Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 7 (13.2.1903)
- Date
- 1903-02-13
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdisches Volksblatt 13. Februar 1003 Nr. 7 Wien, Freitag A it g e l) ö i i q c n anderer Völker so viel Gemeinsames, das; Mir verpflichtet sind — vom Standpunkte einer lv i r k Iiche n jüdis ch c. n R e n a i s s a n c e - B e lv e g n n g für diese g e in e i n s a nr e n k n l t n r e l l e.n u u d s v - Zial e ir I n t e r e s s e n ebenso tatkräftig einzutreten wie für rnrsere individuell - nationalen. Allir in dieser Synthese liegt die Möglichkeit einer kraftvoll aufblicheii Den nativnal-so,palen Organisation der „Jüdischen Via derne", mir bei Festhaltnug dieser ^ardinalprinzipien wirb der innere Zlviespalt, der sich zeiitweise bei einem Teile nnserev jungen Generation aufjert, gebannt werden. Nur eine jüdische 'ltealpolitik, welche ein liebevolles V e r st ä n d n i s f ü r die i deal e ir B e st r e b int g e n und die p s y ch i s ch e N o t unserer akademischen Jugend, für das wirtschaftliche Elend unserer Intellektuellen, des Mittelstandes uird Proletariates hat, kann jene Begeisterung i n d e r jüdi s ch n a t. i o n a l e n Ur- Die neue rumänische Anleihe gescheitert? iTie neue rumänische Anleihe. — Rumäniens Finanzlage, teilswandlungen. — Abgclehnt!) Nachdem schon in voriger Woche die Diskonto-Gesellschaft und' die Firma 2. Bteichröder als vorbereitende Stimulierungsprnpa-! rate verschiedene Mitteilungen über die Emissionsbedingungeir der! neuen rumänischen amortisierbareu Reute in die Presse laneiert hatten, haben sie zu Anfang dieser Woche ihren offiziellen Prospekt folgen lassen. Dag die Bedingungen, unter denen beide Bankhäuser die neue Anleihe von 18 Millionen Lei Gold l 149,85 Millionen Mirrk) auflegen, als günstige für die rumänische Regierung gelten! lönnen, wird niemand behaupten, der die heutige Geldmarktslage! mir den Umständen vergleicht, unter denen im Jahre 1899 die jetzt! zur Konvertierung stehende Anleihe von 175 Millionen Lei (1 £ci =! 1 Frankl ausgenommen wurde. Das lvillige Eingehen der rumäni-! scheu Regierung auf die ihr von den Berliner Emissionsbanken ge-1 stellten Bedingungen und der Jubel über das Znstandebringen dieser neuen Anleihe in der rumänischen .Kammer bilden keinen Gegeubeweis, sie zeigen nur, lvie bescheiden man allmählich nach den früheren Ausbrüchen eines überschwenglichen nationalen Optimismus in Bukarest geworden ist. Die folgende Kritik des „B o r!v ä r t s" an der rumänischen Finanzlage gewinnt dadurch an Interesse, daß dieses Zentralorgan der deutschen Sozialdemokratie unabhängig rmd von keiner Seite beeinflußt ist. Der „Vorwärts" schreibt: Als 1899 die rumänische Regierung die Anleihe von 175 Millionen Lei ansnahm, steckte das Walachenländchen in beängstigenden! Geldschwierigkeiten. Rumänien hatte seit Jahrzehnten kein so trosts loses Wirtschaftsjahr gehabt wie das Jahr 1899; auf den Feldern j verkam das Getreide, die meisten Distrikte ernteten nur ein Drittel oder ein Viertel der Erträge, welche die borcrusgegcingeueu Jahre! gebracht hatten; Handel und Verkehr stockten, der Gesamtexport, der! im Jahre 1898 noch 283 Millionen Lei betragen hatte, sank auf 149i Millionen; die Steuern blieben aus trotz aller angewandten Zwangs-! matznahmen; und zudem hatten die vier vorhergegangenen Jahre' infolge der finanziellen Mißwirtschaft starke Defizite im Staats-! Haushalt ergeben. Andererseits war für Deutschland, in dem die! Anleihe placiert werden sollte, bekanntlich 1899 das Jahr der Hoch-! konjunkrur. Auf dem deutschen Geldmärkte stieg mehr und mehr! die Nachfrage nach Olcld, so das; der Wechseldiskont der ReichSbank sieb im Jatzresducctzsctzuitt auf über 5 Prozent hielt. Unter diesen Verhältnissen konnte cs kaum als etivas Absonderliches gelten, ivcnn damals in ihrer Geldklemme die rumänische Regierung nicht mir die tücivährnng von 5 Prozent Zinsen zugestand, sondern nebcntzcr noch verschiedene sonstige drückende Bedingungen mit in den Kauf nahm: darunter die Verpflichtung, bis zum Dezember 1902 leine neue Anleihe anfznnchmen und ihre Schatzanweisnngcn spätesten-? im Dezember 1901 zum vollen Nennwert einznlösen: Bestimmungen. von denen anznnehmen tvar, das; sie, da an eine Rückzahlung der Anleihe ans den eigenen Mitteln des rumänischen Staates nicht zu denken >var und andererseits dadurch dem rumänischen Finanzministerium der Weg verlegt tvurde, vor 1903 irgendtvelche anderiveitigen Anleihen anfznnehmcn, die rumänische Regierung in die :',ivangolage bringen ivürden, im Jahre 1903 oder spätestens zu Anfang des Jahres 1901 bei denselben Bankhäusern, welche die!899er Anleihe aufgelegt hatten, eine Konvertierung dieser Anleihe nachzusueheu. Trotz dieses schon in den Emissionsbedingnngen der >75 Millionen-Anleihe steckenden halben Zlvanges müssen die Zugeständnisse, zu denen sich bei ihrer jetzigen Konvertierungs-Anleihe die rumänische Regierung gegenüber der Diskonto-Gesellschaft und der Firma Bleichröder beanemt hat, in Anbetracht der jetzigen Geldmarkts-Verhältnisse als äußerst harte gelten, und das; sich Rninänieii darauf eingelassen hat, ja das; von seinen „Staatsmännern" diese Konvertierungs-Anleihe gar noch als nationale Tat gefeiert ivird, zeigt deutlich, lvie lut'ir es nach Meinung seiner eigenen Finanzmänner im Sumpf steckt. Allerdings ist der Kurs, zu dem die beiden Bankhäuser die jetzige Anleihe übernehmen, etivas hoher als der von 1899. Während die damaligen SchatzaiNoeisnngen zu ca. Oo1/.. Prozent übernommen und zu 94'/> Prozent aufgelegt wurden, erfolgt diesmal die ltebernahme zu 94 Prozent und die Aufgabe zn 97'A Prozent; aber dafür mns; Rumänien auch auf diese Anleihe, obgleich inzwischen die Geldknavpheit der Geldflüssigteii gewichen ist und andere Staaten ihre Anleihen mit Glanz zu 3'/, Prozent nnterbringen. wieder 5 Prozent zahlen und zudem die Verpflichtung übernehmen, vor Ablauf von zehn Jahren keine Kündigung der Anleihe, noch verstärkte Auslösung der Obligationen vorznnchinen, sowie weder diesen noch den Zinsknvons irgend eine Steuer oder Stempelgebühr cinfzucrlegen. Am auffälligsten aber erscheint, das; Rumänien nicht die Aufnahme einer höheren Anleihe als von 185 Millionen Lei dnrchznsetzcn vermocht hat, denn dieser Betrag reicht bei einer liebernahme zu 94 Prozent eben hin, die Schatzanlveisnngen von 1899 zu konvertieren, so daß die rumänische Regierung kein Geld in Händen behält. llnd doch würde sie sicherlich gar gerne eine höhere Summe ausgenommen haben, sind doch, ganz abgesehen von den drängenden Ausgaben für kulturelle Zwecke, die ungedeckten Defizite des S t a a t s h a u s h a t t § z n ansehnli ch e r Höhe a n - g c w a ch s e n. Nach dem Budgetbericht des Herrn v. Filipcscn als Berichterstatters der rumänischen Budgetkommission für das Rechnungsjahr 1900/1901 stellte sich schon damals das wirkliche Defizit ans 71,5 Millionen Lei, von denen nach seiner Angabe 53,7 Millionen durch „außerordentliche Einnahinen", d. h. drirch Verkäufe von Staatsländereien. Vorschüsse der rumänischen Nationalbank und durch Vorwegnahme zn erwartender Erträge ans dem Zigarettcnpapier-Monopol, gedeckt worden tvarcn, lvährend dev verbleibende Rest von 17,8 auf Kontokorrent-Konto von den zu der rumänischen Regierung in geschäftlichen Beziehungen stehenden Berliner Bankgruppe beschafft, also vorläufig angepumpt worden tvar. Dieses Defizit bestand nach dem Bericht Filipcscus, der, wie verschiedene Verhältnissen und mit der größten Nebermacht ringend gesiegt hat. Aber eben diese Energie ist eben darum nur bei einem solchen Geiste notwendig vorhanden, der ein sich s e l b st b e st i m m e n d e r und deshalb ein in allen seinen P unkten und Teilen von sich s e l b st durchdrungener ist. Fichte hat also recht, zu sagen, es gebe einen Bild u^n g s g r a d, bei welchem ein Volk nicht mehr wie ein Haufen Leute zu behandeln und einem anderen- Volke zu assimilieren ist. Und d i e s e r B l d u n g sg r a d l ö st s i ch a u f i n d e n F r e i h e i t s g r a d, wenn e i n V o l k d a h i n g e k o m m e n i st, m i t B e w u ß t s e i n den eigenen nationalen G e i st zur freien S e l b st v e r wirkli ch u n g zu bringen." In den Sätzen, öic an das deutsche Volk gerichtet sind und denen daher sicher nicht der Vorwurf gemacht lverden kann, daß sie zugunsten der jüdischnationalen Idee gefärbt sind, finden lvir eine vollkommen befriedigende Antwort auf die Fragen: S i n d w i r I u d e n e i n V o l k, u n o w e l ch e s sind die Garantien für das Best e h e n einer j ü d ische n Nation? Wir sind ein Volk, weil wir in ursprünglicher Weise von demselben identischen und bestimmten Geiste beseelt sind, der uns eben durch Rassenabstammung, Tradition und Geschichte vermittelt wurde. Dadurch sind wir aber erst ein Volk an s i ch und der Gefahr der Assimilation noch immer ansgesetzt. Erst wenn der jüdische Volksgeist sich in eigener Weise entwickelt, doch so, daß er mit dem Knltnrprvzeß der Gegenwart Schritt hält, schwindet die Gefahr der Assimilation. Lassalle geht dann zu der wichtigen Frage über: I st d i e n a t i o n a l e I d e e i m G e i st e o e r n a t ü r l i ch e n E n t w i ck l u n g s g e s ch i ch t e g e l e g -e n? Er sagt: „Fichte hat den wahrhaften und tiefsten Begriff dessen, was ein Volk sei, aufgestellt. Er wirft die Frage auf, was ein Volk sei im höheren Sinne des Wortes, und beantwortet sie dahin: Ein Volk sei eine Gemeinsachft von miteinander fortlebenden und sich aus sich selbst immerfort natürlich und geistig erzeugenden Menschen, welche insgesamt unter einem gewissen besonderen Gesetze der Entwicklung des Geistes, unter d e m selben geistigen Naturgesetze und seiner Entwicklung stehen. Durch diesen Begriff des Volksgeistes als unter einem besonderen Gesetze des Geistigen und seiner Entwicklung stehend und dieses darstellend, ist nun eben jener zeitlich e n Gliederung des Weltplanes, oder den Jeitalteiu auch eine räumliche Gliederung der Entwicklung der menschlichen Gattung zur Freiheit, oder die Not lv e n - d i g k e i t u n d V e r n ü n f t i g k e i t dieser E n tw i ck l u n g s a r b e i t d u r ch b e s o n d e r e V o l k sg ei st er und somit die Forderung gegeben, einen vernünftigen und notwendigen Zusammenhang zwischen der zeitlichen und räumlichen Gliederung jener Entwicklung der Gattung zu begreifen, die Volksgeister selbst demnach als die notwendigsten Träger und Produzenten gewisser Entwicklungsstufen nachzuweisen." Lassalle empfindet! durchaus modern.', in scharfem Gegensätze zu Marx, der die ökonomische Struktur als den bestimmenden Faktor in der Geschichte ansieht, hält Lassalle die Volksgeister für die notwendigsten Träger 111^^ Produzenten der weltgeschichtlichen Entwicklung; er sieht in diesem F i ch t e' scheu Gedanken bereits das k 0 n kr eke Prinzip für eine Philosophie der Geschichte; überall weist er ferner auf das Gesetz der Entivicklung in der Natur hin. Er steht mit einein Worte auf dem modernen rasfenpsychologischen und entwicklungsgeschichtlichen Standpunkt. Die unverbesserlichen kosmopolitischen Schwärmer in unserer Mitte, aus Pose oder aus Ueberzeugung, mögen auf die Schärfe achten, mitl der Lassalle erklärt, „daß er nach Fichte die Oekonomie der lveltgeschichtlichen Entwicklung so auffasse, daß jeder Volksgeist in derselben seine besondere notwendige Funktion habe", daß der Wohlklang des Liedes der Menschheit auf der Verschiedenheit der einzelnen Töne beruht. Zum Wöhle der Menschheit müssen lvir unserem Volke treu bleiben. kl e b e r z e u g e u d w e i st e r d e n Z u sam - m e n Hang z wische n D e m 0 k r a t i e u n d Nationalität na ch. Eil sagt: „Wie sehr man nun auch über den spezielleren Inhalt! des Begriffes der Demokratie auseinandergeheu möge, da hinein werden sich alle demokratischen Fraktionen Vereinen, daß dieser Begriff, auf einen allgemeinsten Ausdruck reduziert, nichts anderes bedeutet als: Autonomie, S e l b st g e s e h g e b u n g von ihm Nitchaelviescttc' Schielmnaen und Fälschnnacn im Budget zeigen, ztvnr redlich bemüht gelvesen ist, in die Gehennnissc rumänischer Stantsfiimnzkunst einzudringen, dem aber sicherlich doch noch manches entgangen sein dürfte; stellt doch der frühere rnmänische Finanzminister T a k e I 0 11 c s e v in seiner vor. einiger Zeit erschienenen Streitschrift lleux :ins dos fiuanoes rouin:iin«s (Zivei Jahre rumänisetzer Finanzen) die Behauptung ans, das; vor 1899/1908 n 0 ctz » i e m a l s i n R n m ä n i e n d cm P a r l a m ent ein „e tz r l i ch e S" B » d g e t v 0 r g e l c g t >v 0 r d e n s e i. Und seitdem tzat sich an dem Stande der Finanzen nichts geändert, ivenn auch neuerdings lvieder in den Budget-Voranschlägen künstliche I! e tz e r s ch ü s s c k v n st r n i e r t >v e r d e n. Die Gesamt- StaatSschnld betrug am 1. Jänner d. I. lvie am 1. April 1901. — 1597 Nc'islivnen Lei -- N'ominalkapital — (nach der neuen Anleihe ivird sie sictz natürlich um 10 Millionen höher stellen) und zn i tz r e r 'V e r z i n s n n g sind n n g e f ä tz r 4 0 P r 0 z e n t der g a n z e » Staats e i n » a tz men e r f 0 r d e r l i ch. Seit Dislonto-Gesellschaft und S. Vteichröder die neue Anlcitzc übernommen tzaben, tzat die Finnnzpressc mit kühnem Kopfsprung ihren alten BenrteilnngSstandpnnkt tviedergefnnden. Nur dac- „Berliner Tageblatt" steht abseits: sonst halten sictz jetzt, tv« eine Erörterung der rumänischen Finanzlage sicherlich am angebrachtesten wäre, die Blätter, die einst so fröhlich lvütcten, bescheidentlictz zurück, und manche finden sogar in zarter Rücksichtnahme allerlei schöne empfehlende Worte, «;. B. der „Börsen-Courier". Jedoch scheint die Diskonto-Gesellschaft und die mit ihr verbündete Firma S. Bteichröder die Rechnung ohne den Wirt gemacht zn haben. Die Mehrheit der Mitglieder der Berliner Börse, also nicht bloß die jüdischen, empfindet das Unschickliche und Gefährliche, eine Regierung, die ale Verträge mit Füßen tritt, die überdies bis über die Ohren perschuldet ist, noch mit eigenem Gelde zn unterstützen. Z,rmächst lvurde eine Koimnission eingesetzt, die sich mit der Prüfung der letzten Budget-dlbrechnnngen des rumänischen Finanzininisterinms befassen und Material zur Beurteilung der Finanzlage Rumäniens herbeischaffen soll. Dieser B«rgang ist ein gnuz lieisvielloscr und beweist eine bedenkliche Erschütterung des rumiiilischeil Kredites. Seitens der Diskonto-Gesellschaft lvnrdc erklärt, daß, ivenn die sstilassnngsstelle den Prospekt nicht gutheißc, sie an das Aeltesten- Kollegium appellieren werde. Wir sind nun durchaus keine solchen Sanguiniker, daß ivir glauben, das; die Anleihe endgiltig begraben ist. Der „rollende Frank" und die „rollende Mark" tverdcn wahrscheinlich ihre Dienste tun. Aber die rnmänische Regierung wird endlich zur Einsicht kommen, daß ihr stets neue Schwierigkeiten erwachsen lverden, wenn sie sich nicht endlich bequemt, ihr verpfändetes Wort einzulösen. (Orig.-Bericht des „Jüd. Volksblatt".) Die Krebsschäden Ungarns können nicht durch eine gezuckerte Limonade geheilt iverden. Ministerpräsident v. S z e l l. Ihr Korrespondent fragte einst einen Gesinnungsgenossen —• der Name tut nichts zur Sache — was denn eigentlich seine ursprünglich assimilatorische Gesinnung umgetvandelt habe. Er antwortcte: „Ich sah im französischen Parlament 200 Abgeordnete, ohne Unterschied der Parteistellnng. für einen antisemitischen Antrag fick, erheben. (Es handelte sich um Algier.) DaS gab mir einen Stoß. Wenn die antisemitischen Wellen in unserem lieben Wien zu des Volkes nach innen. Woher aber sollte dieses Recht anf Autonomie nach innen kommen, lvie sollte cs nur Zeoachtl lverden können, lvenn ihm nicht! zuvor das Recht auf Autonomie nach außen, auf freie, vom Auslande unabhänqisie Selbstgestaltung seines Volkslebens voransginge f Das P r t n z ip derf 11 e i e n nn ab hä n g ig >e n Nationalitäten ist also die Basis und Quelle, die Mutter u n d W ll r z e l des Begriffes der Demokratie überhaupt, die Demokratie kann nicht das Prinzip der Nationaliiateli mit Füßen treten, ohne selbstmörderisch die Hand cm ihre eigene Existenz zu legen, ohne sich jeden Boden theoretischer Berechtigung zn entziehen, ohne sich grundsätzlich und von Grlilld aus zu verraten. Dieser innere begriffliche Zusammenhang des Prinzips der freien Nationalitäten, und der Demokratie hat sich oft genug auch historisch dargestellt, und in doppelter Weise: Sowohl, indem der Sieg des einen Prinzips zlir Entwicklung des anderen, als auch illdem der Stllrz des letzteren zllm Untergänge oes erstcren lvurde." Diese innere Wechselbeziehung zwischeli Demokratie und Nationalität! zeigt auch die Geschichte des jüdischen Volkes. Das jüdische Volk blieb erhalten, lveil sich das Volk als ein Blind von' Gleichen, von Brüdern fühlte. Jede jüdisch!-uationale Politik muß daher auch eine, demokratische sein. Aus einer solchen Weltanschauung findet Lassalle auch Die Antwort auf die Frage: „W a s i st e s, d a s e i n e n M a u n z u m großen Man n m a ch t? Nur das eine, daß er den Geist der Nation, lvelcher er angehört, in sich lvie in einen Brennplinkt znsamilieufaßt lind ihn eben durch diese Zusammenfassung irgendlvo zmu reinsten A ll s d r n ck lind zlir F o>u t e n k lo i ck l u n g bringt; daß also der nationale Geist selbst in diesem Manne irgendlvo seine delltlichste, in eine bestimmte Jndivionalität gegossene Sichtbarmachllng und Betätiglmg feiner selbst vollbringt. Eine Nation lvürde hiernach einen großen Mann llicht anders feiern könne n, als indem' sie ihren eigenen nationalen Geist feiert, dar sichtbaren Ausdruck und Entlvicklilngsdvuck feiert, den sich der nationale Geist in imd durch feinen Träger gegeben hat. Jede Feier eines großen Mannes lvürde, so bewußt oder u n b e w u ß t, immer