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Jüdisches Volksblatt · 1903-02-06 · 6 (6.2.1903) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
6 (6.2.1903)
Date
1903-02-06
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 G. Februar t'j; H Nr. G -Jfidisehes Vnikshir.•? Häupter isnielirisäier Moitfriiion ifivcu ordentlichen Woimsitz haben. bl Befinden steh an einenr Brre innerhalb eine-? .Unltils ^eineindesbrennelö ivcuizcc aledreißig jedoch iiiebr aI-> zcbn Familieiihänbler israelitischer Kvnsessivn, so können sie eine Knltnöbereinignnft griinden unddiesem Behnse einen Vor derer bestelle», der auch das rituelle schlachten besorgen kann. Diese ^'nltnsvereinie,rin^ hat jedoch nicht die Rechte einer Mit( tnsgeiiieinde, sondern sie untersteht derjenige» .chnltns gemeinde, in deren Dorench'l sie sieb beiinder. I» ivelchein Mähe die .UulruMeiueiude zu den kosten einer solchen .änltnsbereini^nnä bei.nnra^en bat, lvird im Berordnuuasrveae bestimmt. el Die Funtrio» de-:- Rabbiners, der zupleiep den Reliisiousnnrerricht zu erteilen, Peziehuuasrveise zu beuusjiehrigeu hat, ist prinzipiell von den nnrerqeordneten unftionon eines Borbeters und ^ebäebrers .zu trennen: das Amt des lltabbiners darf daher mir denn Arme des Borbeters oder Lebächrer-? nicht krimnliert tverden. d> Der Minimachehalt eines tttabbiiiers ist im Berordnnna.sivege fest.znielzen. e) Riebt jede hulruc-geiueinde ist verpflichtet, einen eigenen Rabbiner zu bestellen lZ'lbäii/dernng des 8 kl. des zitierten Gesetzes, Absatz k l, sondern es können sieb zloei oder mehrere kleinere .Unlcnsczeineinden bereiniizen, um einen aenieinsmnen Rabbiner zu bestellen. Mo in einenr solchen Falle der Rabbiner seinen Mohnsitz zu nehmeii bar, ivie er seine rabbiirischen Funktionen in den einzelnen Gemeinden zu versehen hat und nach ivelchem Maszitabe die -stosreu der Besoldnnz desselben unter die einzelnen Genreiiideii anf.znreilen ist, ist im Berordnnngsivcge zu bestimmen. fl Die im letzten Absätze des § 11 des zitierten Gesetzes vorbehaltene Regelung der Erfordernisse der theologischen Vorbildung eines Rabbiirers hat m der Weise zu erfolgen, daß nur derjenige als Rabbiner angestellt tverden kann, der von einer theologischen .Hochschule des In- oder Auslandes oder von zwei hervorragcndcii rabbinischeir Autoritäten das Dekret der Rabbinatsbefähigung lHatoras hanrooh) erhalten hat. Die theologischeir Hochschulen und rabbinischeir Autoritäten, welche zur Ausstellung solcher Befähignngsdekrete berechtigt sind, tverden im Einvernehmen mit den berufenerr Faktoren im Verordnungswege bestimmt.?>. In die projektierte Gesetzesnovelle ist ein Passus aufzunehmcn, der die Rechte der bereits angestellten Kultusfnnktionäre schützt und zu diesem Behnse bei der aus Grund dieser Novelle borzunehmenden Reorgairisatioir der Knltnsgemeinden eiire längere Ilebergangsperiode schafft. 4. Der Ausschuß des Gemciudebuudes tvird beauftragt sich unverzüglich mit den anderen großen jüdischen Berbändelr ins Einvernehmen zu setzen um auf geeigrietein Wege bei der hohen Regierrmg die baldige Inangriffnahme und Durchführung der vorgeschlagenen Reformen zu erwirkeir. fühlen — o, cs war ein Leben, im Vergleiche mit welchem der Tod bloß als ein angenehmes Ausrnhen erscheinen muß . . ." „Verzeihen Sie meine indiskrete Frage," sagte ich, „waren Sie nach alledem in Ihrem Familienleben glücklich?" Ein Schatten lagerte sich auf das bleiche, abgemagerte Gesicht der Giranten. Sie schwieg einige Augenblicke, ohne meine Frage zu beantworten, dann begann sie, stockend und sich unterbrechend: „Ob ich glücklich gewesen bin? . . . Wie sollte ich Ihnen sagen ... im üblichen Sinne des Wortes — ja; ich könnte mich nicht beklagen . . . Mein Mann ist mir, mich dünkt, niemals ernstlich untren gewesen . . . Und zufällige kleine Sünden werden von den vernünftigen Frauen unseres Kreises nicht beachtet. Und auch diese geschahen erst in der letzten Zeit; früher, als ich jung und schön war, liebte mich mein Mann." „Und damals empfanden Sic dieses sonderbare Gefühl einer beständigen Unruhe?" „Stellen Sie sich vor — ja . . . damals war dieses Gefühl viel stärker und empfindlicher. Jetzt sind meine Nerven abgestunrpft, meine Gefühle haben sich beruhigt, damals aber war alles frisch und gesund, und die mindeste Ursache wirkte auf die Nerven. Außerdem liebte ich selbst und ich fürchtete, diese Liebe, für die ich mein Lebeir zu opfern bereit war, zu verlieren." „Verzeihen Sie die Frage," unterbrach ich sie, „was für Ursachen hatten Sie eigentlich, sich zn beunruhigen? Alles ging ja bei Ihnen nach Wunsch." „Jawohl," lächelte sie schmerzlich, „und trotzdem konnte man nicht vergessen, daß ich eine Jüdin sei, und bei dem ersten ehelichen Zwiste wurde mir meine Abstammung vorgeworfen . . . Das geschah genau zwei Jahre nach unserer Hochzeit. Und das war der Dank für meine Liebe, für alle Dpfer, die ich gebracht hatte," fügte sie träumerisch — wie für sich — hinzu. „Ich lese in Ihren Augen, daß Sie diese traurige Geschichte geme kennen möchten," fuhr sie nach einer langen Pause fort. „Nun denn. Hier ist nichts zu verhehlen. Es ist die gewöhnliche Geschichte! Auch ist sie nicht lang. Er war Unterleutnant und diente in dem Regimente, welches in unserer Stadt garnisvnierte. Mein Vater war, obwohl ein frommer Jude, kein Gegner der Bildung. Und da ich seine einzige, heißgeliebte Tochter war und er große Reichtümer befaß, so ist es selbstverständlich, daß ich genügend Bildung erhielt, um mich in den gebildeten Kreisen unserer Stadt bewegen zu könnerr. Wir lernten uns kennen und bald darauf lieben. Es begann nun ein qualvoller Kampf verschiedenartiger Begriffe, Gefühle, Anschauungen, in welchem natürlich die Liebe den Sieg davontrug. Ich wurde eine rechtgläubige Christin. Das war ein so fürchterlicher Schlag für meinen Vater imeine Mutter war damals bereits tot), daß er bei „Häl. man denn mirklicheine Kammer von Vollabgeoneten für eine Art von Magiern, die tzn.- ...Widrige zufammengiejren", da« Widerstrebende einigen, das Unmögliche möglich machen können. Hält man rimHkM i av Volksparlament für eine Zm-P-W.rn.cl. durch welche man beliebig Schwar» nt Weiß verwandeln kan' F. cd. Lnssalle. Überall. bald laut unö c'ü.i kann man in Oesterreich das Lied von der Gel,:i sucht r.ach einem „österreichischen Bismarck" hören. Dre F reie Presse" glaubte seinerzeit in B a d e n i den öfter::« ich-.scheu Bismarck begrüßen, zu können, sie besang ifm W-n.uu'Zvoü als den Mann mit der eisernen Hand, der Ortz-iung schaffen werde; bald aber erwies sich, daß Badeni nicht mehr als den Anfangsbuchstaben mit Bismarck gemein hat. Auch Knerber scheint nicht diesen Beinamen zu verdienen, wollte man sarkastisch fein, so würde man lwchstenn u, seiner Glatze eine Aebnlichkeit mit Bismarck erblicken. Do irrt denn noch immer die Sehnsucht nach einem Bismavel durch unsere Blatter, llris will es aber bedünlcn, de.ß .iaeutii-ch Oesterreich ein Bismarck gar nicht not hu; denn -o h an-n-U sich nicht darum, einen Staat zu gründen oder gar ans Eroberungen auszugehen, nein, die Aufgabe ist das Chaos, in dem dieser alte Staat schweb . zu beseitig n und durch klares Aussprechen dessen, was ist, der Acr:oirrung zn steuern. Uns täte ein Lassalle vielmehr not. Bekanntlich ist das Wort „Oesterreich' nur'' Hü konventioneller Begriff; unsere Verfassung kennt nur „die im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder". Wenn der Reichsrat wirklich das einzige Band O.-sterve-chs wäre, so stünde das Reich wirklich vor einer schier auher-Oareu Krise. Denn selbst der größte Optimist könnte in dicket von den wildesten Leidenschaften zerklüfteten Korporation deren reale Existenz überdies in der Luft schwebt, nicht eine Gewähr für die Gegenwart, geschweige denn für die Zukunft unseres Staates sehen. Glücklicherweise ist der österreichische Staat eine geschichtliche, nationalistische und geographische Notwendigkeit, die ihn dieser Garantie enthebt. Sofort waren einige Erbweisen bei der Hand — Fabrikanten, die den Staat für eine große Fabrik halten, aus dem man mit möglichst geringen Aufwand und ohne von jemand sich was dreinreden zu lassen, möglichst viel herauspressen soll, ehrliche Fanatiker, auf die unser Parlament wie ein rotes Tuch wirkt — die als Heilmittel die Rückkehr zum Absolutismus predigten. Das hieße aber den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. Man kann nicht den Konstitutionalismus für die österreichischen Wirren verantwortlich machen, denn es herrscht nicht der Konstitutionalismus, sondern nur ein S ch e i n k o n st i t u t r o n a l i s m u s. Oder ist es nicht ein Scheinkonstiturionalismus, wenn das Parlament nur zusammenberufen wird, um neue Steuern oder neue Soldaten zu bewilligen, der Ministerpräsident sich aber nicht entblödet, bei jeder Gelegenheit dieser Nachricht einen Schlngnnfail erlitt und noch am selben Tage starb. Ich erhielt ganz unerwartet eine Millionenerbschaft. Dieses Ereignis änderte mit einenunnle die dienstliche Stellung meines Mannes, welcher olmc Vermögen die Generalsevattletten nicht so rasch erlangt tznben würde. Das ist alles." Sie hielt einige Augenblicke inne. „Sie werden wohl begreifen, wieviel ich dnrchgemacht, welchen Kampf, welche seelischen Dualen ich zn bestellen hatte, wieviel Selbstaufopferung bei diesen: Schritte notwendig wnr und welche Gewissensbisse mich schließlich nach dem Tode meines Vaters foltern mußten. Und nach allem diesem wnr ich — eine Jüdin . . . Wir hatten einen kleinen, im Familienleben ganz gewöhnlichen Streit gehabt . . . Hätte er mir damals das beleidigendste, ärgste Wort gesagt, es hätte mich bis in die Tiefe meiner Seele nicht so erschüttert, wie jenes. . . Das habe ich nie mehr vergessen können," fuhr sie nach einer Pause fort. „Plein ganzes Leben verfolgte mich wie ein böser Schatten dieses Wort — Jüdin. In den glücklichsten Minuten meines Lebens, die er mir verschaffte und in denen er mich zwang, an alles zu vergessen — stets und immer wieder kroch unmerklich wie ein Schatten ans den Tiefen meiner Seele jene verdammte Jüdin hervor und vergiftete mit ihrer Gegenwart diese glücklichen Minuten. Die Jüdin wurde für mich zum Schreckgespenst und ich erwartete immer mit Unruhe ihr Erscheinen. Und sie erschien auch ... In einem dreißigjährigen Eheleben kommt Verschiedenes vor. Und stets, wem: man mich an meiner empfindlichsten Stelle treffen wollte, warf man mir die Jüdin vor. Das Judentum war ein Verbrechen, welches nie und nimmer vergessen und verziehen und auch durch keinerlei Opfer gesühnt werden konnte. Ich war gezwungen, stets daran zu 'denken und mußte beständig trachten, dafür nicht verantwortlich gemacht zu werden .. . Wenn in meiner Gegenwart die entsetzlichsten Dinge über Juden erzählt, sie ans empörende Weise verleumdet wurden, dann durste ich weder durch eine Bewegung noch durch einen Blick zeigen, daß ich dadurch mich gekränkt oder verletzt fühle. Ich durfte in keiner Weise verraten, daß mich die Sache berühre. Ich konnte auch daun nichts tun, als ich sah, daß meinen .Bindern der dumpfe Haß zu meinem unglücklichen Volke eingeimpft wurde. Ich mußte ihre Verachtung der Juden ganz ruhig ertragen: war ich ja doch ihre Mutter und so wollte ich nicht mit eigenen Händen die Bande des Blutes zerreißen, die mich an sie ketteten. O, wie schwer war es, alles dieses zn ertragen!" Und die anne Frau begann bitterlich zu weinen. „Verzeihen Sie," fuhr sie, nachdem sie sich ein wenig beruhigt, fort, „daß ich Ihnen etwas erzähle, das Sie bielleicht gar nicht interessiert, Sie können sich aber gar keine Vorstellung davon machen, wie schwer es ist, beinahe ein ganzes Leben ein bitteres Gefühl in die Abgeordneten daran zu erinnern, daß der Parlamentarismus einer sch m e reu Stunde entgegensiebt, wenn nicht diese oder jene Staatsnotivendigkeit bewilligt wird. Ein Parlament von der Gnade der Regierung. Vogel friß oder — § 14. Es herrscht also in Oesterreich bereits ein verhüllter Absolutismus. Der Absolutismus kann also nicht das Panacee sein. Der andere Tei! der Erbweisen erklärt: Es gäbe nur einen Ausweg aus der Krise, das ist eine Aeuder u u g de r G e s ch ä f t s o r d n u n g. Das hat nur eine Schwierigkeit, nämlich die, daß jede Partei eine solche Aenderung wünscht, die der Gegenpartei die Obstruktion unmöglich macht, ihr aber die Möglichkeit derselben im Bedarfsfälle wahrt. So erlebten wir denn das ergötzliche Schnttlpiel, daß die beiden Blätter, die die Weisheit gepachtet haben, die „N. F. P." und die „A. Z." heute in derselben überzeugenden Weise und zwingenden Schärfe gegen eine Aenderung der Geschäftsordnung Stellung nehmen, wie sie oor einigen Wochen s ü r dieselbe pluidierlen. Und letzen wir den unwahrscheinlichen Fall, es käme eine Aenderung der Geschäftsordnung zustande, die nicht nur die Wün'che aller Parteien, sondern sogar die Forderungen der Verrinnst befriedig!«', — w a s könnte diese „ v e r u e w e r t e' G e s ch ü s t s o r d u u n g g e g e u e i » e O b fl v it f t i o ti ausri ch t e u, d i e s i eh ü b e r h a u p t u i cch t ii m d i e G e I ch ä f t s o r d n u n g k ü m m e v l, gene n ei n e O b st ruktio u t r o tz und nn b e v d i e G e s ch ä i t s o r d u u u g, gegen d i e O b st r u k t; o n mit T r o m p e t e n, Pfeife u. P u l t d e ck e l n — S tiukbo m b e u, gegen die Ob st r u k t i o u, die eine E r r u n g e n s ch a s t des ö st e r r e i ch i s ch e n P arln m eutes i st — gegen d i e v st e r r e i ch i s ch e f) b st v nkti o n? Oder will man die Polizei zn einer ständigen Institution dcs Parlamentes machen? N>in, auch eine Aenderung der Geschäftsordnung kann nicht das Parlament flott machen und die Krise beendigen. Aber auch die einfache Oktroyierung des allgemeinen, direkten und gleichen Wahlrechtes, die von der Sozial-, demokratie als Ausweg gepriesen wird, kann nicht das Heil bringen. Wir wollen davon absehen, daß ein österreichisches Parlament auf Grund des allgemeinen und gleichen Wahlrechtes verflucht wenig dem Bilde entspräche, an das die sozialdemokratischen Führer glauben oder wenigstens vorgeben zu glauben. Wir wollen annehmen, es kämen wahrhafte, reformfreudige Männer des „Volkes'* in das Haus. „Hält man denn wirklich eine Kammer von Volks-Abgeordneten für eine Art von Magiern, die das Widrige zusammengießen, das Widerstrebende einen, das Unmögliche möglich machen können? Hält man wirklich das Wort „Volksparlament" für eine Zauberformel, durch welche man beliebig Schwarz in Weiß verwandeln kann?" Solange die Spannung zwischen den verschiedenen Nationalitäten besteht,zwischen den Deutschen und Czechen,zwischen den Polen und Ruthenen. zwischen Kroaten und Italienern, zwischen allen und den Juden und untereinander, wird auch ein wahres Volksparlament nur das unerfreuliche Schauspiel der Ohnmacht der Abaeordneten gegen nationale der Seele hernmzntragen, ohne die Möglichkeit zu hobeu, sich vor jemandem auszusprecheu . . Ich hcmühte mich, so aut ich konnte, sie zn üeruhiqen. „Ich dnnke Ihnen, ich danke Ihnen," saqte sie, meine Hand kaum merklich drückend- „Ich weiß, daß Sie ein braver Mensch sind; Sie werden mich verstehen. Ich bewohne mein eigenes Haus, habe mehr als das halbe Leben in ihm zugebracht, lebe unter Verwandten und Bekannten, und bin hier dennoch ganz fremd und fühle mich einsamer, als meine letzte Dienstmagd. Es gibt im ganzen Hnnse keinen einzigen Menschen, welcher mich — Rebekka Perlstein und nicht die Gencralin Alexandra Petrowna Denissenko — kennen würde. Die.stinder natürlich lieben mich, doch könnte es für keines von ihnen eine größere Beleidigung geben, als wenn man ihnen sagen würde, daß ihre Mutter — eine Jüdin sei . . . Meine Gedanken, meine Gefühle, meine Aufregungen, llnrnhen, Leiden sind ihnen fremd und ich bin für sic nicht diejenige, die ich in Wirklichkeit bin ... Da habe ich 'beim den Wunsch empfunden, wenigstens vor dem Tode mich als die zu fühlen, als welche der liebe Gott mich geschaffen hat, und dasjenige ansznsprechen, das so lange meine Seele bedrückt hat .... Und jetzt - . fuhr sie stockend fort, „wollen Sie die Güte haben, unter meinem Kopfkissen ein Paket hervorzunebmen, welches dort liegt." Ich zog unter dem Polster ein ziemlich nmfangreichcs Paket hervor und wollte es ihr überreichen. „Nein, nein, behalten Sie es bei sich," hielt sie mich zurück. „Hier befinden sich tausend Rubel. Ich möchte Sie ersuchen, die Güte zn haben, dieses Geld der jüdischen Gemeinde . . . für die Armen . . - zu überreichen . . . Wird es Ihnen keine Umstände machen?" „Ich wei'de eS mit großem Vergnügen besorgen." „Und wenn es möglich wäre . . ." sie hielt verwirrt inne und fuhr dann, bei jedem Worte stockend, fort: „Der liebe Gott ist natürlich für alle derselbe ... bei Ihm gibt es weder Juden noch. Christen ... bei Ihm' sind alle . - . Menschen . . . Jedes aufrichtige Gebet, ob es von einem Juden oder Christen kommen mag, nn'o wo es ausgesprochen fein möge — in der.Kirche oder in der Synagoge — dringt zu Ihm, und dennoch —" sie hielt inne. „Ich verstehe," sagte ich, „Sie möchten, daß man nach Ihrem Tode „Kadisch" sagen sott." „Ja, ich möchte ... die Sache liegt nicht am „Kadisch", aber ich möchte, daß man, wenn Alexandra Petrowna gestorben sein wird, der armen Rebekka nicht vergessen soll, denn Rebekka war durchaus nicht schlechter als Alexandra Petrowna, nnd sie verdient es nicht, daß man ihrer in Liebe nicht gedenken sott . . . Mexandra Petrowna war eine Generalin, eine wichtige Persönlichkeit, nach

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