Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1903-02-13 · 7 (13.2.1903) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
7 (13.2.1903)
Date
1903-02-13
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2432763-2432970-2432977--1829-2435628
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 7 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 13. Februar 1903 Seite 5 au sich den Glauben an ein höheres Wesen einschlotz, so entbehrte er nicht einer ethischen Bedeutung. Wie armselig das jüdische „Gesetz" sich ausnehmen mag, wenn man cs mit den religiösen Schöpfungen der verschiedenen indoeuropäischen Völker vergleicht, einen Vorzug besah es im damaligen verfallenen römischen Reiche ganz allein; es ivar eben ein Gesetz; ein Gesetz, dem Menschen demütig gehorchten, und gerade dieser Gehorsam muhte in einer Welt der Zügellosigkeit ethisch von groher Bedeutung sein. Hier wie überall werden wir finden, dah der Einfluh des Juden — zum Guten und zum Bösen — in seinem Charakter, nicht in seinen geistigen Leistungen begründet liegt. Gewisse Historiker unseres Jahrhunderts, sogar ein geistig so bedeutender wie Graf G o b i - ne au, haben die Ansicht vertreten, das Judentum wirke stets lediglich auflösend auf alle Völker. Ich kann diese Ucberzeugung nicht teilen. Zwar, lvo die Juden in einem fremden Lande sich stark vermehren, da nrögen sie es sich angelegen sein lassen, die Verhcihungen ihrer Propheten zu erfüllen und nach bestem Wissen tmd Gewissen „die fremden Völker zu fressen"; sagten sie doch schon zu Lebzeiten des Moses von sich selbst, sie seien „als wie die Heuschrecken"; man muh aber das Judentum von den Juden trennen und zugebeu, das; das Judentum, als Idee, zu den konservativsten Gedanken der Welt gehört. Der Begriff der physischen Rasseneinhcit und -reinhcit, tvelchcr den Kern des Judentums ausmacht, bedeutet die Anerkennung einer grundlegenden physiologischen Tatsache des Lebens; tvo immer!oir auch Leben beobachten,, vom Schimmelpilz bis zum edlen Rosse, bemerken wir die Bedeutung der „Rasse": Das Judentum heiligte dieses Naturgesetz. Darum drang es auch in jenem kritischen Augenblicke der Weltgeschichte, wo eine reiche Erbschaft ohne würdigen Erben dastand, siegreich durch. Es beförderte nicht die allgemeine Auflösung, im Gegenteil, es gebot ihr Einhalt. Das jüdische Dogma ivar wie eine scharfe Säure, die man in eine in Zersetzung geratene Flüssigkeit gieht, um sie zu klären und vor dem weiteren Verfaulen zu bewahren. Mag auch diese Säure nicht jedem munden, sie hat in der Geschichte der Kulturepoche, zu der wir gehören, eine so entscheidende Rolle gespielt, dah wir dem Spender Dankbarkeit schulden und, anstatt univillig zu sein, besser tun werden, uns Klarheit zu verschaffen über die Bedeutung dieses Eintrittes der Juden in die abendländische Geschichte — für unsere ganze, noch im Werden begriffene Kultur jedenfalls ein Ereignis von unmehbarcr Tragweite. Bekämpfung der Wanderbettelei. Das Wort „Bekämpfung" gefällt mir nicht, des Armenwcsens und der Wanderbettelei wäre für uns Juden das richtigere. Die Gesetze gegen arme Juden wachsen überall ivie Pilze; es ist somit nicht im Interesse des Judentums, noch einen Riegel mehr den fremden Juden vorzufchieben. Engherzigkeit — Selbstsucht sind nicht unsere Erbfehler. 'Mir Juden haben nicht die Pflicht, von ähnlichen Mitteln Gebrauch zu machen. Eine andere Frage ist, wie wir das Armenwesen regeln; ich halte die diesbezüglichen Anträge des Prager Gcmeindctages nicht für leicht durchführbar, der Vorgang scheint mir ein verkehrter zu sein. Wenn man die Idee icf R-.gelung der Wohltätigkeit mit dem Wand?rbectel in einen Sack wirft, vermischt man das Gute mit dem Bösen, das Mögliche mit dem Unmöglichen. Es wäre für den Bund der Kultusgemeinden in Böhmen vielleicht leichter, alle Wohltätigkeitsvereine in Böhmen zu einer Besprechung zu laden und deren Leiter zu bestimmen, dah selbe das Armenwescn in jeder Kultusgemeinde nach gleichen Grundsätzen regeln — mls diesen Mahnahmen würde sich die sukzessive Regelung des jüdischen Wanderbcttels herausschälen. In denjenigen Kultusgemeinden, wo solche Wohktätigkcitsvereine nicht bestehen oder nicht gegründet werden können, wäre cs angczeigt, das; die Kultusgcmeinden durch einen sehr kleinen perzentuellen Kultusgemeindesteuerzuschlag für das jüdische Armenwescn im Bezirke diesem steuern würden. Jnsolange der Kulttisgemeindebund nicht Sektionen in jeder Bezirkshauptmaitnschaft gründen wird, insolcmge der Bund nicht dahin trachtet, dah er mit allen Kultusgcmeinden in innigem Kontakt steht, und statt dessen, wie dessen Ausschuhmitglied Dr. Schanz er, die Anregungen der Landjuden „a l s unberechtigte F a k t 0 r e n von a u h e n" betrachtet, wird deren Ruf nach positiver Arbeit ein leeres Shrapnell sein, welches nur als Knalleffekt unter den mehrbegüterten gegen die ininderbegüterten Knltusgemeinden gelten kann. «Der Gemeindebund ist erbötig, Beiträge entgegenzunehmen tmd an die Grenzgemeinden weiterzuleiten," so lautet dieser fromme Wunsch. Ich wünsche dem Gemeindebunde viel Glück zu dieser Entgegennahme von Beiträgen. Meine Schlußfolgerung ist, laut obiger Darlegung, die, das; im Bund Mangel an Verständnis der heutigen Sachlage in den Kultusgcmeinden am Lande herrscht. I d n 0 b. Persona. Ein Glück, dah sich die Szene kürzer abspielte und der selige Moment .... vorüber ist. Ilnd so wird es halb 4 Uhr, als wir wieder frische Luft schöpfen konnten, aber schon sahen wir wieder ein neues Brautpaar Vorfahren. Dann macht ein jüdischer Hotelier kein Geschäft. Auf diese Weise werden in der Heirats- Saison 6—10 Brautpaare allsonntäglich, anch oftmals an Werktagen, in die Ehe befördert. Von einer Heiligkeit dieses Tages und dieser Stunde ist kein Spur. Könnte da nicht Abhilfe geschaffen werden? Muh die Benützung eines für jeden Juden zugänglichen Gotteshauses so viel kosten? Hochachtend R. Aus der Prager Gemeinde. Ein Seitenstück zu Ihrer „A r m e 'Leut e -Traun n g" möchte ich Ihnen von hier berichten. Wir leben noch in sehr kleinbürgerlichen Zuständen. Wer in Prag in iciuctn Gotteshause die Trauung haben will, muh mindestens, und zwar in einem der kleinsten Bethäuser, eine Taxe von 20 Kr., von der Steuer an den Bediensteten abgesehen, erlegen, oder mindestens für seine Hochzeitsgäste im „Hotel Bristol" ein Kuvert für 0 Gulden bestellen, dann darf man den ziemlich kleinen Trauungssaal daselbst benützen. Für weniger fromme Juden stehen freilich Hotels und gröhere Etablissements zur Verfügung. Jui großen Tempel kostet das Aufsperren des Gotteshauses mindestens 100 Kronen. Neulich Ivar ich von einer befreundeten Familie vom Lande geladen, welche die Trauung um 1 Uhr nachmittags im „Hotel Bristol" bestellt hatte. lim zurecht zu kommen, habe, ich meine Suppe brühheiß geschlürft, selbst meine nur einmal in der Woche abgehaltene Sieste umhte ich opfern. Meine bessere Ehehälfte hatte schon vormittags ihre Vorbereitungen getroffen und so kamen wir trotz der kühlen Jahreszeit schwitzend und pustend ins Hotel. Schon auf den Treppen muhte man sich durch Speisegäste, Hochzeiter, Kellner und dergl. drängen, um zum Trauungssaal (Ivie es in goldenen Lettern am Aufgange zur zweiten Etage steht) ztl gelangen. Es schlägt 1 Uhr. Endlich oben angelangt, suche ich fragend und frage suchend wenigstens ein bekanmes Gesicht, aber keine Spur. Nun nahm mir meine sonst stille Ehehälfte das Wort aris deiir Munde und frug einen dienstbaren Geist, ob denn die Training von N. N. schon vorüber wäre. Nein, sagte er antwortend, dieses Paar kommt erst als drittes Hochzeitspaar an die Reihe, jetzt ist das erste hier. Resigniert drängte ich mich durch grüne, weihe, rote Brautjungfern zu einer Plüschbank, tun mich zn verschnaufen, aber die Aufregung, welche bei solchen Gelegenheiten unter den Leuten herrscht, steckte anch mid) an, und ich war nicht fähig, meine Gedanken zu sammeln. Ich hätte bei ruhigem Gedankengang vielleicht eine Symphonie oder etivas dergleichen komponieren können. Also wir warteten. Endlich, um halb ft Uhr, kamen Bekannte, liebe Freunde, telephonisch avisiert aus den höheren Regionen (ft. Etage) und versammelten ihre Getreuen mit sich. Nach dreiviertel ft Uhr kamen wir in den tropisch temperierten Trauungssaal und sehe schon den Trauhimmel, die drei Porträts der gesuchtesten und beschäftigsten Rabbiner, und nach einigen Minuten auch einen von ihnen in Verband der israel. Handwerker für das Königreich Böhmen. Am ft. Februar, 8 Uhr abends, wurde die erste Hauptversammlung des Vereins der israel. Handwerker in seinen Lokalitäten unter zahlreicher Beteiligung seiner Mitglieder abgehaltcn. Nach der freundlichen Begrühnng und Vorstellung des landessürstlichen Kommissärs wurde der Geschäftsbericht verlesen, woraus zn entnehmen ist, daß der Verband aus 110 ordentlichen Mitgliedern, 10 beitragenden Kultusgemeindcn, 1 gründenden und 1 Ehrenmitgliede besteht. Seine erste größere Aktion besteht ans der Zusammenstellung der ersten Adreßliste, welches eine höchst schwierige Arbeit war, und die Versendung an 1500 Glaubensgenossen durch eigenen Diener. Weiters wurde Kassa- und Revisorenbericht verlesen und genehmigt. Betreffs Erhöhung der Jahresgebühr beteiligten sich an 10 Mitglieder an der Debatte; jedoch wurde der Antrag des Vorstandes angenommen, welcher die Jayresgebühr auf 6 Kronen bestimmte und 2 Kronen Einschreibegebühr für Neueintretende, da man bei den alten niedrig bemessenen Beträgen nicht das Auskommen fand. Trotz der großen Gründnngskosten, die nicht nur ein jeder Verein hat, sondern wir in doppeltem Maßstabe, ist doch nach Begleichung aller Auslagen ein Kassabarbestand von 100 Kronen und hofft der Vorstand, das; er bald darangehen kann, seinen Mitgliedern noch mehr Vorteile zu bieten. Zum Schluß wurde die Wahl vorgenommen und wurde der alte Ausschuß mit Stimmenmehrheit wiedergewählt. Statt Herrn Robitschek wurde Herr Adolf Diamant, Schuhmachermeister, ueugewählt. Die Wahl der Funktionäre wird Donnerstag den 12. Februar vorgenommen. Anerkennung der jüdischeil Nationalität an der Czernowitzev Universität. Samstag den 7. Februar fand im Beisein Sr. Magnifizenz des Rektors Prof. Dr.. Schart z e r die von den Senioren der jüd.-nat. Verbindungen „Z e p h i r a ly“ und „H a s m 0 n a e a" und der jüd.-nat. Finkenschaft einberufene Versammlung der jüdischen Studenten in Angelegenheit der Anerkennung der jüdischen Nationalität und der NWabhaltiung der Vorlesungen an den jüdischen Feiertagen statt. Die ungewöhnlich stark besuchte Versammlung — es waren nahezu 200 Studenten — an der au chder ruth.-nat. akad. Verein „©kg" vollständig teilnahm, bot einen schönen Anblick jüdischer Solidarität und nahm einen überaus würdigen Verlauf. Der Vorsitzende der Versammlung, Rechtshörer $1 ci f fi a l i S 0 k a l,, eröfsnete dieselbe mit einer Begrüßungsa,nsp>rache, worauf c'and. jur. K a n n e r, Präses der jüd.-nat. Vereinigung „Var Kochba" in Stanislau, in ausführlicher und trefflicher Weise das Referat erstattete. Hieraus sprachen Rechtshörer C I). Kinsbr u n n e r , Mitglied! .der jüd.-nat. Verbindung „Zephirah", und Rechtshörer! Gingold , Mitglied der jüd.-nat. Perbindung „Hasmonaea", die in längeren, mit reichem Beifall« aufgenommenen. Reden den Nachweis für das Vorhandensein der jüdischen Nation lieferten. Se. Magnifizenz der Rektor Dr. S ch! a r i z e r drückte hieraus der Persammlung seine Sympathiie aus und erklärte das Verlangen der jüdischen Studenten für vollkommen berechtigt. Es sprach hierauf sind-. Phil. T 0 k a r i k , Mitglied des ruth.-nat. Vereines „Siez", der in markanten Worten die Aktion bewillkommnete. ' Weiteris gab namens der sozialdemokratischen jüdi scheu Studenten stud. jur. P isten er eine zustimmende Erklärung ab und! hieraus brachte der Referent die Resolutionen zur Abstimmung. Sie wurden einstimmig angenommen. Beglückwünschende Telegramme aller jüd.- nat. Verbindungen Oesterreichs wurden verlesen. Wie man Tempel baut. In H. hatte sich ein Komitee gebildet, welches einen Tempel bauen wollte. Präses war der Kultus Vorsteher, im Ausschuß war der Rabbiner tmd mehrere Kultus gemeiudeausschüsse. Zuerst wurde beschlossen, daß mau milde Gaben, sammeln werde. Der eiuflttßhabeude Ktiltusvorsteher hatte den Aufruf mit unterfertigt tmd nt die Welt versandt. Im Laufe einer sehr ktirzcn Zeit sind au 2000 Kronen eiugelaufeu. Eines schönen Tages, bei einer Tempelbauvereinssitzung, hatte ein Fremtd des Rabbiners beantragt: „der fünfte Teil aller zum Tempelbau gesammelten Gelder solle dem Rabbiner gehören". Der Vorsitzende Kiiltnsvorsteher Ivar nicht wenig erstatint, als für diesen Antrag sofort die ganze Knlttisgemeinde ihre Hände erhoben hatte. Alle diesbezüglichen Vorstelltutgen, alles Abraten dem Rabbiner gegenüber, er möge dieses nicht annehmen, ja selbst die Drohung der Veröffentlichung dieses Beschlusses, hatte auf diese kindischen, jüdischen Gemüter keinen Einfluß mehr. Diese Menschen, die nie gewöhnt waren .große Schenkungen in kurzer Zeit ztt erhalten, waren tunt der Meinung, daß diese Art Eimtahutett wie ein fließendes Wasser ihnen gesichert ist. Ein Bund von Braven hatte sich um den Rabbiner gebildet, znnt Schaden des Tempelbaties, ztir Schande der KtiltnSgenteinde I Dem Ktiltnsvorstcher blieb nichts anderes übrig, als ans dem Tempelbatwerein, der seine Schöpfmtg war, auszntreten und zugleich ztl veröffentlichen, das; er die eittgelmifenen ntildett Gaben nicht mehr berwaltet. Drei Jahre hatte der Verein nun vegetiert. In diesen drei Jahren hatte derselbe fast nichts tnehr zugunsten des TeutvelbatieS eingenommen tmd geleistet. Im Latlfe dieser drei Jahre hatte derselbe an 60 Blocks ztl je 50 Kr. ansgefertigt: von diesen Blocks sind zirka die Hälfte nicht mehr zurückzubekommen. Ja, selbst der Rabbiner, der in dieser Zeit entlassen wurde, hat Blocks in Empfang genommen, die bis heute in den Büchern als nicht retourniert erscheinen. Nach drei verlorenen Jahren hat mm der KultuSvorsteher von neuem die Tempelbanangelegenheiten auf sich genommen tmd der Tempel wird gebaut. Ein Einsantmeln von milden Gaben ist Wohl nicht mehr möglich, denn dort, Ivo der Kiiltnsvorsteher diesem ein Halt ztirufen mußte, kann keine turne Aktion mehr eingekeitet werden. Die Männer, die tinsere Einnahmen zum Tempelbau auf diese Art vereitelt, mögen, luemt sie wollen, ihre Namen hier veröffetttlicheit, vor allem aber mögen sie die T e m pelbaublocks rctourseuden. I d it 0 t>. Troppnu. Jin hiesigen jüdisch-literarischen Vereine hielt mn 5. ds. Se. Ehrwürden Herr Dr. Oppenheim aus Oltnütz eilten Vortrag über „Zivilisation tmd Jndenkum". Nach eingehender Erläuterung des Begriffes „Zivilisation" wies der geehrte Redner in überzeugender Weise nach, das; sowohl die jüdischen Lehrer als das Judentum überhaupt sich beit Forderungen der Zivilisation aufs innigste anpassett tmd an der Ausbreitung derselben stets hervorragenden Anteil nahmen. Nur böswillige Etttstellungen vertnögen Gegenteiliges zu behmipten, ohne es mich tmr annähernd beweisen ztt können: so ist die in neuester Zeit erschienene Streitschrift „Bibel und Babel" tticht im entferntesten geeignet, die unvergänglichen Verdiettste des Judentums irgendwie abznschwächen. Lebhafter Beifall der Zahlreichen Zuhörerschaft lohnte die lehrreichen und anziehenden Ausführungen des geschätzten Redners, dem vom Obmanne des Vereins der wärntste Dank gezollt wtirdc. Se. Ehrwürden Herr Dr. Oppenheim, der binnen Jahresfrist nunmehr zum zweitenmale sein gediegenes Wissen in den Dienst des Vereins stellte, hat sich mn dettselben in besonderer Weise nützlich gemacht tmd entspricht es gewiß dem Sinne aller Vereinsmitglicder, wenn seitens des Vorstandes der Wunsch geäußert wurde, den lvertctt Gast bald wieder hier begrüßen ztt können. Aus Kolomea. Samstag dett 24. v. M. veranstaltete dev Zionsverein „Beth-Jsrael" wieder, wie allwöchentlich, einen Toynbee-Abettd, der, wie allemal, zahlreich besucht war. Der Präsident Herr Dr. Rosenheck hielt einen sehr interessanten Vortrag über: „Sabbathi Zewi und Frank", den er ausführlich tmd populär besprach. Nach dem Tee erzählte Herr Dr. Rosenheck auf allgemeines Verlangen einige hübsche Anekdoten, mit welchen auch dieser Abend schloß. —' Samstag den ftl. v. M. hielt am Toynbee-Abend der Matrikeiiführer Herr O. Fadcnhccht einen Vortrag über: „Die moderne Exigcse". Hernach las ttoch Herr I. Gerstenblnth „Das Streimel" von I. L. Pcrez und die „Papierlech" von Schulem Aleichein im Jargott vor. Samstag den 7. ds. M. wird Herr Moses Lachs einen Vortrag über einen Abschnitt von der Geschichte: „Dawid Rubeni tmd Schlonta Molto" halten. Nach dem Tee wird der Vizepräsident Herr L. Taubes etwas von Schulem Aleichem vorlesen. Die von unseren hiesigen zionistischen Führern, Herren Dr. S. Roscnheck und L. Taubes, cingeleitete Aktion gegen das projektierte verschärfte Sonntagsruhe-Gesetz schreitet fort. Das von der Volksversammlung gewählte Komitee schickte an alle Rabbiner und Kultnsvorstände und sonstige Privatmänner Petitionen an das Abgeordnetenhaus und Herrenhaus zur Sammlung von Unterschriften, wie auch Briese zur Ermutigung rntd Ermunteruitg und Belehrung. Von zahlreichen kleinerett und größereit Städten sind diese, mit sehr vielen Unterschriften versehen, mit Berichten von zahlreich besuchten Volksversammlungen, auch schon angelangt. Wie die Berichte von Lemberg, Stanislau u. a. O. lantett, sind auch dort die Zionisten die Leiter der Aktion. Erfreulicherweise bctreibett sie auch eifrig Gegenwartspolitik. Möge ihnen dieses Unternehmen auch zum Ziele führen, zum Wähle und Frommen des Jndenvolkes. Heil dem Judenvolkei Hoch der Zionismus! I. G. Budapest. (P e l e - m e l e.) Der Abgeordnete Dr. Vi - s 0 n t a i erlaubte sich im vorigen Jahre den Spaß, dem ehemaligen Präses des Kasinos in der Leopoldstadt die Bitte zu unterbreiten, die antisemitischen Abgeordneten an einer Unterhaltung im Kasino tcilnehmen zu lassen. Dr. M ax F alk ordnete an, daß diese Einladungen erhalten sollen. Darüber waren wieder die Mitglieder empört, deshalb legte der Apostat Falk seine Würde nieder, und es wurde wieder ent anderer Apostat, Baratt Ludwig Doczy, gewählt. Diesem scheint aber der daselbst einheimische liberale Geist nicht zu gefallen, deshalb ist er auch vor einigen Tagen zttrückgetreten. Die liberalen Mitglieder sind bestrebt, den Baron Desider Bansfy siir diese Würdestelle zu gewinnen- Am 7. d. M., am Sabbat Schircr, wurde Dr. Berthold Edelstein von seinem Kollegen Dr. Arnold Kitz als zweiter Rabbiner installiert. Viele Fcstgäste waren anwesend. Die Pester Gemeinde war durch den Vizepräses Leopold Deutsch, die „Chewra Kadischa" durch den Sekretär Dr. Franz Meczy, das Seminar durch H. Bloch und Dr. S. Schill vertreten. Dr. Kitz richtete mt die Kollegen eine feierliche Ansprache, worauf Dr. Edelstein die Festpredigt hielt, die eines allgemeinen Beifalls sich erfretltc. Wahrlich, ich bin neugierig zu erfahren, wieso die Pester Herren am Sabbat, ohne Ppückenzoll zu entrichten, nach Ofen gelangten? Vorsteher einer Gemeinde, Beamte und die Lehrer einer Rabbincrschule dürfen sich ein Chillel Haschem nicht erlauben I Am .Hofballe, der am 7. ds. stattfand, nahmen folgende Juden teil: Fr. Chorin, Sig. Kornfeld, Karl Schwab, Oberhausmitglieder Paul Maitdl, Alex. Nagy, Paul Scrndor, Moritz Batmark, Josef Vesei, Berth. Wcisz und Theodor Wolfner, Mgeordnete. Letztere wurden durch Se. Majestät mit einer Ansprache ausgezeichnet. Ferner waren anwesend die Konsuln: Josef Frankl, Alex. Fleischl, Dr. Pmtl Ullmann, Jgn. Brühl, Franz Freund, Emrich Biritbanm und Arthur Altschul. Judentimr ohne Hebräisch. Aus Berlin wird geschrieben: Das königliche Provinzialschülkollegium hat in einem Schreiben an den Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde die Ablehnung der Aufnahme des Hebräischen in den Lehrplan für den jüdischen Religionsunterricht in der Volksschule verfügt. Der betreffende Erlaß lautet im wesentlichen: „Den uns überreichten Entwurf eines Lehrplanes für den jüdischen Religionsuntcrricht an den Gemeindeschnlen haben wir zunächst der Schuldeputation zur Aeußemng zugehen lassen. Gegen die in dem Entwürfe vorgesehene Aufnahme des Hebräischen in den Religionsunterricht! jber Geineindeschnlen sind von der gefaulten städtischen Behörde gnmdsätzliche Bedenken geltend gemacht. In Würdigung dieser Bedenken können wir uns der Erwägung nicht verschließen', daß die Einführung eines Unterrichtes im Hebräischen über die Ziele, die der Polksschnle gesteckt sind, hinausgreifen würde. Wir verkennen dabei nicht, daß die Entscheidung der Frage, ob und inwieweit der bezeichnet« Unterricht als ein wesentlicher Teil des jüdischen Religionsunterrichtes anznsehen ist, nicht von uns, sondern von dem Vorstände der jüdischen Gemeinde zu treffen sein wird, aber 'elbst wenn lvir uns auf dem- Boden der dortseits in der Frage vertretenen Auffassung stellen, müssen wir daran sesthalteil, daß es nicht Aufgabe des Volksschulunterrichtes sein kann, durch Aufnahme des hebräischen. Unterrichtes Ziele zu verfolgen, die, so berechtigt und wertvoll sie an sich sein mögen, sich nicht mehr in den der Volksschule gezogenen Grenzen bewegen. Aus dieseni Grunde wird es Sache der jüdischen Kultusgemeinde sein müssen, für den Unterricht ün Hebräischen, so weit sie ihn für erforderlich hält, durch Errichtung besonderer Kurse Sorge zu tragen." Des weiteren wirb noch betont, daß auch in jüdischen Kreisen vielfach auf den- Unterricht im Hebräischen kein Gewicht gelegt wird. „Indem wir," führt der Erlaß fort, „dem Vorstände anheimftellen durch Umgestaltung und Unterstützung der jüdischen Religwnsschulen das, von einem Teile der jüdischen Bevölkerung anerkannte Bedürfnis einer Unterweisung im Hebräischen zu, befriedigen, legen wir im übrigen entschiedenes Gelöscht darauf bei der Zusanmlemtellung eines einheMichen Lehrplanes für den jüdischen Religionsunterricht dar Geinemdeschnlen uns der Mitwirkung des Vorstandes der jüdischen Gemeinde zn versichern. ' Mir

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.