Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 10 (6.3.1903)
- Date
- 1903-03-06
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 10 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 6. März 1903 Seite •? sind alle Versuche, die, ohne im Gesetze begründet zu,sein, daraus abzielen, unsere persönliche NeclMsphäre einzuschränken, uns um die Früchte legitimer Tätigkeit zu bringen, Angriffe auf erworbene Rechte, Handlungen, welche sich von 'qualifiziertem Raub oder Diebstahl nur dadurch unterscheiden, daß bei ihnen — wenigstens vorläufig keine Gelvalt zur AiiweMmg gelangt. Tie Schuld liegt in einer Nerdimkelung des Rechtss i n u e s , des Rechtsbeivnßtseins, die immer weitere Volks kreise erfaßt. Ter Angreifer ist sich nicht! klar darüber, was er begeht, der Angegriffene ist ebenso unklar darüber, ob und welche Rechtsverlchung ihm widerfuhr, ob und welches Recht er besitzt, sich gegen das Unrecht zu lvehreir. Am bedauerlichsten aber ist Wohl, daß die mit der Wahrung und Schätzung der Rechtsgüter des Volkes betrauten staatlichen Organe sich des Umfanges und Grades ihrer Verantwortlichkeit in derlei Fälleil nicht bewußt zu sein scheinen und daher U n t e r l a s s u n g e n begehen, die sie kaum mehr guitzuniachen vermögen werden. A n t i s r iii i t i s m n s und Chanvi n i s nt u s sind zwei äußerst bedenkliche Werkzeuge, deren sich politische Parteien zu bestimmten Zwecken bedienen. Sie erreichen damit für sich stellenweise unmittelbare Vorteile, welche jedoch verschwindend! gering sind gegen, die ^unberechenbaren Schäden, welche sie der 3tllgemcinheit zu fügen. In allen menschlichen Dingen herrscht das Gesetz der Relativität — die wirtschaftlichen Belange beherrscht dieses Gesetz souverän und ausschließend. Keine Gattung^der ökonomischen Betätigung kann leiden, ohne daß alle übrigen Gattungen in Mitleidenschaft geraten. Eine wirtschaftende Gruppe, ja nicht einmal das wirtschaftende Judividumn, kann in seiner Arbeit bedroht lverden, ohne daß die entsprechend schädliche Rückwirkung auf die Nebengruppcn uild Mitnwnscheu ausbliebe. Auf diesen: Gebiete ist keine I s o l i e r u n g möglich oder auch nur denkbar, weil die ökonomischen Wechselseitigkeitel: und Bedingtheiten so unauflöslich sind, daß jeder Eingriff in dieselben, er sei dem: aus höheren Rücksichten in: öffei:tlichei: Interesse geboten, Verwirrung anrichtet lind oft gefährliche Entgleisungen herbeiführt. Tie richtige und natürliche Bildung d e r P r c i^ s e lvird gestört, die besonders eiupfindlichien F u n k t i o i: c u des St redit s lverden beeinträchtigt, und eil: krisenhafter, krankhafter Zustand des ganzen Organismus der wirtschaftender: Gesellschaft ist die unvermeidliche Folge. Eine vorsorgliche, Negierung sollte das alles wissen. Auch sollte sie danach handeln. Sie sollte v o r b e u g e:: oder mindestens nachträglich b esse r n! Aber sie tut gewöhillich keines von beiden. Sie läßt bei: Dingen in scheinbarem Liberalismus ihre:: Lauf und schreitet nur ein, wenn besonders krasse Erscheinungen sich unangenehm fühlbar nrachen. Sie sperrt einige Leute ein, wenn irgendwo ein challviilistischer oder antisemitischer Krawall entsteht, sie erhebt Prozesse gegen öffenkundige BcrlenilldlUlgen, wie dies wahrscheinlich in: Falle der b ö h n: i s ch e r: Sparkass e geschehen wird. Die eigentlicher: klugen Urheber bleiben meistenteils unbestraft, lvährend einige bezahlte Strolche oder naive Gassenjungen mehr oder minder kurze Zeit brummen müssen. Der Rest ist — Schweigen. Eigentlich lvird rricht geschwiegen. Die Zeitungei: briilgen ellenlange Berichte und Leitartikel, die Vertretungskörper widerhallen voi: Interpellationen und erregter: Debatten. Die Minister antworten ziemlich kleinlaut, da sie nach gar gl: Vielei: Seiten Rücksichten zr: üben Habei:. Nach einer vergleichsweise kurzen Ruhepause widerholt sich das Spiel aufs ncrie. Es findet neue Gegenstände und neue Formen. Das Resultat ist jedesmal Einbuße an: Volksvernrögen, Rückgang des ll r:te r n ehin u ngs geis tes, einschlafende Initiative auf allen Linien, llird das ist der Grund unserer Rückständigkeit, unserer Konkurrenzlurfähigkeit, unserer mangelhafter: Leistirngeu rrach r'nnen uird außen! Können schlechte wirtschaftliche Bilanzen gute politische Bilanzen ergeben? Auch hier rächt sich die Sünde gegen das Gesetz dev Relativität, der unkrerlllbarcir Zusainnrenhänge aller menschlicher: Dinge. Ein französischer Mirrister forderte, man solle gute Politik machen, daun werde er gute Finanzen nrachen. Aber dies gilt auch umgekehrt. Man ruuß gute Finanzen Habei:, um gute Politik macherr zu können. Der Autor dieses trefflicher: Artikels, M. v. H. („Extrapost") vergaß mir hinzuzusügerr, daß der Ruf: „Kauft nicht bei Juden" z u e r st vor: der: Deutschen erlhober: ivnirde, daß also die Deutschen die letzterr sind, die das Recht haben, sich moralisch zu errtrüsterres ist selbstverständlich, daß dieses Geschäft der moralischen Entrüstung vor: jenen Deutschen besorgt lvird, die die moralische Entrüstrurg gepachtet Haber: iränrlich vor: den Alldentschen. Wenn diese Herrerr rricht gerade wegen Vevleumdrnrg oder Bestechung sich vor derrr Gerichte zu verantworten haben, so entri'lstcn sie sich immer — über die anderen. Doch die Affäre der „Böhmischen Sparkasse" hat rroch eine nicht minder wichtige Seite. In der Böhmischei: Sparkasse sind deutsche und böhnrische Kapitalien investiert, aber vor allen: -— jüdische. Die Sparkasse hat Hundert t a u send e für die nationalen uird kulturellen Ir:- teresser: der Deutscher: und Böhmen gespendet. W i e v i e l h a t s i e f ü r j ü d i s ch e Z lv e ck e g e s P e n d e t,? Die Juden gelter: allgemein als Finanztalente'. auf den: Gebiete der finanziellen Organisation für die rrationale Verteidigung stecken sie noch ii: den K i n d e r s ch u h e n. Das kann verhäirgrüsvvll lverden. Der:,: heute werden die nationalen Kampfe nicht mehr auf den: blutigen Schlachtfeld ausgetragen, man erschlägt! der: Gegner nicht mehr, sondern man begnügt sich damit, ihr: wirtschaftlich zu ruinieren. Alle Nationen Haber: das begriffen; die Juden, erüsprechend ihrer politischen Unreife, zuletzt, oder vielmehr rwch ilmner nicht. Es sirrd zwar in Wien und Prag solche Institute vor: nationaler Seite gegrür:det worden. Das ist aber in: Hinblick auf der: wirtschaftlichen Kampf des jüdischer: Volkes eir: Tropfen in: Meere. Wir richten daher an unsere Stanunesgenossen die errrste Mahnung, sich auch auf firranziellcm Gebiete zu organisieren, bevor es zu spät ist. Statistik der Inden in Oesterreich. II. Vergleichen wir nun die Zahl der Juden mit der Gesamtbevölkerung Oesterreichs, so ergibt sich, das: bei einer Einwohnerzahl von etwas über 26 Millionen Menschen in Oesterreich-1-7 PerzentJuden sind, oder auf 1600 Personen kommen 47 Juden. Da in den Alpenländern fast gar keine Juden, in den Sudentenländern der Perzentsatz der Juden auch ein geringer ist, so wird die Verhältniszahl in den östlichen Ländern der Monarchie für die Juden immer günstiger. Denn während in Böhmen auf 1000 Personen der Gesamtbevölkerung nur 14-7 Juden (Einwohnerzahl 6,318.697, Juden 92.745), in Mähren auf 1000 Personen 17-6 (Einwohnerzahl 2,437.706, Juden 44,255) kommen, steigt die Verhültniszahl in Niederösterreich schon über den Durchschnitt für ganz Oesterreich, da dort unter 1000 Einwohnern 507 Juden sind. Noch größer wird aber diese Zahl in Galizien, wo bei einer Gesamtbevölkerung von 7,315.939 Personen 811.371 Juden (das sind von 1000 Personen 110*9 Juden) wohnen. In Galizien ist also aber doch ein Neuntel der Gesamtbevölkeruug Inden. Am günstigsten ist das Verhältnis in der Bukowina. Dort wohnen 96.150 Juden bei einer Einwohnerzahl von 730.195 Personen, es sind, da auf 1000 Einwohner 131'7 Juden kommen, fast ein Siebentel der Bevölkerung Juden. Dieser Perzentsah gestaltet sich in einzelnen Städten Oesterreichs, besonders in größeren, noch viel günstiger für die Juden. In Wien entfallen auf 1000 Einwohner 87'7 Juden, in Prag 94-2 Juden, in der Stadt Hradisch (Mähren) ist bei einer Einwohnerzahl von 5137 Personen, worunter 514 Juden sich befinden, ein Zehntel der Bevölkerung Juden, in der Stadt Bielitz sind von 1000 Personen 148-2 Juden (unter 16.597 Einwohnern -460 Juden). In Lemberg sind von 159.877 Einwohnern 44.258 Juden, das sind von 1000 Personen 276-8 Juden. Krakau hat unter 91.323 Einwohnern 25.670 Juden (auf 1000 Personen 281-1 Juden), im Gerichtsbezirk Drohobycz konnnen auf 1000 Einwohner 225 Juden (in der Stadt selbst ist die Verhältniszahl noch viel größer), Katholiken nur 191. — Es beträgt die Zahl der Juden 19.591 gegen 16.640 Katholiken. Im Gerichtsbczirke Kolonien find von 1000 Einwohnern j 235-4, Gerichtsbezirke Stanislau 238-8, in Stryj 161-4, in Tarnow 171-6 Juden. Diese alle überragt aber Czernowitz, wo auf 1000 Einwohner 319-2 Juden kommen oder von der Einwohnerzahl von 67.622 sind 21.587 Juden. Mit der Gesamtsumme der Juden in Oesterreich von 1,224.899 überragen sie an Zahl bei weitem die S lo v e nen, die 1,192.780 Personen zählen. Und doch haben die Slovenen 15 Abgeordnete im Reichsrat, die Juden aber keinen einzigen, der auf ein rein jüdisches Programm gewählt wurde. Die Inden in Galizien allein sind zahlreicher als die Italiener, deren Zahl 727.102 Personen beträgt und die von 19 Abgeordneten vertreten sid. Die Zahl der Serbo-Kroaten mit ihren 12 Abgeordneren beträgt nur 711.380, die Zahl der Deutschen in Mähren 675.492 Personen. — Aus einer Statistik, das ist aus toten Zahlen Folgerungen zu ziehen, ist immer eine mißliche Sache. Man geht dabei leicht irre. Denn da jede Statistik einem bestimmten Zwecke unternommen wird, wird man oft verleitet, die Zahlen von Anfang an in ein solches Verhältnis zu bringen, das dem wahren Sachverhalte und einer genauen Prüfung nicht standhält. Doch das eine kann man mit Bestimmtheit beim Anblick der angeführten Daten behaupten, daß die Juden mit ein bißchen redlichem Willen und ein bißchen Klugheit und Politik ganz leicht in Galizien, das 78 Abgeordnete in den Reichsrat schickt, von denen trotz der 800.000 Inden kern einziger Vertreter deS nationalen Judentums ist, einige Mandate für sich erringen könnten. Auch das ist ersichtlich, daß die Juden in einigen Städten Böhmens und Mährens, besonders in national schwankenden Städten sehrleicht sowohl bei Gemeindewie bei Reichsratswnhlen ein gewichtiges Wort mitsprechen könnten, statt daß sie, wie cs jetzt der Fall ist, durch ihr immerwährendes Hinundherlavieren zum Gelächter und zum Prügelknaben von beiden Seiten werden. Es muß die Ausgabe einer vernünftigen jüdischen R e a l p o l i t i k s e i n, d i e i n v i e l e n F ä l l e n i n d e r H a n d der I u d e n liegende Macht durch eine z i e l bewußt e Organisation und L e i t u n g zur G e lt u n g zu bringe n. O. F - l. Die jüdischnationale Schule in sozialökonomischer Beziehung. (Ein Gespräch.) „Unmöglich! — Wie? Wer wird so unsinnig denken ein neues Ghetto zu errichten, kaum daß wir das gottverfluchte territoriale hinter uns haben? Wie schaute nur der mittelalterliche Gheltojude aus im Gegensätze zu dem faschronablen neuzeitlichen Allerwettsjndcn. Wollen wir wieder die Kinder desselben Landes auseinauderreißen? Geht nicht durch dieserr absonderlichen Gedanken der „Judenschulen" der Poetischeste Teil der Studienjahre verloren, in denen der christliche Schulknabe wie das Schulmädchen mit den jüdischen Mitschülern eine innige kindlich-frvmmeBerbindung fürs Lebeneingeht?" „Nein und nochmals nein!" brummte ein Gast, welcher dem Gespräche, das zwischen mir und meinem Nachbar gepflogen wurde, unbemerkt lauschte. „Nein, in Judenschulen schicke ich mein Kind prinzipiell nicht." „Schließlich welchen ersichtlich esfektiveu Nutzen versprechen sich die verschrobeuen Zionisten und Nationaljnden von dieser neuen Weltbegllickung?" „Sind Sie fertig, mein Herr? Und Sie, Nachbar, haben bereits die letzte Pulle auf das Haupt des anonymen Gedankenerregers ausgestbuttet? Und dann! Was können Sie uns da Besonderes Vorbringen zugunsten jenes Hirngespinstes?" „Beruhigen Sie sich, meine Herren! Noch ist der Unbekannte nicht auf den Kopf gefallen! Wollte er es selbst, dann gibt es eine Redaktion gewiegter Männer im „Jüdischen Volksblatt", diese übt eine starke Kritik des Einlaufes und hält ihr Organ hoch über Verirruugen eines Einzelnen. Dieser Umstand allein schon hebt unsere Artikel aus dem Nahmen chimärenhaster Gedanken und liefert dem Lesepublikum den Beweis, daß die anfgeworfene Frage der Erziehung in der Schule im allgemeinen sehr der Diskussivii bedürftig ist, daß ferner der aufgeworfene neue Gedanke für die Diskussion sich eignet. Um aber ein ehrenhaftes Turnier anszufechten, teile ich euch, meine Herren, mit, daß ich zur Gilde der zionistischen Nationaljnden zähle und daß diese neue Anregung in jeder Beziehung auf der Denkhöhe der Zeit sich befindet. Zunächst wollen wir uns von einem Grundsätze leiten lassen, welcher heute eine gewisse Universalität erlangt hat. Der Grundsatz lautet: Jedes Volk hat die Schule, die es verdient. Nun besitzen alle Völkerschaften Oesterreich-Ungarns Schulen, wie sie sie verdienen. Die Juden allein besitzen gar keine Schulen und werden nur nebenher in jede Schule eingepfercht, wo es gerade noch Platz gibt. Wir wollen hier den Raum nicht zur Erhebung von Nekriminationen über die Behandlung jüdischer Kinder an christlichen Schulen von antisemitischen und asemitischen Lehrerkräften, welche unteren Kindern die geistigen und leiblichen Kräften entziehen, verschwenden, dazu reicht unsere Zeit nicht aus. Schließlich gibt es gewiß auch edelgesinnte, menschenfreundliche Lehrer, von denen alle Schüler gleich gut behandelt werden. Aber die Frage möchten wir uns gestatten, ob die Juden so sehr rückständig sind, daß ihnen das Lehrami nicht auvertrant werden kann? Oder hat die jüdische Lehrerseele so viele Gebrechen aufzuweisen, daß sie dem christlichen wie dem jüdischen Schulkinde verderblich voranleuchten wird? Das ist der g e l b e Fleck, den die Gegner in Staat und Land unserem Volke anheften. Dieses allein ist ein gewattiges Ghetto, in welches unsere modernen Juden gesteckt werden. Dieser Schmach unseres Volkes entgegenzutreten ist der Arbeit aller Kräfte wert, weil wir die größte sittliche Entrüstung über die Bedrückung empfinden müssen, welche in dieser Unterbewertung der jüdischen Nation liegt. Ziehen wir die Konsequenzen des Gegenwartsprogramms der Erziehung und wägen wir gegeneinander Ursache uitb Wirkung ab, so kann kein anderes Resultate, weder aus dem Kalkül hervorgehen, als dieses : Unserem Stamme seine Schulen und seine Lehrkräfte! Keine Bevormundung seitens einer andern Nation! Ich muß sofort bemerken, daß diese Forderung keiner Feindschaft, keine Ueberhebung gegen andere nichtjüdische, aber tüchtige Fachmänner entsprungen ist. Nun geht es Ihnen, lieber Nachbar, ein? Wir schrater nun zum Kapitel der Entfremdung der jüdischen Mitschüler von den christlichen. Freilich träumt jedermann gerne den Jugendtranm zurück und die Erinerungen gemeinschaftlich erlebten Schulereignisse schwinden nicht so bald aus dem Gedächtnisse. Was aber lehrt die Erfahrung? Ich will es rund heraussagen: Der hausbackene Antisemitismus, addiert zum Schulantisemitismus, läßt keine edlen Jugendgesühle in dem empfänglichen Gemüte auskommen. Heute konzentrieren sich die Schulkinder schon nach nationalen Gruppen, übrigens und vielleicht noch ausgiebiger nach den weißen oder roten Nelken. Nehmen Sie noch dem Umstand, wonach der christliche Schüler nolens volens auf die höchste Stufe dirigiert wird, so bleibt der ehemalige Mitschüler jüdischer Nationalität sehr weit zurück und muß nun mit Schmerz hinaufschauen auf die Sprosse, wo seine jugendlichen Kameraden, selbst die minderbegabtesten sich befinden. Die Universität allein, respektive Technik darf als eine gemeinschaftliche Wissensqnelle und als neutraler Boden gelten, auf dem die reifere Jugend gegenseitig sich kennen und schätzen lernen kann. In Nachdenken versunken verließ ich meinem Tischnachbar Nr. 1, um gegen Nr. 2 zu polemisieren. „Sie würden Ihr Söhnchen nicht in Judenschulen schicken, das ist Ihr gutes Recht, selbst wenn der Staat und das Land zur Errichtung und Ausgestaltung aller jüdischen Schulen schreiten wird. Besuchen ja oft ruthenische Schüler polnische Gymnasien und umgekehrt. Es dürfte nur auf die Geschmacksrichtung aukommen. Wer will Ihnen zumute«, für alle Zeiten bei der jüdischen Nation auszuharren oder gar Ihre Nachkommenschaft den von Ihnen so brüderlich gehaßten Inden erhalten zu wollen? Spricht ja aus Ihrer moralischen Entrüstung jener Typus des berühmten M a n i s ch t a n a h, den man mit Rascha (Frevler gegen sein Volkstum) deutet. Sie scheinen so recht ein Kind der hirnverwirrenden Assimilation zu sein, mit dem berühmten „Nix jüdisch". Ja solche Judenkinder, welche man auf den Jsolierschemel gegenüber ihren jüdischen Mitschülern zu stellen sucht, gleichen den räudigen Schafen, welche die ganze Herde beflecken. Regen Sie sich nicht übermäßig auf. Die jüdischer! Schulen werden gewiß ans Mangel an Schülern nicht gesperrt werden müssen, selbst wenn ein ganzer Ausscheidung-Prozeß der antinatronalen Inden stattfinden sollte. Logischer und interessanter hingegen erscheint mir Ihre Frage, welchen effektiven Nutzen die Judenschnlen unserem Volke bringen werden? Ein großer Teil dieser Frage dürfte