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Jüdisches Volksblatt · 1903-02-27 · 9 (27.2.1903) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
9 (27.2.1903)
Date
1903-02-27
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 9 Jüdisches Volksblatt 27. Februar 1903 Seile 5 Wien, Freitag eine Oilüte Don 10 Petent gegen 10.0 Perzent int Vorjahre erzielt. Die vorstehende vergleichende Statistik, die dem offi,zielten Berichte des Kreditoren-Vereiites entttontmeit ist, ergibt zur Genüge, das; die betreffenden Daten für den arg verlästerten gal irischen Handelsstaild recht günstig sind, zum mindesteit aber nicht schlechter gegen die für Böhmen ins Treffen geführten erscheineit. Dies spricht wohl Bände. Hinzngefügt muß jedoch noch werdett, das; Böhmen eilt Kranland ist, mit der höchst entwickelten Industrie, die Hunderttansenden reichlichen (Lrlverb bietet, mit einem wohlhabenden, zahlreichen Bürgerstand, einem begüterten Adel, reichen Bistümertt, Pfarreien» Klöstern und Stiften und einem über belangreiches Einkommen verfitgenkit Bauernstand. Galizien dagegen zählt bekanntlich zu den materiell am ungünstigsten situierteit Provinzen, das keine Industrie besitzt, über keinen nennenswerten Bürgerstaitd verfügt, einen meist verschuldeten Adel hat, dessen Landwirtschaft am wenigstert ertragsreich ist, mit einer durchschnittlich armen Bevölkerung, was namentlich von der jüdischen gilt. Wenn dessenungeachtet die Kreditverhältnisse in dem armen Galizien nicht schlimmer geartet siltd als in dent reichen Böhmen mit einer auf der Höhe der Zivilisation stehenden Einwohnerschaft, so uttis; die fortwährende Anrempelnng des galizischett Handelsstandes als ungerecht und tendenziös bezeichnet weröen. Man kann als Motiv dafür nur den llmstand finden, das; in Galizien der Handelsstand sich zumeist unter den Juden befiitdet, und an Juden das Mütcheit zu kühlen, gehörte stets zu dett Extravergnügungen des Wiener Kreditoren-Vereines, trotzdem oder tveil die überwiegeitde Mehrzahl der Vereinsmitglieder nnb des Vereins- Vorstandes selbst Juden sind, betten es ja bekannt ist, mit welch schwierigen Verhältnissen die galizischen Händler zu kämpfen Habem welche letztere fortschreitend verarmen, am Huugertuche nagen, wahrend die arischen Fabrikanten, für die sie deit Büttel machen, große Neichtümer samnteln, ihre Fabriksetablissemettts von Jahr zu Jahr ansdehnen und eine fürstliche Lebensweise zu führen vermögen. Mr sind die letzten, die frandtstose Zahlmtgseiitstellungeit zu entschuldigen oder zu beschönigeit die Absicht haben, wir plaidiereu vielmehr dafür, das; Treu uud Glaubeit im geschäftlichett Verkehr als oberster Grundsatz zu gelten habe. Wogegeit aber Einspruch erhobeit werdett tmts;, ist die leider unleugbare Tatsache, das; die jüdischen Geschäftsleute differenzierend behandelt werdett, das; matt sie tutgerecht behandle tind im Gegensatz ztl den arischeit Häitdlertt als minderwertig verschreie. , Jüdische Volksbibliothek. Der .Jüdische Volksverein" unterhält in Verbindung mit seiner Frei-Lesehalle eine Bibliothek. Wir richten an alle Freunde unserer Sache die herzliche Bitte, dieselbe durch Bücherspenden zu vervollständigen und zu verstärken. — Bücher sind zu senden an das Bureau des „Jüdischen Volksvereins", II., Leopoldsgasse 49. Wien. Dienstag den 24. Februar fand im Eiuzelvere t n „M i c n" des „Z i o tt" ein Vortrag des Herrtt Dr. Egoit M. Zweig über Israel Abrahainsohtis Islam statt, der mit großem Beifall ausgenommen wurde. Alt der hierauf folgeudeit Diskussion beteiligten sich die Herren Ehrlich, stud. Meisl, Z.ellermayer jun. tmd Schimmer. Dienstag den 3. März hält Herr Redakteur Jttlius llprimith einen Vortrag, dessen Thema bekanntgegeben wird. Anfang 8 Uhr abeitds. Gäste herzlichst willkommett. Probeprcdigten im Leopoldstädtcr und Städttempel. Herr Rabbiner Dr. E. David aus Düsseldorf hält Freitag den 27. Februar bei dem Abeitdgottesdieitste, der tun 6 Uhr 45 Minuten beginnt, im Leopoldstädter Tempel, 2. Bez., Tempelgasse, die Predigt und am Samstag beit 28. ds. M. bei dem tun 3 Uhr nachtnittags stattfindenden Jugendgottesdieitste im Stadttempel, 1. Bez., Seitenstettengasse, die Exhorte vor deit Mittelschülern. Literarischer Geselligkeits-Verein jüdischer Mädchen „Moria". Sonntag den 1. März wird Herr Marek Scherlag, Schriftsteller, eigene Novellen „Opfer aus dem Lebeit" zur Vorlesung bringen. Begimt präzise dreieinhalb Uhr ttachmittags im Neligioussaale der Knltusgemeinde, 1. Bez., Seitenstettengasse 2, 2. Stock. Gäste herzlich willkommett. Derselbe Verein veraitstaltek Mittwoch deit 4. März einen geselligen Familienabend mit anschließendem Tanzte änzcheit im Nessourcesaale, 1. Bez., Neichsrathsstr. 3. Eilt reichhaltiges Programm unter Mitwirkung hervorragender Kmtstkräfte ist vorbereitet. Jüdischer Geschäftsgeist der „Ostdeutschen Rundschau". Aus Teplitz wird mts geschrieben: Die antisemitisch „Ostdeutsche Ntmdschau" verseitdet Zuschriften an Fabrikanteit nnb Geschäftsleute, in welchen sich das Blatt ztir Aufitahme Don Inseraten bestens empfiehlt. Eilt solches Schreibeit erhielt kürzlich attch eilt hiesiger j ü d i s ch e r Fabrikant, dessen 9ternte jeden Ziveifel über die Avstanunung desselbett ausschließt. Während die gesautte all- und ostdetrtsche Presse tticht oft gettug gegeit den Eittfluß und die Macht des jüdischen Kapitals loszieheit kamt itttb jeden Juden vorweg als Schwittdler mtd Betrüger erklärt, während die Zurückdrältgtutg mtd Bekämpfung des Judentums als eine „sittlich" ttotlvendige mtd „volksretterische" Tat augepriesen ivird, geht eben eilt solch atttisetnitisches Blatt mit Jnsertiousattgeboten zu Jtlden schnorren, tutt ein Geschäft zn machen. Das Blatt erbietet sich, für Geld die sonst so verlästertett jüdischen Firmett in feinem Inseratenteile anzupreiseu nnb zeigt sich bereit, eben diesen „jüdischen Schwindlern" deit „Betrug" zu erleichtern. Das heißt mau doch Ueberzeuguitgstreuel Geld stiilkt nicht, mich tuetut es vom Juden stattunt. A. S. Sabbat- oder Sonntagsruhe? Ans Ezcrnolvitz lvird geschrieben: Demnächst biVilftc in unsere;;; Abgeordnetenbanse die Frage der neuerlichen Regelung der Sonntagsruhe verhandelt lverden. Aus diesem. Anlasse beschlossen in den meisten größeren Städten die Vertreter der jüdischen Kaufmannschaft und des jüdischen Gewerbes, eine Petition an die beiden. Häuser des Nei«chjs'Mt>es zn richten, des Jlrlialtes, für den jüdischen! Handels- und Gewerbestalid diese Frage in der Weise zn regeln, daß derselbe zu einer Arbeitsuche von Freitag Vorabends bis Samstag nachts, eventuell Sonntag früh Verhalten lverde. Für die lleberreichnng der Petition seitens der Czeriwwitzer Beteiligten wenden jetzt hier Unterschriften; gesammelt. Wenn es Inden mären! Unter diesem Titel brittgt die tschechiscbe Zeitstht'ift „Katolicke Listtz" in ihrer letzten Sottntagsnttmtner an leitender Stelle einen Artikel, in dem sie mit Rücksicht mts die .Katastrophe der St. Wenzels-Vorschnßkassa in Prag die mangelnde Solidarität auf katholischer Seite besprechen tttib auf die Solidarität der Juden in den Fällen Drehfus und Hilsner verweisen. Das klerikale Blatt sagt tt. a.: Wir fragen: „Wenn es Jttdeu wären, so würden sie sich in einer Sache verhalten, welche die moralische sristenz ihrer Religion so bedrohet; würde, toie die Affäre der St. Wenzels-Vorschußkasse die katholische Religion in Böhmen bedroht? Jeder Ivird uns recht geben, wenn wir sagen, daß die Jtlden diese elendett paar Millionen in acht Tagcit beisammen hättet;. Alle in jüdischen Händen befiitdlicheit Baitkeit würdett Hmtderttattseitde zusammentragen, damit die Schande von Israel genommen werde. Welch trauriges Schattspiel aber zeigt sich bei mts. Unsere Vorschußkassett mtd insbesondere viele Prager verweigern den Mitgliedern der St. Weitzels-Vorschußkassa und ihren Kasseittett, so weit diese Mitglieder der Kassa siitd, jeden Kredit, obwohl sie wissen, das; durch die Katastrophe der einen Vorschußkasse alle auderett ztt leiben haben werdett. Wie sich die Prager Vorschußkassett verhalten, so verhielten sich gegenüber den Ertrinkenden die Skrattdräuber ait dett Ufern des Deutschen Meeres. Mögen uns Christen doch die Jtlden Solidarität lehren. Würden die Jndeit sehett, daß zn befürchten sei, daß Tausende von ihrem Glanbett abfallen, würdett sic sehett, wie die sozialdemokratischen Orgaite die Bataillone der Veschäftiguttgsloseit zum Feustereiuwerfett mobilisieren, sie würden sicherlich dett letzten Dukaten tticht schonet;, um sich von der Schande loszttkaufett." Der Artikel klingt in einem sehr scharfen Angriff gegen deit Hoheit Klerus ans und schließt: „Möge diesen nicht einst das Urteil treffeit: Es tvar eine große Zeit, aber ein kleines Gcschlcchtl" A. S. Einweihung einer israelitische« Volksschule. Bor kurzem wurde in Pohrlitz die israelitische Volksschule unter zahlreicher Beteiligung eingetveiht, wobei schwungvolle Reden gehalten wurden. Eine illiberale Verordnung. Der ungarische Finanzminister hat bekanntlich eine drakonische Verordnung erlassen, laut welcher den jüdischen Trafikanten die Heiligung des Sabbats unmöglich gemacht wird. Die Pester „Jüd. Allg. Zeitung" exponiert sich in dieser, die ganze ungarische Judcnheit, das religiöse Laben hart berührenden Sache irr lobenswertester Weise. Zur Orientierung genannten Blattes und der in ihrem religiösen Gefühle hartgctroffenen Interessenten ist in dieser bedauerlichen Angelegenheit eine Wendung zum Bessern in Aussicht. Der Reichstagsabgeordnete Dr. Soma V i s o n t a i nämlich, dem die ungarische Jndenheit auf derartigem Gebiete schon Manches ztl verdanken hat, wird — wie dies von kompetenter Seite versichert wird — auch in dieser Angelegenheit die nötigen Schritte unternehmen. Eine interessante Ehescheidung. Trotz der Taufe und der Aufopferung einer Million Gulden mußte sich der als Jude geborene Baron Hermann Künigstvarter von seiner christlichen Gattin, Melanie Blaskovich, scheiden. Noch zu Lebzeiten seines Vaters, des Wiener Barons KönigSwartvr, hatte diesen jene Dame kennen, gelernt!, die er aber nur unter der Bedingung heiraten durfte, wenn sie Jüdin Ivird. Sie ist auch znm Judentum übergetretm und Baronin geworden. So lange der Vater lebte, zögerte der Sohn, ihn durch einen Glanbenswechsel zu kränken. Nach dem Tode des alten Barons aber fand man in seinem Testamente eine Bestimmung, wonach der Sohn, „wenn er sich taufen lassen sollte", aus dem Nachlasse eine Million Gulden zugunsten wohltätiger Zwecke zu zahlen habe. Tatsächlich Iic* wog die junge Baronin ihren noch immer verliebten Gatten, die Taufe zn nehmen. Der verstorbene Kardinal Schlauch vollzog den Taufakt des ungetansten Juden und seiner zur Jüdin gewordenen Gattin. Baron Heumann Kiönigswarter, znm Christentum' übergetreten, verlor die Million. Wie sehr ihm Letzteres behagt, beweist folgendes Telegramm ans Nagyvarad: Der hiesige königliche Gerichtshof hat: die Ehescheidung zwischen dem Baron Hermann. Königslvarter und Melanie Blaskovich ausgesprochen. Melanie Blaskovich erhält eine 4800 Joch umfassende Pnßta und eine Jahves-Apanage von 30 000 Kronen. Ausland. Berlin. Unter den Zttckungett ttttd Negungeit, die der jüdische Volkskörper in politischer Beziehung Don sich gibt,- ist eilte der interessantesten die Tätigkeit des „Zentrak-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glattbetts". Der Titel ist zivar etwas lang geraten, aber keilt Buchstabe mtenkbchrlich. Besoitdere Bedettkttttg gewinnen die Adjekkiva in der Firma: Deutsch und jüdisch, ad 1 will ich den s>. der zehn Leitsätze des Z.-V. sprechen lassen. „Nur die Zusammenfassmtg aller im deutschen Volke vorhaitdeiteit sittlichen und geistigen Kräfte hat Denkschlaitd zur Einheit ttttb Größe geführt. Diese Güter ztl wahren, ist Pflicht jedes Patrioten." Das klingt wie ein Paragraph ans dem Statttt eitles Kriegervereins. Attf die Anfrage eines Nationaljndett in einer der letz teil Versamntlungeit nach den Erfolgen des Vereins zählte der Vorsitzende die Bestrafmtgett auf, die Pückler, Bruhit ttnb Genossen wegen Beschuldigung des Rikttalntordes erhielteit. Dieses Schleppen vor den Kadi sollte doch bloß ein Nebenzweck sein. Berlin. In deit vott der Deutschen Verlngsattstalt herattsgegebcnen „Lebeitserimternitgeit eines Bildhauers" erzählt bemerkenswerkerweise Josef von Kopf, wie viel die Knitst heutzutage den „Mäzenen israelitischer Konfessiott" verdankt: „Diese Leute" —heißt es da — „sind ja fast noch die einzigen, die für die Kmtst etwas übrig haben." Dazu bemerkt das jitdeitliberale „Berliner Tageblatt": „Wir mühten, uns sehr tättscheit, lueuti Kopf mit die seit Worten nicht mittdesteits nennZehnteltt der dentschenKüttstser ans der Seele gesprochen hat." Wohl ist diese Tatsache richtig, aber leider haben diese „Mäzene israelitischer Kottfessioit", wo es sich tun jüdische Künstler handelt, meist taube Ohren nnb verschlossene Taschen. Berlin. Im Vereinssaale der Gesellschaft der Fretntde sprach Herr Rabb. Dr. Werner-Müncheit über „Weltschmerz tutd Jttdetthiiit". — Im Festsaale des Logenhauses hielt Herr Pros. Dr. A. Daginskh für das Hilfskomitee für die rumänischen Juden in Palästina einen Vortrag. M. N. Jude und Unteroffizier. Wegett Gehorsamsverweigerung, Beharrens im Uttgehorsam mtd AchttmgSverletzung vor versammelter Mannschaft stand mtt Dienstag der frühere Kmtottier Kttrt Bock vom Landwehrbezirk Kattowitz in BreSlau vor dem Oberkriegsgericht des 6. Armeekorps als Bernfuitgsinstanz. Der Angeklagte tvar vom Kriegsgericht der 12. Division zu Neisse am 18. Juli v. I. ztt sechs Monaten Gefäitgttis verurteilt worden, hatte gegen das Urteil Berufung eingelegt. Daratif hatte das Oberkriegsgericht am iw. Atigtist die Strafe attf vier Monate Gefängnis herabgesetzt. Gegen dies Urteil hatte der Attgeklagte Revision beim Reichs-Niilirärgericht aitgemeldet, tmd mtt 18. Dezember b. I. hat dieses das Urteil aufgehoben tutd die Sache zur nuchtnaligett Verhandlung att das Oberkriegsgericht znrückvertviesert. Der Angeklagte ist jüdischer Konfession mtd Kanftnamt, seine militärische Führung war schlecht, mtd er ist oft disziplinarisch vorbestraft. Das Nationale bezeichnet ihn als mtsanber, unverschämt, faul und vcrlogeit. Er biente im Artillerie-Regiment Nr. 21. Am 12. v. I. befahl ihm Unteroffizier Nogos das Puhett eiites Pferdes, dabei soll der Unteroffizier den Maitit als „verfluchtes, gemeines Judenaas" angeredet haben. Der Unteroffizier gibt diese Ausdrücke zwar nicht ztt, bestreitet sie auch tticht und meint, in der Anfregmtg könne er Wohl so gesprochen haben. Bock sei wegen seiner jüdischen Kottfessioit vielfach geneckt mrd mich geschlagett worden. Nach deit Zeugenaussagen hat Bock trotz wiederholten Befehls des Unteroffiziers sich geweigert, das Pferd ztt putzen, und erklärt, der Unteroffizier habe ihm ttichts zu befehlen, er gehe nicht in beit Stall, er lasse sich tticht schlagen und mit Pfcrdemist werfen, es sei ihm gleich, ob er dafür auf Feskuttg fonttttc. Er sei der einzige Jude, man mache mit ihm, was matt wolle. Der Vertreter der Anklage, Oberkriegsgerichtsrat Laub, rügt den Ausdruck „Judcnaas", die Konfessiott spreche beim Militär tticht mit, mtd das religiöse Empfittdeit des Kattottiers hätte tticht verletzt werdett dürfen. Er beantragte int Hinblick hierauf gegen Bock 3 Monate 21 Tage Gefängnis. Das Oberkriegsgericht erkattitte nur auf 2 Monate und 14 Tage Gefäitgttis, indem es dem Kanonier zugute hielt, daß er ditrch die Beleidigung des Unteroffiziers gereizt worden sei. So ist die Strafe von 3 Jnstanzcit von 0 attf 4 zuletzt mts 2 Monate reduziert worden. Ait der neuen Spur iu der Konitzer Mordaffäre hält der Danziger Arzt Dr. A. Mittig, wie aus enter Erklärung in einem dortigen Blatte zu ersehen ist, fest. Es handle sich überhaupt um keine Konitzer Familie und ebensowenig um drei erwachsene Töchter. Inwieweit mtd ob überhaupt die Verdächtigten als Beteiligte, Hehler pder Mitschttldige in Frage kommen und Anlaß zttr Verfolgung vorliegt, wird naturgemäß ganz von den amtlichen Erhebungen abhängen. Eittzclheiten, die etwas Licht in die so traurige Affäre bringen würden, gibt der Arzt tticht att, vermutlich, um die Untersuchung nickst zu gefährden, meint aber, das; das Material, die Wahrheit vorausgesetzt, „das höchste Interesse der gesamten Welt heransfordert". „Maulheldentum". Die Kennzeichnung des alldeutschen und antisemitischen Maulheldentums dttrch deit Herrn Reichskanzler in der Sitzung vom 21. Januar hat Herrn Liebermann von Soimcnberg an seiner verwundbarsten Stelle getroffen, in seiner Eitelkeit. Der Führer der dcntschsozialen Partei posiert gern als großer Staatsmann, der ans dem Gebiete der ittternatiottaleit Politik zu Hanse ist wie mir ein zünftiger Diplomat. Um so schwerer mußte er sich gekrältkt fühlen durch das harte Wart des Herrn Reichskanzlers. Dieser Schimpf heischte Rache. Dazu bot sich erwünschte Gelegenheit während der Etatsberatung, in der Herr Liebermann van Sonncnberg am 0. Februar zum Wvrt gelangte. Er schloß seine im allgemeinen recht matte Philippika gegen den Grafett Bülow mit der boshaften Wendung.»Maulheldentum kann nur bei denen gesucht und gefunden werden, die die Macht tmd die Pflicht ztl Taten haben, es aber bei großen Worten bewenden-lassen." Der Herr Reichskanzler hielt es nicht der Mühe wert, hierauf speziell noch einmal zu antworten, er erklärte nur ganz kurz: „Ans den geschmackvollen Schluß der Rede des Herrn Abgeordneten Liebermann von Sonnettberg will ich ebensowenig eingehen, wie auf seine Ausführungcn pro domo sua." Diese kühle mtd kurze Abfertigung dürfte freilich und ebensowenig itach dem Geschmack des Herrtt Liebermann von Sonnettberg gewesen sein, der gern damit rettommiert, wenn der. Herr Reichskanzler möglichst eingehend auf seine Reden antwortet. Einwanderung in die Kapkolonie. Aus London wird geschrieben: Die Zurückweisung der 120 jüdischen Eim Wanderer durch die Kap-Negierung steht nach wie hör im Vordergründe der Diskussion, nicht nur in den jüdischen Blätter;;, sondern auch in den Tageszeitungen. Von den meisten der letzteren wird mit rückhaltloser Offenheit zu gestände;;, daß die „Einwandeilungsbill von 1903", durch welche die Emigranten dem willkürlichen Ermessen der Hafenbehörden preisgegeben lverden, in erster Reihe bezwecke, unsere Glaubensgenossen, welche als Kleinhändler, Sweeter und überhaupt als Undesiva'bles koinmeu, wrnzul,alten. Daher die Bcstiimmung, daß jeder Einlaß-Begehrende nach! Diktat! iu einer europäischen. Sprache, als welche das Hebräisch und der Jargon nicht anerkannt werden, sein Nationale uirderzuschreiben hat, uud vor allem, daß er sich, über den Besitz von 26 Lstv. (600 Mk.) Pro Kopf der Familie anslveisen muß. Durch diese beiden Forderungen wird tatsächlich Südafrika jüdischen Einwanderern^ völlig versperrt. Wie bereits mitgeteilit! wurde, ist das Gesetz zur Aulveudung gelaugt, bevor dasselbe in England überhaupt publiziert lvorden lvar. Die „Union Castle Company" welche durch das überhastete Inkrafttreten der Bill fchlver geschädigt wurde, hat deshalb die unbedingte Zulassung der 1200 auf dem Wege nach Südafrika befindlichen jüdischen Passagiere gefordert. Der Protest der einflußreichen Gesellschaft hat belvirkt, daß 100 Juden, lvelche mit dem Dampfer „Jonic" iu Kapstadt eintrafeii, an Land gelassen wurden, aber erst nachdem die dortige Jewish Association" sich für ihre dauerudeBeschäftiguug verbürgt hatte. Auch die Zurückweisung der 120 auf dmn „Doune Castle" Eingetroffenen ist schließlich aufgehoben lvorden, nachdem die Glaubeusgenofsen Kapstadts in bewundernswerter Bruderliebe binnen ivenigen Stunden den. Betrag von (»000 Lstr. (120 000 Mark) aufgebracht hatten. Was die gegenwärtig auf der Fahrt nach Südafrika begriffeneil 1000 jüdischen Flüchtlinge betrifft, so hat der General- Agent der Kapkoloniv zugcfichevt!, sich für ihw bedingungslose Zulassung eiuzusetzeu. Es dürften dies, wenn nicht eine durchgreifende Aeuderung. der EiuwanderNugsbestiminungen, zumindest ihre mildere Handhabung etntritt, die letzten Juden sein, lvelche südafrikanischen Boden betreten dürfen. Keine Schiffahvtts-Gesellschaft findet sich bereit, jüdische Zwischeudeck-Passagiere mitzumacheu, und denjeni-- gen, lvelche bereits Zahlung geleistet haben, lvird das Geld zurückerstattet! Wahrhafte Jammerszeuen spielten sich hier am vorigen Mittwoch ab, wo 200 Flüchtlinge abreisen lvollten uud im Begriffe, das Schiff zu besteigen, bedeutet lvurdeu, daß sie nicht mitgenommen lverden. Sehr bezeichueudorlneise drängten sich die Sendliuge der Missivll au die Unglücklichen heran, uni die in ratloser Verzweiflung die Straßen Durchirrend-en einzufangen. Selbst verständlich lvar der „Liebe" Mühe umsonst! New-Nork. (Die erst e rumänische S tz tt a g o g c i u New - Nor k.) Die wachsende Attswandernng der Juden aus Nttmättien Hai es bewirkt, daß in New-Nork, dem Emporium der jüdischen Enrigmtion in die Vereinigten Staaten, sich eine zahlreiche rnmänischeGemeinde gebildet hat. Wie groß diese Gemeinde tt*

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