopoldstädter Tempel Probepredigten statt, tvelche schließlich zur Besetzung mehrerer Rabbinerpostcn in unserer Kultusgemeinde führen sollen. Wir, Angehörige der akademischen Jugend, können diesem Vorgänge durchaus nicht gleichgiltig gegeiiüberstehen, denii die dazu berrifenen Männer werden dem Wiener Judentum mindestens für eine Generation hinaus das Gepräge ihres Geistes ailfzudrücken suchen. Insbesondere wird allgemein verlangt, daß die zuküiiftigeii Rabbiner i,i Wien auch die Gabe haben müssen, die Jugend tvieder zum Judentum ,zurückzilführen. Jii diesem Puiikte begegnen sich unsere innigsten Wünsche iind Bestrebungeii mit den allgemeiii erhobeiieii Forderungen. Die akademische Jugend itt Wien bekennt sich nicht iiur freudig zur jüdischen Ratio n. sie wünscht viclniehr, diesem Bekenntnisse Tiefe und Gehalt verleihen zu sehen. Sollen aber die zukünftigen Seelsorger der Wiener Kultusgcmeinde die Herzen der Jugend für die Ideale unseres Volkes zu gewinnen vermögen, müssen sie selbst Männer sein, tvelche die Fahne des Idealismus stets hochgehalten und nicht auf dem Wege niederer Korruption in ihrem Posten sich eingcschlichen haben. Es müssen dies Männer lauterer, kräftiger Tat und nicht feile, liebedienerische Charaktere sein, Männer, die mit der Kraft des Gedankens uns mit der Macht wissenschaftlicher Tiefe die Jugend zu erobern verstehen und nicht solche, welche durch schale, öde Phrasen die eigene Unwissenheit kunstvoll drapieren und das Helle Bewußtsein der Jugend nur zu umnachten vermögen. Kommilitonen! Unsere teuersten Jweressen stehen auf dem Spiele, vereinigen tvir uns, um unseren wahlberechtigten Wünschen bei den maßgebenden Persönlichkeiten Gehör zu verschaffen, und uns, den Vertretern der akademischen Jugend, soll es gelingen, die gute Sache zum Siege zu führen! Das Komitee. Miltettimgen aus dem Uadlikum (40 000 Kronen) beträgt der Haupttreffer der Wärmestuben- Lotterie. Wir machen unsere geehrten Leser daraus aufmerksam, daß die Ziehung unwiderruflich am 29 .April 1903 stattsindet und sämtliche Treffer von den Lieferanten mit 10 Perzent Abzug bar eingelöst tvcrdcn. Ziehung unwiderruflich 23. April 1903. Haupttreffer Kr. 40.000 Kr. r08rn>«sr<iI>ek>.lIose ä 1 Mi-oye empfiehlt Wechselstuben-Aktien-Gesellschaft „Mercur“ I., Wollzeile. Sämtliche Treffer werden von den Lieferanten mit 10% Abzug BAR eingelöst. äSSül WILHELM WEISS Nachfolger ÜEäsfiLEL Tailleur Johann Kosteiecky Tailleur III., Radetzkyplatz 2 WIEN »> . Radetzkyplatz 2 Anfertigung nach Mavs aller Gattungen Herrenkleider von einfacher bis zur feinsten Ausführung. Spezialist in englischen Herrengarderoben. Bel auswärtigen Aufträgen genüzt Postkarte. -■= Beleb assortiertes Lager von In- und Ausländer-Stoffen. Für gutes Passen, Eleganz und Dauerhaftigkeit wird garantirt. WILHELM KOHN, behördl. konz. Installateur für Gas- und Wasserleitungen. Bau- und Galanterio-Spenglerei. Niederlage von Gas- und elektrischen Lustern WIEN II., Haminer-Purgstallgasse I (Ecke der Stephaniostrasse). Beste Ausführung von engl. 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Es ist nicht richtig, daß in der Bukowina kein Antisemitismus existiert; richtig ist vielmehr, daß die Juden ihre Stellung in den verschiedenen Vertrctungskörpern nur ihrer eigenen Kraft, ihrer j ü d i s ch nationalen Politik verdanken, richtig ist vielmehr, daß sie diese Stellungen erst im Kampfe mit den Christlich-Deutschen erringen. Richtig ist weiter, daß das Judenelend in der Brigittenau und Leopoldstadt in Wien dem Elend in der Bukowina nichts nach- >gibt. Richtig ist ferner, daß weder in Galizien noch in der Bukowina die Juden in die Städte zusammengepfercht werden. Sie sehen also, dah die Dinge in Wirklichkeit etwas anders aussehen, als sie sich aus dem Kupee erster Klasse ansmalen. Was bleibt also von ihrem „inneren Ghetto" übrig, Herr Doktor? „Das innere Ghetto besteht in der körperlichen Verwahrlosung, der einseitig theologisch spekulativen Denkweise und der vorwiegend merkantilen Beschäftigung der Mehrzahl der Juden, endlich in der Zusammenpferchung in die Städte." Sie erlauben, Herr Ganz, diese Schilderung paßt viel mehr auf die westlichen Juden als auf die rumänischen Juden. Die westlichen Inden sind körperlich heruntergekommen, sie huldigen ^iner philosophisch-spekulativen Denkweise (denn im Grunde verschlägt es nichts, ob man durch Pandekten oder durch den Talmud- -gedrillt wird). Die Beschäftigung ist vorwiegend merkantil und sie werden zivar nicht in den Städten zusammengepfercht, aber es besteht ein natürlicher Zug in die Städte. Die rumänischen Juden bagegen sind, soweit sie nicht am Hungertuche nagen, körperlich gut entwickelt (wenn auch ihre Wohnungsverhältnisse es nicht erlauben, täglich mit Herrn Ganz zwei Bäder zu nehmen), sie beschäftigen sich größtenteils weder mit dem Talmud noch mit den: Pandekten, sie -betreiben vorwiegend das Handwerk (zur Zeit der rumänischen 'Emigration wurde statistisch nachgewiesen, daß es in der Moldau mehr jüdische als rumänische Handwerker gäbe). Der Meister, der sich nur in den Nebenstunden, die das Talmudstudium frei läßt, seinem Berufe hingibt, existiert nur in der Phantasie! Solche Gestalten leben in Galizien, aber nicht in Rumänien. Es geht eben nicht alles nach der Schablone. Also abgesehen von dem Zusammenströmen in den Städten, in dem Ost und West übereinstimmen, patzt ihre Definition von dem „inneren Ghetto" wohl für die die westlichen Juden, z. B. in Wien und Budapest, aber nicht für die rumänischen Juden. Sie, Herr Doktor, verivechseln Ursache mit Wirkung. Die Ursache, daß die Juden Rumäniens heute sich der .„e inseitigen Beschäftigung mit der Gottesgelahrtheit" und den ewigen „Geschäfte n" h i ng e b e n, ist n i ch t d i e ,,D i k t a t u r d e s T a l m u d s", sondern die Ausnahmsgesetzgebung derRegierung, diesie konsequent sowohl von den niederen als auch von den höheren Schulen au ss chli e tzt, die es ihnen unmöglich macht, daß Doktorat der Rechte, eine Apotheke zu erlangen und sie von allen S t a a t s ä m t e r n, vom L e h r a m t e grundsätzlich ausschließt (obwohl es eigentlich überflüssig i st, zu erlvähnen, daß Fremde keine Staatsämter bekleiden dürfen) und die es ihnen verbietet, auf dem flachen Lande und s e i t e i n e m I a h r e auch in d e n M ä r k t e n zu w o hn e n. Also nicht ein den Juden innewohnender Zug, den Sie „inneres Ghetto" zu nennen belieben und den sie kühn als wahre Ursache des Jndenelends bezeichnen, ist die Ursache der „einseitigen Beschäftigüiig der ewigen Geschäfte und der Zusammenpferchung in die Städte", sondern die Ursache sind U k a s e d e r r u m ä n i s ch e n Negier u n g des weisen Königs Carol aus dem Hause Hohenzollern, und diese gerügten Erscheinungen sind, so Iveit sie überhaupt richtig sind, nichts als Wirkung dieser Ukase. Sie sollten also mit ihren wohlgemeinten und von jeder Uilisllungöi, desVereinesfiir unentgeltlich. Arbeitsnachweis. Oer Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien, II., Taborstrasse 59 (Telephon Nr. 13.920) Vorgemerkt sind: I. Klasse: Manuelle Arbeiter. 5 Anstreicher, 6 Aufpappcr, 3 Bäcker, 3 Buchbinder, 2 Buchdrucker, ■ 1 Kartonnagearbeiter, 2 Drechsler, 5 Elektromonteure, 4 Fleischhauer, 2 Friseure, S Glaser, 4 Goldarbeiter, 1 Gürtler, 25 Hausknechte, Geschäfts- und Bureaudiener, 30 Hilfsarbeiter, 4 Hutmacher, 1 Kellermeister, 3 Kellner, 1 Kürschner, 6 Kutscher, 5 Laufburschen, 1 Lederzurichter, 9 Lehrlinge, 1 Magazineur, 1 Maschinist 'und Heizer, 3 Mechaniker, 3 Metallarbeiter, 8 Monteure, 40 Schlosser, 8 Schneider, 2 Schuhmacher, 2 Schmiede, 16 Spengler, 7 Tapeziere, 4 Taschner, 18 Tischler, 2 Uhrmacher, 2 Zimmermaler, tüchtige und verläßliche Hausmeister. II. Klasse: Kaufmännische Angestellte. 4 Brantweiuverschleißer, 2 IBuchhalter und Korrespondenten, 118 Kommis diverser Branchen, 67 Kontoristen und Strazzisten, 3 Inkassanten, 19 Kanzlisten und Schreiber, 4 Manipulanten und Expedienten, 8 Platz-Agenten und -Vertreter, 10 Praktikanten, 13 Reisende. Weibliche Abtheilung. 1 Bonne, 52 Kontoristinnen und Kanzlistmnen, 2 Kravattennäherinnen, 16 Expedientinnen und Manipulantinnen, 3 Hilfsarbeiterinnen, 2 Kassafräulein, 7 Näherinnen und Schneiderinnen, 24 Praktikantinnen, 77 Verkäuferinnen, 4 Verschleitzerinnen, 1ü Wirtschafterinnen und Stützen der Hausfrau. III. Klasse: Geistige Arbeit. 42 Hauslehrer und Hofmeister (meistens Hochschüler, welche Gymnasiasten und Realschüler unterrichten). Offene Stellen. Von männlichem Personal: Mehrere Herrenschneider, Damenschneider, Koffermacher, 1 Maschinschneider für Wäsche, 1 Monogrammsticker, 1 Werkzeugmacher auf Stanzen und Schnitte, 1 Brennereileiter (nach Ungarn, ungarisch in Wort und schrift), 1 Kommis der Ledergalanteriebranche (englische und französische Sprachkenntnisse), mehrere Spezerei-Kommis, Kontor- und Lager-Praktikanten. Von weiblichem Personal: Mehrere Bonnen, 1 Maschinstrickerin, 1 Verkäuferin der Deliaktessenbranche (nach auswärts). €rste grünncr jfaes-fibrik In Brünn einzig bestehend. Gegründet 1872. Ich orlauhe mir, das geehrte P. T. Publikum auf meine, durch ihre vorzügliche Qualität allbekannten, unter streng ritueller Aufsicht in zwei Sorten erzeugten ma aufmerksam zu machen. Dieselben sind bei meinen hiesigen Filialen oder auch direkt bei mir erhältlich. Besonders bitte ich, darauf zu achten, dass die Werenpakete meiner Fabrihate mit folgender Geschäftsstampigiie versehen sein mllssen: Mit der Versicherung, alle Aufträge bestens zu effektuieren, zeichnet hochachtungsvo11 Rosa Kessler Brünn, Dornichgasse 11. Rosa Kessler mH» MAZZES-BÄCKEREI Brünn 19. Dornichgasse 19. Telephon Nr. 16.836. Telephon Nr. 6.836. Engelbert Gellner Speditions- und Verzollungs-Qeschäjt. - - Sammelladungen, Einlagerung und Verteilung vöü Waggonverladungen nach allen Richtungen des In- und Auslandes. 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