Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 9 (27.2.1903)
- Date
- 1903-02-27
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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'Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 27. Februar 1903 Nr. 9 reite geworden sein muß, beweist die Tatsache, dass in der Zeit vom 1. Juli 1800 bis 30. November 1002 nicht iveniger als 25 330 Inden ans Rumänien, d. h. nahezu 10 Perzent der gesamten Indischen Bevölkerung Rnmäniens, nach den Bereinigten Staaten ansgewandert sind. Die rmnänisehen Inden Nciv-Uorks haben schon seit langem das Bedürfnis nach einer eigenen rnmänischenSynagoge empfunden, und es ist bezeichnend sowohl für den religiösen Sinn wie für das materielle Wohlergehen unserer glücklich ans Rumänien nach Nctv-Uork entkommenen Glaubensgenossen, daß sie so bald schon imstande waren, diesen Wunsch 31t befriedigen. Am Beginn vorigen Jahres wurde die Missionskirche in der Rivingtonstrahe für den Preis von 05 000 Dollars angetanst und mit einem Kostenanfivande voll wcitcrcll 10 000 Dollars würdig in eine jüdische Synagoge Verivandclt. Am erstell Chanuka-Abend koilllte die erste voll rumänischen Juden iil Neiv-Uork begründete Synagoge unter Beteiligung sämtlicher rumällischer Einigrantell feierlich eiligelveiht werdeil. Die Synagoge ist wohltveislich für starken Znivachs berechllct, beim sie umfaßt 2 Stocktverke, von denen das erste 700 und das ziveite gar 1500 Sitze hat. Gesetz, den Schutz des Präsidenten betreffend. Aus New-Jork wird geschrieben: Unter dem tiefen Eindrücke, welchen die Ermordung des Präsidenten Mac Kinley allenthalben gemacht, wurde im Kongresse der Bereinigten Staaten eine Gesetzvorlage, den Schutz des Präsidenten betreffend, eingebracht. Der Ausschußbericht darüber ist gestern vom Repräsentantenhanse in Washington genehmigt worden. Die wesentlichen Bestimmungen des Gesetzes find folgende: Der Gesetzentwurf sieht in der vom Ausschüsse angenommenen Form die Todesstrafe für jedermann vor, der absichtlich und meuchlerisch den Präsidenten oder Vizc-Präsidenten oder irgend einen Beamten tötet, auf den die Pflichten des Präsidenten übergehen könnten, desgleichen, wenn der Mord an irgend einem Botschafter oder Gesandten verübt wird, welcher bei den Vereinigten Staaten akkreditiert ist. Jeder Mordanschlag aus die erwähnten Personen wird mit dem Tode oder mit Zuchthaus nicht unter zehn Jahren bestraft. Wer bei einem Mordanschlage auf die Erwähnten Hilfe leistet, Ratschläge erteilt oder denselben fördert, wirb als Täter angesehen und als solcher bestraft. Jede Person in den Vereinigten Staaten, welche die Lehre verbreitet, es sei Pflicht oder Notwendigkeit, einen oder mehrere Würdenträger der Vereinigten Staaten oder irgend einer anderen zivilisierten Nation zu töten, wird mit einer Geldstrafe bis 5000 Dollars oder mit einer Gefängnisstrafe bis zu zwanzig Jahren belegt oder es können auch beide Strafarten angewendet werden. Allen Personen, welche gegen die Regierung eine feindselige Gesinnung hegen oder irgend einer Organiastion' angehören, welche eine solche Gesinnung bekundet, ist die Einwanderung nach den Vereinigten Staafen verboten. Wenn solche Personen nach den Vereinigten Staaten einzuwandern versuchen, sind sie straffällig. Schließlich bestimmt der Gesetzentwurf, daß keine Person, welche einer geordneten Regierung verneinend g e g e u ü b e r st e h t oder irgend einer Organisation angehört, welche eine solche Verneinung lehrt, in den Vereinigten Staaten naturalisiert werden kann. Aus Rumänien. Ein Fazit. Manche beginnen ganz im Ernst zu denken, die Lösung des jüdisch-rumänischen Problems fei nahe, und nicht aus eingewurzeltem Pessimismus oderaus Lust«, die Träume anderer zu zerstören, will ich hier über den jetzigen Stand der Frage sprechen. Sehr gern würde ich die tröstenden Träume besteh'en lassen, wenn ich nicht wüßte, daß dieses Einschlummern uns schaden kann. Ununterbrochen muffen wir auf unserem Posten sein und unseren eventuellen Helfern, der ganzen Welt, die nackte, traurige, schmerzvolle Wahrheit zeigen. Was ist denn geschehen, daß so viele sich erlauben — zu hoffen? Die rumänischen Abgeordneten haben in der letzten Woche noch ein Paar Juden naturalisiert. Ist das die Ursache, daß eine jüdische Zeitschrift in Rumänien eine baldige Lösung prophezeit, daß man öffentlich die Frage erörtert, ob der Zionismus nicht die Vaterlandsliebe zu Rumänien ausschließt, daß man diese Frage wie eine ganz akute bespricht? — Es sei die Lösung in der Luft, erklärt ein unverbesserlicher Träumern, wir erblicken eilten Hoffnungsschimmer, tröstet sich ein namhafter jüdischer Schriftsteller. — „Lösungen" in der Luft sind ja immer bei uns da, aber nrir in der Luft. Darum ist and) vielleicht unsere ganze Atmosphäre so verpestet. — Jedenfalls, ein Anlaß, zu diesem unberechtigten Frohlocken besteht wirklich nicht. Denn. überblicken wir die Situatiorr ganz imvoreingenommen, so bietet sie uns dieselbe Trostlosigkeit dar wie vorher. Von drei Jahren war es. Nachdem die rumänische „intelligente" Jugend uns zir f ü h l e n gab, daß wir in „ihrem" Lande nichts mehr zu hoffen hätten, nachdem sie wiederholt die jüdischen Viertel vandalisiert hatten; nachdem auch die einzige Partei, die unsere Sache noch am meisten verteidigte, die sozialistische Partei, mit Soldaten imd Heerführern zugrunde gegangen war, standen wir ungeschützt, schwach und hoffnungslos von unseren Feinden da. Dazu gesellte sich noch die materielle Not, die damals am schwersten war. Sogar die enragiertesten Optimisten unter uns sahen ein, daß auch der zarte Strohhalm, den sie im Ertrinken noch angefaßt hatten, ihren Händen entschwunden war — und sie hofften nicht mehr. Stumm schanten sich die blassen Gesichter an und sie Vorständen einander durch Blicke wie die Schiffbrüchigen. Man reichte sich die Hand und mit gebrochenem Herzen, wie Var einem Grabe, verließen die Answanderungszüge das undankbare Land. Jetzt fühlten sie erst, wie tief ihnen die Liebe zu diesem Lande ins Herz gewachsen tvar, zu diesen: Lande, das sie so lange „das ihrige" genannt hatten. Die Auswanderung setzte sich fort, sie bildete eine ununterbrochene Kette lind der weite Weg vom kleinen Kvrpathenlande bis hinüber in die neue Welt stillte sich immer niehr mit hastenden, eilenden Juden, die jetzt alles von „dort", von „drüben" hofften. Sie hatten ja keine zu großen Wünsche, lute sie überhaupt keine schweren Bedingungen arls Leben stellten. Arbeiten wollten sic und nicht Verächter, nicht lnißhaildelt werden. Daß sie für wenig Lohn werden schwer arbeiten müssen, darauf waren sie vorbereitet. Aber — was lag daran? An die schwere Arbeit, an das Dulden nild Hllngrigsein Ivaren ja diese Proletarier gewöhnt; eigentlich lvar ja diese Gewohnheit ihre Stärke, ihr Kampfmittel. — Daß man jahrelang der: Rumänen beit Hof gemacht hatte, daß mai: sich bemüht! hatte, von: Judentum alles wcgzuwerfen, das vergessen die Bedrängten. Jetzt Iva reu sie wieder Jlldeir, sie schämt er: sich nicht mehr, es in allen Gassen auszu rufen. Jeder antisemitische Hieb halle Tausende von Herzen den: Judentum wiedergewonnen. Und diese Umwälzung war inmitten des großen Schmerzes der Verstoßenen und der schwarzen Armut der Elenden ein großer Drost, der einzige, der die zurückbleibenden Inden enger aneinander schnriegte. Das war der Anfang der neuen Phase. Seit dvei Jahrei: tobt es irnn unaufhörlich um uns herum, überall bemitleidet inan uns mehr als je zuvor, diesseits und jenseits des Ozeans ist die P'rdsse empört und die Rogiernngen besprechen unser Los. Aber weder die Proteste lwch das Lärmen der zivilisierten Welt vermochten das kleine, trotzige Ländchen einzuschüchtern. Ernstlich gedroht hat ihnr niemand und gegei: Blamage ist es vollkommen unernpfindlich. Und jetzt, nachdem nichts geholfen Hai, nachdem es gezeigt hat, daß es Verträge mit den stolzen Unterschriften der größten Mächte mit de:: Füßen treten könne, daß ihm gar nichts imponiere und daß es seine Ungerechtigkeiten fleißig und m:gestört weiter ansübe, jetzt soll es plötzlich, ohne! Intervention, großmütig geworden sein? Kann jemand, der nur eine Ahnung von Politik hat und weiß, wie schwer man die kleinsten, obwohl heiligsten Rechte erkämpfen muß, wie ein Gegner altes, das er selbst gibt, am genauesten mit! der Wagschale des Interesses wiegt, kann jemand glauben, die rumänischen Staatsmänner hüllen über Nacht einen Anfall von Großmut bekommen? Nein, das können wir nicht glauben. Es ist aber doch Tatsache, daß einige Judei: das Bürgerrecht erlangt haben. Nun, die Erklärung ist sehr einfach. Rumänien hat jetzt mit ausländischen, mit jüdischen Kapitalisten 31t verhandeln und diese keimen so wenig unsere Lage, daß das kleine Opfer der rumänischen Regierung ihnei: leicht als eine große, grundlegende' Tak imponieren wird. Unsere Lago hat sich um kein Haar verändert. Wir werden als fremd betrachtet in einem« Lande, das wir seit Jahrhunderte!: bewohnen, für welches wir unaufhörlich gearbeitet haben und dessen schwere Zeiten wir zu tragen mitgeholfen haben. Wir sprechen die! Landessprache und studieren dessen Geschichte, viele von uns haben sich in seiner Literatur ausgezeichnet — wir bleiben doch fremd. Von unserer: Vätcrl: haben viele ihr Leben im Kriege für die Unabhängigkeit Rumäniens geopfovt; wir alle sind militärpflichtig und es gibt kein Regiment, das nicht eine Menge unserer Brüder aufweist — wir sind aber fremde Leute. Und als solche bedeuten wir in: Staate nichts, die öffentlichen Aemter und Katheder sind uns versperrt, von den „freien Karrieren" dürfen wir nur die Medizin — nur in den Städten — ansüben. Unsere Arbeiter bekommen keine Arbeit bei öffentlichen Unternehmungen und um Ausübung eines Handwerks müssen wir eine nur aus Rumänen zusammengesetzte Kommission ersuchen. Der Besuch der Schulen wird unserer: Kindern durch pekuniäre Hindernisse erschwert, den meisten aber unmögliche gemacht -— da die Mehrzahl unserer Juden rmbemlltell sind. Vorn Lande hat rnan uns vertrieben und in den Städten sind wir unsicher. Für uns eriistiert keine Schutzpolizei; wir sind unseren Feinden preisgegeben, sie dürfe:: — wann sie es wollen — uns schlagen und beschimpfen. Uns boykottieren und mißhandeln gehört nicht zu den Msralilätssünden; ein Verbrechen gegen unsereins vermindert keinem das Ansehei:. Genug. Diese kurze Aufzählung, die nur einer: kleinen Bruchteil der gegen uns ansgeübten Ungerechtigkeiten soll nur die Aufgabe erfüllen, unsere Lage den ausländischen Konnationalen zu Vergegenlvärtigen, darnit sie sich nicht von den falschen und interessierter: Gerüchten irreleiten lassen. Warn: wird diese Liste unserer Leider: verschwinden? B. L i 'b rese n. Krakauer Brief. Trotzdem die hierzulande herrschende allmächtige konservative Partei angeblich ihre Geneigtheit seit Jahren bekundet, die Juden in ihren politischen Rechten wie in ihren ökonomischen Erfordernissen nicht zu schmälern, ist doch biSnun der galrzische Landesausschuß, der sich ganz im Besitze dieser Partei besindet, judenrein geblieben; unter 280 Beamten dieser autonomen Körperschaft ist kein Bekenner des mosaischen Glaubens. Das ist noch nicht alles; jahraus jahrein spricht der Landesausschuß verschiedenen Hörern der Universitäten, Schülern der Technik, der Gymnasien und der Lehrerseminarien Hunderte von Stipendien zu und dabei werden die Juden an diesen Lehranstalten absolut umgangen. Am l6. d. M. veröffentlichte das Lemberger Amtsblatt „Gazeta Lwowska" die Liste der Stipendien, welche der galizische Landesansschuß am Neujahrstage zuerkannt hat. Diese erhielten 37 Hörer der Universitäten Lemberg und Krakau von 300 bis 1200 Kronen aufwärts; 2 t Schüler der Lemberger Polytechnik von 800 bi§ 1200 Kronen aufwärts; 04 Gymnasialschttler von 70 bis 400 Kronen aufwärts; 7 Realschüler, 0 Ackerbauschület von 60 bis 400 Kronen aufwärts; 4 Gewerbeschüler von 300 bis 400 Kronen aufwärts; 14 Lehrerseminaristen und -Seminaristinnen von 150 bis 400 Kronen. Unter all diesen Stipendisten befindet sich kein e i n z i g e r I u d e, trotzdem nicht alle Fundatoren der Stammfonds dieser Stipendien sich bei der Zuerkenmmg der Stipendien den christlichen Glauben zum Vorbehalte rnachten. Drängt nicht dieses Vorgehen des Landesausschusses die jüdische studierende Jugend in Galizien direkt in die Arme des Sozialismus und politischen Zionismus? Die jüdisch-galizischen Parlamentarier sollten die geeigneten Schritte bei dem Landmarschall Grafen Andreas P 0 t 0 c k i, dem der wachsende Radikalismus bei der jüdischen Jugend Sorge macht, unternehmen, daß er doch gegen diese Jugend in andere, besänftigende Bahnen einlenkt, daß der Landesausschuß bei Zuerkennung der Stipendien die Juden in dem perzentuellen Verhältnisse der Schülerzahl berücksichtigt, nach Recht und Billigkeit vorgeht, wenn er eine Beruhigung der jungen Gemüter, die zufolge der Bedrückung in den Reihen der Kämpfenden sich befinden, herbeisühren will. Der Reichsratsabgeordnete Herr Dr. Arnold Rapoport von Porada spendete den Betrag von 06.000 Kronen zur Erbauung eines Pavillons für ein jüdisches Kinderspital. Dieser Pavillon wird dem hierortigen israelitischen Spitale angereiht und soll den Namen „Lora Napoport'sches Kinderspital" führen. In der letzten Sitzung des hiesigen Kultusrates legte der Präses, Herr Dr. Leon Horowitz, eine Skizze vor, nach welcher eine Gedenktafel aus Erz angefertigt und zu Ehren des Wohltäters der Krakauer Judengemeinde, Dr. Arnold Rapoport, im Foyer des Spitales angebracht werden soll. Wie alljährlich hat Herr Dr. Rapoport auch am Neujahrstage 1000 Zentner Kohlen für die jüdischen Armen der hiesigen Gemeinde gespendet, wofür er hier den Dank entgegennshmen möge. Sonntag den 15. d. M. hat hier die Jahresversammlung des Vereines „Talmud-Thora" stattgefunden. Dieser Verein besteht seit 200 Jahren; derselbe ist noch vom Verfasser des Buches „Bach", Rabbiner Joel C e r k e s, geleitet worden. Bis vor etwa 12 Jahren befanden sich die Lehrräume der hiesigen „Talmud-Thora" in einem kleinen, morschen, einstöckigen Häuschen und im Jahre 1891 übersiedelte dieser Verein in ein neues, sehr großes und mit den neuesten Einrichtungen der Bautechnik ausgestattetes Gebäude, dessen Baukosten den Betrag von über 100.000 Kronen in Anspruch nahmen. All dieses Geld wurde unter Leitung des seinerzeitigen Vorstandes der „Talmnd-Thora", dem Herr Lebe! L eb en h e i m, der schon 30 Jahre für dieses Institut unermüdlich arbeitet, präsidierte, durch freiwillige Spenden und Sammlungen aufgebracht. In dieser „Talmud-Thora" werden gegenwärtig 460 arme Knaben unentgeltlich unterrichtet, und diese verfügt auch über eine dreiklassige profane Schule, in der die Unterrichtssprache polnisch ist. Das Institut kann wirklich musterhaft genannt werden und so hat es auch vor einiger Zeit der Pariser Schriftsteller Bernard L a z a r e genannt, der hier weilte und die „Talmnd-Thora" besuchte. Aus Anlaß des 50jährigen Regierungsjubilänms des Kaisers wurde hier seinerzeit eine jüdische Bibliothek unter dem Titel „Esra" geschaffen. Diese Bibliothek, welche zugleich über einen großen Lesesaal verfügt, entwickelte sich sehr vorteilhaft Nach dem letzten Zweijahresberichte der „Esra" besitzt diese schon 2350 Bände, die sich aus gekauften und gespendeten Büchern ansammelten. Im Jahre 190t wurde die Lesehalle der ,Esra" von 8566 und im Jahre 1902 von 9638 -Lesern besucht. Im Jahre 1901 wurden aus der Bibliothek 894 und im Jahre 1902 1161 Bände, meistens in hebräischer Sprache, nach Hause entliehen. Eine Gruppe hiesiger Wohltäter gründet daselbst einen jüdischen Verein zur unentgeltlichen Arbeitsvermittlung. So sehr diese Idee eine humane genannt werden kann, hat dieser Verein hierorts doch einen beschränkten Wirkungskreis. Es wird wohl immer ein Ueberfluß an Arbeitsuchenden, aber ein schreiender Mangel an Arbeitgebern sich einstellen, weil die Industrie hierzulande in jeder Hinsicht sich noch in den Kinderschuhen besindet. Wohin also die Arbeitgierigen anweisen und vermitteln? Dieser Verein könnte nur auf dem Gebiete der Zuführung des jüdischen Proletariats zur Feldarbeit wirken und wenn er dies unternimmt, könnte er dem Vorbeugen, daß sein Vorhandensein als entbehrlich betrachtet werden würde. Seit einigen Monaten strengte sich der jüdische Redakteur R. bei dem hiesigen k. k. Ackerbanvereine, der gegenwärtig 1007 christliche Grundbesitzer als Mitglieder zählt, an, daß dieser, der eine Subvention im Betrage von 50.000 Kronen jährlich vorn £. k. Ackerbanministerium, eine solche im Betrage von 24.000 Kronen vom galizischen Landesausschusse bezieht, auch jüdische Grundbesitzer cils Mitglieder anfnimmt, darnit diese von den Benefizien die der Verein seinen Mitgliedern gewährt, genießen können. Diese Bestrebungen des Besagten waren Punkte der Tagesordnung einiger Sitzungen des Zerrtral-Kornitees dieser Jnstitutiorr und Redakteur R. wurde berufen und ermächtigt in seinem Organe zu veröffentlichen, daß nunmehr alle jüdischen Grundbesitzer inWestgalizien (der Verein ist nur für Westgalizien) als Mitglieder ausgenommen werden. Redakteur R. publizierte diese Entscheidung, was eine furchtbare Entrüstung seitens der antisemitischen Presse hervorrief. Mögen nur die jüdischen Grundherren von diesem Siege vielfach Gebrauch machen, den antisemitischen Blättern wivd schon Redakteur R. zur Sache in seinem Organe erwidern. Der Wiener Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien verfügt hierzulande, wo er seine Tätigkeit entfaltet und woselbst 256 Knltnsgemeinden bestehen, über bloß 4 sage vier Ortsgruppen. Es sind nur vier vorhanden, weil von Seiten der Leitung des Vereines bisher nichts unternommen wurde, mehr Ortsgruppen zu schaffen. Nach der letzten Generalversammlung dieses Hilfsvereines erbot sich eine hier sehr bekannte Person, die bereits viele Beweise ihrer Agitationskraft auf dem Gebiete der Humanität in Galizien erbrachte, ad honoris jede Woche zwei bis drei Tage zu opfern und