Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 10 (6.3.1903)
- Date
- 1903-03-06
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 6. März 1903 Seite 5 Die zweite ordentliche Generalversammlung des „Creditinstitut für jüdische Gewerbetreibende und Beamte" findet eihgetretener Hindernisse wegen nicht am 8., sondern erst am 16. d. M. im Stiftersaale des Kaufmännischen Vereines, 1. Bez., Johannesgasse 4, statt. Die philosophischen Vorträge des Herrn Dr. B. Wachstein in der Lese- und Redehalle jiidischer Hochschiiler. Mit denr Vortrag über David Hnme schloß Dr. Wachstein seine philosophischen Kurse rn -er „Lese- und Rede-Halle jüdischer Hochschiller". Es war em glücklicher Gedanke des Prelegenten, arrs der Geschichte der Phuosophie die Gruppe der Philosophen vorzusühren, t>ei welchen das Problem der Erkemltnistheorie einen wichtigen Teil ihres Systems abgibt. Wenn die Philosophie zu unserer Zeit wieder zu Ehren komnrt, zit Ehren auch in den rigorosen und spröden Fachkreisen, so ist der Grund hiervon die zwar mühsam sich durchdringende, aber umso nachhaltiger rvirkendc Einsicht der Unentbehrlichkeit der Philosophie als Erkenntniskritik. Da ist es selbstverständlich von Interesse lind von Wichtigkeit, die geschichtlichen Vorläufer, ja Initiatoren dieser ganzen Richtung ins rechte Licht gerückt zu seheii. Man ist nicht ivenig überrascht — zumal man sich gewöhnt hat, das Erkenntnisproblem an das Auftreten Kants anzuknüpfen — zu erfahren» mit welcher Intensität, Kühnheit Nlid Schärfe Männer wie Baco von Veriilani, Descartes, Locke, Berkeley, Hiilne dieses Gebiet behandelt haben. So sehr es dem Zweck der Vorlesungen entsprechen mochtedaß der Gegenstand rein sachlich, instruktiv erörtert werde, so erhielten dieselben ihre besondere Färbung, durch die stark ausgeprägte Eigenart des Vortragenden. Es lag darin ein besonderer Reiz, zu beobachten, wie derselbe bemüht war, zugunsten einer objektiven Darstellung die eigenen Anschauungen zurückzuhalten, was ihm — glücklicherweise —> nicht immer gelingen wollte. Und so leuchtete über dieser gleichsam durch die Natur der Sache vielfach gebrochenen Welt ein Schimmer einer lebendig empfindenden positiven Anschauung, die noch durch ihre angedeutete Beziehung auf einen Denker, der aus diesem Zusammenhang wegblieb, wesentlich gehoben ward: Varuch Spinoza! In einem besonderen Vortrage gedenkt Dr. Wachstein diesen Denker zu behandeln. Vielleicht entschließt er sich, diesen Vortrag, auf den man mit Recht gespannt sein darf, vor einem größeren Publikum zu halten. B. T. Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Sonntag den 15. Februar sprach Herr Wolf Pappen h eim im Festsaale des „Jüdischen Volksvereines" über den ehemaligen Frankfurter Rabbiner Samson-Raphael Hirsch. Er zeichnete den Lebenslauf dieses Großen in Israel von seiner frühesten Jugend an, als er noch zu Füßen des Ehacham Bernays saß, von seinem ersten Auftreten in der .Oeffentlichkert als großherzoglich oldenburgischer Landesrabbiner bis zu den Schöpfungen, die ihn noch heute überdauern, er schilderte die gewaltigen Kämpfe, die er für die Verteidigung und Festigung des orthodoxen Judentums in Deutschland gefuchten und die herrlichen Siege, die er in diesen heiligen Kämpfen errungen und die ihn für ewige Zeiten mit der Gloriole eines der erfolgreichsten Wiederbeleber echt jüdischen Geistes umgeben, er besprach die hervorragendsten Werke Hirsch', seinen Kommentar zu Bibel und Psalmen, die neunzehn Briefe, den Choreb, die von ihm redigierte Zeitschrift „Jeschurun" und verstand es, seine geistvollen Ausführungen mit interessanten Darstellungen der jeweiligen deutschländischen Gemeinde- und Einzelverhältnisse zu durchsetzen, die Herrn Pappenheim als ausgezeichneten Kenner jüdischer Geschichte bis in die kleinsten Einzelheiten erscheinen ließen. Ueber den formvollendeten Vortrag gab es nur ein Urteil: Es war ein Vortrag, würdig des Großen, dem er gegolten. Zum Schlüsse bereitete ihm die Zuhörerschaft rauschende Ovationen. — Sonntag Den 8. März Vorlesung des Herrn Dan. S. A l b a ch a r y: „Spaniolische und deutsche Juden". Ort: Festsaal des „Jüdischen Volksvereines", II., Leopoldsgasse 49. Beginn 3/ß Uhr abends. Gäste herzlich willkommen. Die Probepredigten im „Wissenschaftlichen Klub". Professor D e l i tz s ch hat mit seinem „Bibel und Babel" schwe - gesündigt, daß er aber so schwer gestraft wird, hat er jedenfalls nicht verdient. Wer immer bis zur Stunde durch eigene Leistungen sich einen Namen nicht zu erwerben vermocht hat, der rückt seinen Topf einfach an Delitzsch' noch nicht verglommene Asche und braut sich seinen Weisheitstrank zurecht. Das war der einzige Eindruck, den Dr. Feuchtwang mit seinem Vortrage bei dem Urteilsfähigen zu erzielen vermocht hatte. Die selbstgefällige Weise, mit der er sich in die Reihe der zu Worte berufenen Assyriologen stellte, die vornehme Art, mit der er Lob und Tadel unter seinen angeblichen Kollegen in der Babylonerei austeilte und die Bescheidenheit endlich, die ihn dann wieder sein eigenes Licht unter den Scheffel seiner großen Lehrer Jul. O p p e r t, Geheimer Regierungsrat Eberhard Schräder u. s. w. stellen ließ, erweckte bei den anwesenden Stammesgenossen manch bedenkliches Kopfschütteln, stieg aber einem Teile der anwesenden Arier dermaßen in die Nase, »daß sie, ohne mit ihren Gefühlen zurückznhalten, den Saal verließen. Herr Dr. F e u ch t w a n g hat seinen Anhängern nun die Sache noch mehr erschwert. Wären dieselben seinerzeit anwesend gewesen, als im »Jüdischen Volksverein" ganz ohne Pose und Selbstberäucherung dasselbe Thema schlecht und recht vom Laienstandpunkte behandelt wurde, so hätten sie selbst einseh-n müssen, welch ergibige Seiten einem solchen Stoffe selbst abgewonnen werden können und wie spröde und abgeschmackt sich das alles in der F e u ch t w a n g'schen Darstellung ausnahm. Im „Jüdischen Bolksverein" wurden alle die Fragen für jedermann verständlich heransgestelll: Delitzsch' falschen und einseitigen Auffassungen gegenüber der wahre Standpunkt der Bibel, Zug um Zug in einfacher verständlicher Weise beleuchtet. Hier aber wurde das Publikum liach einer vollständig verfehlten nnd zwecklosen Einleitung über alle möglichen Dinge aus der Altertumskunde, über die in jedem Konversations- Lexikon nachgelesen werden kann, mit der Deklamation der endlosen Litaneien ans den babylonischen Schöpfungs- und Sündflntmyten bis zur Verzweiflung gelangweilt. Die Heranshebung der charakteristischen Züge drüben und die Entgegensetzung der biblischen Berichte hüben, fehlen gänzlich. So hat denn der Vortrag zu gar keinem Ergebnisse geführt, das Jndcntltm war bei demselben schlechter weggekommen, als es dazngekommen war. Der mitanwesende Dr. G ü d e m a n n jedoch hat alle Ursache mit seinem Schützling zufrieden zu sein, denn der hat sich die Gelegenheit nicht nehmen lassen, seinem Protektor unter schmeichelhaftester Anerkennung ein seitenlanges Zitat aus deffen „Judentum in den Grundzügen" zu widmen. Eine Hand wäscht eben die andere.?. Z. Wie jüdische Kinder von christlichen Lehrern behandelt werden. Der jüdische Gastwirt Leopold Al. im 16. Bezirke hat einen ztvölfjährigen Sohn. Julius, der die unter der Leitung des Direktors Urban stehende Bürgerschule in der Grundsteingasse besucht. Dreselbe Schule besucht auch der Bürgerschülec B., Sohn christlicher Eltern, welcher wiederholt feiner Entrüstung darüber Ausdruck gab, daß der jüdische Schüler Julius M. beim Verlassen der Schule von mehreren seiner Kollegen oft gehänselt, in rohester Weise beschimpft und geschlagen wurde. Da die Eltern V.'s stets ihr Kind abwechselnd abholteu und dies bemerkten, machten sie die Eltern des Julius M. auf ihre Wahrnehmungen aufmerksam. Von da ab sah sich Leopold M. genötigt, stets seinen Sohn zur Schule zu geleiten nnd ihn nach Schluß des Unterrichts wieder selbst abzuholen. Am 0. Februar stand er tmt 4 Uhr nachmittags wie gewöhnlich vor dem Schulhause, als sein Sohn mit geröteten Augen und hochangeschwollener Wange auf ihn zukam; an der Wange waren deutlich einige Fingerspuren bemerkbar. Auf die Frage, was ihm geschehen sei, antwortete der Knabe, mit dem Finger auf einen eben aus dem Schulhause tretenden Herrn zeigend: „Dieser Herr Lehrer ans einer anderer: Klasse hat mir eine Ohrfeige heruntergehauen l" Daneben stand der Wachmann Nummer 1073, der die angeschwollene Wange gesehen hatte und dem Vater mitteilte, auch er habe oft bemerkt, daß andere Kinder den Sohn des Gastwirtes mißhandelten. Herr M. schritt daraufhin zu dem ihm bezeichneten Lehrer — cs war der Vürgerschullehrer Eduard Malkowsky — stellte ihn zur Rede und ersuchte ihn, sich mit ihm gemeinsam zum Direktor der Schule zu begeben, damit der Vorfall aufgeklärt werde. Der Lehrer ging mit M. zur Kanzlei, allein der Direktor war nicht mehr anwesend. Der Lehrer wollte M. durchaus veranlassen, mit ihm ins erste Stockwerk zu gehen, ivas dieser mit der Begründung ablehnte, er habe nur mit dem Direktor zu unterhandeln. Der Lehrer Malkowsky rief nun dem M. zu: „Das ist eine Frechheit von Ihnen, mich auf der Gasse anzusprechen, Sie Frechling!" Drei andere Lehrer standen daneben. Auf Grund dieser Aeußerungen des Lehrers Malkowsky strengte M. durch Dr. Heinrich Tritsch im eigenen und in seines mißhandelten Sohnes Namen eine Ehrenbelcidignngsklage an, über die vor dem Richter der Josephstadt, Sekretär Dr. Benedict, verhandelt wurde. Der Angeklagte gab ohneweiters zu, den Knaben geohrfeigt zu haben, doch erstens habe derselbe einen anderen Knaben gestoßen und zweitens sei er als Lehrer berechtigt, selbst Kinder anderer Klassen zu züchtigen, gleichgiltig, ob er sie in der Schule oder auf der Straße bei einer Unzukömmlichkeit betrete. Der Richter erklärte erstaunt: „Sie halten sich hierzu berechtigt? Niemand hat das Recht, zu ohrfeigen!" Der Angeklagte wollte eine Verordnung vorweisen, allein der Richter wehrte ab und wiederholte entschieden den Standpunkt des Gesetzes. Malkowsky gab auch zu, dem Vater „Frechheit" zugerufen zu haben, hierfür wolle er den Wahrheitsbeweis erbringen, darin bestehend, daß M. es gewagt habe, ihn, eine Amtsperson, auf offener Straße anzusprechen und ferner, weil er die Züchtigung seines Knaben auf antisemitische Gesinnung zurückführe, ihn daher der Parteilichkeit beschuldige. Der Richter versuchte, eine Versöhnung anzubahnen. Klageantwalt Dr. Tritsch gab an, Herr M. habe ursprünglich gar nicht klagen wollen, was im Interesse seines Kindes begreiflich sei (?), allein, da der Direktor der Anstalt, an den er sich nachträglich wandte, eine solche ablehnte und erklärte, er könne nichts machen, sei er genötigt gewesen, den gerichtlichen Weg zu betreten. Wenn Herr Malkowsky sich entschuldige und sein Vorgehen bedauere, sei er bereit, die Klage zurückzuziehen. Der Angeklagte entgegnet, er wäre bereit, sich zu entschuldigen, jedoch nur unter dem Vorbehalte, gegen Herrn M. die Strafanzeige wegen Amtsehrenbelcidigung zu erstatten, dadurch begangen, daß er ihn in Ausübung des Schulamtes auf der Gasse ansprach und der Parteilichkeit gegenüber andersgläubigen Schülern zieh. Dr. Tritsch lehnte daraufhin einen Vergleich ab. Er sei mit besonderer Schonung für den Angeklagten vorgegangen, denn wenn derselbe als Amtsperson eine so wuchtige Ohrfeige austcilte, so läge eine Mißhandlung in Ausübung eines Amtes (8 331) vor, die umsomehr von Amtswegen zu verfolgen iväre, als der Knabe das Bett Hirten und von einem Arzte behandelt werden mußte. Dieser habe auch ein Purere ausgestellt,, allein es wurde von demselben bisher absichtlich kein Gebrauch ge-' macht, um die Möglichkeit einer gütlichen Applanierung aufrecht zu erhalten. Da der Angeklagte seht mit einer Strafanzeige wegen Amtsehrenbeleidigung drohe, sei der Klageanwalt gezwungen, den Antrag zu stellen, den Akt dem staatsanwaltschaftlichen Funktionär zur Erhebung der amtsivegigen Anklage abzutretcn. Der Richter beschloß, die Verhandlung abzubrechen, um die Ueberreichung des ärztlichen Pureres abzuwartcn nnd dann den Akt dem staatsanwaltschaftlichen Funktionär zrizumitteln. Agitation für Bloch. Ein geheimes Sendschreiben des Dr. Nosenbacher, Präsident der Prager KultuSgemeinde. Dr. Nosenbacher und Dr. Rosenbaum haben folgendes Agitationsschreiben an die böhmischen Kultusgemeinden verschickt: „Antrag aus Subvention eines jüdischen Blattes: Von solchen Blattern erscheint in Böhmen derzeit nur das Blatt „Öesko zidovskö listy“. Die früher erschienenen deutschen Blätter „Jüdische Chronik" und Gemeindezeitung „UnabhängigesJournal" konnten sich nicht halten, wohl hauptsächlich aus dem Grunde, weil sie nur die Interessen bestimmter kleiner Faktoren vertreten haben und dies meist in einer derartigen Weise, daß die ü b e rwiegende Mehrheit unserer Glaubensgenossen durch persönliche Angriffe, maßlose Polemik gegen entgegengesetzte Anschauungen, uqrealisierbarer Projekte abgestoßen wurden. Die Gründung eines neuen Blattes auf Kosten des Bundes ist nach dessen Finanzlage unmöglich. Es wurde beschlossen, wichtige Daten aus dem Vereinsleben durch Besprechung in der auch in Böhmen verbreiteten Vloch'schen Wochenschrift und den „Cesko zidovskd listy“ zur allgemeinen Kenntnis zu bringen und auf etwaige erfolgversprechende Anregungen in diesen Blättern Rücksicht zu nehmen. 2. Bekämpfung des Antisemitismus auf dem Lande: Der „Gemeindebund" hat bisher schon durch sein Rechtsschutz-Komitee in allen Fällen nach Zulaß der Gesetze eingegriffeu, wo ihmein antisemitischer Angriff signalisiert wurde, und wird dies auch fernerhin bereitwilligst tun. Es ist demselben unmöglich, selbst die Presse auf dem Lande zu überwachen, er „rußte sonst alle antisemitischen Blätter abonnieren und stets durch ein Bureau durchlrsen lassen. Wir glauben, daß es Sache der Kultusgemeinde und der Einzelnen, an deren Sitz ein solches Blatt erscheint, ist, diese Ueberwachung zu üben und bezügliche Artikel, bei denen eine Remedur möglich ist, dem „Gemeindebunde" einzusenden." Eröffnung einer jüdischen AlterSversorgnngö-Anstalt. Sonntag den 1. März, 11 Uhr vormittags, wurde hier in überaus feierlicher Weise die von dem verewigten Ehepaare Max und Johanna Rosenthal mit dem Aufwands von 160.000 Gulden gestiftete Versorgungsanft alt für alte erwerbsunfähige Glaubensgenossen eingewoiht. Zu der weihevollen Handlung hatten sich in Vertretung der Statthalterei Graf P ö t t i n g-P er s i n g, andere hohe Beamte der Landesstelle, der Vizebürgermeister R o h r e r in Vertretung der Stadt, hohe Finanz-, Landes- und Polizeibsamte, der Stiftungs-Repräsentant Dr. Ho Le, der Vorstand der Kultusgemeinde, sowie Vertreter der israelitischen Wohltätigkeisvereine und »in zahlreiches, aus Damen und Herren bestehendes Publikum eingefunden. Der Obmann des Stiftungs-Kuratoriums Herr Doktor H. F i a l l a begrüßte die Festgäste init beredten Worten und lud daun Herrn Religions-Professor Dr. M. Grünfeld ein, di» Weiherede zu halten. Von dem Verse ausgehend: „Wenn der terr ein Haus nicht bauet, vergeblich mühen stch daran die rbeiter", beleuchtete der Redner das Wesen dieser Stiftung, die ein nachahmungswürdiges Bild der Menschenliebe sein soll, die von unseren Propheten immer verkündet wurde. Die Weiherede, welche auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck machte, schloß mit einer „Haskarah" der verewigten Stifter. Hierauf wurde das Haus, das vorläufig sechs Stiftlinge beherbergt, besichtigt und allgemein waren die Worte der Anerkennung über die fast reichlich zu nennende Ausstattung der ebenso lichten als schönen Räume. Dann wurde vomOberkantor Helle r das Mmchah- Gebet rezidiert. Die Feier schloß mit dem Gebete für den Kaiser, nachdem schon früher der Segensspruch „Rer Tomid" gesagt worden war. Das Rosenthal'jche Stistungshaus hat einem Bedürfnisse in unserer Gemeinde abgeholfen. Möge bald der Bau eines Waisenhauses und eines Spitals folgen. Wien. (W o ch e np r o g r a mm der „Jüdischen Toynbee-Halle", 20. Bez., Karajangasse 20, 3. Vereinsjahr.) Sonntag den 9. März: Dr. Sig. Werner „Die Frauengestalten Komperts". — Montag den 9. März: Dr. Heinz Kohn „Alls dem Rechtsleben". — Dienstag den 10. März: Hr. Hans Fischl „Von Wiener Judenfciedhöfen". — Mittwoch den 11. März: Dr. Leopold Kahn „Moses Chaim Luzzatto". — Donnerstag den 12. März: Wegen des Fasttages geschlossen. — Freitag den 18. März: Hr. M. G. Mehrer „Bibel-Erklärung der Sidra". — Samstag den 14. März: Konzert. Die Vereinigung jüdischer Hochschiller aus den südflavischen Ländern „Bar Giora" hat ihr neues Lokal 8. Bez., Langegasse 16, T. 1 bezogen. Alle Zuschriften sind dahin zu richten. Vorträge. Dienstag den 3. März hielt Herr U p r i m n y im Einzelvereine „Wien" des „Zion" einen Vortrag über „Börne und die Juden", welcher mit großem Beifalle ausgenommen wurde. Nächste Woche Dienstag den 10. März hält Herr Moritz Ehrlich im Vereinslokale, 2. Bezirk, Augartenstraße 47, .Cafe Augartenbrücke, einen Vortrag über die „Megila". Beginn 8 Uhr abends. G. W. Olmütz. Das verehrte Präsidialmitglied unserer Krrltusgemcinde, Herr Bernhard Kaufmann, feierte am vergangenen Sabbat seinen 60. Geburtstag. Ein Angehöriger der gleichnamigen hervorragenden Familie in Kojetcin, hat er, den Traditionen derselben stets treu, das innige Heimatsgefühl zu seiner Gemeinde nicht nur äußerlich gezeigt, sondern bei allen Gelegenheiten tätig bewiesen und wirkt nunmehr durch mehrere Jahre tu unserer Kultusvertretnng segensreich in Begeisterung für unsere Religion, ihre altehrwürdigen Institutionen mit echt jüdischem edlen Herzen, mit offener Hand, die doppelt gibt, weil sie schnell gibt. Die Achtung, die er sich hierdurch erwarb, zeigte sich an wirrem Ehrentage durch die vielen Gratulationen, die er von Näh und Fern erhielt. Eine besondere Ehrung und Auszeichnung wurde ihm zuteil durch die Ileberrcichung des „Morenu"-Diplomes mit einem passenden Bibclgcschenk durch unseren Rabbiner Dr. B. Oppenheim. Von Seiten der Kirltusvertretung wurde ihm mit anerkennenden Worten eine prachtvolle Adresse überreicht, eine Deputation des isr. Frauenvereines, wie auch die Vorstände aller anderen Wohltätigkeitsvereine gratulierten in herzlichster Weise. Mit tiefer Rührung und innigem Danke nahm Herr Kaufmann diese ehrenvollen Beweise der Achtung entgegen und spendete den verschiedenen Gemeindernstitutionen und Annen namhafte Beträge. Möge es ihm vergönnt sein, noch lange Jahre, vereint mit seiner treuen Gattin, zum Wähle unserer Gemeinde und zur Ehre des Judentums zu wirken und zu leben. O. Prag. Der Verein jüd. Hochschüler „Bar Kochba" hielt am 22. Februar seine Generalversammlung ab. Obmannstellvertreter JUC. Arthur Bergmann eröffnete die Versammlung, worauf der Obmann JUC. Ernst Gütig den Rechenschaftsbericht über das 20. (Winter-)Semester erstattete. Aus ihm geht hervor, daß die Vercinstätigkeit eine sehr rege war. Cs wurden 12 Vereinsabende abgehalten, an denen Vorträge und Diskussionen stattfanden. Die Vorträge behandelten: „Die leitenden Ideen der Emanzipation" (phil« Bergmann), „Die Entwicklung des zionistischen Gedankens" (JUC. Gütig), Vrchlickys „Bar-Kochba" (techn. Wetzl), „Die Emanzipation der böhm. Juden" (chem. Bondy), „Die demokratisch-zionistische Fraktion" (JUC. Gütig), „Die Frau in „Monna Vannä" (Frl. Jda Dresdner). In die weitere Oeffentlichkeit trat der Verein durch Veranstaltung eines Rezitationsabendes jung-jüdischer Dichtungen und eines Kränzchens, das für die Unterstützungseinrichtungen einen Betrag von 1400 K. abwarf. Die Mitglieder beteiligen sich an den Arbeiten des Vereines für jüdische Statistik und der hiesigen Tohnbee- Halle. Gemeinsam mit den jüdischnationalen Studenterc der anderen Universitäten Oesterreichs überreichten wir derr akademischer: Senaten der vier Prager Hochschulen ein Gesuch um Anerkennurrg der jüdischen Nationalität. Die 1300 Bände zählende Bibliothek verlieh im Laufe des Wintersemesters 870 Bücher cm Mitglieder und Nichtmitglieder, ist also die am stärksten frequentierte jüdische Bücherei von Prag. In Anerkerrnung dieses Umstandes hat die Prager israelitische Kultrisgemeinde unserer Bibliothek eine Subvention von 100 K. zugeführt. Irr unserem Lesezimmer liegen über fünfzig Zeitungen auf. Die Neuwahlen ergaben folgcrrdcs Resultat: Obrnann Phil. Hugo Bergmann, Obmannstellvertreter MUC. Josef Kohir, 1. Schriftführer JUC. Arthur Bergmann, 2. Schriftführer chem. Emil Oplatka, Kassier MUC. Alfred Capck, Bibliothekar techn. Arnold Herzog, Zcitrrngsverweser jur. Leo Baß. Verstärkter Arrsschriß: jnr. Oskar König, jur. Parrl Kohn. med. Zuckerkandl. Ans der Gemeinde Pro spritz. Der Präsident des Jüdischen VolksvercineS, Herr Sigmurrd Reirrer. hat drrrch derr am Freitag den 27. Februar l. I. erfolgten Tod seiner hochbetagten Mutter Frau Charlotte Reiner einen schmerzlichen Verlust erlitten. Die Verblichcrre erfreute sich hier allgemeiner Achtung rnrd Wertschätzung, welche bei dem anr Sorrrrtag den 1. März stattgehabten Leichenbegängnisse sichtbaren Ausdruck faird. Eirr schier unabsehbarer Zug von Leidtragenden folgte dein Sarge, welcher nach einer ergreifenden Grabrede unseres Rabbiners Dr. Goldschmidt irr die Familiengruft gesenkt wrrrde. Der Jüdische Volksverein, die Ortsgruppe des Vereins reisender Karrflerrte, >vie auch die Revräsentanz der Knltrrsgemeinde warcir vor dem Leichenbegängnisse irn Trarrerharrse erschienen rind drückten durch ihre Sprecher Herrn Reiner und den übrigen Familienmitgliedern rhr Beileid ans. — Die Frage dcS Baues eines neuen Tempels schciirt eirdlich gelöst zrr seirr. Vergangene Woche wurde über eine von zahlreichen Kirltrissterrerträgern überreichte Petition eine Sitzung des verstärkten Kultrisarrsschrrsses ernberufen. In derselben wurde rnit überwiegender Majorität der Beschluß gefaßt, deir Barr des Tenrvels rind eines neuen Volksschulgebäudes nach den Plänen des Wiener Architekten Gärtner so rasch als möglich irr Angriff zrr nehmen. Von der beabsichtigten Aufnahme eines größerer: Darlehens wrrrde Abstarrd genommen, nachdem die präliminierte Bansrnnmc für den Neubau des Tempels