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Jüdisches Volksblatt · 1903-03-06 · 10 (6.3.1903) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
10 (6.3.1903)
Date
1903-03-06
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Voiksblatt 6. März 1903 Nr. 10 durch den erschienenen Artikel „Jüdischnationale Schulen" als erledigt betrachtet werden, nämlich jener Teil, welcher die hochwichtige moralische Seite unserer Schule berührt und erklärt, daß wir in solchen Anstalten ein wahres, charakter und .'geistesstarkes Israel erziehen können, und das scheint mit Millionen nicht zu hoch bezahlt zu fein; aber auch die sozialökonomische Seite soll nicht vernachlässigt werden. Sie, Freund und Nachbar, find ja noch Jude und wissen gar wohl, wie beschränkt die Karrieren den Juden sind. Haben Sie eS noch nicht vernommen, daß ein hochstehender k. k. Präsidial beamter den jüdischen Bewerbern zurief: „Bemühen Sie sich nicht vergebens; Ihnen fehlen einige Wassertropfen, Sie kommen nicht vorwärts!" Ein anderer gleich hochgestellter k. k. Beamter konnte es nicht über sich bringen, absolvierten Lehrern Posten behufs der zwei praktischen Jahre zu verleihen, weil sie Juden seien und als solche den Fanatismus der Bauern erregen würden. (Es scheint uns richtiger, den Fanatismus der blaublütigen klerikalen Clique.) Wenn unser Volk auf Errichtung eigener jüdischer Schulen und Gymnasien hinarbeiten wird, dann müssen diese auch von jüdischen Lehrern geleitet werden, demzufolge wird ein neuer Stand, welcher heute nur ganz spärlich unter uns vertreten ist, eine bedeutende Erweiterung erfahren und hunderte gebildete jüdische Familien werden dann eine geachtete Stellung im Staate und in den Gemeinden einnehmen. Die klassischen Studien, die Philosophie und Philologie werden von der jüdischen Jugend mit Erfolg betrieben, im Bewußtsein, Staatsanstellungen zu erlangen, die ihnen bis jetzt schwer zugänglich waren. Diese jüdischen Gymnasialprofessoren in ihrem bekannten rastlosen Fleiße werden in der Wissenschaft wie in der Gesellschaft es zu hohem Ansehen bringen, sich und dem Judentum in gleicher Weise zum Heile und Segen. Heutzutage aber, wo der Staat davor zittert, jüdische Lehrkräfte in christlichen Schulen vortragen zu kaffen, wer weiß, lieber Nachbar, ob Sie dann nicht den Tag segnen, an dem der Gedanke der Forderung und Realisierung von jüdischnationalen Schulen ins Leben getreten ist. Noch eines, ihr Ghettofürchtige! Seit Rabbi Jochanan ben Sakkai und noch vor ihm hat das jüdische Volk seine Lehrer und Lehranstalten gehabt, hat niemals darauf hingearbeitet, seine Kinder von anderen als von eigenen Lehrern (Melamdim) unterrichten zu lassen. Es sei darauf hingewiesen, daß selbst der große Philosoph auf dem Kaiserthrone Oesterreichs Josef der II. den jüdischen Gemeinden eine Schulsteuer auferlegte zur Erhaltung der jüdischen Schulen. Wir erinnern ferner daran, daß der Jude feinen letzten Bissen mit seinem Melamed teilte und von seinem spärlichen Schulgeld absparte. Noch heute bestehen derlei Chedarim in Galizien, allein diese ersetzen nicht die Volks- und Mittelschulen, welche zur Fortfristung des Lebens nötig sind. Hingegen könnten jüdische Volks- und Mittelschulen den Cheder entbehrlich machen und einen hohen Bildungsgrad verbreiten, was in ökonomischer Beziehung wichtig ist, und dieser Intelligenz auch die finanzielle Unterlage bieten, die sie zum Leben benötigt. Unsere nationale Solidarität soll eben darauf gerichtet sein, altruistisch f ü r einander zu arbeiten, das Wühlen gegeneinander, die Zersetzungsmanie alles dessen, was jüdisch ist, muß endlich von der Tagesordnung verschwinden. Dieses allein möge unsere Brüder leiten, so es gilt, eine neue Idee zu erfassen und der jüdischen Sache dienstbar zu machen. Jeder intelligente Jude hat gewiß einen Schatz von gutem Willen zu Entwürfen, welche er zum Heile des Judentums verwirklichen möchte — allein eine hartnäckige Eigentümlichkeit hält unser Volk gefangen: die Geringschätzung und die Negierung der Ansichten seiner Stammesgenoffen. Möge es besser werden! Möge Sammlung und Einigung der Kräfte der Leit- und Glücksstern Israels sein durch eine Welt voll blutigen Hasses und Mißgunst. S—n. Chronik. Inland. Vorträge, scheu Volksvereines", Am 11. d. M. findet im Festsaale des „Jüdi- 2. Bez., Leopoldsgasse 49, ein Bortrag des Lektor Friedmann statt. Am 18. d. M. spricht der Präsident des „Jüdischen Volksvereines", Richard Nappaport, über das Thema: Was wollen wir? Wiener Marranen. Dr. Walter Brix war ein konsequenter Verfechter des Affimilationsgedankens. Als Student war er Mitglied der deutschnationalen „Markomannia" und des „Deutschen Schulvereines". Dann trat er als Advokat in die „deutschfreisinnige" Partei und wurde rasch Gemeinderat und Bezirksausschuß. Selbstverständlich ließ er sich vorher taufen, und zwar nachdem Prinzips „Los von Rom", erwürbe Protestant. Seine Schwester heiratete einen verkrachten Edelmann (?); kurz und gut, die Familie Brix assimilierte sich zielbewußt. So schwamm er auch einige Zeit obenauf, wie das Fett auf der Suppe; man begegnete seinem Namen im politischen Teile der Tagesblätter, in den Ballberichten, bei den Schulvereins- Festen, plötzlich aber auch im Gerichtssaale. Bei seinem skrupellosen Jagen nach Karriere, Geld und Einfluß kamen seine Gläubiger zu kurz und der Schluß war die Streichung aus der Advokatenliste und der Bankerott. Es wäre schade, über diesen Mann noch ein Wort zu verlieren, seine Laufbahn ist aber typisch für eine ganze Schichte der Wiener jüdischen Bourgeoisie, nur daß der Schluß oft nicht „Arrest", sondern Kommerzienrat oder Negierungsrat lautet. Deshalb ist es notwendig, an dem Falle Brix zu zeigen, erstens wo die Leute zu suchen sind, die das Judentum in Verruf bringen, zweitens welch freisinnige Begriffe von Anstand und Ehrlichkeit in diesen Kreisen herrschen und drittens wohin die Assimilation eigentlich führt. Es wächst da ein Geschlecht unter den Juden heran, das nicht einen Funken Gefühl für sein Volk hat; er kennt nur einen Gott und der heißt Karriere. Ihm zuliebe opfert es Ueberzeugung und Charakter, heute wird es protestantisch, diese Konfession empfiehlt sich für die politische Laufbahn, morgen katholisch, um im Staatsdienste rasch weiter zu kommen, übermorgen konfessionslos, um eine Pfründe bei der Sozialdemokratie zu erhaschen und in einer Woche wieder — mosaisch, um eine große Mitgift in den Sack zu stecken. Dann beginnt der Tanz von neuem. Wir übertreiben nicht; wir kennen einen Arzt, von dem man im Ernst behauptet, daß er schon so oft seinen Glauben gewechselt hat, je nach Bedarf, daß er oft in Verlegenheit ist, anzugeben, welchem „Glauben" er eigentlich momentan angehört. Erst jüngst wurde uns von einem streb—samen Jüngling erzählt, der vor ein paar Jahren noch K o h n hieß. Seinen jetzigen Namen verschweigt des Sängers Höflichkeit. Er wurde römisch-katholisch, um laut Schema im Staatsdienst rasch zu avancieren. Daraus wurde aber — nichts. Unsere Hofräte kommen allmählich zur Ueberzeugung, daß ein öffentlicher Meineid doch nicht die beste Empfehlung für unsere Richter und Beamten bildet. Nun angelte der streb—same Jüngling nach einer reichen Braut; richtig fand sich eine Jungfrau vom Stamme Sem; ihr Vater gibt aber nicht zu, daß seine Tochter sich taufen läßt — bei Gott, nicht aus Ueberzeugung, diese Leute kennen keine Ueberzeugung — aber es könnte der Firma schaden. Nun einigte man sich endlich dahin, daß der strebsame Jüngling und die Jungfrau sich zivil — durch Dr. Lueger trauen lassen. Nachbarin, euer Fläschchen! Ein anderer Fall: Der neue Direktor der Witkowitzer Werke ist ein Jude. Ein Jude? Rothschild sollte endlich seine soziale Pflicht erkannt haben und einen Juden angestellt haben? Gemach. Er ist getauft, Protestant, heißt aber noch immer Sonnenschein. Eine der ersten Taten des Herrn Sonnenschein war, daß er im „N. W. T." folgende Annonce einrücken ließ: „In einem feinen christlichen Hause wird eine christliche Gouvernante gesucht." Wer fühlt da keinen Ekel? Dieses Marranen tum breitet sich wie eine Seuche rasch aus; es bildet seine engeren Zirkel, die dem echten Judentum so fremd 'ind, wie dem — echten Wienertum. Das heitere, naive, lebenslustige, bodenständige Wiener Volk hat mit diesen dekadenten Sprößlingen eines kulturfeindlichen Raffinements nichts zu 'chaffen. Diese Schichte feiert weder eine Vermischung mit der deutschen Kultur, noch mit dem deutschen'Volke, sondern eingesponnen in ihren Lastern und Perversitäten verkommt sie in der zweiten oder dritten Generation und ihre Reichtümer wandern in den Magen der katholischen Kirche oder verkrachter Adeliger. Wie ein Meltau liegt sie auf dem jüdischen Volkskörper. Der Verlust dieser Gehirne wiegt federleicht. Der Verlust ihrer Kapitalien wäre zu verschmerzen. Aber durch ihre Vettern und Basen üben sie noch immer in der jüdischen Gemeinde einen unheilvollen Einfluß aus. Diese Marranen saugen und beuten das arme jüdische Volk aus; sie entführen ihm die hoffnungsvollsten Kräfte und verhöhnen und beschmutzen das Judentum vor aller Welt. Wenn sie nur ganz von ihm ließen! Aber heute sind diese Marranen noch die Regisseure, die durch ihre Strohmänner das Schicksal der Wiener Juden bestimmen. Der Name„Marranen" bedeutet eigentlich eine unverdiente Ehre für diese rückgrat- und herzlose Clique. Die Marranen wurden durch Todesdrohnngen gezwungen, einen Glauben zu bekennen, den ihr Selbst verabscheute. Diese modernen Marranen kennen aber überhanpt keinen Glauben und keine Ueberzeugung. Jeder Glaube und jede Ueberzeugung ist ihnen seil, dem um em Aemtchen, dem um ein Mandat und jenem um einen Titel. Sie kennen vom Judentum nur ihre eigene Nichtswürdigkeit und in ihrer Verlogenheit rmputieren sie diese dem jüdischen Volke, sich selbst für eine Art von Ueberaffen haltend, jenseits von Treu und Glauben. Sie drängen sich in die arische Gesellschaft und verleiten selbst intelligent» Arier zu ganz falschen Urteilen über Juden und Judentum. Wie die Pest greift dieses Gezücht um sich und erstickt mit seinem Atem jede Hoffnung auf eine Klärung jenor Wirrnisse, die diese schöne Stadt an der Donau erfüllen. Bevor nicht diese Brut unter der Verachtung von Jud und Christ zugrunde gegangen ist, wird es hier nicht bester werden. Aus der Plenarsitzung des Vorstandes der Israelitischen Knltnsgemeinde Wien vom 1. März 1903 unter dem Vorsitze des Vize-Präsidenten Dr. Alfred Stern. Beginn der Sitzung halb 11 Uhr vorm. In: Einlaufe werde:: bekanntgegeben: Spenden: Von Herrn kais. Rat Moriz Hirsch K. 2030, aus Anlaß des Ablebens seiner Gattin, zur Verteilung an mehrere von ihm bezeichnete Wohltätigkeits-Institute; von Frau Jenny Adler, Mitglied des Ehrendamen- Komiches der Versorgnngsanstalt, für das Siechenhaus K. 100; von Herrn Alois Hofmann K. 50, und zwar für den Israelitischen Waiscnverein K. 25, für die Verköstigung armer israelitischer Schulkinder in der Brigittenau K. 25; von Herr:: Nathan Löffler, zur Verteilung von .Heizmateriale an arme Israeliten K. 5. Ferner wird zur Kenntnis gebracht die von Herr:: kais. Rat Hirsch zum Andenken an seine selige Gattin mit K. 1000 errichtete Seelengedächtniswidmnng. In: Präsidialberichte gibt der Vorsitzende einen Ueberblick über die Einnahmen der Knltnsgemeinde in der Zeit vom 1. Jänner bis Ei:de Februar 1903 im Vergleiche mit den vorjährigen Eingänge,: desselben Zeitrauines. Weiters teilt der Vorsitzende mit, das; das Vertreter-Kollegium sich in der letzten Zeit eingehend mit der Frage des Wirkungskreises der Vezirkskommission beschäftigt und beschlossen habe, behufs Erzielung eines befriedigenden Abschlusses dieser Angelegenheit zu den weiteren Beratungen jene Vorstandsmitglieder, welche ein besonderes Interesse in dieser Frage bekundeten, und zlvar die Herren Eltbogen, Künders und kais. Rat Pollak, sowie sämtliche Obmänner der Beztrkskornmissionen heranzuziehen. Herr k. k. Bau rat Ritter von Goldschmidt referiert namens des Vertreter-Kollegiums über das mit dem Verein zur Unterstützung armer kranker Israeliten zu schließende Uebereinkonnncn betreffend die rituelle Verköstigung armer Glaubensgenossen in den Spitälern. Das Uebereinkommen Ivird genehmigt und wird dem Verein pro 1903 ein Subvention von K. 5000 zuerkannt. Weiters referiert Herr Baurat von Goldschmidt über das Snbventionsgesuch des Vereines zur Gründung und Erhaltung eines Heimes für obdachlose Fainilien. Dem Vereine wird für das Jahr 1903 eine Subvention von K. 200 beivilligt. Ueber Referat des Herrn k. k. Banrates Stiaßny iverden in: Sinne der Anträge des Stiftungs- Komitees und des Vertreter-Kollegiums ans der Dr. Adolf Sacksschen Stiftung für Techniker ohne Unterschied der Konfession dreizehn Plätze :nik je K. 000 für das laufende Skndienjahr an Hörer der kechnischen Hochschulen in Wien. Prag und Brünn verliehen. Ueber den Ankrag ans Verleihung des 14. Stiftvlatzes an einen absolvierten Hörer der Technik, welcher behufs Erkangnng des Doktorates seine Studien fortsetzt, entwickelt sich eine längere Debatte, an bfci sich die Herren Vize-Präsident Dr. Kohn, Ober-Finanzrat Dr. Nappaport, Dr. Steiner und Dr. Ritter von Taussig beteiligen. Die Entscheidung über die Verleihung dieses Stipendiums wird vertagt. Herr Vize-Präsident Dr. Gustav Kohn referiert über die Anträge der Unterrichts-Konunission und des Vertreter-Kollegiums, betreffend die Systemisiernng der Stelle eines Amannensis der Gemeindebibliothek. An der Debatte über das Referat beteiligen sich die Herren Prof. Dr. Ehrmann, Baurat von Goldschmidt, Ober- Ingenieur Edler von Mises, Ober-Finanzrat Dr. Nappaport und Dr. Spitzer. Die Anträge des Vertreter-Kollegiums werden mit einigen Aendernngen zum Beschlüsse erhoben. Die Besetzung hat demgemäß in: Wege einer Konknrsausschreibung zu erfolgen; die Bewerber haben besondere Kenntnisse in der hebräischen Literatur, sowie die Erlangung des Doktorates der Philosophie an einer österreichischen oder deutschen Universität nachzuweisen. Das Anfangsgehalt ivird mit K. 1200 und dreitzigperzentigem Quartiergeld festgesetzt. Ueber Referat des Vize-Präsidenten Dr. Kohn und gemäß den: Anträge der Unterrichts-Kommission und des Vertreter-Kollegiums ivird beschlossen, für Unterstützungei: an jüdische Unterlehrer einen Betrag von K. 3000 zu beivilligen. Gemäß dem Anträge des Bethmisvorstandcs für den 18. Bezirk :n:d nach Anhörung von Vertrauensmänner:: ans der Mitte der stänoigen Besucher des Gemeindebcthanses im 18. Bezirke werden die Herren Pinkas Frankfurter und Wilhelm Heller zu Bethansvorstehern ernannt. Nach Erledigung vor: Personalreferatei: wird die Sitzung um halb 2 Uhr nachmittags geschlossen. Schekel- «nd Channkas Habajis-Feier. Der „A l l g emeine Jüdische Arbeiterverein" veranstaltet Samstag den 14. März (Schuschanpurim) im neuen Privatlokale 2. Bezirk, Stephaniestraße 8 eine Schekelfeier mit folgendem Programme: 1. „Ch anukas H ab aji s-Psalm", gesungen von einem Chor; 2. Vortrag von Herrn Prof. Graubart: „Die sozialen Reformen unter Nehemia." 3. Rezitation: „S ch l a ch m o n e s", einePurungeschichte von SchulimAleich em, (jüdisch); 4. Musikalische Vorträge von den Gg. Lauterbach, Premetker, Balaban und Landesberg. Beginn präzise 8 Uhr abends. Gäste, Damen und Herren, willkommen. Eintritt frei. Wie». („Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter Ottakring-Hernals.") Sonntag den 8. März findet die konstituierende Generalversammlung im Cafö Bauer, 16. Bezirk, Brunnengasse 43, statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Gründungskomitees; 2. Wahlen; 3 Referat des Kollegen Samuel Strauß über den Zweck des Vereines; 4. Eventuelles. Beginn 3 Uhr nachmittags. Der „Jüdisch-nationale Arbeiterverein" ladet hiermit zu dem am Samstag den 14. März, 8 Uhr abends, im festlich dekorierten Guttenberg-Prachtsaale, 8. Bezirk. Alferstraße 59, stattfindende:: großen Purim-Kostümkränzchen, ohne Kostümzwang, höflich ein. Festrede Herr Dr. Severin Lau des b erg er. Musik einer beliebten Salonkapelle. Zahlreiche Ueberraschungen aller Art, komische Gruppen rc., in der Pause Vortrag hervorragender Kunftkräfte. Familienkarten für 4 Personen im Vorverkäufe Kr. 2'50, an der Kassa Kr. 3-—; Einzelkarten Kr. —'80, an der Kassa Kr. 1-—. Karten sind zu haben beiJ. H a sterli k, Buchbinderei, 6. Bezirk, Windmühlgasse 39. Der Verein jnd. Handelsangestellter hatte am 21. v- M. seine erste öffentliche Versamrnlung. Obgleich der Verein erst seit wenigen Monaten besteht, hatte die Versammlung einen guten Besuch aufzuweisen. Gg. Freud beleuchtete in formvollendeter Rede den wirtschaftlichen Antisemitismus, der auch die jüd. Handelscmgestellten sehr schwer trifft und cs ihnen unumgänglich notwendig macht, sich zu organisieren. Der Redner besprach sodann den Werdegang der Organisationen, ihr Wirken, die Stellung der Juden im heutigen politischen und wirstschaftlichen Leben mir besonderer Berücksichtigung der Wiener Verhältnisse, das Wesen der Sozialdemokratie und ihre Ziele und Zwecke. Gg. Freud stellte unter Beweis, daß die von der Sozialdemokratie angestrebte Evolution (vor allem die Verstaatlichung) dazu angetan ist, um die wirtschaftliche Existenz der Mehrzahl der Inden zu :mtergraben. Sehr treffend kennzeichnete der Redner den Begriff der internationalen Sozialdemokratie, das Verhalten ihrer Führer in nationalen Angelegenheiten. (Daszhnski, Pernerstorfer usw.) im Gegensätze zu ihren Führern jüdischer Abstammung, die vermeinen, ihr Heil nur dünn finden zu können, wenn sie sich in den Schoß der allein seligmachenden Kirche flüchten. Zum Schlüsse besprach Redner eingehend die jüdischnationale Bewegung, welche die einzig richtige Basis für jüdische Handelsangestellte sein kann, weil sie allein dazu angetan ist, sowohl die wirtschaftlich gesonderte Situation als auch die ideellen Bestrebungen der jüdischen Proletarier einem gedeihlichen Ziele zuznführen. Hierauf erhielt noch Gg. Gros; das Wort, der in bekannt markanter Weise die Indolenz :n:serer reichen Juden geißelte, die, abgesehen von wenigen Ausnahmen, trotz ihres ausgesprochenen Wohltätigkeitssinnes sich ihrer arinen Stammesgenossen nur in seltenen Fällen annehnlen, dagegen aber häufig antijüdische Bewegungen unterstützen. Begeisterter Beifall belohnte die Sprecher. Der Verein hat bereits ein eigenes Pribatlokal im 2. Bez., Stefaniestraße Nr. 8, und geht daran, noch im Laufe dieses Monats Unterrichtskurse (für Mitglieder unentgeltlich) in allen Zweigen der Handelswissenschast zu eröffnen. Außerdem sind die ersten Schritte zur Kreierung einer Stellenvermittlung vollendet und dürfte diese seit langem heiß ersehnte Institution anfangs April ihre Tätigkeit anfnehmen. Auch für einen K-mditionslosenfonds ivird Vorsorge getroffen und findet am 21. d. in: Hotel Continental, 2. Vez>, Taborstraße, die erste Gründungsfeier des Vereines statt, deren Reinerträgnis zur Crrichtlmg dieses Fonds verwendet iverden wird. Zionistische Organisationen in Fünfhnus. Einladung zu dem Sonntag 8. März 1903 in: Restaurant Herlinger, 14. Bezirk, Schwcndcrgasse 1, stattfindendcn Purim- und Schekclfest, unter Mitwirkung der jüdischen akademischen Verbindung „Unitas". Beginn 8 Uhr. Regiebeitrag 1 Kronen pro Person. Progrmnm: 1. Festrede, gehalten vor: Herrn jur. Dr. Isidor W. Marmorek, Mitglied des vsterr. Landes-Koinitees des „Zioi:". 2. Zionistische Lieder, vorgetragen von Herrn Dr. Poborsky, a. H. der jüdischen akademischen Verbindung „Jvria": „Sehnsucht", syrische Weise, „Mein Jeru- 'alem ist wieder fröhlich", „Inda hat nur Grüfte". 3. Rezitation des Frl. Rose Cassina, Schauspielerin m:s Zürich: „Buch Esther", Psalmen. 4. Quartett der jüdischen akademischen Verbindung „Unitas", gesungen von den Herren: med. Schönwald, jur. Löwenffeitx, med. Löwh, jur. Mohr. 6. Vrolinborträge des Virtuosen Herrn Gustav Spiclmann: „Air" von Goldnmrk, „Zigennertänze^ von Nachez, „Perpetuum mobile" von Ries. 6. Humoristische Vorträge, verfaßt und vorgetr-agen von Herrn Richard Gwßmann, Mitglied des Jnntsch-Theaters. Jüdisches Bildnngsheim, Wien, 14. Bez.. Denglergasse 2. März 1903: Vorträge: 3. März Martin Engländer: Hautpflege und Hautkrankheiten. 10. März Ernst Müller: Vorlesung aus jungjüdischen Dichtern. 17. März V. Kurrein: Prophet Jcsaia. 24. März M. Varbasch: Geschichte der Erde. 31. März Konzert: Frl. Epliuder, Frl. Abeles, Herr Dr. Th. Kohn, Herr Bruck. Eintritt frei. Kein Trinkzwang. Anfang 8 Uhr. Ende halb 10 Uhr. Mädchen- und Frnucn-Verein „Bikur Chaulim". Sonntag den 8. ds., präzise halb 4 Uhr, hält Dr. Ern. Deutsch im 1. Bezirk, Seitenstetteugasse 2, einen Vortrag über „Hygiene der Wohnung. Gäste, Herren wie Damen, willkommen.

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