Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 6 (6.2.1903)
- Date
- 1903-02-06
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt G. Februar 1903 Seite S Nr. 6 Gegensätze gewähren können, oder aber die Abgeordneten selbst werden von den nationalen Gegensätzen hingerissen gar das noch viel schlimmere Schauspiel gewähren, die Feindschaft, die heute mehr zwischen den Berufspolitikern als zwischen den Völkern rege ist, auf die breiten Massen selbst zu übertragen. Gibt es also keinen Ausweg aus der österreichischen .Krise? Es gibt einen. Dieser besteht aber u i ch t in einer Aenderung derGeschäftso r d n u n g, s 0 n d e r n in e i n e r A e n d e r u n g d e r Verfassung aus Grund der nationalen Autonomie aller ö st e r r e i ch i s ch e n Völker. Wenn die realen Machtfaktoren, von denen Oesterreich heute getragen wird, auch wirklich zur Anerkennung gelangt sein werden, dann wird Friede in dem Donaureich einkehren, früher nicht. Die Ausgabe der Juden aber ist es, die Zeichen der Zeit zu erkennen; sonst geraten sie zwischen die Feuer und werden von allen Seiten angegriffen. Deshalb bildet einer der wichtigsten Punkte des Programmes der „Jüdischen Volksparlei" die Forderung der nationalen Autonomie für die Juden und die Unterstützung der analogen Bestrebungen bei den anderen Völkern. 8. Aus der LUlltiksgemeiilde. — Antisemitismus im Turnverein. Unser.Kultnsausschuß soll am 2. Februar zur Hälfte „ernettl" werden. Vorher hat am 20. Jänner — die bösen Zionisten machen d o ch Schule! — eine „W ähle ti ver - s a ln nr l tt ir g" stattgefnnden, die aber mangels einer organisierten Opposition von blüh 60 Mann besucht war. Kultuspräses D.r. Jakob E b e u erstattete in der blumigft'Cit Sprache den R e che nschaftsber i ch t, skizzierte bk) Geschichte der jungen Gemeinde, die heute mit) über 2000 Seelen, 516 Steuerzahlern und 466 Wühlern die drittgröszte in: Lande ist, ultd führte die wichtigsten in den zwei leisten Jahren gefaßten Ausschnßbeschlüsse an. Darnach wtirde Rabbiner Dr. Oppenheim: definitiv augestellt, die Friedhofsfrage dtirch „Ueberlasstmg" einer jüdischen Abteilung am neueil städtischen Zeutral'smedhof gelöst, ein Pensionsinstituk für die Gemeindebediensteten und eine Gerneittdebibliothek gegründet, das Schnodcrn und die Totenkranz-Spenden abgeschafst, die vielen Fonds unifiziert, der! J'tlgendgottesdienst rurdl die Schechiln geregelt usw. Für den mit einem Aufwarke von 620 000 X erbautet l Prachttempcl schuldet die Gemeinde twch 239 000 Kironen, besitzt hingegen 7 Fonds mit zusammen 56 000 K (seit zwei Jahren 20 000 K Zulvachjs) und verwaltet 24 Stiftungen) mit zusanunen 32 500 X. Von den der Gemeinde affilierten Instituten hat dev erst zehn Jahre alte „Israelitische Frauenverein" ein Vermögen von 21 600 X, dev erst drei Jahve alte „Israelitische Freitisch-Verein" ein solches von 6000 X. _ Dieser Rechenfchafisbericht, der die Besprechung aller Schattenseiten des Geineindelebens mit Geschick vermied, wurde laiti akklcrmiert und ivird, wie alle künftigen Rechenschaftsberichte in Druck gelegt werden — aurf) ein Zeichen ihrem Tode werden feierliche Seelenmessen gelesen werden, zu welchen hohe Herren in Paradeuniform, mit stcrnbesäeter Brust kommen werden, die Geistlichkeit, Sängerknaben, eine lange Wagenreihe werden sie auf den Friedhof hinansbegleiten, doch das wird alles für die Generali« geschehen, während für Rebekka, für jene arme Frau, welche ihr ganzes Leben gelitten hat, weil niemand ihre Seele kannte und niennntd sie kennen wollte — für jene Arme wird nichts geschehen . . . Und ich möchte eben, das; man auch jener gedenken soll, wo man eine schlichte leidende Seele begreifen kann . . . Und obwohl ich keine echte Jüdin gewesen bin, so war ich doch stets durch gemeinschaftliche Leiden nrit meinem Volke eng verknüpft. Glauben Sie, daß meinem Wunsche entsprochen werden kann?" „Ich glaube, daß es möglich ist, ist es doch niemandem verboten, für wen es ihnl beliebt, zn beten." „Das denke ich auch." „Versprechen Sie mir also, meinen Wunsch auszuführen?" „Ich verspreche es Ihnen in dem Falle, als die jüdischen Traditionen nichts dagegen einzuwcndcn hätten." „Ich danke Ihnen!" Ich sah, 'daß sie sehr ermüdet sei und daß sie Ruhe benötigte. Ich stand auf. „Sie gehen schon?" fragte sie. »Ja, es ist Zeit! Sie brauchen Ruhe. Sie sind stark ermüdet." „Das macht nichts, ich werde sehr bald ausruhcn," lächelte sie rätselhaft. „Doch ich wage es nicht, Sie noch länger aufzuhalten. Sie werden also nicht vergessen? Rebekka . . . und mein Vater hieß Dapid . . ." „Nein, ich werde es nicht vergessen." Ich verabschiedete mich und ging fort nnd lange nachher mußte ich an diese traurige Unterredung denken ... Ich hatte einmal beim Begräbnisse eines Freundes den Alerastder NepMi-Friedhof besucht. Nach dem Begräbnisse wunderte ich mit einem Freunde zwischen den Gräberreihen und betrachtete die Denkmäler. Bei der Wendung einer Allee erblickten wir ein neues prächtiges Mausoleum. Wir blieben stehen und begannen es zu besichtigen. „Hier ruht die Asche der Generalin A/exandra Petrowna Denissenko," las laut mein Begleiter. Ich zuckte zusammen, betrachtete die Inschrift und sagte unwillkürlich — wie für mich — „Rebekka Dawidowna . . ." „Was sagst du?" fragte verwundert mein Freund. »Ich sage," antwortete ich, „daß sich hier die Asche einer Fra« befindet, welche ihr ganzes Leben bloß Mensch gewesen war, 'die man aber auch nach dein Tode noch zwingt» Grneralin zn sein!" des anfkeiinenden historischeil Sinnes nnd jüdischen Selbstgefühles. Rach den obligaten gegenseitigen Aillirndelungen lvnrde ein zwölfköpfiges W a h l k a nr i t e e zur Entgegennahme der Anmeldungen und Aufstelllmg der Kandidaten eingesetzt. Eiile rege Debatte entspann. sich über den Antrag S ch i nr in e r l i n g , der die Einberufung einer zweiten Wählerversammlnng verlangte. Damit die Kandidaten des Wahlkamitees nnd eventuelle Gegenkandidaten sich der Gesamtwählerschaft präsentieren nnd ihr Programm entwickeln können. Der Advokat itirb Kultuspräses Dr. E b e n wußte. diesen vernünftigen Antrag so lächerlich zn machen, das; ihn die zn sklavischer Gesinnung erzogenen Versammlungsteilnehmer ablehnten. Einer, Herr Schilürer, imeinie, „man mnß es sich zur Ehre anrechnen, ivenn s o l ch e Männer dieKultnsansschußstellen überhaupt entnehmen" lind Herr Z i r k lt s schrie ganz entrüstet: „Wir lassen uns keine Wählerversannnlnng ansoktroyieren!" Interessant ivaren die Ausführungen des Chewra- Kaddischa-Gabbe R e i ch m ann , der n. a. darlegte, daß der Friedhof-Bertrag sich denn doch! nicht so günstig für die Jndengemeinde erwies; sie mnß der Stadt Olmütz als Eigentümerin auch der jüdischen Abteilung jährlich zumindest 31 Plätze bezahlen nnd, da 1902 bloß 18 Beerdigungen stattfanden, erhielt die Stadt für 13 unbenutzte Plätze ein Präsent von 988 X. — Das sind die ersten Folgen jener Feigheit, die unsere Geineinde an der Erwerbung eines wirklich eigenen Friedhofes verhiildert haben! Der Zionist Spitz c r tadelte, daß der Ausschuß über dem Prachttempel nnd andereil Repräsentationsflausen das Wichtigste, nämlich die Jugenderziehung, vernachlässigt habe lind dadurch den Abfall geradezu züchte. Gegen dieser würde allerdings selbst das Einbüffeln des ganzen Chnmesch nichts frommen, die jüdisch -nationale Eu ziehung allein f'önne da Wandel schaffen. Hiezu und namentlich zur Besorgung brauchbarer Lehrbücher und branch>- barer Religionslehrer solle die Olmützer Gemeinde die Initiative ergreifen. (Lauter Beifall.) Herr Kllltuspräses Dr. E b e n meinte darauf bloß, es sei "nicht so gefährlich, „die Taufe ist ia nichts Neues in dev Geschichte n n fe v e s Volkes." (Wer Herr Dr. Eben! Wie heißt „unseres Volkes"?? Sie meinen doch hier nicht das gellmanische? So ein Schnitzer!) Schließlich legte es Herr Schimmevling dein Ausschusse nahe, mit alten Mitteln dahin zn wirken:, daß der im Vorjahre so erfolgreich vom Rabbiner geleitete und sträflicherweise anfgelassene Religionskuvs reaktiviert werde. — Alles in allem: Es regte sich auch! in diesem Sumpfe. Als im Vorjahre der 15. deutsche Turnkreis (Deutsch- Oesterreich.) sich jndcnrein machte und daraufhin der O l - ln ü tz e ri deutsche Turnverein sich unter Verwerfung des Avierparagraphen rmd Ausscheidung seiner deutsch-radikalen Mitglieder dem neugegründeteir „deutsch - f reihe i t l i che n Tnrnverbailde" anschloß, herrschte linier den Olmützer Hebräern solche Wonne, daß sie den braven „liberalen" Turnverein durch Beitritte und namentlich mit Geld reichlich förderteil und deir von den Zionisten gegründeien i ü disch e n Turnverein lricht auskommeir ließen. Verlorene Liebesmüh'! Die ncueftc Wandlung, Ivelche die a. o. Generalvrvsammlung des Olmützer bcntfcfien Tnrnvereines vom 27. Eismonds brachte, wollen wir im Wesentlichen nach dem Berichte des „Mähr. Tagblattes" anführen, der so recht die Schamlosigkeit der deutschen Turner und Torner nnd schließlich des liberalen Blattes selbst bmtut. „Vereinsobmann, Bürgerschullehrer Alois M a d e r begrüßt die Dersamnilung nnd entrollt in durchaus objektiver Weise die Vereinsgeschtchte seit der vorjährigen Hauptversammlrnrg, in der nlehr als 60 Mitglieder airstraten, weil man ihrer Forderung nach dem Arierparagraphen lischt Folge leisten durste. Der damals in Aussichti gestellte Masseneintritt habe sich aber nicht verwirklicht. Vielmehr verlor dev vordem 330 Mann starke Verein außer dm Vorbezeichneten lveitere 70 Mitglieder, was einen Ausfall von 2000 X bedeute. Die zur Hebung der Finanzen versuchten Veraustaltnngeu, das Schauturnen, die Jahnseier, die Weihnachiskneipe nrißglückten völlig, und da meist nur Gesllndheitstllrner mn^ Turnplätze erschienen!, mußte ein zweites Schauturnen, ja sogar die Feier beS 40jährigen Bestandes rlnteltbleiben. Da sohin weitere Mitglieder mit dem Austritte drohten, knüpfte der Tlrrirrat mit _ benr delltsch-volkischen Tllpnverelinä „Jahn" behufs Wiedervereiliigung ganz ll lr v e r b i n d l i ch e Vorbesprechungen ail. Der „Jahn" Uxrt einverstanden, sich anfzulösen' und seine Mitglieder sich! neu beim liberalen Turnverein aNilneldeir 31t lassen;, verlangte aber ansdn'lcklich beffen Austritt aus dem delltsch-frelheitlichen Verbände. Der objektive Tirrnrat überlasse.nun die Entscheidung hierüber dev HallptversailMlllmg. Jedeirfalls fönne dein' Turnvereine ein GesimmngsWechsel nicht Vorgewoivsen tverdeil, da irr jedan Berelrre die Mitglieder komnieni lvldi geheil, ohlre daß man diese auf ihr politisches Glaubensbekenntnis pAlfen kömle. „Koilvllt es zn einer Vereinigung," schließt Redner, „danll ibivd ein neuer, frisch gekräfttgter! Trmwerein aufblüheir, es verliert aber gleichzeitig unsere Stadt ein Stütze lurd Stätte der liberalen Partei!" (Heilru.se.) K. k. Ekrichtsadjllnkt Dr. P a n e k (der' Mann einer getauften Jüdin!), dev als Turner ans Reih' lmd Glied die Stiimmurg inr Olmützer Turnvereine genau kennt, beanir-agt nun, daß dieser behufs Fusioir mit bem „Jahn" aus der derrtsch-freisinnigen Vereinigung austrete. Die erschöpfeilde Begründlmg hkstiv sei in der Schilderlmg des Oblnannes von dem Verfalle des Vereines zn finden, alle a n D e r e il E r lv ä g u ir g c ll lv ä r e ll il u r f 0 r m e I l. (Heilrnfe.) Tr. Alfred W r a n s widerspricht biejen bestcd-endelr Ail.sführnllgell. Er würde erft bann, wenn die Isolierung des Vereines llicht; zn befürchten wäre, für den Anstritt ans Dem freiheittichien (Gauverbande [tinunen. (Beifall.) Fachlehrer K tt. a it t c (ein Hanptliberaler) betont, daß mall bei Erlediglmg der Frage mit vorn nationalen Staiwplinkte der Teutscherhalölmg innerer Stadt ausgeheil dürfe; darnnl müsse man alles nicibcn, was trennt, 1111b alles suchen, was einigt. Mit bm Worten „fortschrittlich" und „freiheitlich" möge man keinen Mißbrauch treiben. Als Obmann, des deutschen ä 1 mergcfailgsvereincs habe er Gelegenheit gehabt, an Festlichkeiten beider Turnvereine teilzunehmen, nnd dabei die gewaltige Ueberlegenheit der Jungen erkannt. Denn wo die Jugend ist, strömt bk Jugend zn nnd ihre Werke atmen Begelstemng. Die Uustrittsbedingnllg hätte der „Jahn" freilich später stellen sollen, doch mm möge man sie des lieben Friedens wegen annehmeil; denn ivas demeinen recht, sei dem andern billig. Es lväre ja n n r der Anstritt ans dem Ganverband verlangt und nicht der Anschluß an einen a risch en Verband. Ans diesem gemelnsamen objektiven Boden könne man weiter schaffen. (Heilrnfe und Beifall.) Nachdein noch Dr. Schön den Antrag Panek auf Austritt ans der freiheitlichen Vereinigung, befürwortet hatte, da es für die Einigkeit der Turnerschaft besser sei, daß diese ihre politische Gesinnung Zurückstellt, als sich in Haß und Hader zu befehden, lvird der Antrag bei namentlicher Abstimmung m i t 4 1 g e gen 2 4 S t t m m e n ange n 0 mm en." Hierzu leistet sich das vom Kuliüspräfes Dr. Eben ro digierie „Tagblatt" noch folgendes Schlußwort: „Mit diesenr für alle Teilnehmer überraschenden Beschlüsse endete die denkwürdige Hauptversammlung. Ob damit der alte Liberalismus, der die Turnerschar unserer Vaterstadt seit mehr als einem Menschenalter heseelte, zu Grabe getmgen worden und der neue Gellt das Geschick des neuen Vereines in neue und bessere Bahnen lenkt, wird die nächste Zukunft lehren. Keineswegs ist mit der Annahme des Antrages auf Austritt aus denr Verbände der deutsch-srelheiilicheu Tnrnvereiue auch der Arierparagraph anfgenominen. Der Olmützer Turnverein steht gegenwärtig ans ganz neutralem Bodcu, d a h e r a u ch n i e m a n d z u in Ä u s t r i t t e a n s d e m B e r e i n e g e n ö t i g t ist."- Trotz dieses Assim-ilauten-Trosks wird der endgiltlge Hmanswurf der zudringlichen israeliüschen Torner nicht lange ausbleiben, wahrscheinlich bis diese die ans der deutschen Turnhalle ueefj aushastenden Schulden werden abgezahlt haben. Ja, es ist etwas Herrliches um die deutsche Treue! Diese Turnassäre ist übrigens nur ein E i n z e l - b i l d aus dein taiderlich-schmutzigen politischen Leben unserer liberalen Hochburg Olmütz. Dr. E. M. Z w e i g. Als ich zum allererstenmale den Freiiagsgottesdienst im Leopoldstädtor Tempel besuchen wollte und mich nach der kürzesten Route dahin erkundigte, da gab mir ein Kenner der hiesigen Verhältnisse folgende Auskunft: „Sie fahren bis zum Carl-Theater. Gerade gegenüber bem Carl-Theater ist eine kleine, enge Gasse, welche aus beiden Seiten, mit Bettlern jeden Alters und beiderlei Geschlechtes belagert ist. D i e s e s B e t t l e r s p a l i e r s ü h r t z n lil L e 0 p 0 l d st ä d t e. r T e m p e l." Fürwahr, diese Bettler am Freitag-Abeud vor einem jüdischen Tempel sind eine Schmach fiir die Kultnsgemeinde! Wenn ein fremder Jude nach; Wien kommt nnd nnr einiges Interesse für das Judcutum an den Tag legt, so sind es zunächst bk Tempel, denen er seinen Besuch schenkt. Ist es denn wirklich unerläßlich, daß das Wahrzeichen der Wiener Judenheit _ der Bettler auf der Straße vor dem Tempel sei? Der blinde, arbeitsunfähige Mann gehört ins Versorgungshaus und die vertvahrlosten Frauen mit den halbnackten Kindern sind in armcnrätliche Behandlung zu ziehen. Mit tvelchem Gefiihle muß man. ein auch noch so herrliches Schloß betreten, wenn der Weg zu bemfdben durch eine verwahrloste, mit morschen Baumstämmen umrahmte und faulen Früchten besäete Allee führt? Diese lebendige Bettlerallee in der Tempelgasse ist ein beredtes Armutszeugnis für die Armenversorglmg dev Kultnsgemeinde, die ja nicht nur die Aufgabe. hat, dort, lvo es noitut, hilfreich beizuspringen, sondern auch dem Bettlcrunwesen unter den Juden zu steuern. Aber auch das religiöse Gefühl des kon.servaiiven Juderl —7 und tvir sind doch eine konservative Gemeülde — wird durch diesen Unfug nach dem Abendgottesdienste aus das tieffte verletzt. Jeder mag es mit der Religiosität feilten, Wie er es für gut findet, aber gewissermaßen offiziell, mit Genehmigung des Vorstandes darf nichts geschehen, was das religiöse'Gefühl auch nur eines einzigelr verlchen konnte. Der reiche Jude, der nach dem Freitagsgoitesbknftc seine Equipage Vorfahren läßt und der Betteljude, der am Sabbateingang seine Bettelpfennige zählt: sie geben zusammen das treffendste Bild des wirtschaftlichen uub religiösen Niveaus der Wiener Judengemeinde. * Der jüngste Proberedner lvar Dr. L az a r u s aus Göding. Dr. Lazarus gehörtl jlt den jungen Rabbinern der .Hildesheimer'schen Schule, die ihren Berus sehr ernst nehmen. Fromm, in des Wortes lvahrem. nnd inodorn-em Sinne, lern- undlehrbedürftig, sind emdf seine Vorträge, Arbeiten: und Predigten^ von einem echt jüdischen, belehrenden Geiste erfüllt. Fern von dem politischen Ge-