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Jüdisches Volksblatt · 1903-02-20 · 8 (20.2.1903) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
8 (20.2.1903)
Date
1903-02-20
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 8 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 20. Februar 1903 Seite 3 fein werden, ein brauchbares Statut jn schaffen, mn die Interessen dev Zudentinns zu wahren. Zeli werde bestrebt sein, Von 3cit .zu;5eit über die Smbien dieser Arbeit in diesem Blatte ge hör bi Berieht zu erstatten und tveun der Z-eitpuntt geeignet sein ivird, aueh das Elaborat des Komitees hier zu berösfeutlieheu. Bose Mensehen und Heuelper, Srhlevpträger der Anhänger der Assimilation wollen die Versammlang mit gewissen Personenfragen in Berbinduug bringen; das ist einsaeh nicht tvahr. Mein Gewährsmann hat mieh darüber aufgeklärt, und am Ende habe ieh ja den Bersammtuugsort selbst anfgesueht, >vo ieh mieh bon der Unwahrheit überzeugte. ES ist selbstberstäudlieh, das', die Anhänger der Assimilation jetzt alle Hebel in Bewegung setzen werden, aueh eine» Kmigres; eiuzuberufeu, um Parlament spielen zu tonnen, allein ihr Wahlstatut steht ihnen hindernd im Wege und die Negierung wird dafür nieht zik haben sein, eine Gesetzwidrigkeit zu unterstützen. —t Vrchlickp-Jubilttum. Der Direktor deS „Bar-Kochba", Jarvslaw Vreblickh tDr. Emil Arider) feierte am 10. ds. feinen fünfzigsten Geburtstag, ftn denen, die ihm ihre Ehrerbietung bezeugen, gehört auch das j ü d i s eh e Volk, denn selten ist ein Fremder so in seinen Geist eiugedrungeu, wie dieser Sohn des böhmiseheu Volkes. Jüdischer Volksvcreiu. Mittwoch den 26. d. findet iur Festsaale des „Jüd. Volksvereins" ein. Vortrag des Hosnnd Gerichtscidvokaten Dr,. Victor N o s o n f e l d stakt. Gedenktage. Februar. 15. 1641 st. in Venedig Sara Sullam geb. Copia. 1780 geb. zu Amsterdam Staatsrat Karl Asser. 1881 Gotth. Ephr. Lessing d. Dichter d. „Nathan", der Freund b. Mos. Mendelssohn. 1875 st. zu Frankfurt a. M. Nabb. E. Earmoly, Histor. 1885 st. zu Padua d. Statistiker Emil Mopurgo. 16. 1616, st. Elia Montalto, Leibarzt d. Maria b. Medici, sehr. f. d. Indent. 1855 st. in Breslau Naf. Fürstenthal, hebr. Hebers. 1877 st. zu Wien Sal. Herrn. Mosenthal, Dicht. 17. 1668 st. in Wloduo Piuehas b. Pelta, Vers. b. Bortr. 1785 geb. zu Brvdh Nwehman Kroehmal, der „Mendelssohn" Galiziens. 18. 1842 st. in Heidelberg E. Nehsues, Prediger, Hrsg. e. Audaehtsb. IO. 1701 st. de Barrios (jüd.-span. Lit.). ' 1758 geb. zu Neubidschotv Peter Beer, Reform- Kämpfer. 1800 st. in Padua Schabten Aaron Marini. 1810 st. in Amsterdam Tab. Friedriehsfeld lBiogr- WesselhS). 1885 geb. in Hildesheim Dberrabb. Dr. Güdemaun. 20. 1790 st. Kaiser Joseph der Zweite (Emanzip. d. I. i. Desterr.). 1846 st. tu Hainburg Schalen» Cohen, Dicht, u. Gram. 21. 1677 st. in Sehebeningen d. Philos. Bar. Spinoza. S eh e b a t. 15. 1808 geb zu Lemberg Moritz Nappaport, Arzt und Dichter. 10. 1882 st. in Cannes Berth. Auerbach, Dichter. 22. 1847 geb. Mare. Herz, Hofrat. 28. 1810 geb. zu Dotzheim Laudesrabb. Dr. Sal. Herxheimer, Pädagog. 1884 st. in Berlin Aron Bernstein, Ghetto-Dichter. „Verein jüdischer Handelsangestelttcr, Wien". Samstag den 21. Februar d. I., 9 Uh'v abends, findet im Rcstmvnint Gnth, 2. Bcz., Stcphnniestrnße 14, eine öffentliche VereinsversaiNmlnng mit dem Thema „Worum organisieren wir uns auf nationaler Basis?", Referent Gg. A. Freud, statt. Gäste, atich Damen, aller Parteischaktierungen willkommen. Ein Kapitel über Wiener Rabbiner. Rabbiner Mnycrsohn ist unseren Lesern nicht iin besten Gedächtnisse. Zu unserem. Bedauern müssen wir lvtedernm fein Vorgehen auf das schä'vfste verurteilen. Eine arme Frau namens C. M., die nur nach polnischem Ritus getränt war, wollte ihre Trauung noch einmal auf dem vom Gesetze vorgeschviebenen Wcge vollziehen lassen, damit die Kinder den Namen des Vaters erben. Die Zeit drängte, denn der Mann lag s ch Iü c v k v a u k i mi S i e ch e n h a u s e. Sie sprach beün Sekretär Stransky vor, der ihr zuerst! erklärte, daß die Trauung sie nichts kosten werde. Das nächstemal dagegen sagte er ihr, wahrscheinlich ans Grund höherer Inst rnktiilon, das; sie dem Rabbiner M. IO Gulden und die Fahrt nach dem Stecheuhause zahlen müsse. Das war ihr zu viel. Man einigtie sich schließlich! auf 6 Gulden. Nun sollte der Akt vorgenommen werden. Ter Rabbiner M. verlangte aber zuerst das Geld und die arme Fran muhte sich das Geld v o n d e r W ä r t e r i n ausleihen. Außerdem verlangte der Diener noch einen Gulden für das Hereiutnagen der Chnppe; wie der Herr, so der Diener. So geschehen am 29. Jänner 1903. Am nächsten Tage starb der Mann. Als die Frau beim Sekretär Dr. Lieben sich über dieses Vorgehen beklagte, schickte er sie, anstatt ihr zu ihrem Gelbe zu verhelfen, in die RVibbinatskanzlei. Die Fran unterlief; aber wohlweislich diesen Gang, da sie sich doch nicht beim Rablnner Mayersohn über den Rabbiner Mayersohn beklagen konnte. Wir veröffenkkichen diesen! Fall, damit der Rabbiner M. sich endlich daran gewöhnt!, seine amtlichen Funktionen und seinen materiellen Vorteil fifyu'f zn scheiden. Es verstößt gegen den Geist unsewr Religion, wenn man die Zwangslage anmer Leute dazu Lonützt, um _ ihnen Geld abzunehmen. Man berief seinerzeit den Rabbiner M. mit einer Hast, in der man sogar den vorgeschriebenen Weg vergas;, hauptsächlich darum, um die in Wien lebenden östlichen Juden für. die Wahlen zn kaptivieren. Wenn Rabbiner M. weiter so uneigennützig wirkt, so wird mau bald das Gegenteil von dem, was man erzielen wollte, erreichen. Diese Haft sielst! in einem merklviirdigeü Gegensätze zn der Langsamkeit, mit! der man bei der Besetzung von vakanten Natzbineriffellen vorgeht. Die Füufhausev Kanzel ist seit dem Tode Jonathan W o l f s leer, ebenso die Währinger, nach der Penfi'vniierung des verdienstvollen Rabbiners S o r. Dr. Güdemaun und Dr. Schmidl brauchen dringend einen Assistenten, aber die Herren in der Kiiltusgemeinde haben für solche Dinge keine Zeit. Israelitische .Kultusgemeiude Wien. (P r v b e p r e d i g t e n im L e v p v l d st ä d t e r und Stadt - Temp e 1.) Herr Bezirksral'biner Dr. M. Roseumanit aus Floridsdorf hält Freitag den 20. Februar d. I. bei dem Abendgvttesdienste, der um 5 Uhr 30 Minuten beginnt, im Leopoldstädter Tempel, Teittpelgasse, die Predigt nnd am Samstag den 21. d. Bä bei dem um .'> Uhr nachwittags stattfindenden Jugendgoitesdienste im Stadt-Tempel, 1. Bez., Seitenslettengasse, die Erhörte vor den Mittelschülern. Nächste Woche hält Herr Rabbiner Dr. E. David ans Düsseldorf im Leopoldstädter Tempel am Freitag den 17. d. M. beim Abendgottesdienste der mn 5 Uhr 15 Minuten beginnt, die Predigt und am Samstag den 28. d. Bk. im Stadt-Tempel bei dem nm 6 Uhr nachmittags stattfindenden Gottesdienste für Bttttelsehüler die Erhörte. Mädchen- und Frnuenverein „Bikur-Chnulim". Sonntag den 22. Februar pünttlieh »IN 2 Uhr findet im 1. Bez., Seltenst ettengasse 2, der dritte Vortrag des Herrn Tr. Jonasz über , Plötztiepe Erlrauluugeu und eiiligeS über den Transport Veletzter" statt. Gäste willkommen. Der Verein jüdischer Handclsangesteltten veraustalket Samstag den 21. März 1903 im Festsaal des Hotel Eoutinenkal, 2. Bez., Taborstrahe, einen großen Abend mit Akademie und anschließendem Tanzkränzchen. D a s R e i uertrag u i s i st z n r E r r i1 ch t u u g e i n e s Sl o n - d i t i o ii s l o s e n - F v n d s bestimmt. Heworrageude .Künstler haben ihre Mitlmrklmg zngesagt und ein großes, rühriges Komitee hckti das Arrangement in Angriff geuom- 111011. Wir bitten alle jüdischen Vereiusvarstäude, von VeranftaRmgen an diesem Abende abzusehen und unsere Bestrebungen tatkräftiigst zn unterstützen. Alle Zuschriften sind zn richten an den Obmann des Komitees, Herrn Robert K o r n, 2. Bez., Floßgasse 8. — Der erste Komitee- Abend für diese Veranstaltung findet Donnerstag den 28. d. M. int. Wiener Ringcase, 1. Bez., StubenriNg 18, nächst der Aspernbrücke, stall!. Vorträge mit improvisiertem Tanzkränzchen. Beginn halb 9 Uhr. Gäste willkommen. Wie cs gemacht wird. Gregorig ist bekaiiiiklieh das eiifant terrible des Wiener Gemeiitderates. So schwatzte er twttlieh ans der Schule, als der Berieht über die Freilegung der Lazaristeukirehe und die Griliidabtrekmigeit an die P. Lazaristen auf der Tagesorduuug stand. Seilte öffeutliehe Beichte ist ein iuteressailtes Dokument für die Macht der Wiener Klerikalen. GR. Gregorig l kontra): In dieser Angelegenheit stehe ietz ganz bereinzelt da. Ich bin der Nteinmig, das; es viel wichtiger ist, die Interessen des Bezirkes, als die einer e i n z e l ne n K o ng r e g a t i o n und ettoa auch die der Stntthatrerei zn wahren. In aitderen Bezirkeit werden um kolossale ^ummeit Straszen errichtet nnd Strasteilzüge eröffnet. Da wird das Geld binaiisgeworsen. Hier handelt es sieh nm einen Stras;enz»g, der nm billiges Geld ans einem bereits der Gemeinde gehörigen Gruilde geführt werden kaltn, zu der Keityongasse und in der Fortsetzung der Peherlgasse. Das wäre periiüiiftig und klug geivesen, das gibt eS aber nieht bei mts. Es habeit sieh Einflüsse geltend gemacht, die uubesehreiblich sind. Es wurde, bei keinem Gegeuskaitde so itrkriguiert und wtkermiuiert. Der Kampf um das Stadtmuseiim ist ein reines Kiltderspiel gegeit das. was hier gestpieht. Alte eiitflustreiehrii Personen im Gemeiirderate sind überredet wordeit; so nnis; es gehen, rmd mit einer solchen Sicherheit und Ruhe ist das gemacht worden, das; jeder glaubt, es ist richtig so. Bei mir war der Obere von der Kongregation; er hat mir ztvei Stnndeit lang eilten Vortrag gehalten, Po» tvelehem Vorteil das ist. Ich habe gesagt, persönlich geht iitieh das nichts an, aber als Geuleillderat ntus; ich deit Bezirk schützeit. Hier sind huilderte von Hausherren nitd Parteien zngunsten der Kongregation und mich zngmtsten des Spitals geschädigt. Gegeit so etwas mns; ich Stellung nehmen. Es ist hier eine schöne, architettouische Straste geplant in der Gestalt eitler Ofenröhre in einer Schusterwerkstätte. Die ganze Straste — ich will feinen schärferen Ausdruck brauchen — ivird geschädigt. Für die Bebölkerung ist damit nichts getan. Bürgernreister Dr. L u e g e r: Alle sind damit einberstanden. Greg orig: Ich bin der einzige, der dagegen ist. (Rufe: Wie kommt das?) Es siird alle Betbrüder nitd Betschwestern mobilisiert worden., sie habeit nach alleit Richtuilgeit agitiert,' tim das ditreliznfithreit, imb die Hausherren und Parteien sitzett da. So steht es. Nach allen Riehtnilgeit siitd alle Leute abgelanfen wordeit. Das Wort Furcht gibt es in meinem Lixikon iticht, ieh vertrete nie eilt Unrecht, ich kann mich irren; aber wenn auch alles gegen mich ist tmd ich bin überzetigk, das; es so recht ist, werde ich immer den Mtlt habeit, dafür eiuzutreten. Ich bin aueh gegeit die Preise, die da vorgeschlagen werden. Sie verkaufen Kopfgrüude um 130 Krone>t. Wo kriegeit Sie das? Daitebeit nm die Ecke von der Stollgasse muszten die Sehiveskerlt über 600 Kronen pro Quadratmeter zahlett, wo die Gründe uahezit keilten Wert haben. Wie wird da mit dem Gemeittdevennögeit timgegaitgeit? Der Nediter bemängelt weiter, das; keilt Pönale festgesetzt tvnrde für deit Fall, das; in drei Jahren nicht gebaut wird. Mau möge deit Bezirk Neubait schützeit, der steh nie vordrängt und nie tinverschämte Fordernngen stellt. Die Hausbesitzer nnd die Geschäftsleute ivürdeit geschädigt und der Kongregation tiitd der Statthalterei eilt Geschenk gemacht. Was die Stattbalterel anlatige, sei die Sache gar schön. Das Spital sei von einem Verein Neubauer Bürger gegrüildet wordeit, zu welchem Zwecke die Ladh Keithoit ein grostes Vermächtttis gemacht habe. Da habe die Statthalterei das für eine Stiftmig erklärt und die Sache dein Verein mit Gewalt aus der Hand gerissen. Jetzt sage mait, die Gemeiitde soll es billiger hergebeit, weil mau einer öffeitiliehelt Nustalt etivas scheute. GR. G r e g o r i g stellt den Antrag, das Referat an den Stadtrat mit dem Aiiftrage zurilekzulveiseit, den Dirrchbrnch boit der Lazaristeitkirebe hiitanf zur Kenhougasse dtlrchztisnhreit. Natürlich wurde seiit Antrag von der kompakten Majorität abgelehiit. Wien. (W o ch e. ir p r o g r a m m der „I ü d i s eh e u T o h lt b e c - H a l l e, 20. Bez., Karajaitgasse 20. Drittes Vereiiisjahr.) Somitag den 22. Febriiar: Rektor Dr.Adols Schwarz: „Die Frauen der Bibel, 2." — Montag bcu 23. Febrtmr: Dr. Heinz Kohlt: „DaS Recht auf den Tod". — Dienstag deit 24. Februar: Dr. Karl Lifezis: „Die Garantien gegen deit Jnstizittord in der modertteit Rechtspflege". — Mittwoch den 25. Februar: Dr. Ludwig Werner: „Oesterreichisches Urheberrecht". — Donnerstag den 26. Februar: Ernst Müller: „Der Aethcr in der ntoderiteit Phpsik". — Freitag deit 27. Febriiar: G. M. M e h r e r: „Bibelerklärititg". — Samstag den 28. Februar: Konzert. — Anmeldungen zu Vorträgen beliebe mau ztl richtelt an Herrn Dr. Siegiitund W e r it e r, 4. Bez., Wiedener Hauptstr. 13. Einzelverein „Zion", Leopoldstadt. Dieilstag deit 17. Febriiar 1003 hielt Herr Dr. Hermann Kadisch im Eittzelvereine „Zion", Leopoldstadt, einen Vortrag über «Die Juden mit» die österreichische Nationalitätenfrage", welcher vom zahlreich erschieuetl Publikum utit grostem Lll'ifalle aufgeiiomntett tvnrde. Hierauf wurde vom Boriitzeiideit die Diskussion eröffnet, an der sich mehrere Personell beteiligt habeit. Um halb ztvölf Uhr abeitds wurde die Versaimnluitg geschlossen. Dieilstag ben 24. Februar hält in demselben Vereine, 2. Bez., Obere Donaustraste 47, Cafe Allgartenbrücke, Herr Tr. jur. Egon;stveig einen Vortrag, dessen Thema reel'.g'itig bekaitiitgegehen wird. Beginn 8 Uhr abends. Weihe Iierzliw tvill- Uunnien. Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter. Z e ii t r a l e : Sonntaz den 28. 0. M. im Fcsisaale des Jüd. Vollsvcrcincs, 2. Bez., Leopoldsgasse -19, volkstümlichc Vorlesung aus jiiiigjüdischeu Kimstschöpfuiigen unter gefättiger Nlitwiukimg der Herren Arthur F r e n d , Ignaz K o h n , Gotihard Bl o r g e n st e r n , Emil L d e r u i f, Wilhelm Q ii o r i! it e r, David R oi t h b l ll m , Benno R o s e n z iv e i g und! Samuel S t r a n st. Beginn präzise 3 Uhr nachmittags. Rauchen untersagt. Regiebcitrag 40 Heller. Vorverkanfskarten sind im Jüd. Volksveiein, im Eafe zur Börse ll. Bez., Wipplingerstr. 361 sowie in der Jüd. Tolindeehalle < beim Herrn Inspektor Arelradl zn haben. Das Reinerträgnis dieser Veranstaltung fließt dem Pmstfonds der „Arbeitenden jüd. Jugend" zu. vlotlngc des „Vereins zur Beförderuug der Handwerke unter den iirUtlidischeu Israeliten" in Wien, du da? .pveinudseehzigste Vereinsjahr ist der „Verein zitr Beförderung der Handwerke unter den inländiselten diiraeliten" getreteit. Es Ueht demselben eine äusterst rege Tätigkeit' zur Seite, und mit Befriedigung und Ge- MtgtMliig vermag er ans die ersteNen Erfolge zuriiehpivlicken. Eilte stattliehe Armee jüdischer Knaben, von zmiteist ärwsteit Familien abstamiiteiid, hat er deut Handlverke zugesührt mid denselb.n die Nkögliehleit geboten, sieh durch die AnSiibnng eines anständigen Erwerbes eilte gesllsehaftlieh ehrenvolle Epistenz zu gründen. Attis allen Teile,, der Monarehie, atis deit eiitferiitesten Kronländern, nniitenttieh ans Galizien lvaitdern nilter de» sehreckliehsten Eltkbehriingeil den Wpg Hmiterte, tausende Kilometer zu Fus; znrückleleitd, ohne eine» Heller Geld in der Tasche und sieh ans der Reise von Aliitose» sortfristend, nach Wien, um durch die AlitHilfe des Vereines bei einem Meister behufs Erlernung einer Prosession Aufitahitte zu fiudeit. Tatsäehlieh ist es aueh eitler impofanien derart ausgebildeteit Legion von eheutaligeit Zögliitgen des Vereines gelungen, sieh als Meister zu etablieren, in sehr vielen Fällen sogar sieh zu Jndtistrietteit emporzusehlvingeu, sieh selbst und ihre armen Eltern und Geschwister in honoriger Weise zu ernähren, eine behäbige Lebensweise zi, führen, eine geachtete Stelltiitg im Kleingewerbe und it, der Industrie eiitztiitehmeit. Der „Verein zur Besörderuiig der Handwerke unter deit iltländisehen Israeliten", der eine derartig gottgefällige tnenscheitsrenttdliche Wirksamkeit entfaltet, tveleher wie kein ariderer so viel ztirn Kidnseh haseheut beiträgt, ist, wie atis dem Berichte über das abgelanfeiie VereiitSjahr zum tiefen Bedanern zu entnehmeit ist, ii, fiitanzielle Sehtvierigteiteu geraten. Wieso dies getomitten ist? Viele langjährige Mitglieder habeit sieh vom genannten Vereitle losgesagt, so das; die Mitgliedsbeiträge eine erhebliche Herabmindermig erfahrei, haben und die so» rerelstieh geflossenen Spenden nahezu versiegt siitd. Es ist die alte Geschichte, doch bleibt sie immer uen. Die reichen Glaubensgenossen, die jüdiseheit Millionäre iveitdeit sieh itaeh nitd nach von den jüdisehen Wohltätigteitsanstalten tUtd htlmaititären Vereineit ab, bestenfalls lverdeit die letzteren mit eitlem kargen Bröckelt, mit einem einem Bettel gleichen Jahresbeiträge abgespeist. Ariseheit Vereinen tiitd Jnstirutioneit dagegen ivird das Geld ohne Wahl, vhite Ziel in den Nachen geworfen, da iverdeit die Olabeit mit vollen Händen gespendet, wird der Säckel augeltveit aufgetan. Wohltuii für jüdische Zwecke ist nicht mehr fair, da schaut uiehts heraus. Bei arischen Kollekteii aber mns; man an der Spitze stehen, mit iinponierendeit, ja verblüsfeitdeir StlMtiteu; das maeht Reklame, stillt Knopflochitnd Titelsehmerzeit, rehabilitiert die verpöiite jüdisehe Rasse, damit wird man in den adeligen Salons hoffähig. Es müssen allen Ernstes Mittel lind Wege gefiiitden werdet,, ben „Verein zur Beförderung der Handwerke unter ben iltländisehen Israeliten" av.5 feine» materiellen Nöten zu befreien. Schon mußte die Aufnahme von Zöglingeit mehrere Monate des Jahres mangels materieller Mittel sistiert iverden, tvas zur Folge hatte, das; sieh die Zahl derselben vo>t riiitd 1000 auf 700 verringerte. Da diese Zöglinge aber auf drei bis vier Jahre bei ben Meistern fest verdingt sind, kömteit die Ausgaben nur bis z,l eitler gewissen Grenze eingesthräitkt werdet,. Im Vorjahre siitd die Einitahmelt des Nereiites mn mehr als 5000 K. geringer geweseit. Um itahezti den gleieheii Betrag gestaltet sich das Defizit, da, wie es in der Natur der Sache liegt, die Ailsgabeu mir minimal reduziert lverdeu köuneit. Der Vesraitd des ^öereines Mtis; jedoch uilter alleit Umstüudeu gesichert werden, feine Tätigkeit darf eine Einschränkung nicht erleiden, beim er ist der eklatanteste Protest gegen die Besehttldiguitg, das; sieh die Jndeit deit Handwerken iticht ziiweitdeit wollen. Sursmn eorda, heraus die Herzen und ausgemacht die TaschenI Es wäre eine Schmach, eilte Sehartde für die ganze Judenheit, wenn der bevorstehenden Katastrophe für den „Verein zur Beförderung unter den inläitdischen Israeliten" nieht rechtzeitig nitd prompt vorgebeugt würde. Wie die mährischen Juden von den Deutschliberalen genasführt werden. Aus Brünn wird uns geschrieben: In der Nt'.imner 13811 der „Neuei, Freiet, Presse" vom 7. Februar 1003 iit tiachstehende Notiz zn lesen: „Brünn, 6. Februar. Origliial-Telegrannn. (Johaint Protzkar s.) Heute starb in Ung.-Hradisch der tais. Rat Joyaitil Protzkar. Derselbe war durch 31 Jahre Bürgermeister dieser Stadt uitd berzichtete erst im Jahre 1896 auf diese Stelle. Während der Jahre 1872 bis 1884 vertrat er bcu Städtebezirk Uitg.-Hradisch im mährischet, Landtage. Nach ihm ging dieser Wahlbezirk zunächst an den damaligcit Statthalter Grasen Schöuborlt uitd nach dessei, Rücktritt vom Maitdate an die Tschechen verloren." Wer diese Notiz, ohne in die Verhältnisse eingeweiht zu seilt, liest, glmibt eine Stnseitleiter zu fiitdeu, und zwar vom Deutscher, Johami Protzkar zum Fetidalei, Grafen Sehönborii bis hinab zu ben schrecklichen Tschechen. Es sehmerzt dem Juden sein deutschliberales Herz, weun er eine der letzten Säulen des Deutsch-> tums, die 31 Jahre derltseh, lvaeker uitd treu in der bis in die jüitgste Zeit „deiltschen" Stadt Ung.-Hradisch das Deutschtum lvahrte, in die Gntft siitkelt sieht. Uebersehen lvird mir die Kleiitigkeir, daß ebeltso, lvie die obige Notiz richtig ist, arich iticht geleugnet iverden kann, das; die W a n d l u n g, welche Johauu Protzkar in seiner persönlichen Gesimtung und seinem öffentlicheit Atlfireieit lauge bor feinem Tode und zwar unmittelbar, nachdem das Mandat au den Statthalter Schöitborn „verloren gegaitgeit" war, vorgenommen hat, in diesem kurzen, aber strammen Nekrologe auf Kosten der Historischelt Vollstäitdigkeit keine Erlvähituug findet. Zirr Belehrung der sehr schläfrigen mähriseheit Juden möge hier in Ergäuzuug noch Folgendes mitgeteilt werdei,: Als im Jahre 1884 trotz kräftigster Austreitguug der Juden von Ung.-Hradisch, Biscuz, Wesselh, Uug.- Qstra, der zmit ersteumale hereiiibrecheudeli „tsehechischeu Ueberfltltlmg" weieheud, der „Deutsche" Johami Protzkar nach hartem Wahlkampfe unterlag, leistete er im Kasiuogarteu in Ung.-Hradiseh mit zitterilder Stinliue, so das; er kaum ztlsammenhäugertd sprechen konilte, in Gegenwart der getreuen Dcutschel, mosaischei, Glatibeus,

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