Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 7 (13.2.1903)
- Date
- 1903-02-13
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 7 Jüdisches Volksblatt Seite 3 Wien, Freitag 13. Februar 1903 hoch ginnen, so tröstete ich mit dem schönen Spruch: Wenn ich den Namen Frankreich höre, wird mir mein deutsches Wams zu enge. Nun sah ich Frankreich mit eigenen Augen; ich konnte selbst beurteilen, weis es mit der bielgerühmten französischen Toleranz und Humanität für eine Bewandtnis habe. Seit der Zeit habe ich mit der Assimilation gebrochen." Frankreich verwirkte dann durch die Drehfus-Affäre seinen Nus als judenfreundlicher Staat und die internationale liberale Presse erhob mit Nachsicht der Taxen Ungarn zu dieser Stelle. Das «,ing mit ganz natürlichen Dingen zn. Ungarn stak tief in Schulden. Ungarn brauchte Geld. Wo das Geld hernchmcn und nicht stehlen? Da berfiel Tisza, das Ideal der Wiener liberalen Presse und des assimilatorischen Judentums ans folgende ingeniöse Idee. Doch ütssen ivir einen imgarischen Abgeordneten, also einen unverdächtigen Zeugen, selbst sprechen. Der Abgeordnete Emerich Urah sagte wörtlich: „Es war sehr pfiffig von Tisza, als er das Gleichgetvicht im ungarischen Staatshaushalte in der Weise herstellte, das; er zuerst einige Juden in Z.-Egerseg totschlagcn, dann sofort Militär aus Kosen aufmarschiercn liest, damit man sehe, das; er das Vaterland gerettet hat. Sofort öffneten sich ihm sämtliche Brieftaschen Europas, denn Tisza hat doch die Juden gerettet." (Allgemeine Heiterkeit.) Nun, lvas sagen die Jndäermagharen zu diesen Enthüllungen, die uns, nebenbei gesagt, nicht neu sind? Die biederen Magyaren lachten jedenfalls, tute der Zusatz „Allgemeine Heiterkeit" beweist, sich den Bilckel voll über diesen Zynistnus, gleich ols ob Urah den besten Mikoschwitz erzählt hätte; denn ihnen ist es riichts Neues, das; der ungarische Liberalismus (sowie der Iveiland österreichische) nichts als ein Geschäft i st. Das Geschäft ist gemacht, die dummen Inden sind geschröpft; jetzt kamt man die Maske abwerfen. Tisza hat tioch eine judenfreundlichc Tat auf dem Gewissen, im Jahre 1870 ctttzog er alleit antonomett Judengemeinden» mit Ausnahme von Mattersdorf und Eisenstadt, dieses Privilegium. Doch lassen ivir die Toten ruhen. Wahrhaft b e s ch ä m e n d war die Haltung der jüdischen Abgeordneten anläßlich der Debatte über das Einlvandcrungsgesetz. Sie schwiegen tapfer, mit einer einzigen Ausnahme; und wenn man die Rede dieses Patrioten liest, so must man sich sagen: Wenn du geschwiegen hättest, hätte ich dich für einen besseren Inden gehalten. Da nützt es nichts, in lendenlahmen Erklärungen „seinen Standpunkt" zu wahren, oder sich hochmütig in die Brust zu werfen und den Stammesgenosscn, die tticht das Glück (?) geniesten, ungarische Staatsbürger zu sein, das Recht abzusprecheu, über ungarische Verhältnisse zu sprechen. Im übrigen möge diesen Herren zur Kenntnis dienen, daß diese Briefe von einem ungarischen Staatsbürger geschrieben werden. Die Herren haben absolut keinen 8rund, hochmütig zu sein, denn die politische Haltung der ungarischen Judenschaft beweist einen beneidenswerten Mangel von politischem Fernblick. Zu einer Zeit, als innerhalb des ungarischen Globus die Judenschaft in eitel Wonne und Entzücken schwamm, wurde in diesen Blättern zuerst auf das heranziehende Gewitter aufmerksam gemacht. Natürlich verhallten unsere Warnungen, wie der Ruf des Predigers in der Wüste. Nun ist die antisemitische Meute los und die ungarische Judenschaft steht ihr wehr- und kraftlos gegenüber, ihr Heil erblickt sie noch immer in einer Vogel Strauß- Politik. Ja, hat in Ungarn ein Politiker wirklich noch die Stirne, den herrschenden Antisemitismus zu leugnen, wenn ein Szell zu derselben Zeit, wo er die Grenzen „h e r m e t i s ch" gegen einwandernde Juden verschließt, ein Gesetz zur Regelung der Zigeunerfrage erläßt? Aus Bukarest berichtet die „Internationale Korrespondenz: Die zwischen den Negierungen Ungarns und Rmnäniens geführten Verhandlungen betreffend die Auswanderung von Juden aus Rumänien haben zu folgendem Ergebnis geführt: Die rumänischen Behörden macheit dem österreichisch-ungarischen Generalkonsulat zu Bukarest von j e d e m a n j ü d i s ch e Auswanderer verabfolgten Auslandspaß Mitteilung, sofern die Auswanderer ihren ■ ■ 1—■——MM»—M* null in einell S e l b st f e i e r n n g oes nationalen Geistes seitens dieser Nation bestehen. Es ist ein im strengsten Geiste Fichtes gedachter Gedanke, daß eine Nation nichts anderes feiern k a n n, als ihren eigenen Geist. Alles andere kann eine Nation nur feiern wollen und äußerliche Veranstaltungen dazu treffen, auch Festmahle und Reden halten!. Eine wirk! ich e Feier aber ist, wie seder Kultus-Akt, nur eine Sichselbstfeierung des öffentlichen Geistes dieses Volkes. — Die bewußte nationale Feier würde also darin bestehen, daß eine.Nation sich darüber zur Klarheit bringt, inwiefern es gerade i h r Geist lvar, der in dem allgemein menschlichen Geiste des Individuums diese Produktionen hervorrief und welche höhere Stufe des Daseins sie durch diesen ihren Träger erstiegen hat. Die bewußte nationale Feier erweist sich also als die wahrhafteste Synthesis, als die höhere Vereinigung der spezialistisch-lvissenschaftlichen und der vulgär oder unbewußten nationalen Feier." Mit diesem Kriterium bewaffnet, können wir nie und nimmer einen Marx, der blind war für die Macht der Ideen in der Geschichte, als d e n größt e n S a h n des i ii d t s ch e n Volk e s im neunzehnten Jahrhnnder bezeichnen , wie S o m b a r t es verlangt, dieses Volkes, das den abstrakten Ideen eines reinen Monotheismus trotz aller Widerstände so anhing, daß es fast selbst eine abstrakte Idee zn werden drohte. Marx hat nicht deir Geist der Nation, welcher er angehört, in sich lote in einen Brennpunkt zusammengefaßt, nie hat sich ein Gefühl in ihm geregt für die Unterdrückung seiner Rasse; das Wort „Jude" ist bei ihm gleichbedeutend mit Egoist, Geldmensch Da dachte L a s sa l le anders. Aus seiner Jugend sind uns mehrere Zeugnisse überliefert, daß ihm die Not seines Volkes zu Herzen ging. Er erzählt von einer Kondolenzvisite in einem befreundeten Hanse. „Mich erschütterte der Anblick Wilhelms, der, die Größe seines Verlustes halb ahnend, sich das K a d i sch lernte. Wir gingen in die andere Stube. Weg über nngarisches Gebiet nehmen wollen. Die ungarischen Behörden werden diese Auswanderer genau überwachen uitb haben das Recht, jeden derselben, der binnen acht Tagen innerhalb Ungarns wegen Mittellosigkeit angehalten wird, nach Rnmänien znrückznbefördern. Ist diese Frist verstrichen, so braucht Rnmänien etwaige Zwangs-Rückivandercr nur dann anfznnehmen, wenn dieselben rumänische Staatsbürger waren. Man beachte, daß das Gesetz nur für jüdische Anslvanderer gilt. Anderseits verfügt er, das; der Naturalisation der Zigeuner durch a l l e z u Gebote stehend e n Mittel Geltung verschafft werden soll. Die einzelnen S t a d t b e h ö r d e n und D o r f g e r i ch t e, wo Z i g c n ti e v s i ch a n f h a l t c n, sollen g c z w n n g e n w e rd e n, d e n Z, i g e n n e r n f r e i e s A n s i e d e l u n g s t c r r a i n zu überlassen und ihnen alles, was einem B ü rg e r von re eh t s iv e g e n z u k o m m t, z u eröffne n. Also» Zuckerbrot für die Zigeuner (II), die Peitsche für die Juden. Wir verkennen mm eben in K'enntnis der ungarischen Verhältnisse nicht, daß sich h e n t e n o ch der Bildung einer jüdischnationalen Partei in Ungarn große Schwierigkeiten entgegenstellen. Aber Ungarn ist auch in dieser Bezichnng Orient, daß die Konfessionen vielfach die Nationen verdrängen. Katholik und Calvinist stehen sich wie zwei verschiedene Nationen gegenüber, die Serben besitzen in der Autonomie der griechischen Kirche eine nationale Organisation, wie die Sachsen in der Autonomie der Augsburger Kirche. Wie tief diese Unterschiede wurzeln, beweist der Zwischenruf, den der Calb i n i st und Minister F e j e r b a r y dem Katholiken U g r o n gegenüber machte. Als Ugron klagte, daß das Volk kein Geld mehr habe für die steigenden militärischen Lasten (wobei Ugron allerdings in seiner Bescheidenheit hinznznfügcn vergaß, daß er den armen Szcllern selbst nach Möglichkeit die Taschen erleichtert hat), rief ihm der Minister Fejervary zn: Aber für den Peterspfennig nach Rom hat das Volk GeldI Diese Explosion seiner calvinistischen Geühle lvird dem Honbedminister bald sein Portefeuille kosten. Oder wollte der alte Fuchs auf diese Weise sich aus einer unhaltbaren Stellung befreien? Die konfessionelle Organisation ersetzt also in Ungarn die nationale; die Juden besitzen nun eine konfessionelle Antonomic. Sie benützen diese aber nur, um in der Jugend „magyarischen" Geist zn pflegen. Es ist höchste Zeit, aber daß sie ihre Organisation in politischem Sinne a u s b an e n; so lange dies nicht geschehen ist, steht es sehr schlecht uni die Zukunft der ungarischen Juden. Nachdem die „liberale" Regierung an den Juden ihr Mütchen gekühlt hat, kommen die anderen Nationalitäten daran. Es vergeht fast kein Tag, an dem nicht gegen rumänische, slovakische oder deutsche Jonrnalisten Tendcnzprozcsse stattfinden. Ja, das Wunder geschieht, daß heute selbst die Wiener Tagespresse Notiz von den Verfolgungen der ungarischen Negierung nimmt, die wir vor Jahren schon angcnagelt haben. Man braucht kein großer Prophet zu sein, um voranszusehcn, das; es in Transleithanien einmal einen großen, aber sehr großen volitischen Krach geben wird. Arpadi. (Eröffnung des ncnerbauten israelitischen Siechenhauses. — Neuwahl des Kultnsvorstchers.) Sonntag den 1. Februar d. I. har die Eröffnung und feierliche Uebergabe des ans den Mitteln der Dr. Gideon Brccher'schen Stiftung nenerdanten israelitischen Siechenhauses in würdiger Weise stattgefundcn. Ein festlicher Abendgottesdienst versammelte die Gelneindemitglieder und deren Vertretung im Gotreshausc, welches-in seinen Räumen überfüllt war. Unser allseits verehrter und beliebter Seclenhirte Herr Dr. Goldschmicdt hielt eine dem Zwecke angemessene formvollendete Festpredigt, die sich sowohl in ihrem Gedankenreichtum als auch in ihrer Diktion würdig den vielen herr¬ Hier lvar die Leiche des so früh gestorbenen Mannes. Die Kondolierenden sprachen in einzelnen Gruppen von diesem traurigen Todesfall. Da führt«! der Lehrer Wilhelm an die Seite seines Vaters. „Hier siehst du," sagte er leise zu dem mcineniDen Knaben, „deinen Vater. Du. siehst ihn hier nicht Wieden. Versprich mir an dieser Stelle, deiner Mutter, die nun auch dein. Vater ist, immer ein guter Sohir zu sein und in Allern Folge zu gleisten." Und der kleine Wilhelm schlug treuherzig iit die ihm dargereichte Hand. Mir gingen die Augen über. Ich wendete mich ab. Unterwegs unterhielt «ich mich mit Bloch. Er wollte sich ein Air! geben und nannte sich einen Atheisten. Als er aber sah, daß ich ganz anderer Meinung lvar, so sattelte er auch um. Wir sprachen! viel von. Seelenwanderung, von Geiger und dem I u d e n t it in, u n d e r so u n d e r t e si ch, d a ß i ch m ich so d es j ii d i s ch!e n G l a u - b e ns a n n e h m e. D e r E s e l! Al s so e u n m a u n i ch t treife eff e n u n d doch! ei n guter I u d e s ein k ü n n e. Ich sagte ihm dies, und in der Tat, ich glaube, ich bin einer der besten Juden, die es gibt, ohne auf das Zevemonialgesch zn achten. Ich könnte wie jener Jude in Bulwers „Leila" mein Leben wagen, die Inden aus ihrer jetzigen drücken Veit Lage zu. reißen. Ich würde selbst das Schaffvtt nicht schjeuen, könnte ich sie svieder zu einem geachteten Volke machen. O, ioenn ich meinen kindischen Träumen nachhänge, so ist es immer meine Lieblingsidee, an der Spitze der Jllden, mit deir Waffen in der Hand, sie selbständig zn machen." Die Mißhandlungen der Jllden in D a in a s k u s im Mai 1840 entlocken ihm den Ausruf: „Ein Volk, oas dies erträgt, ist schrecklich, es räche oder dulde die Behandlung. " Und an beit Satz eines Berichterstatters : „Die Juden dieser Stadt erdulden Grausamkeiten, wie sie mir von biefcit Parias der Erde ohne furchtbare Reaktion ertragen werden können," knüpfte er die charakteristische Bemerkung an: „Also sogar die Christen wundern sich über lichen Kmizclredcn anreihtc, mit denen uns dieser gediegene Prediger bisher erfreut und erbaut hat. Hierauf übergab im Betsaale des iteuerbanten Hanfes der gelvesene 5kultusvorsteher Herr Josef Singer dieses der Obhut der anwesenden Stiftungsverwalter und feierte hiebei in warmen anerkennenden Worten das Wirken des Kctltusrates Herrn Marcus Nenmann, dem allein cs zn danken sei, daß dieses schöne Werk so rasch und in so gediegener Weise vollendet werden konnte. Im Namen des Kultnsvorstandes übergab er zum Zeichen des Dankes für dieses so aufopferitngvolle Wirken das in Oel gemalte Brustbild des edlen Menschenfreundes, welches von nun ab die Räume des von ihm geschaffenen Hauses zieren soll. Nachdem ihm noch von Seite der Vorsteherin des israelitischen Frauenwohltätigkeitsvereincs, Frau Johanna Lasns, ein von Frau Regierungsrat Fanny Gintl ans Wien gespendeter mächtiger Lorbeerkrcmz überreicht worden war, versprach der Gefeierte, bis an sein Lebensende seine Kräfte dem edlen Werke der Unterstützung alter, gebrechlicher Greise 31t weihen. Zum Schlüsse gedachte noch Kultnsrat Herr Sigm. Reiner der Verdienste, die sich der gewesene Kultusvorsteher Herr Josef Singer, unter dessen Amtstätigkeit das Hans erbaut wurde, um die Vertmrklichung der schönen Ideen erworben. Am Mittwoch bereits wurde das Haus seiner Bestimmung übergeben, indem an diesem Tage 15 Pfleglinge, Greise und Greisinnen, ihren Einzug hielten. Der bisherige Knltnsborstehcr Herr Josef' Singer hat mit Rücksicht darauf, als er binnen kurzer Frist nach Wien übersiedelt, sein Amt zurückgclegt. Er verwaltete dasselbe durch mehr als vierzehn Jahre mit großer Gewissenhaftigkeit und besonderem Pflichtgefühl. Er verivendete sein Hauptarlgenmcrk auf die Führung eines geordneten Haushaltes in der Kultnsgemeinde rmd lvar stets darauf bedacht, die Mitglieder derselben vor allzu großen Lasten zu bewahren. Sein Nachfolger wurde der bisherige .Kultrisvorsteher- Stellvectreter Herr Samuel Hirsch, welcher sich ob seines biederen Charakters und seiner oft betätigten Güte großer Beliebtheit erfreut. Es harrt seiner eine große Aufgabe, die Erbauung eines neuen Tempels. Hoffentlich wird derselbe von ihm mit Unterstützung der Kultusvcrtretung rasch, pünktlich und zur Zufriedenheit aller Gemeindeinsassen, die der Verwirklichung des Plmtes sehnsüchtig harren, gelöst werden. Bortrag des Reichsratsabgeordneterr E r n st Breiter. Abg. Breiter wird seinen Bortrag: „Die Judenfrage in Galizien" Donnerstag den 19. d. M. halten, da er durch Krankheit verhindert war, am 11. ihn zu halten. Cs entfällt daher der gewöhnliche Mittwoch- Vortragsabend. Jüdischer Volksverein. An Stelle des Vortrages des Abgeordneten Breiter fand am letzten Mittwoch ein angeregter Diskussionsabend statt. Dr. Paul Weifengrün eröffnete ihn mit einem improvisierten fesselnden Vortrag: „lieber jüdische Tagesfragen", an den sich eine lebhafte Polemik anfchloß. Besonders Dr. Fink fesselte mit einer hinreißenden Philippika gegen jene orthodoxen Kreise, die ans Dogmatismus der nationalen Bewegung fernstehen.. (Sitte jüdische Trauung tu einer katholischen Kirche. Diese Woche fand in der M i n 0 r i t e n k i r ch e die Trauung der Tochter des Dr. Anton Loew mit einem Sohne des Kommerzienrates Signntnd Eisler Edler von Terramare statt. Diese Ehe erweckt vor allem Interesse bei dem Rassenpsychologen: ein getaufter Jude heiratet eine getaufte Jüdin; es ist hübsch vom Herrn Eisler, daß er wenigstens in der Rasse bleibt und für eine unverfälschte semitische Nachkommenschaft Sorge trägt. Der Kctltnrhistoriker wieder unser träges Blut, daß wir uns nicht erheben, nicht lieber ans dem Schlachtfelde als auf der Tortur sterben wollen. Waren die Bedrückungen, um deretwillen sich die Schweizer einst erhoben, größer . ...? Feiges Volk, du verdienst kein besseres Los!" Noch leidenschaftlicher äußerte er sich einige Monate später: „Wieder die abgeschmackten Geschichten, daß die Juden Christenblut brauchten. Dieselbe Geschichte, wie in Damaskus, auch in Nhodes und in Lemberg .... Aide toi et le ciel t'aidera. Die Würfel liegen, es kommt auf den Spieler an." (Nach Bernstein.) Sind das nicht die Keime einer jüdifchvolklichen Gesinnung? Diese Keime sind nicht zur Entwicklung gekommen. Und nichts liegt mir ferner, als den wirkenden Laffalle für unsere Ideen zu reklamieren. In der Einleitung schon bemerkte ich, daß er deutschnatioual gesinnt war, ja, ich verschweige nicht, daß er später Bemerkungen gelegentlich machte, ans denen man sogar eine Antipathie Lassalles gegen das Judentum konstruieren könnte. Mit Unreck)t. Seine d e u t s ch n a t i 0 n a l e G e s i n - n it 11 g i st nicht s a n d e r e s a l s d i e a u s d e r u r s p v ü ngli ch e n B a h n g e r i s s e n e j ii d i< s ch - n a t i 0 n a l e G e s i n n it 11 g. Lassalle war ein tapferer Fechter, und die Schlvierigkeit des Werkes hätte ihn nicht abgeschreckt. Aber die heilige Flamme der Hingabe an sein Volk fand keine Nahrung am heimatlichen Herde. Vergebens suchte er bei seinen Stammesgenossen Verständnis und den Zug ins Große; stumpf fühlten sie sich erlöst und bereits „emanzipiert", weil der Anbruch des neunzehnten' Jahrhunderts deu ärgsten Schimpf und deu ärgsten Druck von ihnen genommen hatte. Mit einem wahren Taumel der Begeisterung stürzten sie sich auf die Ideen des Deutschtums und des Liberalismus; sie hatten kein anderes Ziel, als ihr Selbst zu veräußern. Die Zeit der Not war eudgiltig vorüber und sie fühlten sich im großen und ganzen zufrieden und glücklich. Das war keilt Volk, das bereit gewesen wäre, für seine Freiheit zu kämpfen. Enttäuscht und ernüchtert mußte sich die ie.