Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1903-02-13 · 7 (13.2.1903) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
7 (13.2.1903)
Date
1903-02-13
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2432763-2432970-2432977--1828-2435627
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 13. Februar 1903 Nr. 7 würde in dieser Trauung einen neuen Beweis für den «ah erblicken, daß der Glaubenswcchsel hauptsächlich in den Kreisen der reichen Juden heimisch ist, die heute die Kultusgemeinde beherrschen. Der Lokalhistoriler wieder würde dankbar anerkennen, daß dieWiener Hochfinanz wenigstens für Abwechslung bei ihren Abfällen sorgt Der Sohn des Bankdircktors Feilchenfeld, gebürtig aus dem Posen scheu, heiratete in der protestantischen Kirche, ein Verwandter des Direktors Ritter von Tanssig in der Chnrkapelle der Stcphanskirche usw. ohne Grazie. Den Drauungsakt vollzog Bischof Marschall mit zahlreicher Assistenz; Bischof Marschalls Spezialitäten sind be kanntlich die Judcntanfen. „Unter bcu Priestern befanden sich auch mehrere frühere Lehrer des Bräutigam? vom S ch o t t c n g h m n a s i u m," meldet die „N. F. P." mit Stolz. Das ist charakteristisch Herr Sigmund Eisler ist sicher ein strammer Deutschliberaler und ein unentwegter Anhänger der interkonfessionellen Schule. Aber seine Kinder schickt er zu den P. P. Schotten- Daß sich eine größere Anzahl noch nicht getaufter Juden das Schauspiel nnsahen, wollen wir nur kurz berühren; von dieser Schichte der Wiener Judenschaft nähme uns nichts wunder, als wenn sie Spuren von Selbstachtung zeigte; vielleicht wollten sie sich auch langsam an die katholischen Gebräuche gewöhnen. Daß aber der Kultus v o r st a n d Emil Horner nicht eiufieht, daß cs seine Würde verlangt, lvenigstenS offi ziell nicht den Satzungen des Judentums Hohn zu sprechen, ist aller dings ein starkes Stück. Aber vielleicht glaubt er durch ein solches Auftreten die Anwartschaft auf das Präsidium der Kultnsgemeinde zu erlangen. Wenn der Prokurist des Hauses Rothschild das Fest verschonte, durste der Direktor des Rothschildspitales Prof. O s e r natürlich nicht fehlen, vielleicht wollte er dem Dr. Loelv den Dank dafür erstatten, daß er den Neubau des Rothschildspitales mit einer Ansprache beehrte. Die Satire ist bei der Schilderung Wiener Verhältnisse der einzige Trost, denn wollten wir solche Zustände ernsthaft besprechen, so würden uns die Ausdrücke der Entrüstung fehlen. Denn alle Feinde des Judentums entehren das Judeirtum nicht so, wie seine berufenen Vertreter. Proliepredigten im Leopoldstädter und Stadttcmpel. Herr Nabbiuer Dr. M. E. Proßuitz aus Mähr.-Aussee hält Freitag den 13. Februar d. I. bei dem ÄbendgotteSdienste, der um 5 Uhr 30 Minuten abends beginnt, im Leopoldstädter Tempel, 2. Dez., Tcmpelgasse, die Predigt, und am Samstag den 11. dS. bei dem um 3 Uhr nachniittags statlfindendcn Jugendgottesdienste im Stadttempel, 1. Vez., Scitenstettengasse, die Exhorte vor den Mittelschülern. — Nächste Woche hält Herr Rabbiner Dr. M. Rosenmaun aus Floridsdorf im Leopoldstädter Tempel am Freitag den 20. ds. beim ÄbendgotteSdienste, der um 6 Uhr 30 Minuten beginnt, die Predigt, und am Samstag den 21. ds. im Sradttemvel bei dem um 3 Uhr nachmittags siattfiudenden Gottesdienste für Mittelschüler die Exhorte. Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter, Wien. Zentrale: Sämtliche Ortsgruppen veranstalten am 22. d. M. um 3 Uhr nachmittags eine volkstümliche V o r l >e s u n g a u s j u n g j ü d i s ch e n K u n st s ch ö p f u n g e n unter Mitwirkung hervorragender Autoren. Tie Vorlesung findet im Festsaale des Jüdischen Volksvereines, 2. Bez., Leopoldsgasse 40, statt und sind Karten zu 40 li in den bekannten Derschleißstellen, in der Administration dieses Blattes sowie bei allen Ausschußmitgliedern des Vereines zu haben. — Ortsgruppe Leopoldstadt: Sonntag den 15. d. M. Vortrag des Herrn Arthur Freu d. Thema: Die Judenfrage und ihre Lösungsversuche. Ort: Kougreßbureau, 9. Bez., Türkenstraße 9. Zeit: pst5 Uhr abends. Gäste willkommen. — Ortsgruppe Brigittenau: Sonntag den 15. d. M. Vercinsalund im Cafe Klämpf, 20. Bez., Jägerstraße 18, Rezitation moderner Dichtungen von Kollegen Rudolf Ros e n t a l. Beginn 7 Uhr abends. Gäste willkommen. Literarischer Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Mona". Im literarischen Gesclligkeitsverein jüd. Mädchen „Moria" findet Sonntag den 13. ds. ein Vortrag des Frl. Berta Westreich über Feuevseele Lassalles von diesem Glück im Winkel abwenden und an fremden Altären neue Fackeln anzünden. Er wurde dabet beinahe selbst ein Fremder; sein Genie schuf sich trutzig und eigenmächtig in fremder Umgebung eine eigene Welt und in einer blendenden Siegesbahn unterwarf er sich die Geister Deutschlands. Wen will mit ihm rechten? Das Genie muß sich Bahnbrechen und Betätigung schaffen. Die Glkllen der Seele bürffen nach einem Metall, das sie schmelzen wollen. Das deutsche Judentum war satt; es wollte — Ruhe. Und Lassalle lechzte nach K a m p f imd 'Ruhm. So mußten sich ihre Wege scheiden. Er fühlte in sich die Kraft, aus seinem Geiste eine neue Welt zu gebären, deren Herr er war; neue Ideen brodelten und gärten in seinem Innern, die nach Verwirklichung schrieen. So stlirzte er sich kopfüber in den reißenden Strom der deutschen Arbeiterbewegung, der ihn bald verschlang. Doch nicht ganz ist er verloren; das Letzte und Entschiedenste tat er nicht: wie er als Juda geboren wurde, so starb er auch als Jude. Auf dem jüdischen Friedhofe in Breslau liegt, was sterblich au Lassalle war, begraben. Oft war in seinem Leben die Versuchung an ihn herangetveteu, sich taufen zu lassen; mancher Stein des Anstoßes wäre damit beseitigt gewesen und manche Widerlvärtigkeit ihm erspart worden, Lassalle verachtete durchaus nicht gesellschaftliche Beziehungen und Einflüsse; seine Eitelkeit in dieser Beziehung aAete direkt in Schwäche akls. Oft mag sich dem „Juvenjnngen", dem „revolutionären Juden",' lvie er später hieß, ^mancher Salon verschlossen haben, der dem Christen Lassalle offen gewesen wäre. Oft kmißte er sich sagen, daß die Richter die Reden des Christen Lassalle anders beimteilen würden als die Reden eines Juden, dessen 'Kühnheit sie für Frechheit, dessen scharfe Dialektik sie für Verdrehungskunst ansahen. Wenn Lassalle also diesen letzten entscheidenven Schritt nicht tat, beweist dies, daß ihn mit seinem Volke noch ein Band vereinigte, ein Band, das uns ein gewisses Recht gibt, Lassalle all-, den Unfern zu bezeichnen. das Thema „Moses Mendelssohn — seine Beziehungen zu Lessings „Nathan der WLise" statt. Beginn präzise 3 Uhr nachmittags rm Religionssaale der Kultnsgemeinde, 1. Vez., Scitenstettengasse 2, 2. Stock. Gäste herzlich willkommen. Allgemeiner jüdischer Arbeiterverein in Wien. Am 1. ds. fand im Kougreßbureau die fünfte ordentliche Generalversammlung des obigen Vereins statt. Die bei derselben gefaßten Beschlüsse bedeuten einen Markstein in der Geschichte dieses Vereines, deren günstige Rückwirkung ans die übrigen zionistischen Arbeiter- und Handelsangestellten-Organisationen nicht ansbleiben dürfte. Es ivnrde nämlich eine Resolution einstimmig angenommen, daß der Arbeiterverein sich ehestens in eine gemischte Gewerk - s ch a f t u m w andl e, dieser soll die Aufgabe obliegen, die zahlreichen jedoch in den verschiedenen Branchen zerstreuten jüdischen Arbeiter in Wien zu sammeln und dieselben durch Konditionslosenfonds, Stellenvermittlung und Rechtsschutz tv i r t s ch n s t l i ch zu organisier e n. Zn diesem Zwecke wurde beschlossen, den Berein in Sektionen zu organisieren lind dementsprechend die Statllten abznändern. Es muß 'bemerkt werden, daß die Begründung einer Gewerkschaft zu einem unabtveisbaren Bedürfnis geworden ist und die Chancen bon einem derartigen Vereine äußerst günstige sind. Erstens befinden sich in Wien mehrere Branchen, deren Arbeiter zumeist ans Juden sich rekrutieren, jede Organisation entbehren und infolge ihrer östlichen Herkunft der jüdischnationalen Organisation leicht zugänglich sind. Zweitens ergibt sich die Notwendigkeit^ für die ans den vorzüglichen Organisationen der jiidischen jugendlichen Arbeiter in Wien hervorgegangenen dem Zionismus bereits gewonnenen Arbeiter eine jüdische Gewerkschaft anzurcihen. Hoffen wir, daß diese Umtvandlnng des Arbeitervereins, den _m derselben gesetzten Erwartungen entsprochen lvird. Die Versammlung nahm folgenden Verlauf. Nachdem Gg. G r o ß den Rechenschaftsbericht erstattet hatte, wurde dem abtrctenden Ausschuß das Absolntorinm erteilt. Auch der finanzielle Rechenschaftsbericht, aus welchem hervorgeht, daß das Vercinsvermögen rund 130 Kronen beträgt, wurde mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Die hierauf vorgeiwmineitc Neuwahl ergab folgendes Resultat: Obmann Nathan Groß, Vizeobmann Eliaser Drod, 1. Schriftführer W. Berger, 2. Schriftüihrer Emaunel Hermann, Kassier Samuel Jnslicht, Bibliothekar Samuel Weißblüth, Ansschnßmitglieder ohne Funktion Josef Danziger, L. Bienenstock, M. Beer und Josef Honig, Kassarcvisoren Kohn und Philipp. Hierauf nahm Gg. Groß nochmals das Wort, um das Prograimn der nächsten 0 Monate zu bespreche,'., an welchen Ausführungen sich eine Diskussion knüpfte, an der sich die Gg. Jnslicht, Kohn? Philipp nsw. beteiligten. Zum Schlüsse konstatieren wir noch die erfreuliche Mitteilung des Obmannes, daß her Arbeiterverein, der Verein jüdischer Handelsangestellter, der jüdische Verein jugendlicher Arbeiter ein gemeinsames Lokal,. 2. Bez., Stefaniestraße 8, gemietet haben, in welchem die Tätigkeit der genannten drei Vereine konzentriert wird. W. B. „Cimbria" war's Panier. Die „Wiener Zeitung" brachte die erschütternde Nachricht, daß der Verein „Cimbria" sich aufgelöst hat. Wer war die „Cimbria"? Diese Frage schwebt unseren Lesern auf den Lippen. Die „Cimbria" war eine farbentragcnde Verbindung, und zwar ein Korps an der Wiener Universität, und ihre Existenz mc und für sich wäre sicher kein Grund, sich mit ihr zu beschäftigen. Die Tagesgeschichte wird ihren Lauf llehmen, wenn mich beim Bnmmel unter den Arkaden die rosaroten Kappen nicht mehr leuchten wev den. Sie verdient aber einen Nachruf als Typus und als eine der letzten Sälilen der assimilatorischen, judenchristlichen Studenten- Verbindungen in Wien. Vor dem Auftreterr Schönerers schieden sich die Wiener Verbilidungen in K o r p s , B u r s ch e n s ch a f t e n und L a n d s m a n n s ch a f t e n; die letzteren brachten es nie zu einer besonderen Bedeutung bis aus die „Marcomania", die heute eine antisemitische Burschenschaft ist. Alle Verbindungen waren „liberal"; die „Korps" verlegten sich aber mw auf den althergebrachten studentischen Unsinn, während die Blirschenschaften sich mit Politik im Sinne einer nicht existierendcil „deutschfreihcitlichen" Partei befaßten. Selbstverständlich liefen die Juden in Hellen Scharell den Burschenschaften zu und die meisten, wie die „Teutonia", „Silesia" und „Brmia-Sudetia" sind direkt von Juden gegründet worden. Die jiidischen Studenten überboten natürlich ihre arischen Kollegen in deutschem Chauvinismus und niemmld jubelte Schönerer bei seinem ersten Auftreten mehr zu — als die jüdischen Vursthenschafter. Bald aber änderte sich infolge der immer mehr um sich greifenden anti seniitifchen Agitation SchöncrerS das Bild; eine Burschenschaft nach Meine Damen und! Heveen! Das Leben Lassallcs ist eine in sich abgeschlossene Tragödie, doch das Verhältnis des südischen Volkes zu ihm eine nicht minder erschütternde. Doch während die erste einen, ganz besonderen Charakter trägt, zeigt die letztere tciin allgemeines Gesicht. Sie ist typisch; sie ist die Trageoie des verlorenen Sohnes, die sich so oft in der Geschichte des indischem Volkes abgespielt hat, es ist die Tragödie seiner Genien, die selbst den Lorbeer errangen, aber ihrem Volke, ihnen Zeugern sich entfremdeten, wenn sie nicht gar Schande oder blutige Verfolgung auf sein Haupt luden. In dieser Bildergalerie ist Lassalle nur einer von vielen und sicher einer der besten; aber auch sein halber Berlttst muß das Herz jedes nationalen Inden schmerzhaft erbeben machen. Wenn ein reicher Protz sich selbst oder seine Kinder an den Arien verschachert und unsere Gemeinschaft verläßt, so läßt unsere Verachtung keinen Schmerz aufkommen. Wenn aber die Besten und die Blüten unseres Stammes an ihrem Volke irre werden, einfach weil es sich nicht zil den Höhen einer nationalen Selbstbesveinngsarbeit erheben kann, sondern in dem Sumpfe seiner kleinen Behaglichkeit, in dem nur Sklavensinn sich wohl fühlt, lieber verkommt, dann krampst sich das Herz der echten Inden zusammen. Hätten die Inden nach dem Geschenke der bürgerlichen Freiheit den Kainpf für ihre n a t i o n o f c F r e i h e i t ausgenommen, so hätten sie allerdings manche Illusionen ansgeben müssen und manche unruhige Stunde nntgemacht, allen ein Lassalle > Weltreubes, lasst man das prüfende Auge durch keine Sympathien und Antipathien irregeleitet werden, so muß man sagen, als NaUon verdient damals die indische allein Achtung. Wohl mögen wir auf dieses Volk das Wort G o e t h t § anwenden „Glaube lveit, eng ist der Gedanke". Im Verhältnis zn Rom und gar erst zu Hellas erscheint uns sein geistiger Horizont so eng, seine geistigen Fähigkeiten so beschränkt, daß wir eine durchaus andere Wesensgattnng vor uns zn haben wähnen; lvas jedoch dem Gedanken an schöpferischer Befähignng abgehen inag, lvird dnrch die Gewalt des Gkmlbeiis reichlich anfgewogen, eines Glaubens, den mall zunächst sehr einfach bestimnieii köilllte: Es ist der Glailbe all sich. Und da dieser Glaube der anderen machte sich „judenrein" und setzte ihre jüdischen Komilitonen vor die Tür. Selbstverständlich ging das nicht plötzlich und die jüdischen „alten Herren" wilrdcn noch lange damit beehrt, ihre monatlichcil Beiträge weiter an die Verbindung, die inzwischen antisemitisch geworden war, zu zahlen. Ich erinnere mich selbst an ein köstliches Bild ans meiner Heimat; ein reicher jüdischer Fabrikant meines Heimatsortes wurde bon der „Olympia" znm Ehreilburschen ernannt und bei den Kränzchen konnte man ihn mit einer schivarzrot-gokdenen Schärpe, lvie ein Opfcrstier geschmückt, zwischen zwei „Burschen" kcllchcnd knstlvaildekn sehen; es lvar ein offenes Geheimnis, daß sie ivährcild ihrer mehrwöchentlichen Anwesenheit von dem Ehrenlnirschenansgehalteii lvurdeii, der, nebenbei gesagt, n i c inWien studiert hat lind von der lvolhonorigen „Olympia" nur als Geldgllellc benützt wurde. In dem Momente, als die deutschantisemitischem Vnrschellschaften genug Geld geschnorrt hatten erhielt ein jüdischer alter Herr ilnch dem andern den Absagebrief. Nun konnten aber unsere lieben Jnngsiidcn ihre „Deutschtümelei" nicht lassen und da die Burschenschaften ihnen berschlossen waren, stürzten sie sich auf die Korps, die sofort ihr Anssehep natürlich änderten. Während' früher die Korps international lvaren irnd die Mitglieder ihrer Nation ilach großenteils Nichtdentschc waren — Magyaren, Serben und Tschechen neben Deutschen und Inden in buntem Gemisch — wurden die Korps jetzt jüdisch und die Juden machten fleißig in Deutschtum. Diese „Amclnngcn", „Cimbern" und „Danuben" boten manchmal ein unwiderstehliches komisches Aussehen und immer weniger Arier traten in die Korps ein. Da verfielen die indischen Korpies, wir lviederhvlcn: Die jüdischen, auf eine ingeniöse Idee; sie beschlossen „I u d e n s p e r r e" bis auf weiteres. Das hatte natürlich nur die Folge, daß die Arier, so lvie bisher, die Korps mieden, und Inden nicht eintreten konnten; denn bis zn der Seekengröße, sich taufen zn lassen, um in ein Korps ausgenommen zu werden, erhoben sich nur lvenige, aber cs kam vor. So vegetierten drei Korps einige Zeit, ja selbst neue taten sich ans, um schließlich an ihrer Charakterlosigkeit zugrunde zu gehen. Selbstverständlich taten die neuen zionistischen Verbindungen den Korps viel Abbruch; die eigentliche Ursache ihrer Auflösung war dies aber nicht, denn es gibt leider noch genug Assimilanten. Der eigentliche Grund ihrer Auflösung war die Würdelosigkeit, die die j ü d i s ch e n K o r p i e r s veranlaßte, Jndensperre in den Korps einzuführen. Aus Gründen der Reinlichkeit des Charakters atmen wir daher ans, wenn die Paniere Amclungia, Marchia unb Cimbria nicht mehr auf der Wiener Alma matcr flattern, denn den noch übrig bleibenden „grünen" und „graueil" Jungen schenkt niemand Beachtung. Wochenprogramm der Jüdischen ToynLee-Halle, 20. Bez., Bez., Karajangasse 20. 3. Vereinsjahr. (Woche des Vereines „Var Kochba".) Sonntag den 16. Februar: Herr Dr. Wachsmann: „Ueber Verthold Auerbach". Montag den 16. Februar: Herr Dr. Jerusalem: „Ocsterrcichisches Staatsrecht". Dtenstaa den 17. Februar: Herr E. Fische l: „Ueber Bar Kochba". Mittwoch den 18. Februar: Plenarversammlung der Jüdischen Toynbee-Halle. Donnerstag den 19. Februar: Herr Dr. Rothblum: „Abraham Mapu". Freitag den 20. Februar: Herr Rabbiner Dr. Nos enmann: „Erklärung der Sidra". Samstag den 21. Februar: Konzert. Anmeldungen zu Vorträgen beliebe man zu richten an Herrn Dr. Siegmund Werner, 4. Bez., Wiedener Hcnlptstraße 18. Was wir Juden in Böhmen wollen? Die unserer Steuerleistung nach entsprechenden Rechte tu allen vom Staate geschaffenen autonomen Behörden einnehmcn. Es ist Tatsache, daß in Bczirkshauptmannschaften wohl an Zahl wenige Inden — an Steuern oft mehr bezahlen als alle im Bezirke wohnenden christlichen Mitbürger. Man müsste somit annehmen, daß in die Einschätzungskommissionen stets irgend ein Jude gewählt wird, daß dieses selten der Fall, ist jedoch nicht zn verwundern, denn dort, wo die antisemitischen Verhältnisse sich zugespitzt haben, wird auch nicht ein Jude gewählt, wenn er auch mit Rücksicht auf das Obgesagte gewählt hätte werden sollen. Die Ernennung der Stcuerkommissionsmitgliedcr durch den Finanzminister kann natürlich nur über Antrag des Steuerinspektors oder des Bezirkshanptmannes erfolgen und wenn auch selbst das Gesetz sagt, daß bei der Ernennung der Mitglieder stets darauf Rücksicht zu nehmen ist, daß die in jedem Schätznngsbezirke vorhandenen Arten des Einkommens gleichmäßig vertreten sein sollen, so ist diese Gesetzbestimnnmg insofern für uns Juden nicht giltig, weil unter „gleichmäßig" nicht Juden gemeint sind, sondern die gleichmäßigen Arten der Gewerbe. Ist min der Leiter einer politischen Behörde ein klein wenig antisemitisch angehaucht, dann findet er es gewiß angezeigt, die, Ivenn auch mit viel Steuern belasteten Juden nicht in die Steuerkommission zu berufen. Man sagte uns wohl, daß ans eine diesbezügliche Beschwerde Höherenorts stets Abhilfe geschaffen wird — wir fragen jedoch, welcher Jude am Lande wird sich über eine politische Behörde beschweren — damit er diese Ehrenstclle ausfnllcn kann? Und mm sind wir an dem Punkte angelangt, den wir hier beleuchten wollen. Es ist Tatsache, daß in manchen Steuerkommissioncn, Ivo die Inden nicht vertreten sind, diese letzteren gewöhnlich von den anwesenden Staatsbeamten geschätzt werden müssen. Es sind die Gefühle über Recht oder Unrecht dort, wo es sich um die jüdische Tasche handelt, verschwommen und werden die Pflichten vis-a-vis den Juden erst dann ernstev beurteilt, wenn auch ein Jude in der Mitte der autonomen Behörden Sitz und Stimme hat. I d n o b. Houston Stewart Cham-erlain über die Juden. Chamberlam ist voller Widersprüche; so erhebt er inanchmal die Juden in den Himmel, mtt sie dann wieder in den Staub zu stürzen. Der folgende Ansspruch dürfte eine Qrnntessenz seiner Meinung über das Judentum sein. In der Mitte des Völkerchaos ragt, wie ein scharf gegeschnlttener Fels uns Gestaltlosem, ein einziges Volk, ein ganz kleines Völkchen, die Inden. Dieser eine einzige Stamm hat als Grundsatz die Reinheit der Rasse ausgestellt, er allein besitzt daher P h y s i o g n v ui i e u n b Charakte r. Blickt man entf jene südlichen und östlichen Knlinrstättcn des in Anflösimg begriffenen und Viole seiner Geislesverlvandten hätloir sich mit Jauchzen an ihre Spitze gestellt. Sie zogen es aber vor, vor erlangtem Sieg und vor beendetem Kwnpf „Victoria" zu rufen und Friedensfeste zu feiern; so verloren sie ihre Besten und entgingen doch nicht späteren Kämpfen. Und wenn lvir am Schlüsse die Lehre ans vem „F a l l e L a s s a 1 l e" ziehen lvollen, so lautet sie: „Crlvache endlich, Inda, besinne dich deiner großen Aufgabe, lvage die großen Spiele und du lvirst nicht mehr klagen müssen, daß die> Besten deiner Söhne dir sich entfremden."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.