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Jüdisches Volksblatt · 1903-02-06 · 6 (6.2.1903) · page 1

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
6 (6.2.1903)
Date
1903-02-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Ked«rion: n/3. Lropoldsgaffe 49. Ljeerchftn«Se«t s» -Koejerv^'zcn »on 3 bis 4 w»r nitchmiltev». xr»fiad»^,i UM««»« «SsttSblatt, Wie». 11(3 Stefötaucfren ttecra titrpälttn oder gw nicht er?okgt« öafaümitj «bitten wtt tax dringend. — NkumsevtSt« w«Äe» »tcht zaritckseftelit. Yostiparcafseu-Sonto «47087. Sa d«S NSommnent lottn »an tügkich eiatrete«. HM Dm Kckas xtälxr dsr ürm jKMMpen Volk» 'ss«Vvr rrwStzrÄen 8A?rr»1e übernehwrn die Atome» r I. Dmmeverg» A. Duvs, Hans«« -rto ft ßaßlst, Sabot? Mofir, 8. OPPelS. M. Plypmyi, 8. Schale! in Wie», fern« »8« «lmsn«MErpedittv»m toi Ausland». EüdEmrsmeV ist Wie» 16 Heller» U'v-nl>»iiles<wN; n/3. Leopoldsgsffe 49. Tekeptzom-Rr. 14923 MbV«ue«i!lrtHpLeiS: Telepho^srr. 14723 Mto -Wie» «. x-rst^eich»N«garu samvu Feescozupellung. Sr. 8.- if 4.- Für baS gelammte A«rSta»d sammt Francozustellung. »anzjLhrig . Halbjährig . BiertesiLhrig .Kr. v - . 4.50 . " S«S Nr. 6 IlBIWgafHWf^OTTOmvia^jswsTOamLWjwM Mim, 6. Februar 1903 (9, Schebat 5663). pwwwf»3toly3iriiioww«MwreM«Wi V. Jahrgang. «BBtnsHsaraBBi i Ueber die Mängel des Gesetzes betrrffend dir Rechts Verhältnisse der israelischen Religionsgrnoffenschasten. Von Dr. Schanzer (Pilsen).*) Es kann wohl keinem Zweifel unterliegen, das; das Gesetz vom 21. März 1890, Nr. 67, NGBl., betreffend die Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Neligionsgesellschaft das jüdische Gcmeindelcben, insbesondere in unserem engeren Vaterlcmde Böhmen, in höchst nachteiliger Weise beeinflußt hat. Auf Grund des erwähntest Gesetzes wurden in Böhmen 197 israelitische Kultusgemeinden ins Leben gerufen, voll denen der weitaus größere Teil heute bereits nach etiva zehnjährigem Bestände nur eine Scheinexistenz führt, da die Anzahl der in einer solchen Kultusgemeinde vereilligten Glaubensgenossen und deren materielle Leistungsfähigkeit viel zu gering ist, um diejeiligen Funktionen zu erfüllen, die die altjüdische Traditioil voll einer Kehilla erwartet. ' Da die Einki'nlfte dieser Genleinden zumeist so gering sind, daß sie von denselben unmöglich einell eigenen Rabbiner erhalten können, das Gesetz über die Ailstelluilg eines Rabbiners in jeder Gemeinde für obligatorisch erklärt, mußteil die meisten dieserGemeinden zu dem Auskunftsmittel Zuflucht nehmen, daß sie das Amt des Rabbiners nnd Religionslehrers mit dem Amte eines Chasen, Koreh und Schochet verknüpften. In diesem Bestreben wurden diese Gemeinden durch das Gesetz, das über die theologische Vorbildung des Rabbiners feine Bestimmung enthält und durch die mlf Grund des Gesetzes erlassene Verordnung des hohen Kultus- und Unterrichts-1 Ministeriums vom 27. Dezember 1891, Nr. 8, LGB. ai 1892, auf das Wirksamste unterstützt. Von der in dieser letzteren Verordnung dem Statthalter von Böhlnen eingerärnnten Machtbefugnis ivurde während der nullmehr abgelaufenen 10jährigen Frist der ausgiebigste Gebrauch gemacht, indem bei Erteilung der Dispensation bezüglich der vom Gesetze vorgeschriebenen a l l g e m c i n e n Bildung eines Rabbiners die allergrößte Nachsicht geübt, auf die theologische Vorbildung des betreffenden Petenten aber überhaupt keine Rücksicht genommen wurde. Und so ist cs gekommen, das; die meisten dieser kleinen Gemeinden sogenannte „Dispensrabbiner" angestellt haben, welche gegen wahre Hungcrtöhne nicht bloß das Amt eines Rabbiners bekleiden, sondern auch alle anderen untergeordneten Kultusfunktionen in der Gemeinde versehen müssen, obzwar das jüdische Wissen eines :f) Referat auf dem Gemeindetage der israelitischen Kultusgemeinden in Böhmen. Feuilleton Das Jüdische Musen«. Das Jüdische Museum (KmgevsiMße 8) bietet gcgeuwärtig Gelegenheit, ein paar junge jüdische Maler und Bildhauer kennen zu lernen. Es sind nämlich daselbst die Arbeiten der Künstler ausgestellt, die mit Preisen der A'othschild-Stistuiig ausgezeichnet iimrden. Am weitesten vorgeschritten in der Entivicklung seines Könnens ist wohl der Maler I a g ll e s S t e v n f e l d; lver aber der Talentierteste ist, läßt sich nach dieser Ausstellung schiverlich sagen, da die Künstlet: alle nach im Werden begriffen sind und die Zahl der Ausstellnngsobsekte bei manchem sehr gering ist. Ganz unbegabt scheint keiner von ihnen zu sein, aber noch viel weniger könnte man von einem behaupten, das; er sich zu einer ausgereiften, originell-künstlerischen Persönlichkeit durchgerungen habe. Es sind fast durchwegs nur Bersprechnngen für die Zukunft, noch keine großen Resultate. S t e r n feit) stellt zwei Pastellporträts aus, van denen das eine (Damenbildnis) vorzüglich genannt werden muß. Es zeigt feines svaribenempfinden und Streben nach charakteristischem Ausdruck; die Tiefe einzelner Töne und der Glanz des Glases lassen das Bild auf den ersten Blick wie ein Oelbild wirken. In den landschaftlichen Studien erbringt Sternfeld den Beweis fleißiger Arbeit. Die sichere Behandlung der Perspektive der Luft und des Lichtes deuten auf ernstes Lernen und gute Beobachtung. Ein paar ferne Lichttvirknngen sind ihm gelungen, vor allem ans dem Bilde einer 9lllee und bei einem Waldinterieur. Besonders ertvähnt zu tverden verdient noch ein kleines Gemälde: ein Teich mit Weidenbämnen am Ufer, die sich in dem leuchtenden Wasser spiegeln. Die Abendstimmung darin ist famos. Doch tvüde ich die etlvas kleinere Skizze zu diesem Bilde dem Gemälde selbst nach vorziehen. — Strebt Sternfeld überall nach viel Licht, so großen Teiles derselben — von rühmlichen Ausnahmen abgesehen — kaum dazu hin reicht, das Amt eines Chasen und Schochet, geschweige denn das eines Rabbiners in der Gemeinde auszuüben. Wie sehr durch diese beklagenswerten Zustände das Ansehen des Judentums nach außen leidet, kann nur derjenige ermessen, der Gelegenheit hat, mit diesen kleinen Gemeinden in Berührung zu kommen. sich um ihr Schicksal zu kümmern und in ihre Verhältnisse einen nö.-eren Einblick zu gewinnen. Aber auch das religiöse Leben liegt in den meisten dieser kleinen Gemeinden vollständig danieder. Die Zeitverhältnisse haben es mit sich gebracht, daß unsere Glaubensgenossen auf dem flachen Lande von ihrem Erwerbe daselbst ihr Leben nicht mehr fristen können und daher gezwungen find, in sic Nächstliegende größere Stadt zu übersiedeln. Dadurch verarmen nicht bloß die kleinen Gemeinden am flachen Lande, sondern die in diesen Gemeinden noch verbleibende Anzahl von Glaubensgenossen ist so gering, daß selbst der Sabbatgottesdienst, ja in einzelnen Gemeinden sogar der Gottesdienst an den hohen Feiertagen — von Wochentagen gar nicht zu sprechen — mangels der nach den rituellen Vorschriften hiezu notwendigen Anwesenheit von zehn erwachsenen männlichen Glaubensgenossen nicht äbgehalten werden kann. Die Gotteshäuser in diesen kleinen Gemeinden veröden und gehen dem sichtlichen Verfalle entgegen, die Gottesäcker befinden sich in einem desolaten Zustande, denn es find die nötigen Mittel nicht aufzutreiben, um diese Stätten des Kultus und der Pietät in würdigem Zustande zu erhalten. Daß unter solchen Verhältnissen cs auch mit dem Unterrichte in der Religion sehr schlecht bestellt ist, ist uns ja allen bekannt und so wächst vor unseren Angen eine Generation auf, der oft die elementaren Kenntnisse der jüdischen Religion mangeln und die infolge dessen dem Judentum immer mehr entfremdet wird. Wenn es zu diesen beklagenswerten Zuständen kommen konnte, so liegt der Grund hiefür nicht bloß in den bereits hervorgehobenen Mängeln des Gesetzes vom Jahre 1890 und der hiezu erlassenen Verordnungen, sondern auch darin, daß es bei Verfassung dieses Gesetzes verabsäumt wurde, neben den Kultusgemeinden auch eine die j gesamte Judenheit des Landes und des Staates umfassende und den einzelnen Kiiktusgemeinden übergeordnete gesetzliche Organisation zu schaffen, die gesetzlich berufen wäre, die israelitische Religionsgesellschaft in ihrer Gesamtheit nach außen zu vertreten und nach innen dort Wandel zu schaffen, wo sich Schäden und Mängel zeigen, zu deren Beseitigung der einzelnen Gemeinde die Kraft, die Befähigung und die -Legitimation fehlt. Wir sind gewiß warme Anhänger der Autonomie der einzelnen Kultusgemeinden, aber diese Autonomie darf nicht in eine förmliche Anarchie, in eine Zerfahrenheit und steht ihm als Landschafter mit einigen sehr dunkel gehaltenen Studien gegenüber der Maler Heinrich T n ch s. Ailch er hat schon viel gelernt. Ein paar harmlose Schnlstndien, die eine stark verzeichnet, hätten wegbleiben können. Gnt ist das Bild, das entlaubte Bänme an .einem fließenden Gewässer zeigt; es liegt eine düstere Stimmung wie vor einem Gewitter über der Landschaft; das Bild ist einheitlich im Jarbentaiw und gellmgen in der Zeichnung. — Talent, aber ebensoviel dilettantische Oberflächlichkeit und Schtenderhaftigkeit beweisen die Bilden der Malerin H i l d e K v t a n p. Nlir eines bildet eine rühmenswerte Ausnahme. Ich möchte es „Meditation" nennen: eine alte Z-ran beim Tische sitzend, das Strickzeug hat sie weggelegt nnd träumt still vor sich hin. Dieses stille Nachdenken hat Hilde Kotanp sehr fein in dem charakteristischen Gesicht ausgeprägt. Ailch die Glanzlichter an dem Zvlinder der Tischlampe sind gnt beobachtet nnd angebracht. - - Vielversprechend sind die Arbeiten P ol l a k s. Er hat mir zwei Porträts ausgestellt, ein Selbstbildnis und das Porträt seines Vaters. Aber diese kleine Probe beweib viel Talent ilild ernste Arbeit. Beide Porträts sind malerisch und zeichnerisch gediegene Leistungen. Scharfe Charakteristik ist ihr Hanptvorzng. — Auch H e i' n r i ch L o e w e n t h a l, der sich als tüchtiger Medailleur einführt, strebt in feinen Gipsreliefporträts erfolgreich nach charakteristischer Gestaltung. Seine Liniienfühnlng ist fest und sicher. .- Ein Paar gute, zlinl Teil recht lmmorvolte Tierstndieil stellt der Bildhauer G e z a S a l z m a n n ans. Mißlungen aber ist ihm der Körgeir des Weibes, den ein Listve im Maul trägt. - - Die Arbeitsproben N 'H ch et v d H e d l s sind llnbedentelld. Bon wirklicher Beraillagnng zeigen viel eher die Photographien seiner früheren Studien, als die vorliegenden Modelle nnd Skizzenbücher. —- Nlir nebenbei sei bemerkt, daß die ganze Ausstellung unter der schlechten Beleuchtung leidet. Das ist allerdings ein llebelstand, der bei einem so kleinen llnternehmen schwer zu vermeiden ist. V. F. > Zerrissenheit ausarten, die die jüdische Sache und ihr Ansehen nach! außen in empfindlichster Weise zu schädigen geeignet ist. W?ie diese Organisation beschaffen sein soll, ob bloß Landesorganisationen oder auch eine Rcichsorganisation geschaffen werden soll, in welcher Weise der gesetzliche Wirkungskreis dieser Organisation umschrieben werderr soll, inwieweit in derselben neben den Laienelementen auch das geistliche Element seinen Einfluß auszuüben hat und ob neben dieser autonomen Organisation auch eine der Institution des evangelischen Oberkirchenrates ähnliche, aus Glaubensgenossen bestehende Staatsbehörde im Kultusministerimn zu schaffen ist, das ist Sache der näheren Ausführung und ist den Verharrdlungen der berufenen Faktoren mit der Regierung zu überlassen. Aber etwas nmß nach dieser Richtung geschehen, und wird die Sache energisch in die Hand genommen, so wird sie auch Erfolg haben. denn das, was man der evangelischen Kirche, deren Angehörige in Oesterreich bedeutend geringer sind, als die des israelitischen Bekenntnisses, schon vor vierzig Jahren zugestanden hat, wird man Wohl auch uns nicht verweigern können, zumal das Bedürfnis hiefür klar zutage liegt. — Nur diesem sichtlichen Bedürfnisse ist es znzuschreiben, daß sich in den letzten Jahren auf Grund des Vereinsgesetzes Korporationen wie der böhmische Gemeindebund, der österreichische israelitischeBund, der Zentralverein usw. gebildet haben, deren Bestreben es ist, die fühlbare Lücke der Gesamtorganisation der Judenheit des Landes oder des Staates auszufüllen, welche aber die in sie gesetzten Erwartungen nie ganz erfüllen können und werden, weil sie schließlich doch nur Privatvereine sind, denen die gesetzliche Kompetenz zur Vertretung der Gesamtjudenheit des Staates oder des Landes und daher die nötige Autorität nach oben, sowie nach unten mangelt. Ans Grund dieser Erwägungen erlauben wir uns nachstehende Anträge zu stellen: 1. Es sei die Schaffung einer die Judenheit der einzelnen Länder rcsp. des Staates umfassenden den Kultusgemeinden übergeordneten gesetzlichen Organisation der israelitischen Religionsgesellschaft sofort in Erwägung zu ziehen und die betreffenden Anträge einem innerhalb drei Monaten einzuberufenden Gemeindetage vorzulegen. 2. Das Gesetz vom 21. März 1890, Nr. 57, RGB., resp. die zu demselben erlassenen Verordnungen seien nachstehend abzuändern« beziehungsweise zu ergänzen: a) Außer den im § 3 Alinea 4 mrfgezählten Erfordernissen ist es für den Bestand einer Knltusgemeinde notwendig, daß am Sitze der Knltusgemeinde oder in dem höchstens drei Kilometer entfernten Umkreise derselben mindestens dreißig Familien- Die Generali«. Von K. P r u s ch a n s k y. Deutsch von I n l i e G o l d b a n m- (Schluß.) „Jawohl, mein Leven ist gebrochen," begann sie, nachdem sie lange Atem geholt hatte, stoßweise und mit häufigen Unterbrechungen, „ich habe weder eine Stunde noch eine Minute gehabt, in der ich mich rnhig oder befriedigt gefunden hätte. Ich mußte stets wie ein Vogel scheu nm mich blicken, mich vor einem fremden, verdächtigen Blicke in Acht nehmen. . . Ich besaß keinen Menschen, kein Wesen, von dem ich hätte überzeugt sein können, daß er mich innerlich nicht verdamme, mir meine Herkunft nicht vorwerse . . . Ich habe einen Mann, Kinder — ich liebe sie und auch sie lieben mich, aber ..." — Ich blickte sie fragend an. „Sie verstehen mich," fuhr sie nach einer langen Pause wieder fort, „ich bin vielleicht nicht imstande, Ihnen alles auszndritcken, was beständig in meiner Seele vorging. Es war etwas Unfaßbares, Unbestimmtes, das stets wie ein Schatten zwischen mir nnd den mir Nächststellenden vornberhnschte ... Es war eine Art von Schuldbewusstsein meinerseits ihnen gegenüber . . . stets musste ich bestrebt sein, mich vor ihnen zu entschuldigen ... Ich war beständig in der Lage einer Angeklagten, welche sich ans Schritt und Tritt verteidigen muß . . . Ich war niemals in der Lage, ich selbst zu sein, so wie mich der Schöpfer erschaffen hatte, denn immer und stets musste ich die Nolle der Genernlin Alexandra Petrowna Denissenko spielen. Das, was für jede andere Genernlin verzeihlich gewesen wäre und dem niemand die geringste Aufmerksamkeit geschenkt haben würde, ward bei mir zum Verbrechen, war ich ja doch nicht eine gewöhnliche Genernlin, sondern dazu noch Jüdin. O, wie schwer wurde es mir, alles zu ertragen! . . ." Sie schwieg nnd in ihren Wimpern erglänzten Tränen. „Es waren dreißig Jahre beständiger Aufregung," begann sie, nnchdenl sie ein wenig ansgeruht hatte, „stets nmsste ich ans der Hut sein, niemals durfte ich meiner Zunge, meinen Gefühlen freien Lauf lassen, stets musste ich mich gleichsam in einem feindlichen Lager

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