Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 9 (27.2.1903)
- Date
- 1903-02-27
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt T. Februar 1903 Seite 7 Nr. 9 die Ortsgruppen im ganzen Lande, natürlich wo zulässig, zu organisieren. Diese Person beanspruchte selbstredend den Ersatz der Reisekosten, 8 bis 10 Kronen täglich pauschalster. Das Anbot wurde dem Leiter der hiesigen Ortsgruppe Herrn Dr. Hermann Brunner gemacht, der dieses der Leitung dos Vereines in Wien übermittelte. Letztere erklärte, für diesen Zweck keine Spesen zu geben, welches Vorgehen wirklich unerklärlich ist, zunral, wenn eine Person sich der Sache nck honoris opfern wollte, deren Leistungsfähigkeit auf diesem Felde über jeden Zweifel erhaben wäre und umsomehr überraschte diese Zurückweisung, nachdemes doch dem Vereine nicht an Geld fehlt und er ein Zentralbureau unterhält, das jährlich viele tausende Kronen absorbiert. Alts Galizien gehen jährlich zirka 100.000 Kronen für die„Chaluku" nach Palästina und wäre es ein Leichtes, 100 Ortsgruppen daselbst für den Hilfsverein zu organisieren, die jede alljährlich etwas abwerfen würde. Du dru Probepredigteu. Als zwölfter in der Reihe erschien Herr Dr. R o s e nm a n il, Bezirksrabbiner in Floridsdorf. Demselben ging der Ruf eines segensreich wirkenden Seelsorgers, sowie der eines jungen Gelehrten voran. Umso gewaltiger war die Neberraschung, in ihm auch einen exzellenten, modernen Kanzelredner zu finden. Die ganze Zeit hindurch hielt er die Gemeinde in atemloser, andächtiger Spannung. So tiefsinnig der erste auf Midraschim aufgebaute Teil war, so plastisch und verständlich gelangte er zum Bewußtsein der Zuhörer. Geradezu hinreißend wirkte der zweite Teil, in welchem gegen den Abfall vom Judentum in zündenden .Worten gesprochen wllrde. Leitinotiv der Predigt bildete der Satz aus dem Wochonabschnitt: „Schließe dich nicht der Mehrheit an — zum Bösen!" Wie fasziniert war das Publikum, als der Redner aus einem hebräisch-historischen Buche den Ausspruch eines Königs zitierte: „Dreierlei Wasser seien unnütz verschwendet, das Wasser, das man in den Wern schüttet — der Wein wird nicht besser, das Wasser, das man ins Meer gießt, das Meer wird nicht reicher, und drittens das Wasser, worin man Israels Glauben zu ertränken sucht, der Jude wird nicht anders." Ohne den vorhergehenden Rednern nahetreten zu wollen, meinen wir doch seststellen zu sollen, daß diese Predigt vermöge ihres geistvollen Aufballes sowie ihres durchaus modernen Charakters als eine der eindruckvollsten bezeichnet werden kann. Freudigst erregt und sichtlich gehoben verließ das Publikum in weihevoller Stimmung den Tempel und nahmen den Eindruck und den Wunsch inii, daß Dr. R o s e n m a n n auf den richtigen Posten gestellt, zur Erhaltung des Judentums soivie zur Herstellung des Friedens zwischen den verschiedenen Richtungen und Strömungen in der Gemeinde verinöge seiner ocatorischen Begabung sowie seines konzilianten Wesens Großes und Segensreiches leisten möge. Als Randbemerkung sei folgendes Erlauschte daran geknüpft. Nach der Predigt: Erster Vorstand: Die Predigt gelungen, gedankenlogisch ausgeführt, aber etwas scharf. Zweiter Vorstand: 30 Taufen in dieser Woche, mir aus der Seele gesprochen. P. Hücheremlemf. Beiträge zur Geschichte der Inden in Bayern, 1. Die bayerischen Parlamentarier jüdischen Glaubens, von Dr. A. Okstein. Druck nild Verlag der Handelsdruckerei. Es fehlt heutzutage nicht au milsikalischen Zeitschriften. Als solche hat sich auch die in erster Reihe stehende „Neue Mnsik- Zcitnug" (Verlag von Carl Grüuingcr iu Stuttgart) in Musikerkreisen längst Anerkennung imb Geltung verschafft. Ihre ungewöhnliche Verbreitung und volkstümliche Beliebtheit verdankt sie dabei aber noch dem besonderen Umstande, daß sie als „illustriertes Fainilienblatt" auch der gesamten gebildeten Welt überhaupt, ivo nur immer Liebe zur Tonkunst itnb Interesse für das musikalische Leben zu finden ist, durch gediegenste Stoffauswnhl Anregung, Unterhaltung und Belehrung in gemeinverständlicher Form zu bieten versteht. So gibt es denn in der Tat kein anderes Blatt, welches in gleicher Weise wie die „Neue Musik-Zeiinng" den Bedürfnissen des Musikfreundes und den Ansprüchen des Fachmannes zu genügen vermöchte. Auch das soeben vollendete Quartal dieser Zeitschrift (das erste ihres 14. Jahrganges) steht den früheren an reichem und interessantem Inhalt aller Art keineswegs nach. Hervorgehoben seien beispielsweise folgende Aufsätze ans der Feder hervorragender Schriftsteller: Die Sonate der Zukunft, Persönliche Erinnerungen an Brahms, Ein Qratorienentwurf von Goethe, Die Musik in Rußland, I. Daleroze und seine Kinderlieder, Urteile bedeutender Männer über Mozarts Don Giovanni, Die Musik des Urivaldes, Händels Alexanderfest, Ein neuer Klavierspielapparat, Bachs Orgelwerke in Klnvierbearbeitnngen, Zu Richard Wagners 20.- Todestagle, Das böhmische Streichquartett; außerdem eingehende biographische Artikel (nebst Porträts) über I. Reichhardt, Edlvard Elgar, Jsadova Dnncan, Hans Pfitzner, M. Clementi, M. E. Bossi u. er. Ferner brachte die „Neue Musik-Zeitung" fesselnde Erzählungen, originelle Feuilletons, kritische Besprechungen über Neuheiten im Opernhause, im Konzertsaale, auf dem Bücher- und Musikalienmarkte, zahlreiche Notizen ans dem Musikleben der Gegenwart, Anekdoten aus der Künstlerivelt und gewählte Texte für Liederkomponisten. Endlich enthielt jede Nummer künstlerisch ausgeführte Illustrationen, Musikbeilagen (Lieder, Klavier- und Ensemblestücke). Zu erwähnen wäre noch der Briefkasten, der den Abonnenten in allen möglichen Anliegen Winke und Ratschläge erteilt und kompositorische und literarische Versuche einer Beurteilung unterzieht. Trotz dieser unvergleichlichen Reichhaltigkeit beträgt der Abonnementspreis pro Vierteljahr (0 Nummern) nur 1 Mark. — Probennmmern versendet an Interessenten jede Buch- und Musikalienhandlung, sowie der Verlag selbst auf Verlangen gratis und franko. Die alt-israelitische Ncliaiou in den „Heldeirgeschichteu" des Nichterlmches von Dr. Friedrich Seyring, Hamburg. Eingesendet. Aufruf! Israelitische Kultusgemeinde in Dol.-Tuzla. Die im Jahre 1878 erfolgte Okkupation fand hier bloß zwei bis drei Familien eingeborener Israeliten vor, deren Anzahl sich durch Einwanderung von meist mittellosen Glaubensgenossen aus Oesterreich-Ungarn so weit vermehrte, daß die hoho Landesregierung mit Erlaß vom 18. April 1896, Zahl 47446/1, die Konstituierung einer israelitischen Kultusgemeinde in Dolnja- Tuzla gestattet und deren Statuten genehmigt hat. Was für die Völker des Westens die Nationalität ist, ist für die Balkan-Völker Religion und Kultus; für diese Idee bringen sie die größten Opfer; das Ansehen und die Achtung der Mitglieder einer Neligions - Genossenschaft hängt eng zusammen mit der Würde des Kllltus. Nachdem sich aber laut Kostenvoranschlag der Bau eines erhebenden Gottesdienstes würdigen Tempels bei der größten Einschränkung und Sparsamkeit auf zirka 25.000 Kronen stellen dürfte, wir selbst aber bei noch größeren Opfern diesen Betrag unter unseren wenigen und minder bemittelten hierortigen Glaubensgenossen unmöglich aufzubringen imstande sind, so sehen wir uns gezwungen, in Anbetracht der exponierten Stellung der Israeliten, der Kultur-Mission, die sie zü erfüllen berufen sind, des Ausspruches unserer Weisen «Sn Daß bw ribsn j-K fiDJsn rras «b« an unsere auswärtigen Glaubensgenossen und Vereine mit der Bitte zu wenden: uns mit einem Scherflein zur Erbauung eines Gotteshauses zu unterstützen, damit uns dieser gottgoweihte Ort eine Stätte der Erhebung und des Zusammenschlusses, ein Feld segensreicher Saat und segensvoller! Ernte werde. Spenden bitten wir an den Unterzeichneten Präses zu richten. Dolnja-Tuzla (Bosnien), im Februar 1903. M o r i tz L i ß k a Präses der israelitischen Kultusgemeinde Dolnja-Tuzla. # L ö b l i ch e Redaktion I Ihr sehr eifriger Korrespondent Herr „Jdnob" schildert sehr wahrheitsgetreu die llebelstände, die bezüglich des jüdischen Religionsunterrichtes in Böhmen herrschen. Wo liegt aber der Grund des Nebels? Da kann mau getrost sagen: Beim Landesschulrat. Aber da hat ja das Judentum einen Vertreterl Wohl wahr; aber ich bezweifle, ob ihm die Entscheidung zusteht, ivo und wieviel Stunden iind in ivelchcn Zwischenräumen Unterricht erteilt werde. Das bestimmt wahrscheinlich ein Statthaltereibeamter, der vom jüd. Religionsunterrichte keine blasse Idee hat. Denn sonst könnten keine solchen Ungeheuerlichkeiten Vorkommen. Mir wurde für 7 5tinder —• natürlich aller Altersklassen — eine Stunde in 14 Tagen bewilligt. Rekurs war wirkungslos. Ja, in Liboch müssen sich 8 Kinder mit einer Stunde in vier Wochen begnügen. Da könnte nur eine ivirkliche Gesanitvcrtretung der Judenschaft Böhmens Wandel schaffen. Dem vorgeschlagenen jüd. Schnlvereine kann ich kein günstiges Prognostiken stellen. Ja, wenn's für die „Matice skolska" oder für den Deutschen Schülvercin iväre, da hätten Niisere Herren Geld. Hochachtungsvoll D. S t r a n s k y. Inständige Bitte.. Ein g ä n z l i ch verarmtes, im hohen Greisenalter von 79 und 81 Jahren stehendes jüdisches Ehepaar, welches früher in besseren Verhältnissen stand und ums Vermögen gekommen ist, befindet sich in größter und drückendster Notlage und ist dem Elende p r e i s g e g e b e n. Die bedauernswerte Lage der alten Leute verschlimmert sich von Tag zu Tag, weshalb an edle Wohltäter und Glaubensgenossen die i n st ä n d i g e Bitte gestellt wird, den Vedanernsiverten eine gütige Unterstützung in ihrer traurigen Notlage znkommen zu lassen und durch milde Gaben das Los der hochbetagten Israeliten lindern zu helfen. Etwaige gütige Spenden übernimmt Arthur Schorr, Teplitz, Steinbadgasse 4, und werden solche ihrer Bestimmung zngesührt. UMteMmgeu am dem UudMnmi. Im Bethause des „Liwias Chen^ - Vereines (II., Obere Donaustraße 89) wird kommenden Sabbat, trbpw -2 den 28. Februar, V<4 Uhr nachmittags, Herr Dr. I. Links einen Vortrag halten. ä .;. -V-,' rj?': Lesennb Redehalle jüdischer Hoch sch iiler, Wien. In der am 21. d. M. stattgefundenen 18. Plenarversammlung wurden folgende Herren in den Ausschuß gewählt: Präsident: canrl. jur. Simon Fischel; I. Vizepräsident: phil. Jonas Holz mann; II. Vizepräsident: Rudolf Rosner. Ferner: jur. Wilhelm Berger, med. Robert Löw y, jur. Emil Weil, phil. Hermann Sternbach, phil. Jakob Teuwin, phil. Albert R e i ch, jur. Hugo Tauber. Der Verein jüdischer Handelsangestellter und Arbeiter „Achdns" in Krakau veranstaltet zugunsten des Konditionslosenfonds am 14. März l. I. im Saale des Turnvereines „Sokol" in Podgorze ein Kostümkränzchen (ohne Kostümzwang), in Verbindung mit einer Tombola. Adresse des Komitees: H. Vogler, Krakau, Stradom 25. W Der literarische Geselligkeits-Verein jüdischer Mädchen „Moriah" veranstaltet Mittwoch den 4. März 190B im Refsouree- Saale, I., Reichsrathsstraße 3, einen geselligen Familienabend mit Tanzkränzchen. Beginn halb 9 Uhr. , Neustrnschitz. Bei der am 26. v. M. vorgenommenen Neuwahl in der israel. Knltusgemeinde wurden folgende Herren in denVorstand gewählt: Ignaz Katz, Kultusvorsteher; David Kraus, Stellvertreter; Emannel Grab, Tcmpelvorsteher und Kassier; Ludwig Kraus, Rechnnngsführer; Karl S. Fischer, Schriftführer; Siegmund Strauß, AuSschußlnitglied. In den verstärkten Ausschuß wurden geivählt die Herren: M. U. Dr. Josef Kafka (Nenstraschitz), M. U. Dr. Adolf Heller (Kornhans), Sicgmnnd Löwner (Lahna), Jakob Katz (Srbetsch), Adolf Taussig (Neutsch), Joses Popper (Reiholetz). In die Umlagskomnnssion die Herren: I. II. Dr. Hugo Fischer (Neustraschitz), Emannel Graf (Nenstraschitz), Ludwig Taussig(Rentsch), deS Kassarevisoren I. II. Dr. Hugo Fischer und Adalbert Katz. A. S. Spezialist in vornehmen Herrengarderoben, besonders englischen Genres, ist die Herrenkleider-Firma L. Wein. Auch hält die Firma reichhaltiges Lager von In- und Ausländer- Stoffen. Gleichzeitig verweisen wir auf das Inserat in der heutigen Nummer. Für ein Manufakturgaschäft in der Provinz, en gros et en detail wird ein tüchtiger Kommis der der deutschen uud böhmischen Sprache mächtig ist, gesucht. Selber muss sich auch zum Reisen eignen. 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Klasse: Manuelle Arbeiter. 9 Anstreicher, 5 Aufpapper, 0 Bäckcr, 7 Buchbinder, 1 Buchdrucker, 1 Karko 1 magearbeiter, 1 Drechsler, 10 Elektromonteure, 0 Fleischhauer, 2 Friseure, 9 Glaser, 9 Goldarbciter, 1 Gürtler, 27 Hausknechte, Geschäfts- und Burcaudiener, 27 Hilfsarbeiter, 4 Hutmachcr, 2 Kellerarbeiter, 9 Kellner, 1 Kürschner, 7 Kutscher, 9 Laufburschen, 7 Lehrlinge, 1 Magazineur, tüchtige und verläßliche Hausbesorger, I Maschinist u. Heizer, 3 Metallarbeiter, 10 Monteure, 40 Schlosser, 14 Schneider, 9 Schuhmacher, 19 Spengler, 12 Tapezierer, 4 Taschner, 6 Uhrmachel', 1 Zeichner, 2 Zimmermaler. kl. Klasse: Kaufmännische Angestellte. 6 Branntweinverschleißcr, 18 Buchhalter und Korrespondenten, 140 Kommis diverser Branchen, 99 Kontoristen n. Strazzisten, 4 Inkassanten, 14 Kanzlisten u. Schreiber, 3 Manipulanten n. Expedienten, 8 Platz-Agenten und -Vertreter, 19 Praktikanten, 13 Reisende. Weibliche Abtheilung. 2 Bonnen n. Kindergärtnerinnen, 99 Kontoristinnen n. Kanzlistinnen, 16 Expedieiitinnen und Manipnlantinnen, 3 Hilfsarbeiterinnen, 2 Kassafränlein, 2 Kravattennäherinnen, 10 Näherinnen u. Schneiderinnen, 29 Praktikantinnen, 76 Verkäuferinnen, 3 Verschleißerinnen, 9 Wirtschafterinnen n. Stützen der Hausfrau. III. Klasse: Geistige Arbeit. 43 Hauslehrer n. Hofmeister (meistens Hochschüler, lvekche Gymnasiasten und Realschüler nnterrichten), 2 Lehrerinnen u. Erzieherinnen. Ostens Stellen. Vou männlichem Personal : 1 Monogrammsticker, 1 Wagner, 1 Werkzeugmacher für Stanzen u. Schnitte, 1 Advokaturskanzlist (mit Polnisch in Wort u. Schrift), mehrere Sollizitatoren (tüchtig), 1 Kontorist (mit Polnisch und Ruthenisch), mehrere Kontoristen u. Buchhalter, mehrere Spezereikommis, Lageru. Kontor-Praktikanten. Von weiblichem Personal: 1 Trafikvcrschleißerin (tüchtig, keine Anfängerin), mehrere Maschin- .nähcrinnen, mehrere Lehrmädchen. XXXXXXXXXXXXXX>0 XXXXXXXXXX)<XX)<XXXXX>0<XXX Papierhandlung Richard SRal, Wien, IX. Liechtensteinstrasse 21. 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