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Jüdisches Volksblatt · 1903-02-20 · 8 (20.2.1903) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
8 (20.2.1903)
Date
1903-02-20
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 20. Februar 1903 Nr. 8 ' V //- 'ii; /;!-;V;?)v! Pa'.' ■i- ■■ i.v , : /' ■ n/.; . ft u;-- Vü;.' ](U%. m -i der wenigen Germanen und der etwas zahlreicheren slovakisthen Renegaten einen feierlichen Eid frei nach dem Psalmisten, seine Hand möge verdorren, wenn er das Deutschtum verlassen werde. Damals tvareu die Juden so sehr begeistert, daß sie und insbesondere die Bisenzer Inden in Scharen wegen Wahlstirnmenkauf zugunsten des deutschen Kandidaten Johann Prohkar vor dem Krcisgerichte in Ung.-Hradisch und mit Recht verurteilt tvurden. Inzwischen änderten sich die Zeiten. Johann Protzkar sah, daß dem Deutschtum rrur dann in Ung.-Hradisch zu helfen sei, ivenrr von der Bürger- Partei ein Kompromiß mit den Tschechen geschlossen tverde und er, Joharrrr Prohkar, Kornpromißbirrgerrneister tverde. Gegenstand des Kompromisses war auch cirre Auszeichnung des Joharrn Prohkar als Person mrd die Ueberlassnng des LandtagSrnarrdates arr die Tschechen. Ter erste Kandidat der tschechischen Partei, der auch dermalen noch das Mandat der Tschechen in der Harrd hat, war der Agitator Johann Protzlars in der Zeit der Wahlschlacht gegen den Grafen Schönborn I So blieb also Joharrn Prohkar Kompromißbürgermeister. Nacv Äblauf einer Wahlperiode, urrd zwar im Jahre 1890 wurde er tschechischer Bürgermeister, die Sürrderr seines Deutschtums waren bereits verziehen und er blieb weiter tschechischer Bürgermeister bis zum Jahre 1896, in wclchenr Jahre er allerdings verzichtete, weil er anders nicht mehr konnte. Die Amtstätigkeit als tschechischer Bürgermeister hinderte ihn Ivegen seiner Vielseitigkeit nicht, mich um diese Zeit noch Vertrauensmann des Deutschen Vereines in Brünn ztl sein, dessen Ung.-Hradischer Mitglieder damals er, der slobakisch geboreite, nachher deutsche, später tschechische Bürgermeister, der getaufte Jude Dr. .Kaiser und der wirkliche Jude Verteidiger Tr. Winter waren. Die Juden aber in unserer Gegcitd sind nach wie vor treu dem angestammten Deutschtum geblieben, sie lassen sich aus allen Positionen ruhig und sicher vertreiben, sic lassen rings um sich her die ehemaligen Deutschen arischen Ursprunges und slovakischer Stammeszugehörigkeit die tschechischen Posten besetzen, weil sic, die Juden, das Deutschtum nach wie vor nicht verraten wollen. Sie halten fest an Tent, sie reizen die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung, die Tschechen, wo sie nur können, sie sind und bleiben eine Macht des Deutschtums, weil sie vom Judentum nichts wissen. und nichts wissen wollen, und übersehen in ihrer Kurzsichtigkeit, daß sie langsam, aber sicher dem wirtschaftlichen Ruin entgegengehen, wenn sie ohne irgend einen vernünftigen Grund die Wacht an der March in politischer und kultureller Beziehung aufrecht erhalten wollen, ein vergebliches 1 Beginnen, das dieses Pseudo-Deutschtum nicht mehr retten kann, > aber sie selbst in das Verderben hineinzicht. Jüdisch-akademische Verbindung „Zephirah". Dir Mitglieder der Jüdisch-akademischen Verbindung „Zephirah" Verl K i n sbrunner und Mendel Kinsbrunner wurden am 13. Februar 1903 zu Doktoren der Rechte promoviert. Verein zur Ausspeisnng armer israelitischer Schulkinder des 16. und 17. Bezirkes, Wien, 16. Bezirk, Hubcrgasse 8. Bei der am 6. Februar 1903 siattgefundenen vierten ordentlichen Generalversammlung des Vereines zur Auspeisung a rin er israelitischer Schulkinder des 16. und 17. Bezirkes tvurden folgende Herren für das Jahr 1903 in die Vereinsleitnng gewählt: Dr. Anton Löwy zum Obmann, Tr. Alfred Cohn zum Obmanustcllvertrewr. Adolf Kohn zum Kassier, Sigmund Schicklcr und Hermann L-chosberger zu Schriftführern, Dr. Hermann Modern und Ludwig Spitzkops zu Revisoren;zu Ausschüssen die Herren: Moritz Auspitz, Sainuel Brandt, Adolf Fischer, Salamon Fuchs, Jacob Holzer. Moritz Pick, Bcrnard Wiener, Tr. Gustav Wolf. Dieler wahrhaft humane Verein, der täglich 80 Kinder ausspeist und im Bezirke ein dringendes Bedürfnis isr, appelliert an das gute, edle Herz der Glaubensgenossen, dieses heilige Werk zu fördern, um unsere darbende Jugend im frühzeitigen Alter vor Hunger und Entbehrung schützen zu können. Polnische Gerechtigkeit. Did polnischen Tageblätter enthielten diese Woche einen Ausweis der vom galizischcn Landesausschusse verteilten 160 Stipendien. Zur Verteilung gelangte dev Betrag von 59 130 Kronen und 40 Dukaten. Es ist anzunehmen, daß nicht alle Stiftungen die Juden ausgeschlossen. Bestimmt sind Inden nicht ausgeschlossen vom. Kapelusz-Stipcndnun. ilnd vom Stipendium einer Iran Löweüstem. Allein auch diese Zwei jüdischen S t i f t it ix ß c n wurd e n a n Arier vergeben. Der satte Stipendist Herr Josef Stephan Desider Grabowski! wird der Frau Löwenstein ein „Ave Maria" nachsagen, wird es aber auch nicht versäumen, seinen hungernden jüdischen Kollegen „die Inferiorität der Juden" ins Gesicht zu schlendern. ■v ü; :: m, *!•? :\:ü st, Positive Arbeit. Die einzelnen Juden am Lande in Böhmen fühlen langsam aber sicher, daß eine Vereinigung aller Kräfte nötig ist, damit das Judentum am Lande religiös, gesellschaftlich und pekuniär nicht noch mehr Schaden erleide. Die Arbeitsaufnahme des Bundes der Kuliusgemeindeu bou Böhmen für positive Arbeit ist, trotz Dr. Schanzcrs geflügeltem Worte, „daß eine Einflußnahme bon außen nicht nötig war", nur bon auße n dem Bunde geworden. Die im Bunde bon Dr. Schanzer über die Mängel des Gesetzes, betreffend die Rechtsverhältnisse der israelitischen Religlonsgemeiuden gehaltene Rede ist eine Folge des bou außen geführten Druckes zur positiven Arbeit. Diese Einflußnahme von außen hatte zur Folge, daß der Ausschuß des Gemeindebnndcs bei der am 2. Februar d. I. konstituierenden Sitzung einhellig den Herrn Julius Bondh, Kultiisvorsteher von Horowitz, in den Ausschuß kooptiert hat. Es wird uns auch mitgeteitt, daß die Kultus- Porste her in Böhmen am Laude bei Schaffung einer übergeordneten gesetzlichen Organisation — wenn auf die Landeskammer nicht zurückgcgriffen werden sollte — es borziehen, daß diese höhere Behörde in der Laudesjudenschaft-Repräscntanz geschaffen werden könnte, nachdem diese Körperschaft bis jetzt am geeignetsten hierzu erscheint. Es darf aber auch uns Juden am Laude nicht recht sein, daß der Bund oder ein Kuttusborsteher einer größeren Stadt, wie z. B. Pilsen, aus eigener Initiative den Behörden Anträge stellt, wie die Kultusgemeinden am Laude organisiert werden sollen. Wir verwahren uns ernstlich dagegen, daß ohne die Kultusvorstehcr am Lande oder ohne deren Wissen und Willen Beschlüsse gefaßt würden oder Anträge au die hohen Behörden gestellt werden sollten. Wir behalten uns vor, nötigenfalls geeigneten Ortes dagegen Einspruch zu erheben. Wir verlangen vor allem eine allgemeine Einigung der einflußreichen Kr-äfte — wir verlangen, daß vor allem diese klarlcgcn, auf welche Weise die Lasten, die wir gemeinsain tragen sollen, verteilt werden. Bis jetzt war es Gewohnheit, daß die Großstädte den nahcwohncnden Landjudcn die Kultnssteuer vorgeschricben haben, sie zu allen möglichen Vereinsbeiträgen herangezogen, aber den Kampf um die Erhaltung des Judentums am Lande, die Erhaltung des guten Ortes, die religiöse Erziehung mpe mn Lande, kurz, all die sch>vere Arbeit und Sorge den kleinen Kultusgemcinden am Lande überlassen haben. Die Tätigkeit der Berichterstatter des Bundes muß sich somit besonders ans die jetzt nötigen Vorarbeiten zu der Hilfe für die Kultusgemcinden mir Lande ansdehnen. Die Leiter des Bundes, welche zum großen -veile auch in der Leitung des „V'nei Brith sind, mögen z. D. dafür Sorge tragen, das; diese auf ihre engherzige Rücksichtnahme, nur für eigene „arme Brüder" zu sorgen, verzichten, und nicht in frommer „Jüdischkeit" zuschauen, ivie das Judentum „von außen", d. i. außer dicsenVercinen,Schaden erleidet. Wir legen vor allem das Hauptgewicht auf die Vereinigung aller jüdischen Ilnterstütznngsvereine. die genügende Mittel besitzen, um Ersprießliches zu leisten. Wir fragen die Einflußreichen, ob sie einen „Jüdischen Schulder e i ir oder einen Verein zur Unterstützung des jüdischen Religionsunterrichtes am Lande gründen wollen! — Wir fordern den Bund aus, einen oder mehrere ihrer Großen „auf Reise n" zil schicken. Dieselbcir sollen in jeder Kultusgemcinde pro Kops eine Krone znsammenznscharren trachten und im Bunde selbst eine Vercinsabteilung: den Indischen Schulverein ins Lüben rufen. Was die jüdischen reichen Vereine zum Jüdischen Schulberein beisteuern werden? Ist diese Frage erlaubt? Jdnob. Eine polnische Nehme. „Das Freie Wort" schreibt: Wir erhalten ans Galizien folgende Zuschrift: „Vor kurzem hat sich hier ein Komitee gebildet, welches den Charakter eines geheimen Preßgerichtes besitzt. Der Zweck dieser Vereinigung besteht in der Abwchr der gegen das polnische Volk und speziell gegen Galizien verbreiteten „Verleumdungen". Ilm dies zu erreichen, werden die Namen aller der Journalisten ermittelt, die in ausländischen — französischen, deutschen, russischen usw. — Blättern für die Polen und besonders die polnische Wirtschaft in Galizien bloßstellende Artikel veröffentlichen und dadurch die nationalpolnischcn Bestrebungcn schädigen. Es werden deshalb förmliche Proskripkionslistcn altgelegt. Da aber das Komitee als solches nicht anftreten darf, werden an die in Frage kommenden Redaktionen anonhme oder von einzelnen Personen gezeichnete Briefe verschickt, in denen dieselben vpr den präskribierten Journalisten in der höflichsten Form — ohne letztere zu schonen — gewarnt werden. Dem Komitee ist es gelungen, Leute in allen größeren Städten Galiziens, auch in Wien, sowie ans allen Parreilagern, für die Sache zu gewinnen. Bei manchen, die sich hierzu hergeben, spielen Fanatismus und politische Kurzsichtigkeit die Hauptrolle, in der überwiegenden Mehrzahl sind cs jedoch journalistische Raubritter und persönlich bemakelte Individuell . . . ." Da auch wir mit solchen Briefen bereits mehrfach bedacht wurden und keinen Anlaß haberi, die Angaben unseres Gewährsmannes zu bezweifeln, so übergeben wir sie hier der Oeffentlichkeit, um die deutsche Presse vor diesem polnischen Berleumdinlgsfeldzuge zu warnen. Ter Religionsunterricht in Böhmen nm Lande ist charakteristisch für die Lage des Judentums. Der Jlide nm Lande hat vor allem die Sorge nm sein tägliches Brot, ob er mm Kaufmann, Landwirt oder Lehrer ist. Ans diesem Oinmb gibt er auch dem Kinde dasjenige Beispiel, welches er an sich selbst gefllnden — er hat nämlich ans all dem Retigionlernen nie eine Krume Brot verdient (außer daß er sich dem Rabbinertlim lvidmet). Wie soll er nun dafür sorgen, daß sein Kiild vor allein Religiollsunterricht genießt, nachdem dem Kinde ans diesem kein wie immer benannter Vorteil zn erivachsen scheint, ja im Gegenteil — soll sein Kind wirklich Religionsunterricht genießen, dann kostet es den Inden am Lande Geld/ und leider oft viel Geld — mehr, als er diesem so nötigen Unterrichte ividmeil kalln. Ter Jude nur Lande hat so viel Jlidcntlim geerbt oder erlernt, daß er mit seinem lieben Gott sich verständigt. Es genügt ihm, wenn er an den großen Feiertagen seine Gebete verrichtet und hie lind da nocf) durch eine Miezwe seine religiösen Gefühle beschwichtigt. Kvimnt ein Unglück in die Familie, so lvird wohl mehr der liebe Gott gesucht nub auch gefunden. Diese Oiefühle lverden langsam aber sicher bei der Heranwachsenden jüdischen Jugend am Lande in Böhmen auch schwinden. Die Juden am Lande verlieren durch den sukzessiven sicheren Fortschritts des Antisemitismus auch sukzessive an Boden — ob cs mm bei einem pekuniär, beim anderen politisch, beim dritten gesellschaftlich 'ich herauskristallisiert, bestimmt ist, daß aus diesem Grunde der Jude so lvenig als möglich als Jude erscheinen mag und die Religion sowie den Relilionsnnterricht in den seltensten Fällen für unerläßlich notlvendig für seine Kinder betrachtet. Die Knltnsgemeinden, welche für den Religonsnnterricht am Lande in ihrem Ratzon ZU sorgen haben, stehen ans demselben, wir möchten sagen pekuniären Standknnkte. Wenn z. B. der Jude Hecht in ll. seinen Kindern keinen Religio,isnnterricht besorgt, wenn derselbe seine Kinder in eine eine Stunde entfernte Schule nicht schickt oder nicht schicken kann — ja, warum soll die Knltusgeincinde dafür sorgen? Dieselbe müßte diesfalls für den Religionslehrer entweder vom Landesschulrat eine Entschädigung erwirken, oder ans Eigenem selbst leisten. Der letztere Grund ist jedoch ausschlaggebend, und nachdem ans Eigenem die Kultusgemcinden ain Lande nichts leisten können, weil deren Einnahmen aufs Minimum gesetzt sind — trotzdem die Mitglieder große Lasten tragen — so gibt es viele Hunderte Kinder jüdischer Konfession, die vom Religionsunterrichte keine blasse Idee haben. Die merkwürdigste Gesetzgebung existiert in Böhmen in Bezug der Bezahlung der Diäten der jüdischen Religionslehrer. . Es ist bekannt, daß in Bezirken. wo ein nicht antisemitischer^ Bezirkshanptmann und Schnlinspektor sitzt, die kleine staatliche Zustener für den außerhalb der Kultusgemcinden erteilten Religionsunterricht dem Religionslehrer gerne gewährt wird. ES gibt Kultusgemein« den, ivo es trotz aller (Gesuche> Rekurse und Beschwerden nicht möglich tvar, die nötigsten Vorkehrungen zn treffen, n,n den außerhalb des Rabbinatssitzes tvohnenden Kindern NeligionSiimerricht erteilen zn lassen. Ob der Staat dabei gewinnt, tuen,, ihm alljährlich so und so viele Bürger ohne Religion zulvachsen — das überlassen wir den Staatsbeamten. Nicht eine jede Kultusgemcinde rekurriert oder beschwert sich bis ans Kultusministerium über diese Art Wirtschaft. Es wäre die Pflicht maßgebenden Ortes, selbst darauf zu sehen, daß diesen, abgeholfcn wird. Jdnob. Jüdischer Volksverein in Czernvwitz. Mittwoch den 1 I. d., 7 Uhr abends, fand in der isr.-dentschen Volksschule oie ordentliche Mü-natsversammluiig des „Jüdischen Volksvereines" statt, lvelche äußerst zahlreich besucht war. Den Vorsitz führte Obmann Dr. St rauch er und hielt Se. Eh» würden Rabbiner Benjam Weiß einen trefflichen. Vortrag „lieber die Notwendigkeit des Sßudiums jüdischer Geschichte" init Beziehung auf die Bestrebungen des „Jüdischell Volksveveines". Der geistvolle Vortrag und die ausgezeichneten Ausführungen fanden lebhaften Beifall. An der eröffncten Diskussion nahmen teil: Redakteur Taubes ans Kolomea, Redakteur Stckcl und die Mitglieder Elias Kampelmacher, Selig Wagschal und Elias Wender sowie! der Vorsitzende. Dieser sprach dem Vortragenden unter stürmischer Zustimmung der Versammlung den Dank für den trefflichen Vovtmg aus. Die Besprechung über die politische Lage leitete der Vorsitzende Dr. Strancher ein und Ivlirden dessen Ausführungen mit großer Aufmerksamkeit entgegcngenonnnen. Allgemein wurden insbesondere die provokatorische Haltung dev „Bukowinaer Nachrichten" und die Drohungen init dem Antisemitismus sowie die Drohungen des „Bukowinaer Journal" mit Antisemitismus und Koalitimi gegM die Juden auf das Entschiedenste verdammt und mit Entrüstung verurteilt. Die erregte Stimmung der Anwesenden gab sich durch laute Zurufe kund. Die Ausführungen des Vorsitzenden wurden vollinhaltlich gebilligt und wurde auch der von diesem angeregten Resolution einmütig zngcstimmt: daß der „Jüdisch e V o l k s v e r e i n", n n b!d irrt d u r ch P r o - vokationen und Drohn n gen, an der Organ i s a t i o n der I u de n s ch a ft des Landes emsig fort a r b eiten u n d d as W!o h l d er I u d e n s ch a f t fördern wolle, unddaß ferner die Judenschaft! sich vonder Feindschaft gegen das Deutschtum vollkommen frei wisse, sowohl mit diesen wie aber auch mit den anderen Nationalitäten und Volksstämmen des Landes in Frieden und- Eintracht leben und allen ihre int? gehemmte Entwicklung gönne. Großen Unwillen erregte es auch in dev Versammlung, daß trotz des unverschämten Hetzartikels der „Vnk. Nachrichten", in welchem mit Antisemitismus und dem „Emporzüngeln der lodernden Flammen des Judenhasses" gedroht! wird, sich noch gewisse Paradejuden finden, die antisemitischen Deutschen zu nm- Ivedeln und d e n> M o s ch k o j n d e n Zuspiele n. Auch diese Versammlung des „Jüdischen Volksvereincs" bewies, wie mächtig sich das jüdische Belvußtsein regt. Es ist selbstredend, daß die Haltung des Dr. Straucher ungeteilte Zustimmung gefunden hat. Kurt Breysig über Judentum und Christentum. In seiner, großzügigen Kultmigeschichtle der Neuzeit („Vergleichende Entwicklungsgeschichte der führenden Völker Europas und ihres sozialen und geistigen Lebens", Berlin, G. Vondi, 1900/1901) kommt Breysig, ein an Nietzsche orientierter Kullurphilosoph, natürlich auch auf den > jüdischen. Kiorn des Chvi-steutums zusprechen (Band 2, 8 Seite 678 ff.). „D a s C h r i st e n t u m i st a u s d e in I G ei st e d es j ü disch!eu Volkes Hera us g e-- b o r e n , ist sein Erzeugnis, seine größte Leistung. Jesus ist so ganz erfüllt gewesen von den letzten und tiefsten Ge?- danken seines Volkes, daß er uns Nachgeborenen erscheint wie der sleischgewordene Genius des Judentums. Alles, aber auch alles, was den Ehristenglauben hinaushebt über die anderen Religionen, ist jüdischen Ursprungs, so vor allem andern die unerhörte Inbrunst der Gottesverehrung und die Schöpfung des persönlichen Einen Gottes.^ Beides Ivar Jahrtausende alter Besitz der jüdischen. Nationalreligion, und Jesus hat an ihm nichts geändert, Hai nichts dazu getan, noch etlvas davon entfremdet. Nicht Griechen, nicht Römer, nicht Germanen haben je den Gedanken eines einzigen höchsten und doch Persönlichen Gottes gefunden, und noch weniger hat eines von diesen Herrcnvölkern der Weltgeschichte es über, sich gewonnen, sich so tief vor den Gestalten seines Glaubens zn demütigen, wie dieser grüblerische Hirten- und Banemstamm schon in seinem frühesten N!ittelalter getan hat. Neben den großen Besitztümern des Christentums aber stammten auch die meisten seiner geringevm Glaubenssätze aus dem jüdischen Erbe: _ so dev ganz eigentümliche Gedanke eines zur Erde niedersinkenden Gottesreiches und der eines menschlichen, aber besonders heiligen Vermittlers zwischen dem Gott und den Gläubigen, so auch die Idee eines himmlischen Fortlebens der gerecht B-efundenen. Und mit dem Hauptinhalt ging auch der wesentlichste Charakterzng der äußeren Form von der ylteü ans die neue Religion über. Webers Griechen, noch Römer,! noch Germanen haben aus 'hrem. Glauben eine Literatur! gemacht wie die Inden, deren gesamte geistige Tätigkeit sich von jeher auf diesen einen Punkt konzentriert hatte. Und Ivenn das Schwergewicht von Jesus' Lehre auf seinem. Sittengebot ruhte, so war doch auch dessen innerster Kein jüdischen" Ursprunges: kein Europäervolk hat den ethischen Kern seiner Religion so klar und deutlich herausgeschält wie die Inden, und keines anderen Volkes Sittenlehre war so ganz ans dem Grundsätze der Nächstenliebe aufgebant wie diese. Unzweifelhaft hat Jesus eben in diesem Stück am meisten gesteigert und aufgehöht, was er vorfand. Aber Ivie viel ist nicht damit schon gesagt, daß dieser Verkünder aller Selbstentänßerung und Hilssbereiü schafti eine Sittenlehre varfand, die!er nur zu potenzieren brauchte, nm ans ihr seine „frohe" Botschaft zu gewinnen!. Das historische Ergebnis all solcher. Betrachtungen bleibt: daß das Christelitnm in all seinen, chnmkteristischen Eigenschaften, in seinem unbediügten Ein-Gottesglauben, in seinen altruistischen Konsequenzen und in seinen gewalttätig-egoistischen Inkonsequenzen den Stempel jüdischen Geistes trägt. Es tvar das schicksalsreiche Geschenk des- Orients an den Westen und nacheinander haben es sich die Grieihen, die bis dahin so wenig fremde Kulturgüter angenommen hatten, die Römer und schließlich auch die Gevinanen zn eigen gemacht."

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