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Jüdisches Volksblatt · 1903-01-30 · 5 (30.1.1903) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
5 (30.1.1903)
Date
1903-01-30
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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30. Jänner 1903 Seite 5 i>,i. 5 vVieit, i'reu.f.g Dr. Jakob ßfwn Ehefredaktcur und sein zweiter Beimt im Knitusausschuß, Herr Groak, Drucker mW Verleger des Blattes ist, ctnjonft keift es irm die Wette mit den deutschradikalen Pveßkötern Nordmährens gegen Tschechen, „Römlinge" und — Juden. Die neueste Spezialität des Tagblattes sind antisemitische Inserate. Am Vorabend des letzten Christfestes offerierte da ein Wiener Uhrmacher seine r e in ch r i st l i ch e n W a r e n, und feit einigen Tagen kehrt folgende Ankündigung wieder: „Journalist wird als Korrespondent für ein a n t i s e m i t i s ch e s Wiener Blatt gesucht." Cs ist der Verdacht nicht von der Hand zu weisen, daß der Antisemit tatsächlich für das Q l m ützer Blatt gesucht wird, da die Herren KnltuZräte offenbar mit dem einen aktiven Burschenschafter Doleschall, den sic seit lange in ihrer Schriftleitnng sitzen haben, bei den radikalnationalcn Zeiten nicht mehr das Auslangen finden. Jedenfalls auf, ihr Spezialisten des Vitualiüordes, versucht euer Glück! Der Verband der israel. Handwerker für das Königreich Böhmen beruft für den 3. Februar 8 Uhr abends im Restaurant Schulhof, Prag, seine erste Generalversammlung und ladet seine Mitglieder zum zahlreichen Erscheinen, ein.' Auswärtige Mitglieder können sich von Delegierten vertreten lassen. Anträge müssen acht, Tage vorher beim Vorstände einge'bracht werden. Wir können hiermit den angenehmen Bericht erteilen, daß der Verband auf 120 Mitglieder angelvachsen ist; nur von den 160 Kuftusgemeinden Böhmens hat sich erst eine kleine Anzahl zum Beitritte gemeldet, an deren Spitze Prag steht. /Sie Beiträge sind nach eigenem Ermessen und ohne Vorschreibung gestellt, dürfen jedoch nicht unter 0 Kronen sein. . Das Interesse für den einzelnen Gewerbetreibenden sowie für die Kultusgemeinden, in dessen Nutzen es ist, an einen derartigen Verband sich anzuschließen, ist in den ausgesandten Zirkularen, ersichtlich gemacht. Wir wollen nunnnr hoffen, daß auch der neue Vorstand eine ersprießliche Tätigkeit pflegen werde und daß das neue Vereinsjahr die Zahl seiner Mitglieder vergrößere. Im literarischen Geselligkeits-Vereine jüdischer Mädchen „Moria" wird Sonntag den 1. Februar Herr Dr. Carl Lifczis einen Vortrag über das Thema „Manches über die jüdischen Ehen" halten. Beginn präzise halb 4 Uhr nachmittags im Religionssaale der Israelitischen Kultnsgemeinde, 1. Bez., Seitcnstettengasse 2, 2. Stock. Gäste herzlich st willkommen. Deüica. Dienstag den 3. Februar d. I. findet in Debica die Trcnnmg des Rabbinats-Kandidaten Herrn Aron L e w i n mit Frl. Dora Fried m a n n aus Wieliezka statt. Die jüdische Presse in Oesterreich ist grösstenteils nur auf jüdische Leser angewiesen, trotzdem gibt es nvch biete Juden, die von einer jüdischen Presse entweder nichts wissen wollen, oder aber wirklich nichts wissen. Wie diesem abzuhelfen wäre, wie wir Inden uns mehr um die jüdische Presse scharen sollen? Das wäre eines ernsteren Nachdenkens durch die leitenden Glaubensgenosse:: wert. Auf einen Umstand will ich gleich hier aufmerksam machen: Der Jude am Lande, den die jüdischen Angelegenheiten interessieren und ben vor allein die jüdische Presse zum Mitkämpfer machen würde, kann nicht alle jüdischen Leitungen halten — ein einzelnes Blatt, lvelcheS einmal im Monate oder jede 8 Tage erscheint, genügt ihm „ich: —- nnd wenn man z. B., wie der Schreiber, sechs jüdische Blätter hält, so'bleibt für das siebente Blatt, selbst wenn es sehr empfehlenswert wäre, kein Animo. Wie ist da Abhilfe möglich? In den größeren Städten ist es nicht schwer, die Gast- und Kaffeehäuser zum Abonnement unserer Blätter zu veranlassen — es brauchen mir drei bis vier Gäste auf einmal ein solches Blatt zu verlangen nnd ivenn es nicht vorliegt, die Bestellung des Kaffees oder Bieres deshalb rückgängig zu machen — so ist dem abgeholfen. Fluders ist es am Lande, Ivo der Jude sehr wenig oder gar nicht in öffentliche Lokale kommt. Es wäre deshalb angezeigt, datz entweder die Kultusgemeinde selbst oder die besser situierten Kultusgemeiudemitglieder 2—3 empfehlenswerte Blätter abonnieren und dieselben ad Cireülandum zum Lesen geben. Ein solcher Vorgang würde der jüdischen Presse Vorteile bieten, Iveil ihr hiermit sukzessive dennoch Abonnenten Zuwachsen würden. Wir empfehlen diesen Antrag allseits in Erlvägnng zu ziehen. I d u o b. Bodenbnch a. E. Am 25. Jänner d. I. hielt unser Tempellianvereiu seine Generalversammlung ab. Dem Rechenschaftsberichte ist zu entnehmen, daß der Ausschuß kein Mittel unbenützt gelassen hat, um seine Einnahmen zu Tempelbauzwecken ständig zu vergröbern. Wie alljährlich, beschloß die Versammlung, das Vereinsvcrmögeic bis auf das statutarisch festgesetzte im Besitze des Vereines verbleibende Minimum an die KAiltusgcmeinde abzuführen. — Interessant war die Wirkung einer Ueberraschung, mit tvelcher der Kultusvorsteher Adolf Pächter den Verein bedachte. Derselbe hatte auf eigene Kosten Plan, Skizzen und beiläufigen Kostenvoranschlag für einen auf dein im Besitze der Gemeinde befindlichen Bauplatze zu erbauenden Tempel Herstellen lassen nnd dem Tempelbanverein übermittelt. Das schön ansgeführte Situationsbild entzückte die grotze Versammlung und jedes Herz schlug höher bei dem Gedanken, daß ivir in Bvdenbach eilten solchen Tempel bekommen sollten. Doch mit dein auf deur Papiere festgeynltenen Bilde ist der Zweck nicht erreicht und dies erläuterte Herr Vorsteher Pächter in längeren Ausführungen, indem er darauf hinwies, datz von vielen Seiten der Tempelbau bereits dringend gewünscht werde. Wenn er auch sich bewußt sei, das; das seit dem Bestände der Kultusgemeinde von ihm zur Verfügung gestellte Provisoriitm für die hohen Feste nicht hiureiche, so wollte er durch die Anfertigung des Planes vor allzu schnellen Entschlüssen warnen, denn wenn der Plmc auch schön ist und allen Anforderungen gerecht wird, so würden dagegen die Kosten des Baues nach diesem Plarie so groß tverden, dag sie die Gemeinde selbst unter noch viel gröberer Belastung seiner Mitglieder nicht leiste,: könnte. Darum rät er, nicht zu hasten, sondern noch einige Jahre ernsig zu snlnnleln. — An die Generalversammlung schloß sich ein Geselligkeitsabend an, der durch die bei demselben mitwirkenden Kräfte zu einem der geiulbreichsten der bisher abgehaltencn wurde. Eine Bodenbacher Dame entzückte die Anwesenden durch ihren herrlicheu Gesang. Die rühmlichst bekannten Improvisatoren Adolf Holländer und Paul Steinitz hatten ihre Mitwirkung ohne jedes Entgelt aus Liebe für die jüdische Sache, der sie mit jeder Faser ihres Herzeils zugetan, zugesagt und erfüllt. Herr Holländer tvnsste in seinen Improvisationen fast jedem der Anlvesenden eine Jüdisches VoJksblatf Schelle anzuhängeu nnd blieb dabei im Rahmen der echten Gelnütlichkeit. Herr Steinitz zeigte sich in seinem von ihm -— a la Faust — improvisierten Monolog, in dem er ihm zugerufene Schlagworte mW Zitate treffend einfügte, als sehr belesenen, schlagfertigen und geistreichen Künstler. Die von beiden Herren gelieferte Dichtcrschlacht verlief in bester nitd immer gesteigerter Animiertycit der Altwesenden. Den Herren hatten wir es auch zu danken, datz sie ihren Kollegen den lveltbekannten Dameniinitatvr Alexander Tacianu in unsere Gesellschaft einführten, wo er durch seine phäiwmenale Kolornlnrstiinine, mit welcher er sein Lied begann, nnd iii. schönster Baritvnstimme oft unterbrach, den regsten Beifall hervorrief. Wir können nicht umhin, den Künstlern für den uns gebotenen Genus; und den unserem Vereine durch ihre Darbietungen gewordenen Beitrag hcrzlichst zu danken. — Es ward Abend, cs tvard Morgen — da endete der Geselligkeitsabend in erhebendster Stimnlcmg. Ter Antisemitismus. Diese heute so gut genährte Pflanze hat durch die ihr zngeführten Kräfte von unten nnd durch die ihr von oben stets leuchtende Sonne eitle solche Höhe erreicht, daß schließlich uns Inden das Gefühl dennoch in Fleisch nnd Blut übergehen dürfte — das; wir wirklich Jtlden sind, das; wir keine Deutsche, keine Tschechen sein können, weil mail nicht das sein kartn, zu was die Mehrheit der Tschechen und Deutschen uns nicht zulassen lvill. Es ilützt der Koalitiouszwang von den wenigen, von der Sonne auch beleuchteten Juden nichts. Die Konseqnenzeit aus der antiscnlitischcn Engros-Arbeit hätteic die leitenden Persönlichkeiten des Judentums schon längst ziehen sollen. Jnsolange die Assimilntiousnnd Koalitionsfreiheit in Oesterreich in Wirklichkeit auch für die Juden bestanden hat, hätte es nicht viel Anstrengungen bedurft und lvir hätten das erlangt, was jetzt selbst den jüdischen Lieblingen die Regierung nicht bewilligen wird vder kann. Der Grund der Nichtbewilligung liegt jedoch nicht in der Gesetzgebung, sondern in der Rücksichtnahme ans die antisemitischen Elemente, tvelche eine Geivährnng von mehr Selbständigkeit an das Judentum als ein Staatsverbrechen betrachten ivürden. lind trotz aller dieser Tatsachen können wir liicht anders, als wiederholt unsere Vordermänner aufzuforderu, sic mögen trachten, das; tvir Juden mit Rücksicht auf unsere hohe Steuerkraft, mit Rücksicht auf unsere armen Glaubensgcnosscn, mit Rücksicht auf unser haltloses Verteidigungsrecht, in Bezug auf die öffentlichen Pauschalverdächtigungen der antisemitischen Presse und Hetzer eine allgemeine Bereinigung mit ausgeprägt politischem Charakter erreichen. Es ist der Regierung nnd den Staatsämtern nicht gut möglich, zu sagen, datz sie einen jüdischen politischen Verein aller Kultnsgemeinden als st a a t s g e f ä h r l i ch betrachte n io ü r d e n. Eine solche Vereinigung, die zu nichts anderem als zur Gegenwehr gegen die Willkür der airtisemitischen Hetzer dienen würde, müszte besonders in bösen Zeiten, selbst einer antisemitisch angehauchten Regierung sehr genehm sein. Die ungeheure numerische Ueberlegenheit der Nichtjuden, welche in ihrer Machtfülle uns Juden sukzessive, aber sicher, den Maulkorb umhängen, sichert noch nicht dem Staate eine sorglose Zukunft ohne den Jude n. Es dürfte die Zeit kommen, wo es zu spät sein wird, an Mahnahmen zu denken, die wir jetzt in letzter Stunde beantragen. Die Juden an der Spitze aller jüdischen Korporationen und Vereine fordern wir auf: Verbindet euch! Ziehet an einem Strang! — Von deren Leiter erwarten wir: Steiget auf die hohe Warte — nicht etwa um auf die Landjuden herabzusehen und in ihnen euch entfremdete Elemente zu suchen, sondern um sie um euch zu sammeln und sie zur gemeinsamen Arbeit aufznmuntern. Juden, seid einig I I u l i u s B o n d y, Horowitz. Rzeszaw. ScrmStag den 17. und Sonntag den 18. ds. veranstalteten die zionistischen Handelsangestellten in Rzeszow im Saale des „Hotel Royal" zwei amatorische Vorstellungen, die einen überaus animierten Verlauf nahmen. Zur Aufführung gelangte Lateiners hrstorrsche Operette „Zerstörung Jerusalems", Musik arrangiert von Herrn Krebs. Ein zahlreiches Publikum aus allen Kreisen folgte den Aufführungen mit pietätvollem Interesse. Frl. R. Schindler hatte d:e Hauptrolle und wurde durch lebhaften Beifall ausgezeichnet. Frl. Goldreich bot eine vortreffliche Leistung. Worte der Anerkennung verdienen auch die anderen Mitwirkenden, insbesondere die Herren Reich, Sternheim, Laub, Wang, Weintraub nnd Wolfeld. Das äußerst stimmungsvolle Arrangement ist den Herren Reich, Ducker und Sternheim jun. zu verdanken. Das Reinerträgnis von 190 Kronen wurde zum wohltätigen Zwecke verwendet. L. W. Der gute Ort. Welcher Jude liebt und ehrt nicht den guten Ort? Zeigt mir den Juden, der nicht mit Wehmut, mit traurigem Herzen und mit pietätvollem Gefühl desjenigen Ortes gedenkt, wo seine Vorfahren ruhen — und dennoch! Ich habe in Böhmen mehrere jüdische Friedhöfe gesehen, die alt, sehr alt sind, auf denen jedoch Kühe und Ziegen weiden und bei denen die Ummauerung einem eingefallenen Haufen Steine gleicht. Ich habe jüdische Friedhöfe gesehen, die heute noch einer angesehenen Zahl von Chelvre-Mtgliedern zuck letzte,: Ruhestätte' dienen sollen, auf denen jedoch j e d e n S o m m e r Kühe und Ziegen lv e i d e n nnd Buben und Ziegen die Grabsteine umweffen! Wo liegt die Schuld? Man könnte sagen, daß es jüdische Friedhöfe gibt, die durch die Arrnut der Chewre-Mitglieder nicht in Ordnung erhalten tverden können. Ich sage: Ich habe Vereine gesehen, denen nichts anderes als der gute Ort zur Sorge überlassen wurde — und — für einige tausend Kronen Lose. Ich habe solche Vereine gesehen, die von vermögenden Leuten neue Widmungen eingeheimst, iveil auf dem betreffenden guten Orte deren Eltern ruhen, und zlvar mit der ausdrücklichen Bestimmung, daß diese 2000 Kronen (resp. deren Zinsen) zur Erhaltung des guten Ortes benützt werden. Der Ausschuß, ja der ganze Verein, hatte jedoch andere Ansichten. Mein Antrag, daß nun dem ctm Friedhöfe wohnenden Totengräber wenigstens ein kleiner Gehalt gezahlt werde und er dann für die Ordnung dort voll verantwortlich gemacht werden kann, wurde abgelehnt. Der Mann bekommt keine Zahlung, kann jedoch seine Kühe und Ziegen am guten Ort weiter tveiden. Der Verein hat an 50 Mitglieder und die Vereinseinnahmen werden in Losen und Wertpapieren angelegt. Diese Leberwen kümmern sich nicht um die Toten! „Ein jeder einzelne soll selbst dafür sorgen, daß die Gräber seiner Lieben gepflegt werden," so ungefähr lautet deren Ansicht. Mas ist da zu tun, um Abhilfe zu schaffen? Da hilft nur die Oeffentlichkeit! Und wenn die nicht helfen wird, werde ich Ikrmen nennen I Jdnob. Ausland Das EinwnnderrmgSgesetz der Kapkolonie. Nach dem Deutschen Rcichsanzeiger sind die Grundzüge des neuen Einwanderungsgesetzes für die Kapkolonie, das die Bestätigung des Gouverneurs erhalten hat, und am 30. Januar d. I. in Kraft treten soll, folgende: Die Einwanderung gewisser Klassen von Personen ist verboten. Personen, die im Widerspruche mit den Besttmmungen des Gesetzes einwandern, werden aus der Kolonie zwangsweise entfernt und bis zu ihrer Entfernung in Haft gehalten. Die Beihilfe zur unerlaubten Einwanderung und betriigerische Angaben zum Zlvccke des Nachweises über die Erfüllung der für die Einwandernngserlanbnis anfgcstellten Bedingungen sind strafbar. Verboten ist die Einwanderung: 1. Von Personen, die nicht imstande sind, in einer europäischen Sprache ein Gesuch an den zuständigen Minister zu schreiben und zu unterzeichnen. 2. Von Personen, die nicht im nachweisbaren Besitz von Untcrhaltsmitteln sind oder die voraussichtlich der Oeffentlichkeit zur Last fallen. 3. Von Personen, die wegen Mordes, Notzucht, Diebstahl, Betrug, Meineid oder Urkundenfälschung bestraft sind nnd die der Minister wegen der das Verbrechen begleitenden Umstände als unerwünschte Einlvanderer bezeichnet. -I . Bon Irrsinnigen. 5. Von Personen männlichen oder weiblichen Geschlechtes, die von der Prostitution leben oder daraus Gewinn ziehe,:. 0. Von Personen, die auf Grund einer von einem Staatssekretär oder einen: Kokonialminister oder Minister auf Grund einer auf diplomatischem Wege von einem ausläiwischen Minister cingegangcnen amtlichen Mitteilung von dem zuständigen Minister als unerwünschte Einwanderer erachtet loerden- Das Gesetz findet keine Anwendung auf Angehörige der britischen Land- und Seeinacht, auf Offiziere und Mannschaft eines unter der Staatsflagge eines fremden Staates fahrenden Schiffes, m:f Beamte und deren Familien, ans frühere Angehörige der Freiwilligenkorps in Südafrika, ivenn sie mit guten Zeugnissen entlassen worden sind, auf Frauen und minderjährige Kinder der Personen, die nicht unter die oben angeführten Klassen fallen, auf in Südafrika ansässige Personen, sowie auf Handwerker, Arbeiter und Dienstboten, die sich über eine entsprechende Anstellung ausweisen können. Paris. Der „Temps" bringt folgende Mitteilung: Der Grandrabbiner von Genua, Herr Lepz, ist zürn katholischen Glauben übergetreten, was in Genua begreifliches Aufsehen erregt. — Der Genannte widmet sich nun weiter dem Priesterstande und schließt sich den Missionären an. — Es wäre höchste Zeit, eine „Gesellschaft zur Konservierung des Judentums" zu gründen. (Anw. d. Red.: Wir überlassen dem „Temps" die Verantwortung.) Paris. Der russische Priblizist Nahum Schloufche (Ben David) Hai an der Faculte des lettres promoviert und die These: „Die Wiedergeburt der jüdischen- Litera-ttrr 1743—1886" gurrt Gegenstände seiner Ausführungen gewählt. Der junge Doktor hat die „ehrenvolle Belobung" erhalten. H. F. Todesfall. In seiner Wohnung am Hydepark starb am Samstag, wie aus London berichtet wird, an den Folgen der Influenza Sir Joseph Montefiore. . Der Verstorbene war ein Sohn des bekannten jüdischen Philanthropen Sir Moses Montefiore und versah bis vor wenigen Monaten das Amt des italienischen Konsuls. Vor drei Jahren wurde er wegen seiner großen WohltättgLeit in den Adelsstand erhoben. Sein Haus in Ramsgate, wo er meistens zu wohnen pflegte, enthält eins historische Sammlung, die einen großen Wert besitzt. Neue fünfperzentrge amortisierbare rumänische Rente. Die Disko nt oges ellschaft nnd die Banksirma S. B l >e i chr o d e r haben heute gemeinsam der Zulassungsstelle der Berliner Börse den Prospekt der nerven fünfperzentigen Anleihe von 186 Millionen Francs — 149 85 Millionen Mark, eingereicht, die zur Einlösung der fünfperzenttgen Schatzschieine von 1899 dienen soll. Verstärkte/ Verlosung oder Kündigung der neuen Anleihe ist nach dem Prospekt bis zum 1. Märtz 1913 ausgeschlossen. — Wie von rumänischer Seite mitgoteilt wird, soll die Anleihe zu 9514 Perzent! ausgegeben werden, wovon für Provision und Spesen 1% Perzent in Abzug kommen, so daß die rumänische Regierung 94 Perzent erhält. Diese Nachricht! bringen Berliner Blätter. Daß doch imnrer die Millionäre die ersten, sind, die das Volk verraten. Die Einwanderung fremder Proletarier und Verbrecher ist zur großen politischen Tagesfrage in L 0 n d 0 n geworden und wird von einer riihrigen Agitation gegen das Ausland ausgenützt. Die Verurteilung einer wohl zufällig größeren Zahl von ausländischen Verbrechern ivährend der letzten Wochen hatte zahlreiche Aeußerungen zugunsten der Beschränkung der Einwanderungsfreiheit veranlaßt, darunter auch eine solche des jetzigen Lord Mayor Samuel. Die „Times" konstatiert nun die unverkennbaren Anzeichen eines wachsenden Vorurteils gegen ausländische Arme und sonstige lästige Fremde. Die Keime dieser Feiiwseligkeit bestehen schon seit langer Zeit, inrd unverantwortliche Personen setzen die Hetze fort. Aber alle Versuche, eine Art von Judenhetze oder eine Nachahmung derselben hervorzurufen, wären lächerlich. Die Mßstände bestünden nur in einzelnen Teilen Londons und in einigen anderen Großstädten. Nur wenig Gewerbe find von der Einwanderung ernstlich beeinflußt. „Wir hören viel von fremden Verbrechern", schreibt die „Times", „aber nur wenig davon, daß den Einwanderern die Familientngenden und die Achtrmg der Gesetze durch die eingeborene Bevölkerung als Vorbild dienen könnten. Bei alledem ist die Lage ernst. In friiheren Zeiten bedeutete die Auswanderung den Zlbzug der starken abenteuerlichen und willenskräftigen Elemente der Bevölkerimg. Das Heimatland hatte den Verlust, das Land ihrer Niederlassung den Gewinn. Herste ist der typische kontinentale Auswanderer ein herabgekommener, schlecht genährter Schwächling und die gesunden Handwerker und Bauern, die auswandern, verschwinden ganz in der Masse des niedergebrochenen sozialen Ausschusses. Jmn:er mehr tverden ihnen die Tore versperrt, wogegen die Ausivandening sich stetig steigert. Wir hoffen, die königliche Kornmission wird :n:s faßen, was man tun kann, ohne den guten Ruf der Gastfreundschaft zu verlieren." Neue Krankheitssymptome. Graf Pückler hat sich am Freitag von r:cuem produziert. Noch hätten die Regierenden und die oberen Schichten Zeit, gemeinsam mit dem Volke die Judenknechtschaft nbzuschütteln, den roten Manaffe an die Wand zu drircken, bis er brüllt, bald werde es aber zu spät sein. Daß Berliner Bürger von Inder: nnd Sozialdemokraten drangsaliert werden, hätte er sich, wenn er der Herrscher wäre, nicht gefallen lassen. Mit eiserner Fanst wäre er dareir:gefahren und hätte die Kerle barbarisch verhauen. Mit einer handvoll starker Dtänner mache er sich mcheischig, Berlin von den Juden zu scnrbern und so lange zu kämpfen, bis der letzte Jude den deutschen Staub von den Füßen geschüttelt haben werde. Die Cholera in Palästina. Die Seuche, die zwar nicht sehr heftig ausgetreten ist, aber doch mehrere tausend Menschen hingerafft hat, war trotz der Kette von Grenzposten aus dem Innern Arabiens eingeschleppt worden. Zuerst trat sie in Gasa auf und dann

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