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Jüdisches Volksblatt · 1903-02-13 · 7 (13.2.1903) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
7 (13.2.1903)
Date
1903-02-13
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 13. Februar 5 903 Nr. 7 überreichen daher dm mts von der städtischen Schuldeputation vorgelegten Entwurf zur gefälligen Kenntnisnahme und mit dem Ersuchen, etwaige Bedenken geltend zu machen, gez. Lucanus." Die Repräseutanten-Vcrsamutllkng der Berliner jüdischen Gemeinde beschloss, die Frage einer gemischten Deputation zur nochmaligen Beratung zu überweisen. Der judenrcine deutsche Schulverein. Aus Graz wird geschriebm: Vor kurzer Zeit fand in St. Veit. a. d. Glan eine Wanderversannnlung des „Deutschen Schulvereines" statt, an dessen Spitze ja bekanntlich einige Größen der fortschrittlichen Partei, wie Dr. Weitlof, Dr. Wolffhardt, Dr. v. Krause usw. stehen. An dieser Versannnlung nahmen zahlreiche nationale Vereine und unter anderem auch die Ortsgruppe „Klagenfnrt" des „Deutschen Schulvereines" durch ihren Obmann Direktor Steinlechner und durch ihr Vorstandsmitglied Prof. Flora teil. Wie nun die „Kärntner Nachrichten" vom 21. September melden, munterte der Wanderlehrer des „Deutschen Schulvereines", Herr Novotny, nach Erstattung eines längeren Tätigkeitsberichtes zur Unterstützung des „Deutschen Schulvereines" auf und wies unter anderein darauf hin das; derselbe auch in akademischen Kreisen mehr Anhänger gewinne, da er nun judenrein sei. Es wird wohl ratsam sein, daß keiner unserer Stammesgenossen den Versuch mache, diese Judenreinheit auch nur im Geringstm zu stören. Episode aus der Zeit des Aufenthaltes des Erzherzog Leopold Ferdinand in Brünu. Aus Brünn wird uns geschrieben: Als der jetzt durch seine „Affäre^ so viel bekannt gewordene Erzherzog in unserer Stadt als Hauptmann des 8. Infanterie-Regimentes weilte, verlangte er auch, unsere Synagoge zu besuchen. Bekanntlich tragen unsere Juden danach weniger Verlangen. Natürlich wurde dem Wunsche trotz des Schüttelns mancher Köpfe und Zöpfe, Folge geleistet. Und wie erstaunten unsere Gewaltigen ohne Unterschied der Konfession, als der Erzherzog, des obligaten byzantinischen Anstrudelns und Ansingeus wenig achtend, sich eine Thorarolle öffnen ließ, und sogar, man höre und staune, Verständnis und Kenntnis der heiligen Sprache zeigte. Was mochte sich der jetzige Ehrenpräsident unserer Gemeinde dabei denken? Der weiß mehr, als ich von diesen Dingen. Es war grade am Chanukafeste. Und wie verwunderten sich die befrackten uud sonstigen Herren, die so selten ihre Ehren- und anderen Sitze im Tempel einnehmen, als der Erherzog vor der Menorah stehen bleibend, die Geschichte der Makkabäer erwähnte und zeigte, wie gut er in ihr Bescheid wisse. „Er ist darin beffer bewandert, als unsere Söhne, Enkel und Neffen," dachte wohl gar mancher unserer geistlichen und anderer Vertreter, „unsere Söhne, Enkel und Neffen, die es nicht erwarten können, dem Judentum den Rücken zu kehren/ — Es ist gut, auf solche Dinge in unserer Zeit aufmerksam zu machen, in der, wie es in unserer Gemeinde geschehen ist, Wahlaufrufe von Männern der herrschenden Partei unterschrieben werden, die nichtwiffen, wo die Synagoge ist, voki Männern, deren Kinder nicht nur getauft sind, sondern sogar eine Hinneigung zur klerikalen Partei an den Tag legen. Wenn uns in solchen düsteren Zeiten ein Gefühl der tiefsten Depression ergreift, so müssen wir anderseits unser Bedauern ausdrücken, daß der Geist wahrer fürstlicher Vorurteilslosigkeit, wie er sich in dem Erzherzog offenbarte, leider unterdrückt wird und nicht zur Herrschaft gelangen kann. Seit dem Tage, da der Erzherzog unsere Synagoge besuchte, sind Jahre vergangen. Wie oft hat man seitdem diejenigen, die vor ihm damals katzenbuckelteu, im Tempel gesehen? Wir haben vergebens nach ihnen ausgespäht. „Leer bleibt dein Sitz." — Galizische Torfindustrie. Unter den zahlreichen Piriojekten der Industrialisierung Galiziens nimmt das Projekt der Schaffung einer Torfindustrie bereits greifbare Gestalt an. Der Landesausschüß entsendete den Landes-Fngenieur Kornella auf eine Studienreise nach den Ländern, welche bereits eine blühende Torfindustrie besitzen, vornehmlich nach Schweden. Nach der Rückkehr Kornellas und nach Prüfung seines Berichtes über die im Auslande gemachten Wahrnehmungen soll eine große Fabrik für Torfkohle (Briketts) ins Leben gerufen werden. Die .Naturbedingungen sind einer derartigen Unternehmung recht günstig, denn Galizien hat über 200 000 Joch Torfgründe, die bis jetzt nur einen sehr geringen Wert repräsentieren und beinahe gar nicht ausgebeutet werden. Versuche mit der Torfheizung wurden in den leisten Jahren in mehreren staatlichen Salinen gemacht und sollen ein günstiges Resultat ergeben haben. Auch die Staatsbahnverwaltung ist nicht abgeneigt, Versuche mit! der Torfheizung der Lokomotiven anzustellen; im Grunde genommen wäre ihr Torf als Heizmaterial viel lieber als Rohöl. Es handelt sich nur darum, Briketts von möglichst großer kalorischer Kraft herzustellen, damit nicht zu viel Asche verbleibt. Diesen Fabrikattonsmodus soll nun der Delegierte des Landesausschusses im Auslände auf das eingehendste studieren. AttSllMdl ZurndreißigstenGeburtstageGeorgHirschf e l d s. Der „Gen.-Anzeiger für die g. Inter, d. Judentums" veröffentlicht anläßlich des dreißigsten Geburtstages Hirschfekds eine Selbstbiographie desselben, die ein interessantes Dokument für Studien über jüdische Kunst bietet. Am 11. Februar 1873 geboren, werde ich nun bald das dreißigste Lebensjahr vollenden, und das, was einem am Morgen des Daseins dunkel und zukunstschwer gewesen, wird auf der Mittagshöhe, so bewölkt sie auch sein mag, zu durchschauen und zu wägen möglich sein. Mein Bildungsgang, der mich aus dem Berliner Gymnasium in den Kaufmannsstand und aus dem Kaufmannsstande in die freie Schriftstetterlaufbahn, in Verbindung damit in selbstgewählte Studien, geführt hat, zeigt wohl wenig Charakteristisches. Umsomehr die Persönlichkeiten, denen ich ans meinem Wege begegnet — von denen ich gefördert wnrdc, und mit denen ich mich anseinandersetzen milßte. Ich kam von Wildcnvrnch zn.Hnnytmantt. Ein allzu weiter Sprung auf den ersten Blick und doch ans meiner Person durchaus verständlich. In meiner Frühzcit selbst nur Temperament und ohne erweckte Künstlerschaft, sah ich in Wilde,ibrnch, dev ein reiner Sänger war und geblieben ist, mein Ideal. Schwere Erlebnisse, die mich plötzlich reifen ließen, jähe Entschleierungen des schwärmenden Kinderblickcs zum Mannesblick des Psychologen, führten mich zn Hauptmann. Doch Ibsen stand, so lange ich ihn kannte, schon hinter den beiden und über ihnen. Ich fühlte jetzt, worauf es ankommt in der Knnst, ein Künstler zn werden, als Dichter mußte ich erstreben und eine entscheidende Wendung war es für mich, daß Hauptmann selbst und Otto Brahm mich damals gerade ermutigten. Wildenvruchö Erscheinung aber ist mir geblieben, was sie mir war, und durch die literarische Wirrnis der letzten zehn Jahre hindurch hat mein Gefühl wohl recht behalten: Wir sehen in Wildenbruch die reine, Irene Menschengestalt, in Hauptmann einen großen, deutschen Künstler. Das Gefühl für beide Werte ist mein Leitstern und soll es auch bleiben. Was ich selber bin, zn sagen, ist mir verwehrt, und was ich erstrebe, kann ich hier nur andeuten. Aus einer jüdischen 5ta«fmnnttsfamilic stammend, die aus der Provinz in die Großstadt gekommen und auf eine bewußte Ahnentafel von höchstens hundert Jahren blicken kann, war es mein Geschick, die Bodenständigkeit, die des deutschen Künstlers Voraussetzung ist, für mich erst zn suchen, und mir, dem Kinde der Großstadt, wurde dies weit schwerer, als dem Provinzler. Ich suche jetzt nicht mehr, denn ich weiß, was ich finden kann: kein Heimatboden, aber ei» Berns ist mir gegeben. Dieser blühenden Wildnis, ans der Europas eigengekräftete Gestalten wachsen, objektiver Betrachter, Schilderer und Kritiker zu sein, will immer wieder ich erstreben. Und mein Lyrismus, mein Miterleben wird meine Arbeiten zn persönlichen machen. Begleiter der menschlichen Entwicklung zu sein, ist auch jüdisches Künstlertum. Ja, aus dieser dichterischen Wirksamkeit kann zuletzt noch eine Philosophie entstehen: eine Aesthctik, die ich einmal schreiben werde, steht mir jetzt schon oft vor Augen. All diese Pläne sind heute nur Worte großen Klanges, ich weiß wohl — und ich denke wirklich nicht zn hoch von mir. Aber Ziele wollte ich nennen, weil ich sie habe. Etwas sei noch festgestellt: Meine Verehrung für Hauptmann macht mich nicht zum „Hauptmannschüler", wenigstens nicht in dem etwas verächtlichen Sinne, wie mich oberflächliche Rezensenten als solchen bezeichnet haben. Hätten ste dies im rühmenden Sinne getan, so wollte ich mit ihnen und mit mir zufrieden sein. Ein Meister in der Kunst kann keinen Schüler haben, es sei denn, daß der hohe Geist des Aelteren sich in den Werken des Jüngeren als ewiger Einfluß wiedersindet. Diese „Schülerschaft" aber führt, da sie nur ein Selbständiger erwirbt, sogleich zur Meisterschaft. Möchte ste mich dahinführen. Georg Hirschfeld. Berlin. In der vorigen Woche hat sich der Ausschuß des Verbandes der V e r e i n e z u r F ö r d e r u n g d e s H a n d w e r k s u n d d e r B o d e n k u l t u r u n t c r denJudenDeutschlands konstituiert. Als Vertreter waren 31t dieser Sitzung erschienen: vonpDeutsch- Israelitischen Gemeindebuud Professor Philippsou, von: Verein jüdischer Handwerker Hern Herz, vom Verein Ahlem Herr Rosenbaum, vom Verein Paukower Kameraden Lehrer Falkenberg, vom Verein der Handwerker! und Künstler Maurermeister Adler, vom Arbeitsnachweis Herr Jlia Ber, vom Verein fitrt Bodenkultur Dr. Tuch, ferner Konsul Simon-Hannover, Alphons Jacobson-Leipzig und Dr. Moses. Zürn Vorsitzenden des Ausschusses des Verbandes, dem sich bis jetzt 82 Vereitle angeschlossen haben, wurde Dr. Moses, zum Stellvertreter Herr Herz, zum Schriftführer Dr. Tuch und zum Schatzmeister Herr Jlia Ber gewählt. Die provisorischen Statuten lourden beraten und beschlossen, alle Vereine, welche die Förderung des Handwerks und der Vodellknltur auf ihre Fahne geschrieben, zur Delegtertenver/samullung auf den 15. März nach Berlin einzuladen. Die Ausgaben der jüdisktM Gemeinde betrugen im letzten Geschäftsjahre für gottesdienstliche Zwecke 264 000 Mark, für Schulwesen und Religionsschulen 182 900 Mk., für das Armeiüvesen 102 000 Mark, für die Waisenpflege 109 000 Mark und für das Krankenhaus 04 000 Mark. Insgesamt hat sich beim Hauptrechnungsabschluß ein Minderverbrauch von 118 154 Mark herausgestellt. An Gemeindebauten sind geplant!: ein neues Krankenhaus, eine neue Synagoge für den Norden in der Rykestraße und die Errichtung einer Mädchenschule in der Kaiserstraße. Preisaufgaben. Alls Breslau wird geschriebeil: Der hiev studierende Schwiegersohn des Herrn Rabbiners Dr. Münz in Kempen, ' Herr Cand. Phil. Arnold Klein alis Doina-Földvar irr Ungarn, wohnhaft in Kempen, hat die diesjährige philosophische Preisaufgabe der philosophischeil Fakultät gelöst und unter drei Bewerbern den vollen Preis erhalten; eine zweite Belverbung konnte dein Thema nicht mehr geliecht werden, eine dritte, welche von einer Dame herrührt, soll mit Genehmigung des Ministers einen halben Preis erhalten. Das Thema lautet: „Darstellung und kritische Besprechung der seit dem Jahre 1896 veröffemlichten Arbeiten und Erörterungen über das allgemeine Verhältnis von Leib und Seele, insbesondere ben sogenannten psychophysischen Parallelismus". Auch die zweite Preisaufgabe der Fakultät! hat einen jüdischen Bearbeiter gefunden, dein dev halbe Preis zuerkannt wurde. Der Bearbeiter ist sind. Phil. Ernst Lewy aus Breslau, z. Z. .in Leipzig. Das Thema dev ovientalisch-philologischelr Aufgabe lautet: „Es soll mit Hilfe dev indischen Akzentnation und des Wernerschelt Gesetzes dev Versuch gemacht werden, aris dem Wortschätze mehrerer germanischer Dialekte die Stelle der mdo-germanischen Wortbetonung systenmtisch All ermitteln". — Die beiden Preisaufgaben des jüdischtheologischeil Senlillars haben, lvie bereits a. a. St. er- Ulähnt, in dieselll Jahre je einen Bearbeiter gefunden. Den Lchlllaml'scheu Preis für die historische Allfgabe („Historische Topographie der Judeustadt zn Köln am Rhein") erhielt Herr Eaild. Phil, unb theol. Kober, den Nosin'schent Preis für die exegetische Allfgabe (Rekonstruktion des Konllnentars Jbn Esras zu ben ersten Propheten) Heiw Dr. Ludwig Levy. Stiftnngcn. Ans Breslaii lvird geschrieben: Aus der Fräiikel'scheil Stiftung zur Beförderung der Küllste und Handwerke sind für das laufende Jahr folgende Stipendien 31t vergeben: Je 600 Mark zluil Besuche der königl. techn. Hochschule zn Berlin, derselben behufs Ausbildung int Bauwesen, zur höheren Allsbildung in der Maschinenknnst, 760 Mark zmil Besuche einer königl. Akademie der Künste iil Berlin, mehrere ztnn Besuche der Fachklasseu an Gewerbcschnlen, sowie inländischer gewerblicher Fortbildungsschulen. Die Bewerbungen um jedes dieser Stipendien sind bis zmil 15. März d. I. bei dem Kuratorium der Kmmnerzieltrat Frankel'scheu Stiftungen eiuzureichen. Auch köllnen vom 2. April cv. ab zwei „Fränkel'sche Freistellen" an der hiesigeil königl. Kunst- und Kuustgewerbeschlile durch qualifizierte jüdische Bewerber aus der Provinz Schlesien besetzt werden. Endlich werden Eltern oder Vormünder jüdischer Knaben, welche Ostern die Schllle verlassen und ein Handwerk erlernen wollen, aufgefordert, sich baldmöglichst zri melben, damit ihre Unterbringung bei geeigneten Lehrherrn rechtzeitig erfolgen kann. Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Aus Annnberg lvird gemeldet: Am 2f>. Januar sprach Herr Rabb. Dr. Goldberger ans Marienbad im hiesige,, Verein für jüdische Geschichte und Literatur über „Volksideale und Jdealvolk". Mit einer Vision in schwungvoller Sprache begann der Redner. Die Seele, die Gott gesehen und gehört bat, entschließt sich, die Menschen zn Jbm zu führen, und zlvar ans dem Wege, an dessen Anfang und Verfolg die Volksideale stellen und dessen Endziel das Jdealvolk ist. Was ist „Ideal"? Da jeder Stand, jedes Alter, jede Bildungsstufe darüber anderer Ansicht ist, so ist „Ideal" das, lvas allen gemeinsam erstrebenswert erscheint, daS allen voranlcuchtet, aber nicht erreicht werden kann. Das Ideal ist nicht von dieser Welt, ist das Göttliche. Daraus ergeben sich drei Leitsätze, die Volksideale betreffend: 1. Die Vollsideale werden von Gemeinschaften erstrebt, in welche die Menschheit naturgemäß zerfällt. 2. Diese Volksideale sind uiedergelcgt in den religiösen Vorstellungen. Falls sich diese nicht über das Irdische erheben/ sind sie vergänglich.?>. Je höher die Gottesborstellung, desto höher daS Volksideal. Das Volk, welches die höchste Gottborstellung hat, verdient den Namen „Jdealvolk". Im Anschluß an diese Thesen führte der treffliche Redner ans: Jedes Volk hat seine Ideale, die Alten des Orients sChinesen, Inder, Vorderasiaten, Egypte«, Israeliten), die des Okzidents (Griechen, Römer): diese Volksideale waren aber nicht von Bestand, weil sie nicht ans der richtigen Grundlage beruhten, und als die Völker nntergingen, vergingen auch sic. Das Ideal des israelitischen Volkes war ans Gott gerichtet, es hat darum die Zeit überdauert, ist zum Menschheitsideal geworden durch die hehren Gedanken: „U nibersal - Go!t" .— „Glaube" — „Menschheit". Der Träger dieser Idee, das israelitische Volk, kann und wird zum Jdealvolk, zum Führer der Menschheit zu Gatt werden. Der gedankentiefe, forinvollendctc Vortrag fand reichen Beifall bei den zahlreich erschienenen Mitgliedern. Jüdische Volksküche. Ans Saffed wird uns geschrieben: „Auf Anregung des Vorstehers der hiesigen rumänischen Gemeinde, Maier Taubenhaus, ivurde hier eine jüdische Volksküche gegründet. Dieselbe trägt zur Linderung der Not unserer aus allen Weltteilen zusammengeströmten Staminesgenossen bei. Die Eröffnung fand an dem verflossenen Makkbäersestabend in Anwesenheit der Rabbiner und Chacham Pascha statt. Erfreulich ist, daß in der hiesigen Gemeinde zwischen Aschkenasim und Scphardim das beste Einvernehmen, herrscht." Aus Marokko. Durch die Nachrichten, welche aus Dem in allen Fugen krachenden Reiche komnien, zieht sich wie ein roter Faden die Mitteilung von einigen bereits erfolgten itnb anderen noch bevorstehenden Ausschreitungen gegen die dortigen Inden. Gerhard Rohlfs schätzt in der 1873 erschienenen Beschreibung seiner erstell Reise durch Marokko die Zahl dev marokkanischen Inden, die nicht minder als die Christen unter dem religiösen Fanatismus der Marokkaner leiden, auf über 200 000 Seelen. „Vorzugsweise sieht man Gold- und Silborarbeiten in den Händen dev Juden. Spangen, Fingerringe, Arm- und Fnßbänder (die marokkanischen Frauen tragen oberhalb der Knöchel schwere silberne Ringe) werdeir fast ausschließlich von den Jliden hergestellt, unter deren Leitung auch bje Secca, das heißt die Münze, steht. Die auf deur Laude, so z. B. in der Draa-Oase lebenden Jlideir treiben Büchsenschmtedcrei, Blechschlägerei, Tischlerarbeit, Schneiderei und Schufterei. Rohlfs schreibt! (S. 83) :M habe .jüdische Gem ein den des großen Atlas und fast sämtliche jüdische Ortschaften der Draa- und Tafilei-Oasen besucht, aber immer gefunden, daß sie sich auszeichneten voll der mpgebenden moihammedauisch-berberischem Bevölkerung. Ludwig Pietsch berichtet in seinem Buche (1878 bei F. A. Brockhaus erschienen) „Marokko" über die „Jhndi": „Nicht nur, daß sie gedrückt, gequält und willkürlich ausgepreßt werden - auch die Pein kleinlichsten Demütigung müssen ne üt*er sich ergehen lassen." Als die kaiserlich deutsche Gesandtschaft im Frühjahr 1877 in Fez war, besuchte L. P. auch, das Ghetto: „Die kleinen Knaben nnb Mädchen eilen von allen Seiten heran, um uns trotz allen Widerstrebend die Hände zu küssen. Die Gesichter der Männer und Jünglinge, ihre spanischen Anreden dnickten herzliche Freude, fast so etwas wie Dankbarkeit aus. Die Frauen und Mädchen riefelt uns Willkonmtelt in spanischer Sprache zu. Uebev die Gesichter, ztunal der jüngeren von ihnen, iK das Geschenk der Schönheit wahrhaft verschwenderisch ausge- W'lttet. Welche Feinheit des klarem weißen Teints, welcher stilvolle große reine Schnitt!, rmd wieder welche Lieblichkeit dev Formeit, und welche Augen in diesen Köpfen!" Auch Rohlfs sagt: „Die Jüdinnen zeichnen sich durch reizende Gesichtszüge aris, müssen dafi'tv aber auch oft genug, sind sie in der Nähe eines Großen, in dessen Herein wandern."

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